STEEL
PULSE - MASSIVE MANIPULATION TOUR
04.05.2022 - COLUMBIA THEATER BERLIN
Die nach ihrem letzten 2019er Album "Mass
Manipulation" benannte Tour, kann sich nun endlich nach jahrelanger
Bühnenabstinenz infolge der Corona Pandemie, so richtig
entfalten. Wie wir später noch erfahren müssen, hat
es
aber ausgerechnet Deutschland mit einer empfindlichen
Einschränkung getroffen, und das an den beiden einzigen
Terminen des Landes. Auch bei der Bühnenplanung musste
man vom Berliner YAAM in das Columbia Theater umziehen.
Das stand
aber schon länger fest, da sich im YAAM diverse bauliche
Mängel oder Bedenken entwickelt haben, die zu einer Sperrung
der
Konzerthalle
geführt haben. Was anfangs mit der
Ufermauer begann, hat sich zuletzt bis auf die Halle ausgewirkt. Es ist
uns wichtig an dieser Stelle auf die schwierige Situation des YAAM
aufmerksam zu machen und um eure Unterstützung für
dieses einzigartige Berliner Kulturgut oder -gelände zu
bitten. Gegenwärtig könnte es erst im Jahr 2024 zur
Ufersanierung kommen. Das bedeutet, dass bis dahin die Halle
für Konzerte geschlossen bleibt und sich das YAAM in andere
Veranstaltungsorte einmieten muss, sofern Indoor Veranstaltungen auf
dem Plan
stehen.
An und für sich kein Thema für die Band, aber
für
eine gute Konzertdokumentation bringt das auch für uns
manchmal einige Probleme mit
sich, da es im Columbia Theater strengere Auflagen bezüglich
Fotos und Videos gibt, die leider nicht immer mit
den Künstlern konform gehen.
Über Steel Pulse konnten wir zuletzt vor
unglaublichen 12
Jahren vom Reggae Jam
in Bersenbrück berichten. Selbst wenn
Corona
nicht gewesen wäre, kamen mit der zuletzt angesetzten Tour von
2020, die wir schon fest in der Planung hatten, auch schon 10 Jahre
Pause zusammen. Es wurde also höchste Zeit endlich wieder
einmal Steel Pulse
zu erleben.
Hier
einige Termine der aktuellen Tour, die noch einige Monate andauern soll:
26.04.22
- FR - Biarritz - Atabal
27.04.22
- FR - Cooperative De Mai - Clermond
28.04.22 - FR - Rouen - LE 106
29.04.22 - NL - Nijmegen - Dornroosje
30.04.22 - NL - Amsterdam - Paradiso
02.05.22 - NL - Groningen - De Oosterpoort
03.05.22 - DE - Hamburg - Fabrik 04.05.22
- DE - Berlin - Columbia Theater
06.05.22 - BE - Antwerpen - De Roma
08.05.22 - FR - Paris - Elysée Montmartre
10.05.22 - GB - Brighton - Concorde 2
Aber begeben wir uns nun auf den Columbiadamm von Berlin und beginnen
mit der schwierigen Parkplatzsuche. Da zeitgleich in der neben dem
Columbia Theater befindlichen Columbiahalle ebenfalls eine
Veranstaltung mit Balthazar stattfindet, sind die besten
Plätze zeitig vergeben. Normaler Weise sind wir ja immer
zeitig genug da, aber eine unerwartete Vollsperrung der A13 mit einem
nicht enden wollenden Stau vor der Umleitung, hat uns
einen riesigen Zeitverlust bei der Anreise eingebracht. Dennoch sind
wir in zirka 2 km Entfernung zum Columbia Theater fündig
geworden und konnten einen kleinen Straßenabschnitt
"günstig erwerben".
Trotz unserer nahezuen Punktlandung zum Konzertbeginn, ist das Theater
noch längst nicht ausreichend gefüllt. Wir sind
überrascht, aber so ist eben das Berliner Reggae-Publikum. Es
sind zwar noch einige Leute im angrenzenden Biergarten, aber auch diese
hinzugerechnet wäre das noch keine angemessene Anzahl
für eine Band wie Steel Pulse. So verschiebt sich der
Bühnenstart um reichlich anderthalb Stunden nach hinten, um
auch die letzten Nachzügler einzufangen, die aus unserer Sicht
ein riskantes
Spiel betreiben.
Als schließlich Bewegung auf die Bühne kommt und die
ersten Töne erklingen, folgt der unerwartete Paukenschlag des
Abends.
Amlak Tafari, Bassist der Band, kündigt ein ganz spezielles
Konzerterlebnis an, welches da heißt, dass
Leadsänger David Hinds heute nicht singen wird. Leider ist das
kein Scherz. David Hinds hat sich einen grippalen Infekt eingefangen,
der sich auf die Stimmbänder gelegt hat und soll auf
Anordnung des Arztes eigentlich in seinem Hotelzimmer bleiben. Er soll
auf gar keinen Fall singen. David möchte aber wenigstens seine
Gitarre für die Fans sprechen lassen. Na immerhin etwas.
Zumindest sehen wir ihn. Der von Amlak als Higlight verkaufte
Konzertmangel, verbunden mit dem Wunsch nach der Ersatzstimme des
Publikums,
geht natürlich nicht auf. Wie sollte das auch gehen?
Dafür muss die Band schon selber sorgen, was selbst
für diese nicht einfach sein wird. Man stelle sich nur Bob
Marley & The Wailers ohne Bob Marley oder Rootz Underground
ohne Stephen Newland vor, nur um einmal zwei prägnante
Beispiele von vielen möglichen anzuführen.
Die Show wird mit "Rally Round" vom 1982er Album "True Democracy"
eröffnet. David "Dread" Hinds' Stimme
übernimmt vorwiegend der links stehende Gitarrist David
"Cirious" Elecciri Jr.. Auch wenn die abwesende Stimme von David nur
der halbe Konzertgenuss ist, muss man eingestehen, dass sich "David 2"
alle Mühe gibt und dem oberflächlichen
Zuhörer durchaus stimmlich etwas vorgaukeln könnte.
Das geht den überwiegenden Anteil der Show so weiter,
ausgenommen der Einlagen des Keyboarders Selwyn "Bumbo" Brown.
Der Stimmung im Publikum tut das aber keinen Abbruch. Offensichtlich
ist die Massive von der langen Enthaltsamkeit an Live-Konzerten zu sehr
ausgezehrt. Da ist man auch mit weniger zufrieden. Nur für
David Hinds scheint der Auftritt eine Qual zu sein, was wegen seiner
Erkrankung nur zu verständlich ist. Noch mehr wird ihn
allerdings schmerzen, dass er seine Stimme nicht erheben darf.
Er hat mächtig damit zu kämpfen, nicht die
Beherrschung zu verlieren, was deutlich an seinem Gesicht erkennbar
ist. Bei jeder Strophe seiner Songs beißt er sich krampfhaft
auf die Lippen, um ja keinen Ton von sich zu geben. Er hält
sich zwar überwiegend im dunkleren Hintergrund auf, aber aus
den ersten
Reihen heraus ist das deutlich zu erkennen.
Apropos "dunkler Hintergrund" ist leider auch so ein Problem dieser
Show. Die Bühnenausleuchtung ist sehr
verbesserungswürdig. Die hinten links stehende
Bläsersektion, bestehend aus drei Musikern, ist kaum
erkennbar, wenn sie nicht gerade ein kurzes Streiflicht trifft. Auch
der
Drummer hinter seiner obligatorischen Plexiglaswand ist nur zu erahnen.
Keine
Chance für Fotos ohne Blitz, eine Auflage die uns schon nach
dem ersten Foto vom Sicherheitspersonal eröffnet wurde.
Normaler Weise veröffentlichen wir solche misslungenen Fotos
(oben) nicht, aber hier dient es eben dem besseren Verständnis
des
Lesers und Betrachters. So etwas hat kein Künstler verdient
und schon gar
nicht eine namhafte Band wie Steel Pulse bzw. deren Bläser.
Wenn schon David Hinds
ausfällt, hätte man mit Nachdruck daran arbeiten
sollen, dass alles andere absolut perfekt ist.
Stimmungsmacher auf der Bühne ist wie immer Bassist Amlak
Tafari. Bei Bassisten ist das zwar nicht sehr häufig aber
Amlak Tafarai gehört zu jenen die mit besonderer Beweglichkeit
und Humor ausgezeichnet sind. Heute, so scheint es, gibt er sich
besonders
Mühe, um irgendwie das Manko von David Hinds auszugleichen.
Nach einem Querschnitt durch verschiedene Alben, beginnend mit "Rally
Round" vom 1982er "True Democracy", bis zum 2019er "Mass Manipulation",
welches mit dem Titelsong und "Don't Shoot" (I Get My Hands Up) und
somit nur mit zwei Songs am heutigen Abend vertreten ist, geht es nach
dem elften Song "Stepping Out" vom 1984er Album "Earth Crisis", erst
einmal in die Pause.
Die Band wird gefeiert, als hätte es keinerlei
Abstriche
an der Show gegeben. Bei der Gelegenheit bekommen wir auch endlich
einmal die Musiker der Bläsersektion im Licht zu sehen.
Der Wunsch des Publikums nach einer Zugabe ist nicht zu
überhören, der natürlich auch
erfüllt wird.
Und so gibt es noch einmal drei Songs als Nachschlag. "Roller Skates"
(1984 - Earth Crisis), "Your House" (1982 - True Democracy) und zum
endgültigen Anschluss ihren Megahit "Ku Klux Klan" (1978 -
Handsworth Revolution). Unsere Hoffnung wenigstens beim letzten Song
David Hinds' geschonte Stimme zu hören, erfüllt sich
leider
nicht.
Da im Columbia Theater vom Veranstalter auch für akkreditierte
Personen leider keine Videokameras zugelassen waren, mussten wir uns
heute mit dem Smartphon begnügen, wie alle anderen auch.
Derartige Aufnahmen sind eigentlich nicht unser Fall. Zudem sind mein
Smartphon und ich nicht die besten Freunde, was natürlich mit
einem qualitativen Fehlschlag bei den Aufnahmen endete. Deshalb werden
wir diese Aufnahmen auch nicht öffentlich bei YouTube
freischalten. (Das
nachfolgende Video ist nicht gelistet und nur über diese Seite
zu finden, um wenigstens einen bildlichen Eindruck zu vermitteln. Der
Ton ist leider gestört und gibt nicht den realen Sound des Konzerts wieder.)
Live Video:
Ku Klux Klan
Danach lässt sich die Band noch einmal so richtig feiern und
einzelne Bandmitglieder stellen sich für Fotos mit den Fans
zur Verfügung. Spitzenreiter ist dabei Bassist Amlak Tafari,
der das Bad in der Menge sichtlich genießt. David hat sich
schnell
zurückgezogen, um sich zu erholen. Jeder hat
natürlich Verständnis dafür. Hoffen wir,
dass er sich bald erholt und irgendwann bei den folgenden Shows wieder
voll einsatzfähig wird.
Auf der Bühne standen heute: Wayne "CSharp" Clarke (Drums),
Amlak Tafari
(Bass), Selwyn "Bumbo" Brown (Keys, Vocal), David "Dread" Hinds
(Guitar) und David "Cirious" Elecciri Jr. (Lead Vocal, Guitar) als
überwiegende stimmliche Vertretung von David Hinds.
Bei der Bläsersektion waren Stephen Bradley
(Trumpet),
Shaunté
Palmer (Trombone) und Sheldon Palmer (Saxophone) im Einsatz.
Wie wir im Nachgang erfahren, hat sich der stimmliche Ausfall von David
Hinds tatsächlich nur auf die deutschen Shows in Hamburg und
Berlin beschränkt. Am 02.05. in Groningen hat er noch gesungen
und am Folgetermin des 08.05. in Paris, war er wieder in Ordnung und
konnte seine Stimme erneut zum Einsatz bringen.
Hoffen wir, dass wir bald in der Nähe eine Wiederholung
geboten bekommen.
Bis demnächst auf dieser Seite!
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Video: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim