Heute soll um 13:00 Uhr auf den Bühnen des Klosterparks der
letzte Tag des Festivals eingeläutet werden. Das Wetter sieht
vielversprechend aus. Mal sehen ob das bis zum letzten
Künstler des Tages durchhält.
Und wieder
ein von Luigi Stinga verstecktes Kunstwerk.
Aber
zunächst sind wir bei der ersten Band und diese
heißt Boomtown
Shakedown. Rein optisch und musikalisch haben
wir keine Erinnerung mehr, obwohl wir die Band bereits in 2018 auf der
Bühne des Dubcamp und somit auf dem Reggae Jam gesehen und
gehört haben. Aber was heißt eigentlich "schon", das
ist ja
auch schon wieder 6 Jahre her und von den 12 Musikern aus denen die
Truppe bestehen sollte, waren ja damals nur die
Hälfte da.
Die Band kommt aus Münster und hat sich im Jahr 2011
zusammengefunden.
Heute ist die Band tatsächlich in voller Streitmacht mit 12
Musikern angetreten. Nachdem wir uns ein paar Eindrücke
verschafft haben, gehen wir mit der Musik dieses "Orchesters" im
Rücken, noch einmal über das Gelände.
Viele
Festivalbesucher genießen die Sonne und die Musik aus der
Ferne.
Inzwischen
ist die Auftrittszeit von Dr. Ring
Ding herangerückt und wie
schon befürchtet, ist Richies Verletzung noch zu frisch, um
heute im wahrsten Sinne des Wortes auftreten zu können.
Für Vido
Jelashe kein Problem, um in die Bresche zu springen.
Er ist jedes Jahr im Gelände und steht für solche
Fälle gerne zur Verfügung. Schon die letzten beiden
Tage hat er immer betont: "Ich bin da, kein Problem!" Nun ist es
schließlich soweit und Vido kommt zu seiner unverhofften
Bühnenshow.
Sam Gilly
Fitta Warri
Singing Gold
D Flame
Keishera
Als Backingband steht die House of
Riddim Band aus Österreich
zur Verfügung. Alles kein Problem für die Truppe, bei
der man langsam gar nicht mehr weiß, für oder mit
wem die noch nicht gespielt hat.
Und wie gewohnt, gibt es bei Vido Jelashe natürlich einige
Gäste auf der Bühne zu sehen. Mit dabei Commander
Messiah, Fitta
Warri, Singing Gold, Sister Keishera,
Ganjaman
und D
Flame. Ganjamans deutsche Interpretation von John Holt's
"Police In
Helicopter" ist einfach nur köstlich. Die Kifferjagd hat laut
Ganjaman natürlich keinen Erfolg: "... denn sie
werden uns nicht finden, weil wir viel zu schnell verschwinden. ..." :-)
Live Video:
Vido Jelashe & Friends
Soweit ein paar Eindrücke zu Vido Jelashe & Friends
als Vertretung für Dr. Ring Ding.
Als
nächsten Act gibt es nun mit Black Uhuru
eine Legende bzw. was
davon noch übriggeblieben ist. Denn immerhin steht mit
Derrick Duckie
Simpson nur noch ein Gründungsmitglied auf der Bühne.
Alle anderen Musiker der Band haben sich über die Jahre stetig
verändert. Die nach wie vor beste Zusammensetzung war in
unseren Augen jene, als noch Sly & Robbie, Puma Jones, Daryl
Thompson, Franklyn "Bubbler" Waul und natürlich Michael Rose
als Leadsinger
die Hallen gefüllt haben. Legendär das Konzert genau
in dieser Zusammenstellung beim Rockpalast 1981 in Essen.
Seit einigen Jahren gibt's das Konzert auch auf CD und DVD, was zum
Glück unsere alte VHS-Aufnahme von einer Wiederholung im TV,
nicht mehr erforderlich macht.
Leider weilen nicht mehr alle
Musiker unter uns und andere sind nicht mehr so recht unter einen Hut
zu bringen.
Das Thema steht aber sowieso außerhalb jeglicher
Überlegungen, da Andrew Bees schon seit 1998 Leadsinger der
Band ist und somit nach Duckie Simpson am längsten das Mikro
bei der Band in der Hand hält. Ein Special mit mehreren
Sängern, war mal ein von mir in den Raum geworfener Traum
während eines Interviews, da ja jeder seine eigenen Hits hat.
Don Carlos, Michael Rose, Junior Reid, Andrew Bees, ... und
selbstverständlich Duckie Simpson in einer Show,
wäre doch der Knaller. Darüber weiter nachzudenken
hat aber Michael Rose als "Waste of time" bezeichnet. Er wird wissen
warum.
Aber heute steht nicht einmal Andrew Bees auf der Bühne, das
ist schon einmal klar. Wir kennen zwar den Sänger, kommen aber
erst später darauf, dass es sich um Kashta Menelik
Tafari der
britischen Band Ras-I-Tes
handelt. Schon 2007 haben wir ihn mit
Ras-I-Tes als Vorband bei Black Uhuru gesehen. Eine entsprechende
Vorstellung des Sängers oder eine Erklärung, warum
dieser Andrew Bees vertritt, hören wir leider nicht von
Duckie. Wie wir nach der Show erfahren, hat wohl Andrew Bees sein
Visum nicht rechtzeitig beantragt und bekommen.
Obwohl sich Kashta Tafari alle Mühe gibt und die
präsentierten Songs alles bekannte Hits der Vergangenheit
sind,
fühle ich mich nicht so richtig mitgenommen Zu stark sind die
Erinnerungen, wie es eigentlich klingen könnte. Erst bei und
ab
"Shine Eye Gal" wird es richtig gut und Kashta Tafari hat es geschafft
mich zu überzeugen. Der Sound ist zwar wieder etwas
übersteuert, aber wir können das leider nicht
ändern. Auch Duckie leistet später seinen
Solobeitrag mit Songs wie "Bone Alone" und andere. Duckie's eigene
Songs sind rar gesät und immer ein schöner Kontrast
auf den Alben. Andere "Einlagen" während der
Show von ihm, sind leider nicht so gut und schwer nachvollziehbar. Er
sollte wirklich lieber beim Singen bleiben. Duckie macht ja schon immer
einen etwas mürrischen und unzufriedenen Eindruck, aber heute
gibt's auch noch die entsprechenden Kommentare von ihm dazu, die wir
nicht weiter bewerten wollen.
Commander
Messiah, Kashela Kashela und Fitta Warri vor der Bühne
Live Video:
Black Uhuru - Shine Eye
Gal + Plastic Smile + General Penitentiary + Sponji Reggae + Bone Alone
+ Guess Who's
Coming To Dinner + andere
Nach der Show versuchen wir mit Duckie Simpson ins Gespräch zu
kommen. Unser letztes Treffen reicht leider schon bis ins Jahr
2007 zurück. Wir erwischen aber einen denkbar schlechten
Moment. Die Truppe ist übelst gelaunt und sehr knapp
angebunden. Es wird eine Tasche mit allen Papieren und wohl auch ein
Laptop vermisst. Wir sind uns sicher, dass sich alles wieder einfinden
wird. Hier kommt garantiert nix weg.
Na gut, ...
wenn es unbedingt sein muss, schauen wir mal kurz ...
Duckie mit
einer Black Uhuru Kette und einem Haile Selassie Orden
Einen ganz
kleinen Moment für ein paar Fotos gibt es dann aber doch noch
...
... und D
Flame
signiert derweil ein paar Fotos.
Wird hier
etwa eine alte Hammond-Orgel zur Bühne geschoben?
Kumar spielt
sich schon einmal hinter der Bühne ein. "Ist das jetzt Zufall
oder spielst du heute wirklich damit?", will ich wissen. "Ja, klar.
Komm dann auf die Bühne, da kannst Du noch mehr Fotos machen."
Unsere
Pause im Backstage war wohl etwas zu lang, denn inzwischen haben wir
große Teile eines bunten Bühnenreigens verpasst, der
als Ersatz für Rik Jam & Dalwayne abgehalten wird.
Wieder einmal ist es Sam Gilly und seine House of Riddim Band, die mit
einigen sowieso anwesenden Künstlern für eine
Überbrückung sorgen müssen. Die meisten
davon haben sich schon im Da Sandwichmaker Camp getroffen und
sind dort in den letzten Tagen aufgetreten. Nun kommen sie noch einmal
ganz unverhofft auf der grünen Bühne des Klosterparks
zusammen.
Italee,
Steffen Prase alias Da Sandwichmaker und Martin Zobel
Rechts:
Italee's Tochter Taiye Takina und Lenny Souljah (Unlimited
Culture)
Man könnte die Show auch mit "20 Jahre Da Sandwichmaker meets
30 Jahre Reggae Jam" bezeichnen. Wobei es eigentlich Italee
ist, die
für den nachhaltigsten Eindruck sorgt. Zum Abschied wird auch
noch einmal Steffen Prase alias Da Sandwichmaker auf die Bühne
gerufen. Auch wenn es schwer zu glauben ist, aber den Sandwichmaker
Imbisswagen soll es tatsächlich im nächsten Jahr
nicht mehr geben. Vielen Dank Steffen für die
zurückliegenden Jahre und deine tollen Sessions. Wir werden
sie sehr vermissen. Damit geht leider eine ganz besondere Institution
und ein
allgemeiner Treffpunkt des Festivals verloren.
Live Video:
Italee + Da Sandwichmaker
Da
Sandwichmaker Family 2024
Der
nächste Künstler heißt Jah Lil und wurde
als Jerome Adrian Smith in Kingston, Jamaika, geboren. Bereits im Alter
von 6 Jahren wurde sein Interesse für die Musik geweckt. Gerne
sang er die Musik aus dem Radio mit. Sein Talent begann er bei
Morgenandachten und Konzerten in der Rousseau Primary School zu zeigen
und trat später am Kingstoner Jamaican College dem "All
Together Sing" Chor bei. 2011 traf Jah Lil den Musiker und Produzenten
John Williams von Almond Productions, was einen entscheidenden Moment
in seiner Karriere markierte.
Ihre Zusammenarbeit führte dazu, dass er mit seinem Song
"Weeping Men"
den Gospel Song Competition der Jamaica Cultural Development Commission
(J.C.D.C.) gewann.
In der Folge erregte Jah Lil die Aufmerksamkeit des
renommierten Produzenten Danny Brownie von Main Street Records und 2014
veröffentlichten sie die erste Single "One Wrong One Right",
die zum internationalen Erfolg führte.
Am 26. Juni 2024 veröffentlichte er sein Debutalbum "Can A Man
Cry". Das Album ist also fast noch warm.
Ellen
Köhlings vom Riddim Mag, ist bei jeder ihrer Neuentdeckungen
immer hin und weg, ... bis zur nächsten. ;-)
Live Video:
Jah Lil
Jah Lil steht zum ersten Mal auf einer Bühne des Reggae Jam.
Auch für uns ist es der Erstkontakt und wir müssen
uns erst näher reinhören. Von daher haben wir auch
noch keine Songs von ihm im Kopf.
Mehr und ausführliche Informationen zu Jah Lil gibt's im Riddim
Magazin Nr. 116.
Legen wir nun eine kurze Pause im Backstage ein.
Kumar
trainiert immer noch ...
Noch mehr
Holzkunst im Backstage
Links: Gabi
Brown und
Dirk Davids von Irie Miah mit dem diesjährigen Festiville von
Reggaeville. Wie wir von Julian Schmidt (Reggaeville) gehört
haben, wird das wohl die letzte physische Ausgabe gewesen sein. Also
nix mehr mit schön gemütlich in den Sessel setzen,
sondern
nur noch online am Rechner. Schade, aber es lauert eben
überall
der Kostenteufel. Rechts:
Khalia findet sich leider für nähere Aufnahmen noch
nicht schön genug. ;-)
Aber
nun zurück zur Bühne. Samory I
haben wir zwar erst
kürzlich im Berliner
Badehaus zusammen mit Tippy I und Mortimer gesehen, aber das
war ein völlig anderes Konzept, als die heutige
Bühnenshow mit Band. Wir hoffen, dass heute auch die Mehrheit
seiner früheren Hits von "Black Gold" bedient wird und der
Schwerpunkt nicht nur auf seinem 2023er Album "Strength" liegt.
Auf dem Reggae Jam war Samory I zuletzt in den Jahren 2018 und 2016.
Also liegt das auch schon wieder unglaubliche sechs Jahre
zurück.
Samory I beginnt seine Show genau wie auf seinem letzten Album
"Strength" mit "Outside" und "Crown". Weitere Songs wie "Jah Love" und
"Ocean" sorgen für Begeisterungsstürme im Publikum.
Am Bühnenrand tanz Kumar mit seinem Smartphone dazu und
verfolgt die Show. Sehr beeindruckend wieder einmal, was Samory I mit
seiner vierköpfigen Band auf die Bühne zaubert.
Samory I raucht ja auch gerne auf der Bühne, aber heute kommt
er
gar nicht dazu sich seine Fluppe wieder anzubrennen, obwohl er diese
die ganze Zeit mit seinem Feuerzeug herumträgt. Zum
abschließenden "Rasta Nuh Gangsta", könnte Samory I
nahezu sein Mikro an das Publikum abgeben, denn alle begleiten ihn
lautstark im Chor.
Live Video:
Samory I
Von
der grünen Bühne schwenken wir nun nach rechts zur
roten Bühne. Dort ist wieder Frauenpower aus Jamaica und was
für's Auge angesagt. Hoffentlich ist sich Khalia jetzt
schön genug. ;-) Das Ergebnis ihres Stylings scheint unseres
Erachtens zumindest mehr als perfekt zu sein. Da werden wir wohl am
Ende gar
nicht wissen, welche Fotos wir weglassen sollen. Es macht wirklich
Freude ihre Show zu verfolgen. Ausgezeichnete und abwechslungsreiche
Musik, eine tolle Bühnenpräsenz und immer wieder ein
schönes Lächeln im Gesicht. Und diese Haare ...
unglaublich. Nach Samora ist das nun die zweite
Löwenmähne.
Khalia ist heute zum ersten Mal auf dem Reggae Jam zu Gast, und auch
für uns ist es die erste Gelegenheit diese talentierte
Künstlerin erleben zu dürfen.
Khalia wurde in Jamaica geboren und wuchs in einer ländlichen
Gegend von Westmoreland auf. Dies zumindest bis zum sechsten
Lebensjahr, als sie mit ihrer Mutter nach London auswanderte. Sie
verbrachte bisher
den größten Teil ihres Lebens dort und kehrte jedes
Jahr
nach Jamaica zurück um ihre Familie zu besuchen. Es war immer
ihr
Wunsch eine große Künstlerin zu werden, wie sich das
viele
Mädchen in jungen Jahren wünschen. 2016 hatte sie das
Glück den Superstar Shaggy kennenzulernen und schickte ihm ein
paar ihrer Aufnahmen. Shaggy war von ihrem Talent beeindruckt und
vermittelte ihr den jamaikanischen Produzenten Tony Kelly. Als Khalia
ihn in seinem Kingstoner Studio traf, nahmen sie noch am selben Tag ein
Demo auf. Auch Tony Kelly scheint von ihr überzeugt zu sein,
denn
sie sollen noch bis heute weiterhin zusammenarbeiten. Dann sind wir mal
gespannt auf ihr erstes Album.
Live Video:
Khalia
Nun
wieder Linksschwenk zur grünen Bühne.
Kumar Bent oder kurz Kumar,
ist einer der Künstler, auf den wir uns immer ganz besonders
freuen. Man kann sagen, wir waren so gut wie von Anfang an dabei, als
Kumar mit Raging
Fyah im Jahr 2012 begann, seine hiesige Fangemeinde
aufzubauen. Gegründet hatte sich die Band allerdings schon 6
Jahre vorher. Zahlreiche Hits wie "Judgement Day", "Irie Vibe", "Far
Away", "Karma", "Sunshine", "Nah Look Back", "Step Outa Babylon", "My
Conversation", "Jah Glory" und viele andere sind uns in
Fleisch und Blut übergegangen.
Umso schlimmer dann das jähe Ende von Raging Fyah mit Kumar
als Leadsinger im Jahr 2018. Eine Welt brach für die Fans
zusammen. In der Folge beschritt Kumar Solopfade und spielte mit
verschiedenen Bandzusammensetzungen, aber man kam nicht umhin stets an
die alten Zeiten zurückzudenken, zumal seine Hits mit Raging
Fyah nach unserem Geschmack nach wie vor die besseren Songs in jeder
Show waren.
Heute sehen wir ihn mit der dänischen Band Guiding Star
Orchestra.
Das normaler Weise elfköpfige Orchester ist heute mit 9
Musikern angetreten und spielt zunächst ein eigenes Set.
Immerhin hat die Band auch schon zwei eigene Alben am Start. 2016
produzierten
sie innerhalb von nur 8 Tagen ihr Debutalbum "Natural Heights", welches
dann aber erst in 2022 veröffentlicht wurde. Ein Jahr
später folgte bereits ihr Zweitling "Communion". Wie
bei einem Orchester so üblich, kommt dieses dabei ganz ohne
Gesang aus. Schöne Musik, ... aber heute leider viel zu laut
und streckenweise übersteuert.
Kumar lässt dem Guiding Star Orchestra viel Raum, bevor er auf
die Bühne kommt und mit seinem Set beginnt. Und da sind sie
wieder, viele seiner alten Hits, die mit dem Guiding Star Orchestra
wundervoll umgesetzt werden. Fast könnte man denken, die alten
Zeiten leben wieder auf. Und wie wir gehört haben, ist es
tatsächlich so, denn Raging Fyah erlebt gerade als Kumar
& The Original Fyah eine Wiedergeburt. Allerdings ohne Pele,
und
Gizmo kann leider nicht mehr dabei sein. Courtland "Gizmo" White ist
bedauerlicher Weise schon am 26.01.2023 im Alter von nur 69 Jahren
verstorben.
Ein wunderschönes Konzert, nur leider hält man es
ohne Gehörschutz nicht im Fotograben aus. Es ist auch keine
Frage des Standortes, denn selbst oben am DLRG-Heim (VIP-Bereich)
dröhnt und scheppert es noch gewaltig. Sehr sehr schade um
Kumar und das Guiding Star Orchestra.
Live Video:
Kumar & Guiding Star Orchestra
Kumar Fyah
und Romain Virgo hinter der Bühne, kur vor der Show von Romain
Virgo
Der
nächste Punkt der Running Order gehört eher als
erwartet dem
durchtrainierten Romain
Virgo, der heute und auf seinem aktuellen
Albumcover des 2024er "The Gentle Man" auch gerne zeigt was er hat.
Aber nicht ablenken lassen liebe Mädels, denn musikalisch hat
der im Jahr 2007 bei der jamaikanischen Talentshow "Rising Stars" als
Sieger ins Rampenlicht getretene Romain Virgo, eine der besten Shows zu
bieten, die es derzeit gibt. Zahlreiche Hits wie "Mi Caan
Sleep", "I
Am Rich In Love", "Love Doctor" seien da nur auszugsweise von vielen
anderen genannt.
Tori Lattore
Zur weiteren Unterstützung seiner Band, hat er das Duo Tori
Lattore & Janeel Mills mitgebracht, die als Backgroundsinger
und Dancer fungieren. Sie eröffnen auch die Show mit Tori
Lattore's eigenen Song "Be Awakened", bevor Romain Virgo
schließlich übernimmt.
Als Gastsänger holt Romain auch noch Loyal Flames
auf die
Bühne, der gestern seine eigene Show hatte. Da wir diesen
gestern verpasst haben, ist das eine gute Fügung. :-)
Loyal Flames
Romain Virgo liefert wie gewohnt eine feurige Show ab, die sicher
nichts zu wünschen übriglässt. Meiner
Meinung nach ist das heute eine der besten Auftritte, die wir bisher
gesehen haben, wenn man ihm nur nicht den Sound so verkorkst
hätte. Man traut es sich ja fast gar nicht mehr zu sagen. Mit
dem aktuellen Album sind auch noch ein paar andere Noten hinzugekommen,
zum Beispiel mit dem Song "Good Woman", mit dem er gerade
außerordentlich erfolgreich ist. Da laufen auch die
Mädels bei ihrer Choreografie zur Höchstform auf.
Sogar Marcie, die Managerin von Burning Spear, verfolgt am
Bühnenrand begeistert das Geschehen.
Live Video:
Romain Virgo
Soweit unsere Eindrücke zum Auftritt von Romain Virgo, seiner
Band und von dem Duo Tori
Lattore & Janeel Mills.
Weiter
geht es mit der vorletzten Bühnenshow, die nun dem Jamaikaner
mit der gewöhnungsbedürftigen Schreibweise Blvk H3ro
gehört. Ausgesprochen wird der Name aber ganz einfach wie
Black Hero. Nicht so einfach war sein Start ins Musikgeschehen bzw.
sein Leben davor. 1992 als Hervin Augustus Bailey
geboren, war
er schon in jungen Jahren obdachlos, schlief bei Freunden
oder auf dem Boden von Radiosendern. Im Anschluss der Zeiten des
sogenannten "Reggae Revivals" von Chronixx, Protoje und anderen
angeführt, startete auch er seine musikalische Laufbahn
zusammen mit Künstlern wie Royal Blu und Runkus.
So konnten wir ihn auch schon 2017 zusammen mit Royal Blu und Runkus an
einem Tag beim Reggae Jam erleben.
Blvk H3ro wurde als Newcomer des Jahres 2015 gehandelt und
veröffentlichte in 2016, anlässlich des International
Weed Days 4/20,
seine erste EP mit dem Titel "The H3rb Connoisseur" oder kurz "THC".
Ein Projekt mit sieben Titeln, die dem Heiligen Kraut gewidmet sind. Im
Februar 2019 folgte sein Debutalbum "The Immortal Steppa" bei DubShot
Records in den USA. in 2023 wurde er für den Grammy in der
Kategorie "Best Global Music Performance" nominiert. Aus demselben Jahr
ist auch sein zweiter Longplayer "On A Mission",
veröffentlicht bei Delicious Vinyl Island. Die 15 Songs des
Albums bestehen aus einer Mixtur von Reggae-, Dancehall- und
Afrobeats-Rhythmen mit Elementen aus Soul und R&B. Der
Künstler ist also nur schwer einem bestimmten Stil zuzuordnen.
Auf alle Fälle ist Blvk H3ro auch eine interessante und
fotogene Bühnenerscheinung in seinem weißen Anzug
von Graf & Wu Clothing, dessen Bebilderung zum Teil vom
Jugendstil gekupfert wurde. Darüber trägt er vier
Halsketten mit verschiedenen Perlen aus Glas, Mineralien und anderem
Material, sowie ein äthiopisches Kreuz und einen goldenen
Anhänger der einem Blütenstand des Heiligen Krauts
nachempfunden sein könnte. Als Kontrastpunkt gibt's eine rote
Mütze aus dessen Zentrum die hochgebundenen Dreads
hervorquellen.
Live Video:
Blvk H3ro
Verabschieden wir uns nun von Blvk H3ro und warten auf den absoluten
Höhepunkt des Festivals.
Backstage
ist schon eine ganze Weile alles durcheinander. Wir mussten schon bei
Blvk H3ro eine gro0e Runde über's Gelände gehen, um
in den Fotograben zu kommen. Hinter den Bühnen ist alles
abgesperrt. Der Künstlerbereich wurde auch zum Teil
geräumt. Verschiedene Durchgänge, die einen kurzen
Weg über den Festivalplatz erlaubt hätten, sind nur
der Crew vorbehalten. Bleibt nur noch im wahrsten Sinne des Wortes mit
der "Kirche um's Dorf" zu ziehen. Es gibt also einige
Irritationen, nicht nur bei den Fotografen, sondern auch bei
verschiedenen Künstlern und deren Begleitung.
Das führt leider auch zu unschönen Kommentaren bei
einigen Künstlern.
Wir sind schließlich froh, als wir wieder rechtzeitig vor der
Bühne stehen und auf die sicher größte noch
lebende Reggae-Legende warten können. Das ist die Hauptsache.
Live Video:
Burning Spear - 1/3
Die Burning Band stimmt ein kurzes Intro an, bevor Winston Rodney alias
Burning
Spear gewohnt gelassen und ohne Posen auf die Bühne
schreitet. Er macht seine Schultern locker wie ein Boxer vor
dem Kampf und lässt dann lange seine Blicke über den
Festivalplatz schweifen. Es wird natürlich gejubelt und mit
Fahnen geschwenkt was das Zeug hält. Er eröffnet mit
"Chant Down Babylon" und sofort ist man hin und weg. Mit knapp 10
Minuten Länge des ersten Songs, hat nun Babylon bestimmt genug
auf
die Mütze bekommen. ;-)
Das wir Burning Spear so schnell wiedersehen, nachdem er erst voriges
Jahr beim Reggae Jam auf der Bühne stand, war sicher
für viele Fans eine riesige Überraschung, mit der
keiner gerechnet hat. Da aber Burning Spear auch zu den absoluten
Favoriten von Festivalmacher Bernd "Sheriff" Lagemann zählt,
hat sich dieser
sofort nach der Show im vorigen Jahr, den diesjährigen Termin
gesichert. Eine sehr gute Idee wie wir finden.
Live Video:
Burning Spear - 2/3
Einige der im Publikum agierenden Fahnenträger hat man in den
Fotograben gebeten, um für die Stimmung und das
Bühnenbild einen schönen Rahmen zu schaffen. Das
findet natürlich nicht jederman gut, besonders die Fotografen
nicht, da die Fahnenschwenker immer wieder ihre Flaggen vor den Kameras
hängen lassen und die Aufnahmen stören oder anderen
wiederum ins Gesicht damit fahren. Das gibt natürlich
"Stimmung". Da wird schon mal die eine oder andere Flagge am
Zipfel gefasst und festgehalten. Einer sagt zum Spaß:
"Nächstes Jahr bringe ich einen Flammenwerfer mit, wenn das
nicht aufhört." Alles hat eben seine Vor- und Nachteile.
Vielleicht wären ein oder zwei Fahnenschwenker auf der
Bühne
besser aufgehoben.
Ich habe mir heute ein persönliches Versprechen
erfüllt und ein Banner mit drei Wunschtiteln beschriftet.
Schön groß steht da "Hail H.I.M.", "The Fittest Of
The Fittest" und "Columbus" geschrieben. Keine Chance für
Burning Spear dies zu übersehen, wenn man direkt vor ihm im
Fotograben steht. Immerhin hat er ja in den zurückliegenden
Konzerten mehrfach ins Publikum gerufen: "Talk to me. You want some
more? Tell me what you want." Winston scheint kurz seine auf dem Boden
liegende Setlist abzugleichen
und fragt heute nicht mehr was wir hören wollen. Leider ist
offenbar auch keine Zeit für einen dieser Wünsche.
Also besser nicht mehr das Publikum danach fragen. ;-)
Live Video:
Burning Spear - 3/3
Irgendwann geht leider auch diese geniale Show zu Ende und der Meister
verlässt die Bühne wie er gekommen ist, ... ruhig und
gelassen. Und wieder einmal ist Burning Spear sogar ohne
"Marcus
Garvey" ausgekommen. Aber vielleicht liegt das ja auch an den
ausgesprochen lang gespielten Titeln. Da bleibt am Ende eben kein Raum
mehr.
Die Burning Band spielt noch eine Weile weiter und sorgt für
den richtigen Abspann.
Für uns ist das Bühnengeschehen für heute
vorbei, denn wir möchten unbedingt unser Glück
versuchen Burning Spear zu treffen. Da wollen wir natürlich
keine Gelegenheit verpassen. Inzwischen ist der Backstage und auch der
Künstlerbereich wieder freigegeben. Anders als beim
letzten Mal, ist heute Winston Rodney's Frau Sonia
nicht mit nach Bersenbrück gekommen. So besteht heute auch
kein Zwang für Winston, sofort nach der Show das
Gelände zu verlassen. Wie
jederman weiß, hat Sonia ein paar Probleme, die besondere
Aufmerksamkeit von Winston erforderlich machen. Heute ist er also ganz
entspannt und scheint alle Zeit dieser Welt zu haben. Sehr
schön. :-)
Hier eine kleine Auswahl der Backstage-Impressionen.
Live Video:
Burning Spear & The Burning Band - Backstage Photo
Shooting
Irgendwie weiß ich nicht, ob ich fotografieren oder ein Video
drehen soll. Also am besten von beiden Dingen etwas. Irgendwo muss man
dann
eben Abstriche machen.
Die Setlist
des heutigen
Tages ist eine gute Autogrammvorlage. Aber irgendwie scheinen die Songs
nicht genau zur gerade gehörten Show zu passen. Da sehen wir
doch
tatsächlich "Marcus Garvey" als letzten Song auf der Liste und
sogar kurz davor noch "Columbus".
Wir kommen heute leider nicht mehr zum Zuge, haben aber dafür
morgen
einen Termin, bei dem wir noch einmal unser Glück versuchen
können. Und wenn das klappen sollte, ist es ja vielleicht auch
gut
so, wenn heute erst einmal Feierabend ist.
Die obligatorischen Dankesreden an alle Festivalbeteiligten mit
anschließendem Schlussstrecksprung und das auf der Running
Order als letzten Punkt aufgelistete Mega Bless Orchestra, haben wir
zwar nun verpasst, aber man kann eben nicht überall zugleich
sein.
Im Klosterpark ist inzwischen weitestgehend Ruhe eingekehrt und die
letzten vereinzelten Besucher verlassen das Gelände. Nur im
Festivalbasar wird noch gewerkelt, da verschiedene Standbetreiber schon
in der Nacht zurückbauen.
Vielen Dank an das Reggae Jam Team und dieses wunderbare Festival. Auch
wenn zwei besondere Hauptacts wie Luciano und Big Youth und einige
andere Künstler nicht antreten konnten, was unserer Meinung
überhaupt nicht ins Gewicht gefallen ist, war das Reggae Jam
wie immer unser Highlight des Jahres. Hoffen wir auf viele
schöne Fortsetzungen im Klosterpark von Bersenbrück.
Montag
– 29.07.2024
Früh am Morgen packen wir unsere sieben Sachen zusammen und
fahren im Anschluss zum vereinbarten Treffpunkt mit Burning Spear. Wir
sind gespannt, ob wir heute zum Ziel kommen. Marcie, ein paar Musiker,
Sheriff und einige andere sitzen entspannt auf einer Hotelterrasse und
unterhalten sich. Marcie verspricht, dass unser privates Treffen mit
Burning Spear klappen wird und verlässt bald darauf die Runde.
Auch alle anderen Personen verlassen nach und nach die Terrasse, bis
wir allein sind.
In den Hotelanlagen wird gerade kräftig gewerkelt. Rasen
mähen, Hecken schneiden, Pflaster und Wasserbecken abstrahlen
und vieles mehr. Besorgt schauen wir wie der Arbeitstrupp nur langsam
vorankommt.
Diese Geräuschkulisse wäre nicht gerade gut,
für das was wir mit Burning Spear vorhaben.
Der Minutenzeiger unserer Uhr ist inzwischen ein paar Mal die Runde
gegangen, aber
weder Marcie noch Burning Spear ist in Sicht. Langsam werden wir ein
wenig unruhig und ein paar Bedenken schleichen sich ein. Ob man uns
wohl vergessen hat? Ein Ringtelefonat schafft Aufklärung.
Marcie erscheint auf der Terrasse. "Lasst mich erklären ...",
und
Marcie erzählt von Sonia und ihrer Schwester, die wohl in den
zurückliegenden Stunden mehrfach telefoniert und Probleme
gewälzt haben. Das ist natürlich wichtig. "Es ist
nicht einfach mit Sonia.", sagt Marcie, winkt energisch ab und mit
einem "Ach
..." macht sie kehrt und verlässt uns wieder. Jedenfalls
sollen wir weiter warten. Burning Spear kommt garantiert, verspricht
sie erneut. Also warten
wir beruhigt weiter.
Dann ist es endlich so weit. Marcie und Burning Spear kommen uns
entgegen geschlendert. Marcie strahlt über das ganze Gesicht
und freut sich, dass sie ihr Versprechen halten kann. Nach der
Begrüßung und Vorstellung tragen wir unsere
Wünsche vor und wie wir uns das Treffen vorstellen.
Winston scheint etwas bedrückt, ist sehr ruhig und spricht
besonders leise. Marcie unterstützt uns nach Kräften
und leitet Winston in die richtige Richtung.
Wir haben auch einige Fotos von verschiedenen Konzerten dabei und
möchten Winston die Entscheidung treffen lassen, welche er
signiert. Wenigstens eines von jeder Show wäre toll. Winston
kann sich nicht entscheiden was er machen soll. Letztendlich ist es
Marcie, die ihm die Entscheidung abnimmt.
Mit verschiedenen Albumcovern läuft es ebenso. Marcie sucht
zwei Stück heraus und eines dürfen wir noch
hinzufügen, weil
wir mehrere Stunden geduldig gewartet haben. Im Endeffekt also ein
Cover
für jede Stunde. ;-)
Winston Rodney vergibt nur ein schlichtes "Spear" auf den Fotos und
Albumcovern.
Bei dem Thema "Words of wisdom" für die Website, kostet es
einige Mühe an Erklärungen und etwas
Überzeugungsarbeit von Marcie, um das "Spear" wenigstens um
ein paar Worte zu ergänzen. Das ist offenbar nicht Winston
sein Ding, was bei einer Legende wie ihm, mit unzähligen
selbst
geschriebenen Songs, etwas ungewöhnlich ist.
Schließlich steht er auf und sagt: "Lasst uns ein wenig
spazieren gehen und etwas singen." Ja gerne, genau so haben wir uns das
vorgestellt. Wir sollen uns den Weg und das Plätzchen
aussuchen. Während wir zum naheliegenden See laufen, gilt es
noch unterwegs ein paar Lärmquellen auszuschalten. Die
Gärtner sind zum Glück ganz willig und fragen nur
nach der
Länge der Pause. Burning Spear lacht und es macht auf uns den
Eindruck, als habe er verstanden worum es geht.
Live Video:
Burning Spear - Freestyle
Burning Spear ist inzwischen völlig aufgetaut und braucht
keine Überzeugungsarbeit mehr. Dennoch sind wir
natürlich äußerst vorsichtig und fragen
nach jedem Schritt und jedes Foto. Aber er antwortet nur cool: "I'm
here. Do what you want with me."
Als wir wieder auf der Hotelterrasse eintreffen, haben sich inzwischen
ein paar Musiker der Burning Band eingefunden. Wir hätten noch
gerne ein Foto von Marcie und Winston zusammen auf einem Bild, aber
Marcie wehrt ab. "Nimm jeden anderen aber nicht mich. Nimm den Bass
Player.", versucht sie abzulenken. Bevor wir etwas dazu sagen
können, schüttelt dieser seinen Kopf und meint: "Ich
bin keine interessante Person."
In der Folge sprechen wir noch über den gestrigen Abend,
über Marcie's gute Idee mit dem Bandbild im Backstage und mein
Banner mit den drei Wunschtiteln während der Show. Marcie
weiß sogar noch ganz genau, welche Songs da aufgeschrieben
waren. Zu meiner Erklärung, was mich zur Anfertigung dieses
Banners bewegt hat, schmunzelt Winston nur, gibt aber keinen Kommentar
dazu ab. Da sind wir mal gespannt, ob er noch einmal "Tell me what you
want?" auf der Bühne sagt. ;-)
Wir bedanken uns noch einmal für das Treffen und die Zeit die
sich Burning Spear und Marcie für uns genommen haben und
verabschieden uns.
Für die lange Heimfahrt brauche ich vermutlich jetzt keinen
Kaffee mehr. ;-)
Nach so vielen Jahren haben wir endlich Burning Spear
getroffen!
Wir sehen uns dann im August 2025
an dieser Stelle
wieder.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text und Videos: Peter Joachim
Fotos: Marion und Peter Joachim
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