JUNIOR
KELLY & JAHBAR I
20 YEARS "LOVE SO NICE" ANNIVERSARY TOUR
25.10.2019 - YAAM BERLIN
Im Oktober waren Junior Kelly und Jahbar I mit
der Fireman Crew aus Österreich in 18
Städten Europas unterwegs. Auf dem Tourposter zur "20 Years
Love So Nice Anniversary Tour" sind zwar nur 17 Termine aufgelistet,
aber nach der Drucklegung hat sich das Forum von Bielefeld der Liste
noch kurzfristig angeschlossen. Über Junior Kelly hatten wir
schon zuletzt in unserem Mammut-Festivalbericht vom Reggae Jam
2019 berichtet. Da uns aber Junior Kelly in Begleitung der Fireman Crew
mit seiner feurigen Show so richtig vom Hocker gehauen hat, und wir
Jahbar I beim Festival sowieso verpasst hatten, kam uns die Oktobertour
der beiden gerade recht, Junior Kelly noch einmal aufzuwärmen
und Jahbar I nachzuholen.
Wir
standen vor der Wahl entweder in den Kulturbahnhof nach Jena oder in
das YAAM Berlin zu fahren. Da wir aber schon länger von der
Berliner Show gewusst und diese auch mit beworben hatten, war es nur
logisch, dass wir wieder einmal im YAAM aufschlagen. Es liegt schon
weit über ein Jahr zurück, als wir das letzte Mal aus
dem YAAM berichtet haben. Einige Leute haben uns schon vermisst, aber
verschiedene Dinge und Beziehungen ändern sich eben ungewollt
im Laufe der Zeit, wenn sich das Augenmerk der Verantwortlichen
verändert. Nicht geändert hat sich leider die
"Gesichtskontrolle" am Wachhäuschen an der
Schillingbrücke, wo man Rede und Antwort stehen muss, was man
hier wolle. Das ist schon etwas befremdlich, zumal das YAAM auch
öffentliche Gastronomie an verschiedenen Shops und Imbissbuden
anbietet und die Dancehall selbstverständlich einen
gesonderten Einlass durchführt.
Ein Glück, dass uns noch nicht alle Freunde vergessen haben,
und so die Gesichtskontrolle etwas abgekürzt werden kann. Nach
Absolvierung der Grenzkontrolle steuern wir gleich die Dancehall an.
Noch ist nicht viel los, aber wir sind lieber immer etwas eher da, da
es vor dem Konzert noch einige Dinge zu klären gibt.
Besonders ist es immer wichtig sich stets von Neuem vom Tourmanagement
oder den Künstlern dem
Sicherheitsdienst vorstellen zu lassen. Während oder nach der
Show stehen die Chancen sonst schlecht, bestimmte Leute zu treffen oder
Aktionen durchzuführen, wenn keine geeigneten Pässe
zur Wiedererkennung ausgereicht werden.
Im
Backstage bereiten sich die Fireman Crew und Jahbar I auf ihren
Auftritt vor. Drummer Paul wird beim ersten Teil der Show noch nicht
zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang wird uns Melbourne George
"Dusty" Miller vorgestellt. Dusty ist eigentlich der Drummer der
bekannten Firehouse Crew, da er aber der Vater von Jahbar I ist,
lässt er sich natürlich nicht nehmen, seinen Sohn auf
dieser Tour zu unterstützen. Also wird es heute mit Fireman
und Firehouse gleich doppeltes Feuer in der Dancehall geben. Dies
nehmen wir natürlich zum Anlass, etwas später auch
noch auf die Firehouse Crew einzugehen.
Anders in der Bandaufstellung der Fireman Crew ist heute auch, dass
Gitarrist Lukas
Höfler von Daniel Rickler der Next Generation Family vertreten
wird.
Jabari Miller, alias Jahbar I, wurde am 25. August 1995 in St. Andrew,
Jamaika, geboren und ist in St. Catherine aufgewachsen.
Seine Liebe zur Musik entwickelte sich zwangsläufig schon in
jungen Jahren, wenn er seinem Vater bei der Firehouse Crew zusah. So
war
sein erstes Instrument natürlich auch das Schlagzeug. Das
brachte ihn auch zu Studio-Sessions seines Vaters, wo er letztendlich
schon mit 10 Jahren selbst das Schlagzeug für
Künstler wie Gentleman, Sizzla und anderen einspielte. Sein
Vater war es auch, der nicht nur Schlagzeuger sondern auch ein
großartiger Musikproduzent ist, der ihm frühzeitig
ermöglichte Bühnenerfahrung zu sammeln. Dies zum
Beispiel bei gemeinsamen Auftritten mit Luciano und Dean Fraser.
Darüber hinaus war er in seiner Schulzeit Mitglied einer
Band namens Knock Out Crew. Nach dem Tod seines
Freundes
Kimali "Flex" Waysome, schrieb er ihm zu Ehren den Song "Tribute To
Kimali". 2012 folgen in Zusammenarbeit mit seinem Vater zwei weitere
Singles mit den Titeln "I Just Be Me", auf dem "Re-Birth Riddim", und
"The Chant" (I Fawud), auf dem "Ansa Di Question Riddim". Sein erstes
Studioalbum "Dehya" veröffentlichte er am 14.12.2018 bei
Wizkilful Productions. Bei der Einspielung des Albums hat ihn
natürlich wieder sein Vater, weitere Musiker der Firehouse
Crew und andere unterstützt. Auch Dean Fraser hat bei einigen
Songs seinen Beitrag geleistet.
Live Video:
Jahbar I - 1/2 - Powaz Of Luv + Deliver Me
Und da wir zwangsläufig so viel über George Miller
gesprochen haben, hier noch kurz ein Ausflug zu seiner Firehouse Crew,
die allerdings nicht mit der heute spielenden Fireman Crew zu
verwechseln
ist.
Bassist Danny "Bassie" Dennis und Keyboarder Paul Crossdale trafen
sich 1985 in einer Kirche mit Melbourne George "Dusty" Miller, weil sie
einen Drummer für ihre Band suchten. Das war die Geburtsstunde
der späteren legendären Firehouse Crew und einer
beeindruckenden musikalischen Zusammenarbeit. Der Name Firehouse Crew
wurde der Gruppe allerdings erst im November 1986 von dem inzwischen
verstorbenen legendären jamaikanischen Produzenten
King Tubby's gegeben,
der einige Inhouse-Musiker für sein Studio benötigte.
1987 wurde schließlich noch Leadgitarrist Mitchum Khan in die
Band aufgenommen. Die Liste der Produzenten für die die Band
inzwischen gearbeitet hat, ist lang. Darunter sind Namen wie King
Jammy's, Philip "Fatis" Burrell (X-Terminator), Donovan Germaine
(Penthouse), Bobby Dixon (Digital B) und Patrick Roberts (Shocking
Vibes), nur um einige zu nennen.
Darüber hinaus hat die Band ein eigenes Plattenlabel mit dem
selben Namen gegründet und zirka 200 Singles mit
Künstlern wie Beenie Man, Lukie D., Sizzla, Junior Kelly,
Beres Hammond, Gentleman, Half Pint, Richie Spice, Anthony B und vielen
anderen produziert. Sie errangen mit ihrer Arbeit bemerkenswerte
Höhepunkte und zahlreiche Auszeichnungen. Zu diesen Erfolgen
zählen unter anderem Shabba Ranks 1992er Album "Xtra Naked",
Shaggys 1995er Album "Boombastic" und Beenie Mans 2000er Album "Art And
Life", die mit ihrer Mitwirkung entstanden sind und jeweils danach
einen Grammy Award für das beste Reggae Album einfuhren. Neben
ihrer Arbeit als Studiomusiker haben sie sich natürlich auch
einen Namen als Backing Band für Künstler wie
Luciano, Sizzla und vielen anderen gemacht.
Die jüngsten Produktionen von George Miller und der Firehouse
Crew sind die 2018er Alben des Mosambikaners Ras Haitrm mit "Go
And
Tell The World" und Jahbar I´s "Dehya".
Live Video:
Jahbar I - 2/2 - Steaming From Mawning + Smoke Up The Place + Blessings
Flow (Conquer All) + Legal Scamma
Jahbar I und die Fireman Crew feat. George Miller, sind nach zirka 45
Minuten schließlich am Ende ihres Programms angelangt und
Jahbar I, der sich nicht gerade wenig auf der Bühne bewegt
hat, sieht man nicht an, dass es ihn sonderlich angestrengt hat. Nicht
einmal seinen langen Mantel und die Handschuhe hat er abgelegt, die er
von Anfang an getragen hat. Der Mann steckt also noch voller Reserven
und wir sind gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm hören
werden.
Nach
einer kurzen Pause ist dann der Smile Man Junior Kelly an der Reihe und
Paul von der Fireman Crew kann wieder seinen angestammten
Platz hinter den Drums einnehmen. Wir sind gespannt, ob Junior Kelly
und die Fireman Crew heute noch eine Schippe drauflegen
können, da sie beim zurückliegenden Reggae Jam, wegen
einem unerwartet eingeschränkten Zeitlimit, ihre Hit-Show
nicht voll umsetzen konnten. Heute sollte es deswegen zumindest keine
Probleme geben. Es ist genügend Zeit und Paul ist gut
ausgeruht.
;-)
Live Video:
Junior Kelly - 1/5 - Corruption + ... + Jammin´ + ...
Live Video:
Junior Kelly - 2/5 - Anybody Needs Somebody + High Hope + Smile
+ Black Am I + Boom Draw
Namensgebend für die Tour war Junior Kelly´s 1999er
Single "Love So Nice" bei VP Records, die auch noch einmal im
Jahr 2000 als "If Love So Nice" bei Mrosh Music und VP Records
erschien. Das muss man wissen, wenn man das Schlagwort "20 Years Love
So Nice Anniversary Tour" verstehen möchte, denn das
gleichlautende Album "Love So Nice" erschien erst im Jahr 2001,
... und das würde ja momentan noch nicht mit den 20 Jahren
passen. Die Single "Love So Nice" markierte dereinst den Wendepunkt und
Durchbruch in Junior Kelly´s Musikkarriere.
Live Video:
Junior Kelly - 3/5 - The More I See Her + Take This Love
Die Mädels vom Backgroundgesang haben doch
tatsächlich unterschiedliche T-Shirt-Garnituren für
die zwei Shows eingepackt. Jedem das Seine. Denn jetzt
gibt´s Werbung für Junior Kelly´s letztes
Album "Urban Poet" und davor bei Jahbar I war es dessen Debutalbum
"Dehya".
Live Video:
Junior Kelly - 4/5 - Love So Nice
Ja, dieser Hit muss natürlich gebührend gefeiert
werden, und wie wir es von Junior Kelly kennen, ist zwischen seinen
zahlreichen anderen Hits kaum Zeit zum Luftholen. Die seltenen Pausen
gibt es in der Regel nur nach einigen aneinander gereihten Hits. Man
kann sich immer nur sehr schwer vorstellen, wie eine derartige
Belastung durchzuhalten ist. Heute wäre doch nun wirklich
etwas mehr Zeit, sich zwischen den Songs auch einmal etwas auszuruhen
und feiern zu lassen. Aber das ist eben nicht Junior Kelly´s
Stil.
Und damit sind wir leider auch schon am Ende unserer Konzertausschnitte
des heutigen Abends, der uns wieder einmal vollends zufrieden
gestellt hat.
Da wir über Junior Kelly schon mehrfach berichtet haben,
wärmen wir heute auch keine biografischen Daten auf. Wer mehr
zu Junior Kelly erfahren möchte, schaut einfach noch einmal in
frühere Berichte nach, deren Links am Ende dieser Seite
aufgelistet sind.
Aber schauen wir zum Abschluss noch einmal bei den Künstlern
im Backstage vorbei. Junior Kelly begrüßt uns
erfreut und kann gleich die Bilder vom Reggae Jam in Empfang nehmen,
die wir extra für ihn entwickelt haben. Managerin Sasha konnte
leider wiederum nicht mit auf Tour kommen und alle Belange liegen in
den Händen von Rafal und Paul.
Live Video:
Junior Kelly - 5/5 - Jingle
Tourmanager Rafal möchte noch ein paar gemeinsam
Abschlussfotos schießen und verliert das Gleichgewicht. Das
sorgt für allgemeine Erheiterung. Scharf ist das Bild dennoch
geworden. Es gibt zwar auch noch andere, aber weil das so lustig war,
zeigen wir dieses.
Bei allem Spaß mit Junior Kelly dürfen wir
natürlich Jahbar I und George Miller nicht vergessen oder gar
verpassen.
Jahbar I mit seinem Vater George Miller
Mit diesen persönlichen Worten von George Miller, die man auch
für alle anderen Besucher des Konzerts und darüber
hinaus anwenden kann, verabschieden wir uns erst einmal
von euch. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal!
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein Dank geht an Rafal von der Rockers Artists Agency und Positive
Thursdays, Alexander vom YAAM Berlin, Paul von Union World Music und
natürlich ganz besonders an
die
Künstler des Abends.