Teil 17
03.08.2008 – Negril - New Testament Church Of God
Sonntags
besteht die Möglichkeit am Gottesdienst der hiesigen Kirche
teilzunehmen.
Es wird sogar ein extra Bus eingesetzt, der sämtliche Hotels
des Norman Manley Boulevards abklappert und interessierte Touris
einsammelt. Allerdings muss man sich schon vorher angemeldet haben.
Für 300 Jays gibt´s die Hin- und Rückfahrt.
Bequemer geht´s eigentlich gar nicht.
Spricht man von der Kirche ist
das allerdings nicht so einfach wie in Deutschland. Die
Kirchenlandschaft ist vielfältig. Die „New
Testament Church Of God“, die wir heute besuchen
werden, stellt mit zirka 21,2 % der Bevölkerung die
größte Anhängerschar. Danach folgen die
„Siebenten-Tags-Adventisten“ mit 9 %, die Baptisten
mit 8,8 %, die Pfingstler mit 7,6 %, die Anglikaner mit 5,5 %, die
Methodisten und die „United Church Of Christ“
jeweils etwa mit 2,7 %, die Zeugen Jehovas, die Plymouth Brethren und
die Herrnhuter mit jeweils unter 2 %. Die Römisch-katholische
Kirche ist mit ungefähr 4 % vertreten.
Die Glaubensgemeinschaft der Rastas liegt ungefähr bei 5 %.
Damit ist die Religionsvielfalt aber längst nicht
ausgeschöpft.
In der Kirche kann man in zwei Etagen Platz nehmen. Der Andrang ist
aber gar nicht so groß, wie erwartet. Bei der wichtigsten
Kirche der Insel, hätte ich mit vollen Bänken
gerechnet. Wenn ich die interessierten Gäste der
Touristenschar einmal abziehe, ist der Gospelchor gemeinsam mit dem
Prediger und der weiteren Kirchmessdiener, der Besucheranzahl nicht
gerade weit unterlegen.
Die Einheimischen haben sich schick angezogen. Die Frauen haben
überwiegend lange Kleider an und Hüte aufgesetzt.
Auffallend ist, dass die Frauen in der Überzahl sind. Die
Männer haben trotz der Hitze weitestgehend nicht auf ihren
Schlips verzichtet. Als ob das noch nicht reicht, gibt es auch noch
welche, die in ihrem Jackett kochen. In der Kirche ist es zwar nicht so
warm wie draußen, und jede Menge Ventilatoren sorgen
für einen stetigen Luftzug, aber angenehm ist das sicher
nicht.
Einen Altar und eine Orgel gibt es hier nicht. Vielmehr ist der
vordere Bereich wie eine Bühne erhöht aufgebaut. In
der Mitte geht der Priester lautstark zur Sache, und beiderseitig ihm
zur Seite sind die Musiker und der Gospelchor platziert. Der Priester
macht mir Angst. Man könnte fast denken, er ist dem Wahnsinn
verfallen. Mit entstellten Gesichtszügen und
überschlagener Stimme kreischt und schreit er seine Predigten
in den Raum. Dazu fuchtelt er mit den Armen und stampft mit den Beinen,
als gelte es den Teufel aus der Kirche zu treiben.
Man ist recht froh,
wenn der Referent unterbrochen wird und der Gospelchor immer wieder zum
Einsatz kommt. Da wird zwischen den Kirchenbänken getanzt,
geschunkelt und gute Laune verbreitet. Zum Ende der Show, kann man
wirklich so sagen, nehmen drei Kirchdiener vor den Sitzbänken
Aufstellung. In der Hand halten sie Körbe und Stoffbeutel, die
auf die Spenden der Besucher warten.
Aber alle Leute verlassen noch nicht die Kirche, denn es wird noch eine
Taufe abgehalten.
Live
Video:
Ausschnitte vom Gottesdienst in der New Testament Church Of God
– Negril
Wir haben den Bus ohne uns fahren lassen und den Fußmarsch
eingeplant. Wenn wir denn schon einmal hier sind, werden wir noch ein
paar Nebenstraßen erkunden, und weg vom Zentrum ein wenig
Ursprünglichkeit von Negril suchen. Und es gibt sie wirklich
noch. Abseits der Hauptstraßen finden sich noch die
interessanten karibischen Holzhäuschen, die auf Steinen
aufgebockt sind. So hält man sich ein wenig Getier und leichte
Hochwässer vom Halse. Der Bausubstanz kommt das
natürlich auch gelegen. Gut belüftet kann das Holz
nicht ganz so schnell verfallen. Selbst die kleinsten Hütten
haben sogar einen Stromanschluss. Viele sehen ganz gemütlich
und gepflegt aus. Andere wiederum zeugen aber auch von großer
Armut und haben dringend ein paar Reparaturen nötig.
Bild 1 - 7: Holzhäuser in Negril
Bild 1: Die "Tageszeitung" von Negril
- Alle Neuigkeiten gibt´s am Kreisel
Bild 1 + 2: Negril River
Gegen Mittag sind wir wieder am Strand. Der Horizont verfinstert sich
mächtig und sticht herrlich vom weißen Strand ab.
Immer wieder prasseln lange wolkenbruchartige Regenfälle
nieder. Das bringt ein wenig Erfrischung.
Bild 1 - 3: Negril -
Regen zieht auf
Wir treffen Daddy Coo. Ein Rasta, der mit Genehmigung der Hotels die
Touristen ansprechen darf, um seine Dienste anzubieten. Daddy Coo
organisiert individuelle Privatausflüge. „Ich habe
in meinem Korb 100 Zungen, und jede spricht eine andere
Sprache.“, sagt Daddy Coo und setzt sich zu uns.
Er ist ein Sprachtalent und hat meistens schon die richtige Zunge im
Mund. Aber Daddy Coo kann uns nicht weiterhelfen. „Wenn du
weißt, wo eine Grounation statt findet, würden wir
uns gerne einladen lassen? Ansonsten haben wir schon eine Rundreise
hinter uns und werden keine längeren Ausflüge mehr
machen.“, eröffnen wir ihm. „Vorige Woche
hätten wir das tun können, aber in nächster
Zeit weiß ich eigentlich nicht wo noch eine Grounation
stattfinden wird.“, sinniert Daddy Coo. Er zählt uns
noch eine Reihe von möglichen Ausflugszielen auf, die wir aber
alle schon besucht haben. Leider kein Geschäft mit uns zu
machen.
Bild 1 + 2: Daddy Coo
Aus Richtung Negril ertönt laute Musik und der Strand sieht
ziemlich dicht bevölkert aus. Ein guter Anlass wieder eine
kleine Wanderung zu unternehmen. Nach den letzten Hotels in Richtung
Craft Market gibt es noch ein paar Lücken am Strand, die noch
öffentlicher Bereich und Treffpunkt für die
Einheimischen sind.
Bild 1 - 3: Am Ende der Hotelkette -
Negril Beach
Große Boxentürme sind aufgestellt, und unter einer
Überdachung hat sich ein Soundsystem platziert. Eine
handgezimmerte kleine Bühne und ein paar
Verpflegungsstände sind auch aufgebaut. Die Touris sind hier
absolut in der Minderheit. Ich glaube, ich bin sogar das einzige
interessierte Bleichgesicht hier. Kann ich zwar nicht verstehen, aber
mir soll das recht sein.
Bild 1 - 4: Ein wenig Party am
öffentlichen Strandbereich von Negril
Zwischendurch bricht immer mal wieder Jubel aus und alles schaut und
bewegt sich in Richtung Bühne. Da traut sich wieder einmal ein
Mädel etwas Dancehall auf den Planken zu
präsentieren. Richtig in Gang kommt das Ganze allerdings nicht
und die Bühne bleibt die überwiegende Zeit leer. Alle
wollen nur schauen und die richtigen Dancehallqueens sind nicht in
Sicht.
Bild 1 + 2: An der Dancehall Stage
Bild 3:
Öffentlicher Strandbereich kurz vor dem Craft Market
Ein Stück weiter, so ziemlich am Ende des Strandes und des
Craft Marktes, ist eine kleine Rastakneipe, die aus diversen Holzteilen
zusammengezimmert ist. Interessante und teilweise betäubende
Gerüche, die man nur schwer auseinanderhalten kann, quellen
unter dem Dach hervor. Hier gibt es alles was ein Rasta so für
ein zufriedenes Leben braucht. Das heißt aber nicht, dass
andere Leute nicht willkommen sind.
Neben der Kneipe hat der Mann einen Garten angelegt, der so einige
Pflanzen für die Verwertung nach seiner Speisen- und
Genusskarte bereithält. Sieht aber eher aus wie Show und
dürfte für den täglichen Betrieb kaum
ausreichen. Wir unterhalten uns über den
„Chef“ des Marktes, den ich im Jahr 1999 im
Marktbereich getroffen habe. Für mich nenne ich ihn einfach
den Strickrasta, da er immer an der Hauptstraße mit einem
kleinen Verkaufsstand stand und dabei sein Angebot strickend
erweiterte.
Bild 1 + 2: Strickender Rasta mit
Verkaufsstand - Negril 1999
Rastas dürften zwar fast alle stricken
können, aber dieser tat das eben werbewirksam an der
Straße.
„Das ist doch mein Bruder!“, sagt der Mann
überrascht, als ich ihm das Bild zeige. „Leider ist
er gerade nicht hier. Er ist für längere Zeit in die
Berge gegangen.“, erzählt er mir. Na wenigstens was.
Wenn er wieder zurückkommt, wird ihn sein Bruder mit den
Bildern überraschen können.
Bild 1: Baumschnitzerei am Strand von
Negril Bild 2: Holzschnitzer am Strand von
Negril (Craft Market)
Am Abend steht bei „Alfred´s“ Live Musik
auf dem Programm. Wir gehen der Sache nach, um ja nichts zu verpassen.
Naja, klingt nicht besonders, eher wie Frühschoppenmusik in
Deutschland. Alles nichtssagend oder weichgespült und
nachgespielt. Irgendeine Künstlerankündigung ist
immer noch nirgends zu entdecken. Es spielt offenbar nur die Hausband.
Der Eintritt kostet zwar nur 300 Jays, aber dafür auf unser
AI-Angebot des Abends verzichten? Da haben wir bei uns die bessere
Musik, auch wenn sie nicht live ist. Und dabei können wir
wenigstens ein paar „kostenlose“ Drinks
genießen.