ETHIOPIA - THE SOUTH
Ein Reisebericht - Teil 3 02.06.2019 – Von Shashemene
über Guba weiter nach Süden zu den
Dorze (25.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
werden
wir Shashemene verlassen und in der Folge weiter in den Süden
vordringen. Unser Tagespensum wird bei etwa 250 km liegen, was uns am
Ende in der Nähe von Arba Minch zu dem Volk der Dorze
führen
wird. Doch zunächst geht es ein ganzes Stück nach
Westen bis
Alaba Kulito, der Hauptstadt des Alaba Woredas mit dessen Alaba Volk.
Für 9:00 Uhr
steht heute
unsere Abfahrt auf dem Programm. Allerdings sind wir schon Stunden
vorher auf den Beinen um das kleine Vogelparadies und die
ländliche
Idylle der Lodge ausgiebig zu genießen. Damit wir das nicht
verpassen, haben uns schon lange vorher in der Nacht die Kühe
der
Nachbarschaft, die Gesänge der orthodoxen Priester und die
Hähne der Lodge daran erinnert.
Bild 127 - 137: Zion Train Lodge - Shashemene
Was die wilden Vögel der Lodge betrifft, kann man so einige
Arten
entdecken, die auch nicht sonderlich scheu sind. Ob nun Papageien,
Eulen, Kolibris und zahlreiche andere Federträger, sind diese
deutlich in der Mehrheit gegenüber der uns von Deutschland her
bekannten Vogelarten. Für unser gemütliches
äthiopisches
Frühstück können wir uns keine bessere
Kulisse
wünschen. Allerdings wird man so immer wieder zwischendurch
verleitet auf die Fotopirsch zu gehen.
Bild 138 - 142: Eine
kleine Auswahl der gefiederten Freunde der Zion Train Lodge
Bild 141 + 142:
Red-billed
firefinch / Rotschnabelfeuerfink auch Senegalamarant
Man kann hier ganz bequem mehr Vögel beobachten, als wenn man
sich irgendwo in der freien Natur postieren würde. Aber leider
können wir uns nicht allzu lange vertrödeln, wenn wir
unseren Tagesplan ohne Einschränkungen über die
Bühne bringen wollen. Also bringen wir jetzt endlich einmal
unser schönes Frühstück zu Ende, bevor sich
der köstlich duftende äthiopische Morgenkaffee eine
Unterkühlung einfängt.
Bild 143 - 146: Zion Train Lodge - Shashemene
Für unser Frühstück haben wir uns wieder auf
unserem abendlichen Platz auf der Terrasse eingerichtet und nutzen
nicht den noch extra vorhandenen Speisepavillon. So können wir
die ersten Sonnenstrahlen genießen und das Geschehen im
Umfeld besser im Blick haben.
Schließlich rückt unsere Abholzeit heran und wir
müssen uns um unser Gepäck kümmern.
Bild 147 - 150: Unsere tolle
"Rundhütte" in der Zion Train Lodge
Dann hupt es vor dem Tore und unser Minibus wird eingelassen. Driver
Alex und
Guide Mastu haben sich nach dem gestrigen stressigen Tag wieder
sichtlich
erholt und haben ihre gute Laune zurück gewonnen. Schnell sind
unser Reisegepäck verstaut und die Schlüssel
abgegeben. Jetzt nur noch schnell ein paar Abschiedsfotos und dann
verlassen wir den Yard der Zion Train Lodge von Alex und Sandrine.
Bild 151:
Das Tor der Zion Train Lodge von innen mit dem Bildnis von Marcus
Garvey und einem Schiff der Black Star Line.
Bild 152 - 156: Abschied von der Zion Train
Lodge
Video: Zion Train Lodge
Das große rot-gelb-grüne Blechtor der Zion Train
Lodge mit dem Lion of Judah und dem stilisierten Kreuz von Lalibela,
schließt sich wieder hinter uns. Das Aussehen des Tores hat
sich über die Jahre schon einige Male verändert.
Dieses Mal musste Maria mit dem Jesuskind dem afrikanischen Kontinent
mit dem Lion of Judah weichen (siehe Bild 625 in Ethiopia Again - Teil 6). Jahre
davor wiederum wachten noch zwei Erzengel auf den Torflügeln
(Siehe Foto 3 / Seite 16 - Heimkehr
aus Babylon - Carsta Schnabel).
Bild 157: Noch einmal ein Blick auf das
verfallende Nyabinghi Tabernakel von Shashemene
Wir fahren vorbei am Nyabinghi-Tabernakel in Richtung Tankstelle zur
Hauptstraße A7 und wollen noch kurz dem Shash Monument einen
Besuch abstatten. Alex und Mastu haben noch nie etwas davon
gehört, aber wir können dennoch kurz einen Blick auf
Mama Shashe, wie die Statue des Monuments heißt, beim
vorbeifahren erhaschen. Also noch einmal kurz wenden und eine
Parkposition suchen.
Bild 158: Auszug Google
Map - Shash
Monument (oben links im Straßendreieck) + Nyabinghi
Tabernacle (rechte
Bildhälfte unten) - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Bild 159: Shash Monument - Mama Shashe
Das dereinst als kleine Parkanlage angelegte Gelände mit
Wasserbecken und Statue der Mama Shashe, ist jedoch heute nicht mehr
richtig zugänglich. Alles ist verwildert und Mama Shashe droht
in sich zusammenzustürzen. Wir müssen uns durch
Plastiktütentöpfe einer
Straßengärtnerei hindurchzwängen, um ein
paar Fotos machen zu können. Das Denkmal ist zwar sowieso
nicht unbedingt eine Touristenattraktion und auch nicht besonders
künstlerisch wertvoll, hat aber einen
interessanten Hintergrund, auf den man
stößt, wenn man sich mit der Geschichte der Stadt
befasst.
Bild 160 + 161: Mama Shashe - Oromo: Mannee
Auf unserer letzten Shashemene-Reise hatten wir über Ras Mweya
Masimba berichtet (Ethiopia Again - Teil 5). Dieser
hat in seiner Broschüre "Rastafari Lighthouse" (Seite 5), die
wir dort ab Bild 572 vorgestellt hatten, folgendes berichtet: Die
Statue von Mama Shashe wurde am Tag des Jahrtausendwechsels
(nach
unserem Kalender am 11. September 2007) als Wahrzeichen von
Shashemene enthüllt. Die
Statue erinnert an eine Frau namens Shash, die im letzten Jahrzehnt des
19. Jahrhunderts aus Tigray in die Oromo-Region kam und
großen Anklang durch neuartige Beimischungen zu den lokalen
Getränken fand, die sie in Harufa, wie die Gegend damals
genannt wurde, verkaufte. Shash entwickelte sich zu einer erfolgreichen
Geschäftsfrau, die neben Mühlen und einer Flotte von
Pferden für das übliche Transportmittel der
Pferdekarren, vor allem eine Reihe von gut laufenden
Gästehäusern besaß, in Oromo als "mana" -
Willkommenshaus - bezeichnet. Sie wurde überregional bekannt,
so dass Reisende es nicht versäumten, in einem "Mana Shashe"
oder "Shashe Mane" zu übernachten. Unverkennbar liegt hier der
Ursprung des heutigen Namens der "crossroad town" Shashemene, durch die
täglich ein hohes Aufkommen an Händlern und Reisenden
zu allen südlichen Regionen des Landes bis zum
Grenzübergang nach Kenia passieren. (Deutsche
Version aus: Heimkehr
aus Babylon - Carsta Schnabel)
Wenn das Denkmal nach zirka 12 Jahren Existenz schon so aussieht, waren
entweder die falschen Baustoffe oder die falschen Handwerker beteiligt.
;-) Hoffen wir, dass sich noch jemand findet, der
Namensgeberin der Stadt ein würdigeres Aussehen zu verleihen.
Bild 162: Auszug Google
Map - Tekle
Haymanot Church in Shashemene - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Fahren wir ein paar Kilometer weiter die A7 entlang und legen einen
letzten Stopp in Shashemene ein. Direkt am Wegesrand steht die Tekle
Haymanot Church, die wir einmal kurz umrunden werden. Über den
heiligen Tekle Haymanot, dem die Kirche geweiht ist, haben wir
ausführlich in "Ethiopia - Break in Addis - Teil 2"
berichtet. Wer also mehr über diesen einbeinigen heiligen Mann
erfahren möchte, einfach noch einmal zurückschlagen.
Bild 163 - 170: Tekle Haymanot Church
Shashemene
Bild 168:
Maria mit dem Jesuskind und Saint Tekle Haymanot
Video: Die Tekle Haymanot Kirche in
Shashemene
Kurz darauf verlassen wir Shashemene in nordwestlicher Richtung und
bleiben weiterhin auf der Straße A7. Eine knappe Stunde
später verlassen wir die Verwaltungsregion von Oromia und
kommen in den Landesteil der Southern Nations, Nationalities and
Peoples bzw. in die Verwaltungsregion der südlichen Nationen,
Nationalitäten und Völker. Allerdings ist dieser
Landesteil nicht gleichbedeutend mit dem Süden des Landes,
denn dieser teilt sich weiterhin in die Landesteile Oromia und Somali.
Hier ein Überblick.
Darüber hinaus gliedern sich diese Landesteile in Zonen und
diese wiederum in Woredas.
Ein Stück hinter der Grenze von
Oromia kommen wir in den Woreda Alaba (auch Halaba), benannt nach dem
Volk der Alaba oder Halabe. Dort besuchen wir ein Teil der Ortschaft
Guba. Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal hier, als wir aus der
anderen Richtung kamen und nach Shashemene wollten (Siehe Ethiopia
Again - Teil 5).
Bild 171 - 174: Im Dorf Guba des Alaba Woredas
Der Alaba
Woreda liegt überwiegend nördlich der A7
zwischen Lake Shala und Hosaena bzw. der B 51 und befindet sich auf
einer Höhe zwischen 1.700 bis 2.200 über dem
Meeresspiegel. Die Hauptstadt des Alaba Woredas ist Alaba
Kulito. Unsere Fahrtroute quert diesen Woreda auf einer Strecke von
zirka 20 Kilometer, auf halbem Wege zwischen Shashemene und
Wolaita Soddo. Die Alaba (auch Alabe, Halaba oder auch Allaaba) sind
überwiegend Muslime und behaupten von dem arabischen
Geistlichen Abadir abzustammen, der sich dereinst in Harar
niederließ und später Emir von Harar wurde.
Bild 175 - 180: Familienbesuch in Guba
Die Rundhäuser des Dorfes haben in der Regel zwei
Eingänge, einen zum begrünten Dorfplatz und einen
nach hinten zu den gleich angrenzenden Feldern. Die Vorderseiten der
Häuser sind dabei mit den unterschiedlichsten Motiven bemalt.
Neben Tieren und Pflanzen sind sogar technische Dinge wie Fahrzeuge und
Maschinenpistolen abgebildet. Im Inneren der Häuser ist nicht
viel Hausrat zu erkennen. Die wichtigsten persönlichen Dinge
sind in einer Holzkiste verstaut und alles andere wird an den
Wänden und Holzbalken aufgehangen. In Momenten wie diesen
ärgern wir uns immer wieder, dass man nie genügend
Sachen zum verschenken auf die Reise mitnehmen kann. Die Sache mit dem
Übergepäck im Flieger ist stets eine Gratwanderung.
So müssen wir unsere Vorräte immer genau einteilen,
damit man auch am Ende der Reise noch etwas übrig hat.
Bild 181 + 182: Familienbesuch in Guba
Sobald die Geschenke über kleine Dinge wie Stifte, kleine
Kuscheltiere, Seifenstückchen oder Ähnliches
hinausgehen, bitte immer
erst nach der ältesten Frau des Hauses Ausschau halten und ihr
das Gesamtpaket zur späteren Verteilung geben. Ansonsten kann
es ganz schnell zu unangenehmen Szenen kommen, die niemand haben
möchte, weder der Reisende noch die Dorfbewohner. Diese
Prinzipien gelten aber nicht nur für Äthiopien oder
Afrika.
Bild 183 - 187: Abschied von Guba
Fahren wir weiter in Richtung Alaba Kulito, wo sich dann unsere Route
direkt nach Süden wenden wird. Bis dahin sind wir noch zirka
40 Minuten unterwegs und haben Zeit die vielen bunt bemalten
Häuschen am Wegesrand zu bewundern. In Alaba Kulito haben wir
die
Gelegenheit ein gepflegtes Restaurant für eine kleine
Kaffeepause aufzusuchen.
Bild 188: Kaffeepause in Alaba Kulito in
einer wieder völlig anderen Welt
Danach geht es weiter in Richtung Woleita Sodo
(auch Wolayta Soddo). Wir erreichen die Stadt gegen 13:15 Uhr und
halten dort unsere Mittagspause ab. Wir fahren dabei auf den
großen Vorplatz des Abebe
Zeleke Hotels, neben dem ein kleines
Restaurant steht. Der Vorplatz besteht aus einer riesigen
sattgrünen Wiese mit zahlreichen Sitzgelegenheiten und
Sonnenschirmen. Allerdings sieht es momentan überhaupt nicht
nach Sonne, sondern eher nach baldigem Regen aus. Also nehmen wir
lieber die Plätze auf der Terrasse ein.
Nach dem Essen heißt es Kat kauen, bzw. möchte uns
Mastu diese weit verbreitete Sitte einmal ausprobieren lassen. Also
wird gleich von ihm ein Bündel Grünzeug für
wenige Birr von den
zahlreichen Straßenhändlern ins Auto
geholt.
Bild 189: Die Volksdroge Kat
Wir können der Sache
allerdings nichts abgewinnen. Außer
dem bitteren Geschmack und dem Gefühl, dass die Kiefer immer
breiter werden, weil sich immer mehr der Blätter zwischen den
Zähnen festsetzen, bemerke ich zumindest nichts an
Stimmungsschwankungen oder Wohlbehagen. Ich bin froh, als ich beim
nächsten Halt die grüne Kugel in die grüne
Wildnis entlassen kann.
Bild 190 - 192: Die Trockenflüsse
quillen nach dem Regen über
Inzwischen hat es tatsächlich geregnet. Auf unserer Strecke
zwar nicht sonderlich viel, aber vermutlich etwas mehr in der Ferne.
Die Flusstäler an unserer Strecke sind mit schlammig braunem
Wasser überfüllt, welches sich brüllend und
fauchend weiter talwärts drängt. Offenbar ist das
öfter so und es scheint dabei nichts zu passieren. Dennoch
würde ich meine Hütte lieber an anderer Stelle
platzieren.
Bild 193 + 194: Wasserfall
auf Zeit, kurz vor der ehemaligen Provinzgrenze von Gemu-Gofa
Ein paar Minuten später zeigt sich die Situation schon wieder
deutlich entspannter, aber als wir eine Stunde später den Lake
Abaya (auch Lake Abaja oder Abaya Hayk) erreichen, kann man in ihm
deutlich die Nachwehen des Regens erkennen. Durch die vielen
schlammigen Zuflüsse hat er eine deutliche
Braunfärbung angenommen, wenn er diese nicht sowieso schon
gehabt hat.
Bild 195 - 200: Am Lake Abaya
nördlich von Arba Minch Bild 196: Fettblattbaum oder Oscherstrauch / Calotropis
procera
Bild 197:
Vermutlich Jerusalemsdorn
/ Parkinsonia aculeata (ursprünglich nicht in
Äthiopien)
Bild 198:
Das Wasser stand wohl schon einmal höher. Bild
199: Wasserhyazinthe / Water
Hyacinth /
Eichhornia speciosa
Der Abajasee (Lake Abaya) ist 72 km lang und an der tiefsten Stelle 24
m tief. Da er sich im äthiopischen Grabenbruch befindet, kann
man
im Bereich des Nordufers auch heiße Quellen finden. Er wird
fast immer in einem Atemzug mit dem Chamosee (Lake Chamo) genannt, der
sich im Süden nach der sogenannten "Brücke Gottes"
(Tosa Sucha) anschließt. Die "Brücke Gottes" ist
eine 3-8 km breite Landenge, die beide Seen voneinander
trennt. Der Wasserstand des Abajasees liegt im Durchschnitt 60
m
über dem des Chamosees. Der Chamosee ist mit 32 Kilometer
Länge deutlich kleiner als der Abajasee. Die Seen haben eine
vielfältige Tierwelt, der wir auf unserer Rückreise
etwas näherkommen wollen. An der Westseite der
"Brücke Gottes" liegt die größere Stadt
Arba Minch, die ebenfalls auf unserer Reiseroute liegt. Heute kommen
wir aber noch nicht dahin. Wir werden einige Kilometer zuvor mit
unserem Kleinbus in die Berge klettern, um das Dorze-Volk zu besuchen.
Also fahren wir erst einmal die A7 das gesamte Seeufer entlang weiter
nach Süden und biegen zirka 6 km vor Arba Minch nach Norden in
eine Sandpiste mit vielen Serpentinen ab. Wegen des zuvor
stattgefundenen Regens, ist die Bewältigung der Strecke nicht
immer leicht und Alex muss öfter überlegen welche
Fahrspur er wählt. Wenn wir Mastu glauben sollen, kann es
sogar so weit gehen, dass wir wieder umkehren müssen.
Unser Ziel ist der Ort Cencia (auch Chencha oder Dincha), wo wir zur
Einstimmung auf die Region,
ein Dorze
"Tourist" Village (Moke
Dorze Community Village & Lodge) besuchen werden.
Nach einer
Dreiviertelstunde erreichen wir gegen 16:00 Uhr schließlich
unser Ziel in den Bergen über Arba Minch, gemessen nachdem wir
von der
A7 abgebogen sind.
Bild 201 - 207: Im Moke
Dorze Community Village
and Lodge nördlich von Arba Minch
Bild 201 + 202:
Die typischen "Elefantenhäuser" der Dorze
Bild 203 + 204:
Herstellung von Garn aus Wolle
Die Dorze ist eine der vielen ethnischen Volksgruppen
Äthiopiens und zählt etwa 30.000 Menschen. Sie leben
überwiegend nördlich von Arba Minch in den Guge
Mountains (auch Gughe). Sie verdienen ihren Lebensunterhalt
überwiegend mit Weberei, Bambusschreinerei, etwas
Töpferei und natürlich mit der Landwirtschaft.
Vorrangiger Grundstoff ist dabei die Ensete, auch falsche Banane
genannt, die in nahezu allen Lebensbereichen anzutreffen ist, ob nun
als Brot, in der Weberei, für den Zaunbau, für die
Herstellung ihrer Häuser und vieles mehr. Diese runden bis
ovalen Häuser gehören zu den markantesten, die man in
Äthiopien finden kann. Sie erinnern an riesige
Bienenkörbe und zum Teil auch an Elefantenköpfe. Man
sagt, die Dorze seien bei der Gestalt ihrer Häuser von den
Elefanten inspiriert worden, die in früheren Tagen noch in
dieser Gegend gelebt haben. Die Farben der Dorze sind schwarz, rot und
gelb, die man an ihren Hüten, Schals, Hosen, Umhängen
und anderen
Kleidungsstücken, besonders zu festlichen Anlässen
wiederfinden kann.
Bild 208 - 213: Die Ensete im Leben der Dorze Bild 208: Zaun aus
Ensete-Blättern Bild 209: Gewinnung der Ensete Fasern Bild 210 - 212: Aus der
Ensete-Brotherstellung Bild 213: Die Blätter der
Ensete dienen auch als perfekte Unterlage und Verpackung in vielen
Bereichen
Und wenn wir schon bei der Brotherstellung zuschauen, müssen
wir natürlich auch den letzten Schritt bis zur Verkostung
gehen. Hierzu geht es in eines der typischen Häuser an die
Feuerstelle, wo das Brot auf einem Ensete-Blatt gebacken wird. Im Haus
gibt es noch Plätze zum Sitzen und Schlafen und verschiedene
an den Ensete-Wänden und Bambusgerüsten aufgehangene
Gebrauchsgegenstände. Mit im Haus leben zum Teil auch die
Tiere der Dorze.
Bild 214 - 218: In einem Haus der Dorze Bild 214 + 218: Das Ensete-Fladenbrot wird
gebacken Bild 215: Gefäße aus
Kürbisse Bild 216: Schmuck aus roten Bohnen und
Eukalyptussamen Bild 217: Unter der Decke
hängen zu Paketen verschnürte und für die
Bierherstellung des Hauses aufbereitete Gerstensamen
Das Fladenbraut schmeckt erstaunlicher Weise nicht sehr viel anders als
jedes andere Fladenbrot. Es fehlt uns zwar der direkte Vergleich, aber
als Alternative für das ansonsten übliche Getreide,
muss sich die Ensete nicht verstecken.
Bild 219: Keramiken der Dorze zum Verkauf
Bild 220 - 222: Dorze Village
Wir gehen ein Stück weiter zwischen hohen
Ensete-Zäunen entlang und kommen durch verschiedene Tore von
einem Platz zum nächsten mit weiteren Rundhäusern.
Hinter einem dieser Zäune muss gerade ein Vierbeiner sein
Leben lassen. Wir schauen lieber nicht so genau hin, denn was dort
gerade passiert, ist sicher die Vorbereitung für das
Abendessen der Gäste. Das muss man vielleicht nicht so genau
im Detail wissen.
Bild 223 + 224: Dorze Village Bild 223: Es gibt weißen
Selbstgebrannten mit Weinraute - Jo Jo Jo Jo Jo Jo - Joooooo
Wir kommen auf einen großen Dorfplatz mit einem kleinen Shop
und einem Gästepavillon. Hier kann man alle Handarbeiten der
Dorze, vom Schmuck über Töpfereien bis hin zu
Textilien und vieles mehr erwerben. Irgendein Souvenir findet man
bestimmt.
Nun müssen wir den Schnaps der Dorze ausprobieren, und zwar so
lange bis zwei Flaschen leer sind. Zur Geschmacksverbesserung gibt man Weinraute
in das Glas, welches schon zur Römerzeit in Europa als
Gewürz- und Heilpflanze bekannt geworden ist. Anderenorts
haben wir das auch schon als Zutat für den
äthiopischen Kaffee erlebt. Nach zahlreichen
Trinksprüchen hat man uns so weit, dass wir auch Dinge tun, zu
denen wir ohne den Dorze-Schnaps vermutlich nicht bereit gewesen
wären.
Aber was soll´s, etwas Spaß muss auch sein.
Bild 225 - 230: Legt euch ja nicht mit uns an!
;-)
Mastu legt vor, mit dessen passendem Aussehen wir Bleichgesichter
natürlich nicht so recht in dieser Maskerade konkurrieren
können. Unsere Schuhe passen auch nicht so recht zu der
Verkleidung. Aber damit sind wir alle auf einer Linie. Während
wir in unserem Gemetzel vertieft sind, wird ein paar Meter weiter schon
die Feuerstelle für die Garung des kurz vorher ins Jenseits
beförderten Vierbeiners angeworfen.
Bild 231 - 235: Das Gästeessen wird
vorbereitet.
Wir überlassen das Fleisch den anderen maskierten Touristen
aus Addis und brechen langsam auf. Denn wir müssen noch ein
paar Kilometer wieder zurück fahren und möchten noch
bei Bezug unserer Lodge etwas Licht dabei haben.
Video: Dorze Village
Bild 236: Vor dem Dorze Village -
Straße zum Zentrum von Cencia
Für unsere Übernachtung haben wir uns die Dorze Lodge
ausgesucht, die auf einem naheliegenden Felsgrat liegt. Von dort hat
man einen phantastischen Ausblick über die Landschaft bis auf
die Seen Abaya und Chamo, einschließlich der "Brücke
Gottes". Bis zu der noch zweimal weiter untergeordneten Sandpiste die
hinauf
zur Lodge führt, sind wir zwar in wenigen Minuten angekommen,
aber das letzte Stück wird noch einmal ein Härtetest
für Alex und unseren Minibus. Die letzten 50 Meter des Hanges,
den unsere Piste hinaufführt, ist vom Regen
ausgespült und schlammig. Alex überlegt und mustert
jeden Quadratmeter, um seine persönliche Slalomstrecke
festzulegen. Wir wollen aussteigen aber Alex lässt uns nicht.
Siegessicher startet er und quält den Bus den Berg hinauf.
Die Räder drehen durch, der Schlamm spritzt, Steine poltern an
den Fahrzeugboden und immer wieder
rutschen und neigen wir unkontrolliert nach der einen oder anderen
Seite. Wir sehen schon die Schlagzeilen in der deutschen Presse:
"Deutsche Touristen mit dem Minibus bei Arba Minch in die Schlucht
gestürzt." Aber Alex weiß offenbar genau was er sich
und seinem Bus zutrauen kann und wir kommen zum Glück
wohlbehalten oben an.
Bild 237: Auszug Google
Map - Dorze
Lodge bei Arba Minch - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Die Sonne ist inzwischen untergegangen aber wir können dennoch
unsere Blicke in die Ferne schweifen lassen. Wir sind
überwältigt. Wir haben zwar gewusst was uns erwartet,
aber
das Erlebnis gibt kein Foto und kein Video wieder. Wir
genießen
den Ausblick so lange wir noch können und begeben uns
dann
zum Restaurant der Lodge. Es ist frisch geworden und warme Sachen sind
gefragt. Leider verströmt der Kamin des Restaurants keine
wohlige
Wärme, sondern nur ein großes schwarzes und kaltes
Loch. Wir
sind die einzigen Gäste in der Lodge, was das Engagement des
jugendlichen und durchweg männlichen Personals erheblich
ausbremst. Wegen uns drei Hanseln wird offenbar kein Gedanke an
ein Kaminfeuer verschwendet. Es läuft alles auf Sparflamme.
Also
wird
heute nix mit dem gemütlichen Genuss einer Flasche Wein am
Kaminfeuer. Darüber hinaus haben wir sowieso zu beachten,
dass hier oben nur von 7 - 22:00 Uhr Strom zur
Verfügung
gestellt wird.
Für Fotos an dieser Stelle ist es schon zu spät, aber
mit dem
nachfolgenden Video haben wir noch etwas Licht eingefangen und
verstärkt. Ausnahmsweise ist darin auch schon ein Vorgeschmack
auf
den nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang enthalten.
Video: Dorze Lodge - Zusammenschnitt
aus drei Tagen bis zur Abreise
Wir sehen uns morgen an dieser Stelle wieder und werden dann die
weitere Umgebung zu Fuß erkunden. Wir besuchen dabei den
Wasserfall Dorsso und den beeindruckenden Dorfmarkt südlich
von Cencia. Ein Besuch in einer der vielen Tej-Kneipen darf
natürlich auch nicht fehlen.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim