Heute steht das längste Bühnenprogramm des Festivals
ins Haus. Zum Glück wird die Ausdauer der Fans dieses
Mal eine Stunde weniger in Anspruch genommen, denn
gegenüber dem Vorjahr müssen wir dieses Jahr erst
14:00 Uhr antanzen. Müssen muss natürlich niemand,
aber wer von Anfang an dabei sein möchte hat dann doch sein
persönliches "Muss" im Auge zu behalten. Also ein
Dankeschön an dieser Stelle an das Festival, für den
etwas weniger sportlichen Samstagsstart.
Mitten auf dem Bühnenvorplatz begrüßt uns
eine unverrückbare Holzskulptur mit einer ganz eigenen
Geschichte. Erst am vergangenen Dienstag musste man sich im Interesse
der Sicherheit entscheiden, einen schon seit vorigem Jahr
kränkelnden Walnussbaum zu entfernen. Der
geübte Festivalbesucher weiß noch aus 2015 nur zu
gut, was alles passieren kann, wenn ein Baum oder Teile davon
um- oder abstürzen. Damals zum Glück nur hinter der
Bühne und ohne Personenschaden. Dieses Mal hat man vorgesorgt
und den Baum auf zirka 2,50 m Höhe gekappt, und aus dem Rest
hat der Berliner Holzkünstler Rene Ziemann dieses
schöne Erinnerungsstück geschaffen.
Wie gewohnt sind wieder alle Schrammen des Vortages, die der Regen
verursacht hat, mit duftenden Hackschnitzeln überdeckt worden.
Dank
des um eine Stunde späteren Festivalstarts ist der Platz heute
voller als sonst. Durchgezählt haben wir zwar noch nie, aber
der Andrang ist schon außerordentlich hoch. Ganjaman musste
sich ja noch nie Sorgen darüber machen, dass zu seiner
traditionellen "Frühstücksshow" zu wenig Publikum
erscheint, aber die Opener an anderen Tagen schon. Wir waren zwar auch
nicht immer anwesend, aber wo wir dabei waren, hat es Ganjaman stets
geschafft, mit einer angemessenen Anzahl von Fans sein
"Frühstück" zu teilen.
Sheriff:
Immer alles, ... und in aller Ruhe im Blick. Hoffentlich heute ein paar
Probleme weniger!
Ganjaman ist mit der Next Generation Family am Start und
präsentiert viele seiner schon in Fleisch und Blut
übergegangenen Lieder. Wie gewohnt natürlich in
unserer Muttersprache. Die Show ist im Durchschnitt mit ein paar mehr
nachdenklicheren und ruhigeren Songs bestückt als sonst. Noch
nie hat er meines Wissens seine Show mit "Ich wünsche
mir so
sehr" begonnen. In
Anbetracht der immer verrückteren politischen Lage im In- und
Ausland, macht Ganjaman streckenweise einen sehr bedrückten
Eindruck. " ... das ist
auch der Punkt, warum ich in den letzten Jahren
kaum Musik oder gar keine Musik veröffentlicht habe, ... weil
ich einfach nicht mehr weiß was ich sagen soll,
weil ich's schon gesagt hab' verdammt noch mal! ...",
bekennt
Steve unter anderem. Sein immer noch
aktuelles Album "Sinnphonie", liegt nun schon acht Jahre
zurück. Ungeachtet jeglicher Release Dates,
sind seine Songs natürlich nach wie vor aktuell, ...
leider.
Live Video:
Ganjaman & The Next Generation Family - 1/2
Frühstück
ist fertig!
Aber lasst uns nun erst einmal zu dem kommen, was der Show den Namen
gegeben hat.
Von der Bühne werden die Tabletts für das
"Frühstück" herunter- und ins Publikum
weitergereicht. Ich weiß gar nicht, was sich Ganjaman und die
Crew dieses Jahr als kleines Leckerli ausgedacht haben? Es scheint
jedenfalls wie immer zu schmecken, denn die Tabletts kommen bald
abgeräumt wieder zur Bühne zurück.
Jah Tung im
Publikum > Siehe Teil 1 beim da Sandwichmaker
Dre JA
Das wird
bestimmt ein Bassist oder eine Bassistin, ... bei diesen
ständigen
Vibrations. ;-)
Wer schon eine Frühstücksshow von Ganjaman gesehen
hat weiß, dass man dabei auch mit einigen "besonderen
speziellen Spezialgästen" rechnen kann. Es ist
immer witzig,
wie Steve bei
uns schon eingedeutschte englische Begriffe wieder ins Deutsche
überträgt. Bei ihm gibt es also Spezialgäste
und keine Special Guests. :-)
Dazu gehören heute die jamaikanische Sängerin Italee,
wie wir schon anfangs gesehen haben, der Jamaikaner Dre JA und der
Australier Jah Tung.
Jah Tung.
Gerade noch mit Turban im Publikum und nun mit Hut und offenen Dreads
auf der Schaubühne. :-)
Live Video:
Ganjaman & The Next Generation Family - 2/2
Nach Ganjaman & The Next Generation Family gehört die
Nachbarbühne der Banda Senderos, einer Band aus Essen. In der
seit 2012 gegründeten Truppe sind Musiker aus Chile, Kongo,
Polen und Deutschland vereint. Ihren Mix aus Latino-Pop,
gewürzt mit Elektrobeat, Reggae und Dancehall heben wir uns
für ein anderes Mal auf. Zeit für ein Rundgang
übers Gelände und einen Besuch im Backstage.
Obwohl wir
Italee schon am Donnerstag gesprochen hatten, fehlt sie noch in unserer
Autogrammsammlung. Die Gelegenheit für's Nachholen. Italee ist
Schnellschreiberin, so schnell kann gar nicht die Tinte nachlaufen, ...
also geht's noch einmal langsamer drüber. :-)
Die
Zeit in Abwesenheit von den Bühnen, während eines
Programmpunktes, ist schneller vorüber als man denkt. Als wir
das Cello von Sarah hören, erinnert uns das eindringlich
daran, schnellstens zu den Bühnen zurückzukehren. Das
Cello ist eines der Merkmale der Roots Musik von IQulah
Rastafari. Diese Band ist etwas ganz Besonderes und kaum mit
anderen
Künstlern des Genres vergleichbar. Da wollen wir eigentlich
keinen Ton verpassen.
IQulah Rastafari waren 2010 und 2017 zum letzten Mal beim Reggae Jam zu
Gast.
Ras IQulah
heute mit der immer noch beliebten "Ein-Strich-Kein-Strich" Tarnjacke
aus dem NVA-Depot der DDR. ;-) Wo hat er die denn nur her?
Seit unserer ersten Begegnung mit der tief spirituellen Rasta-Musik von
IQulah Rastafari, nimmt uns ihre Musik gefangen und nach Erscheinen
ihres Songs "Judgement", trage ich sogar ein Stück IQulah
ständig mit mir herum. Also wenn ihr mal unverhofft das
Cello-Intro von "Judgement" hört, ruft mein Smartphone ganz in
eurer Nähe nach mir. Den Song findet ihr auf dem am 13.02.2015
erschienenen Album "Food For Thoughts". Heute
müssen wir aber vergeblich auf diesen Song warten.
Dafür gibt's natürlich viele andere Stücke
in diesem Format,
wie z.B. das 2022er "Advance" ergänzt mit einem Cello Intro
gleich als
Opener, das kraftvolle und brandneue "Giddeon Chant" oder "Strength Of
Life" von
ihrer 2018er
"Africa Call" EP. Das Cello könnte nach meinem Geschmack
überall zum Einsatz kommen, was natürlich nicht der
Fall ist, denn Sarah spielt abwechselnd am Keyboard und am Cello.
Wie mir Sarah Graham später berichtet, wird der Song "Giddeon
Chant" erst im Frühjahr 2025 sein offizielles Release haben.
Also nicht wundern, wenn ihr den Song im Web nicht findet. Er hatte auf
dem Reggae Jam gerade seine Live Premiere.
Iqulah stammt aus Jamica und steht für Integrity, Quality, Unity
and Love
for Africa
as Home,
und in diesem Zusammenhang möchten wir auch noch einmal auf
das Buch "IQulah Rastafari - The Rasta Ambassador" hinweisen, welches
man unter diesem Link
erwerben kann. Raymond Topping, alias Ras IQulah wurde schon vor vielen
Jahren von der
Presse als "Hohepriester des Reggae" und eben auch als "Rasta
Ambassador" gefeiert. Als seinen bisher größten
Erfolg
sieht Ras Iqulah seinen Auftritt in Äthiopien, auf dem Maskal
Square von Addis Abeba, vor zirka 80.000 Menschen im Jahr 1997. Mit
mehr Fakten wollen wir euch an dieser Stelle nicht langweilen, denn wir
haben schon in 2017
ausführlich über die Geschichte der Band berichtet.
Leider sind die 45 Minuten viel zu schnell vorüber und Ras
IQulah stimmt den Abschiedssong an. Schade, dass er auf "Judgement"
verzichtet hat, denn unserer Meinung nach, hatte die Show durchaus
Reserven bzw. ein paar Phasen die hinter "Judgement" deutlich
zurückstanden. Aber nicht so schlimm, ...
schließlich gibt es auch Musikkonserven. ;-)
Live Video:
IQulah Rastafari - Advance + Giddeon Chant + Strength Of Life
Bis zum nächsten Mal IQulah Rastafari!
Hinter den
Bühnen nehmen schon die Instrumente für
die nächsten Shows Aufstellung und es wird fleißig
an den Vorbereitungen geschraubt, damit auf den Bühnen so viel
Zeit wie möglich gespart werden kann.
The Guitar
Man und rechts Ras IQulah und Dre JA
Ein paar
Gruppenbilder müssen natürlich auch noch
sein. Die Band nimmt gerne Aufstellung und andere Artists und
Fotografen schließen sich der Idee gerne an.
Es fehlen die Percussion und eine Gitarre.
IQulah
Rastafari & Roughhouse
Aber
nun genug von IQulah Rastafari, denn jetzt steht Sara Lugo auf der
Bühne. Es ist tatsächlich unglaubliche 13 Jahre her,
als wir sie zum letzten Mal auf einer Reggae Jam Bühne gesehen
haben. Damals mit Ray Darwin und auch mit Protoje. Fast hätten
wir sie aus den Augen verloren, wenn uns nicht ihr 2021er Album
"Flowaz" auf den Tisch geflattert wäre und uns an sie erinnert
hätte.
Das soll natürlich nicht heißen, dass Sara die
ganzen Jahre keine Musik gemacht hat oder andere
Neuveröffentlichungen hatte, es fand sich bei uns nur keine
Gelegenheit sie zu hören oder zu sehen.
Sara Lugo tänzelt mit verführerischer Choreographie,
sagen wir mal mit einem teilweise sehr gewagten
Outfit, durch ihre Show. So sorgt sie neben ihrer Musik garantiert
für Aufsehen beim Publikum. Wer nah dran ist, wird wissen was
ich
meine. Uns soll das natürlich keineswegs stören oder
ablenken und
ihre
Bewegungen passen schließlich perfekt zu dieser
schönen
Garderobe.
Live Video:
Sara Lugo
Vielleicht etwas befremdlich wirkt auf mich, dass Sara als deutsche
Sängerin und auf einem deutschen Festival,
ausschließlich in Englisch mit dem Publikum spricht.
Schön, dass wir Sara Lugo wieder einmal gesehen und ihre
soulige Stimme ausgiebig gehört haben. Auch wenn ihr letztes
Album "Flowaz" überwiegend von R'n'B, Soul und einer Prise
Jazz
dominiert wurde, und somit für Reggae kaum Raum auf der
Scheibe blieb, waren unsere "Befürchtungen" für das
heutige Konzert überwiegend unbegründet.
Sista Gracy
mit ihrem Mann Diedel Klöver gehören zu den
Dauergästen des Reggae Jam. Ihr eigenes Festival "Gracys
Bash" liegt
erst zwei Wochen zurück. Aber nächstes Jahr gibt's
wieder eine Neuauflage.
Aber
nun geht es wieder nach links zur Grünen Bühne. Es
ist ein Künstler namens Mike Love angekündigt, der
in den USA und Hawaii beheimatet ist. Hört man diesen
Namen werden einige zunächst an die Beach Boys denken, aber
dort ist er natürlich nicht einzuordnen, auch wenn seine
Geburtsinsel Oahu, als Teil des hawaiianischen Archipels von den
schönsten Stränden umsäumt wird. Mike Love
sieht seine Musik in der Spiritualität und den
Botschaften von Reggae und Rastafari verwurzelt. Hinzu kommen
die verschiedensten Einflüsse aus Classic, Rock & Pop,
Soul, R'n'B, Blues und vieles mehr.
Er beschreibt seinen ganz eigenen Stil selbst als "revolutionary
consciousness music".
Der blonde Hawaiianer mit knöchellangen Dreads, langen Bart,
Nasenring und blau eingefärbten Fingernägeln an der
rechten Hand, ist mit jeder Menge Technik und Instrumenten
ausgestattet, die er mit Unterstützung einer Loop-Station zu
einer "Band" vereint. Sozusagen ein Alleinunterhalter in absoluter
Perfektion, die seinesgleichen sucht. Es ist schon unglaublich was Mike
Love hier live
zusammenkomponiert. Wie kann man nur die endlosen Knöpfe und
Tasten am Boden, nahezu ohne hinzuschauen mit den
Füßen
bedienen, dazu verschiedene Instrumente gleichzeitig spielen
und darüber hinaus auch noch singen. Das ist offenbar
nur barfuß möglich. Unsereins kann kaum die linke
und die rechte Hand im unterschiedlichen Takt bewegen.
Live Video:
Mike Love - Children Of The Heart + Leaders
Mike Love löst im Publikum beträchtlichen Jubel und
Anerkennung aus. Offenbar haben auch die wenigsten Festivalbesucher,
uns eingeschlossen, damit gerechnet, was Mike Love als Einzelperson
für ein Gesamtkunstwerk abliefert. Mike Love hat seine
Anhängerschar heute garantiert um eine erhebliche Anzahl
verstärken können.
Sein Debutalbum "The Change I'm Seeking" kam 2012 heraus und sein
aktuelles Werk ist das diesjährige "Leaders".
Wer mehr über Mike Love erfahren möchte, sollte sich
den 2024er
Festiville zu Gemüte führen. Darin ist ein
mehrseitiges Interview enthalten.
Es
fängt ein wenig an zu regnen, aber für das Projekt
Jamaram meets Jahcoustix, halten wir schon noch eine Weile durch.
Jamaram und Jahcoustix
sind nahezu gleich lang über 20 Jahre
musikalisch aktiv. Die Zusammenlegung ihrer beiderseitigen
Fähigkeiten haben wir zuerst vor zwei Jahren beim Reggae Jam
erlebt. Inzwischen gibt es seit April auch eine gemeinsame EP mit dem
Titel "Mor:ning". Darauf enthalten sind 6 Songs. Lassen wir uns
überraschen wie es weitergeht. Für heute bleiben wir
aber
nicht bis zum Ende der Show und legen erst einmal eine
Wartungspause für uns ein.
Live Video:
Jamaram meets Jahcoustix - Under The Influence + Morning
Rechts:
Etana & Video Jelashe
Nächster
Act sind Rebellion
The Recaller und die Peace Development Crew. Während
Bafoday
Drammeh oder Bafode Dramé, alias Rebellion The Recaller, aus
The Gambia kommt, ist die
Peace Development Crew in Hannover stationiert. Rebellion haben wir
zuletzt in 2016 auf dem Reggae Jam gesehen. Damals hatten wir einen
Teil der Show verpasst und uns für heute fest
vorgenommen, Rebellion
in voller Länge anzusehen. Leider macht es uns dieses Mal der
Regen
etwas schwer und aus Rücksicht auf unsere Kameratechnik, wird
es wieder nur Stückwerk. :-(
Live Video:
Rebellion The Recaller & Special Guests
Wenigstens erwischen wir noch seinen Special Guest Jah Ringo aus Gambia
im vorletzten Song seiner Show, sowie das Finale mit seinem schon in
2004 veröffentlichten Hit "We Must Rebel". Mit dabei ein
Kurzauftritt von King Pata aka The Kutta, Gründer
von Kutta Music. King Pata kommt aus Gambia, ist in UK
aufgewachsen und lebt aktuell in Hamburg und "weltweit", wie er einmal
von sich gesagt hat.
Von
der Grünen Bühne und des etwas schützenden
großen Baum geht es nun wieder unter den freien Himmel der
Roten Bühne. Hier brauchen wir unbedingt weniger
Tröpfelei von oben.
Auf der Bühne steht Keith Junior Powell, alias Roughhouse,
der
auch voriges Jahr auf dem Reggae Jam zu Gast war und damals
just zum Tage sein neues Album "Changes" veröffentlicht hatte.
Der beste Song des Albums ist meiner Meinung nach "Man From Alkebulan",
gefolgt von "Eye For An Eye" und "My Fans". Als nahezu
durchgängiges Erkennungsmerkmal des Albums, ist das
Flötenspiel seiner Partnerin auszumachen, die auch heute mit
auf der Bühne steht.
Bestandteil seiner Show ist Akeem Garrison, der aus Jamaikas Hauptstadt
Kingston kommt. Viel gehört haben wir bisher noch nicht von
ihm. Das erste Mal sind wir in 2021 auf ihn gestoßen, als er
die von Jon Moon produzierte und von Ganjaman in den Planet
Earth Studios Berlin gemasterte Single "Sensation" in 2021 bei
Yutman Records veröffentlichte.
Allerdings hat Akeem Garrison schon in 2017 seine erste EP "Love Story"
herausgebracht. Aktuell macht er Werbung
für seine kürzlich erschienene EP "Trenchtown
Original", die sieben Songs enthält. Damit auch niemand
vergisst diesbezüglich nachzuschauen, hat Akeem Garrison
gleich einen Stapel Werbekarten auf dem Festival in Umlauf gebracht.
Live Video:
Roughhouse & Akeem Garrison - Rasta Party + Nice Up Di Dance +
Rastaman
Nachdem "Rastaman" als letzter Song von Roughhouse verklungen ist, geht
es auf der Grünen Bühne mit Loyal Flames und der
House of Riddim Band in die nächste Runde.
Loyal Flames stand zuletzt vor 10
Jahren auf der Bühne beim Reggae Jam, ... wenn wir
dazwischen nichts verpasst haben. Dennoch sparen wir ihn heute einmal
aus, zumal es schon wieder etwas mehr regnet.
Auch
bei Inti & Chaski schauen wir heute nur kurz vorbei.
Das ist nun das dritte Jahr hintereinander, dass Inti beim Reggae Jam
auf der Bühne steht. Ob nun mit der Band Memoria, als Inti
& Chaski oder nur als Inti, es ist und bleibt dennoch Inti. Und
wie wir gehört haben, wird er beim Colors of Beat Festival
in Mehderitzsch im September auch auf der Bühne stehen. Da wir
geplant haben, dort ebenfalls aufzuschlagen, muss Inti heute
überwiegend dran glauben. Also sparen wir uns ein
paar Bytes. ;-) Wir sehen uns dann also
am 7. September in Mehderitzsch wieder.
Nun
ist aber Schluss mit der Einsparerei und den Pausen. Bei den
nächsten vier Tagesordnungspunkten werden wir uns von den
Bühnen nicht mehr wegbewegen. Zunächst ist unser
Freund Teach auf der Grünen Bühne an der Reihe. Teacha Dee
liebt ja die Rote Bühne eigentlich mehr, aber so
müssen für House of Riddim keine Umbauarbeiten
getätigt werden, da diese schon für Loyal Flames hier
gespielt haben. Außerdem tritt Teach heute im Green und nicht
im Red Jacket auf. Da passt doch alles zusammen. ;-)
Teach teilt sich heute die Bühne mit seinen Freund Don Tippa
aus Jamaika, der teils als Backgroundsinger und auch mit eigenen Songs
am Mikro steht. Wir kennen Don Tippa schon seit einigen Jahren, als
ihn Teach in 2017 auf dem Reggae Jam uns vorgestellt hat.
Musikalisch ist er bisher an uns vorbeigegangen, da wir noch keine
Gelegenheit hatten, ihn live auf der Bühne zu sehen. Don Tippa
und Teacha Dee arbeiteten schon seit vielen Jahren in einem Heimstudio
zusammen, als Teacha Dee noch selber in Jamaika lebte. Als Teacha Dee
im
Jahr 2007 seine erste Hit-Single "Smoke & Fly" in Europa
landete, ebnete das auch für Don Tippa den Weg hierher. Denn
wo der Teach ist, ist auch der Don nicht weit entfernt. :-)
Teacha Dee hatte uns ja erst im Dezember 2023 im Ortrander
Kulturbahnhof köstlich unterhalten, als er sich
wegen einem speziellen Publikum sofort umstellte und viele Songs mit
deutschen Einlagen neu interpretierte. Heute nun wieder im
englischsprachigen Standardprogramm, aber im Hinterkopf habe ich immer
wieder seine
witzigen Einlagen.
Live Video:
Teacha Dee & House of Riddim - 1/2
Teacha Dee stand zuletzt in 2022 auf der Bühne des Reggae Jam,
ist aber seit 2011 nahezu jedes Jahr auf dem Gelände
anzutreffen. In jenem Jahr ist er auch zum ersten Mal im Dancehall Tent
aufgetreten, und seit diesem Zeitpunkt ist Teach auch Dauergast auf
unserer Website. Da ist es irgendwann natürlich schwer,
irgendwelche Neuigkeiten zu vermelden. Lange kann es aber nicht mehr
dauern. Teach überlegt schon eine ganze Weile ein "Best Of"
Album herauszubringen. Er kann sich nur noch nicht entscheiden, ob es
das in Vinyl oder als CD geben soll. Was ist euch denn lieber? Schreibt
ihm einfach eure Meinung.
Aber reden wir auch noch kurz über den Don, der die gesamte
Show
nur einen Fuß belasten kann. Was mit dem linken Fuß
passiert ist, mit dem er nur auf Zehenspitzen laufen kann, geht bis in
seine Kindheit zurück. Anfang 1983 bekam Barrington eine
Polio-Impfung auf die er negativ reagierte. Er hatte einen Schnitt am
Fuß mit dem er vier Jahre lang leben musste. 1987, als er
sieben Jahre alt war, versuchte man eine Operation, die die Situation
aber leider noch verschlimmerte. Er konnte seitdem nicht mehr richtig
auftreten und läuft noch heute so. Dennoch ist er sportlich
sehr aktiv, spielt sogar Fußball, geht schwimmen und vieles
mehr, ohne dass er dabei Schwierigkeiten hätte. Wegen der
Besonderheit seines Ganges bekam er den Spitznamen "Tippa", der sich
später zu dem Künstlernamen "Don Tippa" entwickelte.
"Tippa"
kommt von "Tipping" (ein Gangstil der Rude Boys aus den 80ern), wie er
erklärt. Außerdem sieht es so aus, als
würde er auf
den Zehen laufen, was auch "kippen" bedeutet.
Barrington Hill, alias Don Tippa, kam am 04.04.1980 in Montego Bay auf
die Welt. Er wuchs ohne Vater bei Mutter und Großmutter auf.
Nach
seiner Schulausbildung schloss er 1997 die Ausbildung zum
Automechaniker ab. Dennoch befasste er sich mehr und mehr mit Musik und
reiste mehrmals vergeblich nach Kingston um einen Produzenten
für
seine Musik zu finden. Als er später bei "High Quest
Production"
in Granville, eine Gemeinde am südlichen Stadtrand von Montego
Bay, seine Aufnahmefähigkeiten trainierte, traf er auch auf
Damion
Warren, alias Teacha Dee. Gemeinsam beschlossen sie ein Heimstudio zu
gründen, welches 2008 den offiziellen Namen "Tenfloor Records"
bekam.
Nach dem eingangs geschilderten Schritt nach Europa, wurde Don Tippa im
Jahr 2012 mit seinem Song "My Lady", auf dem Sweet Sour Riddim,
erstmals bei der europäischen Reggae-Szene bekannt.
Im Jahr 2019
veröffentlichte er schließlich sein Debutalbum "Bless
Indeed"
mit 13 Songs. Mit dabei Gäste wie Yahsha Tazdaq, Add V,
Perfect
Giddimani,
Skarra Mucci, Laveka und natürlich Teacha Dee. Als
eingängigste Songs
des Albums haben sich für mich "You Have Life", gefolgt von
"Simplicity" und "High With Me" eingeprägt.
Live Video:
Teacha Dee & Don Tippa & House of Riddim - 2/2
Soweit ein paar Eindrücke von Teacha Dee und Don Tippa,
unterstützt von der House of Riddim Band. Viel Erfolg euch
weiterhin!
Und
nun wieder Rechtsschwenk zur Roten Bühne, auf der wir nun mit
"The Strong One" eine außerordentliche Stimme des Reggae
begrüßen können. Sie war zuletzt vor zwei Jahren
auf dem Reggae Jam zu Gast. Zufälliger Weise standen in jenem
Jahr ebenfalls Teacha Dee, Nkulee Dube, Inti & Chaski mit
Memoria und natürlich Ganjaman am selben Tag mit ihr
auf der Bühne.
Stimmgewaltig wie eh und je, jagt einem Shauna McKenzie, alias Etana, mit
ihren Hits einen wohligen Schauer nach dem
anderen über den Rücken.
Ihr Langjähriger Bühnenpartner Ruel "Klyve"
Moncrieffe, der sonst immer für den männlichen
Gesangspart zuständig war, ist heute leider nicht dabei. Er
wird von einem anderen und etwas beleibteren Sänger vertreten,
den wir noch nicht kennen. Und wie das so bei Vertretungen ist, klingen
die maßgeblichen Songs dann natürlich auch etwas
anders als gewohnt.
Songs wie "Reggae", "Blessings", "I Am Not Afraid", nur um einige zu
nennen, dürfen natürlich in ihrer Show nicht fehlen.
Darüber hinaus auch ihr mitreißendes
Ska-Medley und ein
paar Cover-Songs wie Dawn Penn's "No No No", Bob Marley's "Is This
Love" und andere. Etana versteht wie immer die Massive zu begeistern.
Nicht immer möchte ja ein Publikum nachgesungene Songs
hören,
aber bei Etana ist das irgendwie eine völlig andere Liga. Sie
hat
das von Anfang an in ihrer Karriere gemacht und behält das
auch
bei, ... und jederman hört das gerne.
Live Video:
Etana
Soweit ein paar Eindrücke von Etana, bevor wir zur vorletzten
Live-Künstlerin des Abends kommen.
Wie
schon bei Etana angeführt, war auch Nkulee Dube
aus Südafrika und Tochter des legendären Lucky Dube,
in 2022
zuletzt beim Reggae Jam zu Gast. Wir freuen uns, sie so schnell wieder
zu sehen. Nkulee Dube könnte jedes Jahr auf der
Bühne
stehen und wir würden sie vermutlich dennoch nicht auslassen.
Für die Organisation im Hintergrund kümmert sich
wieder Manager Mark
Miller. Was die Musiker betrifft, ist zumindest der Bassist, ein
Keyboarder und die Backgroundsängerin Luna Liciousz
aus 2022
wieder mit im Boot.
Nkulee Dube entert die Bühne mit einem ins Auge stechenden,
sagen wir einmal Hosenkleid, übersät mit typisch
afrikanischen Mustern. Beim ersten Song sogar noch mit
übergezogener Kapuze, die sie garantiert nicht lange tragen
wird. Immerhin kommt Nkulee bei ihrer sehr bewegungsreichen Show immer
sehr schnell ins Schwitzen. So ist sie auch heute von Anfang an mit
einem Trockentuch ausgestattet. So warm ist es heute zwar nicht, aber
Nkulee braucht nicht viel um jede Kälte zu vertreiben.
Sehr sehr schade ist, dass wohl wieder irgendwer an der Toneinstellung
herumgeschraubt hat, dessen Ohren den total übersteuernden
Sound nicht hören. Bis hierher gab es eigentlich keine Show,
wo der Ton der Bühne so katastrophal daneben lag. Ausgerechnet
Nkulee Dube muss es erwischen. Es kann ja mal sein, dass der erste Song
nicht richtig klingt, aber dann sollte das Problem eigentlich erkannt
und beseitigt sein. Leider ändert sich die Sache bis zum Ende
der Show nicht.
Kurz vor Schluss der atemberaubenden Show beginnt Sheriff die
südafrikanische Fahne zu schwenken und Moderator Jabbar
verkündet mit schon ein wenig angekratzter Stimme, dass wir
heute 60 Jahre Lucky Dube feiern. Nun ja, 1964 bis 2024 gleich 60 Jahre
stimmt schon, aber
der tatsächliche Geburtstag ist doch erst in ein paar Tagen am
3. August, also
zumindest
wenn nicht irgendwer und kürzlich die Geschichte umgeschrieben
hat? Aber egal, Lucky Dube können wir natürlich zu
jeder Zeit feiern.
Nkulee Dube
beschließt die Show mit Lucky Dube's Superhit "Feel Irie" als
Zugabe,
dann noch etwas Show von den Musikern, und schon ist wieder ein
Auftritt von Nkulee Dube viel zu schnell vorüber
gegangen.
Live Video:
Nkulee Dube
Unterstützt haben Nkulee Dube: Mikey Vaarnold (Bass), Luna
"Liciousz" Crebsburg (Backing vocals), Vikash Nandar (Guitar), Diwend
Ramkisoensing (Keyborad 1), Miljenko Op't Ende (Keyboard 2) und
Guillermo Sandal (Drums).
Damit
kommen wir auch zur letzten Frauen-Power des Abends bzw. dieser Nacht.
Ventrice Latora Morgan, alias Queen Ifrica
oder Fyah Muma, nach ihrem
2007er gleichnamigen Album, ist ja bekannt für ihr Feuer auf
der Bühne und somit eigentlich auch bestens für den
Posten des Headliners des heutigen Abends geeignet. Ihren Partner Tony
Rebel werden wir nicht mehr mit ihr zusammen auf der Bühne
sehen. Es dürfte sich inzwischen bis zum letzten Reggae-Fan
herumgesprochen haben, dass sich die beiden getrennt haben.
Ärger mit ihrem Vater, der Ska-Legende Derrick Morgan steht
leider auch noch ins Haus.
Ob das alles bei ihrem heutigen nicht so besonders guten Auftritt
mitspielt,
können wir nur vermuten.
Mit dabei ist ihre und Tony Rebel's Tochter Tanzania Barrett a.k.a.
Tanzie, die in der Mitte der drei Backgroundsinger ihren Part zur Show
beiträgt. Mit ihr hat sich die Queen auch gerade behakelt, was
wir eigentlich gar nicht wissen wollen. Die Band oder ihr Sound ist
auch nicht gerade auf dem Level, wie es sich die Queen vorstellt. Die
Musiker scheinen etwas bedrückt oder emotionslos und kommen
nicht so recht in Fahrt.
Tanzania
Barrett a.k.a.
Tanzie
Die Queen selbst scheint aber auch streckenweise etwas desorientiert zu
sein. Manchmal sieht es aus, als würde sie
etwas suchen. Was immer sie bedrückt, wir wissen es
nicht. Tochter Tanzie bekommt an diesem Abend natürlich auch
ihre Solochance.
Letzter Song der Show ist natürlich "Wipe The Tears" auf dem
"Roots Tonic Riddim". Die Queen bestellt unzählige Male "More
Energy" bei der Band, aber der Funke will nicht so richtig
überspringen. Es fehlt einfach etwas. Alles zusammen hat die
Queen offenbar keinen besonders guten Tag erwischt. Wir kennen das
alles
ein paar Zacken schärfer.
Live Video:
Queen Ifrica
Das aktuelle Album von Queen Ifrica ist immer noch das am 03.
März 2017
bei VP Records erschienene "Climb" mit stattlichen 17 Songs.
Nach der Show wollen wir noch einmal schauen, was im Backstage so geht,
aber die meisten Artists der letzten Shows sind schon in Richtung
Unterkunft ausgeflogen. Zwei willige "Opfer" finden wir aber noch und
können mit dem Bassisten und der Backgroundsängerin
von Nkulee Dube's Band eine kleine Fotosession veranstalten.
Da wird natürlich noch einmal die Gitarre ausgepackt und Luna
legt ihr Bühnen-Outfit wieder an. Hier ein kleiner
Auszug der schönsten Bilder.
Bassist
Mikey Vaarnold und Backgroundsängerin Luna "Liciousz"
Creebsburg
Bevor
wir uns für diese Nacht vom Festival verabschieden,
heißt es noch einen Blick auf den letzten Punkt der Running
Order zu werfen. Wir sehen es als positiv an, dass an letzter Stelle
des
Bühnenprogrammes kein Headliner steht. So kann man bzw. wer
möchte, langsam herunterfahren und die Auflösung der
Massive erfolgt nicht so abrupt von 100% auf Null. Natürlich
verbleibt für die Gehenden oder Abgelenkten noch etwas
Unsicherheit, da man nicht weiß, wer bei Silly Walks als
Special Guest auftauchen könnte, aber das muss dann eben jeder
für sich abwägen.
Die Gerüchteküche hat ja schon die letzten Tage
gebrodelt, und es wurden Namen wie Gentleman und sogar Sizzla in die
Runde gestreut. Das glauben wir natürlich eher nicht. Bei
solchen Artists würde man sicherlich kein Risiko eingehen,
dass diese jemand wegen einer Nichtbenennung auf der Running Order
verpasst.
Und wenn Sizzla endlich wieder einmal nach Deutschland kommen
würde, wären sicher andere europäische
Location noch vor uns an der Reihe. Das wäre vermutlich kaum
zu verbergen gewesen. Vieleicht wollte nur irgendwer ausprobieren, wie
schnell sich Gerüchte verbreiten.
Für den bis zur Stunde nicht
genannten Special Guest, gibt es dann auch "nur" noch Jr. Kenna
und Loyal Flames auf der Bühne zu sehen.
Wem das alles für heute Nacht noch nicht ausreicht, kann
natürlich wiederum zum Dancehall Tent wandern und dort bis zum
Morgengrauen weiter feiern.
Wir sehen uns dann beim letzten Teil des Festivalberichts
an dieser Stelle
wieder.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text und Videos: Peter Joachim
Fotos: Marion und Peter Joachim
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