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Tiken Jah Fakoly - Official Website Wagram MusicHKW Berlin
TIKEN JAH FAKOLY
26.04.2025 - HAUS DER KULTUREN DER WELT - BERLIN

Tiken Jah Fakoly - HKW - Berlin
Die Veröffentlichung von Tiken Jah Fakoly's neuem Album "Live Salle Pleyel" am 14.02.2025, weckte bei uns die Hoffnung, dass Tiken Jah Fakoly nach zirka 2 Jahren Deutschlandabstinenz wieder hier im Lande aufschlagen könnte. Unsere Anfrage zum Zeitpunkt der Albumbewerbung beim Management, ob es schon entsprechende Tourpläne für 2025 gibt, führte aber zu keinem Ergebnis. Aber dann gab es relativ still eine Bekanntmachung über das Haus der Kulturen der Welt von Berlin, dass Tiken Jah Fakoly im Rahmen des Festivals "Deberlinisierung" im Miriam Makeba Auditorium auftreten soll. Dennoch waren keinerlei Poster oder Flyer im Internet zu finden, die diese Show bewarben.
Das obige Poster, nach einer Arbeit vom Studio Yukiko, das auch das aktuelle Logo des HKW entworfen hat, haben wir erst zum Tage im Backstage des HKW entdeckt und konnten zum Glück nach der Veranstaltung eine Kopie erwerben. Offensichtlich war dem Veranstalter schon im Voraus klar, dass man für eine Show mit Tiken Jah Fakoly kaum externe Werbung benötigt.
Tiken Jah Fakoly gehört neben Alpha Blondy und Lucky Dube (RIP) zu den drei Speerspitzen des afrikanischen Reggae, gefolgt von Meta Dia und Rocky Dawuni, die allerdings nicht mehr ihren ersten Wohnsitz in Afrika haben. Ganz klar, dass wir da nach einer Möglichkeit suchen mussten, die Show zu erreichen, und unseren Terminkalender ein wenig umstrickten.

Als wir eintreffen, ist noch relativ wenig Betrieb am HKW und wir erwischen sogar einen Parkplatz direkt vor dem Haus. Auch drinnen ist das Begängnis relativ überschaubar. Dennoch gibt es an der Abendkasse keinerlei Karten mehr. Die Show ist schon ausverkauft.
Das Miriam Makeba Auditorium, befindet sich direkt unter dem geschwungenen Betondach der ehemaligen Kongresshalle aus der Zeit der INTERBAU 1957 und kann zirka 1.000 Besucher fassen.

Tiken Jah Fakoly - Festivalplan - 2025

Auszug Tourplan Europa vom 12.04. - 13.09.2025

Vor den Türen des Auditoriums bildet sich inzwischen eine Warteschlange, in die wir uns einreihen. Die Karten wurden mit freier Sitzplatzwahl ausgegeben, was natürlich das Interesse der Besucher weckt, zu den ersten Eingelassenen zu gehören. Kurz vor der Tür werde ich leider aussortiert. Meine Tasche ist etwas zu groß. Ein Blick hinein und die Akkreditierung helfen da leider nicht weiter. Ich muss die Tasche in der Garderobe abgeben und jedes Teil der Fotoausrüstung und was ich sonst noch so brauche, einzeln irgendwo an mir befestigen. Hoffentlich habe ich nichts vergessen. Obwohl der Einlass mit Tasche bei den meisten Gästen funktioniert, ist wohl gerade bei mir die nicht bekanntgegebene Größe überschritten. Da kann man nix machen. Bei der Gelegenheit habe ich wenigstens gleich mitbekommen, dass die Garderobe sogar kostenlos ist. Das sind wir gar nicht mehr gewöhnt. Großes Lob an das HKW!

Als das Auditorium bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt ist, gibt es im Rahmen des Festivals der Deberlinisierung auch noch eine Eröffnungsrede von Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Intendant und Chefkurator des HKW, zu Reggae und Rastafari und eine Einführung in die Songtexte von Tiken Jah Fakoly.

Bonaventure Ndikung Bonaventure Ndikung

Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Photo rechts: Alexander Steffens / HKW)

Heute ist der zweite und vorletzte Tag zum Thema "Deberlinisierung - 140 Jahre Gewaltgeschichte der Berliner Kongo-Konferenz". Die Welt neu erzählen, eine Theorie der Praxis, vollgepackt mit Gesprächen, Vorträgen, Lesungen, Musik und Screening. Die Liste der Mitwirkenden ist eigentlich viel zu lang, um sie an dieser Stelle vollzählig aufzuzählen. Hier ein Auszug: Abdenour Zahzah, Abdourahman Waberi, Alioune Sall Paloma, Célestin Monga, Christine Eyene, Daniele Daude, Didier Awadi, Djelifily Sako, Fogha MC Cornilius Refem, Franck Hermann Ekra, Hildegard Titus, Hyam Yared, Ibou Coulibaly Diop, Julia Grosse, Katy Lena Ndiaye, Ladan Osman, Maboula Soumahoro, Maguèye Kassé, Maame A.S. Mensa-Bonsu, Mahamadou Lamine Sagna, Mamadou Diouf, Mansour Ciss Kanakassy, Memory Biwa, Nikita Dhawan, N’Goné Fall, Raphaëlle Red, Seloua Luste Boulbina, Simon Njami, Simukai Chigudu, Soeuf Elbadawi, The String Archestra, Tiken Jah Fakoly, Yousra Abourabi, Ẹniọlá Ànúolúwapọ́ Ṣóyẹmí und viele andere.

140 Jahre nach der Berliner Kongo-Konferenz 1884/1885, bei der die Teilung des Afrikanischen Kontinents ohne afrikanische Beteiligung beschlossen wurde, betrachten die Beteiligten die soziopolitischen, kulturellen und epistemischen Folgen für Afrika und die gesamte Welt. Basierend auf einem Konzept des Künstlers Mansour Ciss Kanakassy diskutieren sie Möglichkeit und Bedingungen einer "deberlinisierten" Weltordnung, die die 140 Jahre lange Gewaltgeschichte überwindet.
Als musikalischen Höhepunkt dieses Projekts hat man den afrikanischen Künstler Tiken Jah Fakoly ausgewählt, der aus Odienné, im Nordwesten von Côte d’Ivoire, stammt.

Bild rechts: Mansour Ciss Kanakassy,
Le Laboratoire de Déberlinisation (Deberlinsierungslabor)
Deberlinisation

Wegen seiner einzigartigen Verbindung von Reggae, oralen Kulturen und sozialem Bewusstsein, gilt Tiken Jah Fakoly als eine der markantesten Stimmen in der aktuellen Musiklandschaft. In den 1980er Jahren gründete er seine erste Reggae-Band und nannte sie Les Djelis: die Griots. Tiken Jah Fakoly steht mit seiner Musik und seiner Persönlichkeit für Zusammenhalt und die Idee des Panafrikanismus.
Mehr möchten wir an dieser Stelle zur Einführung für dieses Event nicht anführen. Tiken Jah Fakoly war schon oft Gegenstand unserer Konzertberichte und muss auch nicht noch einmal von allen Seiten beleuchtet werden. Der interessierte Leser kann sich hierzu gerne in frühere Konzertberichte auf dieser Website vertiefen.

Inzwischen hat Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung seine Eröffnungsrede zu Ende gebracht und die Musiker der zehnköpfigen Band von Tiken Jah Fakoly nehmen ihre Plätze an den Instrumenten ein. Die Band hat ihr Intro noch gar nicht zu Ende gebracht, und Tiken Jah Fakoly ist noch gar nicht auf der Bühne angekommen, da sind die Konzertbesucher bereits völlig aus dem Häuschen und springen von ihren Plätzen auf. Von wegen, ein Konzert eines Tiken Jah Fakoly im Sitzen genießen! Schon Tage vorher haben wir uns diesbezüglich Gedanken gemacht, wie das wohl funktionieren soll. Jetzt heißt es nur noch schleunigst zur Bühne sprinten, bevor alle Zuwegungen verstopft sind. Sonst nützt mir keine Akkreditierung mehr und ordentliche Aufnahmen kann man knicken. Wenn die Mauer aus Fans einmal steht, dann steht sie. Wer sitzen bleibt hat schlechte Karten und keine Sicht mehr auf die Bühne, nicht einmal die Gäste der ersten Reihe. Jeder muss aufstehen, ob er will oder nicht.

Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025 Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin -2025

Nach dem Intro der Band schließt sich Tiken Jah Fakoly mit "Descendant, "Le Peuple A Le Pouvoir" und "Discrimination" an. Die Stimmung im Saal bekommt noch einmal einen Schub. Vor der Bühne und auf den Gängen hat sich zum Glück die Sache beruhigt, jeder hat sich einsortiert wo er bleiben möchte und der Druck ist raus.



Live Video: 1/3 - Africa + Ca Va Faire Mal + Plus Rien Ne M'etonne

Der Sound im Miriam Makeba Saal ist perfekt. Mehr kann man ein Konzert hinsichtlich ausgewogener Lautstärke und Klangqualität wohl kaum einstellen. Besser als heute wird man die Musik von Tiken Jah Fakoly nicht genießen können. Das gesamte Auditorium ist auf den Beinen und tanzt zwischen den Sitzreihen.

Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025 Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tjken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Auch Andra Kouyaté ist heute besonders gut mit seiner doppelten Ngoni und der kleinen Schultertrommel herauszuhören. Das Publikum jubelt bei seinen Solis. Der Einsatz von afrikanischen Instrumenten bringt die besondere Würze in Tiken Jah Fakoly's Musik und einen hohen Wiedererkennungswert. Die beiden Mädels vom Backgroundgesang werden sich heute nahezu überflüssig vorkommen, da ihnen das Publikum fast jede Textzeile aus dem Mund nimmt. Dazwischen immer wieder ein paar Dub-Effekte, die wir bisher so deutlich auch noch nicht in den Konzerten von Tiken Jah vernommen haben.

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Auf der großzügigen Bühne gibt es viel Bewegungsfreiheit für Tiken Jah Fakoly und die geringe Höhe erlaubt einen besonderen Kontakt mit dem Publikum und natürlich eine schöne Sicht für die Fans auf das gesamte Geschehen.



Live Video: 2/3 - Politiki Kele + Bognan + Djourou

Zwischen den meisten Songs lässt Tiken Jah Fakoly angenehme Pausen und Platz für den außerordentlichen Jubel des Publikums. So kann man seine verschiedenen Songs viel besser verarbeiten. Im letzten Drittel der Show geht es dann natürlich etwas schneller und Hits wie "Le Balayeur", "Quitte La Pouvoir" und "L'Africain" werden in einem Block serviert.
Und damit ist diese geniale Show leider erst einmal zu Ende. Nachdem Tiken Jah Fakoly 18 Songs präsentiert hat, verlässt er zunächst die Bühne und überlässt es dem Publikum sich nun richtig auszutoben. Ohrenbetäubender Lärm füllt das Miriam Makeba Auditorium aus, dass einem fast die Ohren schmerzen. Bei so viel außerordentlichem Zuspruch ist es ihm natürlich unmöglich, eine Zugabe wegzulassen. Man kann sich auch gar nicht vorstellen, dass er das überhaupt schon einmal musste.

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025 Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025



Live Video: 3/3 - Le Balayeur + Quitte La Pouvoir + L'Africain + Y'en A Marre
+ Ouvrez Les Frontiers + Francafrique

Mit "Francafrique" und Tiken Jah's eindringlicher Aufforderung zum Widerstand, sowie Dank an das Publikum, geht dann auch die letzte Zugabe zu Ende. Nachdem Tiken Jah Fakoly die Bühne verlassen hat, spielt die Band noch ein Outro und lässt sich im Anschluss ausgiebig feiern. Die Musiker kommen zur Bühnenkante, verbeugen sich und schütteln zahlreiche Hände der Fans.

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025 Setlist @ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

@ Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Nach der Show möchten wir natürlich noch einmal Tiken Jah Fakoly persönlich treffen und begeben uns in Richtung Backstagebereich. Eine vorherige Planung unseres Besuches war dieses Mal aus verschiedenen organisatorischen Gründen nicht möglich. Wir verlassen uns auf den Zufall und auf Tiken Jah selbst. Als dieser nach längerer Zeit zum Backstage kommt, hat er uns sofort mit seinem Blick erfasst und nimmt uns mit hinein. "Gebt mir 5 Minuten, dann bin ich ganz für euch da." Was für eine Ansage, ... wir warten natürlich so lange wie es nötig ist.

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025 Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - Berlin - 2025

Nach ein paar Aufnahmen mit anderen Gästen im Flurbereich, können wir uns dann ganz entspannt mit Tiken Jah Fakoly im Backstage unterhalten und ein paar neue Fotos vom Wiedersehen schießen. Was für ein schöner Abschluss dieses genialen Abends!

Tiken Jah Fakoly - HKW Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - HKW Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - HKW Berlin - 2025

Tiken Jah Fakoly - HKW Berlin - 2025

Soweit ein paar Eindrücke aus dem Miriam Makeba Auditorium des HKW in Berlin.
Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal!

Copyright: www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim

Mein Dank geht an Deborah Brzezinski von Wagram Music Berlin, Zaynab Al-Mahdi vom HKW und natürlich ganz besonders an die Künstler des Abends.

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