Am Festivalsamstag geht es eher als gestern auf dem Gelände
zur Sache. Unabhängig vom Rudeboy Soundsystem, die jede
unbespielte Minute mit dem passenden Sound ausschmücken,
fällt um 13:00 Uhr mit der ersten Liveband der offizielle
Startschuss für's Bühnenprogramm. Dies zumindest auf
der Courtstage mit Joe Scholes (Braces). Die Mainstage folgt um 15:40
Uhr mit The Kittyhawks. Mit der Vermittlung unserer Eindrücke
werden wir aber erst beim Auftritt der Kittyhawks beginnen.
Auf dem Weg zum Festivalgelände stach uns schon gestern ein
Auto mit dem passenden Nummernschild für Junior Dell in die
Augen. Der Clou wäre, wenn er tatsächlich auch noch
1991 geboren wäre. Wir werden ihn später fragen und
ausführlicher über ihn und seinem Förderer
und Partner Neil Anderson berichten.
Aber
kommen wir nun zum Festivalgeschehen. Die Kittyhawks sammeln sich schon
neben der Hauptbühne und wirken von hinten wie eine
Fußballmannschaft. Jeder Musiker trägt ein Shirt mit
einer großen Nummer. Es wäre mal interessant zu wissen, welche
Hintergründe bei der Nummernwahl eine Rolle gespielt haben.
Die Band ist ein Vertreter des Ska-Punk und kommt aus Australien. Ihren
ersten Live-Auftritt hatten sie erst in 2023 und ist damit noch recht
jung an Jahren. Dennoch hat sie schon getourt in Ländern wie
Japan, Indonesien, Großbritannien und weitere
europäische Länder.
Ihre Debutsingle "Danger In The Middle" ist ebenfalls aus dem Jahr 2023
und wurde vom Ska Nation Radio als "beste australische
Ska-Veröffentlichung seit Jahren" bezeichnet. Ihr Song "Cometh
The Hour" vom 2024er Album "From Brass To Bullets", erreichte Platz 1
der Ska Nation Radio Top 30 Songs des Jahres 2024.
Erkunden wir währenddessen weiter das Gelände,
stöbern im Merchandise herum, besuchen mal kurz den Zeltplatz
usw.
usf..
Boss van
Trigt am Merchandise mit Artikeln von The Upsessions und The Pioneers.
Auf dem Zeltplatz unterhalb der Wasserburg, alle Jahre wieder,
schön im Grünen und unter schattenwerfenden
Bäumen. Das kann man heute gut gebrauchen. Camper denken aber
sowieso an alles und achten darauf, dass keine
Versorgungslücke entsteht. ;-)
Zwei der großformatigen Planen mit Laurel Aitken an der
Fassade der Burg. Koppe alias Al Koppone hat sie aufgehangen und wird
sie nach der Versteigerung wohl auch wieder runterholen
müssen. Ein guter Platz, denn dort sind sie vor
Souvenirjägern sicher. Ist denn schon jemand das zum Festival
passende Schmuckband an der Burgfassade aufgefallen?
Und wieder einmal rückt die Feuerwehr an, um für
Abkühlung und Minimierung der Staubbelastung auf dem Platz zu
sorgen. Aus der richtigen Perspektive gibt's sogar einen Regenbogen.
"Daniela" muss sich natürlich wieder voll in den Wasserstrahl
stellen. Aber so kennen wir ihn.
Und noch zwei Planen mit Laurel Aitken, die dann gleich versteigert
werden.
Für alle Geschmäcker gibt's das richtige Essen und
jetzt sogar noch ohne Schlange.
Der Sound wartet auf den letzten Ton von den Kittyhawks.
Inzwischen
habe ich auch die Gelegenheit mit Junior Dell zu sprechen und zeige ihm
das Foto mit dem Auto. Er lacht. Sein Auto ist das natürlich
nicht und mit der 91 liegt der Besitzer ein Jahr daneben, denn Junior
Dell's Geburtsjahr ist 1992.
Gegen 17:00 Uhr sind dann erst einmal die Magnetics mit einem kurzen
eigenen Set an der Reihe, bevor Junior Dell seine zweite Show des
Festivals präsentieren darf. Er stand ja schon gestern auf der
Bühne, als er sich zum Glück bereit erklärt
hatte, die Abwesenheit von Doreen Shaffer auszufüllen.
Es wäre Holz in den Wald getragen, wenn wir noch einmal die
aus Italien kommenden Magnetics näher beleuchten
würden. Sie sind schon öfter beim This Is Ska zu
Gast und Bestandteil unseres Festivalberichts gewesen. Ihre
Musik ist eine Mischung aus dem klassischen Sound von Ska der
60er Jahre, Rocksteady und Early Reggae, aber alles in der
Nähe von Soul und Rhythm & Blues ausgerichtet. So sind
sie auch immer wieder als Backingband für Künstler
gefragt, die diesen Stil vertreten.
Rechts:
Linton Black aka Phil, war gestern mit dem Laurel Aitken
Experience zu erleben.
Noch spielen sie ohne Neil Anderson, aber dieser steht schon bereit, um
zusammen mit Junior Dell für den Hauptteil der Show auf die
Bühne zu kommen.
Währenddessen bereitet sich auch schon die 8°6 Crew
auf ihren Auftritt vor, der nach Junior Dell an der Reihe ist. Die Crew
gehört zu jenen Bands, die erst kurz vor der Show
beratschlagt, welche Songs präsentiert werden sollen.
Aber kommen wir nun zu Junior Dell und Neil Anderson.
Rechts: Neil
Anderson
Beginnen
wir zunächst mit der Vorstellung von Multiinstrumentalist und
Produzent Neil Anderson, ohne den wir heute Junior Dell ganz sicher
nicht sehen könnten. Im Gespräch mit Neil Anderson
hören wir heraus, dass er versteht, wenn sich der
allgemeine Fokus nur auf Junior Dell richtet. Dennoch bedrückt
es ihn, dass sein Anteil an dem Projekt nicht so recht bekannt ist. Er
hat sehr viel Zeit und Geld investiert, was bis heute noch nicht wieder
hereingespielt ist.
Neil Anderson wurde am 18. Dezember 1969 außerhalb von London
in Hertfordshire
geboren und ist inzwischen mit seinem Label Original Gravity
Records
in London beheimatet. Seine ersten musikalischen
Gehversuche begannen schon im Kindergarten, als er in einer Musikstunde
eine Trommel bekam. In den Folgejahren verstärkte sich sein
Interesse an diesem Instrument. Er begann Schallplatten auf seinem
ersten Schlagzeug nachzuspielen, das aus leeren Eisbechern und
Drumsticks aus Spielzeug-Billardqueues bestand. Als Fundgrube diente
hierfür die Plattensammlung seines älteren Bruders,
in der auch Platten von The Jam, The Specials und The Beat vertreten
waren. Mit 11 Jahren bekam er endlich die Gelegenheit ein echtes
Schlagzeug zu spielen, als sein älterer Bruder an der
örtlichen Methodistenkirche für die Pfadfindergruppe
das Marschtrommelspiel unterrichtete. Sein Bruder war es auch, der
seine
Eltern überzeugte, ihm zum 12. Geburtstag ein richtiges
Schlagzeug zu schenken. In der Grundschule kam auch noch
Gitarrenunterricht dazu und zuhause gab's auch noch ein Keyboard, an
dem er sich ebenfalls probierte. Als er Mitte 20 war, gründeten
ein
paar seiner Freunde eine Band und suchten noch jemand für den
Bass. Also begann er auch noch diesen zu lernen, obwohl er schon in
vielen Bands als Drummer unterwegs war.
Seit 2002 war Neil begeisterter Mountainbiker, was ihn in den Jahren
danach indirekt zu seinem Label "Original Gravity" brachte. 2010 bekam
er eine Kamera mit der er seine Bikertouren aufnahm und mit Musik
hinterlegen wollte. So entstand "Original Gravity", wobei sich
"Gravity" auf die Nutzung der Schwerkraft bezieht, um schnell einen
Berg hinunterzurasen, und "Original" auf die Verwendung seiner eigenen
Musik.
Es sollte
aber noch bis 2017 dauern, als er mit Floyd James & The GTs -
The
Switchback / Green Onions, seine
erste Single veröffentlichte. Seitdem folgten
regelmäßig weitere und limitierte Singles, mit
Melvin Craig, The Supersonics, der Garage-Blues-Band Labrats und vielen
anderen.
Darüber hinaus arbeitete Neil als Musiklehrer privat
und auch in den
Farm Factory Studios in Welwyn
Garden City, Hertfordshire. Während der Pandemie wurde die
Arbeit aber sehr problematisch, da Proben und Unterricht praktisch
unmöglich wurden. Die Kurse wurden nur noch online
durchgeführt und Neil zog sich Ende 2019 schrittweise aus dem
Unterricht zurück. Im April 2020 hat sich
schließlich Neil dazu entschieden, nur noch an Produktionen
und Veröffentlichungen für sein Label Original
Gravity zu arbeiten.
Ja und der Rest ist Geschichte. Seitdem hat er zahlreiche Aufnahmen
produziert und
veröffentlicht. Zirka alle drei Wochen gibt es neues Material
bei
Original Gravity. Die meisten Instrumente wie Schlagzeug, Bass,
Gitarre, Percussion, häufig Keyboard und
Mundharmonika, werden dabei von
ihm
selbst eingespielt. Darüber hinaus steuert er auch hin und
wieder Gesangs- und Backing-Vocals bei. Ja und wie die Zusammenarbeit
mit Junior Dell
begann, werden wir in Junior Dell's Abschnitt berichten.
Adrian "Junior" Dell aka Adrian "Adri'd" Dell, wurde am 28.10.1992 auf
Jamaika geboren. Seine
Familie erkannte schon früh seine Leidenschaft
für die Musik und schickten ihn bereits mit 6 Jahren zum
Klavierunterricht. Schon sein Vater war Sänger und hatte eine
große Plattensammlung mit den unterschiedlichsten
Musikstilen. Seine Mutter sang im Kirchenchor. In der High School
von Falmouth
hatte er einen guten Lehrer, der ihn förderte und an
klassische
Musik und RnB heranführte. Er spielte in der Theatergruppe,
sang im Chor und spielte in der Schulband The Quire. Fast jede Woche
gab es
Mittagskonzerte in der Aula.
Zunächst sang er in einer A-Cappella-Gruppe, bestehend aus 4
Sängern. Sie nannten sich "The Unique Sensations". Damit waren
sie aber nicht zufrieden und beschlossen eine Band zu gründen,
in der Adrian der Leadsänger wurde. Sie traten nunmehr als
"New Sensations" bei verschiedenen Anlässen auf und
Junior Dell entwickelte seine musikalischen Fähigkeiten immer
weiter.
Zeitsprung. Während der Corona-Pandemie wurde es schwierig mit
Musik
weiter zu
überleben. Adrian hatte ein Account auf einer Freelancer
Plattform und dachtes sich dieses wieder einmal zu nutzen und zu
aktualisieren. Er schaffte es damit ein paar Jobs zu besorgen. Sein
erstes Projekt entstand, als ihn Neil Anderson anschrieb und Interesse
an einer Zusammenarbeit äußerte. Die erste
gemeinsame Aufnahme nannte sich "Miss Aranivah" und wurde auf der "Ska
Fever Vol.1" EP im Februar 2021 veröffentlicht. Die
verschiedenen Aufnahmen mit Neil Anderson halfen Adrian die Pandemie
wirtschaftlich zu überleben. Die Songs liefen recht
erfolgreich im Radio und deshalb fassten Neil und Adrian den
Entschluss, es einmal mit ein paar Live-Auftritten zu versuchen. So
wurde das Projekt "Junior Dell & The
D-Lites" geboren, mit dem sie dem Publikum jamaikanischen Ska,
Rocksteady und Early Reggae präsentierten. Wobei es die
D-Lites eigentlich nie wirklich physisch als Band gab, denn alles ist
in Wirklichkeit Neil Anderson.
Darüber
hinaus liebäugelt Adrian auch mit Soca Music. Mal sehen was
man dazu noch hören wird. Allerdings dann auf seinem eigenen
Label "Spew Music
Pro".
Uns wäre die Fortsetzung seines heutigen Stils
natürlich deutlich lieber.
Am 27. September 2024 trat Junior Dell zum ersten Mal in Deutschland
auf. Das war im Berliner "Roadrunner's Rock & Motor Club". Ein
Tag später dann im Dresdener "Saloppe".
Dieses Jahr nun zum ersten und zweiten Mal beim This Is Ska Festival.
Wir hoffen, dass noch viele Veranstalter in Zukunft auf Junior Dell und
Neil Anderson zurückgreifen werden. Viel Erfolg!
Live Video:
Junior Dell & The Magnetics - Titel siehe Setlist
Soweit einmal ganz ausführlich über das
Künstler Duo Adrian "Junior" Dell & Neil Anderson aka
Junior Dell & The D-Lites. Wir sind gespannt, wie diese
Geschichte weitergeht.
Nach diesem frühen Highlight nutzen wir die Umbaupause um zur
Courtstage zu wandern und der Laurel Aitken Versteigerung beizuwohnen.
Mal sehen, was es so alles für interessante Sachen gibt, und
vor allen Dingen welche Summe am Ende zusammenkommt.
Es fehlen noch ein paar Minuten und das Soundsystem neben der
Courtstage sorgt noch für die musikalische Unterhaltung, bevor
es von Richie mit einem spannenden großen Pappkarton
abgelöst wird.
Wer Richie aka Dr. Ring Ding kennt, der kann sich natürlich
unschwer vorstellen, wie Richie mit dem ihm eigenen Humor als Moderator
an die Sache herangeht. Selbst wenn man nichts von diesen
Sammlerschätzen ersteigern möchte, ist es
äußerst unterhaltsam, der Versteigerung beizuwohnen.
Als Assistent geht ihm Al Koppone zur Hand. Der Witz hinter den
Kulissen ist,
dass Al Koppone aus demselben Nest wie ich komme und wir uns
früher regelmäßig über den Weg
gelaufen sind. Nur wissen wir beide
momentan noch nichts oder nichts mehr davon, bis Koppe später
von Richie
aufgeklärt wird. Was für eine Erkenntnis!
Laurel
Aitken hat sogar einmal auf Deutsch gesungen. Auch diese
besondere Rarität gibt es zu ersteigern. "Muaß I
Denn ... zum Städtele hinaus" mit No Sports. Hier zum Reinhören.
Neben CDs, Platten, raren Probepressungen, Fotos, Banner und vieles
mehr gibt es auch einen Bademantel von Laurel Aitken zu ersteigern, den
er bei einer Tour mit Grover Records getragen hat. Die meisten Artikel
stammen aus dem Fundus von Grover Records und Oswald Münnig,
was man noch erwähnen sollte.
Vielen Dank dafür Ossi!
Festivalmacher
Jörg gönnt sich mal eine
Verschnaufpause zwischen dem ganzen Organisationsstress.
Die
großen Banner zur Erinnerung im Kleinformat als
Papierdruck
Die Versteigerung des Bademantels bietet köstliche
Unterhaltung. Wer könnte das besser als Richie!? Immer wieder
treibt er den Preis in die Höhe, in dem er die Bieter
anspornt. "Du wirst doch nicht etwa zulassen, dass der Bademantel nach
Sachsen geht!?" Natürlich nicht und schon erhöht der
Bayer sein Angebot. Und so geht es eine Weile hin und her. Am Ende geht
der Bademantel für 460 EUR nach Bayern. Mehr oder weniger ist
das sicher nur ein Spaß und dient einer guten Sache, denn der gesamte
Erlös wird gespendet. Den Bademantel bekommen wir nicht einmal
zu Gesicht, denn dieser liegt fein säuberlich verpackt bei
Grover Records im Archiv.
Der neue
Besitzer des Bademantels und die Versteigerungsliste
Insgesamt kommen stolze 840 EUR zu Gunsten des Vereins "Action Speaks
Louder Than Words" zusammen. Dieser gemeinnützige Verein aus
dem Ruhrpott unterstützt notleidende
jamaikanische Künstler des Ska, Rocksteady und
Reggae. Viele dereinst erfolgreiche Künstler fristen ein
unwürdiges Leben, weil sie einfach um ihre Tantiemen von den
Labels betrogen worden sind oder einfach Pech im Leben gehabt haben.
Aber lest mehr über den Verein unter diesem Link.
Nun
geht es aber zurück zur Mainstage, auf der die 8°6
Crew mit ihrem Programm an der Reihe ist.
Diese im Jahr 1995 gegründete Band kommt aus Paris und hat
sich Ska und Skinhead Reggae auf die Fahne geschrieben. Schade, dass
wir etwas zu spät gekommen, denn ein Teil der Show ist bereits
vorüber. Die ursprünglich aus dem Streetpunk / Oi!
kommende Band spielt heute mehr nach unserem Geschmack, was wir gar
nicht erwartet hatten. Also bitte noch einmal auf Anfang, wenn es geht.
;-)
Live Video:
8°6 Crew
Machen wir erst einmal eine Kaffeepause und schauen dem Treiben im
Backstage zu und wie auf der Bühne für den
nächsten Punkt der Running Order umgebaut wird.
Sänger Charly der 8°6 Crew mit dem 1999er Album "Bad
Bad Reggae". "Da hat jemand das Album zum Signieren hereingereicht und
nun ist er verschwunden. Was soll ich jetzt machen damit?" Da
können wir leider auch nicht helfen.
Als
Booze & Glory with The Gamblers ihre Show starten, sind wir
äußerst überrascht. Was wir hier geboten
bekommen, ist überhaupt nicht das, womit wir
gerechnet haben. Ich beschreibe das mal als Ska und Reggae auf
Oxo86.
Der geübte This Is Ska Besucher kennt natürlich Oxo86
zur Genüge und wird wissen was ich meine. Bei Booze &
Glory hätte man auch Punk und Oi! erwartet, was zumindest zu
unserer Freude nicht eintritt. Es gibt eine eingängige Hymne
nach der anderen, aber alles in Richtung Ska und Reggae
getrimmt.
Live Video:
Booze & Glory with The Gamblers - 1/2
Booze & Glory kommt aus Großbritannien und wurde im
Jahr 2009 von Sänger Mark, Gitarrist Liam, Bassist
Bartez und Drummer Mario in London gegründet. Bartez
und Mario stammen wie Sänger Mark aus Polen und hatten bereits
Erfahrungen in der Oi!-Szene. 2010 erschien ihr
Debütalbum "Always on the Wrong Side" beim britischen
Oi!-Label "84 Records". Inzwischen hat die Band 5 Alben in ihrer
Discography stehen. Im September 2025 soll die Platte "Whiskey
Tango Foxtrot" beim Nürnberger Label "Concrete Jungle Records"
erscheinen. Das Video zu ihrem Song "London Skinhead Crew", ist ihr
bisher größter Erfolg und erreichte bei YouTube
bisher über 34 Millionen Klicks.
Eines von
den 30 Bierchen war wohl schlecht? Jetzt verpennt der das ganze
schöne Set an der Bühnenkante! Wenn das mal gut geht.
Live Video:
Booze & Glory with The Gamblers - 2/2
Gehen wir in die nächste Umbaupause, bevor die letzten 3
Punkte der Running Order der Mainstage abgearbeitet werden.
"Mache doch
mal ein Bild von uns. Wir möchten gerne mit in den Bericht. "
Nach
der angenehmen Überraschung von Booze & Glory kommen
wir zu Jaya The Cat. Diese ehemals in den 1990er Jahren in Bosten
gegründete und nunmehr in Amsterdam heimische gewordene Band,
wird garantiert ihren gewohnten Punkrock-Stil weiterhin aufrechterhalten. Es stehen zwar auch noch Ska und Reggae in ihrer
Bandbeschreibung, aber davon haben wir bei den bisher beigewohnten
Shows kaum etwas oder nur verschwindend gering gehört. Dennoch
ist die Band bei den Skafestivals ein beständiger Gast.
Bei Jaya The Cat werden die üblichen Festivalregeln neu
gemischt, denn die Truppe hat es gerne, wenn es besonders wild zugeht.
Der Sicherheitsdienst bekommt sogar ein paar besondere Hinweise, nur im
äußersten Notfall einzugreifen. Da darf auch kein
Betrunkener Fan von der Bühne geschickt werden, was jener wohl
auch gar nicht verstehen würde. So werde auch ich von
betrunkenen Fans aus meiner gern genutzten Videoposition auf der
Bühne geboxt, um es sich dort bequem machen zu
können. Da müssen wir eben die Aufnahmen etwas
reduzieren.
Was Jaya The Cat während einer Show und drumherum an Rum und
Bier verbraucht, möchte ich gar nicht wissen. Erstaunlich ist
nur, wie sein Körper das aushält. Hoffentlich bleibt
er nicht mal irgendwann auf der Bühne liegen. Man könnte
glatt Zweifel daran bekommen, ob das wirklich alles echter Alkohol ist
was er trinkt.
Live Video:
Jaya The Cat - Huddersfield Rain + ...
Mit "Huddersfield Rain" erwische ich im schönen
Seifenblasengestöber den wohl schönsten Teil der Show
von Jaya The Cat. Mehr davon oder in dieser Richtung wäre
toll. Der Song ist auf dem 2017er und immer noch aktuellem Album "A
Good Day For The Damned" zu finden.
Und da Frontmann Geoff
Lagadec so gerne Rum trinkt, hat er beschlossen den Fans etwas
abzugeben. Es kommt ein Barkeeper auf die Bühne und beginnt
Rum auszuschenken. Anfangs in bereitgestellte Becher und als diese zur
Neige gehen, wird eben gleich direkt in die Münder
abgefüllt. Da gibt es nicht nur eine Flasche, nein nein, es
werden noch weitere geholt und geköpft. Was für ein
Spaß. Die auf der Bühnenkante herumtollenden Kinder
haben sich inzwischen die Seifenblasenmaschine geschnappt und sorgen so
für die weitere Untermalung des Konzerts. Wehe es regt sich
jetzt jemand über "Kinderarbeit" auf!
Soweit einige Eindrücke von Jaya The Cat, die immer wieder
äußerst beeindruckend sind, auch wenn diese nun
wirklich nichts mit Ska und Anverwandte zu tun haben.
Nach
der Umbaupause sind nun die Pioneers mit den Steadytones / Upsessions
an der Reihe.
Wie schon gestern bei unserem Treffen ersichtlich war, stehen nur noch
zwei Sänger des ehemaligen Trios auf der Bühne. Heute ist das George Agard und Jackie Robinson. Damit können wir
leider keines
der ehemaligen Gründungsmitglieder Sydney Roy "Luddy" Crooks,
Derrick Crooks
und Winston Hewitt mehr sehen. Aber das ist bereits seit
längerer Zeit so. Schon als wir sie 2006 beim Summerjam zum
ersten Mal gesehen haben, war das nicht anders.
Live Video:
The Pioneers - 1/3
Songs: Let Your Yeah Be Yeah + Starvation + Feeling High + Everyday
Jackie Robinson (geb. 21.07.1951) ist aktuell das
älteste Mitglied des schon 1962 in Jamaika
gegründeten
Vokal-Trios. George Agard (geb. 17.10.1946), auch als George Dekker
oder Johnny Melody bekannt, ist übrigens Desmond
Dekker's jüngerer Halbbruder. Gründungsmitglied
Sydney Crooks (geb. 24.02.1945) wird immer noch zu den offiziellen
Mitgliedern der Pioneers gezählt, da sich das Trio trotz der
verschiedenen Soloprojekte jedes einzelnen, nie offiziell
aufgelöst hat.
Mehr möchten wir gar nicht zum Background dieser gestandenen
Gesangsgruppe sagen.
Wer einen guten Querschnitt der Musik von den Pioneers haben
möchte, kann sich das oben abgebildete und 2017 bei Trojan
veröffentlichte Doppelalbum "The Pioneers - The Best Of The
Pioneers" besorgen. Eine Live Show wie heute, kann dieses
natürlich nicht ersetzen.
Live Video:
The Pioneers - 2/3
Songs: Papa Was A Rolling Stone + Nana (Bamboo Bed) + Samfie Man +
Reggae Fever
"Papa Was A Rolling Stone", 1972 von Undisputed Truth
aufgenommen, bekannter jedoch von der Cover-Version der Temptations aus
demselben Jahr, ist auch in der Version der Pioneers ein Genuss. Im
Reggae ist das aber nicht die einzige Version, jederman hat sie
bestimmt auch schon von Lee "Scratch" Perry und Dub Nation
gehört. Aber egal von wem, alle Versionen sind grandios.
Live Video:
The Pioneers - 3/3
Songs: Easy Come Easy Go + Jackpot + Long Shot Kick De Bucket + Long
Shot Bus Me Bet + Caranapo
Ja und nach dieser Zugabe vor einem bis auf den letzten Quadratmeter
gefüllten Festivalplatz, geht ein schönes und
umjubeltes
Rocksteady-Konzert mit den Pioneers und den Steadytones / Upsessions zu
Ende. Vielen Dank an die Musiker von The Steadytones und The
Upsessions, sowie an Patsy, die für den perfekten Background
gesorgt haben. Von 15 Songs haben wir tatsächlich 13 aufnehmen
können.
Also schaut euch die Videos an und lasst das Konzert noch einmal Revue
passieren.
Nach
der letzten Umbaupause kommen wir zum nächsten und letzten
Highlight des Tages. Dr. Ring Ding hat sich anlässlich des
30jährigen Jubiläums seiner legendären
Veröffentlichung "Dandimite!"mit den Senior Allstars, eine
neue Setlist zusammengestellt, die weitestgehend diese Platte
berücksichtigt, die für Deutschland ein Meilenstein in
der authentischen Präsentation des jamaikanischen Ska
darstellte. Wir konnten uns schon am 30. Mai auf
unserer Privatveranstaltung im Ortrander Kulturbahnhof einen ersten
Eindruck von der Show verschaffen.
Live Video:
Dr. Ring Ding's Dandimite! - 1/3
Titel: Big Man + One Scotch One Bourbon One Beer + What A Day + Gloria
Auch wenn wir viele Songs schon öfter aufgenommen haben,
werden wir heute versuchen, den größten Teil der
Show für die Nachwelt zu konservieren. Mal abgesehen von ein
paar Fotopausen, die natürlich auch sein müssen.
Immerhin gibt es "30 Jahre Dandimite!" nicht alle Tage. Meine
Videoposition auf der Bühne konnte ich, unter Protest
der vom Sicherheitsdienst veranlassten "Umsiedlungsaktion" einiger
Bühnenbesetzer, wieder einnehmen. Leider konnten das die
"Vertriebenen" nicht so recht akzeptieren und schlugen mir danach
ständig in die Kniekehlen, um die Aufnahmen zu
stören. Was will man da machen? Am besten gar nicht reagieren
und warten, bis der Arzt kommt. ;-)
Live Video:
Dr. Ring Ding's Dandimite! - 2/3
Titel: Money Back + Latin Goes Ska + Original Rude Boy Style
Heute ist Richie mit Musikern aus Spanien, Pardon aus Katalonien,
angetreten. Darauf legen die Musiker besonderen Wert, was durchaus
verständlich ist, wenn man sich an die
zurückliegenden geschichtlichen Zusammenhänge
erinnert.
Von den Senior Allstars steht aber noch Markus Dassmann mit auf der
Bühne. Markus ist bei Dr. Ring Ding eigentlich immer dabei
und kaum wegzudenken, es sei denn, es ein völlig anderes
Projekt
wie The Busters oder andere, wo Richie ebenfalls mitwirkt.
Live Video:
Dr. Ring Ding's Dandimite! - 3/3
Titel: Bad Company + (Bandvorstellung) + The Rule + Dandimite Ska +
Can't Stop
Und wer die Bandvorstellung von Richie im Video nicht so recht
verstanden oder
angesehen haben sollte, gibt's die hier noch einmal schriftlich und
ergänzt mit den vollen Namen der Musiker. Keyboards: Pau "Blackton"
Galindo,
Bass: Genís "Nisu" Varela,
Trompete: Elsa Armengou,
Saxophon: Pere Miró,
Schlagzeug: Roger "Bongoroll" Villanueva,
Gitarre: Markus Dassmann.
Für uns ist jedes Mal erstaunlich, wie musikalisch perfekt
immer wieder die Show von Dr. Ring Ding klingt, egal mit welchen
Musikern das Set einstudiert ist. Großer Beifall! Vielen Dank
an Dr. Ring Ding und seine deutsch-katalanische Band, die sich mit
"Can't Stop Ska Music Party" von der feiernden Massive verabschiedet.
Nach diesem schönen Finale auf der Mainstage, bereiten wir
unseren Abflug vor.
Während wir unsere Sachen packen, läuft uns noch
einmal Geoff Lagadec alias Jaya The Cat in die Arme, natürlich
nicht ohne Getränk. Bei der Gelegenheit bekommen wir die
kürzesten und nicht entzifferbaren "Words of Wisdom" mit auf
den Weg, die wir je gesehen haben.
Da müssen wir wohl beim nächsten Mal noch
einmal drüber reden. ;-)
Geoff
Lagatec alias Jaya The Cat mit den kürzesten "Words Of Wisdom"
dieser Seite
Und so geht wieder ein erlebnisreiches This Is Ska Festival an der
Rosslauer Wasserburg seinem Ende entgegen. An der Courtstage
geht es derweil noch ein Stückchen mit den Bandulus weiter.
Das klingt aus der Ferne zwar sehr gut, aber das Gedränge
sparen wir uns. Irgendwann werden wir auch noch diese Band von einer
anderen Veranstaltung nachreichen können. Wir
sehen uns dann in 2026 mit neuen Eindrücken und Mitschnitten
an dieser Stelle
wieder.
Copyright: www.reggaestory.de
Text: Peter Joachim
Fotos: Marion & Peter Joachim
Videos: Peter Joachim
Mein besonderer Dank geht an Jörg Folta und Franze Vogel als
Veranstalter, an alle Mitwirkenden hinter den Kulissen und
natürlich an alle Künstler
des This Is Ska 2025.