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Flagge Region OromiaZion Train Lodge ShashemeneFlagge Region Southern Nations, Nationalities and PeoplesDorze Lodge - Arba Minch
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ETHIOPIA - THE SOUTH

Ein Reisebericht - Teil 3

02.06.2019 – Von Shashemene über Guba weiter nach Süden zu den Dorze
(25.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia - The South Heute werden wir Shashemene verlassen und in der Folge weiter in den Süden vordringen. Unser Tagespensum wird bei etwa 250 km liegen, was uns am Ende in der Nähe von Arba Minch zu dem Volk der Dorze führen wird. Doch zunächst geht es ein ganzes Stück nach Westen bis Alaba Kulito, der Hauptstadt des Alaba Woredas mit dessen Alaba Volk.
Für 9:00 Uhr steht heute unsere Abfahrt auf dem Programm. Allerdings sind wir schon Stunden vorher auf den Beinen um das kleine Vogelparadies und die ländliche Idylle der Lodge ausgiebig zu genießen. Damit wir das nicht verpassen, haben uns schon lange vorher in der Nacht die Kühe der Nachbarschaft, die Gesänge der orthodoxen Priester und die Hähne der Lodge daran erinnert.

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Bild 127 - 137: Zion Train Lodge - Shashemene

Was die wilden Vögel der Lodge betrifft, kann man so einige Arten entdecken, die auch nicht sonderlich scheu sind. Ob nun Papageien, Eulen, Kolibris und zahlreiche andere Federträger, sind diese deutlich in der Mehrheit gegenüber der uns von Deutschland her bekannten Vogelarten. Für unser gemütliches äthiopisches Frühstück können wir uns keine bessere Kulisse wünschen. Allerdings wird man so immer wieder zwischendurch verleitet auf die Fotopirsch zu gehen.

Owl - Zion Train Lodge - Shashemene Birds - Zion Train Lodge Shashemene

Birds - Zion Train Lodge Shashemene

Birds - Zion Train Lodge Shashemene Birds - Zion Train Lodge Shashemene

Bild 138 - 142: Eine kleine Auswahl der gefiederten Freunde der Zion Train Lodge
Bild 141 + 142: Red-billed firefinch / Rotschnabelfeuerfink auch Senegalamarant

Man kann hier ganz bequem mehr Vögel beobachten, als wenn man sich irgendwo in der freien Natur postieren würde. Aber leider können wir uns nicht allzu lange vertrödeln, wenn wir unseren Tagesplan ohne Einschränkungen über die Bühne bringen wollen. Also bringen wir jetzt endlich einmal unser schönes Frühstück zu Ende, bevor sich der köstlich duftende äthiopische Morgenkaffee eine Unterkühlung einfängt.

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Bild 143 - 146: Zion Train Lodge - Shashemene

Für unser Frühstück haben wir uns wieder auf unserem abendlichen Platz auf der Terrasse eingerichtet und nutzen nicht den noch extra vorhandenen Speisepavillon. So können wir die ersten Sonnenstrahlen genießen und das Geschehen im Umfeld besser im Blick haben.
Schließlich rückt unsere Abholzeit heran und wir müssen uns um unser Gepäck kümmern.

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Bild 147 - 150: Unsere tolle "Rundhütte" in der Zion Train Lodge

Dann hupt es vor dem Tore und unser Minibus wird eingelassen. Driver Alex und Guide Mastu haben sich nach dem gestrigen stressigen Tag wieder sichtlich erholt und haben ihre gute Laune zurück gewonnen. Schnell sind unser Reisegepäck verstaut und die Schlüssel abgegeben. Jetzt nur noch schnell ein paar Abschiedsfotos und dann verlassen wir den Yard der Zion Train Lodge von Alex und Sandrine.

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Bild 151: Das Tor der Zion Train Lodge von innen mit dem Bildnis von Marcus Garvey und einem Schiff der Black Star Line.

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Mastu + Alex - Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia Alex + Sandrine - Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Zion Train Lodge - Shashemene - Ethiopia

Bild 152 - 156: Abschied von der Zion Train Lodge



Video: Zion Train Lodge

Das große rot-gelb-grüne Blechtor der Zion Train Lodge mit dem Lion of Judah und dem stilisierten Kreuz von Lalibela, schließt sich wieder hinter uns. Das Aussehen des Tores hat sich über die Jahre schon einige Male verändert. Dieses Mal musste Maria mit dem Jesuskind dem afrikanischen Kontinent mit dem Lion of Judah weichen (siehe Bild 625 in Ethiopia Again - Teil 6). Jahre davor wiederum wachten noch zwei Erzengel auf den Torflügeln (Siehe Foto 3 / Seite 16 - Heimkehr aus Babylon - Carsta Schnabel).

Nyabinghi-Tabernakel - Shashemene - Ethiopia

Bild 157: Noch einmal ein Blick auf das verfallende Nyabinghi Tabernakel von Shashemene

Wir fahren vorbei am Nyabinghi-Tabernakel in Richtung Tankstelle zur Hauptstraße A7 und wollen noch kurz dem Shash Monument einen Besuch abstatten. Alex und Mastu haben noch nie etwas davon gehört, aber wir können dennoch kurz einen Blick auf Mama Shashe, wie die Statue des Monuments heißt, beim vorbeifahren erhaschen. Also noch einmal kurz wenden und eine Parkposition suchen.

Shash Monument + Nyabinghi Tabernacle - Shashemene - Ethiopia

Bild 158: Auszug Google Map - Shash Monument (oben links im Straßendreieck) + Nyabinghi Tabernacle (rechte Bildhälfte unten) - Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Mama Shashe - Shashemene - Ethiopia

Bild 159: Shash Monument - Mama Shashe

Das dereinst als kleine Parkanlage angelegte Gelände mit Wasserbecken und Statue der Mama Shashe, ist jedoch heute nicht mehr richtig zugänglich. Alles ist verwildert und Mama Shashe droht in sich zusammenzustürzen. Wir müssen uns durch Plastiktütentöpfe einer Straßengärtnerei hindurchzwängen, um ein paar Fotos machen zu können. Das Denkmal ist zwar sowieso nicht unbedingt eine Touristenattraktion und auch nicht besonders künstlerisch wertvoll, hat aber einen interessanten Hintergrund, auf den man stößt, wenn man sich mit der Geschichte der Stadt befasst.

Mama Shashe - Shashemene - Ethiopia Mama Shashe - Shashemene - Ethiopia

Bild 160 + 161: Mama Shashe - Oromo: Mannee

Auf unserer letzten Shashemene-Reise hatten wir über Ras Mweya Masimba berichtet (Ethiopia Again - Teil 5). Dieser hat in seiner Broschüre "Rastafari Lighthouse" (Seite 5), die wir dort ab Bild 572 vorgestellt hatten, folgendes berichtet: Die Statue von Mama Shashe wurde am Tag des Jahrtausendwechsels (nach unserem Kalender am 11. September 2007) als Wahrzeichen von Shashemene enthüllt. Die Statue erinnert an eine Frau namens Shash, die im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts aus Tigray in die Oromo-Region kam und großen Anklang durch neuartige Beimischungen zu den lokalen Getränken fand, die sie in Harufa, wie die Gegend damals genannt wurde, verkaufte. Shash entwickelte sich zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau, die neben Mühlen und einer Flotte von Pferden für das übliche Transportmittel der Pferdekarren, vor allem eine Reihe von gut laufenden Gästehäusern besaß, in Oromo als "mana" - Willkommenshaus - bezeichnet. Sie wurde überregional bekannt, so dass Reisende es nicht versäumten, in einem "Mana Shashe" oder "Shashe Mane" zu übernachten. Unverkennbar liegt hier der Ursprung des heutigen Namens der "crossroad town" Shashemene, durch die täglich ein hohes Aufkommen an Händlern und Reisenden zu allen südlichen Regionen des Landes bis zum Grenzübergang nach Kenia passieren. (Deutsche Version aus: Heimkehr aus Babylon - Carsta Schnabel)
Wenn das Denkmal nach zirka 12 Jahren Existenz schon so aussieht, waren entweder die falschen Baustoffe oder die falschen Handwerker beteiligt. ;-) Hoffen wir, dass sich noch jemand findet, der Namensgeberin der Stadt ein würdigeres Aussehen zu verleihen.

Tekle Haymanot Church - Shashemene - Ethiopia

Bild 162: Auszug Google Map - Tekle Haymanot Church in Shashemene - Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Fahren wir ein paar Kilometer weiter die A7 entlang und legen einen letzten Stopp in Shashemene ein. Direkt am Wegesrand steht die Tekle Haymanot Church, die wir einmal kurz umrunden werden. Über den heiligen Tekle Haymanot, dem die Kirche geweiht ist, haben wir ausführlich in "Ethiopia - Break in Addis - Teil 2" berichtet. Wer also mehr über diesen einbeinigen heiligen Mann erfahren möchte, einfach noch einmal zurückschlagen.

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Tekle Haymanot Church - Shshemene - Ethiopia

Bild 163 - 170: Tekle Haymanot Church Shashemene
Bild 168: Maria mit dem Jesuskind und Saint Tekle Haymanot



Video: Die Tekle Haymanot Kirche in Shashemene

Kurz darauf verlassen wir Shashemene in nordwestlicher Richtung und bleiben weiterhin auf der Straße A7. Eine knappe Stunde später verlassen wir die Verwaltungsregion von Oromia und kommen in den Landesteil der Southern Nations, Nationalities and Peoples bzw. in die Verwaltungsregion der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker. Allerdings ist dieser Landesteil nicht gleichbedeutend mit dem Süden des Landes, denn dieser teilt sich weiterhin in die Landesteile Oromia und Somali. Hier ein Überblick. Darüber hinaus gliedern sich diese Landesteile in Zonen und diese wiederum in Woredas.
Ein Stück hinter der Grenze von Oromia kommen wir in den Woreda Alaba (auch Halaba), benannt nach dem Volk der Alaba oder Halabe. Dort besuchen wir ein Teil der Ortschaft Guba. Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal hier, als wir aus der anderen Richtung kamen und nach Shashemene wollten (Siehe Ethiopia Again - Teil 5).

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Bild 171 - 174: Im Dorf Guba des Alaba Woredas

Der Alaba Woreda liegt überwiegend nördlich der A7 zwischen Lake Shala und Hosaena bzw. der B 51 und befindet sich auf einer Höhe zwischen 1.700 bis 2.200 über dem Meeresspiegel. Die Hauptstadt des Alaba Woredas ist Alaba Kulito. Unsere Fahrtroute quert diesen Woreda auf einer Strecke von zirka 20 Kilometer, auf halbem Wege zwischen Shashemene und Wolaita Soddo. Die Alaba (auch Alabe, Halaba oder auch Allaaba) sind überwiegend Muslime und behaupten von dem arabischen Geistlichen Abadir abzustammen, der sich dereinst in Harar niederließ und später Emir von Harar wurde.

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Bild 175 - 180: Familienbesuch in Guba

Die Rundhäuser des Dorfes haben in der Regel zwei Eingänge, einen zum begrünten Dorfplatz und einen nach hinten zu den gleich angrenzenden Feldern. Die Vorderseiten der Häuser sind dabei mit den unterschiedlichsten Motiven bemalt. Neben Tieren und Pflanzen sind sogar technische Dinge wie Fahrzeuge und Maschinenpistolen abgebildet. Im Inneren der Häuser ist nicht viel Hausrat zu erkennen. Die wichtigsten persönlichen Dinge sind in einer Holzkiste verstaut und alles andere wird an den Wänden und Holzbalken aufgehangen. In Momenten wie diesen ärgern wir uns immer wieder, dass man nie genügend Sachen zum verschenken auf die Reise mitnehmen kann. Die Sache mit dem Übergepäck im Flieger ist stets eine Gratwanderung. So müssen wir unsere Vorräte immer genau einteilen, damit man auch am Ende der Reise noch etwas übrig hat.

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Bild 181 + 182: Familienbesuch in Guba

Sobald die Geschenke über kleine Dinge wie Stifte, kleine Kuscheltiere, Seifenstückchen oder Ähnliches hinausgehen, bitte immer erst nach der ältesten Frau des Hauses Ausschau halten und ihr das Gesamtpaket zur späteren Verteilung geben. Ansonsten kann es ganz schnell zu unangenehmen Szenen kommen, die niemand haben möchte, weder der Reisende noch die Dorfbewohner. Diese Prinzipien gelten aber nicht nur für Äthiopien oder Afrika.

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Guba - Alaba Woreda - Ethiopia

Bild 183 - 187: Abschied von Guba

Fahren wir weiter in Richtung Alaba Kulito, wo sich dann unsere Route direkt nach Süden wenden wird. Bis dahin sind wir noch zirka 40 Minuten unterwegs und haben Zeit die vielen bunt bemalten Häuschen am Wegesrand zu bewundern. In Alaba Kulito haben wir die Gelegenheit ein gepflegtes Restaurant für eine kleine Kaffeepause aufzusuchen.

Alaba Kulito - Alaba Woreda - Ethiopia

Bild 188: Kaffeepause in Alaba Kulito in einer wieder völlig anderen Welt

Danach geht es weiter in Richtung Woleita Sodo (auch Wolayta Soddo). Wir erreichen die Stadt gegen 13:15 Uhr und halten dort unsere Mittagspause ab. Wir fahren dabei auf den großen Vorplatz des Abebe Zeleke Hotels, neben dem ein kleines Restaurant steht. Der Vorplatz besteht aus einer riesigen sattgrünen Wiese mit zahlreichen Sitzgelegenheiten und Sonnenschirmen. Allerdings sieht es momentan überhaupt nicht nach Sonne, sondern eher nach baldigem Regen aus. Also nehmen wir lieber die Plätze auf der Terrasse ein.
Nach dem Essen heißt es Kat kauen, bzw. möchte uns Mastu diese weit verbreitete Sitte einmal ausprobieren lassen. Also wird gleich von ihm ein Bündel Grünzeug für wenige Birr von den zahlreichen Straßenhändlern ins Auto geholt.

Bild 189: Die Volksdroge Kat
Chat

Wir können der Sache allerdings nichts abgewinnen. Außer dem bitteren Geschmack und dem Gefühl, dass die Kiefer immer breiter werden, weil sich immer mehr der Blätter zwischen den Zähnen festsetzen, bemerke ich zumindest nichts an Stimmungsschwankungen oder Wohlbehagen. Ich bin froh, als ich beim nächsten Halt die grüne Kugel in die grüne Wildnis entlassen kann.

Much water after rain - Ethiopia - The South

Much water after rain - Ethiopia - The South

Much water after rain - Ethiopia - The South

Bild 190 - 192: Die Trockenflüsse quillen nach dem Regen über

Inzwischen hat es tatsächlich geregnet. Auf unserer Strecke zwar nicht sonderlich viel, aber vermutlich etwas mehr in der Ferne. Die Flusstäler an unserer Strecke sind mit schlammig braunem Wasser überfüllt, welches sich brüllend und fauchend weiter talwärts drängt. Offenbar ist das öfter so und es scheint dabei nichts zu passieren. Dennoch würde ich meine Hütte lieber an anderer Stelle platzieren.

Waterfall - Ethiopia - The South

Waterfall - Ethiopia - The South

Bild 193 + 194: Wasserfall auf Zeit, kurz vor der ehemaligen Provinzgrenze von Gemu-Gofa

Ein paar Minuten später zeigt sich die Situation schon wieder deutlich entspannter, aber als wir eine Stunde später den Lake Abaya (auch Lake Abaja oder Abaya Hayk) erreichen, kann man in ihm deutlich die Nachwehen des Regens erkennen. Durch die vielen schlammigen Zuflüsse hat er eine deutliche Braunfärbung angenommen, wenn er diese nicht sowieso schon gehabt hat.

Lake Abaya - Ethiopia

Ethiopia - The South Ethiopia - The South

Lake Abaya - Ethiopia Ethiopia - The South

Lake Abaya - Ethiopia

Bild 195 - 200: Am Lake Abaya nördlich von Arba Minch
Bild 196Fettblattbaum oder Oscherstrauch / Calotropis procera
Bild 197: Vermutlich Jerusalemsdorn / Parkinsonia aculeata (ursprünglich nicht in Äthiopien)
Bild 198: Das Wasser stand wohl schon einmal höher.
Bild 199: Wasserhyazinthe / Water Hyacinth / Eichhornia speciosa

Der Abajasee (Lake Abaya) ist 72 km lang und an der tiefsten Stelle 24 m tief. Da er sich im äthiopischen Grabenbruch befindet, kann man im Bereich des Nordufers auch heiße Quellen finden. Er wird fast immer in einem Atemzug mit dem Chamosee (Lake Chamo) genannt, der sich im Süden nach der sogenannten "Brücke Gottes" (Tosa Sucha) anschließt. Die "Brücke Gottes" ist eine 3-8 km breite Landenge, die beide Seen voneinander trennt. Der Wasserstand des Abajasees liegt im Durchschnitt 60 m über dem des Chamosees. Der Chamosee ist mit 32 Kilometer Länge deutlich kleiner als der Abajasee. Die Seen haben eine vielfältige Tierwelt, der wir auf unserer Rückreise etwas näherkommen wollen. An der Westseite der "Brücke Gottes" liegt die größere Stadt Arba Minch, die ebenfalls auf unserer Reiseroute liegt. Heute kommen wir aber noch nicht dahin. Wir werden einige Kilometer zuvor mit unserem Kleinbus in die Berge klettern, um das Dorze-Volk zu besuchen.
Also fahren wir erst einmal die A7 das gesamte Seeufer entlang weiter nach Süden und biegen zirka 6 km vor Arba Minch nach Norden in eine Sandpiste mit vielen Serpentinen ab. Wegen des zuvor stattgefundenen Regens, ist die Bewältigung der Strecke nicht immer leicht und Alex muss öfter überlegen welche Fahrspur er wählt. Wenn wir Mastu glauben sollen, kann es sogar so weit gehen, dass wir wieder umkehren müssen.
Unser Ziel ist der Ort Cencia (auch Chencha oder Dincha), wo wir zur Einstimmung auf die Region, ein Dorze "Tourist" Village (Moke Dorze Community Village & Lodge) besuchen werden. Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir gegen 16:00 Uhr schließlich unser Ziel in den Bergen über Arba Minch, gemessen nachdem wir von der A7 abgebogen sind.

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 201 - 207: Im Moke Dorze Community Village and Lodge nördlich von Arba Minch
Bild 201 + 202: Die typischen "Elefantenhäuser" der Dorze
Bild 203 + 204: Herstellung von Garn aus Wolle

Die Dorze ist eine der vielen ethnischen Volksgruppen Äthiopiens und zählt etwa 30.000 Menschen. Sie leben überwiegend nördlich von Arba Minch in den Guge Mountains (auch Gughe). Sie verdienen ihren Lebensunterhalt überwiegend mit Weberei, Bambusschreinerei, etwas Töpferei und natürlich mit der Landwirtschaft. Vorrangiger Grundstoff ist dabei die Ensete, auch falsche Banane genannt, die in nahezu allen Lebensbereichen anzutreffen ist, ob nun als Brot, in der Weberei, für den Zaunbau, für die Herstellung ihrer Häuser und vieles mehr. Diese runden bis ovalen Häuser gehören zu den markantesten, die man in Äthiopien finden kann. Sie erinnern an riesige Bienenkörbe und zum Teil auch an Elefantenköpfe. Man sagt, die Dorze seien bei der Gestalt ihrer Häuser von den Elefanten inspiriert worden, die in früheren Tagen noch in dieser Gegend gelebt haben. Die Farben der Dorze sind schwarz, rot und gelb, die man an ihren Hüten, Schals, Hosen, Umhängen und anderen Kleidungsstücken, besonders zu festlichen Anlässen wiederfinden kann.

Ensete-Zaun - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Ensete-Fasern - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia Ensete-Brotteig - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Ensete-Brotherstellung - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Ensete-Brotherstellung - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Ensete-Brotherstellung - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 208 - 213: Die Ensete im Leben der Dorze
Bild 208: Zaun aus Ensete-Blättern
Bild 209: Gewinnung der Ensete Fasern
Bild 210 - 212: Aus der Ensete-Brotherstellung
Bild 213: Die Blätter der Ensete dienen auch als perfekte Unterlage und Verpackung in vielen Bereichen

Und wenn wir schon bei der Brotherstellung zuschauen, müssen wir natürlich auch den letzten Schritt bis zur Verkostung gehen. Hierzu geht es in eines der typischen Häuser an die Feuerstelle, wo das Brot auf einem Ensete-Blatt gebacken wird. Im Haus gibt es noch Plätze zum Sitzen und Schlafen und verschiedene an den Ensete-Wänden und Bambusgerüsten aufgehangene Gebrauchsgegenstände. Mit im Haus leben zum Teil auch die Tiere der Dorze.

Ensete-Brotherstellung - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Kürbisgefäße - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Ensete-Brotherstellung - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 214 - 218: In einem Haus der Dorze
Bild 214 + 218: Das Ensete-Fladenbrot wird gebacken
Bild 215: Gefäße aus Kürbisse
Bild 216: Schmuck aus roten Bohnen und Eukalyptussamen
Bild 217: Unter der Decke hängen zu Paketen verschnürte und für die Bierherstellung des Hauses aufbereitete Gerstensamen

Das Fladenbraut schmeckt erstaunlicher Weise nicht sehr viel anders als jedes andere Fladenbrot. Es fehlt uns zwar der direkte Vergleich, aber als Alternative für das ansonsten übliche Getreide, muss sich die Ensete nicht verstecken.

Keramik - Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 219: Keramiken der Dorze zum Verkauf

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 220 - 222: Dorze Village

Wir gehen ein Stück weiter zwischen hohen Ensete-Zäunen entlang und kommen durch verschiedene Tore von einem Platz zum nächsten mit weiteren Rundhäusern. Hinter einem dieser Zäune muss gerade ein Vierbeiner sein Leben lassen. Wir schauen lieber nicht so genau hin, denn was dort gerade passiert, ist sicher die Vorbereitung für das Abendessen der Gäste. Das muss man vielleicht nicht so genau im Detail wissen.

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 223 + 224: Dorze Village
Bild 223: Es gibt weißen Selbstgebrannten mit Weinraute - Jo Jo Jo Jo Jo Jo - Joooooo

Wir kommen auf einen großen Dorfplatz mit einem kleinen Shop und einem Gästepavillon. Hier kann man alle Handarbeiten der Dorze, vom Schmuck über Töpfereien bis hin zu Textilien und vieles mehr erwerben. Irgendein Souvenir findet man bestimmt.
Nun müssen wir den Schnaps der Dorze ausprobieren, und zwar so lange bis zwei Flaschen leer sind. Zur Geschmacksverbesserung gibt man Weinraute in das Glas, welches schon zur Römerzeit in Europa als Gewürz- und Heilpflanze bekannt geworden ist. Anderenorts haben wir das auch schon als Zutat für den äthiopischen Kaffee erlebt. Nach zahlreichen Trinksprüchen hat man uns so weit, dass wir auch Dinge tun, zu denen wir ohne den Dorze-Schnaps vermutlich nicht bereit gewesen wären. Aber was soll´s, etwas Spaß muss auch sein.

Maskerade im Dorze Village

Mastu - Maskerade im Dorze Village Maskerade im Dorze Village

Maskerade im Dorze Village

Maskerade im Dorze Village

Maskerade im Dorze Village

Bild 225 - 230: Legt euch ja nicht mit uns an! ;-)

Mastu legt vor, mit dessen passendem Aussehen wir Bleichgesichter natürlich nicht so recht in dieser Maskerade konkurrieren können. Unsere Schuhe passen auch nicht so recht zu der Verkleidung. Aber damit sind wir alle auf einer Linie. Während wir in unserem Gemetzel vertieft sind, wird ein paar Meter weiter schon die Feuerstelle für die Garung des kurz vorher ins Jenseits beförderten Vierbeiners angeworfen.

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Dorze Village - Arba Minch - Ethiopia

Bild 231 - 235: Das Gästeessen wird vorbereitet.

Wir überlassen das Fleisch den anderen maskierten Touristen aus Addis und brechen langsam auf. Denn wir müssen noch ein paar Kilometer wieder zurück fahren und möchten noch bei Bezug unserer Lodge etwas Licht dabei haben.



Video: Dorze Village

Straße zum Zentrum von Cencia

Bild 236: Vor dem Dorze Village - Straße zum Zentrum von Cencia

Für unsere Übernachtung haben wir uns die Dorze Lodge ausgesucht, die auf einem naheliegenden Felsgrat liegt. Von dort hat man einen phantastischen Ausblick über die Landschaft bis auf die Seen Abaya und Chamo, einschließlich der "Brücke Gottes". Bis zu der noch zweimal weiter untergeordneten Sandpiste die hinauf zur Lodge führt, sind wir zwar in wenigen Minuten angekommen, aber das letzte Stück wird noch einmal ein Härtetest für Alex und unseren Minibus. Die letzten 50 Meter des Hanges, den unsere Piste hinaufführt, ist vom Regen ausgespült und schlammig. Alex überlegt und mustert jeden Quadratmeter, um seine persönliche Slalomstrecke festzulegen. Wir wollen aussteigen aber Alex lässt uns nicht. Siegessicher startet er und quält den Bus den Berg hinauf. Die Räder drehen durch, der Schlamm spritzt, Steine poltern an den Fahrzeugboden und immer wieder rutschen und neigen wir unkontrolliert nach der einen oder anderen Seite. Wir sehen schon die Schlagzeilen in der deutschen Presse: "Deutsche Touristen mit dem Minibus bei Arba Minch in die Schlucht gestürzt." Aber Alex weiß offenbar genau was er sich und seinem Bus zutrauen kann und wir kommen zum Glück wohlbehalten oben an.

Dorze Lodge - Ethiopia

Bild 237: Auszug Google Map - Dorze Lodge bei Arba Minch - Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Die Sonne ist inzwischen untergegangen aber wir können dennoch unsere Blicke in die Ferne schweifen lassen. Wir sind überwältigt. Wir haben zwar gewusst was uns erwartet, aber das Erlebnis gibt kein Foto und kein Video wieder. Wir genießen den Ausblick so lange wir noch können und begeben uns dann zum Restaurant der Lodge. Es ist frisch geworden und warme Sachen sind gefragt. Leider verströmt der Kamin des Restaurants keine wohlige Wärme, sondern nur ein großes schwarzes und kaltes Loch. Wir sind die einzigen Gäste in der Lodge, was das Engagement des jugendlichen und durchweg männlichen Personals erheblich ausbremst. Wegen uns drei Hanseln wird offenbar kein Gedanke an ein Kaminfeuer verschwendet. Es läuft alles auf Sparflamme. Also wird heute nix mit dem gemütlichen Genuss einer Flasche Wein am Kaminfeuer. Darüber hinaus haben wir sowieso zu beachten, dass hier oben nur von 7 - 22:00 Uhr Strom zur Verfügung gestellt wird.

Für Fotos an dieser Stelle ist es schon zu spät, aber mit dem nachfolgenden Video haben wir noch etwas Licht eingefangen und verstärkt. Ausnahmsweise ist darin auch schon ein Vorgeschmack auf den nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang enthalten.



Video: Dorze Lodge - Zusammenschnitt aus drei Tagen bis zur Abreise

Wir sehen uns morgen an dieser Stelle wieder und werden dann die weitere Umgebung zu Fuß erkunden. Wir besuchen dabei den Wasserfall Dorsso und den beeindruckenden Dorfmarkt südlich von Cencia. Ein Besuch in einer der vielen Tej-Kneipen darf natürlich auch nicht fehlen.

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim

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