Ein Reisebericht - Teil 4
18.09.2015 – Wolisso - Melka Kunture - Adadi Mariam
- Tiya - Hossaina (07.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
werden wir uns ein ganzes Stück in östlicher Richtung
bewegen
bis wir auf die Straße mit der Nummer 51 treffen, die von
Addis
Ababa in südliche Richtung verläuft. Wenn diese
Straße
den Fluss Awash kreuzt sind wir im Gebiet der
Ausgrabungsstätten
von Melka Kunture. Von dort geht es dann weiter in südliche
Richtung über Tiya bis nach Hossaina.
Wegen der hereinbrechenden
Dunkelheit am
gestrigen Abend, konnten wir den schönen Hotelpark der Negash
Lodge noch gar nicht unter die Lupe nehmen. Das wollten wir eigentlich
am frühen Morgen nachholen. Leider fällt dieser
Programmpunkt
im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Das
nützt nun
alles
nichts. Wenigstens ein paar Eindrücke müssen noch
eingefangen
werden.
Bild
344:Übersicht der Negash
Lodge in Wolisso. Für
Details
des Geländes bitte die
Karte oder den Link der Google-Map
anklicken, nach Wunsch
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Das von uns bezogene Haus "Afar" ist das quadratische Objekt mit den
vier hellen Kuppeln. Das Maru Restaurant liegt mitten im Park und
befindet sich unmittelbar vor dem Gebäude mit dem roten Dach.
Bild
345: Negash
Lodge - Das Haus Afar besitzt 4 Wohneinheiten
Bild
346: Der
etwas verwitterte Übersichtsplan am Car Park vor dem Maru
Restaurant
Auch Kaiser Haile Selassie hat sich sehr gern in dieser Anlage
aufgehalten, wenn er in Wolisso oder auf der Durchreise war. Sein
Zimmer befindet sich im sogenannte "Robe" Haus und trägt die
Nummer 1. Diesen Gebäudeteil ließ Haile Selassie in
den 1940er Jahren errichten. Der Name kommt von der Stadt Robe in der
Oromia Region. Man
findet das Zimmer im Gebäudekomplex links vor dem Maru
Restaurant.
Bild
347: Der
Car Park vor dem Maru Restaurant. Links das Robe Haus und rechts die
Orientierungstafel gemäß Bild 346.
Bild
348:
Eingang zum Maru Restaurant mit Bar und Fernsehraum (siehe Bild 333-343)
Bild 349 - 351:
Negash Lodge - Tree Bar
Die Tree Bar ist wegen der Nebensaison noch geschlossen und diverse
Instandhaltungsarbeiten sind im Gange. Von der vielfältigen
Tierwelt des Parks ist heute leider fast nichts zu sehen. Selbst die
Vögel sind wegen des Regens verstummt. Nur ein paar Affen und
verschiedene Großvögel sitzen reglos in den
Bäumen und warten auf besseres Wetter.
Bild
352: Der
vom Thermalwasser gespeiste Außenpool dampft in der
Morgenfrische
Bild
353 - 355:
Bereich am Kundurus Restaurant und Conference Hall
Bild
356: Das
Bungalow "Dorze" - Jedes Bungalow hat ein anderes Aussehen und
verschiedene Ausstattungen
Soweit noch ein paar feuchte Eindrücke von der Hotelanlage am
Morgen.
Gegen 8:30 Uhr verlassen wir schließlich die Negash Lodge und
das verregnete Wolisso.
Bild
357:
Einfahrt zur Negash Lodge im Süden der Anlage.
Bald lassen wir das regnerische Wetter hinter uns und die Sonne kommt
heraus. Das ist die Gelegenheit für unser Auto sich nun mit
einer Reparatur zu anzumelden. Danke dafür, dass du erst aus
dem
Regen herausgefahren bist. ;-)
Wir haben doch tatsächlich einen Platten. Unsere gestrige
Holperpiste ist daran sicher nicht ganz unschuldig. Während
sich Henok und Tagan um das Rad kümmern, gibt´s
gleich nebenan eine Impfaktion zu besichtigen.
Bild
358:
Reifenpanne
Bild
359 - 365:
Tierimpfung
Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Alles was man so an
vierbeinigen Nutztieren in Äthiopien herumlaufen sieht, wird
aus der Umgebung von den Bauern hierher gebracht. Bei Ziegen und
Schafen verläuft die Impfung schnell und einfach, nahezu im
Vorbeigehen. Wer nicht will, wird entsprechend fest- und der
Impfpistole entgegengehalten.
Für die größeren Tiere hat man ein
entsprechendes Gatter errichtet. Hin und wieder gibt es auch etwas
Aufregung unter den Tieren und die Holzkonstruktion kommt bedenklich
ins Wanken. Es fällt auf, dass sich niemand an- und abmeldet
oder irgendwelche Papiere ausgefüllt werden. Dafür
gibt es nur eine Erklärung. Wie wir erfahren soll die
Tierimpfung völlig kostenfrei sein und wird vom Staat
finanziert.
So
war auch diese unfreiwillige Pause nicht ganz uninteressant. Unser Auto
hat sich den richtigen Fleck für die Panne ausgesucht. ;-)
Kein
Schaden ohne Nutzen.
Unsere Fahrstrecke von Wolisso bis zu unserem nächsten Ziel
ist zirka drei Stunden lang. Darin eingerechnet ist eine kleine
Knabberpause, die wir zirka 30 Minuten vor Melka Kunture in einem Ort
namens Alem
Genna (oder Alem Gena) einlegen. Tagan kümmert sich
derweil um sein "Ersatzrad" und wir suchen
uns ein Kaffee mit Blick ins Straßenleben.
Für´s Mittagessen ist es noch zu früh, aber
ehe wir dazu kommen werden, wird noch einige Zeit vergehen. Also
gibt´s jetzt wenigstens erst einmal einen Kaffee
zwischendurch.
Bild 366: Mobiler Händler in
Alem Genna
Bild
367: Im
Kaffee von Alem Genna
Zirka eine halbe Stunde später erreichen wir die
recht einsam gelegenen Ausgrabungsstätten von Melka
Kunture. Hier liegen die Dörfer Kella und Melka
Awash, die durch
zahlreiche steinzeitliche Knochenfunde und Werkzeuge auf sich
aufmerksam gemacht haben. Die Fundstelle wurde von dem
holländischen Hydrologisten Gerard
Dekker "entdeckt". Dem vorausgegangen waren
natürlich Funde und Hinweise aus der Bevölkerung.
Aber bis dahin wurden eben noch keine näheren Untersuchungen
vorgenommen bzw. die Wichtigkeit der Funde erkannt. Gerard Dekker
informierte daraufhin die Behörden in Addis Ababa. Haile
Selassie besuchte die Fundstätte im Jahr 1970 und sagte: "The
findings of artefacts at Melka Kunture by professional reserarchers
gave us a great pleasure." Von 1965-1982 sowie in den Jahren von
1993-1995 wurde der Ort systematisch von einer französischen
Forschungsteam unter der Leitung von Jean
Chavaillon untersucht. Seit 1999 werden die weiteren Forschungen, im
Einvernehmen mit den äthiopischen Behörden, unter
Leitung von Marcello
Piperno für das italienische
Außenministerium und die Universität von Rom "La
Sapienza" fortgesetzt.
Bild
368:
Übersicht von Melka Kunture am Awash - Für Details
des Geländes bitte die
Karte oder den Link der Google-Map
anklicken, nach Wunsch
vergrößern.
Von dem aus mehren miteinander verbundenen Tukuls, in denen im Jahr
2007 ein Museum eröffnet worden ist, führt ein langer
Weg durch das Buschwerk zu verschiedenen überdachten
Bodenaufschlüssen, die einen beispielhaften Einblick in die
Ausgrabungen geben.
Bild
369 - 372:
Im Museum von Melka Kunture
In den vier Tukuls findet man eine Ausstellung zu den wichtigsten
ostafrikanischen prähistorischen Stätten und den
Protagonisten der afrikanischen Vorgeschichte. Weiterhin die
geologischen Aspekte von Melka Kunture und die damit verbundenen
Grundsätze der Geologie und Vulkanologie, die Geschichte der
Menschlichen Evolution und archäologische,
paläontologische und paläoanthropologische
Aufzeichnungen von Melka Kunture. Die meisten der
Exponate sind natürlich Nachbildungen. Eine sehr informative
Ausstellung aber für den Laien auch eine etwas schwer
verdauliche Kost.
Gehen wir wieder in die Sonne und schauen uns noch ein Teil des
Freilichtmuseums an.
Bild
373 - 376:
Melka Kunture - Auf dem Weg vom Museum zu den Bodenaufschlüssen
Die Landschaft ist gegenwärtig geprägt von gelben
Blütenteppichen der Meskelblumen, so auch hier in Melka
Kunture. Dazwischen gibt es auch immer wieder ein paar andere
interessante Pflanzen zu entdecken.
Im Freilichtmuseum mit den Bodenaufschlüssen sieht man die mit
zahllosen versteinerten Knochenfragmenten durchsetzte und freigelegte
Geröllschicht. Ein unendliches Betätigungsfeld
für die Forscher wenn man bedenkt, dass es sich hier nur um
ein winziges Fenster in dem riesigen Areal handelt. Wir entdecken
natürlich fast nix oder nur mit Mühe. Da sehen doch
die Bodenschichtungen viel interessanter aus. Aber gut, man
hat mal einen Eindruck von der Arbeit der "Knochenputzer"
bekommen. ;-)
Bild
382 - 387:
Pflanzen am Wegesrand von Melka Kunture
Nach unserem Ausflug Millionen von Jahren zurück in die
Steinzeit,
fahren wir weiter zur nächsten steinernen Angelegenheit. Ein
Stück weiter südlich der Straße mit der
Nummer 51 entlang, biegt man nach Westen zum Dorf Adadi ab, wo sich die
Felsenkirche Adadi Mariam
(auch Maryam oder Mariyam) befindet. Bis zu dieser Felsenkirche ist man
von
Melka Kunture maximal 30
Minuten unterwegs.
Bild
388 -
392: Auf
dem Weg zur Felsenkirche Adadi Mariam
Vor
den Toren zum Gelände der Felsenkirche werden wir von
einer riesigen Menschenmenge empfangen. Das gilt natürlich
nicht uns, sondern einer bevorstehenden Bestattungszeremonie.
Schön getrennt nach Frauen und Männern bleiben die
Wartenden weitestgehend unter sich. Ein Mann zwischen den Frauen oder
umgekehrt zu entdecken, ist nahezu unmöglich. Den letzten Weg
des teuren Toten oder der teuren Toten, werden vermutlich über
1000 Trauergäste säumen. In Äthiopien ist
das nichts Ungewöhnliches. Aber wer soll das bezahlen? In Teil
6 zu "Ethiopia By Bus" hatten wir schon einmal zu diesem
Thema berichtet.
Bevor man die Felsenkirche besichtigt, ist zu entscheiden, ob man
Videoaufnahmen machen möchte oder nicht. Neben der zu
vernachlässigenden Eintrittsgebühr kostet die
Videogenehmigung stolze 200 Birr.
Bild 393: Adadi Mariam Rock Hewn Church -
Videogenehmigung
Bild
394: Die
Felsenkirche Adadi Mariam
Aus der Ferne wirkt die Felsenkirche nur wie ein Grashügel auf
dem
ein metallenes Kreuz steht. Davor befindet sich ein verschlossener
Schrein in dem sich, wie für eine Marienkirche
üblich, ein
Bildnis von Maria mit dem Jesuskind befindet. Von hier führen
zwei
verschiedene Treppen in die Felsenkirche hinunter. Eine ist
für
Männer und die andere für die Frauen.
Bild
395 + 396:
Die Treppen zur Felsenkirche Adadi Mariam
Die Adadi Mariam, auch bekannt als Anfar Debre Maryam Kirche, ist eine
der historisch bedeutendsten Kirchen Äthiopiens.
Sie
ist als
südlichste in Fels gehauene Kirche des Landes bekannt und soll
während der Herrschaft von Kaiser Lalibela (1180 - 1220)
erbaut worden sein. Der Legende nach soll Kaiser Lalibela den heiligen
Memphis Kiddus besucht haben, der auf dem naheliegenden Vulkan Mount
Zuqualla ein Kloster gegründet hatte.
Während dieses Besuchs soll Kaiser Lalibela den
Auftrag für die Errichtung der Felsenkirche gegeben haben. Die
Kirche wurde im 16. Jahrhundert während der muslimischen
Eroberungsfeldzüge des Mohammed
Gran aus Harar gebrandschatzt und danach aufgegeben. Erst
über 350 Jahre später, während der
Herrschaft von Kaiser Menelik II.,
wurde die Felsenkirche zufällig wiederentdeckt.
Bild 397: Der Heilige Memphis Kiddus in
der Felsenkirche Adadi Mariam
Bild
398 - 401:
In den Fels gehauener Rundgang der Kirche Adadi Mariam mit
Lichtbögen zum äußeren Kirchenumgang
(vergleiche Bild 394)
Steigt
man die Stufen hinunter, gelangt man zuerst in den
äußeren Kirchenumgang, der an der Seite der
Zugangstreppen die größte Breite besitzt. Die vier
Ecken der Kirche sind noch mit dem umgebenden Felsen verbunden und
gewährleisten durch Anordnung eines Durchganges den kompletten
Umgang. Von diesem noch etwas tiefer liegendem Umgang aus, sind
Kanäle in den Felsen geschlagen, die nach
Niederschlägen für die Entwässerung des tief
im Felsen liegenden Kirchenbereichs sorgen. Dieser beginnt mit einem
mit roten Teppichen belegten Rundgang. Davor sind die Schuhe
auszuziehen. Im Rundgang sind verschiedene Bilder angebracht. Die
meisten sind durch Vorhänge abgedeckt.
Bild 402: Adadi Mariam -
Äußerer Umgang mit Entwässerungskanal
Vom Rundgang aus gelangt man schließlich in einen kleinen
Kirchenraum von dem zwei weitere nebeneinander
liegende Türen in das Allerheiligste führen.
Dieser Bereich kann nicht betreten werden. Im Vorraum befinden sich
noch einige mit Vorhängen abgedeckte Bilder. Darunter ein
großes Marienbild mit dem Jesuskind.
Bild
403 + 404:
Kirchenraum der Adadi Mariam
Im
Kirchenraum kann man das Ergebnis der Sanierungsarbeiten der Jahre
1997-98 deutlich erkennen, die mit Hilfe der Schweiz
durchgeführt worden sind.
Es wurde unter anderem eine Stahlkonstruktion eingebaut die den
drohenden Einsturz des Felsdaches verhindern soll.
Seit Abschluss der Sanierungsarbeiten kann die Kirche wieder
bedenkenlos für den Gottesdienst genutzt werden. Besonders zum
Todestag der heiligen Maria, am 21. Januar nach äthiopischem
Kalender (bei uns 16.01.), ist die Kirche ein beliebter Pilgerort
für die orthodoxen Christen. Die Äthiopisch Orthodoxe
Tewahedo Kirche feiert übrigens 33 verschiedene Marienfeste.
Bild 405: Adadi Mariam - Tür zum
Allerheiligsten mit Bildnis der Dreifaltigkeit
Verlassen wir nun die Felsenkirche und gehen wieder in Richtung
Torbogen des Kirchengeländes. Ein Stück rechts des
Weges liegt ein großer runder und blank polierter Stein. Er
soll 70 Kilogramm wiegen. Wer gesündigt hat soll
Buße tun, in dem er den Stein anhebt und so weit wie
möglich trägt. Sehr viele Sünder
müssen diesen Stein schon in den Händen gehabt haben,
so
blank poliert wie der aussieht. Das muss man erst einmal hinbekommen.
Ich möchte mal wissen wie alt der Stein ist. Die Einheimischen
sehen interessiert zu, wie sich unsere Buße entwickelt. ;-)
Bild
406 -
409: Adadi
Mariam - Der "Büßerstein"
Oh je, Henok und Tagan haben schwer gesündigt, können
sich aber dank des schweren Steines wieder reinwaschen. Wir versuchen
es lieber nicht, bevor wir uns noch für den Rest der Reise das
Kreuz verrenken. ;-)
Bild
410 - 416:
Adadi Mariam - Die Trauergäste warten auf die Berdigung
Die Zahl der Trauergäste ist weiter angewachsen aber die
Beerdigung ist noch nicht vollzogen. Das Grab ist noch offen und leer.
Für Fotos und Filmaufnahmen sollte man sich immer abseits der
Grabstelle und der eigentlichen Zeremonie bewegen bzw. nur vor und nach
der eigentlichen Bestattung Aufnahmen machen. Die Teilnahme an der
Zeremonie ist aber kein Problem.
Bevor wir uns zum nächsten Tagesziel begeben, hier noch ein
paar bewegte Bilder.
Live
Video:
Adadi Mariam Rock Hewn Church
Fahren wir wieder nach Osten zurück zur Hauptstraße
mit der Nummer 51 und dann weiter nach Süden. Unser
nächstes Ziel ist Tiya.
Dort befinden sich zahlreiche Stelen,
die seit 1980 zum Weltkulturerbe gehören. Bis dorthin werden
wir eine knappe Fahrstunde benötigen.
Bild
417:
Übersicht des Stelenfeldes von Tiya - Für Details
des Geländes bitte die
Karte oder den Link der Google-Map
anklicken, nach Wunsch
vergrößern.
Als wir das eingezäunte Stelenfeld erreichen, meldet sich der
Himmel zu Wort. Dunkle Wolken ziehen heran und erstes Grollen ist in
der Ferne zu vernehmen. Hoffentlich dauert es noch eine Weile, bis uns
das Gewitter erreicht.
Bild
418: Vor
dem Stelenfeld in Tiya
Neben dem Ticket-Office vor dem Zaun, gibt es auch noch einen
traditionellen Souvenirshop direkt am Parkplatz. Momentan ist beides
verschlossen. Wir müssen noch ein paar Minuten warten bis der
Eintritt geregelt ist. Es gibt auch einen Führer der in
Englisch alle nötigen Informationen zum Gelände
vermitteln kann.
Bild
419 - 423:
Die Stelen von Tiya
Tiya
ist eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Afrikas.
Längst noch nicht und nicht nur an dieser Stelle, sind alle
Stelen freigelegt. Der größte bisher gefundene
Monolith soll ursprünglich eine Höhe von 5 m erreicht
haben. Heute ist er allerdings zerbrochen. Hier zu sehen ist nur noch
der unter Teil (Bild 429). Der obere Teil befindet sich im
Außenbereich des Ethnologischen Museums der Addis Ababa
University. Erstmalig wurde von den Stelen im April 1935 berichtet, als
eine deutsche ethnographische Expedition den Ort besuchte.
Bild
424 - 428:
Die Stelen von Tiya
Gefunden
wurden hier bisher über 40 Stelen, von denen viele mit
Symbolen bedeckt
sind. Dabei handelt es sich vorwiegend um Schwerter oder Lanzenspitzen,
aber auch Kreise, pflanzenartige Symbole oder
Körperteile. Man vermutet hinter den unterschiedlich
angeordneten und sich wiederholenden Symbolen eine Art Bilderschrift.
Die Stelen markieren
zudem einen riesigen prähistorischen
Begräbniskomplex, auf dem Überreste von
Männer und Frauen im Alter von zirka 18 - 30 Jahren gefunden
worden sind. Leider weiß man bisher noch nichts Genaues
über diese untergegangene Zivilisation. Auch über das
Alter der bisherigen Funde ist sich die Fachwelt noch nicht sicher,
obwohl schon verschiedene Zeiträume im Gespräch sind.
Ein sicherer Nachweis ist bisher nicht gelungen.
Bild
429 - 431:
Die Stelen von Tiya
Wir haben Glück und kommen ohne Regen und Gewitter um die
Runde. Unser Besichtigungsprogramm für heute ist abgearbeitet.
Aber werfen wir noch einen Blick in den extra für uns
geöffneten Souvenirshop und kaufen ein
paar Perlhühner ein. ;-)
Bild
432 + 433:
Verschiedene handgemachte Keramiken in Tiya
Dann geht es zirka 30 km weiter nach Süden bis wir den Ort
Butajera oder Butajira
erreichen. Jener Ort wo Haile
Selassie´s Schwiegersohn Ras Desta
Damtew von den Italienern am 24. April 1937 hingerichtet
worden ist. Er war der Mann von Princess
Tenagnework, dem ersten Kind von Haile Selassie und Empress
Menen Asfaw.
Jetzt haben wir die Gelegenheit unser etwas verspätetes
"Mittagessen" einzunehmen. Wir kehren dazu in das "Rediet
Assefa International Hotel" ein. Eine sehr zu empfehlende
Location. So schnell wie hier wurden wir bisher noch nie bedient, und
im Gartenbereich des Hinterhofes gibt es sehr ansprechende
Toilettenanlagen, wie man sie selten auf dem Lande finden kann. Aber
Vorsicht bei der Bierbestellung, wenn man die amharischen Zahlen noch
nicht richtig beherrscht. Das war nun leider viel zu viel und eine
Rücknahme ist nicht möglich, obwohl die Flaschen
ungeöffnet sind. Also heißt es mitnehmen, ... aber
der hiesige Flaschenpfand hat es in sich, da kann jeder deutscher
Nachtclub ganz gut mithalten. Nur sieht es hier mit dem
Zurückbringen etwas schlecht aus. ;-)
Danach haben wir noch schätzungsweise 80 Kilometer bis
Hossaina vor uns. Unterwegs wird es dunkel, was auf den
äthiopischen Landstraßen nicht ganz
ungefährlich ist. Nicht wegen dem Verkehr und den
Straßenverhältnissen, sondern wegen den
unzähligen Haustieren die mit ihren Hütern am Abend
auf dem Nachhauseweg sind. Schließlich kracht es auch
tatsächlich. Tagan hatte keine Chance. Eine Schafherde dreht
regelrecht durch und die verrücktesten Exemplare
stürzen sich auf unser Auto. Zum Glück stehen alle
wieder auf und trotten ohne sichtbare Verletzungen weiter ihres Weges.
Der Hüter winkt uns durch. Tagan kann aufatmen, denn in
Äthiopien hat immer das Auto die Schuld wenn ein Haustier
überfahren wird, und der Kraftfahrer muss zahlen.
Gegen 19:00 Uhr erreichen wir schließlich das Lemma
International Hotel in Hossaina.
Es gibt wieder einmal keinen
fahrtüchtigen Aufzug für uns und wir
müssen unsere Koffer bis in die vierte Etage
schleppen. Obwohl das Hotel einen recht ansprechenden Eindruck macht,
gibt es auch im Zimmer einige Mängel. Ein Handtuch
für alle Personen, der Kühlschrank ohne Stecker,
sowie im engen Bad eine fußbodengleiche Dusche ohne Vorhang
und fest montiertem Duschkopf. Da kann man sich vorsehen wie man will,
da schwimmt natürlich alles, inklusive Toilettenanlage. Mit
etwas Glück kann man aber verhindern, dass das Wasser nicht
bis in den Schlafraum vordringt. Leider können wir nicht
einmal ein Badetuch als Wischlappen missbrauchen. Wir haben ja nur ein
Handtuch für zwei Personen. ;-)
Aber wegen einer Nacht machen wir uns nicht weiter verrückt.
Morgen werden wir nach Shashemene aufbrechen und uns mit den dort
lebenden Rastafaris beschäftigen. Davor werden wir aber
noch im Senkele Wildlife Sanctuary auf die Pirsch nach der "Swaynes
Heartbeast" (oder auch Hartebeest) gehen, einer Antilopenart
die weitestgehend nur noch in Äthiopien leben soll.
Bis bald!
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Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim