RAGING
FYAH - EVERLASTING EUROPEAN TOUR 2016
MIT STICK FIGURE
23.10.2016 - YAAM BERLIN
Im Mai dieses Jahres veröffentlichte
Raging Fyah mit "Everlasting"
ihr drittes Studioalbum und setzt damit die Erfolgsstory der Band beeindruckend
fort, die 2011 mit dem Debutalbum "Judgement Day: Music For The Rebels"
begann. Zusammen mit ihrem zweiten 2014er Longplayer "Destiny", den es
auch noch einmal im Doppelpack mit dem Debutalbum gibt, hat sich eine starke strictly Roots Hitsammlung entwickelt, aus
der man schon jetzt eine "Best Of" stricken könnte, wie das
eindrucksvoll Mighty Crown mit seinem 2016er Mixtape
unter Beweis stellt. Im Oktober begab sich Raging Fyah
gemeinsam mit der US Band Stick Figure auf ihre Everlasting European
Tour, um ihr neuestes Material zu präsentieren.
Während
ihrer europäischen Herbsttour, die sie durch
Spanien, England, Dänemark, Italien, Frankreich, Holland und
die Schweiz führte, hat sich die Berliner
Künstleragentur Streetlife
International als Veranstalter, um den deutschen Tourneeanteil
in den Städten Hamburg, Mannheim und Berlin gekümmert.
Reggaestory.de hat sich für den Konzertbericht wieder einmal das
Berliner YAAM
ausgewählt. Hier ein paar Eindrücke des Abends.
Zuletzt
war Raging Fyah am 21. März 2015 im YAAM. Damals wurde
das Konzert in den kleineren Saal verlegt, da sich schon im Vorfeld
deutlich abzeichnete, dass der Hauptsaal nicht gefüllt werden
kann. Heute ist die Show wieder in der großen Dancehall
angesetzt. Die Tour in Kombination mit Stick Figure lässt auch
noch
ein anderes und somit größeres Publikum erwarten. Außerdem
hat man schon seit längerer Zeit mit einem Vorhang eine
Saalabtrennung installiert, die im Bedarfsfall die Dancehall
verkleinern kann. So ist auch der größere Saal bei
geringeren Publikumszahlen gut verwendbar, ohne sich einsam vorkommen
zu müssen. Heute ist das aber sicher nicht nötig.
Eigentlich wollten wir heute die Show von beiden Bands dokumentieren.
Aber dazu kommt es nicht. Obwohl wir schon zirka 30 Minuten nach dem
offiziellen Einlassbeginn auf der Matte stehen, ist das Konzert mit
Stick Figure schon in vollem Gange. An und für sich ist das ja
sehr positiv, passt uns nur heute leider gar nicht in den Kram. Vor
der Show von
Raging Fyah wollen wir eigentlich noch deren Setlist durchsprechen,
damit wir unseren Einsatz bei dem neuen Material punktgenau treffen.
Das nützt nun alles nichts, wir müssen erst nach
Backstage, bevor wir uns vor der Bühne platzieren.
Nach
mehreren Treffen mit Raging Fyah ist es nicht mehr nötig, dass
wir uns erst lange vorstellen müssen und können so
ganz schnell zur Sache kommen. Eine Setlist
gibt es aber nicht, zumindest jetzt noch nicht. Wie so oft ist diese
in
den Köpfen der Band abgespeichert. Aber das ist kein Problem
und Pele schreibt ohne lange
zu überlegen in sauberer Druckschrift einen Song nach dem
anderen auf unser Blatt Papier. Er weiß auch ganz
genau welchen Song sie beim letzten Mal noch nicht gespielt haben und
versieht alle neuen Stücke mit einem Haken. So brauche ich
erst gar nicht mit meiner eigens vorbereiteten Liste lange vergleichen.
Für das anschließende Gruppenfoto versuchen die
Jungs eine ernste Miene aufzusetzen, halten das aber nicht lange durch,
und Kumar und Pele können sich als Erste das Lachen nicht mehr
verkneifen.
Danach heißt es erst einmal zurück in die Dancehall,
um noch ein Stück von Stick Figure´s Show
zu erwischen.
Stick Figure
kommen aus den USA, genauer gesagt aus Südkalifornien. Das
"Strichmännchen" ist seit 2006 aktiv und war
ursprünglich eine Ein-Mann-Band, die von
Multi-Instrumentalist, Songwriter und Produzent Scott Woodruff
gegründet wurde. Heute besteht sie aus den Musikern Scott
Woodruff (Vocals, Guitar), KBong (Keyboards, Vocals), Tommy Sulliman
(Bass) und Kevin Offitzer (Drums). Dies aber nur soweit es
Live-Auftritte betrifft. Im Studio ist Scott Woodruff in der Regel alleiniger Herr
über alle Instrumente. Sein Debutalbum "The Sound Of My
Addiction" wurde 2006 veröffentlicht.
Bis 2010 folgten zwei weitere Alben, bei denen Scott Woodruff alle
Instrumente selbst eingespielt hat. Erst mit dem 2010er "Reprise
Session" kam eine volle Band bei den Aufnahmen zum Einsatz.
Nach Veröffentlichung seines fünften und 2012er Album
"Burial Ground", begann Scott Woodruff eine Live-Band zusammenzustellen.
Sie begannen mit Konzerten in der näheren Umgebung ihrer Heimat, bevor sie
Ende 2012 schließlich auf Tour an der Ostküste der
Vereinigten Staaten gingen. Weitere Touren und Auftritte bei diversen
Festivals in verschiedenen Staaten der USA folgten. Ihr aktuelles Album "Set
In Stone" wurde im November 2015 veröffentlicht und
am 1. April 2016 noch einmal als eingängige Instrumentalversion
aufgelegt, die man in voller Länge auch auf der Bandwebsite
anhören kann. Stick Figure hat sich Roots, Reggae und Dub auf
die Fahne
geschrieben. Allerdings orientiert sich die Band dabei näher
an einheimische Bands wie Rebelution, die moderne Elemente von Rock und
Pop mit
verarbeiten, als auf traditionelle jamaikanische Einflüsse.
Alles in allem trotzdem ein hörenswertes und sehr
erfolgreiches Gesamtkunstwerk.
Es ist natürlich jetzt schwierig eine günstige
Position vor der Bühne für geeignete Aufnahmen
zu erreichen. Wir schaffen es gerade noch von den letzten
beiden Songs einen Eindruck zu bekommen und ein paar Fotos zu
schießen. Also müssen wir die Sache auf ein
nächstes Mal verschieben, das hoffentlich nicht lange auf sich
warten lässt. Denn was wir heute gehört haben, zwar
weitestgehend aus der Ferne und vom Backstage her, hat uns doch ein
wenig geärgert, dies verpasst zu haben.
Erstaunlicher Weise gibt es nach der Verabschiedung von Stick Figure
einiges an Bewegung im Publikum. In den ersten Reihen werden sogar
Plätze frei bzw. getauscht. Das hätte ich nun eher
weniger vermutet. Wer sich für Stick Figure interessiert,
sollte doch auch für Raging Fyah Interesse haben!? So tief
geht der Wunsch nach Roots bei den Stick Figure Fans nun offenbar doch
nicht, wie sie von Raging
Fyah präsentiert werden. Aber gut für uns, so kommen
wir doch noch zu einer günstigen Bühnenposition. ;-)
Es ist nun tatsächlich erst 21:30 Uhr als mit Raging Fyah der
zweite Teil des Abends
beginnt. Eine Zeit die man im YAAM selten geboten bekommt, zumal es
jetzt sogar schon die zweite Band ist. Für alle notorischen
Zuspätkommer, ist das heute wieder einmal eine gute
Erziehungsmaßnahme.
Live
Video:
Raging Fyah - 1/11 - Running Away
Die
Gründung von Raging Fyah erfolgte im Jahr 2006 und setzte sich
ursprünglich aus 6 Mitgliedern zusammen. Das sind: Delroy
"Pele" Hamilton (Bass Guitar/Singer), Courtland "Gizmo" White
(Guitar/Singer), Anthony "Toni" Watson (Drums/Singer), Kumar Bent (Lead
Singer/Guitar), Mahlon Moving (Engineer/Singer) und Demar "Kojo" Gayle
(Keyboarder). Im Jahr 2014 hat Engineer Mahlon Moving die Truppe
verlassen und sich den No Maddz angeschlossen. Als Freund
der Band (kein offizielles Mitglied),
ist Andre Dennis, alias
Spyder, als zweiter Keyboarder bei
verschiedenen Konzerten zu sehen. Als Produzent ihres aktuellen
Albums "Everlasting" ist gegenwärtig auch Llamar Brown, alias
"Riff Raff",
zeitweise mit auf der Bühne und am Keyboard von Kojo zu sehen.
Nach zahlreichen Hits ihrer früheren Alben, die wir heute
bewusst auslassen, beginnt mit "Everlasting", dem Titelsong des
aktuellen Albums, der Teil des Abends gespickt mit neuen Songs. Live
setzt Raging Fyah natürlich noch etwas drauf und
lässt "Everlasting" mit einer Passage von Bob
Marley´s "Natural Mystic" ausklingen. Hammer! Auf dem
Studioalbum kann man das so nicht hören. Das
anschließende "Milk & Honey" in Erinnerung an Dennis
Brown, ist noch nicht auf dem neuen Alben, dafür aber der
nachfolgende Song "Justice". Weiter geht es mit dem besonders
eingängigen "Jah Glory", ein Song der für mich zu den
besten des Albums "Destiny" gehört.
Live
Video:
Raging Fyah - 4/11 - Jah Glory
Live
Video:
Raging Fyah - 5/11 - No Woman No Cry + ...
Es ist nahezu unglaublich wie lange es Kumar, trotz der nicht ganz
unwesentlichen Wärme im YAAM, in seiner Lederjacke
aushält. Erst zirka nach der halben Show wird es ihm offenbar
doch zu warm. Er legt die Jacke in der "Ringecke" ab,
tänzelt wie ein Boxer vor seinem bevorstehenden Kampf und geht
mit Bob Marley´s "No Woman No Cry" "Far Away und "First Love"
in die nächste
und ruhigere Runde.
Live
Video:
Raging Fyah - 6/11 - Far Away + First Love
Danach kehrt die Band mit "Ready For Love" und "Dash Wata"
zurück zum aktuellen Album "Everlasting".
Live
Video:
Raging Fyah - 7/11 - Ready For Love + Dash Wata
Ebenfalls auf dem neuen Album befindet sich "Raggamuffin". Wie der
Titel schon vermuten lässt, zeigen Raging Fyah damit, dass sie
auch noch anders können. Immer wieder tänzelt und
springt Kumar zwischen den Titeln, als müsse er sich stets von
Neuem auf den nächsten Boxkampf vorbereiten.
Live
Video:
Raging Fyah - 8/11 - Raggamuffin
Danach geht es zurück zu einigen Hits der
Vorgängeralben wie "Ganja", "Judgement Day" und "Barriers".
Kojo kommt während dieses Blocks mit einer Harmonica nach vorn
und übergibt sein Keyboard an Llamar "Riff Raff"
Brown, den Produzenten des neuen Albums "Everlasting". Schön,
dass wir ihn bei dieser Gelegenheit auch noch auf der Bühne im
Einsatz sehen.
Nach diesen drei Songs geht es erst einmal in die kurze "Pause" und die
Massive ist gefragt, ob es noch einen Zugabenblock geben soll.
Das steht natürlich außer Frage und der
Jubel ist entsprechend.
Raging Fyah scheint von Mal zu Mal immer besser
zu werden und mit dem neuen Album sind sie nach wie vor ihrer Linie
treu geblieben. Die Band lässt sich nicht lange
bitten und setzt
die Show mit "Brave" vom Album "Destiny" fort. Ein sehr
gefühlvoller und ausdrucksstarker Song. Zu sehen wie Kumar
dieses Stück vorträgt, ist eine wahre Freude. Da ist
Gänsehaut garantiert und man könnte glatt weinen vor
Freude. Kumar wird nur von Kojo an den Keys und im weiteren Verlauf von
Pele als Backgroundsinger begleitet.
Danach der Übergang und Kontrast zu "Getting Dread"
von "Everlasting", ... einfach nur Spitze.
Live
Video:
Raging Fyah - 9/11 - Brave
Live
Video:
Raging Fyah - 10/11 - Getting Dread
Mit "Sunshine" und "My Coversation", zwei Songs die es bisher auf kein
Album von Raging Fyah geschafft haben, geht es schließlich
ins unwiderrufliche Finale des Abends. Eine perfekte Show geht dem Ende
entgegen, die vom Anfang bis zum Ende ein einziger Genuss war. Man
sieht den strahlenden Gesichtern der Musiker deutlich an, dass auch sie
mit ihrer Leistung zufrieden sind. Wir sind
schon wahnsinnig gespannt, was Raging Fyah demnächst
noch alles zu bieten haben wird. Obwohl das letzte Album noch recht frisch
ist, kann man einfach nicht genug
bekommen.
Live
Video:
Raging Fyah - 11/11 - Sunshine + My Coversation
Zum Abschluss folgt wie immer die obligatorische Verbeugung der
gesamten sympathischen
Truppe an der Bühnenkante, zu der auch Llamar "Riff Raff"
Brown noch einmal hinzugerufen wird. Inzwischen ist es 23:00 Uhr, somit hat die Band 90 Minuten gespielt.
Während sich die Band in den Backstage zurückzieht,
ist Kumar noch lange mit Händeschütteln an der
Bühnenkante beschäftigt und empfängt die
zahlreichen Glückwünsche für das gelungene
Konzert. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht schließlich
die gesamte Band in die Dancehall und sucht das Bad in der Menge. Am
Merchandise ist Hochbetrieb. Neben Shirts und Postern geht
natürlich das neue Album "Everlasting" zahlreich über
den Ladentisch. Leider hat irgendjemand die Band mit den falschen Stiften
ausgestattet. Sie sind nicht permanent und alles verwischt bei der geringsten Berührung. Das ist sehr bedauerlich
für die Fans, die sich Alben und Poster signieren lassen. Zum
Glück haben wir stets unsere eigenen Stifte dabei. Nur Pele ist
schneller und "begrünt" mit seinem abwaschbaren Stift das
neue Album. Da muss er halt noch einmal ran. ;-)
Backcover von "Everlasting"
Wer die Tour verpasst hat und das nächste Mal zu Raging Fyah
kommt, kann sich auf ein tolles Programm mit vielen neuen Songs freuen,
und wer weiß, ... bis dahin ist Raging Fyah bestimmt schon wieder
ein Stück weiter mit ihrem Schaffen.
Bis zum nächsten Mal!
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein Dank geht an Streetlife International, Tourmanager
Jaszol Szol, das YAAM
Team und
natürlich ganz besonders an die Künstler des Abends.