ETHIOPIA - THE SOUTH
Ein Reisebericht - Teil 1 31.05.2019 – Ankunft in Addis Ababa - Gibbi
privat (23.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)
Nach
zwei
Jahren Abstinenz kehren wir in den Vielvölkerstaat
Äthiopien zurück, um wieder ein paar andere Orte zu
erkunden,
die in früheren Reisen noch nicht einzuordnen gingen. Dieses
Mal
werden wir einige Völker des Südens besuchen,
deren
natürliche Existenz und Kultur inzwischen stark
bedroht ist.
Denn auch dort hält die Moderne immer mehr Einzug.
Ein äthiopischer
Freund hat uns
deshalb bei der Reisevorbereitung geraten, zunächst diese
Völker zu besuchen und andere Ziele des Landes nach hinten zu
verschieben. "Menschen verändern sich, die Natur nicht.", war
sein
hilfreicher Rat für unsere Entscheidung. Immerhin hat das
riesige
und interessante Land noch so viel zu bieten, dass man
fürchten muss, gar nicht alles abarbeiten zu können.
Dies
nicht nur
wegen seiner Größe, sondern auch wegen immer wieder
schwelender
ethnischer und politischer Konflikte, in die wir zum Glück
bisher
noch nicht
hineingeraten sind. Wir werden uns auch dieses Mal anstrengen, zwischen
den Ausnahmezuständen und Unruhen hindurchzuschlüpfen.
Nach einem achtstündigen Nachtflug von Frankfurt landen wir
planmäßig um 5:55 Uhr in Addis, kaufen unser Visum
für 50 USD/Person und sind relativ schnell durch die
Passkontrolle. Den Geldwechsel am Flughafen können wir uns
heute ersparen, denn die von uns benötigten
äthiopischen Birr
bekommen
wir nach früherer Vorbestellung heute noch ganz bequem von
Muluye
ins Hotel "geliefert". Muluye ist für die diesjährige
Reise
unser Ansprechpartner und Alex der Fahrer für unsere
dreiköpfige Gruppe. Mit angeheuert für diese Reise
hat unser Freund Rainer. Dementsprechend haben wir auch ein
größeres und bequemeres Auto, was allerdings auf
einigen Straßen des Südens unserem Alex noch einiges
an Kopfzerbrechen bereiten wird.
Muluye und Alex nehmen uns am Flughafen in Empfang und bringen
uns in unsere Unterkunft. Hierzu haben wir dieses Mal das Monarch Hotel
im Stadtteil Bole, zu dem auch der Flughafen gehört,
ausgewählt. Es ist ein modernes Hotel, in dem es hin und
wieder auch ein abendliches Konzert im Außenbereich gibt.
Bild 1 + 2: Werbeflyer des Monarch Hotels
von Addis Ababa
Friday Night ist Jazz Night. Reggae wäre uns zwar lieber, aber
zumindest ist Rainer Jazz-Spezialist, und so wird wenigstens einer von
uns dreien auf seine Kosten kommen. Wir sind gespannt, was wir zu
hören bekommen werden.
Nach dem Zimmerbezug und der Abklärung einiger privater und
organisatorischer Dinge sind wir gegen 10:30 Uhr bereit, den ersten
Akklimatisierungsspaziergang in dem über 2.355 m hoch
gelegenen Addis Ababa zu unternehmen. Wenige Gehminuten von unserem
Hotel in östlicher Richtung liegt die Bole Medhane
Alem
Cathedral. Wir kennen sie zwar schon von einer früheren Reise
her, aber für Rainer ist es eine Neuentdeckung.
Bild 3: Auszug Google
Map - Monarch
Hotel (unten links) + Bole Medhane Alem Cathedral (rechte
Bildhälfte) - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Wir bleiben nicht lange unbemerkt und die Aufpasser der EOTC sind
zur Stelle, um uns ein Ticket zum stolzen Preis von 900 Birr zu
verkaufen. Zum Tageskurs sind das fast 30 EUR und für
äthiopische Verhältnisse ist das sehr
realitätsfremd.
Vor einigen Jahren haben wir noch 150 Birr/Person bezahlt, und da war
Foto- und Videogenehmigung schon inklusive. Dieses Mal nicht. Nach
einiger Diskussion blickt der Kirchenführer aber
gnädigerweise darüber hinweg, als wie ihn von unseren
früheren
Erfahrungen berichten.
Bild 10: Südlich der
Kathedrale gelegenes Nebengebäude
Die Kathedrale ist heute für die
Öffentlichkeit
geschlossen und der Kirchenführer muss für uns extra
aufschließen. So schön wie es auch sein mag, solch
ein Objekt für sich allein zu haben, ist es dennoch um ein
Vielfaches besser, den realen Kirchenbetrieb oder sogar einen
Gottesdienst mit den orthodoxen Gesängen zu erleben.
Wer dazu noch nicht die Gelegenheit hatte, sollte sich unbedingt zu den
Zeiten informieren und eine der vielen Kirchen auswählen.
Bild 17
- 22:
Bole Medhane Alem - Addis Ababa Bild 20: St. Tekle Haymanot Bild 21
+ 22:
Malereien links und rechts des
Allerheiligsten
Bole
Medhane Alem bedeutet "Saviour of the World" und ist eine der
größten Kirchen von Afrika. Genauer gesagt steht sie
sogar an zweiter Stelle. In Addis Ababa ist sie
momentan die größte Kirche. Vor dessen Errichtung
war die Selassie-Kathedrale / Dreieinigkeits-Kathedrale / Holy Trinity
Cathedral die größte Kirche von Addis Ababa und
Äthiopien. Etwas unverständlich ist, dass es bei
dem Status dieser Kirche keine informatorischen Fakten zur Baukunst,
den Malereien und anderen Kunstwerken gibt. Im Vergleich zu unserem
ersten Besuch hat sich dahingehend leider immer noch nichts
geändert.
Bild 23
+ 24:
Blick zur Empore mit einem
Bilderzyklus über den heiligen Yared, dem Erfinder der
äthiopischen Kirchenmusik.
Es lohnt sich auch einen Blick von der Empore in den Kirchenraum zu
nehmen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Gemälde
anzusehen, die man von unten nicht sehen kann.
Bild 25
- 28:
Blick von der Empore in den
Kirchenraum und auf zwei der Gemälde der Empore
Was die vielen detailreich gemalten Bilder betrifft, könnte
man jedes einzelne näher zeigen und erläutern.
Allerdings würde dies den Rahmen dieses Reiseberichtes
sprengen. Wir haben in früheren Berichten schon sehr viele
Kirchenmalereien gezeigt, sind aber in jeder Kirche immer wieder aufs
Neue von diesen Kunstwerken beeindruckt. Die Bole Medhane Alem
Cathedral gehört dabei noch nicht einmal zu den
Kirchen mit den meisten Darstellungen.
Bild 29: Blick von Nordwesten
Bild 30: Speicher für heiliges
Wasser für Taufzeremonien und anderes. Zu finden an der
Nordseite des langen Prozessionsweges zwischen Eingangstor und
Kathedrale.
Bild 31
+ 32:
Das Tor am nordwestlichen Ende
des Kirchengrundstückes in Richtung Namibia Street
Und hier noch ein zusammenfassender Rundgang per Video mit
ergänzenden Aufnahmen.
Video: Bole Medhane Aleme - Addis Ababa
Während wir unsere Besichtigung der Kathedrale
durchführen, ist es Muluyes Aufgabe an unserem
nächsten Besichtigungspunkt zu arbeiten. Diesen haben wir ganz
hoch angebunden und alle anderen Pläne müssen sich
diesem unterordnen.
Nach langer
Vorbereitung und zahlreichen "heißen Drähten" haben
wir es nämlich endlich geschafft, mit einer Empfehlung der
Deutschen Botschaft ausgestattet,
die Genehmigung des Ministerpräsidenten zu ergattern, den lang
ersehnten Nationalpalast (National Palace oder Jubilee
Palace) besichtigen zu dürfen. Da Rainer als
Journalist mit
den nötigen Papieren ausgestattet ist, ist es dank seiner
Bemühungen gelungen, diese Option für uns zu
eröffnen.
Soll sich heute tatsächlich der eiserne Vorhang endlich
für
uns lüften? Und tatsächlich bekommen wir im Laufe der
weiteren Telefonate grünes Licht. 14:00 Uhr sollen wir da
sein.
Die Spannung und Vorfreude steigen gewaltig.
Bevor es so weit ist, gehen wir noch einmal ins Hotel zurück
und
lernen während einer Erfrischungspause unseren Guide der
nächsten zwei Wochen kennen. Es ist Mastewo oder kurz Mastu,
wie
er genannt werden will. Der schätzungsweise 25 Jahre junge
Mann
trägt kurze Dreadlocks, hört gerne Reggae, liebt HIM
und wird
von seinen Bekannten auch "Rasta" gerufen. Das passt schon einmal
ganz gut zu unseren Interessen.
Schließlich ist es so weit, und Alex soll uns zu dem
vereinbarten Treffpunkt bringen, den ihm das Büro des
Premierministers durchgegeben hat. Allerdings staunen wir nicht
schlecht, als wir kurz darauf am Tor des Nationalpalastes vorbeifahren
und ein Stück weiter an einem Eingang des Gibbi halten. Jetzt
werde ich aber unruhig und versuche unseren Begleitern klar zu machen,
dass wir hier nicht am Nationalpalast, sondern am Gibbi sind. Diese
lassen sich aber nicht beirren und das Militär öffnet
inzwischen das Gittertor. Alex und Mastu haben keine Ahnung, was der
Nationalpalast oder der Gibbi ist. Der "eiserne Vorhang" den der Staat
um diese beiden Objekte errichtet hat, hat in der Bevölkerung
seine Spuren hinterlassen. Die kaiserlichen Palastanlagen auf dem Gibbi
sind nahezu unbekannt.
Selbst örtliche Reiseveranstalter oder die zahlreichen
Stadt-Guides können kaum auseinander- halten, was der
Nationalpalast oder die kaiserlichen Anlagen auf dem Gibbi sind, was
sich nun wieder einmal bestätigt. Wer
historische Fotos von den Gebäuden des Gibbi besaß,
konnte sich glücklich schätzen. Neuere Fotos gab es
einfach nicht, auch keine näheren geschichtlichen
Informationen zu den verschiedenen Objekten.
Wie sich dann herausstellt, sind wir aber dennoch an der Stelle, die
man
für unseren Besuch vorgesehen hat. Wir stehen
tatsächlich alle auf einem Passierschein, den der
Militärposten hervorkramt. Offenbar haben die Mitarbeiter im
Büro des Premierministers ebenfalls die Sache verwechselt. Uns
soll es recht sein. Diese kleine Sensation nehmen wir doch gerne mit.
Bild 33: Teil des
Gibbi in 2019 noch während der Umbauarbeiten - Auszug Google
Map Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Der Gibbi ist ein 2.442 m
hoher Hügel inmitten von Addis Ababa und beherbergt unter
anderem einige
Gebäude und Paläste aus der Zeit von Kaiser Menelik
II., das Menelik
Mausoleum, welches auch als Kirche Ba´eta Le Mariam genutzt
wird, weiterhin die Kidane Miheret Church (oder Kidane Mehret
Church) und die St. Gabriel Church. Nur die drei Kirchen waren bisher
öffentlich zugänglich, wobei diese auch im
erweiterten Fokus der Bewacher standen. Außenaufnahmen waren
dort weitestgehend tabu. Wer es dennoch versucht hat, musste es schon
etwas schlau anstellen, um nicht den Verlust sämtlicher
Aufnahmen seiner Kamera zu riskieren.
Wir haben über die Jahre oft versucht, einen verbotenen Blick
zu erhaschen oder nach Einlass zu fragen, aber allein Mimik und Gestik
der Bewacher waren schon stark genug jegliches Ansinnen
diesbezüglich im Keim zu ersticken.
Nach dem Sicherheitscheck durch die nunmehr freundlichen
Militärposten und der Erfüllung deren
Anordnung zur
Zurücklassung von Kameras und Handys, dürfen wir
schließlich zum ersten Mal hinter die streng bewachte eiserne
Einfriedung des Gibbi mit den kaiserlichen Symbolen. Danach werden wir
von einem Mitarbeiter des Büros des Premierministers abgeholt
und zum Startpunkt unseres Rundganges und einem Mitarbeiter des
örtlichen Managements gebracht. Was wir dann
vorgeführt
bekommen haben,
übersteigt jegliche Erwartungen unsererseits. Bisher kannten
wir nur
einen Teil von Meneliks hölzernen Palast mit dem Wachturm, von
einer
historischen Aufnahme. Alle anderen kaiserlichen Bauwerke sind
für
uns eine
"Neuentdeckung". Wir sind gespannt auf die künftigen
Erklärungen zu
den Palastanlagen, die momentan noch etwas sparsam sind bzw. in der
Literatur noch gar nicht zu finden sind.
Alles ist liebevoll und perfekt restauriert. Man kann sich
schon sehr gut vorstellen wie das Gelände mit seinen
zahlreichen Objekten nach der Fertigstellung aussehen wird. Im Oktober
dieses Jahres soll das
Gelände als "UNITY PARK" für die Bevölkerung
geöffnet werden. Neben den kaiserlichen historischen Bauwerken
oder um sie herum werden für Rollstuhlfahrer geeignete Wege
angelegt, Pavillons und
Skulpturen errichtet, mit denen sich jede Region Äthiopiens
präsentieren kann. Es werden Zonen der Entspannung und
Kinderspielplätze
eingerichtet und natürlich ein modernes
Einlassgebäude mit großem Touristenshop gebaut. Der
Haupteingang des Unity Parks wird in direkter
Verlängerung der aus dem Süden kommenden Menelik II.
Avenue, also aus Richtung National Palace und Africa Hall platziert.
Die nachfolgenden Fotos wurden zu einem späteren Zeitpunkt
aufgenommen.
Bild 34: Banquet Hall - Festsaal (Foto:
Unity Park)
Bild 35: Haupteingang der Banquet Hall
oder auch Gibir Adarash genannt. Der Festsaal hat eine
Kapazität von fast 8.000 Gästen und wurde in der
Regierungszeit von Menelik II. erbaut und soll nach
Überlieferungen jede Woche genutzt worden sein. Nach
Gründung der OAU
hatte Kaiser Haile Selassie im Jahr 1963 in dieser Halle ein Fest
für die Gründerväter der Organisation
ausgestattet.
Die Banquet Hall, von der wir bisher nur in verschiedenen
Büchern
gelesen haben überrascht uns mit seiner
Größe, tollen Holzarbeiten und
kunstvollen Malereien. Die Halle soll auch in Zukunft für
öffentliche
Anlässe genutzt werden. In anderen Gebäuden wird es
Museen geben, die
schon zum Teil eingerichtet sind. Wir dürfen schon jetzt
überall einen
Blick hineinwerfen und freuen uns, dass man endlich all diese
Sehenswürdigkeiten der Öffentlichkeit
zugänglich machen will.
Bild 36: Throne House oder Throne Hall
(Foto: Unity Park) Im Throne
House oder auch der Throne Hall trafen sich die Monarchen
Äthiopiens mit den regionalen Fürsten, um lokale
Themen zu erörtern und diese zu entscheiden. Zu besonderen
Anlässen wurden auch hier die ausländischen
Würdenträger begrüßt. Unter
anderem waren das in der Regierungszeit von Haile Selassie I.,
Königin Elizabeth II. von Großbritannien, Charles De
Gaulle von Frankreich und Josip Broz Tito aus dem ehemaligen
Jugoslawien. Während der Derg-Zeit tagte hier das
Zentralkomitee und fällte zu Beginn ihrer Regierung die
bekannte Landenteignungserklärung der Fürsten und
traf die Entscheidung zahlreiche hohe Beamte und Familienmitglieder des
Kaisers Haile Selassie I. zu töten. Der Thronsaal ist
dekoriert mit wertvollen Stuckarbeiten an Wänden und Decke. Er
hat seinen Namen von dem großen goldenen Thron in der Mitte.
Dieser ist umrahmt von Säulen und einem Baldachin mit der
Krone des Herrscherhauses. Die Säulensockel und ein tiefblauer
Teppich auf dem der Thron steht, tragen den Davidstern, dem Symbol der
Salomonischen Dynastie. Im Thron House befindet sich
auch die Hauptausstellung des Unity Park Museums über
Geschichte und Kultur des Landes.
Wir gehen weiter an einer Mauer entlang in Richtung Meneliks
Palastanlagen. An der Mauer sind Mosaikarbeiten zu sehen, die
verschiedene Persönlichkeiten der älteren und
jüngeren Geschichte darstellen, ganz egal ob sie vielleicht
von
der einen oder anderen Bevölkerungsgruppe geliebt oder gehasst
werden. Da war man nach allen Richtungen offen und ist der Geschichte
gegenüber neutral geblieben, was sehr positiv ist.
Bild 37 - 39: Mauer mit Mosaikarbeiten, die
führende Persönlichkeiten der
äthiopischen Geschichte darstellen. Von
links nach rechts:
Kaiser Menelik II., Iyasu V. (Enkel von Menelik
II. und ungekrönter Kaiser), Kaiserin Zauditu oder Zewditu
(älteste Tochter von Menelik II.), Kaiser Haile Selassie I.,
Staatsoberhaupt Mengistu Haile Mariam, Präsident Meles Zenawi
und Ministerpräsident Hailemariam Desalegn Bosche.
Schließlich kommen wir zu Meneliks Palastanlagen, zu
denen bisher nur von jenem Teil mit dem Wachturm ein altes
Schwarzweißfoto zu finden war. Wir hatten schon
befürchtet,
dass dieser hölzerne Palastteil über die Jahrzehnte
zusammengestürzt sein könnte. Heute glänzt
alles, als
wäre es gerade erst gebaut worden. Man kann natürlich
kaum erkennen, was original und was rekonstruiert ist. Nach den Angaben
unseres Begleiters soll aber so gut wie alles original und nur frisch
aufgearbeitet
sein.
Bild 40: Südlicher Teil des
Palastkomplexes von Menelik II. - Leider können noch nicht
alle
Objekte umfassend erklärt werden, aber wir werden wiederkommen
und das nachholen.
Bild 41 - 43: Palastkomplex von Menlik II
mit dem Wachturm
Bild 43:
Foto: Unity Park Im
Palastkomplex hatte
das Kaiserpaar jeweils getrennte Schlafbereiche. Wie man uns
versicherte,
waren es es traditionelle und religiöse Gründe, dass
der Kaiser
nur zum Zwecke der Zeugung eines Nachkommen bei der Kaiserin liegen
durfte.
Weiterhin finden wir in dem Komplex unter anderem einen Gebetsraum von
Menelik II., Büros von Menelik und seiner Frau Taytu Betul,
ein Zimmer für den Ministerrat und einen kleinen
Bankettsaal, ein Wartezimmer für den Kriegsminister und Haile
Selassie´s Arbeits- und letztes Aufenthaltszimmer. Der
markanteste
Bereich ist der Wachturm des Kaisers mit seinen
Verbindungsgängen zu den anderen Palastbereichen. In diesem
Palastkomplex wurde auch auf Veranlassung von Menelik II. das erste
Telefon Äthiopiens in Betrieb genommen. Den Originalanschluss
kann man noch sehen.
Etwas bedrückend ist der Besuch von Haile Selassie´s
Gefangenenzimmer, in das
er nach seinem Sturz einquartiert wurde, und wo der letzte Kaiser von
Afrika und somit die salomonische
Dynastie, durch die Hand von Mengistu
Haile Mariam ein Ende gefunden haben soll.
Zu diesem Zeitpunkt bricht auch ein gewaltiger Regenguss über
uns herein, der unseren Aufenthalt an dieser Stelle
verlängert. Bisher ist dieses Zimmer noch nicht aufgearbeitet
und in seinem Zustand zu Haile Selassies letzten Tagen hergerichtet.
Möbel und andere Utensilien liegen wild übereinander
getürmt in dem Raum und harren noch ihrer endgültigen
Parkposition. Ob dieses Zimmer auch noch sein ursprüngliches
Aussehen zurückbekommt, können wir heute nicht in
Erfahrung
bringen. Zur vollständigen Geschichte gehört es aber
dazu. Wir sind schon jetzt gespannt auf unseren nächsten
Besuch.
Nun
müssen alle Reiseführer umfangreich
ergänzt werden, und vor allen Dingen zuvor viel Recherche zu
den Objekten betrieben werden. Bisher wurde alles so geheim gehalten,
dass selbst die eigene Bevölkerung vergessen hat, was sich auf
dem Gibbi alles verbirgt und was die Geschichtsbücher dazu
schreiben.
Der Regen hört und hört nicht auf und unser Begleiter
schickt eine Angestellte in das Unwetter hinaus um ein paar Schirme
für uns zu holen. Wir sind auch am Ende unseres Rundganges
angekommen und müssen nur noch zum Eingang des Gibbi
zurück und unsere beschlagnahmten Kameras und Handys abholen.
Eine
Körperkontrolle muss auch wieder sein. Wir haben
natürlich
keinen Thron oder ähnliche Dinge eingesteckt. ;-)
Unsere freundliche Begleitung hält sogar noch nach unserem
Auto
Ausschau und winkt es zum Kontrollpunkt, damit wir nicht allzu weit
durch den Regen waten müssen, denn die Schirme müssen
wir
ja nun wieder abgeben.
Dennoch haben wir bei dem Guss total durchnässte Hosen und
Schuhe
bekommen. Addis sieht aus, als würde der Weltuntergang kurz
bevor stehen.
Mit unserem weiteren Tagesprogramm wird heute also nichts mehr. So
haben wir
ausreichend Zeit, dieses soeben genossene Privileg der
Gibbi-Besichtigung, ohne
weitere Eindrücke in aller Ruhe zu verdauen.
Muluye hat inzwischen ein paar Bündel
Kleingeld besorgt,
welches wir bei der Reise in den Süden als "Fotogeld"
(Trinkgeld)
benötigen. Die bandagierten Banknoten, die extra von der Bank
kommen, sind aber kaum ihre Bezeichnung wert. Sie sind teilweise so
schlecht, bestehen zu einem großen Anteil nur noch aus
zusammengeklebten und kaum erkennbaren Fragmenten, dass sie
erfahrungsgemäß nicht einmal ein Bettler haben
möchte.
Also heißt es nun vorsichtig die Stapel zu sortieren
und
Muluye
mit den unakzeptablen Scheinen demnächst noch einmal in die
Spur
zu schicken.
Den Tag schließen wir mit der sogenannten "Friday Jazz Night"
im
Außenbereich des Hotels ab. Von Jazz hören wir
allerdings
kaum etwas, eher eine Reise quer durch den musikalischen
Gemüsegarten. Rainers Erwartungen bezüglich Jazz
werden
leider nicht erfüllt. Dennoch ist es eine gute Unterhaltung,
und
zum Abschluss des Konzerts gibt es sogar etwas Reggae für uns.
Gerade will ich meine Kamera scharf machen, aber leider gibt es keinen
Nachschlag in der Richtung.
Wir sehen uns morgen wieder an dieser Stelle, wenn wir uns auf den Weg
nach Shashemene begeben werden, bevor es übermorgen
weiter in
den Süden geht.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim, außer Bild
34-43
Muluye Tsegaw @ Zagol
Ethiopia Tours und Unity Park
Text und Videos: Peter Joachim