Anthony B, The Real Revolutionary, war im
Rahmen einer Europatournee kürzlich auch auf sechs deutschen
Bühnen zu erleben.
Das Tourposter war wieder das gleiche wie 2010. Ob das klug war? Bei
der Fülle von Bildern mit Anthony B, hätte sich doch
sicher etwas Neues gefunden. Denn wenn der oberflächliche
Betrachter auf das Poster im Internet stößt, ist
mangels Jahreszahl die Aktualität kaum zu erkennen.
Oft
wurde schon an dieser Stelle über ihn berichtet, was ein
Aufwärmen der zurückliegenden Fakten aus Anthony
B´s Laufbahn eigentlich überflüssig macht.
Nutzt
daher die Zusammenstellung der Links am Ende dieser
Seite für weitere Informationen. Jeder
frühere Bericht ist so am schnellsten aufzufinden.
Was gibt es Neues seit dem letzten ausführlichen Bericht aus
2010? Natürlich sind seine Discography und analog sein
Hitkatalog wieder ein Stück länger geworden. Das kann
man nicht bei jedem Artist sagen. Denn die Zahl der Alben muss nicht
unbedingt zur Vermehrung der Hits führen. Seine letzten beiden
Studioalben „Rasta Love“ und „Freedom
Fighter“ sind schon zum festen Bestandteil seiner Shows
geworden. Dies aber nicht nur um sie vorzustellen, sondern weil
wirklich beständige Hits dabei sind.
Bild 1: Anthony B – Rasta
Love (08/2011) Bild 2: Anthony B – Freedom
Fighter (05/2012)
Man kann Anthony B jedes Jahr besuchen und wird immer wieder ein
anderes Programm mit neuen Hits hören. Es ist schon
längst unmöglich geworden ein privates
„Best“ Album zusammenzustellen, ohne schmerzliche
Aussortierungen vorzunehmen. Genauso ist es mit seinen Shows. Man wird
immer etwas vermissen und hat nur wenige Möglichkeiten einen
Austauschkandidaten in der Setlist zu benennen.
Gehen wir jetzt einfach ins YAAM und lassen die diesjährige
Show Revue passieren.
Analog zur Wiederholung des Tourposters aus 2010 hat man auch dieses
Jahr das Konzert vom Berliner C-Club ins YAAM verlegt. Angereist ist
Anthony B mit der Born Fire Band. Dies sind Edwin an den Drums, Toho
Saunders am Bass, Byron an der Gitarre, Richard Blackwood am Keyboard
und Sound Ingenieur Jay Garcia im Hintergrund. Für das
Tourmanagement ist Revelation Concerts zuständig, und der
Veranstalter im YAAM ist heute Trinity Music.
Irgendwann zwischen 21:30 Uhr und 22:00 Uhr werden
schließlich die ersten Takte auf der Bühne
angeschlagen. Als Intro für die Show dient heute Bob Marleys
„Redemption Song“. Hinter der Bühne
ertönt der Gesang, den ich aber nicht unbedingt Anthony B
zuordnen kann. Nur wenig Vertrautes liegt in dieser Stimme. Aber der
Jubel der Massive bricht schon los und kurz danach ist Anthony B auf
der Bühne.
Der obligatorische Turban, Shirt und Hose sind in
braun gehalten. Darüber trägt er ein farbenfreudiges
weites Hemd, mit den Hauptfarben blau, gelb und orange, die von einem
braunen kleinformatigen Gittermuster überdeckt sind. Einen
Stock gibt es heute wieder nicht im YAAM. Diesen setzt er offenbar nur
auf den größeren Bühnen ein.
Mit „Good Cop Bad Cop“ (Street Knowledge) und
„World A Reggae Music“ (Black Star) steigt Anthony
B sofort in die Vollen und geht fast im Jubel der Massive unter. Er
macht einen leicht angegriffenen Eindruck, die Augen sind oft
zugekniffen und seine Stimme bleibt
manchmal fast weg. Das ist schon ein wenig erschütternd, wenn
man die üblichen Facetten seines Gesangs kennt. Anthony B tut
mir furchtbar leid, und ich bekomme schon Halsschmerzen nur vom
Hinschauen.
Der ständige Gang zur Wasserflasche ist für Anthony B
unabdingbar.
Danach folgen Hits wie „Good Life“
(That´s Life) und „Life Over Death“
(Life Over Death). Ich kann mir fast nicht vorstellen, wie Anthony B
mit seiner angeschlagenen Stimme die gesamte Show durchstehen will. Ich
befürchte schon das Schlimmste - einen Abbruch des Konzerts.
Live
Video:
Anthony B - Life Over Death
Mit seiner wunderschönen Liebeshymne „My Yes
& My No“ (Rasta Love) gibt´s den ersten
Knaller von seinem vorletzten Album, sowie ein klein wenig Erholung und
Hoffnung für
die Stimme.
Live
Video:
Anthony B - My Yes & My No
Dann geht es weiter mit Anthonys Hitkatalog und Stücken wie
„Waterpumpee / Waan Back“ (Universal Struggle) und
„Whip Dem Jah Jah“ (Life Over Death).
Live
Video:
Anthony B - Waterpumpee / Waan Back
Live
Video:
Anthony B - Whip Dem Jah Jah
Anthony B
wird erstaunlicher Weise immer besser und die Probleme mit der Stimme
lassen wieder etwas nach. Eigentlich irgendwie unlogisch. Wie macht er
das nur? Hinzu kommen seine energiegeladenen Bewegungsabläufe
auf der Bühne die seinesgleichen suchen. Und er rennt und
rennt weiter mit „Freedom Fighter“ vom aktuellen
gleichnamigen Album. Das Stück singt er auch schon gemeinsam
mit U Roy als „Run For Cover“ auf dessen 2003-er
Album „Rebel In Styylle“. Immer wieder genial.
Live
Video:
Anthony B - Freedom Fighter
Weitestgehend gute Bühnenbeleuchtung heute übrigens.
So
müsste es immer sein. Das bringt einen erheblichen
Qualitätsschub für die Show. Anfangs war es zwar
wieder recht finster, aber schon nach den ersten drei Stücken
ist
der Beleuchter erwacht.
Edwin an den Drums und
Toho am Bass sind neben der Musik auch noch die
Unterhaltungskünstler der Band
und verbreiten gute Laune pur. Stimmungsvolle Drummer zu erleben ist ja
nicht so selten, aber solch einen bewegungsaktiven Bassisten wie Toho
schon. Meistens sind diese doch eher sparsam mit ihren Bewegungen.
„Iley, Iley, Iley, Iley Selassie I“ (Rise Up) und
„Police“ (Street Knowledge) folgen. Anthony B
braucht gar nicht mehr selber singen. Zumindest das Wort
„Police“ nimmt ihm komplett und lautstark die
Massive ab.
Live
Video:
Anthony B: Iley, Iley, Iley, Iley Selassie I
Live
Video:
Anthony B - Police
Dann gibt es die erste kurze Pause und Joseph Blue Grant erscheint als
Moderator auf der Bühne.
Keine Frage, dass hier noch nicht das Ende sein kann, zumal sich
Anthony von seinen Stimmproblemen bisher nicht unterkriegen lassen hat.
„Yaggedi, yaggedi, yaggedi, yagga yagga yo
…“, weiter geht es mit „Raid The
Barn“ (So Many Things) und dann folgt mit „Crazy
Life“ (Rasta Love) eine der schönsten Hymnen von
Anthony B. Wer da keine Gänsehaut bekommt ist im falschen
Konzert. Einfach nur klasse!
Live
Video:
Anthony B - Raid The Barn
Live
Video:
Anthony B - Crazy Life
Mit „Imagine“ gibt es auch einen Ausflug in John
Lennons Schaffen. Ein Stück von seinem gleichnamigen 1971-er
Album, welches weltweit zur Hymne der Friedensbewegung wurde.
„Higher Meditation“ (Higher Meditation) und
„Everybody Needs Somebody To Love“ (Rasta Love)
leiten die Schlussphase ein.
Live Video: Anthony
B - Everybody Needs Somebody To Love
Edwin zerlegt bei seinen energiegeladenen
Aktionen das Schlagzeug, und das Crashbecken fliegt ihm mehrfach um die
Ohren. Er ist voll auf Touren und hat sein Shirt schon seit langem
ablegen
müssen. Mir fliegt einer seiner Sticks entgegen. Dachte schon
fast der wäre als Souvenir gedacht, aber als Edwin in meine
Richtung zeigt und Toho das Teil vor der Absperrung sucht, kann und
muss ich ihm aus der Klemme helfen.
Mit „Time To Have Fun“ (Rasta Love) geht es in den
rockigen Abschluss der Show. Anthony stellt dabei die Band vor und
jeder steuert ein kleines Solo bei.
Live
Video:
Anthony B - Time To Have Fun
„Love yourself“
appelliert Anthony B zum Schluss an die Massive. Ein Motto, welches
Anthony B immer an irgendeinen Titel anhängt. Denn nur wer
dies tut, ist auch in der Lage andere zu lieben, so seine Devise.
Joseph spricht die Schlussworte, liest die Teile zusammen und posiert
mit dem Crashbecken zum Abschied.
Hier noch ein paar Backstage-Impressionen nach der Show.
Copyright: Text und Fotos by Reggaestory
Mein besonderer Dank geht an Lena und das YAAM Team, Trinity Music,
Revelation Concerts und natürlich an die Artists des Abends.