Und schon wieder geht eine Festivalsaison zu
Ende. Zum Ausklang des Jahres trifft sich
alljährlich die
sächsische Ska-Gemeinde und wer sich darüber hinaus
noch auf die Reise begeben möchte, im
schönsten Ballsaal Leipzigs zum Dynamite
Skafestival. In diesem Jahr gibt es zudem mit der 22. Ausgabe, eine
Bierzahl zu feiern. Manche sagen zwar auch Schnapszahl dazu, aber diese
gebrauchen wir erst ab drei gleiche Ziffern. ;-) Neben
dem Ende Juni stattgefundenen This Ska in Rosslau,
wir hatten darüber bereits berichtet, ist dies das
zweitgrößte Event seiner Art in den
östlichen Bundesländern und stellt für
uns den letzten Festivalbesuch des Jahres dar. Schwerpunkte des heutigen Festivals sind für uns
natürlich Keith
& Tex und Rudy Mills.
Was
die Headliner betrifft, haben wir zuletzt über eine Einzelshow
in 2022
aus dem Naumanns Tanzlokal, ebenfalls in diesem Haus etabliert,
berichtet. Eine neue Erfahrung werden die ersten
beiden Plätze der Running Order für mich sein. Die
Les Calcatoggios sind erst später hinzugekommen, um
für den
ursprünglich geplanten Docta Rude & The Clerks
einzuspringen.
Ich mache mich heute hoffentlich zeitig genug auf den Weg, denn die
Besetzung
eines Parkplatzes gestaltet sich im gesamten
näheren Umfeld des Felsenkellers immer recht schwierig. In den
seltensten
Fällen hat man Glück, in der Nähe
etwas zu erwischen.
Manchmal kurvt man eine halbe Stunde durch die Gassen, um eine geeignete
Lücke zu finden. Also plane ich inzwischen einen Puffer von 30
Minuten ein.
Der Einlass ist für 17:30 Uhr angesetzt. Ich
gehöre mit zu den ersten Gästen, die den
großen Ballsaal betreten und sich in Ruhe umsehen
können. Auf der rechten Galerie sind wie gewohnt die
Shops aufgebaut und bieten alles was die Szene als Fanartikel so
gebrauchen könnte. Dazu natürlich die aktuellen
Platten und Shirts der auf der Running Order stehenden
Künstler. Auf der anderen Seite sorgt das Rudeboy Soundsystem
für die musikalische Einstimmung der Festivalgemeinde.
Für
die Festivaleröffnung sind heute Udo Butter & Das Team
angetreten. Bisher hatte ich noch nichts von diesem UB-Team
gehört und deshalb im Vorfeld des Abends ein wenig den Mister
Google befragt. Die "Berliner Schnauze" der Truppe ist Programm und
vielleicht nicht jedermanns Sache. Wenn die Suchergebnisse Songs wie
"Auf die Fresse", "Reiche Pisser" und anderes ausspucken, ist manch
einer vielleicht schon etwas verschreckt. Udo Butter & Das
Team, die sich natürlich gleich ein Stück Butter in
das Logo genommen haben, bezeichnen sich selbst als "5. Welle Ska". Na
mal sehen, wie sich diese Welle anhört.
Udo trommelte im Jahr 2021 das Team zusammen und Ende 2022 stellten sie
ihre Debut-EP "Reiche Pisser" mit vier Songs vor. Am 4. August 2023
legten sie ihre zweite EP mit dem Titel "Udo hat 'ne Band" mit 6 Songs
nach. Die Band singt ihre Texte auf Deutsch und besteht aus 6 Musikern.
Aktuell werden Johnny de la Kneipe (Bass & Gesang), Sultan von
Letztens (Piano & Gesang), Gran Turismo (E-Gitarre), Sven
(Schlagzeug), Manny Leguan (Saxophon) und Turbo Realtalk (Posaune)
genannt. Und wer ist nun Udo Butter? ;-)
Live Video:
Udo Butter & das Team
Nachdem
es sich ausgebuttert hat, folgt erst einmal die Umbaupause und die
erholsame Einlage vom Rudeboy Soundsystem. 19:00 Uhr geht es
schließlich mit den Les Calcatoggios in die nächste
Runde. Heute wieder einmal ganz ungewohnt ohne Moderator Richie. Obwohl
es die Berliner Band schon seit 1998 gibt, hatte es bisher noch nicht
bei mir geklappt, diese live zu sehen. Das 25-jährige
Bandjubiläum liegt also schon ein Jahr zurück. Hinter
dem Bandnamen würde vermutlich niemand eine deutsche Band
vermuten, da Calcatoggio eine Ortschaft auf Korsika ist.
Der Bezug zu diesem Ort ist sogar real, da die Band genau dort
während einer Urlaubsreise beschlossen hat, künftig
zusammen Musik zu spielen. Diese wird dargeboten von Ela am Schlagzeug,
Roland an der Gitarre, Sandra mit dem Leadgesang, Hajo an der
Bassgitarre und Tor am Klavier. Hinzu kommt die Bläsersektion
bestehend aus Paula mit dem Tenorsaxophon, Thomas an der Trompete und
Benny an der Posaune.
Ihre erste Veröffentlichung "Bird In A Cage" geht auf das Jahr
2018 zurück und wurde bei dem Berliner Skalabel "Skaro
Records" veröffentlicht. Ihre aktuelle Platte heißt
"Indestructible" und wurde dieses Jahr bei "Smith & Miller
Records" veröffentlicht.
Live Video:
Les Calcatoggios - Superficial + Bird In A Cage
Nach der Show, die mir sehr gut gefallen hat, spreche ich kurz mit
Sängerin Sandra über die Setlist, um einen bestimmten
Song zu identifizieren. Für Sandra ist nur die Antwort auf
eine Frage wichtig: "Würdest du wieder zu unserer Show
kommen?"
Ja klar, ... und damit ist eigentlich alles gesagt für sie.
Unglaublich auch die energische Performance von Paula am Saxophon. Wie
wir hören, ist es auch sie, die mit ihrer
unermüdlichen Arbeit und Energie die Band in Schwung
und zusammenhält.
Während der Umbaupause schaue ich mich ein wenig im Backstage
um und unterhalte mich mit verschiedenen Künstlern. Darunter
auch Keith Rowe, Rudy Mills und die Steadytones. Überrascht
stelle ich fest, dass Phillip Texas alias Tex heute nicht mit angereist
ist. Es liegen wohl gesundheitliche Gründe vor, über
die
niemand so recht sprechen möchte. Dann hoffen wir einmal, dass
Tex beim nächsten Mal wieder auf der Bühne stehen
kann. Gute Besserung Tex!
Rudy und
Keith freuen sich über unsere Fotogeschenke - Tex's
Umschlag geht mit auf Reisen
Bei den Steadytones gibt es mit Federico
Perinelli aus Italien einen neuen Mann am Bass. Er ersetzt Felipe Ramos
Corrotea, der aktuell mit Paul Krackowitzer (ehemals Fireman Crew)
zusammen mit dem Projekt
"Tasheeno" voll ausgelastet ist. Das Duo beschreibt sich als erste EAD
(ElectronicAfroDub) Band der Welt! Wie auch immer, ... bisher ist das
nicht so recht meine Welt. Die Musik von den Steadytones und der
Fireman Crew bleibt da für mich die eindeutig bessere Wahl.
Inzwischen
sind die Umbauarbeiten für Death Of Guitar Pop abgeschlossen.
Bei dieser Band habe ich noch eine Scharte auszuwetzen. Nach dem
letzten Festivalbericht vom This Is Ska 2024 haben sich doch
tatsächlich ein paar Fans der Band bei mir beklagt, warum ich
so wenig Videomaterial gedreht habe. Heute werde ich das etwas ausbauen
und habe natürlich überhaupt kein Problem damit, denn
D.O.G.P. ist auch
für mich eine hörens- und sehenswerte Bereicherung
der Szene. Freuen wir uns auf eine stimmungsvolle und
abwechslungsreiche Show.
Live Video:
Death Of Guitar Pop - 1/2
Die als Duo bekannt gewordene Band besteht Olly "Silky" Hookings und
Jonny "Top Kat" Hick. Beide stammen aus Essex, eine südlich
von
London gelegene Grafschaft in Großbritannien. Allerdings
steht neben Top Kat noch ein zweiter Gitarrist auf der
Bühne, dessen Name wir nicht kennen. Er hat auch schon beim
This Is Ska vor ein paar Monaten das Duo unterstützt.
Sie beschreiben ihre Musik als Ska mit Einflüssen aus 2-Tone,
Skinhead Mod Fusion und eine Prise Rocksteady. Ihr Debut legte die Band
mit ihrem Hit "Rickety Old Train" am 16.11.2016 vor, den ich auch heute
als meinen persönlichen Favorit in der Show ausmache. Ich
wünsche mir, dass in diesem Stil noch mehr nachwächst.
Ihr Debutalbum "69 Candy Street" stammt aus dem Jahr 2017 und
aktuell
gibt's seit Oktober 2023 die Scheibe "Be Lucky".
Live Video:
Death Of Guitar Pop - 2/2
Mit insgesamt 35 Minuten Videomaterial habe ich nun über 50%
der Show
festgehalten. Dann hoffe ich mal, dass es jetzt keine Beschwerden mehr
gibt. ;-)
Ich glaube, jetzt haben wir Silky's Markenzeichen sicherlich oft genug
gesehen. ;-)
Mich interessiert noch warum sich eigentlich Death Of Guitar Pop diesen
außergewöhnlichen Namen gegeben haben. Silky lacht
und
erklärt mir, dass er vor D.O.G.P. eben andere Musik gespielt
hat
und diese damit eben für tot erklärt hat.
Mit
der nächsten Show ist für heute Abend mein
persönlicher
Höhepunkt des Festivals erreicht. Keith & Tex, bzw.
nur Keith
und Rudy Mills werden sich die Bühne teilen.
Begleitet werden sie von den Steadytones, die inzwischen mit dem Intro
begonnen haben. Gitarrist Maxwell fehlt heute. Dafür ist wieder
einmal Boss van Trigt (The Upsessions) mit von der Partie. Allerdings
kann man nicht mehr so recht einordnen, ob nun der Boss die Vertretung
für Maxwell oder dem Fritz ist, oder ob er in Zukunft generell
bei
den Steadytones mitspielen wird. Die Upsessions und die Steadytones
tauschen aber sowieso schon öfter ihre Musiker gegenseitig aus
oder ergänzen sich. Dies auch bei der Judge Dread Memorial
Show,
wo es ja auch gar nicht anders geht.
Nach ausreichendem Fortschritt des Intros, wird es Zeit Farbe zu
bekennen. Keith Rowe kommt allein auf die Bühne und startet
mit
dem Song "Tonight". Heute habe ich mir vorgenommen die gesamte Show zu
filmen, was sich auch besonders praktisch bewerkstelligen
lässt, da ein schöner Fotograben vor der
Bühne installiert
worden ist.
Die Bühnenfotos von Keith und Rudy wird Amory Salzmann
freundlicher
Weise für diesen Festivalbericht zur Verfügung
stellen, da ich die
Videoaufnahmen nicht unterbrechen möchte. Vielen Dank Amory!
Live Video:
Keith Rowe & Rudy Mills - 1/3
Die Show ist in drei Abschnitte geteilt. Der erste Teil wird von Keith
Rowe allein ausgefüllt. Obwohl Keith ohne Tex auf der
Bühne
stehen muss, ist es eine fantastische Show. Das Publikum ist
völlig aus dem Häuschen und singt die Texte lautstark
mit.
Obwohl, da steht doch tatsächlich ein Punk an der Absperrung,
der
keinerlei Regung zeigt. Wie schafft er das nur bei dieser Musik?
Live Video:
Keith Rowe & Rudy Mills - 2/3
In der Mitte der Show wird Keith Rowe von Rudy Mills abgelöst
und
Keith ordnet sich in den Backgroundgesang ein. Schade, dass Rudy's Part
immer verhältnismäßig recht kurz ist. Es
gäbe da schon noch einige schöne Titel, die man auf
die Setlist schreiben könnte.
Nachdem Rudy gebührend gefeiert wurde, geht es wieder mit
Keith Rowe in die nächste Runde.
Zum Abschluss der Show gibt es natürlich noch einmal alle
zusammen
mit Rudy's Dauerbrenner "John Jones" und Keith & Tex's Superhit
"Stop That Train" zu sehen. Im Felsenkeller ist die Stimmung auf dem
Siedepunkt. Schön, dass wir nach wie vor Rocksteady so perfekt
hören und feiern können. Vielen Dank an die
Steadytones,
Keith und Rudy! Aber eine Kritik hätte ich dennoch, nicht an die
Artists aber an die Technik: Es war viel zu viel Nebel während der
gesamten Show auf der Bühne. Das macht sich "sehr gut" für
klare Aufnahmen.
Live Video:
Keith Rowe & Rudy Mills - 3/3
Ich treffe mich nach der Show noch einmal mit Keith und Rudy, um ein
wenig zu plaudern, ein paar Fotos zu schießen usw. usf.. Bei
einem gemeinsamen Jingle gibt es noch etwas Spaß, aber schaut
selbst. Schön, dass wir uns wieder einmal getroffen haben.
Live Video:
Keith Rowe & Rudy Mills - Jingle for reggastory.de
Viel Spaß auf der weiteren Rocksteady Got Soul Tour mit den
Steadytones! Nach dem gestrigen Opener in Gumperdorf und dem heutigen
Dynamite Skafestival, geht es am 14. November erst einmal für drei
Termine in wärmere Gefilde von Griechenland, bevor
die Tour in Deutschland fortgesetzt wird.
Auf
der Bühne haben sich Buster Shuffle inzwischen eingespielt.
Ich muss mich deswegen nicht grämen, da ich die Band erst vor
ein paar Monaten beim This Is Ska in Rosslau erlebt habe. In der
Kürze der Zeit gibt es auch noch keine Neuigkeiten zu
vermelden. Also deshalb nur ganz kurz eine Auffrischung zu einigen
grundlegenden Infos.
Die aus Großbritannien angereiste Band wurde im Jahr 2007 von
Leadsinger und Pianoplayer Jet Baker gegründet und hat sich
Ska und Rock´n´Roll auf die Fahne geschrieben. Als
Vorbilder oder Inspiration für ihre Musik sehen sie The
Specials, The Clash, Chuck Berry und andere.
Im Jahr 2009 brachte die Band ihr Debutalbum "Our Night Out" beim
UK-Label "Working Week Records" heraus. Ihre aktuelle Platte
heißt "Go
Steady" und stammt aus dem Jahre 2022. Mehr zu Buster Shuffle findet
ihr in einem älteren Festivalbericht,
damit wir uns nicht unnötig wiederholen.
Buster Shuffle spielen die vorletzte Show des Festivals und werden nach
Mitternacht die Bühne an die Toasters übergeben. Am
Ende ihres Sets ist immer noch jeder Quadratmeter des
Felsenkellers besetzt und zwischen den Fans sind noch keine
Lücken zu
ermitteln. Es herrscht eine außerordentlich gute Stimmung im
Publikum und Buster Shuffle werden ausgiebig gefeiert und im Chor
begleitet. Dieser Zuspruch
und Besucherandrang wäre für jeden
Veranstalter wünschenswert, der für Reggae
und Ska keine Mühen scheut, etwas auf die Beine zu stellen.
Leider ist das nicht immer und überall so.
Live Video:
Buster Shuffle
Hier noch die ersten Termine für 2025 und die
Ankündigung für ihr neues Album "Together", welches
am 21. März 2025 veröffentlicht wird.
Nun
geht es mit dem Rudeboy Soundsystem in die letzte Umbaupause,
um die Bühne für die Toasters vorzubereiten.
The Toasters haben sich 1981 in New York gegründet und bringen
damit 43 Jahre Erfahrung auf die Bühnenbretter.
Dementsprechend lang ist auch ihre Diskographie. Wenn ich mich nicht
verzählt habe, gibt es inzwischen 20 Alben (Inklusive
Live-Mitschnitte). Dazu zahlreiche
Singles und EP-s. Ihr 1987er Debutalbum "Skaboom!" gibt es inzwischen
in über 20 verschiedenen Versionen oder Auflagen. Ihre letzte
Platte ist die in 2023 veröffentlichte "Men In
Underwear - Live At Mad Butcher".
Bei den Toasters bedient heute hilfsweise Boris Maintveld von den
Upsessions die Drums. Zu sehen auch oft beim Judge Dread Memorial und
bei den Steadytones, wenn Drummer Flo eine Vertretung
benötigt. Heute muss er einmal bei einen völlig
anderen Musikstil mitwirken, denn bei den Toasters ist eher kein
Rocksteady vertreten. Da geht es schon etwas härter zu. Also
deutlich schneller in Richtung Ska-Punk und Skacore.
Nach ein paar Fotos und Videoaufnahmen ist dann für
mich
die Zeit des Aufbruchs gekommen. Da die Toasters sowieso eher
nicht in meiner persönlichen Playlist zu finden sind, muss ich
ja nicht unbedingt den finalen Song abwarten. Mit dem
Video erwische ich zwar noch eine für meinen Geschmack gute
Passage, aber das spiegelt eben nicht den überwiegenden
Charakter der Toasters und der Show wieder. Also lasst euch nicht in
die Irre führen. ;-) Über Geschmack lässt
sich ja wie immer
vortrefflich streiten und es wäre schlimm, wenn alle
Musikliebhaber dieselbe Band bejubeln würden.
Live Video:
The Toasters
Dann feiert mal schön weiter, aber ich begebe mich jetzt auf
die lange Heimfahrt, damit noch ein Stückchen Nachtruhe
übrigbleibt. Immerhin ist die erste Stunde des neuen Tages
schon so gut wie vorüber. Fast bekomme ich beim Rausgehen ein
schlechtes
Gewissen, in Anbetracht des immer noch anhaltenden Gedränges
vor der Bühne.
Wir sehen uns beim nächsten Mal zur 23. Ausgabe des
Festivals am 8. November 2025, in Leipzigs schönsten Ballsaal.
Copyright: www.reggaestory.de
Text und Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Peter Joachim / reggaestory.de & Amory Salzmann (wie
gekennzeichnet)
Mein Dank geht an Jörg Folta, Franze Vogel, an alle
weiteren
Organisatoren und natürlich ganz besonders an die
Künstler
des Dynamite Skafestival.