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Flagge Region Southern Nations, Nationalities and PeoplesDorze Lodge - Arba Minch
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ETHIOPIA - THE SOUTH

Ein Reisebericht - Teil 4

03.06.2019 – Dorze People - Wanderung zum Dorsso Wasserfall - Market - Tej-Bar
(26.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia - The South Wie gestern angekündigt, hat heute unser Driver Alex frei, und wir werden unsere Füße bemühen uns ins nähere Umfeld zu tragen. Für die Wanderung sind mindestens vier Stunden veranschlagt, wenn wir nicht allzu lange zwischendurch pausieren. Aber wir wissen schon jetzt, dass wir mit Marktbesuch und Tej-Genuss damit nicht auskommen werden.
Es regnet die ganze Nacht hindurch. An und für sich lieben wir ja dieses schöne Geräusch in den Blättern und auf dem Dach unserer Hütte, aber je näher der Morgen kommt wächst auch die Unruhe. Immerhin müssten wir unseren Tagesplan über den Haufen werfen, wenn es nicht besser wird.

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Bild 237 - 240: Ausblicke von der Dorze Lodge kurz vor Sonnenaufgang

Als es draußen langsam etwas heller wird, beginnt die große Kinovorführung über die Landschaft um den Abaja- und Chamosee. Der Regen hat fast aufgehört und die Sonne befindet sich noch versteckt hinter den Bergen. Alle paar Minuten verändert sich das Naturspektakel und immer wieder wälzen sich neue Wolkenkissen über die Bergrücken, geben neue Aussichten frei oder verdecken diese wieder. Darüber hinaus verändert sich ständig das Licht, da die noch nicht in Erscheinung getretene Sonne natürlich immer höher steigt. Dadurch entstehen immer neue Eindrücke von der Landschaft.

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Ethiopia

Bild 241 - 246: Ausblicke von der Dorze Lodge kurz vor Sonnenaufgang

Die Tierwelt ist natürlich auch schon wach und untermalt die Szenerie mit den unterschiedlichsten Stimmen und Gesängen. Darunter alte Bekannte wie Affen, Erzraben und Tauben, aber überwiegend bekommen wir eine vielstimmige und völlig neue Geräuschkulisse geboten.

Dorze Lodge - Ethiopia Dorze Lodge - Ethiopia

Dorze Lodge - Shererite - Ethiopia Dorze Lodge - Shererite - Ethiopia

Bild 247 - 250: Innenansichten unseres Bungalows
Bild 249 + 250: Besuch im Morgengrauen - Eine giftige "Shererite", wie sie die Einheimischen nennen. Das erfahren wir aber erst am Abend.

Derweil haben wir in der Hütte ungebetenen Besuch, der zwar selbst keine Geräusche von sich gibt, aber diese bei anderen hervorrufen kann. ;-) Eigentlich haben wir ja Ungezieferspray dabei, aber dieses stattliche Exemplar tut mir leid und man muss ja nicht gleich alles umbringen. Einfangen will ich sie aber auch nicht. Das ist selbst mir zu viel. Also lassen wir sie neben dem Schalter sitzen, ... wir haben ja noch genug andere. Hoffen wir einmal, dass das Sprichwort "Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen" uns heute nicht verfolgen wird. Immerhin haben wir sie ja am Leben gelassen.

Während wir uns beim Frühstück über die etwas emotionslosen Jungs der Lodge ärgern, wird das Wetter immer besser. Zumindest gibt es keinen Regen mehr. Dafür müssen wir jedem Teil des Frühstücks nahezu hinterherlaufen und versuchen aus fünf verschiedenen langen Marmeladengläsern die Reste vom Boden abzukratzen. Ohne geeignete Löffel macht das besonders viel Freude. Aber wenigstens ist der Kaffee gut, als dieser endlich fast nach dem Frühstück eintrifft. Irgendwie sehen die Jungs allesamt aus, als hätten sie in der Nacht viel zu viel "Jo Jo Jo Jo Jo Jo - Joooooo" gesagt (siehe Vortag).

Gegen 8:30 Uhr sind wir schließlich abmarschbereit, ... heißt leider ohne Rainer. Er hat doch tatsächlich vergessen die richtigen Schuhe einzupacken. Ja mit "Sonntags-vor-der-Tür-steh-Schuhe" kann man zumindest heute hier nichts ausrichten und für barfuss ist das Wetter zu ungemütlich. Immerhin befinden wir uns auch auf einer Höhe von 2.732 Metern. So wird zumindest die Höhe des naheliegenden Ortes Cencia (Chencha) angegeben. Also beschließt Rainer, einen Tag lang die Aussicht von der Lodge zu genießen.

Dorze - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Bild 251 - 256: Wanderung von der Dorze Lodge zum Dorsso Wasserfall

Von der Lodge ausgehend wandern wir nach Norden. Neben Mastu begleitet uns noch ein Junge der Lodge, der gelangweilt ein paar Wasserflaschen im Plastebeutel nebenher trägt. Die werden wir wohl nicht brauchen. Immerhin haben wir stets noch selbst jeder eine Flasche dabei. Aber man kann sie ja unterwegs noch verschenken.
Wir wandern zunächst über eine Stunde lang im dichten Nebel über schlammige und steinige Pfade durch Wälder und lockeres Siedlungsgebiet. Wir können leider nur erahnen, welch idyllische Landschaft sich hinter dem Nebel verbirgt und können kein einziges Foto schießen. Rainer hat sich völlig richtig entschieden. Bis zu dieser Stelle hätte er seine Schuhe schon zweimal entsorgen können. Irgendwie werden unsere Schuhe auch immer größer und schwerer. Der Schlamm ist sehr hartnäckig und will uns einfach nicht loslassen. Man muss ihn regelrecht alle paar hundert Meter von den Schuhen abschälen. Aber immerhin hält das Imprägnierspray was es verspricht und die Füße bleiben trocken.
Der Marsch ist ermüdend und wir sind richtig glücklich, als endlich hin und wieder die ersten Lücken im Nebel etwas von der Landschaft freigeben.

Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Dorze Land - Ethiopia

Bild 257 - 262: Wanderung zum Dorsso Wasserfall
Bild 260 - 262: Die Baumstammbrücken sind mit Matten aus Enseteblättern abgedeckt. Das ist fast wie Lotterie spielen, denn diese sind nicht immer unbedingt tragfähig. ;-)

Eigentlich sollte es bei dieser Wanderung heißen: "Der Weg ist das Ziel.", aber es brechen immer wieder neue Nebelschwaden über uns herein, die die Schönheiten der Umgebung verstecken. Aber wenigstens regnet es nicht. Hin und wieder begegnen uns Einheimische im Nebel, die sich offenbar über uns lustig machen. Zumindest gibt es in unserer Nähe stets Gelächter der Frauen zu hören, was in der Ferne noch nicht zu vernehmen war. Ja, wir würden auch lieber bei besserem Wetter unterwegs sein, aber morgen sind wir eben schon wieder wo anders eingeplant.

Dorze Land - Ethiopia

Bild 263: Traditionelle Häuser der Dorze bei Cencia (Chencha)

Dorze Land - Ethiopia

Bild 264: Die Holo Angle Mikaheal Church, so zumindest der Wortlaut nach der Karte. ;-)
Vermutlich ist Holy Angel Mikael Church gemeint.
Link anklicken und Wanderroute nachverfolgen.

Dorze Land - Ethiopia

Bild 265: Eine heilige Quelle zirka 20 Minuten später. Link anklicken und Route nachverfolgen.

Zirka eine halbe Stunde später weiter in nördlicher Richtung, erreichen wir die Hauptstraße, die als Sandpiste vom Ortskern Cencias aus nordöstlicher Richtung kommt. Wir treffen auf eine große wild gestikulierende Menschenansammlung von über 100 Personen, die einen Polizisten umringt. Wie wir erfahren hat man gerade einen Taschendieb gefasst und deshalb die Polizei hinzugerufen. Offenbar sind derartige Delikte auf dem Lande noch sehr hoch angebunden und sorgen für gewaltige Aufregung. In der Stadt würde wohl außer dem Betroffenen und ein paar Zeugen, die Sache niemand weiter interessieren. Bei dem Spektakel könnte man fast glauben, der Dieb hat alle Anwesenden bestohlen.
Wir gehen lieber weiter, folgen nun der Hauptstraße gen Westen und verlassen diese wieder kurz bevor sie sich nach Süden wendet. Wir wandern weiter nach Westen in Richtung des Dorsso Wasserfalles auf kaum sichtbaren Pfaden, durch ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit sattgrünen Weiden und rotbraunen Feldern.

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Bild 266 - 272: Auf der anderen Seite der Sandstraße geht es weiter nach Westen

Wir haben noch zirka 20 Minuten Fußweg bis zum Wasserfall vor uns. Ein paar Jugendliche sind uns nun wortwörtlich auf den Fersen. Das mag ich gar nicht gern, wenn ich nicht weiß, was hinter meinem Rücken passiert. Also spielen wir mehrfach das Spiel des "Vorbeilassens". Kaum sind sie vorbei, setzen sie sich ins Gras und warten wiederum auf uns. Es nervt. Aber dann rennen sie plötzlich einen Hügel hinauf und sind verschwunden, ... glauben wir zumindest. Hat uns etwa das Gefühl bezüglich der Jungs getäuscht?
Unsere ortskundige Begleitung von der Lodge zeigt in vielen Dingen der Wanderung leider kein Engagement. Oft müssen wir uns selber den geeigneten Weg suchen, wenn wir nicht gerade durch Wasser und Schlamm wie er waten wollen. Dann wartet er stets gelangweilt auf der anderen Seite und kaut gelangweilt auf einem Grashalm herum. Mastu nimmt's mit Humor und schüttelt nur mit dem Kopf.

Dorsso Waterfall - Cencia - Ethiopia Dorsso Waterfall - Cencia - Ethiopia

Bild 273 + 274: Am Dorsso Wasserfall angekommen

Am Wasserfall angekommen, bläst uns ein kräftiger und kalter Wind mit vielen Wassertröpfchen entgegen. Der 31 m hohe Wasserfall liegt auf einer Höhe von 2.660 m über dem Meer. Badewetter ist auch nicht gerade, obwohl wir von der Wanderung etwas aufgeheizt sind. Dann kracht es immer wieder in der Schlucht. Steine poltern die Felswand hinunter und klatschen in das Wasser. Jetzt wissen wir, warum die jugendliche Bande den Berg hinauf gerannt ist. Unser Gefühl hat uns also nicht getäuscht was diese Truppe betraf. Unser ortskundiger Begleiter schaut wiederum nur müde auf das Geschehen und zeigt keinerlei Reaktion. Jetzt kann er zwar nicht unbedingt was dagegen tun, aber wenigstens eine Ansage in der hiesigen Sprache wäre schon nötig. Den Mann hätten wir uns echt sparen können. Wir ziehen uns also lieber zurück, bevor uns noch eines dieser Wurfgeschosse verletzt.

Plant at Dorsso Waterfall - Cencia - Ethiopia Plant near Dorsso Waterfall - Cencia - Ethiopia

Bild 275: Essbare Beeren im Buschwerk am Wasserfall
Bild 276: Ethiopian Cobra lily / Arisaema flavum / Äthiopische Cobralilie

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Bild 277 - 284: Wieder auf dem Rückweg wie wir gekommen sind

Bis zur Hauptstraße von Cencia nach Arba Minch, gehen wir denselben Weg zurück. Der letzte Nebel hat sich endlich verzogen und hin und wieder lässt sich sogar die Sonne blicken. Für den weiteren Rückweg bleiben wir nun auf der Hauptstraße. Dennoch haben wir bis zur Dorze Lodge noch knapp 10 Kilometer vor uns. Der eingangs geschilderte Zeitplan ist aus dieser Sicht überhaupt nicht mehr zu halten. So sehr getrödelt haben wir nun auch wieder nicht. Auch wenn das schönere Wetter wieder etwas Auftrieb gibt, sollten wir vielleicht jetzt für etwas Entlastung sorgen. Mastu hat offenbar gerade selbst daran gedacht und schlägt vor, für den weiteren Weg ein Bajaj zu ordern.

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Dorze Land - Cencia - Ethiopia

Bild 285 - 290: Auf der Hauptstraße von Cencia (Chencha) in Richtung Dorze Lodge

Auf der endlosen Sandpiste ein Bajaj zu bekommen ist natürlich nicht so einfach wie in den Städten. Mastu muss eines per Handy bestellen. Bis dieses langsam aus der Ferne uns entgegengezuckelt kommt, vergeht noch einige Zeit währenddessen wir nun die nebelfreie Landschaft genießen können. Schließlich öffnet sich der Vorhang unseres Taxis und wir können uns auf der Rückbank einsortieren. Wir sind nun zwar deutlich schneller als zu Fuß, werden aber dafür kräftig durchgeschüttelt. Aber allemal besser, als noch einmal 10 Kilometer laufen.
Wir fahren aber noch nicht bis zur Dorze Lodge, denn zirka 2 Kilometer vor dem Ziel wird gerade ein großer Dorfmarkt abgehalten. Das dürfen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Märkte sind immer hoch interessant und man sollte so viele wie möglich mitnehmen. Jeder Markt ist anders.

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Bild 291: Auszug Google Map - Marktplatz südlich von Cencia (Bildmitte) - Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Market near Chencha - Dorze land - Ethiopia

Bild 292: Dorfmarkt ein paar Kilometer südlich von Cencia (Chencha)

Bevor wir uns dem Markttreiben widmen geht es erst einmal in die Tej-Bar am Rande des Platzes. Tej (gesprochen Tedsch) ist ein traditionelles äthiopisches alkoholisches Getränk. Da die Hauptzutat Honig ist und das Gebräu nach der Gärung einen Alkoholgehalt zwischen 6-11 Prozent besitzt, wird es als Honigwein oder Met angesehen. Nach der Legende geht der Genuss des Getränks bis auf das Treffen der Königin von Saba und König Salomon zurück. Makeda hatte dereinst dieses königliche Getränk in ihrem Reisegepäck und dieses ausgiebig mit König Salomon genossen und danach haben sie ihren Sohn Menelik gezeugt. Dieser wurde wie bekannt der erste König der salomonischen Dynastie Äthiopien. Zudem galten die aus Bienenhonig gewonnenen alkoholischen Getränke dereinst als heilig.

Bild 293: In der Tej-Bar
Tej-Bar

Tej-Bar - Near Cencia - Ethiopia

Bild 294: Tej-Bar südlich von Cencia

Dem einfachen Volk war Herstellung und Genuss nicht erlaubt, deshalb war auch in Äthiopien bis ins 19. Jahrhundert hinein der Genuss des Tejs nur dem Adel vorbehalten. Die Form der typischen Trinkgefässe hat sich aus dieser Zeit bis heute erhalten (Vergleiche Bild 2.004 in "Ethiopia Again" - Teil 15 oder Bild 1.342 in Teil 11). Das hindert aktuell allerdings niemand daran, sich das Getränk auch in andere Gefäße abfüllen zu lassen.
Nachdem wir auch ein paar "Vasen" dieses köstlichen Getränks geleert und alle zusammen zwei große Teller Injera mit Hammelragout verdrückt haben, unternehmen wir einen ausgiebigen Marktbummel. Leider verabschiedet sich das schöne Wetter bevor ich meinen Videodreh beendet habe und die Wolken hüllen die Szenerie wieder in dichten Nebel ein und zwar so stark, dass schöne Fotos so gut wie nicht mehr möglich sind.

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Bild 295 - 301: Der Raucherclub :-)

Getreu dem Motto "Nach dem Essen soll man rauchen ...", tritt Mastu spontan einem örtlichen Raucherclub bei und nimmt einen tiefen Zug aus der äußerst langstieligen Pfeife. Was alte Frauen und Männer vertragen, sollte er auch schaffen, ... denkt er wohl. Aber da täuscht er sich. Erwartungsvoll schaut die Runde auf Mastu und ist äußerst erheitert, als Mastu die Luft wegbleibt. Wir wollen das gar nicht erst austesten. Ich mache ja sonst gerne jeden "Mist" mit, aber diese nach Kuhfladen riechenden schwarzen Kugeln sind mir nicht geheuer. Was genau in dieser schwarzen Droge alles enthalten ist, wissen wir nicht.

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Market near Cencia - Dorze Land - Ethiopia

Bild 302 + 303: Vielleicht Ensete-Teig (?) und Kartoffeln



Video: Tej-Bar und Markttreiben

Am Rande des Marktes befinden sich auch Kickertische, eine weitere Bar und ein Soundsystem aus dessen Boxen sogar äthiopischer Reggae zu vernehmen ist. Mit dabei Eyob Mekonnen, an den wir an dieser Stelle erinnern möchten.

Eyob wurde am 12.10.1975 in Jijiga in der Somali Region im Osten Äthiopiens geboren. Sein Vater Yalem Mekonnen war während des Ogadenkrieges Offizier der äthiopischen Armee, was Eyob besonders dazu inspirierte in seinen Liedern friedliche Botschaften zu verbreiten. Schon in jungen Jahren zog er nach Addis und besuchte dort die Schule. Er schloss sich der Reggae-Band Zion an, die zu einer festen Größe in den Clubs von Addis Ababa wurde. In ihrer Musik verbanden sie Elemente moderner amharischer Musik mit denen der Oromo und des Reggae. Eyob Mekonnen - Erotalehu - Album 2017

2010 veröffentlich er sein erstes Soloalbum "Man Ende Kal". Nach 2012 begann er auch im Ausland zu touren, was ihn nach Kanada, den Niederlanden und auch nach Deutschland führte. Leider erlitt Eyob am 13.08.2013 einen Schlaganfall und fiel ins Koma. Man sammelte Spenden für seine Behandlung und überführte ihn am 17. August in ein Krankenhaus von Nairobi, wo er allerdings schon am 18. August aufgrund von Komplikationen starb. Sein postumes Album "Erotatalehu" (Bild oben) präsentiert mit 14 Songs eine deutliche Steigerung zu seinem Debutalbum. Wir werden leider nie erfahren, wie es weiter gegangen wäre. R.I.P. Eyob Mekonnen!



Eyob Mekonnen - Semahuachew (Erotalehu)


Eyob Mekonnen - Wede Enate Bet (Erotalehu)

Da die Sicht auf dem Markt immer schlechter wird, beschließen wir noch einmal die Tej-Bar aufzusuchen und dort etwas abzuwarten. Vielleicht haben wir Glück und die Wolken verziehen sich noch einmal.
Die aus mehreren Räumen bestehende Location ist immer noch gut gefüllt und der Tej fließt in Strömen. Das schmeckt aber auch wirklich gut und kostet fast nichts (5 Birr). Das stellen jetzt auch zahlreiche Frauen fest, die durchaus auch ohne männliche Begleitung hier einkehren.
Wie in vielen traditionellen äthiopischen Gaststätten üblich, hat man auch einen eigenen Fleischer eingebunden, wo man sich selbst das Fleisch aussuchen und zuschneiden lassen kann. So weiß jeder was auf seinen Teller kommt. 


Bild 304: In der Tej-Bar
Tej-Bar

Fleischer in der Tej Bar - Ethiopia

Bild 305: Fleischer in der Tej-Bar

Tej Bar - Ethiopia

Tej Bar - Ethiopia

Tej Bar - Ethiopia

Bild 306 - 308: Es schmeckt wieder in der Tej-Bar

Leider erfüllt sich unsere Hoffnung nicht und die Sicht wird nach längerem Warten und Tej-Genuss nicht besser. Darüber hinaus kann durchaus auch noch Regen kommen, den wir überhaupt nicht gebrauchen können. Wir haben auch noch ein paar Kilometer bis zur Lodge vor uns. Also brechen wir lieber auf und nehmen eine Abkürzung neben der Hauptstraße durch den Wald. Diese beginnt direkt am südlichen Ende des Marktgeländes und erspart uns zahlreiche Meter und viel Zeit. Im Gepäck haben wir noch ein paar mit Tej abgefüllte Wasserflaschen, damit unser zurückgebliebener Rainer auch noch einmal probieren kann.

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 309 - 314: Wieder "Kino" in der Dorze Lodge

Wir haben Glück. Die anfänglich vereinzelten Regentropfen werden immer seltener, und als wir nach zirka 30 Minuten gegen 15:30 Uhr in der Lodge eintreffen, kommt tatsächlich noch einmal die Sonne heraus. So können wir den Tag noch einmal bei schöner Aussicht ausklingen lassen. Die Jungs der Lodge haben sich derweil angeboten unsere verschlammten Schuhe und Hosen gegen eine Gebühr einer Reinigung zu unterziehen. Mal sehen wie das funktioniert.

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 315 + 316: Blicke zum Retsaurantbereich der Dorze Lodge

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 317: Die Schuh- und Hosenwaschanlage

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 318 + 319: Dorze-Keramik und Armbänder

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 320 + 321: Dorze Lodge - Blick von der Restaurantterrasse auf unsere Bungalows. Das kleinere ist der Einpersonenhaushalt. ;-)

Die Wäscherei der Jungs hat nicht so richtig funktioniert. Aber egal, der Wille zählt. Das Profil der Sohlen ist noch völlig mit Schlamm aufgefüllt. Warum sollte man die auch säubern, sind ja schließlich keine Hausschuhe. ;-) Auch der Schlamm an den Hosenbeinen war wohl mit der Katzenwäsche nicht zu vertreiben. Er ist zwar deutlich blasser geworden, nimmt aber dafür deutlich mehr Fläche ein. Also betreiben wir bei schöner Aussicht noch ein wenig Nachsorge, bevor wir alles zum trocknen auslegen.

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Lodge - Arba Minch - Ethiopia

Bild 322 - 325: Langsam werden die Schatten der Berge immer länger und die Sonne verschwindet hinter unserem Rücken.

Die Zeit für's Abendessen rückt heran und damit die Hoffnung, dass wir heute nach dem nasskalten Tag ein ordentliches Kaminfeuer bekommen. Wir haben dabei aber nicht den außerordentlichen Fleiß unserer Jungs berücksichtigt. Der Kamin des Restaurants, begrüßt uns genau wie gestern Abend, mit einer schwarzen leeren Öffnung. Ich versuche ein entsprechendes Feuer zu bestellen. Ich würde es ja auch selber machen, aber neben dem Kamin oder in dessen Nähe befindet sich einfach kein Holz in Bereitschaft. Nur die Jungs der Lodge sitzen gelangweilt herum und gähnen um die Wette. Die Antwort ist äußerst verblüffend. Wenn es geregnet hat, könne man kein Holz sammeln gehen. Schließlich ist ja nun alles nass geworden. Wie bitte?! Ist hier irgendwo die versteckte Kamera? Von regensicherer Bevorratung haben die wohl noch nix gehört. Ich glaube unsere Jungs brauchen dringend einen eigenen Haushalt oder einmal einen richtigen Winter, damit sie lernen können wie man wirtschaftet. Der Job in der Lodge ist ihnen vermutlich nicht förderlich. Also sitzen wir wieder im halbfinsteren Restaurant und müssen uns warme Gedanken machen. Aber Alex hat noch eine Geheimwaffe im Auto, die er zum Abendessen mitbringt. Er hat doch tatsächlich beim Dorfbesuch der Dorze eine Flasche Schnaps organisiert, die wir nun mit dem heißen Tee der Lodge etwas verdünnen können. Wenn das nicht hilft! Und ein paar Flaschen Tej haben wir ja auch noch. ;-)

Eine Frage haben wir dennoch an die Jungs und zeigen ihnen das Bild von unserem achtbeinigen Haustier, welches erstaunlicher Weise nach unserer Rückkehr immer noch am selben Platze saß. Jetzt kommt Diskussion und Bewegung in die Truppe. Sie sind sich einig. Es ist eine giftige Shererite, wie sie sie nennen. Dieser illegale Bungalowbewohner muss unbedingt rausgeschmissen werden. Beim Rausschmiss ist es offenbar nicht geblieben, denn als wir heimkehren ist ein dunkler matschiger Fleck an der Wand, wo vorher die Spinne saß. Das tut mir aber jetzt leid. Ich hätte vielleicht doch versuchen sollen sie einzufangen.

Wir sehen uns morgen an dieser Stelle wieder, wenn wir über Arba Minch nach Konso reisen und dort dessen gleichnamiges Volk in ihrem unter dem Schutz der UNESCO stehenden Dorf besuchen. Darüber hinaus werden wir eine Sandsteinformation erkunden, die von den Einheimischen auch als "New York" bezeichnet wird.

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim

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