Der Ortrander Kultur-Güter-Schuppen
hatte kürzlich mit Sattatree eine der wichtigsten Berliner
Roots Reggae Bands am Start. Auch wenn die in 6 Nationen verwurzelte
Band nicht in voller Besetzung zuschlagen konnte, war es für
Sattatree überhaupt kein Problem mit ihren Sound das Publikum
zu begeistern. Unterstützt wurde die Band von Aldubb,
dem Berliner Dub- und
Soundtüftler vom Label One-Drop Music, mit tollen Live Dubs,
die im Kultur-Güter-Schuppen erstmals zu hören waren.
So gab es neben feinsten Roots-Reggae auch jede Menge Dub auf die
Ohren. Wer bis dahin von dem bunt gemischten
Kleinstadtpublikum noch kein Fan der Musik war und nur aus
Interesse gekommen sein sollte, hat sich ganz bestimmt von dem Sound
infizieren lassen.
Als die
Band am späten Nachmittag eintrifft und zum
Bühnenaufbau schreitet, ist sie schlicht von der Location
begeistert. "Das nenne ich mal einen Arbeitsplatz!", zollt Aldubb dem
"KuGüSchu" Respekt, als er das Mischpult auf der Galerie mit
freier Bühnenaussicht entdeckt. Während er erst
einmal alle Knöpfe und Regler auf kräftigen
und klangvollen Reggae & Dub einstellt, gibt´s bei
den Musikern die erste Aufregung. Drummer Miguel hat doch
tatsächlich beim bepacken des Bandtransporters seine Snare
übersehen, die jetzt irgendwo in Berlin einsam
zurückgeblieben ist. Die seltenen Reggae-Konzerte in Ortrand
haben offenbar ein Snare-Problem, denn schon bei einem
früheren Auftritt von Ganjaman
& Friends wollte die kleine Trommel nicht mitspielen. Beim
ersten Schlag von Drummer Baresi riss damals in der Probe das
Schlagfell und
sorgte für Stress in der Vorbereitung.
Zum Glück gibt es auch in der Provinz und nicht nur in der
Großstadt eine Reihe von Bands, die vielleicht aushelfen
können. Also geht heute Miguel mit dem Inhaber des Schuppens
erst einmal auf Dorfexkursion um Ersatz zu beschaffen, den sie beim
Drummer von Charly
& Friends zum Glück auch bekommen. So steht
der gemeinsamen Probe schließlich nichts mehr im Wege.
Nachdem der Soundcheck zur Zufriedenheit aller Musiker abgeschlossen
und aus allen Ecken des Saales überprüft worden ist,
nehmen sie sich noch einmal die Setlist vor. "Das ist fast bei jedem
Konzert so.", meint Jimmy. Er zeigt mir die fertig gedruckte Liste und
ergänzt: "Es bleibt fast nie beim ersten Entwurf,
und meistens kurz vor dem Konzert wird alles umgeschmissen und
eine neue Liste geschrieben." So kommt es schließlich
während dem Abendessen zur ganz demokratischen Neuverfassung
der Setlist.
Von links: Alexander
Hornbach alias Aldubb (Soundengineer + Live-Dubs), Jan Kordas (Keys),
James Emuze
alias Jimmy I Muze (Guitar + Vocal), Kwame "Sometimer" Gbemu (Bass,
Percussion, Vocal) und Miguel Alejandro
Lagos Miranda (Drums)
Die Liste scheint für ein 90-Minuten-Set nicht ganz
ausreichend zu
sein, aber wie wir später hören und sehen werden,
haben es
einige Stück in sich und sind bedeutend länger als
die
üblichen Albumversionen.
Das aktuelle
Doppelalbum "Human
Legalization"
gibt es natürlich auch heute als CD oder Platte zum
mitnehmen.
Kurz nach 20:00 Uhr ist es schließlich so weit, und die Band
begibt sich auf die Bühne um den ersten Konzertblock in
Angriff zu
nehmen. Der KuGüSchu ist zwar bei weitem noch nicht
aufgefüllt, aber was will man machen. Auf dem Lande hat es
wenig
Sinn noch auf weitere Gäste zu warten, wie das in den
Großstädten bei den Reggae-Konzerten allgemein
üblich
ist.
Live
Video:
Sattatree - 1/14 - Forget Your Worry, Yes - Vom Album "Human
Legalization"
Es
war im Jahr 2007 als der mit nigerianischen Wurzeln versehene
Leadsänger und Komponist Jimmy I Muze, bürgerlich
James Emuze, die Band Sattatree
ins Leben ruft.
Mitglied der multikulturellen Berliner
Roots-Reggae-Band werden damals neben Jimmy, der Bassspieler Jeff
Chappah aus
Zambia, der Brasilianer Fabiano Lima an den
Percussion, Philipp Wahlstab an den Drums, Jan Kordas an
den Keys, beide aus Deutschland und Jimmys deutsche Partnerin
Lisa I Muze an der Melodica und dem zweiten Keyboard.
Live
Video:
Sattatree - 2/14 - Ganja Riddim - Vom Album "Rootsman"
Live
Video:
Sattatree - 3/14 - Judgement Day - Vom Album "Rootsman"
Inzwischen sind doch tatsächlich schon die ersten 45 Minuten
wie im Fluge vorüber gegangen und die erste kleine Pause im
Kulturbahnhof fast erreicht. Wie ihr der eingangs vorgestellten Setlist
entnehmen könnt, gab´s neben den hier vorgestellten
Songs
natürlich noch weitere wie "Jah Train" vom Album "Rootsman"
und "Human Legalization" vom gleichnamigen Album "Human Legalization".
Vor der Pause gibt´s aber jetzt mit "M. J." noch einen neuen
Song.
Live
Video:
Sattatree - 4/14 - M. J. - Noch unveröffentlicht
Jetzt geht es erst einmal per Videoleinwand auf Ausflug in das
nationale und internationale Reggae-Geschehen, wie wir auch schon vor
der Show erleben konnten. Leider scheint der
Lautstärkeregler an der Technik etwas "verklemmt" zu sein,
denn
die als Pausendance angelegte Konzertzusammenstellung ist
überwiegend kaum hörbar. Wirklich sehr
schade, da hier echte Highlights zu sehen sind! Aber Musik muss man
natürlich hören und nicht nur sehen. Die
Präsentation als Full-HD-Video ist dabei nur
ein zusätzliches Sahnehäubchen.
Nach zirka 30 Minuten kehrt Sattatree wieder auf die Bühne
zurück und der bandeigene Soundmann Aldubb übernimmt
wieder die Regler auf der Galerie.
Live
Video:
Sattatree - 5/14 - Treat Your People Right - Vom Album "Human
Legalization"
Setzen wir aber nun die Bandvorstellung von Sattatree noch ein wenig
fort.
Im Jahr 2008 entstehen Songs wie "Judgement Day", "Rootsman"
und ihr erster durchschlagender Hit "Babylon". Soundengineer und
Dubkünstler Alexander Hornbach, alias Aldubb,
vom Berliner Label One-Drop, produziert 2010 Sattatree´s
Debütalbum "Rootsman". 6 Monate danach wird die
Single "Babylon" aus dem Album ausgekoppelt. Nach nur wenigen Wochen
ist die Single international ausverkauft.
Live
Video:
Sattatree - 6/14 - Babylon - Vom Album "Rootsman"
Jeff Chappah bringt später den erfahrenen Kwame Sometimer
Gbemu (Togo
–
Ghana / KSG Productions) mit in die Band, der bald darauf die
kraftvolle Bassgitarre spielt.
2012 gewinnt die
Band den European
Reggae Contest für Deutschland und den
deutschsprachigen Raum.
Am 22.06.2013 veröffentlichen sie ihr zweites Album "Human
Legalization".
Aufgenommen, gemischt und gemastert werden die Songs in den Berliner Planet Earth
Studios. Projektleiter ist deshalb natürlich
wiederum Soundengineer Aldubb vom Label One-Drop, wo letztendlich auch
das zweite Album erscheint. Und weil
die Kompositionen von "Human Legalization" auch sehr gut ohne Gesang
zurechtkommen, wird gleich noch eine zweite Scheibe mit 10
Dub Versionen dazu produziert.
Live
Video:
Sattatree - 7/14 - Wonna Feel Irie - Noch unveröffentlicht
Vor zirka einem Jahr gab es einige Umbesetzungen. Philipp Wahlstab hat
die Drums an Miguel Alejandro
Lagos Miranda aus Chile abgetreten und Kwame
Sometimer
Gbemu hat den Bass nun in alleiniger Hand. Jeff hat die Band verlassen.
Weiterhin neu ist Bini Zion Ashenafi aus
Äthiopien an der zweiten Gitarre. Darüber hinaus
steht noch
João Afojubá aus Brasilien, als weiterer
Percussionist zur Verfügung, der aber nicht beständig
dabei ist. Somit
ist Sattatree aktuell noch ein Stück multikultureller als
zuvor
geworden. Seit kurzem müssen wir leider auch auf den
schönen Klang der Melodica verzichten, da Jimmy mit seiner
Frau Lisa Familienzuwachs bekommen hat, die sonst am zweiten Keyboard
steht und die Melodica spielt.
Live
Video:
Sattatree - 8/14 - Open Up Your Mind (Extended Version) - Vom Album
"Human Legalization"
Inzwischen arbeitet die Band an ihrem dritten Album. "Nach drei Jahren
Pause wäre es schon an der Zeit wieder ein Album zu
veröffentlichen.", meint Jimmy I Muze auf meine Nachfrage.
"Auf alle Fälle wird es demnächst eine erste Single
geben und im Laufe des Jahres wenigstens eine EP, sofern es mit dem
Album noch nicht klappen sollte.", ergänzt Jimmy weiter. Wir
sind
äußerst gespannt, womit uns Sattatree neben den
bereits heute präsentierten zwei neuen Songs "M. J." und
"Wonna Feel Irie" demnächst überraschen wird.
Als nächstes Stück gibt´s mit "Roots, Rock,
Reggae", auch bekannt als "Play I Some Music" oder "Dis A Reggae Music"
einen Ausflug in den Hitkatalog von Bob Marley, den sich Sattatree
für die Vorstellung und Solis der Bandmitglieder
ausgewählt hat.
Dann geht es wieder mit eigenem Material weiter, zu dem auch
"Reggae
Music" von "Human Legalization" gehört.
Live
Video:
Sattatree - 9/14 - Reggae Music - Vom Album "Human Legalization"
"Human Legalization"
Die Stimmung im KuGüSchu ist ausgezeichnet und das Publikum
zollt der Band ausgiebig Respekt. All jene, die sich heute hier nicht
eingefunden haben, wissen nicht was sie verpasst haben und noch immer
verpassen. Ein hervorragendes Konzert neigt sich nun langsam dem Ende
entgegen. Einen fantastischen Song haben wir aber noch, und das
Publikum
wächst über sich hinaus und singt
kräftig "Road To Zion" mit.
Live
Video:
Sattatree - 10/14 - Road To Zion - Vom Album "Human Legalization"
Die Band können wir natürlich nicht ohne Zugabe gehen
lassen und die gibt es dieses Mal in Gestalt eines Wunsches aus dem
Publikum. Warum nicht. Es wird nach einem Song von Bob Marley verlangt.
Die Band geht kurz in die Beratung und entscheidet sich für
"Jammin´". In der Interpretation von Sattatree wird
natürlich auch noch eine extralange Version daraus.
Live
Video:
Sattatree - 11/14 - Jammin´ (Bob Marley)
Etwas zu gewinnen gibt es auch noch zum Schluss. Wer die richtige
Nummer auf der Eintrittskarte hat, kann eine der drei von Sattatree und
reggaestory.de gesponserten CD-s gewinnen. Voran geht
natürlich "Human Legalization", das aktuelle Doppelalbum von
Sattatree, gefolgt von Jah Hero´s Debutalbum "Chants of
Freedom" (zum Konzertbericht geht´s hier)
und einer Mix-CD vom beliebtesten Reggae Festival Deutschlands, dem Reggae Jam.
Auch zum Reggae Jam gibt es mehrere Festivalberichte
auf dieser Seite.
Zur
Hörprobe von "Chants of Freedom" bitte das Albumcover
anklicken.
Wenige Minuten später gibt´s dann noch eine
große Überraschung. Obwohl die Band ihr Limit
bereits übererfüllt hat, kann der Chef des Hauses
Sattatree überzeugen noch ein wenig länger zu
spielen. Wer jetzt den KuGüSchu schon voreilig
verlassen hat, hat leider das Nachsehen. Warum es manche Leute auch
immer so
eilig haben und nicht noch ein wenig verweilen können?
"Es war relativ leicht die Band zu überzeugen!", mein Frank
Weser zu der frohen Botschaft und verweist mit einem Augenzwinkern auf
die vergessene Snare, die natürlich nicht der alleinige Grund
ist. Die Band fühlt sich ganz einfach wohl im
KuGüSchu von Ortrand. Nach zirka 15-20 Minuten wird es in
einen dritten Konzertblock gehen, und die Musiker von Sattatree
entscheiden selbst wie lange sie noch spielen möchten.
Live
Video:
Sattatree - 12/14 - Jah Jah Youth - Vom Album "Human Legalization"
Letztendlich wird aus dem dritten Block noch einmal weit über
eine halbe Stunde Konzertgenuss mit Sattatree. Darunter
gibt´s nun auch noch eine extralange Version von "Judgement
Day"
Live
Video:
Sattatree - 13/14 - Judgement Day (Extended Version) - Vom Album "Human
Legalization"
"Ich bin jetzt völlig durch.", meint Jimmy vor dem
allerletzten Song und Sometimer macht schmunzelnd das symbolische
Feierabendzeichen. "Ihr habt´s gesehen.", meint Jimmy dazu.
"Aber einen Song spielen wir noch.", ergänzt er, und es geht
ins
Finale.
VIELEN DANK
SATTATREE FÜR DIESES AUSSERGEWÖHNLICHE KONZERT!!
Leider löst sich nach der Show das
Publikum viel zu schnell auf, wo anderenorts die Party noch
lange weiter geht. Also beim nächsten Mal müsst ihr
wirklich noch nicht so früh aufbrechen! Es gibt noch
genügend gute Musik
aus der Konserve, und die Bar hat auch noch für jederman etwas
im Angebot.
Live
Video:
Sattatree - 14/14 - Jingle - Forget Your Worry, Yes
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Peter Joachim für reggaestory.de, sowie Eck Eckson
entsprechend
Kennzeichnung
Mein Dank geht an Frank Weser und dem Team vom Ortrander Kulturbahnhof
und natürlich ganz besonders an die Künstler des
Abends.
Nachsatz:
Da ist doch tatsächlich noch etwas von der Band im
KuGüSchu liegen geblieben. Aber eine Trommel von Miguel war es
zum Glück nicht, der schon Angst hat, dass ihm die Sache "ewig
anhängen" wird. ;-) Aber kein Problem, denn eine Woche
später finden wir eine Möglichkeit unsere Wege in
Berlin zu kreuzen.
Falls noch jemand von den Ortrander Besuchern ein Poster von Sattatree
haben möchte, bitte bei reggaestory.de melden. Kein Versand -
Nur
Abholung!