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LUTAN
FYAH
02.11.2013 - YAAM Berlin

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Über 7 Jahre ist es schon her, als
Lutan Fyah unsere Hauptstadt beehrte. Zusammen mit Chezidek und
Turbulence trat er am 28. März 2006 im Kesselhaus der Berliner
Kulturbrauerei auf. Dort ist inzwischen gar nichts mehr in Sachen
Reggae los und die meisten Events dieser Art konzentrieren sich
hauptsächlich auf das YAAM. Dort wiederum sitzt man seit
längerer Zeit auf heißen Kohlen und blickt einer
ungewissen Zukunft entgegen.
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Der
Mietvertrag ist gekündigt und das Gelände sollte
schon längst beräumt sein. Der nach zahlreichen
Unterstützungsbekundungen erkämpfte Teilerfolg, dass
man dem YAAM das Gelände „An der
Schillingbrücke“ (ehemals Maria) in Aussicht
gestellt hat, fehlt immer noch die endgültige politische
Entscheidung. Die Bebauung in unmittelbarer Nachbarschaft des YAAM hat
bereits begonnen und ein riesiger Mercedes-Stern erhellt die Nacht.
Freude kann da ganz gewiss nicht aufkommen. Die Kulisse der begonnenen
Bebauung wirkt eher wie eine Bedrohung, die über kurz oder
lang das YAAM Gelände verschlucken wird.
Anthony Martin, alias
Lutan Fyah, wurde 1975 in Spanish Town, Jamaica, geboren. Seine ersten
Kontakte zur Musik wurden ihm durch seinen Großvater
verpasst, der als Betreiber des Black Iniverse Soundsystems
für die entsprechende Infizierung sorgte.
Zwangsläufig reichten sich dadurch auch verschiedene
Sänger in Anthonys Elternhaus die Klinke weiter. Selbst der
„Crown Prince of Reggae“, Dennis Brown,
zählte zu den Besuchern. Neben der Musik interessierte sich
Anthony aber auch für Fußball und startete nach
Abschluss der St. Andrew Technical High School als Mittelfeldspieler
für Hazard United und den Constant Spring F.C. in der National
Premier League, der jamaikanischen ersten Liga. Trotzdem beendet
Anthony ungeachtet seiner sportlichen Erfolge im Jahr 1999 die
Fußballerlaufbahn. Er nennt sich seitdem Lutan Fyah und
widmet sich nur noch der Musik. Nachdem er einige Aufnahmestudios in
und um Kingston mehr oder weniger ergebnislos abgeklappert hat, gelingt
ihm schließlich der Erfolg beim Vorsingen in Buju Bantons
Musiklabel „Gargamel Records“. Fortan entwickelt
sich eine gute Zusammenarbeit und Lutan nimmt zahlreiche Songs in Bujus
Studio auf. Nun wurden auch andere Produzenten auf ihn aufmerksam.
Seine ersten internationalen Bühnenerfahrungen machte er mit
Jah Mason, der ihn 2001 mit auf Tournee nahm. Dies verhalf ihm auch zu
größerer Bekanntheit im eigenen Lande. Weitere
Touren folgten in den USA und Europa. Schließlich kommt 2004
sein erstes Album „Dem No Know Demself“ beim Label
„Minor7Flat5“ heraus. Ja und der Rest ist
Geschichte. Seitdem bastelt Lutan Fyah Songs am Fließband,
die weitestgehend dem Roots Reggae zuzuordnen sind. Die meisten seiner
Stücke schreibt er selbst. Sein aktuelles Album
heißt „Life
Of A King“ und wurde am 24. September
diesen Jahres veröffentlicht.
Am 02. November 2013 war Lutan Fyah nun im Berliner YAAM zu
erleben. Reggaestory.de hat sich den Auftritt
nicht entgehen lassen. Hier ein paar Eindrücke des Abends.
Heute sind erst für 21:00 Uhr der Einlass und die Show
für 23:00 Uhr angesetzt. Was die Show betrifft wird es ja
öfter sowieso so spät. Nur kommen bei
späteren Zeitankündigungen, die notorischen Bummler
noch ein Stück später. Das hat zur Folge, dass noch
bis kurz vor 22:00 Uhr der DJ nahezu Alleinunterhaltung im Saal
betreibt. Im Außengelände sind aber schon einige
Gäste zu zählen, die sich wegen dem inzwischen
geschlossenen Strandbereich auf dem unmittelbaren Vorplatz
oder am „Dub Pub“ aufhalten. Musikalisch betrachtet
ist der Sound im „Dub Pub“ momentan auch die
bessere Wahl. Wir haben uns auch auf einem Fensterplatz in die
gemütliche Wärme des Pubs zurückgezogen und
können so keinen der eintreffenden Besucher verpassen.
Irgendwann kommt dann auch Blade vom Mystic Roots Soundsystem mit Lutan
Fyah über den Platz gelaufen, was für uns der Anlass
ist, den Standort zu wechseln. Im Saal sieht es jetzt auch schon
deutlich besser aus.

Im Dub Pub
Im Backstage basteln Blade und Lutan am Laptop an
der Reihenfolge der Riddims für die Show. Heute gibt es
nämlich keine Band und der Gig soll als Soundsystem-Show
durchgeführt werden. Ellen und Pete vom „riddim
Mag“ statten Lutan einen unverhofften Besuch ab und haben ihm
ein paar Exemplare der letzten Ausgabe mitgebracht, in der auch Lutan
Fyah mit seinem aktuellen Album „Life Of A King“
präsent ist. Die Überraschung ist gelungen und Lutan
freut sich außerordentlich über den unerwarteten
Besuch.



Inzwischen ist auch schon fast der Showbeginn herangerückt.
Wie Borjan von der heute verantwortlichen Buxna
Agency verlauten
lässt, wird sich daran auch
nicht viel verändern. Also geht es zurück vor die
Bühne, um nicht den kurz bevorstehenden Beginn zu verpassen.
Wie überwiegend gewohnt kommt Lutan mit einem Turban auf die
Bühne, der heute mit einem stilistischen
Streublütenmuster versehen ist. Sehr selten hat man das
Glück ihn ohne Tuch oder Turban zu sehen, wie dies beim
Summerjam 2010 passiert ist. Dort gab die Wickeltechnik
seines Tuchs nach und Lutan hatte es ganz einfach abgelegt.
Er
trägt heute weiterhin ein graues T-Shirt mit einem „Wonder
Wheel“ (Riesenrad)
und darüber ein graues Jackett. Dazu eine lachsfarbene Hose
und Knöchel überdeckende braune
Schnürschuhe.

Er beginnt die Show mit „Nightier Than
Them All“ auf dem „Jam Down“ Riddim und
„Ungreatful“ auf dem „Cardiac
Bass“ Riddim. Zwei eingängige Hits von Lutan, die
Jedermann kennt.
Live
Video:
Lutan Fyah
– Mightier Than Them All + Ungreatful
Weiter geht´s mit den nächsten Hits wie
„Rasta Still Deh Bout“ und „Save The
Juvenile“.
Nun wird es Lutan aber doch zu warm im gut geheizten YAAM und sein
Jackett wandert auf den Drumriser.
Live
Video:
Lutan Fyah
– Rasta Still Deh Bout
Live
Video:
Lutan Fyah
– Save The Juvenile
Eines der besten Stücke vom neuen Album „Life Of A
King“, ist „See To It“. „Was
sagt ihr?“, will Lutan am Ende des Songs wissen und
Zustimmung kommt zurück.





Live
Video:
Lutan Fyah – See To It
Lutan schiebt erst einmal ein paar ruhigere Töne nach, da sein
„Wonder Wheel“ langsam zum
„Wasserrad“ mutiert. Ist aber auch warm hier drin,
da muss man sich gar nicht sehr bewegen.
Immer wieder präsentiert Lutan einen Hit nach dem anderen aus
seinem beachtlichen Songkatalog und sorgt für ausgelassene
Stimmung und Mitgegröle im Saal.





Live
Video:
Lutan Fyah
– Baby Come Over
Live
Video:
Lutan Fyah
– She Nuh Waan Settle Down
„Do you want more music?“, fragt Lutan immer
wieder. Was für eine Frage!? Wer hier
„nein“ sagen würde, hätte keine
guten Aussichten auf Zustimmung. Die Titel könnten nur etwas
länger gehen, aber Lutan opfert die Titellängen
lieber der Vielfältigkeit seines Programms, was
natürlich die bessere Lösung ist, wenn die Zeit nicht
überstrapaziert werden soll.




Live
Video:
Lutan Fyah
– Nuh Talk (Indiscretion Riddim)
Später gibt es nach einem äußerst kurzen
Song erst einmal Lutans Abgang von der Bühne. Dafür
ist er auch schnell wieder da und geht mit „Bits &
Pieces“ in die letzte Runde des Abends.



Live
Video:
Lutan Fyah
– Bits & Pieces (Blaze Riddim)
Dann ist auf einmal der Riddim zu Ende und ein Pull Up gibt es auch
nicht. Lutan zieht ohne Musik weiter durch und bringt zu Ende, was er
sich an der Stelle vorgenommen hat. Aus der Konserve ist nichts mehr zu
entlocken. Die übergebenen Riddims die Blade abspielen sollte,
sind offenbar erschöpft. Blades Gestik dazu ist
unmissverständlich. Jetzt ist wirklich Schluss. Lutan schaut
zwar etwas ungläubig auf Blades Rechner, aber es bleibt dabei.
So ist das Ende der Show leider nicht so stimmungsvoll, wie es
hätte sein können.
Wir begeben uns noch einmal nach Backstage, da vor der Show noch nicht
alle Anliegen abgearbeitet werden konnten. Lutan hat sich inzwischen
erfrischt, umgezogen und sein schickes Jackett wieder angelegt. Er ist
bester Laune, gönnt sich einen Spliff und schenkt uns ein
Jingle, das sich sehen und hören lassen kann. Im Vergleich zur
eben gesehenen Show ist das schon kein Jingle mehr, sondern fast
´ne richtige Songlänge.
Live
Video:
Lutan Fyah
– Hard Man Fi Dead – Jingle for reggaestory.de
Hier noch zum Abschluss ein paar Fotos aus dem Backstage, bevor wir uns
verabschieden.










Hoffen wir, dass nicht erst wieder 7 Jahre vergehen müssen,
bis Lutan Fyah nach Berlin zurückkehrt.
Weiterhin hoffen wir, dass die Zukunft des YAAM bald in einen sicheren
Hafen einläuft und dieses großartige Kulturprojekt
für immer erhalten bleibt. Reggaestory.de fährt jedes
Mal über 150 km um hier dabei sein zu können. Einige
fahren sicher noch weiter. Das YAAM ist ein Projekt, das weit
über die Grenzen von Berlin hinaus von Interesse ist. YAAM
must SURVIVE! Rettet das YAAM! Es ist noch nicht überstanden.
Zu lange wird schon wieder auf die wichtigen politischen
Entscheidungen
gewartet.
Copyright: www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein besonderer Dank geht an Borjan von der Buxna Agency, das YAAM Team
und natürlich an Lutan Fyah. |
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