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LEE
„SCRATCH“
PERRY and the whitebellyrats
PANIC
IN BABYLON
TOUR 2008
24.05.2008
- Berlin
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Legendtime
im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei. Mit
Lee Perry brachte Revelation Concerts eine der schillerndsten und
dienstältesten Reggaegröße nach Berlin.
Ohne Lee Perry wäre die Geschichte des
Reggae mit Sicherheit anders verlaufen. Seine musikalische Laufbahn
liest sich wie ein „Who Is Who“ des Reggae.
Besonders
geprägt haben den Reggae seine bahnbrechenden Aufnahmen in
seinem „Black Ark“
Studio, die ein unvergleichliches Klangbild haben und nach wie vor
unvergessen sind.
Roots-Klassiker wie „War In A Babylon“ oder
„Chase The Devil“ von Max Romeo,
„Police And Thieves“ von Junior Murvin, oder das
Debütalbum der Congos „Heart
Of The Congos“ mit dem darin enthaltenen Hit
„Fisherman“ – nur um einige zu
nennen. |
Natürlich
auch nicht
zu vergessen die zeitweilige Zusammenarbeit mit
Bob Marley und den Wailers, die den Grundstein für den
zukünftigen Erfolg von
Bob Marley legte. Neben seinen Roots-Kreationen gilt Lee Perry aber
auch
gemeinsam mit King Tubby als Erfinder des Dub und experimentiert bis
heute mit
immer wieder neuen Klanggebilden herum. Soviel nur ganz kurz ein paar
Sätze zu
Lee Perry, dessen Biografie an dieser Stelle wohl kaum ausreichend zu
würdigen ist.
Neben den unzähligen Bob Marley Biografien gibt es nun seit
dem Jahr 2000
wenigstens auch zu Lee Perry eine umfassende Biografie, die sein
langjähriger
Freund David Katz über ihn geschrieben hat. Leider gibt es
bisher noch keine
deutsche Ausgabe („The Genius Of Lee
„Scratch“ Perry – People Funny
Boy“; ISBN
1846094437 >>
Siehe Cover neben dem Text).
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Lee
„Scratch“ Perry, der als Rainford Hugh Perry in
Jamaika
zur Welt kam, ist mit seinen gegenwärtig 72 Lebensjahren immer
noch nicht zu
müde, um auf die Bühne zu gehen. So hatten wir das
Glück, ihn nach seinem
letzten Berliner Auftritt vom 02.12.2005, erneut im Kesselhaus
begrüßen zu
dürfen.
Einlass war wie immer
für 20:00 Uhr geplant, der sich ein
wenig nach hinten verschob, da man drinnen noch mit dem Soundcheck
beschäftigt
war. Das war aber gar nichts, gegen das was noch folgen sollte. Im Saal
des
Kesselhauses begann nun das Vorspiel und ein Sound legte
fleißig eine Scheibe
nach der anderen auf. An einem Stand gab es eine reichliche Anzahl von
diversen
Lee Perry Alben und sein Tourposter zu kaufen. Die Stunden vergingen
und die
Warterei auf Lee Perry war endlos. Als sich nach 22:00 Uhr immer noch
nichts
auf der Bühne tat und das Kesselhaus schon prall
gefüllt war, kamen die ersten
Pfiffe und Buhrufe aus der Menge. Besonders immer dann, wenn vom Sound
wieder
eine neue Scheibe aus der Kiste gezogen wurde. Ein zu langes Vorspiel
kann eben
tödlich sein. Leider waren die vom Sound ausgewählten
Scheiben auch nicht sehr
vielseitig und überwiegend Maxiversionen, was die Warterei auf
Lee Perry auch
nicht gerade angenehmer machte. Das soll natürlich nicht
heißen, dass keine
guten Sachen dabei waren, aber eine abwechslungsreichere Gestaltung des
Vorprogramms hätte die Wartezeit schneller vergehen lassen.
Nach 22:30 Uhr traf dann
schon einmal Lee Perry ein, was auf
ein baldiges Ende der Warterei hoffen ließ. Der Schlagzeuger
der wbr
installierte schon einmal seinen PC am Schlagzeug, aber der Sound bekam
noch
keine Instruktionen das Vorspiel zu beenden.Es
dauerte noch einmal bis 22:55 Uhr als endlich der Sound verstummte
und das gewohnte Eröffnungsstück
„Greetings“ den Saal erfüllte.
Die Whitebellyrats waren
nur mit drei Musikern am Start, was
aber dem Klangbild keinen Abbruch tat. Per Computer kann man eben
nahezu alles
ersetzen, was bei der Vielfalt der Geräusche und
Klänge der dargebotenen Stücke
aber kaum anders machbar gewesen wäre. Wer die Show kennt,
wird wissen, dass
Lee Perry beim ersten Stück meistens nicht zu sehen ist. Auch
dieses Mal kamen
seine Grußworte nur aus dem Hintergrund und die
Whitebellyrats stimmten die
Fans auf das Konzert ein. Die Gitarrensoli in diesem Stück
verursachten wie
immer einen wahren Schauer auf dem Rücken.
Endlich kam dann Lee zum
zweiten Stück auf die Bühne und
wurde jubelnd von den Fans begrüßt. Vergessen waren
die langen Stunden der
Warterei. Lee Perry wie gewohnt im schrillen Outfit, mit allerlei
Zierrat,
Ketten und Ringen geschmückt. Auf dem Kopf eine seiner 5
„Space-Caps“, wie er
seine eigens verzierten Schirmmützen nennt. Auch das Mikro war
vor lauter Schmuck
kaum zu sehen.
Perlen, Plaketten,
riesige Glitzersteine und viele andere
Dinge, ließen kaum Raum, um das Mikro richtig anzufassen. Das
gleiche Bild an
Lees Händen – kein Finger ohne riesigen Ring.
Eine weitere
Pflichtausstattung waren die buntbemalten Schuhe,
die ebenfalls mit vielen Dingen besetzt sind –
Münzen, Spiegelscherben, die
Flagge von Äthiopien, das Bildnis von HIM und vieles mehr. An
Lee Perrys
Garderobe konnte man wie immer vieles entdecken, obwohl Zeit und
Nähe meistens
nicht dafür ausreicht.


Der weitere Verlauf des
Konzerts war etwas anders, wie in
den Jahren zuvor, als Perry sein 2004-er Album „Panic In
Babylon“ vorstellte.
Der größte Teil der Stücke war zwar nach
wie vor von diesem großartigen und
bisher letzten Studioalbum, aber es waren auch einige neue Sachen
dabei, die
hoffentlich bald auf eine Neuveröffentlichung in diesem Style
hoffen lassen.
Aber auch die bekannten
Stücke wurden von Lee Perry
teilweise neu interpretiert, was manchmal leider etwas die gewohnte
Harmonie
störte. Wo bei „Inspector Gadget“ und
anderen Stücken noch alles
zusammenpasste, kamen ausgerechnet bei „I Am A
Psychatrist“ die Band und Lee
einfach nicht mehr unter einen Hut. Schade, gerade dieses
Stück hatte ich bei
den Shows der Vorjahre vermisst und ist eines der besten
Stücke des Albums.


Glücklicher
Weise war diese Disharmonie eine Ausnahme, und
man konnte überwiegend einem gelungenen Auftritt beiwohnen.
Die instrumentale
Begleitung der wbr hat daran natürlich einen nicht
unerheblichen Anteil, deren
Musik bereits auch ohne Lee Perry ein wahrer Ohrenschmaus ist und
streckenweise
zum Schließen der Augen verführt. So zum Beispiel
auch bei dem langsamen und
elektronisch angehauchten Titel „Vodoo“ - einfach
Augen schließen und schweben.



Gegen 0:00 Uhr legte Lee
dann erst einmal eine kurze
Erfrischungspause ein und kam danach im neuen Outfit zum letzten Akt
auf die
Bühne. Zwischendurch gab es lang anhaltenden Beifall, der auch
spürbar einem
großen Mann und seinem Lebenswerk und nicht nur seinem gerade
stattfindenden
Auftritt galt. Lee Perry war sichtlich erfreut und mit sich zufrieden.


Als dann Lee Perry um
0:25 Uhr seine handgeschriebene
Trackliste vom Bühnenboden aufhob, war klar, dass auch dieser
Auftritt wieder
einmal zu Ende gegangen war. Seine Version von „Chase The
Devil“, die in den
vorangegangenen Jahren öfter Showabschluss war, kam leider
nicht mehr.


Die Whitebellyrats gaben
noch ein paar Abschlussklänge zum
Besten und verließen letztendlich ebenfalls umjubelt die
Bühne.
Das Ende der Show war
unmissverständlich und das Soundsystem
übernahm wieder den Saal.
Wer die Show verpasst
hat, bekommt einen ungefähren
Eindruck, wenn er sich das im Jahr 2006 erschienene Album
„Alive, More Than
Ever“ zulegt. Dieses Album gibt weitestgehend den Inhalt der
Show wieder – mit
Ausnahme der neuen Sachen. Aber auch die
Besucher der Show haben mit diesem Album eine bleibende Erinnerung,
auch wenn
man bereits das Studioalbum „Panik In Babylon“
besitzen sollte.

Nach der Show galt es
natürlich noch einmal Lee Perry
persönlich Respekt zu zollen und ein paar Fotos der
früheren Shows anzusehen.
Lee war wieder fabelhaft aufgelegt und völlig ausgeglichen.
Mit den anwesenden
Gästen machte er jeden Spaß mit unendlicher Geduld
mit. All die Male, die ich
bisher Lee Perry treffen durfte, habe ich ihn nie anders kennen gelernt.
Anders lautende
Meldungen, die Lee Perry in Vergangenheit
immer etwas verwirrt dargestellt haben, kann ich nicht ansatzweise
bestätigen,
auch wenn er mich gerne jedes Mal Peter Pan nennt.

Copyright:
Text und
Fotos by Reggaestory
Mein
besonderer Dank
geht an das Management der Kulturbrauerei,
Christoph von Revelation
Concerts
und natürlich an Lee Perry selbst, die mit zum Gelingen dieser
Story
beigetragen haben.
Interessenten
für die Alben „Panic
In Baylon“, „Alive, More Than Ever“ und
weitere, können sich unter Anderem bei www.irierecords.de
umsehen. |
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