Ein Reisebericht - Teil 2
16.09.2015 – Addis Ababa - Addis Alem - Ambo - Guder Falls (05.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)
Bevor
wir uns in den Süden begeben, geht es heute erst einmal zirka
160 km westwärts. Auf der Strecke liegt Addis Alem, ein
kleiner Ort den Kaiser Menelik II. als nächsten
Herrschaftssitz ausgewählt hatte. Letztendlich ist es aber nie
dazu gekommen. Einige kaiserliche Bauten wurden aber schon in
Vorbereitung des
vom Kaiser angedachten Umzugs errichtet.
Doch zuerst geht es in die
Hotelgastronomie, die wir gestern Abend wegen
Übersättigung gar nicht mehr in Anspruch nehmen
konnten. Nach dem Besuch bei Henoks Familie war einfach kein Platz mehr
für eine Abendmahlzeit.
Bild
086 + 087:
Caravan Hotel
Das Restaurant befindet sich im Obergeschoss und man hat sogar die
Möglichkeit auf einer Loggia das Essen einzunehmen. Die
Aussicht ist zwar nicht der Renner, aber das
Straßenleben kann hin und wieder auch ganz interessant sein.
Der Morgen in Addis ist aber recht frisch, also ziehen wir uns die
gepolsterten Sitze im Innenraum für das
Frühstück vor. Der gute Eindruck vom Hotel
setzt sich fort. Auch hier gibt es nichts auszusetzen.
Bis 8:00 Uhr müssen wir fertig sein. Henok ist
natürlich wieder überpünktlich zur Stelle
und reißt sich um den Gepäcktransport zum Auto.
Wir
umfahren das historische Stadtzentrum in südwestlicher
Richtung. Kurz vor dem alten Flughafen befindet sich das Yod Abyssinia
Cultural Restaurant (wir hatten schon früher darüber
berichtet in "Return
To Addis") und der "Karl Square". Es war schon im Jahr 2011
als man für den ehemaligen deutschen Schauspieler Karlheinz
Böhm in Addis Ababa ein Denkmal gesetzt hat. Mit
seiner
Stiftung "Menschen für Menschen", die er nach seinem Auftritt
bei "Wetten, dass ...?" im Jahr 1981 gegründet hatte, konnte
er damals 1,2 Millionen Mark für die Menschen in
Äthiopien sammeln. Seitdem hat er über 270 Schulen
gebaut, unzählige Kleinkredite vergeben und die
verschiedensten Projekte unterstützt. Im Jahr 2003 wurde
Karlheinz Böhm Ehrenbürger von Äthiopien.
Bild 088: Karlheinz Böhm
Das Denkmal wurde von Bauern, Handwerkern und
Kleinunternehmern mitfinanziert, die der Stiftung Zugang zu sauberem
Wasser, eine Ausbildung oder eine bessere Ernährung verdanken.
Leider ist Karlheinz Böhm im Alter von 86 Jahren am 29. Mai
2014 verstorben. Die Arbeit der Stiftung wird jedoch von seiner
äthiopischen Ehefrau Almaz fortgesetzt.
Bild
089: Stroh-
und Holzmarkt
Etwas außerhalb der Stadt begegnen wir viele
Eseltransportkarawanen,
die mit Stroh beladen sind. Im Raum Addis ist das immer Mittwoch und
Samstag der Fall. Das Stroh wird für Bauarbeiten an den
Häusern benötigt. Der Bauherr geht also zum
"Baumarkt", wo Stroh und Esel geparkt sind, schließt sein
Geschäft ab und lässt sich das Stroh zu seiner
Baustelle bringen.
Bild
090 - 092:
"Baumarkt"
Weiter geht es gen Westen nach Addis Alem. Heute haben wir
übrigens ein anderes Auto und neben Henok auch noch einen
Fahrer mit dem Namen Tagan. Er ist ein gute Mann und hat seine Augen
überall. Man braucht nur die Kamera anzuheben, dann wird er
gleich ganz unruhig, fährt langsamer und wartet auf eventuelle
Stoppsignale unsererseits. Den Fahrer hätten wir gerne
für alle Reisen, ... weltweit. ;-)
Bild
093: Das
ist natürlich nicht unser neues Auto! ;-)
Auf den KFZ-Kennzeichen in Äthiopien findet man an erster
Stelle
stets eine Zahl im Kreis und die Beschriftung in verschiedenen
Farben. Obiges Fahrzeug, dass uns eigentlich wegen Bob
Marley´s "One Love" ins Auge sticht, hat eine grüne
Beschriftung und eine "3" im Kreis auf dem Nummernschild. Das bedeutet,
es ist ein Firmenfahrzeug mit Privatstatus. Die weiteren
Kennzeichen erläutern wir später, sofern wir ein
interessantes
erwischen.
Doch kommen wir nun zu dem 2.363 Meter hoch gelegenem Addis Alem
(bedeutet "Neue Welt"), dass wir nach
einer reichlichen
Stunde erreichen. Unmittelbar am linken Straßenrand der
Hauptstraße steht ein großer Torbogen auf dem eine
kaiserliche Krone zu erkennen ist. Dieser Bogen kennzeichnet den Beginn
des Weges zur berühmten Kirche Debre Zion Maryam. Hierzu muss
man
bemerken, dass fast alle Kirchen in Äthiopien mit den
verschiedensten Torbögen über den Wegen markiert
sind, und
die Kirche aber oft noch ein Stück entfernt und nicht sichtbar
sein kann. Das hilft gut, den rechten Weg zu finden und kann eine gute
Anregung für unverhoffte Entdeckungen sein.
Bild
094: Addis
Alem - Torbogen über die Straße zur Kirche Debre
Zion Maryam
Wir müssen der Straße noch einen knappen Kilometer
folgen, bevor sich ein bewaldeter Hügel vor uns
erhebt, auf
dessen Kuppe sich die Kirche noch hinter den Bäumen versteckt.
Debre Zion Maryam wurde in den 1890er Jahren gemeinsam mit einem neuen
Palastgebäude, einer Audienz- und Festhalle und anderen
Gebäuden, von Kaiser Menelik II. errichtet.
Bild
095 + 096:
Addis Alem - Die kaiserliche Kirche Debre Zion Maryam
Ein Grund für die beabsichtigte Verlegung der Hauptstadt durch
den Kaiser, war die katastrophale Abholzung der Wälder rings
um Addis Ababa. Die Pläne wurden aber schließlich
wieder verworfen, da inzwischen die Wiederaufforstung mit dem
allerdings eingeführten Eukalyptus am Mount Entoto begonnen
wurde. Das Thema Brennholz würde sich also künftig
lösen. Darüber hinaus redeten die in Addis Ababa
ansässigen Europäer dem Kaiser ins Gewissen, da sie
nicht davon begeistert waren ihre Vertretungen an anderer Stelle
neu errichten zu müssen. So wurde die kaiserliche
Kirche später von der allgemeinen Bevölkerung
für den Gottesdienst genutzt, und ein Teil des Palastes ist
heute ein Museum.
Bild
097 - 100: Addis
Alem - Debre Zion Maryam
Der quadratische Bau ist an allen Seiten mit unzähligen
kunstvollen Malereien verziert, die sich kaum wiederholen. Selbst die
Umrahmungen an Türen und Fenstern sind an allen Seiten mit
anderen Motiven versehen.
Bild
101 - 107: Addis
Alem - Debre Zion Maryam
Malerei in dieser Fülle an einer Kirchenaußenwand,
findet man wohl sonst kaum in Äthiopien. In der Regel
beschränkt sich dies auf den Innenraum.
Bild
108 - 111: Addis
Alem - Debre Zion Maryam
Während der Kirchenumrundung sollte man auch nicht verpassen
den etwas abseits der Rückseite liegenden und leider etwas
vernachlässigten Aussichtspunkt zu besuchen. Von hier hat man
einen schönen Blick über das Gebiet um Addis Alem.
Menelik II. hatte schon einen schönen Fleck ausgesucht. Aber
vielleicht hat Addis Alem auch Glück gehabt, dass die
Hauptstadt nicht verlegt worden ist und konnte so der
Großstadtwüste noch einmal entgehen. Dereinst vom
Gibbi war sicher ein eben so schöner Blick, bevor alles
zugebaut und sämtliche Natur vernichtet worden ist.
Bild
112: Blick
über Addis Alem vom Hügel der Debre Zion Maryam
Etwas abseits von der Kirche steht ein später
hinzugefügter Glockenturm. Die meisten alten
äthiopischen Kirchen besitzen keinen im Hauptbau integrierten
Glockenturm.
Bild
113 + 114:
Der Glockenturm von Debre Zion Maryam
Wenn wir jetzt auch noch einen Blick in die Kirche werfen
könnten, wäre das natürlich perfekt. Leider
ist der Träger des Kirchenschlüssels gerade nicht
verfügbar, aber man ist schon auf der Suche nach ihm. Wir
besuchen inzwischen das unmittelbar in der Nähe befindliche
Museum, das in einem Teil des Palastgebäudes untergebracht
ist. Hier haben wir Glück, denn es ist gerade noch
geöffnet. Leider darf man im Museum wieder einmal nicht
fotografieren und können deshalb an dieser Stelle keine der
kaiserlichen Kronen zeigen, die zwischen vielen anderen interessanten
Dingen aus der Kaiserzeit und Kirchengeschichte dort ausgestellt sind.
Es gibt auch keine Postkarten oder
sonstige gut bebilderte und für uns lesbare
Broschüren, was das Fotografierverbot irgendwie sinnlos macht.
Bild
115: Das
Museum im ehemaligen Palast von Menelik II.
Als wir unsere Runde im Museum abgeschlossen haben, wird auch hier die
Tür verschlossen und der Museumswächter geht in die
Pause. Er hatte nur noch wegen uns geöffnet. Offenbar
gibt´s hier selten Besuch
und Öffnungszeiten zu erwischen ist
Glückssache.
Noch ein paar weitere Meter bergab steht die Festhalle von Menelik II.
In den 1980er Jahren sollen ein paar Rekonstruktionsarbeiten
durchgeführt worden sein, um diverse Brandschäden
zu beseitigen. Der Innenraum sieht aber trotzdem recht
trostlos aus. Man scheint die Halle aber auch noch heute
für Veranstaltungen zu nutzen.
Bild
116 - 119:
Die Festhalle von Menelik II.
Den Blick zur Decke sollte man keineswegs versäumen. Immer
wieder beeindruckend ist die alte Kunst der Dachherstellung, die
heutzutage mehr und mehr verloren geht. An Stelle der heute aus
Sicherheitsgründen übergestülpten Bleche
befand sich früher über dem Flechtwerk eine
abschließende Strohlage.
Dann gibt´s noch eine gute Nachricht. Der
Schlüsselträger der Kirche wurde gefunden und ist
tatsächlich auch bereit für uns eine der sieben
Türen zu öffnen. Also geht´s schnell wieder
zurück zur Kirche, um auch das innere Kunstwerk zu betrachten.
Bild
120 - 122:
Addis Alem - Debre Zion Maryam Bild
122: Die
Standuhr ist ein Geschenk von Haile Selassie an die Kirche
Wie bei den traditionellen äthiopischen
Rundkirchen, gibt es auch hier einen inneren, wenn auch
quadratischen Rundgang, der einen inneren Kubus umgibt. Darin befinden
sich einige Türen die das Allerheiligste der Kirche verbergen.
Dieser Bereich darf nur von den Priestern betreten werden. Der Kubus
ist hinter Vorhängen versteckt, die nach und nach für
uns an jeder Seite geöffnet werden. Wie von anderen Kirchen in
Äthiopien schon gewohnt, kommt eine Flut von biblischen
Bildergeschichten zum Vorschein. Bei uns in Deutschland ist das fast
kaum der Fall. Da scheint es weitestgehend nur eine einzige Geschichte,
nämlich den "Leidensweg Christi" zu geben, es sei denn man
findet noch sehr alte mittelalterliche Malereien.
Bild
123 - 125:
Malereien in der Kirche Debre Zion Maryam Bild
125: Menelik
II. und Empress Taitu sind ebenfalls in der Malerei zu entdecken
Bild
126 - 134:
Addis Alem - Debre Zion Maryam
Soweit ein paar Ausschnitte der Malereien in der Kirche. Wer noch
einmal den
Zusammenhang der Malereien erleben möchte, schaut sich einfach
das
nachfolgende Video an. Ein paar Erläuterungen zu
den Bildern gibt es darin auch noch.
Live
Video:
Addis Alem - Debre Zion Maryam Church
Zufrieden dies auch noch gesehen zu haben, geht es wieder den
Hügel hinab und den Weg zurück zur
Hauptstraße.
Bild
135 + 136:
Addis Alem - An der Hauptstraße in Richtung Ambo
Für den Besuch von Kirche und Museum in Addis Alem, wie gerade
dargestellt, sind mindestens 90 Minuten einzuplanen. Wer
sich intensiver mit en Malereien befassen möchte,
muss natürlich noch einiges an Zeit drauf schlagen. Das
hängt allerdings auch davon ab, wie die verantwortlichen
Schlüsselträger gerade zur Verfügung stehen.
Fahren wir weiter in Richtung Ambo, wo wir auch die kommende Nacht
verbringen werden. Bis dorthin ist es fast noch einmal so weit, wie wir
von Addis Ababa nach Addis Alem gefahren sind. Wir erreichen unser
Hotel, das direkt an der Hauptstraße liegt, gegen 12:30 Uhr,
beziehen unser Zimmer und legen unsere Mittagspause ein.
Ambo
liegt auf einer Höhe von 2.101 Meter und ist bekannt
für sein sehr beliebtes Mineralwasser,
welches unter demselben Namen auch landesweit in Flaschen verkauft und
etwas
außerhalb der
Stadt abgefüllt wird. Darüber hinaus ist Ambo
Universitätsstadt. Seit 1933 erlangte der Ort auch Bedeutung
als Bade- und Erholungsort, als Kaiser Haile Selassie entsprechende
Badehäuser und Badebecken an einigen Thermalquellen errichten
ließ. Wir werden später versuchen zu schauen, was es
davon noch zu sehen gibt.
Weiterhin wird in Ambo seit 1977 eine Forschungsstation betrieben
(Ethiopian Institute of Agricultural Research), die sich mit dem Schutz
der wichtigsten äthiopischen
Nutzpflanzen befasst.
Aber wir werden uns jetzt erst einmal mit der Speisekarte des Hotels
befassen und uns ein klein wenig für das Nachmittagsprogramm
stärken.
Bild 137: Ambo Abebech Metaferia Hotel
Es wird gerade eine große afrikanische Reisegruppe versorgt,
die nur
aus Frauen und einem männlichen Fotografen besteht. Das ist
ein mächtiges Spektakel und nachdem die feinen Damen ihre
Tische verlassen, sieht es darunter wie auf einem Schlachtfeld aus. Das
Personal hat allerhand aufzuräumen, um den Urzustand wieder
herzustellen. Die Sitte, alle
möglichen Abfälle einschließlich benutzter
Servietten unter den Tisch zu werfen, ist uns bisher eigentlich noch
nicht in Äthiopien aufgefallen.
Bild
138:
Restaurant im Ambo Abebech Metaferia Hotel
Gegen 14:00 Uhr brechen wir schließlich zu den zirka 11
Kilometer entfernt liegenden Guder Falls auf. Als wir am Ziel
eintreffen, sind wir doch ein wenig überrascht, auf ein
abgeriegeltes und mit einem Ticket-Office versehenes Gelände
zu treffen.
Bild
139: Rezeption
vor den Guder Falls. Rezeption
deshalb, weil auf dem Gelände auch noch eine
Ferienanlage mit dem Namen "Guder Falls Resort" betrieben wird, die
hauptsächlich aus 6 Rundhütten besteht.
Dies
allein ist ja noch nicht so außergewöhnlich,
aber das neben dem offiziellen Einlass auch noch zweimal Foto- und eine
Videogebühr erhoben werden, ist doch schon
etwas außergewöhnlich. Immerhin handelt es sich nur
um ein
Stück Natur. Damit das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es
hingehört, sollte man sich immer eine Quittung ausstellen
lassen. Gerne tun sie das zwar nicht, ... und es kann oft entsprechend
dauern. Das nützt alles nichts, denn wenn es
tatsächlich so ist, muss man
ja auch mit unverhofften Kontrollen rechnen, wie wir das von
früheren Reisen schon kennen.
Wer dann keine Quittung hat zahlt noch einmal.
Bild 140: Guder Falls - Video- und
Fotogenehmigung
In der Regel gilt das meistens nur für ausländische
Besucher, die auch schon einen höheren Eintrittspreis zu
entrichten haben. Das ist aber nicht nur in Äthiopien der
Fall. Bei uns in Deutschland ist das zwar nicht so, aber wir haben das
schon in einigen anderen Ländern gesehen.
Vom Tor bis zu den Fällen sind es nur ein paar Hundert Meter
bergab mit interessanter Vegetation am Weg entlang. Ortskundige nutzen
natürlich die Schleichwege am Fluss entlang. ;-)
Bild
141 + 142:
Guder Falls in der Nähe von Ambo
Auf unserer Seite des Flusses sind nur wenige einheimische Bescher zu
entdecken, während am gegenüberliegendem Ufer Bade-
und Waschtag bei den Einheimischen angesagt ist. Richtig ins Wasser
gehen kann man hier allerdings nicht, da ist die Gefahr viel zu
groß hinweggespült und irgendwo Futter für
die Tiere zu werden.
Direkt am Wasserfall ist eine schöne Wiese auf der man gut
entspannen und einfach die Natur genießen kann. Es gibt auch
noch einen Weg in beide Richtungen am Fluss entlang, der aber
keine wesentlich neuen Eindrücke zu bieten hat. Für
Naturliebhaber gibt es aber auch dort immer etwas zu entdecken.
Bild
145 - 147:
Flussaufwärts bei den Guder Falls
Die Guder Fälle markieren einen Punkt, wo sich zwei
verschiedene Flussläufe miteinander vereinen. Geht man
flussaufwärts gelangt man also keineswegs irgendwo an die
Absturzkante des Wasserfalles. Hierzu müsste man schon vor
erreichen der Rezeption, auf der anderen Flussseite von Ambo
kommend, in die Guder Road einbiegen.
Bild
148 - 150:
Flussabwärts bei den Guder Falls - Meskel Flower (Yadey Ababa)
Im Monat September sieht man vielerorts ein gelbes Blütenmeer
der bis zu mannshoch werden Meskel Blumen. Die Blüten haben
stets acht Blütenblätter. Zu dem am Ende des Monats
stattfindenden Meskel Fest werden diese Blumen in Massen geschnitten
und als Schmuckelement verwendet. Wir werden darüber noch
ausgiebig am Ende der Reise berichten. Wer hat nun eigentlich seinen
Namen von wem bekommen, die Blume vom Meskel Fest oder das Fest von der
Blume?
Bild
151 - 156:
Guder Falls
Nach reichlich Entspannung an den Fällen treten wir den mit
unzähligen roten Blüten geschmückten
Rückweg an. Überall stehen die bei uns als
Flaschen- oder Zylinderputzer
bekannten Bäume in voller Blüte. In Deutschland kommt
die aus Australien stammende Pflanze leider nicht aus ihrem
Pflanzkübel hinaus, da sie nicht winterhart ist. Da kann man
echt neidisch werden. :-(
Bild
157 + 158:
Flaschenputzer- oder Zylinderputzerbaum (Callistemon)
Zurück in Ambo entlassen wir Tagan etwas eher und laufen
lieber ein Stück durch den Ort, bis wir das ehemalige Haile
Selassie Bad erreichen. Mal sehen wie es um die Besichtigung des
Geländes steht.
Bild
159 - 161:
An der Hauptstraße von Ambo Bild
162: Am
Eingang zum Ambo Paradise Park / Hot Springs Resort - Ehemaliges Bad
von Haile Selassie I.
Am Einlass ist man gnädig mit uns. Wir dürfen
passieren, auch ohne baden und Eintritt zahlen zu müssen.
Schauen wir uns ein wenig auf dem Gelände um, das in einer
großen parkähnlichen Anlage gelegen ist.
Bild
163 - 167:
Ambo Paradise Park - Das große Schwimmbecken
Das große Schwimmbecken wird mit Wasser aus den
Thermalquellen gespeist und diente früher den Gästen
des Kaisers, seinen Angestellten, dem Hofstaat und verschiedenen
kaiserlichen Würdenträgern. Geht man um das Becken
herum und ein Stück in westlicher Richtung, kommt man an einen
leeren Swimmingpool, der mit den Flaggen der afrikanischen
Länder der Afrikanischen
Union (Nachfolger der OAU)
verziert ist. Das war dereinst das
private Schwimmbecken von Haile Selassie und seiner Familie.
Bild
168 + 169:
Ehemaliger Privatpool der kaiserlichen Familie
Schlägt man von hier aus, einen Weg nach links in
südlicher Richtung ein, kommt man zu verschiedenen
Badehäusern. Am Anfang des Komplexes steht gleich linker Hand
ein kleineres unscheinbares Gebäude. Im Inneren befinden sich
mehrere kreisrunde kleine Badebecken, die jeweils voneinander
abgeschottet sind und einen eigenen Zugang besitzen. Die Becken werden
mit Wasser aus den Thermalquellen gefüllt, das eine Temperatur
zwischen 36,5-39,5° Celsius besitzt. Dem Wasser werden 36
verschiedene Qualitäten nachgesagt, je nach dem welche
chemischen Zusätze es besitzt und aus welcher Quelle es
stammt. Dies hat zumindest dereinst im Jahr 1957 ein japanischer
Geologe namens Chuzo Kondo ermittelt, was bis heute jedoch nicht wieder
überprüft worden ist. Nach jedem Badevorgang wird das
Wasser aus dem Becken entlassen, das Becken gereinigt und mit frischen
bzw. neuen und warmen Quellwasser
gefüllt. Es muss also niemand im Wasser des
Vorgängers baden. Das Wasser fließt dann
über ein Leitungs- und Kanalsystem in ein großes
Auffangbecken
außerhalb des Parkgeländes (kein Zutritt). Irgendwo
unweit dahinter befindet sich dann ein Fluss, der wohl Endstation der
Badewässer ist.
Auch Haile Selassie hatte hier sein eigenes Badehausabteil. Wie man uns
sagt, gelangt man über die ganz links angeordnete Tür
dahin.
Bild
170 - 172:
Badehaus von Haile Selassie - Tür links mit der Mauerabgrenzung
Irgendeine Gedenkplakette oder Inschrift findet man aber leider nicht.
Momentan ist das Haus besetzt. Wir wollen uns ansehen, wie es heute
dort drinnen aussieht und warten. Weiter südlich liegen noch
weitere Badehäuser, die aber erheblich
größer sind.
Bild
173 + 174:
Weitere Badehausbebauung direkt gegenüber des kleinen
Badehauses
Neben den dereinst für die kaiserliche Familie und dessen
Hofstaat betriebenen
Einrichtungen, gab es aber auch öffentliche Bereiche und
Duschanlagen für die Bevölkerung. Selbst Pferde und
Kühe wurden in dem Thermalwasser gebadet und fraßen
den Schlamm. Man geht wohl davon aus, dass die Tiere den medizinischen
Wert des Schlammes instinktiv erkannt haben. Vielleicht haben ihnen
auch nur die Mineralien geschmeckt, was in der Tierwelt nichts
Neues wäre. ;-)
Werfen wir nun kurz einen Blick in Haile Selassie´s Badehaus,
dass inzwischen von einer großen Familie verlassen worden ist.
Bild
175 + 176:
Im Inneren von Haile Selassie´s Badehaus
Die Badehauszelle besteht aus einem Vorraum, der als Umkleide dient und
einem relativ tiefen Badebecken. Das Wasser ist jetzt abgelassen und am
Grunde wird Kies und ein großer Stein sichtbar. Am Boden
sprudelt eine natürliche Quelle. Die Fliesen
sind im Laufe der Jahre durch die Mineralien rostbraun
verfärbt. Vermutlich hat es seit Errichtung des Badehauses
noch keine einzige Sanierung gegeben.
Hier noch einmal unser Rundgang in bewegten Bildern.
Live
Video: Ambo
- Haile Selassie I. Bad
Als wir die Badeanstalt wieder verlassen wollen, müssen wir
bemerken, dass wir wieder einmal irgend jemandem´s
Verantwortungsbereich überschritten haben. Im Gelände
existiert offenbar eine unsichtbare Linie, die das Freibad von den
Badehäusern trennt. Dafür hätten wir keine
Genehmigung gehabt meint der Wächter. Na so etwas, ... nun ist
es sowieso zu spät. ;-) Als wir den Mann dann auch noch
fotografieren wollen, fühlt er sich geschmeichelt, wird wieder
freundlich und vergisst alle seine Belehrungen.
Bild
177: Ambo -
Wächter in der Badeanstalt Bild
178: 3 Bier
bitte! Kleine Bar am Eingang der Badeanstalt. So ein Aufwand
für 3 Bier.
Der Weg für den Rückweg ist nun frei, den er
uns erst
nicht gewähren wollte. Zum Ausklang des Nachmittags genehmigen
wir
uns noch ein Bierchen in der Bar am Eingang des Freibades,
sprechen über den vergangenen und den Folgetag. Von
hier bis
zum Hotel sind es nur noch ungefähr noch 500 m.
Soweit ein paar Eindrücke vom Programm unseres zweiten Tages.
Bleibt nur noch unser Abendessen übrig, zu dem wir das
Restaurant
unseres Hotels nutzen. Das Essen schmeckt gut, aber dafür ist
leider unser Zimmer recht vernachlässigt. Neben
herausgezogenen Steckdosen und blanken verknoteten Drähten, da
wohl die neueren technischen Geräte nicht mit den alten
Steckdosen
zusammenpassen, gibt´s kein Glas, nur 1 Handtuch,
natürlich
keinen Safe, und die Putzfrau hat wohl schon sehr lange Urlaub. Aber
wir wollen ja zum Glück nur übernachten und keinen
Urlaub
hier machen, ... und das Bett sieht zumindest gut aus. Also
Licht
aus und Nachtruhe.
Morgen haben wir Natur pur im Programm und werden in Wenchi oder Wonchi
eine lange Wanderung durch einen ehemaligen Vulkankrater unternehmen.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim