Ein Reisebericht - Teil 14
28.09.2015 – Addis Ababa - Weitere Kirchen,
Monumente und Musik (17.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)
Am
vorletzten Tag unserer Reise schauen wir uns noch ein paar
weiße Flecken der Karte von Addis an,
die wir auf früheren Reisen noch nicht erkundet haben. Die
Hauptstadt von Äthiopien ist zwar eine riesige Stadt, aber die
wichtigsten Sehenswürdigkeiten haben wir schon im Laufe der
Jahre gesehen, ... soweit wir das durften. Es tut aber gut, neben den
Hauptattraktionen, in aller Ruhe auf Entdeckungstour zu gehen.
Wir starten unseren Ausflug
gegen 9:00 Uhr und haben uns vorgenommen die Felsenkirche Washa Mikael
nördlich der Stadt zu besuchen, über dessen
Entstehungszeit sich Historiker und Legenden noch nicht ganz einig
sind. Die Zeitspanne reicht vom 6. bis zum 12. Jahrhundert. Auf dem Weg
dorthin queren wir den Bob
Marley Square und sind überrascht,
wie sich dessen Antlitz seit unserer letzten Überquerung
gewandelt hat. Einige moderne Gebäude, die sich um den Platz
reihen
sind fertig gestellt und weitere sind im Bau. Der Namensgeber des
Verkehrsknotenpunktes
ist inzwischen auch schon anwesend, schüttelt seine langen
Dreadlocks und singt seine Botschaften gen
Himmel. Da müssen wir natürlich kurz anhalten.
Bild
1.794 - 1.804:
Bob Marley Square mit dem bereits in 2005, anlässlich Bob
Marley´s 60. Geburtstags, errichteten und damals noch
unvollendeten Denkmal.
Von den acht in Englisch und Amharisch
beschrifteten Schrifttafeln, war 2013 noch eine leer, weil die Statue
noch gefehlt hat. Weitere Schrifttafeln und Infos zum Denkmal sind im
Reisebericht "Ethiopia By
Bus" aus 2013 nachzulesen.
Nun ist das Denkmal komplett und die Sponsoren der Statue sind
in die letzte Tafel eingearbeitet. Darunter der bekannte
äthiopische Sänger Zeleke
Gessesse, der natürlich auch teilweise im Reggae
unterwegs ist. Weiterhin sein Bruder, Artistmanager und Promoter Addis
Gessesse (auch Addisu Gessese) und der Geschäftsmann Ato Awad
Muhamed (auch Awad Mohammed), der ebenfalls
ein Unterstützer von Zeleke Gessesse und auf seinen Alben
erwähnt ist.
Bild 1.805 + 1.806: Zeleke Gessesse mit seinem
2007er Album "Ayzon"
Wir haben einmal zwei Hörproben ausgewählt.
Zeleke
Gessesse -
Life Full Of Love (Reggae)
Zeleke
Gessesse -
My Homeland (Traditionell)
Und nun
leider ein schockierender Nachsatz aus dem Jahr 2017:
Bild 1.807:
Abbau der Bob Marley Statue (Picture: www.ethiogrio.com)
Wie ETHIOGRI
am 26.06.2017 verkündete, hatte die Statue laut der Ethiopian
Roads Authority angeblich häufig Staus verursacht.
Die Behörde
hatte deshalb beschlossen, den Kreisverkehr abzuschaffen und
stattdessen eine
Ampelanlage zu installieren. Die Beamten versprachen einen geeigneten
Platz für die Statue zu finden.
Der dereinst schöne Platz wirkt nun verschandelt. Was ist
eigentlich so kompliziert an der Nutzung eines Kreisverkehrs? Es gibt
noch zahlreiche andere mit bedeutungsvollen und
geschichtsträchtigen Denkmälern in der Stadt.
Hoffentlich geht man denen nicht auch noch an den Kragen!
Direkt an der Kreuzung des Bob Marley Square´s, befindet sich
im nordöstlichen Viertel das Imperial Hotel. Es ist ein Hotel
wie viele andere auch und keine
besondere Sehenswürdigkeit. Allerdings ist uns der Errichter
des Objektes eine Erwähnung wert. Es handelt sich um den am
20. April 1929 in der ehemaligen Provinz Harerghe geborenen Asfaw
Teferra Woldemeskel. Asfaw war Gymnasiallehrer, Marineoffizier und
Geschäftsmann, unter anderem auch als Hotelier und
Druckereibesitzer bekannt. Er gehörte zu den wenigen
Äthiopiern die hart und erfolgreich dafür arbeiteten,
dass Amharisch die offizielle Amtssprache Äthiopiens und auch
an den Schulen eingeführt wurde. Das Hotel ließ er
Mitte der 90er Jahren bauen und es blieb 15 Jahre im Besitz der
Familie,
bevor sie es an Access Resorts verkauften.
Bild 1.808 + 1.809: Das von Asfaw Teferra
Woldemeskel errichtete Imperial Hotel
Aber nun geht es weiter durch die Stadt in Richtung Norden zum
Stadtteil Yeka. Dort wollen wir eine Piste zur Felsenkirche Washa
Mikael nehmen. Leider ist die durch den Wald und bergauf
führende
Strecke, gerade von einem Straßenbauunternehmen in Besitz
genommen. Henok sucht nach einer anderen Piste, die uns zum Ziel
führen soll. Henok und das Auto geben ihr Letztes, aber die
Wegeverhältnisse wollen uns einfach nicht passieren lassen.
Auch
die Hilfe von Anwohnern, die an entscheidenden Stellen unserem Auto
etwas Schub verleihen, bringt uns nur zu immer
größer
werdenden Hindernissen. Wir müssen sehen, wie wir irgendwie
umkehren können. Auf einen stundenlangen Fußmarsch
haben wir
heute auch nicht gerade Lust. Aber alles geht gut und wir kommen
inklusive Auto wieder wohlbehalten zu unserer Ausgangsposition
zurück. Somit geht unser Hauptbesichtigungspunkt des Tages, in
den
unergründlichen Schlaglöchern der Piste erst einmal
unter.
Wir werden wieder kommen, wenn die andere Straße fertig ist,
oder
wir einmal Lust auf einen langen Fußmarsch haben.
Und da wir schon einmal in Yeka sind, schauen wir uns gleich die
moderne Kidane Mihert Church an.
Bild 1.810:
Auszug Google
Maps - Lage der Yeka Kidane Mihert (rechts im Bild) und
der Yeka Medhanealem Church (links im Bild) - Bitte Karte anklicken zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Bild 1.811 - 1.815: Yeka Kidane Mihert Church
Die Kidane Mihert Church von Yeka (nördlich von Kotebe) ist
ein Neubau, aber dennoch interessant, wie fast alle
äthiopischen Kirchen. Da nicht nur auf dem Meskel Square das
Meskel-Fest gefeiert wurde, findet man auch hier die Reste des
vorabendlichen Demera. Die Gläubigen malen sich mit den
Fingern und der Asche, mehrere Kreuze auf Stirn und Wangen.
Darüber hinaus verpacken sie die Asche in kleine
Plastikbeutel, und nehmen diese für die anderen
Familienmitglieder mit nach Hause oder bewahren diese für
später auf.
Bild 1.816 - 1.822: Yeka Kidane Mihert Church
Nur 50 m südlich davon befindet sich noch eine ältere
kleine Kirche, die offenbar zu klein geworden war und der
Vorgänger dieser Kirche ist. Nur zirka 400 m westlich befindet
sich auf einem Hügel die kleine Medhanealem von Yeka. Von dort
hat man einen schönen Blick auf die Kidane Mihert Church. Aber
zunächst drehen wir hier unsere Runde weiter.
Bild 1.823 + 1.824: Die alte Kirche nur ein paar
Meter südlich der neuen.
Die neue Kirche hat als Besonderheit ein Kellergeschoss, welches von
der Süd- und Ostseite frei zugänglich ist. Ohne
Umrundung der Kirche sieht man es nicht. Darüber hinaus geht
von der Ostseite ein Laufsteg, zu einer noch weiter östlich
liegenden kleinen Kapelle, die etwas tiefer als
die Hauptkirche liegt (siehe Vergrößerung von Bild
1.810 und natürlich das später folgende Video).
Bild 1.825 - 1.828:
Yeka Kidane Mihert Church
Eine derartige Bauweise haben wir bisher hier noch nicht gesehen.
Bevor
wir uns zur naheliegenden Yeka Medhanealem begeben, hier noch einmal
die Szenerie in bewegten Bildern.
Video: Yeka Kidane Mihert Church
Auf den kleinen, ein Stück westlich gelegenen und bewaldeten
Hügel, führt eine breite Freitreppe, die mit
verschiedenen Pflanzen bestückt ist.
Bild 1.829 - 1.836: Die kleine Yeka Medhanealem
Church
Die Kirche ist kein besonders interessantes Bauwerk, aber das Ensemble
insgesamt ist schön angelegt, ein Ort voller Ruhe und
lädt zur Entspannung ein. Darüber hinaus hat man eine
gute Aussicht mit Blick auf die Yeka Kidane Mihert Church, die wir
zuvor besucht haben.
Bild 1.837 + 1.838: Blick auf die Yeka Kidane
Mihert Church
Am Fuße des Hügels schließt sich in
westlicher Richtung ein kleiner Friedhof an. Die Friedhofskultur
Äthiopiens ist mit der hochgradigen Schniegelei in Deutschland
nicht zu vergleichen. Darüber hinaus hat man die
Grabstätte für unbegrenzte Zeit und muss für
unsere Verhältnisse nur ein kleines Trinkgeld für das
Fleckchen bezahlen.
Bild 1.839 - 1.842: Blick auf den Friedhof der
Yeka Medhanealem Church
Je nachdem, ob man den Besuch von Ziegen und anderem großen
Getier auf seiner Grabstelle mag oder nicht, wird zum Schutz ein
vergittertes
Häuschen darüber errichtet. Aber hierzu hatten wir
auch schon an anderer Stelle berichtet.
Nach diesem entspannten Rundgang fahren wir zirka 5 Kilometer weiter in
südwestliche Richtung, bleiben aber immer noch im Stadtteil
Yeka. Dort werden wir die vorerst letzte Kirche des heutigen Tages
ansehen, die allerdings wieder ein Stück bedeutender ist.
Bild 1.843:
Auszug Google
Maps - Lage der Yeka Mikael Church - Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Die Yeka Mikael Church (Saint Michael Church) liegt auf einem riesigen
Grundstück von zirka 1 km Länge und ist über
einen über 500 m langen Aufweg von der Fikremariam Aba Techan
Street zu erreichen. Links des Aufweges befindet sich der Yeka Park mit
gepflegtem Grün, einem Spielplatz und einer Bar. Diese ist
besonders bei Studenten beliebt, die zu den
überfüllten Bibliotheken der Stadt eine Alternative
suchen.
Bild 1.844 - 1.849: Auf dem Weg zur Yeka Mikael
Church
Links und rechts des Aufweges kann man diverse kirchliche Dinge wie
Prozessionsschirme, Kreuze in allen Größen und
Formen, Bilder, Bücher und natürlich auch Musik- oder
Video-CDs kaufen. Schon aus der Ferne hören wir diese
landestypische Kirchenmusik,
die uns immer wieder beeindruckt und ganz einfach zur
Atmosphäre dazugehört. Wir können uns auch
nicht verkneifen, auf jeder Äthiopienreise unsere CD-Sammlung
zu ergänzen. Nur die Auswahl ist immer hochgradig schwierig
und zeitaufwändig.
Aber bei einem Preis von 25 Birr pro Scheibe, kann man ruhig ein paar
mehr nehmen und muss sich bei einem eventuellen Fehlkauf nicht
ärgern.
Bild 1.850: Wer möchte, kann
nachfolgend Track 5 von dieser CD hören
Aber gehen wir inzwischen weiter und schauen uns die Kirche an. Etwas
Kleingeld sollte man bei derartigen Besuchen immer einstecken haben,
denn vor den Kirchen trifft man immer auf zahlreiche arme und
behinderte Menschen. Dies allerdings nur bis zum Torbogen, denn im
inneren Kirchenhof ist das betteln untersagt.
Bild 1.851 - 1.858: Im inneren Hof der Yeka Mikael
Church
Diese Kirche zählt mit zu den ältesten Kirchen von
Addis Ababa, was auch unschwer an der Bauweise erkennbar ist, die an
dem der traditionellen Rundkirchen angelehnt ist. Leider
können wir keinen Blick in das Innere werfen. Die Kirche
besitzt einen externen steinernen Glockenturm und in
nordöstlicher Richtung, bzw. hinter der Kirche,
schließt sich ein großes Friedhofsgelände
an. Von hier kann man auch die Wanderung zur Washa Mikael Rock Hewn
Church in die Yeka Berge starten, wenn man mindestens anderthalb
Stunden Fußmarsch für eine Wegstrecke nicht scheut.
Wir halten das noch für etwas zu gering bemessen. Immerhin
beträgt die Entfernung schon mindestens 4 km Luftlinie.
Bild 1.859 - 1.863: Yeka Mikael Church mit
Funktionsgebäuden und Durchgangsbereich zum
Friedhofsgelände
Es wird berichtet, dass Kaiser Menelik II. die seit dem Abyssinian–Adal
War der Jahre 1529 bis 1543,
verlassene Washa Mikael Rock Hewn Church im 19. Jahrhundert
wiederentdeckt hatte. Darin fand er noch das alte Tabot
(sinngemäße Kopie der Bundeslade) der
Kirche und ließ es in diese hier vorgestellte und im
19.
Jahrhundert errichtete Yeka Mikael Church umsetzen. Leider ist die
Ansicht der Tabots nur den Priestern vorbehalten und so bleibt dieses
alte Stück für die Allgemeinheit verborgen.
Bild 1.864 - 1.869: Darstellungen von St. Michael,
Maria mit Jesus, St. Gabriel, St. George, St. Tekle Haymanot und das
letzte Abendmahl
Vor der Kirche bereitet man gerade ein Feuer vor und beginnt mit
diversen Ausschmückungen des Geländes und der Kirche.
Das wird nicht etwa ein verspätetes Meskel-Fest, sondern
gehört zu einer bevorstehenden Bestattungszeremonie.
Wir ziehen uns jetzt langsam zurück und gehen unseren
restlichen Tagesplan an.
Bild 1.870 - 1.872: Glockenturm der Yeka Mikael
Church und Vorbereitung einer Bestattung
Bild 1.873 + 1.874: Was es mit diesem offenbar
heiligen Baum auf sich hat, konnten wir leider bisher nicht
herausfinden.
Bild 1.875: Wir verlassen wieder den
inneren Kirchenhof durch den dreiteiligen Torbogen
Und zum Abschluss haben wir noch einen Kurzfilm, der euch in
die Atmosphäre des Ortes eintauchen
lässt.
Video: Yeka Mikael Church - Addis Ababa
Bild 1.876 + 1.877: Verkauf von Meskel Blumen am
Aufweg zur Yeka Mikael Church
Bild 1.878 + 1.879: Fast hätten
wir einen goldenen Schrim mitgenommen, ... wer hat schon einen solchen
tollen Sonnenschirm in Deutschland im Garten? ;-)
Zu einer bedeutenden Kirche wie der Yeka Mikael mit seinem
großen Friedhof, gehört natürlich auch am
Fuße des Aufweges ein Shop für die richtige
Verpackung zur letzten Reise. Da ist vom einfachen Pappkarton bis zum
prunkvollen "Merzedes" alles zu haben. Das schauen wir uns
natürlich
auch noch an, und der Händler ist sichtlich erfreut
über unser Interesse.
Bild
1.880:
Sarghändler am Fuße des Aufweges zur Yeka Mikael
Church
Bild 1.881 + 1.882: Der Hol- und Bringeservice
steht auch bereit und ist mit einem schönen
äthiopischen Kreuz ausgestattet
Aber widmen wir uns nun ein paar anderer Dinge und schließen
das Thema Kirchen und Bestattung ab. Wir fahren nun vom Stadtteil Yeka
ein paar Kilometer in nordwestlicher Richtung weiter, in den
Stadtteil Kechene. Auf dem Plan steht jetzt eine
Gedenkstätte, die es nicht geben würde, wenn Haile
Selassie nicht die Aufnahme von Äthiopien in den
Völkerbund und später in die Vereinten
Nationen
gelungen wäre. Durch diese Mitgliedschaft wurde
Äthiopien in den Koreakrieg
hineingezogen und kämpfte mit den Vereinten Nationen gegen die
Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und deren
verbündete Volksrepublik China. Und wie das bei Kriegen leider
in der Regel so ist, verloren dabei auch äthiopische Soldaten
ihre Leben, die sonst nie auf die Idee gekommen wären, sich in
die Angelegenheiten von Süd- und Nordkorea zu mischen.
Bild 1.883:
Auszug Google
Maps - Lage des Korea Denkmals - Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Bild 1.884: Eingangstor zum
Ethiopian Korea War Veterans Memorial Park
Der Ethiopian Korea War Veterans Memorial Park, wie das
Gelände mit dem Korea Denkmal korrekt heißt, ist
nicht frei begehbar. Am Tor ist eine geringe Eintrittsgebühr
von 2 Birr je Person zu entrichten. Dafür kostet die
Fotogenehmigung je Kamera das 20fache. Video kostet noch einmal extra
und ist erheblich
teurer. Wir fühlen uns ein wenig verschaukelt und verzichten
auf die Videogenehmigung.
Bild 1.885 + 1.886: Eintrittspreis 2 Birr,
Fotogenehmigung 40 Birr je Person
Bild 1.887 - 1.893:
Korea Monument
Wie die Gedenktafeln vermitteln, verloren in den Jahren 1951 - 1953, in
der Grenzregion zwischen Nord- und Südkorea, 122
äthiopische Soldaten ihr Leben und 536 wurden verwundet.
Sie waren Mitglieder der sogenannten Kagnew
Batallione, die Haile Selassie der UN für den
Koreakrieg zur Verfügung stellte. Für jeden toten
Soldaten wurde ein Steinquader aufgestellt,
die in vier Teilkreisabschnitten gegenüber einem Obelisken mit
dem
kaiserlichen Lion of Judah angeordnet worden sind. Dabei stehen die
Quader jeweils
in zwei Bögen Rücken an Rücken und von jeder
Seite ist eine Gedenktafel für den jeweiligen Soldaten
angebracht.
Bild 1.894 + 1.895: Die Steinquader für
die gefallenen Soldaten
Bild 1.896 - 1.899: Weitere Inschriften zur
Errichtung der Gedenkstätte
Weiterhin befindet sich auf dem Gelände noch eine Memorial
Hall,
zu der wir keine Auskünfte geben können, da sie
verschlossen
und keine Besichtigung möglich war.
Bild 1.900 - 1.903: Memorial Hall for Ethiopian
Veterans in the Korean War
In Chuncheon von Korea wurde eine Memorial Hall mit dem
gleichen Namen errichtet, jedoch in anderer Bauart. Sie ähnelt
drei aneinander gereihter traditioneller äthiopischer
Rundhäuser.
Viel mehr müssen wir zu dem Thema nicht sagen.
Ergänzende Infos sind den abgebildeten Gedenktafeln
zu entnehmen.
Bild 1.904: Toreinfahrt des Ethiopian
Korea War Veterans Memorial Park von innen
Fahren wir weiter zu einer anderen Gedenkstätte aus der Zeit
des Derg Regimes. Davor legen wir aber noch zwei Stopps an zwei anderen
Orten ein. Wir wechseln nun in den Stadtteil Arada. Es geht
zunächst ein paar Meter die Senegal Street nach Süden
und dann die
Botswana Street nach Osten, bis wir die Benin Street erreichen. Von
hier fahren wir weiter nach Süden in
Richtung der St. Georgs Cathedral. Auf halber Strecke auf der rechten
Seite, führt eine kleine Nebenstraße zum
traditionellen Addis Ababa Restaurant.
Bild 1.905:
Auszug Google
Maps - Lage des alten Addis Ababa Restaurants - Es liegt ein
Stück weiter links, entgegen der Kartenmarkierung, wie
unschwer
an der Dachform erkennbar ist - Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Bild 1.906 - 1.909: Das historische Addis Ababa
Restaurant.
Es wird berichtet, dass dieses Gebäude über 100 Jahre
alt ist und dereinst für Zauditu
(oder Zewditu), der ältesten Tochter von Kaiser Menelik II.
und einem Dejazmach (Militärführer) namens
Webé errichtet worden ist. Das genaue Datum und Infos zum
Dejazmach Webe waren nicht zu bekommen. Ungeachtet dessen,
gehört dieses Gebäude neben dem Taitu Hotel zu den
ältesten äthiopischen Restaurants, die es gibt. Darin
werden nur äthiopische Speisen serviert und das Ambiente ist
passend
zu
dem altehrwürdigen traditionellen Stil des Hauses. Unter den
Einheimischen
ist auch der Name "Addis Ababa Y'Megeb Adarash" für das
Restaurant in Gebrauch (Megeb = Essen / Adarash = Halle).
Bild 1.910 - 1.913: Am historischen Addis Ababa
Restaurant
Das
umgebende Viertel, welches noch weitere interessante und
geschichtsträchtige Gebäude beherbergt, ist heute als
"Dejach Webé Sefer" oder
"Webé Berha" bekannt und soll in den frühen 50er
Jahren ein belebter Ort mit Tanzbars und einem Schuss Rotlichtmillieu
gewesen sein. Die spätere Betreibung des Hauses als
traditionelles Restaurant geht auf den Einfluss von Haile Selassie
zurück. Auch hier konnte das genaue Datum unsererseits leider
nicht
herausgefunden werden. Mit den Einnahmen des Restaurants sollte im
Rahmen eines Programms der Kaiserin Menen (Haile Selassie´s
Frau) Geld für arme Frauen gesammelt werden. Noch
heute soll ein Teil des Einkommens aus dem Restaurant, für
arme Mädchen und Frauen zur Unterstützung verwendet
werden.
Fahren wir weiter in Richtung Süden an der St. George
Cathedral vorbei, über die A3 und A4 zur Churchil Avenue.
Dieser folgen wir zirka einen Kilometer, bis die unübersehbare
große Kanone vom Tewodros Square ins Blickfeld rückt.
Bild 1.914 - 1.917: Die Kanone auf dem Tewodros
Square
Die Kanone ist ein Replik der berühmten 6,7 t schweren Kanone
Sewastopol und wurde von Akaki Spare Parts & Hand Tools Share
Co. im April 2003 gefertigt. So zumindest sagt es das Schild auf dem
Fahrgestell der Kanone. Das Original befindet sich noch heute auf dem
Schlachtfeld von Magdala,
wo Kaiser Téwodros
II. (auch Theodoros, Theodor) sie im Jahr 1868 in der
Schlacht gegen die Briten einsetzen wollte. Es ist historisch nicht
gesichert, ob die Originalkanone je abgefeuert wurde. Die bis dahin
größte Kanone Äthiopiens, kann man
ausgehend von den Festungsruinen in Magdala erreichen, sollte sich aber
einen Guide aus dem dort befindlichen Museum mitnehmen. Das ehemalige
Magdala befindet sich westlich von Dese oder Dessie und ist
über Kombolcha auf der A2 von Addis Ababa nach Norden
erreichbar.
Am östlichen Rand des Téwodros Square´s
befindet
sich das alte Wafa
Cinema. Es versprüht den Charme einer
alten Industrieanlage
und soll recht interessant sein. Mit weiteren Infos über Alter
und Ausstattung können wir leider nicht dienen.
Bild 1.918: Das Wafa Cinema am
Téwodros Square
Fahren wir nun noch knapp einen Kilometer weiter auf der Churchill
Avenue
nach Süden und erreichen das Dilachn Monument.
Bild 1.919:
Auszug Google
Maps - Lage des Dilachn oder Tiglachin Monument
- Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Das Dilachn oder Tiglachin
Monument (Amharisch: Unser Kampf), ist ein
Denkmal für die äthiopischen und kubanischen
Soldaten, die am Ogaden-Krieg
gegen Somalia, in der Zeit von 1977-78, beteiligt waren. Es ist
unschwer zu erkennen, dass dieses Denkmal aus der Zeit des Derg stammt.
Bild 1.920 - 1.923: Das Tiglachin Monument in
Erinnerung an den erfolgreichen Kampf Äthiopiens gegen die
Invasion somalischer Truppen
Eigentlich ist das Gelände aktuell für Besucher
geschlossen, aber der einzige und durchaus zugängliche
Bewacher des Geländes, macht eine Ausnahme für uns.
Also gehört das Gelände für zirka eine halbe
Stunde uns ganz allein. In aller Ruhe können wir uns die
sozialistische Denkmalskunst unter Mengistu Haile Mariam ansehen. Da im
Ogaden-Krieg Äthiopien von sowjetischen Waffen und zahllosen
Militärberatern, sowie kubanischen Truppen
unterstützt wurde, ist natürlich die Symbolik der
Unterstützer an den Monumenten auch wiederzufinden.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gedenktafeln für
die gefallenen kubanischen Soldaten.
Bild 1.924 - 1.927: Teil des Tiglachin Monuments
mit Gedenktafeln der kubanischen Kämpfer
Die Natursteinmauern mit den großen Metallreliefs links und
rechts der zentralen Stele,
haben allerdings nur wenig mit dem Ogaden-Krieg zu tun, sondern
rücken Mengistu Haile Mariam, in überproportionaler
Größe zu den übrigen Darstellungen, in die
Heldenpose. Dargestellt sind unter anderem der Sturz des Kaiserthrons
und die weitere Entwicklung des Landes unter der Führung von
Mengistu Haile Mariam.
Von hier kann man übrigens auch einen verbotenen Blick zum
Gibbi werfen, und kann mit gutem Zoom das eine oder andere Detail
erkennen. (Nachsatz:
Seit Oktober 2019 inzwischen öffentlich zugänglich.)
Soweit der Ausflug in die äthiopische Derg-Zeit und
zurück in die Geschichte des Kaiserreichs. Wir fahren nun
weiter
nach Süden zum alten Bahnhof nach Djibouti.
Bild 1.933:
Auszug Google
Maps - Lage des historischen Bahnhofs nach Djibouti
- Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Wir müssen nur einfach weiter der Churchill Avenue nach
Süden folgen, die später von der Gambia
Street abgelöst wird. Wir überqueren die Ras Mekonen
Ave und unterqueren dabei die neue Hochbahnlinie und sind nach zirka
weiteren 300 m vor dem alten Bahnhof angelangt. Kurz davor steht auch
noch der bekannte bronzene Lion of Judah. Wir hatten den Ort schon
einmal besucht und darüber berichtet.
Bild 1.934 - 1.938: Historischer Bahnhof nach
Djibouti
Im Vergleich zu unserem Besuch vor zwei Jahren, hat sich an der
dereinst im Jahr 1929 eröffneten Bahnstation noch nichts
verändert. Nach wie vor darf das Objekt, nebst dem
dazugehörenden Gelände mit Lokschuppen und alter
Eisenbahntechnik, nicht besichtigt werden. Über eine
Fußgängerbrücke bekommt man eine Aussicht
auf die Rückseite und des angrenzenden Geländes.
Aufnahmen sind normaler Weise nicht erlaubt, was
unverständlich ist, da es ein toter Haltepunkt ist, der mit
der neuen Linie gar nichts mehr zu tun hat. Warum sich allerdings
ausgerechnet das schwedische Jagd- und Spürhundunternehmen
Eftersöksspecialisten
auf dem Gelände aufhalten darf, weiß
natürlich niemand.
Nun wird es aber langsam Zeit eine kleine Nachmittagspause einzulegen
und wir fahren wieder ein Stück dieselbe Strecke
zurück bis zum Nationaltheater und dem großen
steinernen Lion of Judah, wo unter freiem Himmel etwas
Gastronomie angeboten wird.
Bild 1.939:
Auszug Google
Maps - Lage des Nationaltheaters mit dem großen
Lion of Judah
- Bitte Karte anklicken
zur
weiteren Lageerkundung in Addis Ababa
Bild 1.940 -1.944: Pause am Nationaltheater und
dem Lion of Judah
Das moderne Denkmal schuf der französische Bildhauer Maurice
Calka. Mit der Inschrift am Fuße des Löwen,
können wir endlich die Widersprüche in der Literatur
aufklären, wo man noch andere Urheber in Erwägung
gezogen hat. Das Denkmal wurde anlässlich des Silver Jubilee's
von Haile Selassie I., im Jahr 1955 persönlich von ihm
eingeweiht.
Das Ethiopian National Theatre, früher als Haile Selassie I.
Theater bekannt, wurde währen der italienischen Besetzung als
Cinema Marconi mit zirka 350 Sitzplätzen erbaut. Nach dem Ende
der Besetzung ließ Haile Selassie das Gebäude auf
eine Kapazität von 1.260 Personen erweitern. Es wurde
ebenfalls anlässlich der Feier zu seinem
Silberjubiläum im Jahr 1955 fertig gestellt. Aktuell steht das
60jährige Jubiläum der Einweihung des Theaters ins
Haus (Siehe Bild 1.944).
Bild 1.945: National Theatre &
Lion of Judah
Ein weiteres bedeutendes Gebäude am Platz, ist die Commercial
Bank of Ethiopia. In der Geschichte der Bank ist leider nicht
ermittelbar, wann das Gebäude errichtet worden ist.
Bild 1.946: Commercial Bank of Ethiopia -
Addis Ababa
Unser
heutiges Besichtigungsprogramm ist damit abgearbeitet und der Tag noch
lange nicht vorüber. Wir haben aber noch eine Wunschliste
bezüglich Mitbringsel und Souvenirs, die wir am besten noch
heute abarbeiten. Auf unserer Rundreise ist leider noch nicht alles
gelungen. Die meisten Dinge sind natürlich regional
beschränkt und sollten immer vor Ort erworben werden. In Addis
Ababa gibt es aber Händler die aus allen Landesteilen einen
riesigen Fundus zusammengestellt haben. Der Preis ist dann
natürlich etwas höher, aber wenn es unterwegs
nicht geklappt hat, gibt es in Addis noch einmal die letzte Chance. Auf
den Flughafen sollte man sich nicht verlassen, weil es dort extrem
teuer ist und kaum Auswahl gibt.
Bild 1.947: Churchill Avenue
Im Hintergrund der Turm der City Hall
Wir suchen einen dieser Händler auf, die man ohne ortskundigen
Führer nicht finden kann.
Bild 1.948: Lageplan und Kontakte der
Shumeta Gallery
Die Shumeta Gallery befindet sich im Untergeschoss eines Hochhauses,
ein Stück abseits der Churchill Avenue in Nähe des
Tewodros Square's. Man kann den Ort gar nicht verfehlen, wenn man die
obige Lagebeschreibung der Visitenkarte beachtet.
Bild 1.949 - 1.952: Nur ein paar Einblicke in die
Shumeta Gallery
Schon was entdeckt? Wenn nicht, ... keine Sorge. Einfach den Inhaber
fragen. Er hat da noch einen besonderen Raum für ein paar
besondere Raritäten, die man in dem riesigen, vollgestopften
und unübersichtlichen Laden nicht herumliegen
lassen sollte. ;-)
Gegen 17:00 Uhr sind wir schließlich wieder in unserer
Unterkunft angelangt und können uns in aller Ruhe auf das
Kulturprogramm des Abends vorbereiten.
Gegen 19:00 ist Abholung und frisch gebügelt und geschniegelt
geht es zum 2000 Habesha Cultural Restaurant. Wir kennen die Location
schon von früher und wissen was uns erwartet. Wer noch nicht
dort war muss wissen, dass man vorher den Tisch reservieren sollte. Es
ist immer volles Haus. In der Regel bucht man den Tisch inklusive
Abendessen. Getränke sind extra zu bezahlen. Ohne Essen ist
nicht die Regel, da muss man vorher verhandeln, ob das möglich
ist. Das Abendessen wird auf einem langen Buffet angeboten und jederman
kann kosten so lange und viel er möchte. Allerdings ist ohne
Beratung höchste Vorsicht geboten. Es ist alles gut aussehend
und gesundheitlich natürlich unbedenklich. Nur mit der
Schärfe ist es ein Lotteriespiel. Die geringste Kostprobe kann
schon alles andere für längere Zeit
überdecken und den Mund verbrennen.
Selbst die Beratung kann schiefgehen, denn was dem einen nicht scharf
erscheint, ist dem anderen schon viel zu viel. Und so kann die riesige
Auswahl schon mächtig zusammenschrumpfen.
Bild 1.953 - 1.957: Im 2000 Habesha Cultural
Restaurant von Addis Ababa
Wer sich dennoch vergriffen hat, muss eben mit ausreichend
Getränken nachspülen. Da herrscht keine Not und die
Bedienung ist recht aufmerksam und schnell am Tisch.
Wer jetzt noch ein wenig in dem interessanten Kulturprogramm
stöbern
möchte, mit dem man durch die Völker ganz
Äthiopiens reist, hat in den nachfolgenden Videos eine kleine
Auswahl. Jedes ist anders und entwickelt sich erst im Laufe der
Vorstellung.
Video: 2000 Habesha Cultural
Restaurant - 1/5
Video: 2000 Habesha Cultural
Restaurant - 2/5
Video: 2000 Habesha Cultural
Restaurant - 3/5
Video: 2000 Habesha Cultural
Restaurant - 4/5
Video: 2000 Habesha Cultural
Restaurant - 5/5
Wir sehen uns morgen wieder, wenn wir noch ein besonderes und schwer
bewachtes Objekt
in Addis Ababa ansteuern. Uns ist es dennoch gelungen eine
Sondergenehmigung für einen Besuch ins Innere zu bekommen. Das
macht Hoffnung, dass wir auf späteren Reisen auch noch die
restlichen Begehrlichkeiten erfüllen können.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim