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Flagge Region Southern Nations, Nationalities and PeoplesEco-Omo Lodge - JinkaEco-Omo Excursions - JinkaBuska Lodge - Turmi
ETHIOPIA - THE SOUTH

Ein Reisebericht - Teil 8

07.06.2019 – Von Jinka zu den Banna und weiter nach Turmi
(30.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia - The South Heute ist Unterkunftswechsel angesagt. Diese liegt noch weiter im Süden, in der Ortschaft Turmi. Hierfür müssen wir wieder zurück bis Key Afer und stoßen dort auf die Straße nach Turmi. Eigentlich ist der direkte Weg nur zirka 120 km lang, aber unterwegs erreicht uns die Kunde von einer traditionellen Hochzeit der Banna mit Bullensprung, die uns veranlasst einen großen Umweg in unwegsames Gelände zu unternehmen.
Für 9:30 Uhr ist unsere Abfahrt eingeplant. Wir haben also genügend Zeit unser Frühstück in aller Ruhe zu genießen und noch einmal von der Zeltterrasse eine Weile den Blick über die Gartenanlage der Lodge schweifen zu lassen. Unser Gepäck haben wir schon zuvor über das sehr schwierige aber schön aussehende Flusssteinpflaster transportiert und am Parkplatz deponiert. So können wir noch jede Minute bis zur Ankunft von Mastu und Alex entspannt auf unserer Terrasse auskosten.

Eco-Omo Lodge - Jinka - Ethiopia

Bild 654: Eco-Omo Lodge Jinka

Pünktlich verlassen wir die Lodge und fahren in Richtung Turmi durch Jinka hindurch. Am Ortsausgang besteht die Möglichkeit ein Ari Village zu besuchen. Die Ari oder Aari stellen den Hauptanteil der Bewohner von Jinka, wo sie etwas moderner als ihre Verwandten in den umliegenden traditionellen Dörfern leben. In Jinka haben sie in der Regel quadratische Häuser mit Wellblechdächern. Die traditionellen Rundbauten oder mit Stroh gedeckte Häuser sieht man hier fast nur noch für Getreidespeicher, Hühnerställe und ähnliche Nutzungen. Dieser Dorfspaziergang kostet für uns alle zusammen 1.000 Birr. Am Rande der Hauptstraße, neben der Siedlung, liegen schon einige Guides auf der Lauer, die nach Touristen Ausschau halten. Eigentlich machen wir ja solche Erkundungen lieber allein und nehmen dafür einige Geschenke für die Leute mit. Aber wenn es Mastu schon einmal anbietet, nehmen wir das natürlich mit. Was von dem Geld am Ende bei den Dorfbewohnern ankommt, nach dem sich die Guides befriedigt haben, wissen wir natürlich nicht.

Areke Destillation - Jinka - Ethiopia

Bild 655: Destillation von Alkohol

Erste Station unseres Rundganges ist eine traditionelle Schnapsbrennerei, die viele Äthiopier betreiben. Lust auf einen Drink haben wir allerdings nicht so recht und zu dieser Zeit schon gar nicht. Hier wird gerade Areke oder Areki hergestellt. Dieser wird aus einem Fermentationsprodukt aus pulverisierten Gesho-Blättern (Afrikanischer Faulbaum) und Bikil destilliert. Der Geschmack des klaren Endergebnisses kann von Familie zu Familie höchst unterschiedlich sein. Der Alkoholgehalt kann ebenso verschieden sein und bis zu zirka 50% betragen.
Neben Schnaps trifft man in Äthiopien auch noch auf allerhand andere selbstgebraute alkoholische Getränke wie Tella (Bier), Tej (Honigwein), Borde (Basis: Verschiedene Getreidesorten, Milchsäurebakterien), Shamita (Basis: Geröstetes Gerstenmehl, gemahlene Leinsamen, Salz, Gewürze), Cheka (Basis: Verschiedene Getreide- und Gemüsesorten), Keribo (Basis: Honig, Zucker, Getreide), Korefe (Bais: Gerste und Gesho-Blätter), Booka (Basis: Honig, Zucker, Rinderblase) und andere. Tej hatten wir schon kürzlich bei den Dorze vorgestellt und genießen dürfen. Wer sich mit den verschiedenen Herstellungsprozessen näher befassen möchte, kann im International Journal of Microbiology nachlesen (Nur in Englisch).

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 656 + 657: Werkzeugschmiede

Weiterhin sehen wir im Dorf eine kleine Schmiede, die unter den aller einfachsten Bedingungen arbeitet. Alle Arbeitsschutzinspektoren Deutschlands bitte wegschauen! Noch im Kindesalter und barfuss dazu, wird hier am Schmiedefeuer gearbeitet, um aus Eisenschrott die verschiedensten Werkzeuge für den Marktverkauf herzustellen.

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 658 - 660: Im Ari Village von Jinka

Inzwischen haben uns einige Kinder entdeckt, die uns auf dem weiteren Weg begleiten. Sehr gerne greifen sie nach allen Händen, die gerade keine Beschäftigung haben. Wer dafür empfänglich ist, hat ganz schnell eine große Kindergartengruppe zusammen. Mastu versucht immer wieder den Andrang zu begrenzen und zieht Grimassen um sie zu verjagen. Aber das hält nicht lange an.
Zwischen den Häusern der Ari findet man fast alle Nutzpflanzen auf engen Raum, die sie für ihren Lebensunterhalt brauchen. Darunter Kaffee, Maniok, Gemüse, Mangobäume, verschiedene Bananensorten, Gewürze und vieles mehr. Dazwischen auch alle möglichen Haustiere vom Huhn bis zum Rind. Sehr erstaunlich wie das funktioniert, ohne dass die Nutzpflanzen Schaden nehmen.

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Töpfer- und Holzarbeiten.

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Hopse ist international - Man erinnert sich. :-)

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Stricke drehen aus Kunstoffsackresten.

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Vorzucht von Kulturpflanzen auf dem Hof.
Bild 661 - 667: Im Ari Village von Jinka

Der überwiegende Anteil der Ari sind Christen. Dies kann man auch unschwer an den oft zu sehenden Halskreuzen und an den Malereien der Häuserfassaden erkennen. Die Kinder der Ari von Jinka bekommen auch Schulbildung geboten, was in den traditionellen Dörfern außerhalb der Stadt schwieriger ist. Dennoch scheinen auch hier nicht alle Kinder dieses Angebot wahrzunehmen. Immerhin ist heute erst Freitag am frühen Morgen und die Kinderanzahl im Dorf, die schon in die Schule gehen könnte, erscheint uns recht groß.
Die traditionelle Lebensweise ist eben nicht so einfach abzulegen und viele Kinder werden noch in die verschiedensten Arbeiten zur Familienunterstützung einbezogen.

Ari Village - Jinka - Ethiopia Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 668 - 673: Die Kinder posieren gerne vor der Kamera und freuen sich, wenn sie dann das Ergebnis in der Kamera gleich ansehen können.

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 674 + 675: Mühsames Auslesen von Getreide.

Im Dorf können wir auch die Zubereitung von Injera verfolgen, ohne den in Äthiopien gar nichts geht. Wir haben schon oft über diese Nationalspeise an anderen Stellen berichtet. Heute sehen wir endlich einmal den Backprozess auf einer großen Keramikplatte, wo der Teig kreisförmig von außen nach innen aufgetragen und später bis zur Garung abgedeckt wird. Äußerst beeindruckend ist die perfekt hergestellte Keramikplatte, die spiegelglatt und ohne Makel ist. Man mag es kaum glauben, dass diese manuell hergestellt werden.

Injera - Ari Village - Jinka - Ethiopia

Injera - Ari Village - Jinka - Ethiopia Injera - Ari Village - Jinka - Ethiopia

Injera - Ari Village - Jinka - Ethiopia

Injera - Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 676 - 680: Injera backen.

Ari Village - Jinka - Ethiopia Ari Village - Jinka - Ethiopia

Ari Village - Jinka - Ethiopia

Bild 681 - 683: Kinder im Ari Village von Jinka
Bild 684: Getreidemörser aus Holz

Soweit ein paar Szenen aus unserem Dorfspaziergang. Verabschieden wir uns nun langsam von der Kinderschar und dem Ari Village und ziehen uns langsam in Richtung Hauptstraße zurück. Mastu muss jetzt natürlich wieder sein ganzes Spektrum an Kinderabwehrmaßnahmen ausschöpfen und ist dabei mehr oder weniger erfolgreich. Die Kinder nehmen das eher als Spaß auf und sind belustigt.
Am Auto angekommen ist dann aber Ruhe eingekehrt.
Nun fahren wir weiter in Richtung Key Afer, in dessen Nähe uns die Kunde einer traditionellen Hochzeit mit Bullensprungzeremonie erreicht. Wir bekommen das Angebot daran teilzunehmen. Diese Gelegenheit dürfen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Mit 600 Birr je Person sind wir dabei und begeben uns später in die Obhut eines örtlichen Guides.
Mörser

Bevor das Abenteuer beginnt, nutzen wir die letzte Gelegenheit des Tages, eine Mahlzeit einzunehmen und besuchen dafür das Zarsi Hotel von Key Afer.

Zarsi Hotel - Key Afer - Ethiopia

Zarsi Hotel - Key Afer - Ethiopia

Bild 685 + 686: Im Zarsi Hotel von Key Afer

Wir sitzen entspannt im Schatten eines großen Mangobaumes und haben unseren Spaß daran uns mit den Hühnern zu "unterhalten" und diese zu veralbern. Wir haben noch nie eine solch betriebsame Hühnerschar gesehen. Man kann es kaum beschreiben, wie diese laut gackernd aus dem angrenzenden Hof gestürzt kamen und die Tische der Gäste umzingelt haben. Hier darf man den Tisch nicht unbeaufsichtigt lassen, so lange noch etwas Essbares auf den Tellern ist. Da bleibt garantiert nix übrig. Unser Essen ist reichlich und trifft teilweise leider nicht unseren Geschmack. Die Hühner freut das natürlich außerordentlich, als wir zur Fütterung mit unseren Resten schreiten, und der "Wirbelsturm" aus sich laut streitenden Hühnern fegt durchs Gelände.

Near Key Afer - Ethiopia

Bild 687: Kann man das mit unserem Minibus wagen?

Near Key Afer - Ethiopia

Bild 688: Unterwegs durch unwegsames Gelände zu den Banna oder / und Hamer

Wo wir nun genau hinfahren, wissen wir nicht. Nachdem wir dem Deal zugestimmt haben, steigt ein Guide in unseren Minibus und zeigt Alex ständig den weiteren Weg. Dieser wird auf eine harte Probe gestellt, und wir sind äußerst erstaunt, was unser Minibus so alles mitmacht. Es geht über Stock und Stein, komplizierte steinige Hänge hinauf und hinunter, durch einen Fluss und unkalkulierbare Wasserlöcher hindurch. Unsere anfangs breite Sandpiste wird nach jeder Abbiegung immer schmaler, bis sie schließlich ganz im Gestrüpp endet. Während es Alex sicher die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist unser Guide ganz entspannt und zeigt nur immer wortlos wie Alex einlenken soll. Man kann manchmal gar nicht hinschauen. Es gibt aber immer einen Weg, um noch ein Stück weiter voranzukommen. Es ist auch besser das Fenster nicht mehr zu öffnen, wenn man vom Buschwerk nicht gebürstet werden will. Mit Fotos ist es jetzt bei dieser Wackelei eh viel zu schwierig.

Near Key Afer - Ethiopia

Near Key Afer - Ethiopia

Near Key Afer - Ethiopia

Bild 689 - 691: Nun geht es zu Fuß weiter.

Wir fahren zirka 18 km in einer knappen Stunde, bis es nicht mehr weiter geht. An unserer Parkposition steht schon ein weiteres Touristenmobil (verdammter Mist :-(), allerdings ist dieses deutlich besser für's Gelände geeignet als unser Minibus. Wir haben aber keinen Grund uns zu beschweren, denn Alex ist ein Meisterfahrer und unser Bus ist deutlich geräumiger und bequemer als ein Geländewagen. Alex müssen wir nun zurücklassen, denn dieser muss aus Sicherheitsgründen den Bus und unser Gepäck bewachen. Wir haben jetzt noch einen 30-minütigen Fußmarsch vor uns, bevor wir den Ort der Hochzeitszeremonie erreichen, wie unser Guide informiert. Viel zu schnell stürzen wir durch hoch interessantes Gelände, aber unser Guide gibt das Tempo vor. Er wird wissen warum. Wir wollen ja auch nichts vom Ablauf der Zeremonie verpassen.
Schon einige Minuten bevor wir den Schauplatz erreichen, hören wir aus der Ferne Gesänge, Schellen und Hörner erklingen. Man hat also schon mit den Feierlichkeiten begonnen.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 692 - 705: In einem Banna Village

Im Dorf angekommen, wird kaum Notiz von uns genommen. Man ist solche Gäste wie uns gewohnt. Unser Gastgeschenk in Form eines uns unbekannten Anteils an unserem Deal den wir mit dem Guide gemacht haben, ist eine zusätzliche und willkommene Einnahmequelle des Stammes. Dadurch können wir uns frei und völlig bedenkenlos bewegen und so viele Fotos machen wie wir möchten.
Eine Gruppe Frauen mit zahlreichen Schellen an den Waden bestückt, umkreist betont stampfend, singend und springend einen Baum. Dabei wird mit kleinen Metallhörnern immer wieder getrötet was das Zeug hält. Gewehre und Maschinenpistolen dürfen natürlich auch wieder nicht fehlen. Allerdings sehen wir diese Bewaffnung heute zum ersten Mal auch bei Frauen.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Es bahnt sich doch nicht etwa bei Mastu die nächste Bullensprungzeremonie an?

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 706 - 716: Bei den Banna

Für uns hat sich immer noch nicht hinreichend geklärt, wie wir nun die Banna von den Hamer sicher unterscheiden können. Sämtliche Schmuck- und Kleidungselemente die uns geläufig sind, kann man sowohl bei den Banna als auch bei den Hamer finden. Auch die Fertigung der Haartracht bei den Frauen aus dünnen Zöpfen, die mit einer Mischung aus roten Mineralien und Butter gedreht werden, ist bei beiden Stämmen zu finden. Selbst die sich heute anbahnende Bullensprungzeremonie als Reifeprüfung der jungen Männer und Bestandteil eines mehrtägigen Hochzeitsrituals, wird von beiden Stämmen durchgeführt. Aber wie wir schon früher angeführt haben, sollen ja die Hamer aus den Banna hervorgegangen sein.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 717 - 727: Beim Banna Tribe

Auffallend ist, dass sich momentan nur wenige Männer in der Siedlung aufhalten. Jene die da sind, kochen etwas abseits in großen Blechtonnen irgendein Gebräu. Andere wiederum sind damit beschäftigt die Frauen mit einem alkoholischen Getränk aus großen Flaschenkürbissen abzufüllen, was diese bei ihren Tänzen ein wenig in Trance und andere in ausgelassene Stimmung versetzt. Es wird ständig für Nachschub gesorgt und überall liegen die geleerten Flaschenkürbisse herum. Sicherlich hilft das auch ein wenig dabei, die noch bevorstehende traditionelle Auspeitschung der Frauen besser zu vertragen.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Die Frisuren der Gäste sind auch von Interesse.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 728 - 738: Bei den Banna und ihren Gästen

Nach einer Verschnaufpause suchen sich die Frauen eine neue Route für ihre Tänze, die eher an einen Marsch erinnern. So geht es stundenlang. Marschieren, Pause, marschieren, ... usw.. Ihre Ausdauer ist bemerkenswert. Inzwischen treffen auch nach und nach mehr Männer ein, die sich aber weitestgehend in Grüppchen etwas abseits zu einem ruhigen Schwätzchen zusammenfinden oder dem Treiben der Frauen schweigend zuschauen. Andere wiederum befassen sich in Vorbereitung der Bullensprungzeremonie mit ritueller Körpermalerei.

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

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Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 739 - 750: Bei den Banna zu Gast

Mit den Märschen der Frauen durch die Landschaft ist es schließlich vorläufig vorbei, als die Ankunft des Peitschenmannes angekündigt wird. Wer jetzt denkt, die armen Frauen werden aufgrund irgendwelcher martialischen Traditionen gegen ihren Willen ausgepeitscht, täuscht sich gewaltig. Die Frauen sind regelrecht verrückt danach und streiten sich wer als nächstes an die Reihe kommt. Man hat fast den Eindruck, dass sich der Peitschenmann vor den vielen Auspeitschungsanträgen am liebsten verstecken möchte. Aber die Frauen lassen nicht locker. Um so mehr Narben sie davontragen und je mehr Blut fließt, umso mehr können sie jetzt und später Zeugnis von ihrem Mut ablegen. Es heißt sogar, dass nach der Auspeitschung noch bestimmte Mittel in die Wunden gegeben werden, damit diese entzünden und zu stark wulstigen Narben führen. Je mehr desto schöner.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Whiper - Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Der Peitschenmann

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Auch eine Möglichkeit das Geld unterzubringen.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

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Bild 751 - 760: Auspeitschung und Streitereien der Frauen

Der offizielle Peitscher hat ein schwarzes durchsichtiges Tuch auf dem Kopf, sowie eine lange stabile und dünne Gerte aus Holz von zirka 2 Meter Länge. Sie ist äußerst stabil und zerbricht dennoch hin und wieder. Aber an derartigen Peitschen herrscht hier kein Mangel. Irgendwann haben sich sogar die Frauen einiger bemächtigt, die sie offenbar im Streit untereinander um die Reihenfolge bei der Auspeitschung auch einsetzen würden. Andere wiederum greifen sogar zu Knüppeln. Da möchte man nicht dazwischen geraten. Warum das so ist, erschließt sich uns nicht. Eigentlich ist genug Zeit und wer möchte kommt auch dran. Zumal auch noch andere Männer inzwischen das Amt des Peitschers ergriffen haben.
Während der Peitschenschläge steht die Frau dem Peitscher mit dem Gesicht gegenüber und dennoch wird von der äußerst biegsamen Gerte der Rücken erreicht. Immer wieder surrt die Peitsche durch die Luft und klatscht auf die Rücken der Frauen, bis diese endlich alle befriedigt sind und Ruhe geben.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 761 - 769: Bei den Banna zu Gast.

Die Banna (auch Benna, Bena oder Banya) zählen zwischen 45.000 bis 50.000 Stammesmitglieder und haben noch ihren eigenen König. Die meisten von ihnen sollen Muslime sein. Es sind aber auch einige Tausend Christen unter ihnen. Aufgrund ihrer Lebensweise besitzen sie aber keine festen Moscheen und Kirchen in der Wildnis. Weit verbreitet sind aber auch noch "Naturreligionen" und der Glaube an verschiedene Geister. Sie leben hauptsächlich im unteren Tal des Omo. Wie alle anderen Volksgruppen Äthiopiens, haben die Banna ihre eigene Sprache, die als Hamar-Banna oder Hamer-Banna bezeichnet wird.
Die Banna beschäftigen sich hauptsächlich mit Land- und Weidewirtschaft. Sie besitzen zahlreiche Ziegen, Rinder und Kamele und sind besonders für ihre Honigproduktion bekannt. Dafür hängen sie Bienenkörbe in den Akazienbäumen auf, wie dies auch andere Volksgruppen Äthiopiens tun (Siehe Teil 5, Bild 354 + 355).

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Banna mit hölzerner Kopfstütze die beim Schlaf verwendet wird.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 770 - 772: Warten auf den Sonnenuntergang und die Bullensprungzeremonie

Langsam werden die Schatten immer länger und die Zahl der bewaffneten Männer steigt immer weiter an. Ebenso kommen immer mehr Rinder von ihren Weiden zurück ins Dorf. Alle warten jetzt nur noch auf die Bullensprungzeremonie, die erst nach Sonnenuntergang erfolgen soll. Der heutige Kandidat ist 18 Jahre alt und wird erst eine Woche später seine eigentliche Hochzeit feiern, wie wir erfahren. Das heutige Gelingen des Bullensprunges ist dafür natürlich die Voraussetzung. Dafür werden mindestens 10 Bullen nebeneinander aufgereiht, die von den Banna an Hörnern und Schwänzen in die richtige Position gezogen und gehalten werden. Das dauert natürlich eine ganze Weile. Hin und wieder muss auch ein zu unruhiger Bulle ausgetauscht werden, weil er ausbüxt oder sich einfach nicht in Position bringen lässt. Wenn alle Bullen schließlich beruhigt sind, muss der stets völlig nackte Jüngling aus dem Stand auf den Rücken des ersten Bullen springen und dann über alle nebeneinander aufgereihten Rinder laufen ohne abzustürzen. Das muss ihm viermal fehlerfrei gelingen. Hierbei wird er von den Frauen unterstützt, die wieder mit viel Spektakel und lautstark singend, mit ihren Schellen und Hörnern den Zeremonieplatz umkreisen.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 773 - 779: Der Bullensprung wird vorbereitet.

Bevor es zum eigentlichen Bullensprung kommt, werden noch ein paar Rituale und Zauber unter Anwesenheit des Bullensprungkandidaten durchgeführt. Es werden Armreifen auf einem zwischen mehreren Peitschen hindurch gesteckten Klöppel übereinander gestapelt und von zwei bunt bemalten sitzenden Banna nach einem bestimmten Schema umgeworfen (siehe Video). Was daraus abzulesen oder welcher Zauber das ist, wissen wir leider nicht. Danach wird eine weiße klebrige Flüssigkeit verspritzt, die nicht unbedingt irgendjemand abbekommen möchte.
Während die Banna noch mit den Bullen um ihre Position kämpfen, steht schon der heutige Bullensprungkandidat bereit und hat sich aller Kleidungsstücke entledigt. Es scheint ihm sichtlich unangenehm zu sein, als einziger nackter Jüngling und zukünftiger Mann auf seinen Einsatz zwischen all den anderen Angezogenen warten zu müssen. So sucht er noch etwas Deckung hinter einem Freund, bis es endlich so weit ist.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia
 
Bild 780 - 783: Jetzt kann es losgehen.

Schließlich sind es 12 Bullen die nebeneinander aufgereiht wurden, die der heutige Springer bewältigen muss. Alles ist bereit. Der junge Banna springt auf den ersten Bullen und versucht sein Glück. Dann stürzt er ab und fällt zwischen die Tiere. Aber das ist kein Problem. Die Zeremonie geht weiter. Als er zweimal in jede Richtung fehlerfrei die Bullen überquert hat, ist seine Probe bestanden. Nun ist er in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und darf nächste Woche seine Hochzeit antreten.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bull Jumping - Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 784 - 788: Der Bullensprung

Der junge Mann ist glücklich, die Zeremonie bestanden zu haben und wird gefeiert. Jetzt geht es vermutlich in den gemütlichen Teil der folgenden Nacht über, den wir nicht mehr miterleben. Mastu und unser örtlicher Guide mahnen zur Eile. Nahezu fluchtartig verlassen wir den Schauplatz und laufen mit der beginnenden Dunkelheit um die Wette. Jetzt ist jede Minute kostbar. Immerhin haben wir noch einen längeren Fußweg und eine noch viel längere Fahrt durch unwegsames Gelände vor uns. Das kann sehr schwierig werden, wenn es richtig finster ist.

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Benna Village - Near Key Afer - Ethiopia

Bild 789 + 790: Auf dem Weg zurück zur Parkposition.

Und hier noch ein paar bewegte Bilder, wer in die Atmosphäre der Bullenspringzeremonie eintauchen möchte.



Video: Ein paar Eindrücke vom Besuch der Banna inkl. ein paar Ausschnitte von der Anfahrt

Am Minibus ist noch alles in Ordnung und unser Gepäck ist noch anwesend. Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Für Alex beginnt nun der anstrengendste Teil des Tages, aber er hatte ja genug Zeit sich zu erholen. ;-) Herzu war es schon kompliziert genug, aber der Rückweg ist wegen der immer stärker werdenden Finsternis noch schwieriger. Zum Glück wird es alle paar hundert Meter etwas besser, bis wir irgendwann wieder die breite Sandpiste in Richtung Key Afer erreicht haben.
Jetzt müssen wir nur noch unseren Guide in Key Afer absetzen und dann weiter in Richtung Turmi zu unserer Lodge fahren. Wir haben uns hierfür die Buska Lodge ausgesucht, die an einem breiten Flusstal liegt. Dort werden wir drei Nächte bleiben, bevor unsere Route wieder in die umgekehrte Richtung geht.
Gegen 21:00 Uhr sind wir am Ziel, nachdem wir uns kurz zuvor noch fast im Sand eines anderen Flussbettes festgefahren hätten. Das hätte gerade noch gefehlt. Zum Glück konnten wir aber mit vereinter Muskelkraft unseren Minibus aus seiner misslichen Lage befeien.
Es ist für die Lodge höchste Zeit, dass wir eintreffen, denn die Küche möchte so langsam schließen. Deshalb ist schon vor dem Zimmerbezug die Essenbestellung angesagt. Jetzt können wir in Ruhe ankommen und unser Quartier in Besitz nehmen. Nach der Rückkehr ins Restaurant, müssen wir nun nicht mehr warten und es kann sofort serviert werden.
Ein erlebnisreicher Tag geht nun entspannt zu Ende.

Morgen werden wir nach Dimeka fahren und zwei farbenfrohe Märkte erkunden und am Abend ein Dorf der Hamer besuchen. Dazwischen ist etwas Zeit zur Entspannung. Wir werden sehen, was wir damit anstellen werden.

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim

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