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JAMAICA EINMAL ANDERS

Teil 9
26.07.2008 – Viel Regen – St. Margaret´s Bay – Port Antonio


Hermans House Früh morgens wecken uns wieder die Hunde und bald darauf fährt ein Auto in den Yard. Ein Blick in Madlens leeres Bett verrät uns wer jetzt kommt. Die Nachtschwärmer fliegen wieder ein. Der Himmel sieht heute überhaupt nicht ausflugsfreundlich aus. Immer wieder regnet es. Das bringt etwas Abkühlung in unser hitzegequältes Zimmer.
Ein Glück für Madlen, die so ein wenig angenehmer ein Stück Nachtruhe nachholen kann. Auch für uns steht deshalb weitestgehend Abhängen und immer wieder Einnicken auf dem Programm. Zwischendurch können wir in einer trockenen Phase wenigstens eine Strandwanderung unternehmen und suchen im Treibgut nach Carcoon-Herzen und anderen Souvenirs. Leider sind die meisten Herzen weitestgehend vom Salzwasser angegriffen und sehen recht blass und rau aus. Hoffen wir, dass Peter Recht behält und wir bei den Somerset Falls noch paar ordentliche Samen dieser Pflanze finden werden. Keinen Schritt können wir hier tun, ohne dass uns Rexi überallhin verfolgt und ständig von allen Seiten anschlabbert. Rexi ist ein junger verspielter Hund des Spring Garden, der überwiegend Freilauf hat. Nur wenn er es zu arg treibt und nicht hören will, kommt Bevena mit der unvermeidlichen Kette und postiert ihn unweit seiner Mutter an einem Baum.

Ich beschließe trotz des schlechten Wetters dann doch auf Exkursion zu gehen. Das ist vielleicht die Gelegenheit noch einmal in die Berge zu gehen und nach den John Crow Beads zu suchen. Ohne den gestrigen Getränkepackungen und anderen Dingen, läuft es sich natürlich bedeutend leichter in die Berge. Trotzdem ist es kein Erholungsgang, obwohl heute auch noch bedeutend niedrigere Temperaturen herrschen. Die richtigen Bäume sind bald gefunden. Ohne die verräterischen roten Perlen im Gras, würde man die ganz sicher nicht erkennen. Immerhin ist es nur eine Kletterpflanze und kein Baum (Für den Botaniker: Abrus Precatorius oder Paternostererbse). Wie diese größere Art nun genau heißt, kann ich leider nicht herausfinden.

Emsige Sammelhelfer präsentieren einen Samenstand der John Crow Beads John Crow Beads John Crow Beads Unzählige Farnsorten wohin man blickt Blick aus den Bergen zur Rio Grande Mündung

Bild 1: Emsige Sammelhelfer präsentieren einen Samenstand der John Crow Beads
Bild 2: John Crow Beads
Bild 3: Viele Farnkrautarten wohin man blickt
Bild 4: Blick aus den Bergen zur Rio Grande Mündung

Es dauert nicht lange und mich begleiten ein paar Kinder, die sich mit Begeisterung ins Gestrüpp schlagen und in die Bäume hangeln. So habe ich bald eine stattliche Ausbeute zusammen und meine Hosenbeintaschen werden langsam schwerer. Durchgeweicht bin ich inzwischen auch überall und mache mich langsam wieder auf den Rückweg.

Wieder an der Küste angekommen suche ich mir ein schönes Plätzchen unter den Palmen und schaue den Fischern zu, die sich gerade damit abmühen ein Boot den Strand hinauf zur Baumgrenze zu ziehen, um dann den Fang dort auszuladen. Danach ziehen sie das Boot wieder eilig zurück zum Wasser und fahren wieder los. Wäre es nicht einfacher gewesen nur die Fische an Land zu tragen? Während ich noch über das eben Gesehene nachsinne, mach ich mich wieder auf den Weg und wandere an der Küste entlang zurück zum Spring Garden. 

Blick nach Westen in Richtung Spring Garden

Vogel am Strand Die Bar am Meer

Bild 1: Blick nach Westen in Richtung Spring Garden
Bild 2: Vogel am Strand
Bild 3: Die Bar am Meer für Jamaica-Feeling. Immer die richtige Musik – Tag und Nacht

Kurz vor dem Guest House dann auf einmal wieder Schildkrötenspuren im Sand. Heute allerdings auf der anderen Seite des Grundstücks. Na so etwas, bei der morgendlichen Stranderkundung hatten wir die noch nicht bemerkt. Nach Überbringung dieser Neuigkeit beseitigen wir gemeinsam gewissenhaft diese neuen Spuren. Das Gelege zeigt wiederum keine anderen Fußspuren und hat somit eine reelle Chance.

Blick in Ostrichtung nach St. Margaret´s Bay

Schildkrötenspuren Blick in Ostrichtung nach St. Margaret´s Bay

Bild 1 + 3: Blick in Ostrichtung nach St. Margaret´s Bay
Bild 2: Schildkrötenspuren

Was tun mit dem Rest des Tages? Ideen und Begeisterung halten sich bei Madlen und Marion in Grenzen. Also ziehe ich am späten Nachmittag noch einmal allein los und begebe mich in Richtung Port Antonio.

Ken Jones Airport bei St. Margaret´s Bay

Ken Jones Airport bei St. Margaret´s Bay mit beschlagnahmten Drogenflieger (rechts)

Die sonst so zahlreichen Sammeltaxis lassen dieses Mal recht lange auf sich warten und mein Fußmarsch zieht sich gewaltig in die Länge. Offenbar hat das unbeständige Wetter auch den Tatendrang der Taxifahrer ausgebremst. Ich überlege schon, ob ich nicht lieber stehen bleiben sollte, falls ich wieder umkehren muss. Dann kommt aber doch noch ein reichlich überfüllter Minibus in Schieflage, wo ich mich noch auf einen „freien Platz“, einer ramponierten Sitzlehne in Türnähe, quetschen kann. Der Vorteil, ich kann bei jedem Halt mal aussteigen und meinen Hintern wieder ausbeulen, den herausragende Metallteile der Lehne bei jedem Schlagloch stark strapazieren. 90 Jays kostet mich diese Massage bis Port Antonio. Paar Abschürfungen am Arm und Rücken gab es noch als Bonus dazu. Da die Taxis heute ungewohnt dünn gesät sind, konnte ich diese Mitfahrgelegenheit aber nicht vorbeiwinken. Inzwischen ist es schon recht spät und ein wenig duster geworden. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr bei Tageslicht noch ein paar Impressionen zu sammeln.

Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio

Bild 1 - 6: Port Antonio

Zum Glück bin ich allein und kann mich so bedeutend schneller nach eigenem Gutdünken bewegen und Entscheidungen treffen.
Ich durchlaufe viele Gassen der Stadt, besuche Hinterhöfe und Dachterrassen und kann so das geschäftige Treiben der Bewohner ausgiebig auf mich einwirken lassen.

Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio

Port Antonio

Schlechte Erfahrungen mache ich nicht im Geringsten, außer dass mir ein paar gelbe Ameisen auf einer Dachterrasse erheblich zusetzen.

Port Antonio Port Antonio Port Antonio Port Antonio

Bild 1 - 4: Blick von einer Dachterrase
Bild 4: Ehemaliges Court House

Niemand bedrängt oder verjagt mich, als mich dann doch noch jemand plötzlich anrempelt. Das war aber zum Glück positive Absicht – es ist Crawfi D, Peters Cousin. Er lacht und berichtet mir gleich, dass meine CD-s fertig sind. Er wird sie dann noch für mich holen gehen. Dann läuft mir auch noch Peter in die Arme. Sind denn Alle heute hier in Port Antonio? Er ist seinem Cousin offenbar zuvorgekommen und drückt mir die gebastelten CD-s in die Hand. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass es sich gelohnt hat und alles drauf ist was ich wollte. Das Anhören muss leider noch eine Weile auf sich warten. „Bis morgen dann, bei den Somerset Falls!“, verabschieden wir uns. „Verlange nach mir als Führer! Da werden die staunen, wenn ihr nach mir fragt.“, gibt er mir noch mit auf den Weg.

Für mich wird es nun langsam Zeit an die Rückfahrt zu denken und ein Sammeltaxi zu suchen. Das gestaltet sich erfreulicher Weise einfacher als auf dem Herweg. Am zentralen Stellplatz ist schnell ein geeignetes Gefährt mit ordentlichem Sitzplatz gefunden und für 80 Jays geht es wieder zurück in Richtung St. Margaret´s Bay, als das Taxi gefüllt ist. Als wir dort eintreffen ist es bereits finsterste Nacht. Mit dem Entschwinden der Rücklichter und der Motorengeräusche des Minibusses fällt wieder die jamaikanische Nachtmusik der Baumfrösche über mich her, und ich gehe in der Finsternis den Weg zum einsamen Spring Garden.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory


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