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JAMAICA EINMAL ANDERS

Teil 6.1
23.07.2008 – Kingston  

Hermans House

Am Morgen sehe ich mich erst einmal im Gelände um, wo wir unser Frühstück her bekommen könnten. Das sieht gut aus, gleich ein paar Meter um die Ecke, gibt´s unter dem Hotelschild einen kleinen Imbiss. Für ein schnelles Frühstück ohne Ansprüche völlig ausreichend.

Ein paar Meter weiter, in der Nummer 7, befindet sich noch ein größeres Restaurant, das Chelsea Jerk. Das merken wir uns für den Abend vor, wenn sich nichts Anderes ergibt.

Chelsea Hotel - Kingston Chelsea Hotel - Kingston Chelsea Hotel - Kingston

Chelsea Hotel

Ich gebe Peter Bescheid, der noch ganz verschlafen zur Tür hinaus schaut. „Alles klar, da treffen wir uns gleich dort.“, stimmt er meinem Vorschlag zu.
Etwas später sitzen wir dann beim traditionellen Frühstück. Von zwei Wahlessen ist leider nur noch eines da, welches uns auch noch die Tränen in die Augen treibt. Mann ist das scharf, eigentlich kaum genießbar. Ich versuche ein paar „weniger scharfe“ Bestandteile der Speise herauszufinden und gebe dann doch irgendwann auf. Aber egal, man hat ja genügend Reserven auf den Rippen. Wir lassen das Meiste davon stehen. Vom Tresen her grüßt Anthony B mit „Life over Death“, von einem Werbeplakat für sein neues Album. Wie passend.
Tony hat sich inzwischen auch wieder ein wenig eingekriegt und signalisiert, nun doch mit uns fahren zu wollen. Den Tag in Kingston ohne Bezahlung rumzuhängen, oder gar nach Hause zu fahren, will er dann doch lieber nicht. Aber wie gesagt, mitten am Tag aussteigen zählt auch nicht – ganz oder gar nicht. Tony hat sich entschieden und ist wieder dabei. Hoffen wir das Beste.
Als wir am Bob Marley Museum eintreffen sind wir angenehm überrascht. Seit unserem letzten Besuch hier, hat sich vieles verändert. Vieles sieht besser und anders aus. Wir können sogar mit unserem Auto durch die Schranke auf den Hof fahren. Die Grundstücksmauer ist mit vielen Bildern von Bob Marley, seiner Familie und den Wailers ausgefüllt. Auch im Außenbereich hat die Mauer ein neues Outfit bekommen. Das Eingangsportal wurde ebenfall mit einem anderen Bogen versehen. Im Hof steht nun auch eines seiner ersten Autos unter einem Dach. Die ehemals vor dem Haus stehende bunt bemalte Bob Marley Statue, mit den zwei davor sitzenden Löwen, ist auch verschwunden. Bei vielen Besuchern hatte diese Figur sowieso nicht den Geschmack getroffen und ein wenig an die deutsche Gartenzwergkultur erinnert. Nun steht hier eine künstlerisch wirklich gut umgesetzte Bronzefigur von Bob Marley, die ihm und diesem geschichtsträchtigen Ort viel eher gerecht wird. 

Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marleys Land Rover Truck von 1976.Bob Marley Museum Kingston.

Das Bob Marley Museum ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Kingston und im ehemaligen Wohnhaus von Bob Marley untergebracht. Erworben hatte er das Grundstück 1975 von Chris Blackwell, dem Besitzer des Labels Island Records und langjährigen Marleyförderer.
Wir sehen uns erst einmal im Außenbereich um. Hier kann man jetzt ungehindert Aufnahmen machen, was bei unserem letzten Besuch nur auf das Denkmal beschränkt war. Regelrecht überwacht wurde man da, damit die Linse ja nicht wo anders hinzeigt. Danach musste sämtliche Fototechnik bei der bewaffneten Wache im Kassenhäuschen abgegeben werden. Heute ist alles viel entspannter. Wir kaufen schon einmal unsere Karten und warten dann auf die nächste Führung. Der Eintritt kostet hier 20 USD, für Kinder die Hälfte, aber nur bis zu einem Alter von 12 Jahren. Für Einheimische kostet es nur 500 bzw. 250 Jays. Aktuelle Infos gibt´s unter http://www.bobmarley-foundation.com/museum.html . Wir sind nahezu die ersten Gäste und haben so viel Ruhe im Gelände. Peter und Tony haben inzwischen auch schon Bragga aufgespürt, der mit hier auf dem Grundstück wohnt. Wir sollen erst einmal unsere Führung machen und dann zu ihm kommen.

Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston Bob Marley Museum Kingston

Bald darauf werden wir auch schon zur Führung gerufen. Die Kameras müssen dieses Mal nicht abgegeben werden, aber innen ist trotzdem Fotografierverbot. Wir hören viele Storys zu Bob Marley und seiner Zeit in diesem Haus. Einige Zimmer sind mit unzähligen Pressemeldungen über Bob Marley tapeziert. Die alle zu lesen, da wäre man schon ein paar Stunden beschäftigt. Mit etwas Unverständnis müssen wir auch einige ramponierte Stellen sehen, an denen sich Souvenirjäger vergriffen haben. Wissen die überhaupt was sie anrichten? Ob die beschädigten Stellen je wieder saniert werden können ist ungewiss, da diese Presseartikel kaum alle wieder zu beschaffen sind. Im Haus befindet sich neuerdings auch ein großes Kunstwerk aus farbigem Glas, welches das Cover des „Confrontation“ Albums zeigt. Das Kunstwerk ist das Geschenk eines Fans, dessen einzige Bedingung war, dass dieses Bild hier gezeigt werden soll. Weiterhin sind natürlich sämtliche goldene und Platin-Alben an den Wänden zu sehen. Alles allerdings keine Originale. „Die sind alle bei Rita im Safe.“, meint der Führer auf unsere Frage dahingehend. In der oberen Küche steht neben vielen anderen Dingen auch ein kleines Holzfass, in dem für Bob Marley immer jamaikanisches Wasser, zu den Konzerten in alle Welt, mitgeführt worden ist. Im Erdgeschoss wird uns auch eines der Einschusslöcher vom Attentat von Dezember 1976 gezeigt. Die anderen Einschusslöcher sind inzwischen von diversem Bildmaterial verdeckt. Glücklicher Weise schlug die Ermordung von Bob Marley fehl, und er wurde nur angeschossen. Sein Auftritt bei dem von der PNP (Partei) organisierten Konzert konnte damit aber nicht verhindert werden. Wenige Tage danach spielte er vor 50.000 Menschen beim Smile Jamaica Concert, ging dann aber Anfang 1977 erst einmal ins Exil.
In den Nebengebäuden ist ein Kinosaal untergebracht, wo die Besucher diverses Filmmaterial über Bob Marley gezeigt bekommen. Einige Ausstellungsräume mit vielen großformatigen Fotos sind ebenfalls noch zu besichtigen. Es sind sogar ein paar Bilder dabei, die wir bisher noch nicht kannten.
Ein Shop mit allen möglichen Souvenirs darf natürlich auch nicht fehlen. Allerdings wie schon in Nine Mile, sind die Preise höher als anderswo. Im Anschluss setzen wir uns ein wenig mit Bragga in den Schatten und zeigen ihm ein Buch von Hélène Lee, in dem er selbst mit vorkommt. Bragga ist verblüfft, bisher hat er noch nichts davon gehört. Wir geben ihm die Daten, wie er an das Buch kommen kann. „Spazierfahrt mit Bragga“ heißt das Kapitel im Buch „Trench Town sehen und sterben“, das nun mit Braggas Autogramm verziert ist. Bis heute also das erste Buch mit Braggas Unterschrift.

Buch von Hélène Lee - „Trench Town sehen und sterben“

Wir beraten noch einmal den weiteren Tagesablauf. Alles kein Problem für Bragga, außer die Fahrt nach August Town in den Judgement Yard. „In August Town herrscht Krieg zwischen den verschiedenen Banden. Dort kann zurzeit niemand hinfahren, viel zu gefährlich. Selbst Sizzla hat seinen Yard dort verlassen.“, sagt Bragga mit leiser Stimme. „Aber ich kann euch zu ihm führen. Er hält sich gegenwärtig mit seinen Leuten hier in seinem New Kingstoner Yard auf.“ Tony ist inzwischen offenbar auch wieder ganz zufrieden und beruhigt, da er sich mit Bragga während unserer Besichtigung in aller Ruhe ausreichend austauschen konnte. Bragga hat Kingston erlebt, seit den frühen Bob Marley Jahren bis heute. Bragga ist hier bekannt, in Kingston geboren und wird auch auf Grund seines Alters und seiner Verbindung zur Marley Familie überall respektiert. Inzwischen ist er 71 Jahre alt. Bragga weiß alles und ist ein wandelndes Geschichtsbuch was Kingston, Bob Marley und die Szene betrifft. Eigentlich ist er die perfekte Begleitung für unsere Interessen. Wir wollen wissen, was er für den gemeinsamen Ausflug haben möchte. „Jetzt nicht, darüber können wir reden wenn wir fertig sind.“ Also machen wir uns erst einmal auf den Weg. Im Auto ist die Verständigung etwas schwierig. Bragga spricht leider etwas leise und viele der Informationen werden vom Verkehrslärm verschluckt. Wir fahren nicht lange und halten wieder an. „Dort drüben ist Sizzlas Yard. Bleibt erst einmal im Auto. Ich werde hingehen und für euch fragen, ob er euch empfangen will.“, sagt Bragga und steigt aus. Bragga redet mit einigen Typen an einem hohen Gittertor der Grundstückseinfahrt. Es dauert nicht lange und Bragga blickt zum Auto herüber. Einer der Turbanträger winkt uns zu sich. Dass es so schnell geht, damit hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Hastig schnappen wir unsere Sachen, gehen über die Straße und treten an das noch verschlossene Eisentor heran. Bragga zieht sich wieder zurück. „Was wollt ihr von Sizzla?“, werden wir von den düster dreinblickenden Bobos gefragt. „Wir sind Fans aus Deutschland und haben Sizzla schon ein paar Mal in Deutschland gesehen. Ich habe einige Bilder von ihm gemacht, die ich gerne von ihm signieren lassen würde. Eine Story zu seinem Berliner Gig, vom vorigen Jahr, habe ich auch geschrieben. Die gesamten Bilder habe ich auch auf CD und würde sie ihm gerne geben wollen.“, sage ich etwas aufgeregt. „Gib her!“, sagt mein Gegenüber unbeeindruckt. Ich gebe ihm ein Foto, auf dem wir gemeinsam mit Sizzla zu sehen sind. Das tut jetzt doch ein wenig Wirkung. 

Sizzla, Marion und Peter am 13.06.2007 im Berliner Kesselhaus

Wortlos verschwindet er mit dem Foto im Yard. Etwas später kehrt er zurück. Das schwere Eisentor öffnet sich und wir dürfen eintreten. Begleitet von ein paar Bobos und einem im Hintergrund wummernden, sich sehr bedrohlich anzuhörenden Gangster Riddim, geht es die Einfahrt hinauf. Ein großer preisintensiver PKW mit dem Nummernschild „Etiopia“ steht in der Auffahrt und versperrt die Sicht nach hinten. Dahinter steht ein Tisch auf dem unser Foto liegt. Dazu ein großer Stuhl der auf uns wie ein zur Audienz bereit gestellter Thron wirkt. Mehrere Bobos stehen noch im Hof und mustern uns nicht gerade aufgeschlossen. Aber es gibt auch einige Rastas ohne Turban und paar wenige Leute ohne Locks. Sizzla können wir im ersten Moment nicht entdecken und bemerken gar nicht, dass er kurz neben uns am Tisch steht, mit seinem Handy telefoniert und auch nicht gerade freundlich aussieht. Sizzla steht da in beeindruckender Pose, wie wir ihn noch nie zu Gesicht bekommen haben. Er hat keinen Turban auf und auch kein Shirt an. Die Dreadlocks sind teilweise auf dem Kopf zu einem Knoten zusammengebunden. Ein Teil der Locks kringelt sich nach unten über die nackten Schultern und lenkt den Blick auf umfangreichen Goldschmuck, der sich prächtig auf der dunklen Haut seiner Brust abhebt. Ein Anblick, den wir nicht so schnell wieder aus dem Kopf bekommen werden. Davon ein paar Bilder machen zu können - wäre der Hammer. Sizzla nimmt Platz auf seinem „Thron“ und schaut uns fragend an. Wir stellen uns vor und geben ihm die Foto-CD mit Bildern von verschiedenen Events in Deutschland und noch ein Video von Turbulence, Lutan Fyah und Chezidek, mit der Frage, ob er diese DVD weiter geben kann. „Ja klar, aber wem soll ich sie nun geben.“, fragt er berechtigt. „Gib sie Lutan Fyah oder Turbulence. Ist mir egal.“ Ich suche in meinem Fotoalbum nach den weiteren Bildern, die wir gerne signiert haben möchten. „Sonst hast du mir nichts mitgebracht aus Deutschland!?“, fragt er grimmig, und ich glaube ein verstecktes Lächeln in seinen Zügen zu bemerken. Einige Bobos stehen unberührt dabei, andere müssen sich ein Grinsen verkneifen. „Nein, tut mir leid, mehr habe ich nicht.“, sage ich ein wenig verunsichert. Sizzla wendet sich dem Fotoalbum zu und sieht sich die diversen Schnappschüsse an. Dann taut er auf und alle Kumpels mit ihm. Offenbar hat sich keiner getraut, vor Sizzla, an der Atmosphäre etwas zu ändern. Sizzla ist belustigt über meine Bilder von Fantan Mojah vom Summerjam 2007, wo Sizzla ebenfalls war. Fantan Mojah mit freiem Oberkörper in Babylon auf der Bühne – das ist das Foto des Albums. Sizzla meint dazu: „Niemals würde ich das in Deutschland oder Europa tun. Ihr seht ja, all die Dinge die man in Europa tut, kommen irgendwann nach Jamaica zurück.“ Sizzla signiert seine Bilder in unserem Album und schreibt mir seine Adresse und Telefonnummer mit auf. Auch die Namen diverser Begleitpersonen die ich auf Sizzlas Konzerten mit fotografiert habe, schreibt er mir auf. So schließen sich wieder ein paar Lücken in den Bilderläuterungen. Ein paar schöne Bilder von Fatis Burrell habe ich auch dabei, welche ich aus dem Album ziehe und ihm zur Weitergabe an Fatis übergebe. Bilder mit Fatis sind ja eher die Seltenheit, da er sich normaler Weise nicht direkt fotografieren lässt und auch seine persönliche Präsentation in der Öffentlichkeit zu vermeiden sucht. Schon einmal habe ich ihn damit im Juni 2007 in Berlin überrascht. „Fatis hat heute Geburtstag, gemeinsam mit Haile Selassie.“, bemerkt Sizzla dazu. „Das passt ja, da haben wir ja gleich das richtige Geschenk.“, freue ich mich. Da sich Sizzlas Stimmung zusehends immer weiter gelockert hat, wage ich es nun ihn nach der Genehmigung für ein paar Fotos zu fragen. Lieder vergeblich. Sizzla zeigt an sich herunter und auf seinen Kopf: „Nein, das geht nicht. Nicht in diesem Outfit. Nicht ohne Turban und ohne Shirt. Aber du kannst die Anderen fotografieren.“ Er zeigt auf bestimmte Leute seiner Truppe und erzählt wer sich hier im Yard alles so aufhält. „Ihr seid eingeladen, könnt was rauchen und chillen, so lange ihr wollt.“ bietet er uns weiter an. Wir sind eigentlich Nichtraucher, aber trotzdem mächtig geehrt von diesem Angebot. Ab hier ist dann auch der letzte Knoten geplatzt. Alle Anwesenden sehen uns nun mit völlig anderen Augen. Wir können uns frei im Gelände bewegen und ein paar Bilder machen. Trotzdem frage ich noch jede Fotorichtung ab, um nicht doch noch anzuecken. Wo niemand ist, drücke ich lieber gar nicht erst drauf. Selbst die harmlosesten Hofbereiche mit Karnickelställen und Anderem, traue ich mich nicht so recht zu fotografieren, auch sein Auto nicht mit dem einzigartigen Nummernschild. Auffallend ist, dass keine einzige Frau hier im Yard zu sehen ist. Sizzla fragt, ob wir denn schon einmal die Krönung von Selassie gesehen hätten und baut dann gleich darauf, zur Feier des Tages, einen riesigen modernen Monitor auf dem Tisch auf. Nicht lange danach erscheint Selassie auf der Bildfläche, allerdings nicht bei der Krönung, sondern bei seinem Besuch hier in Jamaica. Aber egal, so umfangreich wie in diesem Film, haben wir die Szenen noch nicht gesehen. Ein Rasta fragt nach dem Alter von Madlen und ist neben all den anderen mächtig überrascht, dass sie schon volljährig ist. „Und wir haben dich auf 11 geschätzt und extra auf den Gebrauch von Schimpfwörtern untereinander verzichtet, weil ein junges Mädchen hier ist!“, meint er überrascht und lacht. Für Sizzla selbst ist das aber bis jetzt kein Hindernis gewesen, da kommen ganz schnell mal paar Angebote an die Kumpels zum „Polieren der Fresse“, wenn der Erfüllung seiner Wünsche nicht schnell genug nachgegangen wird. Er ist hier eben der absolute King. Dann stellt mir Sizzla Patrick Chin vor. „Er ist ein guter Mann und der Besitzer vom King Tafari Soundsystem. Er wird für dich seinen Sound mit den riesigen Boxentürmen aufbauen. Das kannst du dann fotografieren und ihn in Europa bekannt machen.“, legt Sizzla fest. So viel Mühen soll sich aber Patrick nicht machen. Ganz so lange wollen wir uns ja auch nicht hier aufhalten, da wir noch einiges im Programm haben und halten ihn von dieser Aktion zurück. „Mache ein paar Bilder dort hinten vor der rot-gelb-grünen Mauer!“, gibt Sizzla immer wieder vor. Dann stellt er uns noch Rock vor. Er ist der Führer einer Motorrad-Gang, der Judgement Warriors und der Crazy Bikers. Wir sind mächtig beeindruckt. Er zeigt uns ein paar verblichene Bilder an einer Holzwand von einer Motorradparade, wo noch andere Bilder und Zeitungsausschnitte von Sizzla angenagelt sind. 

Patrick Chin + Rock in Sizzlas Yard

Patrick Chin + Rock in Sizzlas Yard In Sizzlas Yard Rock auf seinem Motorrad in Sizzlas Yard Singer Yaggro Narrie und .... in Sizzlas Yard

Bild 1 +2: Patrick Chin + Rock
Bild 4: Rock

Bild 5: Singer Yaggro Narrie und …

Man sieht Rock seinen Führungsstatus gar nicht an, er ist die Freundlichkeit in Person und bietet sich in allen möglichen Posen zum fotografieren an. Sizzla hat inzwischen einen Stapel CD-s seiner neuesten Aufnahmen auf den Tisch gepackt, die noch ohne Cover und nur in der Papierhülle sind. Sicherlich sind die nur für Promotionzwecke gedacht. Ob das Material letztendlich so komplett als Album veröffentlicht wird, ist ungewiss. Es sind zwei verschiedene Alben mit dem neusten Material aus 2008. „Die sind für dich!“, meint Peter. Sizzla ist schon wieder wo anders und kann es nicht bestätigen und so nehme ich mir lieber von jedem Album nur ein Exemplar. Einmal die „New Tracks (Summer 2K8)“ und die „Hip Hop Meets Reggae“. Hip Hop ist zwar überhaupt nicht unsere Richtung, aber probieren kann man es ja einmal, wenn es schon nichts kostet.

„New Tracks (Summer 2K8)“ „Hip Hop Meets Reggae“

Zum Schluss schreibe ich noch Sizzla auf, wie er meine Storys im Internet finden kann. Leider hat er niemand in seinem Bekanntenkreis der ihm die Sachen übersetzen könnte. Schade.
Wir bedanken uns noch einmal für seine großzügige Gastfreundschaft und machen uns zufrieden auf den Weg. Einziger Wermutstropfen: Kein neues Bild von Sizzla.
Bragga und Tony sitzen entspannt neben dem Auto im Schatten eines Baumes und warten auf unsere Rückkehr. Wir steigen wieder ein und fahren nach Braggas Vorgaben durch verschiedene Ecken von Kingston. Nicht weit von Sizzlas Haus ist das Anwesen von Ken Booth. Fast ein kleines Schloss im perfekten blauen Anstrich, von dessen Dachterrasse der Lion of Judah grüßt. Ein Stück weiter Gregory Isaacs ehemaliges Haus aus den Zeiten von „The Rockers“.

Haus von Ken Booth Haus von Ken Booth

Haus von Ken Booth

All die Namen von Örtlichkeiten und Straßen, die wir bisher nur aus Büchern kannten, rauschen an uns vorbei. Alle paar Meter gibt es neue Erklärungen von Bragga. Das wenigste davon bleibt bei uns hängen. Es ist einfach viel zu viel. Während wir noch über das eben Gesagte nachdenken und den Kopf verdrehen, um zu sehen was er meint, gibt’s schon wieder die nächste Information. Dazu natürlich auch noch der Straßenlärm, die Hitze und laute Musik vorbeifahrender Autos, deren Scheiben bedenklich im Rhythmus vibrieren und scheppern. Immer wieder der Bezug zu Bob Marley. Hier haben wir das gemacht und dort jenes, hier ist er aufgetreten und dort ……. Manches ist inzwischen verfallen oder gar nicht mehr da, aber die Magie der Orte nimmt uns trotzdem gefangen. Bragga immer wieder: „Du kannst ruhig filmen und fotografieren.“ Dagegen immer wieder Tonys ängstliche Mahnungen: „Drehe die Scheibe hoch!“ Bragga und Tony haben völlig unterschiedliche Ansichten von der Sicherheit der jeweiligen Örtlichkeit, die wir gerade durchfahren. Tony fuchtelt immer wieder während der Fahrt mit dem Arm nach hinten zu meinem Fenster und bringt mich ganz aus dem Konzept, bis ich es aufgebe überhaupt noch irgendetwas zu fotografieren. Bragga lässt sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen, hat entspannt seinen Arm im geöffneten Fenster liegen und erklärt weiter ruhig die Gegend.

Es geht sofort weiter im Teil 6.2.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory


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