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ETHIOPIA - THE SOUTH

Ein Reisebericht - Teil 1

31.05.2019 – Ankunft in Addis Ababa - Gibbi privat
(23.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia - The South Nach zwei Jahren Abstinenz kehren wir in den Vielvölkerstaat  Äthiopien zurück, um wieder ein paar andere Orte zu erkunden, die in früheren Reisen noch nicht einzuordnen gingen. Dieses Mal werden wir einige Völker des Südens besuchen, deren natürliche Existenz und Kultur inzwischen stark bedroht ist. Denn auch dort hält die Moderne immer mehr Einzug.
Ein äthiopischer Freund hat uns deshalb bei der Reisevorbereitung geraten, zunächst diese Völker zu besuchen und andere Ziele des Landes nach hinten zu verschieben. "Menschen verändern sich, die Natur nicht.", war sein hilfreicher Rat für unsere Entscheidung. Immerhin hat das riesige und interessante Land noch so viel zu bieten, dass man fürchten muss, gar nicht alles abarbeiten zu können. Dies nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen immer wieder schwelender ethnischer und politischer Konflikte, in die wir zum Glück bisher noch nicht hineingeraten sind. Wir werden uns auch dieses Mal anstrengen, zwischen den Ausnahmezuständen und Unruhen hindurchzuschlüpfen.

Nach einem achtstündigen Nachtflug von Frankfurt landen wir planmäßig um 5:55 Uhr in Addis, kaufen unser Visum für 50 USD/Person und sind relativ schnell durch die Passkontrolle. Den Geldwechsel am Flughafen können wir uns heute ersparen, denn die von uns benötigten äthiopischen Birr bekommen wir nach früherer Vorbestellung heute noch ganz bequem von Muluye ins Hotel "geliefert". Muluye ist für die diesjährige Reise unser Ansprechpartner und Alex der Fahrer für unsere dreiköpfige Gruppe. Mit angeheuert für diese Reise hat unser Freund Rainer. Dementsprechend haben wir auch ein größeres und bequemeres Auto, was allerdings auf einigen Straßen des Südens unserem Alex noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten wird.
Muluye und Alex nehmen uns am Flughafen in Empfang und bringen uns in unsere Unterkunft. Hierzu haben wir dieses Mal das Monarch Hotel im Stadtteil Bole, zu dem auch der Flughafen gehört, ausgewählt. Es ist ein modernes Hotel, in dem es hin und wieder auch ein abendliches Konzert im Außenbereich gibt.

Monarch Hotel - Flyer 2019 Monarch Hotel - Flyer 2019

Bild 1 + 2: Werbeflyer des Monarch Hotels von Addis Ababa

Friday Night ist Jazz Night. Reggae wäre uns zwar lieber, aber zumindest ist Rainer Jazz-Spezialist, und so wird wenigstens einer von uns dreien auf seine Kosten kommen. Wir sind gespannt, was wir zu hören bekommen werden.
Nach dem Zimmerbezug und der Abklärung einiger privater und organisatorischer Dinge sind wir gegen 10:30 Uhr bereit, den ersten Akklimatisierungsspaziergang in dem über 2.355 m hoch gelegenen Addis Ababa zu unternehmen. Wenige Gehminuten von unserem Hotel in östlicher Richtung liegt die Bole Medhane Alem Cathedral. Wir kennen sie zwar schon von einer früheren Reise her, aber für Rainer ist es eine Neuentdeckung.

Monarch Hotel + Bole Medhane Alem Cathedral

Bild 3: Auszug Google Map - Monarch Hotel (unten links) + Bole Medhane Alem Cathedral (rechte Bildhälfte) - Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa - Ethiopia

Bole Medhane Alem - Addis Ababa - Ethiopia Bole Medhane Alem - Ticket - Addis Ababa - Ethiopia

Bole Medhane Alem - Addis Ababa - Ethiopia Bole Medhane Alem - Addis Ababa - Ethiopia

Bole Medhane Alem - Addis Ababa - Ethiopia

Bild 4 - 9: Bole Medhane Alem Cathedral - Addis Ababa

Wir bleiben nicht lange unbemerkt und die Aufpasser der EOTC sind zur Stelle, um uns ein Ticket zum stolzen Preis von 900 Birr zu verkaufen. Zum Tageskurs sind das fast 30 EUR und für äthiopische Verhältnisse ist das sehr realitätsfremd. Vor einigen Jahren haben wir noch 150 Birr/Person bezahlt, und da war Foto- und Videogenehmigung schon inklusive. Dieses Mal nicht. Nach einiger Diskussion blickt der Kirchenführer aber gnädigerweise darüber hinweg, als wie ihn von unseren früheren Erfahrungen berichten.

Addis Ababa

Bild 10: Südlich der Kathedrale gelegenes Nebengebäude

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 11 - 16: Bole Medhane Alem - Außenansichten der Westseite

Die Kathedrale ist heute für die Öffentlichkeit geschlossen und der Kirchenführer muss für uns extra aufschließen. So schön wie es auch sein mag, solch ein Objekt für sich allein zu haben, ist es dennoch um ein Vielfaches besser, den realen Kirchenbetrieb oder sogar einen Gottesdienst mit den orthodoxen Gesängen zu erleben. Wer dazu noch nicht die Gelegenheit hatte, sollte sich unbedingt zu den Zeiten informieren und eine der vielen Kirchen auswählen.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Tekle Haymanot - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 17 - 22: Bole Medhane Alem - Addis Ababa
Bild 20: St. Tekle Haymanot
Bild 21 + 22: Malereien links und rechts des Allerheiligsten

Bole Medhane Alem bedeutet "Saviour of the World" und ist eine der größten Kirchen von Afrika. Genauer gesagt steht sie sogar an zweiter Stelle. In Addis Ababa ist sie momentan die größte Kirche. Vor dessen Errichtung war die Selassie-Kathedrale / Dreieinigkeits-Kathedrale / Holy Trinity Cathedral die größte Kirche von Addis Ababa und Äthiopien. Etwas unverständlich ist, dass es bei dem Status dieser Kirche keine informatorischen Fakten zur Baukunst, den Malereien und anderen Kunstwerken gibt. Im Vergleich zu unserem ersten Besuch hat sich dahingehend leider immer noch nichts geändert.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Jared - Addis Ababa

Bild 23 + 24: Blick zur Empore mit einem Bilderzyklus über den heiligen Yared, dem Erfinder der äthiopischen Kirchenmusik.

Es lohnt sich auch einen Blick von der Empore in den Kirchenraum zu nehmen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Gemälde anzusehen, die man von unten nicht sehen kann.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 25 - 28: Blick von der Empore in den Kirchenraum und auf zwei der Gemälde der Empore

Was die vielen detailreich gemalten Bilder betrifft, könnte man jedes einzelne näher zeigen und erläutern. Allerdings würde dies den Rahmen dieses Reiseberichtes sprengen. Wir haben in früheren Berichten schon sehr viele Kirchenmalereien gezeigt, sind aber in jeder Kirche immer wieder aufs Neue von diesen Kunstwerken beeindruckt. Die Bole Medhane Alem Cathedral gehört dabei noch nicht einmal zu den Kirchen mit den meisten Darstellungen.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 29: Blick von Nordwesten

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 30: Speicher für heiliges Wasser für Taufzeremonien und anderes. Zu finden an der Nordseite des langen Prozessionsweges zwischen Eingangstor und Kathedrale.

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bole Medhane Alem - Addis Ababa

Bild 31 + 32: Das Tor am nordwestlichen Ende des Kirchengrundstückes in Richtung Namibia Street

Und hier noch ein zusammenfassender Rundgang per Video mit ergänzenden Aufnahmen.



Video: Bole Medhane Aleme - Addis Ababa

Während wir unsere Besichtigung der Kathedrale durchführen, ist es Muluyes Aufgabe an unserem nächsten Besichtigungspunkt zu arbeiten. Diesen haben wir ganz hoch angebunden und alle anderen Pläne müssen sich diesem unterordnen.
Nach langer Vorbereitung und zahlreichen "heißen Drähten" haben wir es nämlich endlich geschafft, mit einer Empfehlung der Deutschen Botschaft ausgestattet, die Genehmigung des Ministerpräsidenten zu ergattern, den lang ersehnten Nationalpalast (National Palace oder Jubilee Palace) besichtigen zu dürfen. Da Rainer als Journalist mit den nötigen Papieren ausgestattet ist, ist es dank seiner Bemühungen gelungen, diese Option für uns zu eröffnen. Soll sich heute tatsächlich der eiserne Vorhang endlich für uns lüften? Und tatsächlich bekommen wir im Laufe der weiteren Telefonate grünes Licht. 14:00 Uhr sollen wir da sein. Die Spannung und Vorfreude steigen gewaltig.
Bevor es so weit ist, gehen wir noch einmal ins Hotel zurück und lernen während einer Erfrischungspause unseren Guide der nächsten zwei Wochen kennen. Es ist Mastewo oder kurz Mastu, wie er genannt werden will. Der schätzungsweise 25 Jahre junge Mann trägt kurze Dreadlocks, hört gerne Reggae, liebt HIM und wird von seinen Bekannten auch "Rasta" gerufen. Das passt schon einmal ganz gut zu unseren Interessen.

Schließlich ist es so weit, und Alex soll uns zu dem vereinbarten Treffpunkt bringen, den ihm das Büro des Premierministers durchgegeben hat. Allerdings staunen wir nicht schlecht, als wir kurz darauf am Tor des Nationalpalastes vorbeifahren und ein Stück weiter an einem Eingang des Gibbi halten. Jetzt werde ich aber unruhig und versuche unseren Begleitern klar zu machen, dass wir hier nicht am Nationalpalast, sondern am Gibbi sind. Diese lassen sich aber nicht beirren und das Militär öffnet inzwischen das Gittertor. Alex und Mastu haben keine Ahnung, was der Nationalpalast oder der Gibbi ist. Der "eiserne Vorhang" den der Staat um diese beiden Objekte errichtet hat, hat in der Bevölkerung seine Spuren hinterlassen. Die kaiserlichen Palastanlagen auf dem Gibbi sind nahezu unbekannt. Selbst örtliche Reiseveranstalter oder die zahlreichen Stadt-Guides können kaum auseinander- halten, was der Nationalpalast oder die kaiserlichen Anlagen auf dem Gibbi sind, was sich nun wieder einmal bestätigt. Wer historische Fotos von den Gebäuden des Gibbi besaß, konnte sich glücklich schätzen. Neuere Fotos gab es einfach nicht, auch keine näheren geschichtlichen Informationen zu den verschiedenen Objekten.
Wie sich dann herausstellt, sind wir aber dennoch an der Stelle, die man für unseren Besuch vorgesehen hat. Wir stehen tatsächlich alle auf einem Passierschein, den der Militärposten hervorkramt. Offenbar haben die Mitarbeiter im Büro des Premierministers ebenfalls die Sache verwechselt. Uns soll es recht sein. Diese kleine Sensation nehmen wir doch gerne mit.

Ethiopia - Addis Ababa - Gibbi

Bild 33: Teil des Gibbi in 2019 noch während der Umbauarbeiten - Auszug Google Map
Einfach Bild oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Der Gibbi ist ein 2.442 m hoher Hügel inmitten von Addis Ababa und beherbergt unter anderem einige Gebäude und Paläste aus der Zeit von Kaiser Menelik II., das Menelik Mausoleum, welches auch als Kirche Ba´eta Le Mariam genutzt wird, weiterhin die Kidane Miheret Church (oder Kidane Mehret Church) und die St. Gabriel Church. Nur die drei Kirchen waren bisher öffentlich zugänglich, wobei diese auch im erweiterten Fokus der Bewacher standen. Außenaufnahmen waren dort weitestgehend tabu. Wer es dennoch versucht hat, musste es schon etwas schlau anstellen, um nicht den Verlust sämtlicher Aufnahmen seiner Kamera zu riskieren.

Wir haben über die Jahre oft versucht, einen verbotenen Blick zu erhaschen oder nach Einlass zu fragen, aber allein Mimik und Gestik der Bewacher waren schon stark genug jegliches Ansinnen diesbezüglich im Keim zu ersticken.

Nach dem Sicherheitscheck durch die nunmehr freundlichen Militärposten und der Erfüllung deren Anordnung zur Zurücklassung von Kameras und Handys, dürfen wir schließlich zum ersten Mal hinter die streng bewachte eiserne Einfriedung des Gibbi mit den kaiserlichen Symbolen. Danach werden wir von einem Mitarbeiter des Büros des Premierministers abgeholt und zum Startpunkt unseres Rundganges und einem Mitarbeiter des örtlichen Managements gebracht. Was wir dann vorgeführt bekommen haben, übersteigt jegliche Erwartungen unsererseits. Bisher kannten wir nur einen Teil von Meneliks hölzernen Palast mit dem Wachturm, von einer historischen Aufnahme. Alle anderen kaiserlichen Bauwerke sind für uns eine "Neuentdeckung". Wir sind gespannt auf die künftigen Erklärungen zu den Palastanlagen, die momentan noch etwas sparsam sind bzw. in der Literatur noch gar nicht zu finden sind.
Alles ist liebevoll und perfekt restauriert. Man kann sich schon sehr gut vorstellen wie das Gelände mit seinen zahlreichen Objekten nach der Fertigstellung aussehen wird. Im Oktober dieses Jahres soll das Gelände als "UNITY PARK" für die Bevölkerung geöffnet werden. Neben den kaiserlichen historischen Bauwerken oder um sie herum werden für Rollstuhlfahrer geeignete Wege angelegt, Pavillons und Skulpturen errichtet, mit denen sich jede Region Äthiopiens präsentieren kann. Es werden Zonen der Entspannung und Kinderspielplätze eingerichtet und natürlich ein modernes Einlassgebäude mit großem Touristenshop gebaut. Der Haupteingang des Unity Parks wird in direkter Verlängerung der aus dem Süden kommenden Menelik II. Avenue, also aus Richtung National Palace und Africa Hall platziert.

Die nachfolgenden Fotos wurden zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen.

Ethipia - Addis Ababa - Unity Park - Festhalle

Bild 34: Banquet Hall - Festsaal (Foto: Unity Park)

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Bild 35: Haupteingang der Banquet Hall oder auch Gibir Adarash genannt. Der Festsaal hat eine Kapazität von fast 8.000 Gästen und wurde in der Regierungszeit von Menelik II. erbaut und soll nach Überlieferungen jede Woche genutzt worden sein. Nach Gründung der OAU hatte Kaiser Haile Selassie im Jahr 1963 in dieser Halle ein Fest für die Gründerväter der Organisation ausgestattet.

Die Banquet Hall, von der wir bisher nur in verschiedenen Büchern gelesen haben überrascht uns mit seiner Größe, tollen Holzarbeiten und kunstvollen Malereien. Die Halle soll auch in Zukunft für öffentliche Anlässe genutzt werden. In anderen Gebäuden wird es Museen geben, die schon zum Teil eingerichtet sind. Wir dürfen schon jetzt überall einen Blick hineinwerfen und freuen uns, dass man endlich all diese Sehenswürdigkeiten der Öffentlichkeit zugänglich machen will.

Ethipia - Addis Ababa - Unity Park - Thron House

Bild 36: Throne House oder Throne Hall (Foto: Unity Park)
Im Throne House oder auch der Throne Hall trafen sich die Monarchen Äthiopiens mit den regionalen Fürsten, um lokale Themen zu erörtern und diese zu entscheiden. Zu besonderen Anlässen wurden auch hier die ausländischen Würdenträger begrüßt. Unter anderem waren das in der Regierungszeit von Haile Selassie I., Königin Elizabeth II. von Großbritannien, Charles De Gaulle von Frankreich und Josip Broz Tito aus dem ehemaligen Jugoslawien. Während der Derg-Zeit tagte hier das Zentralkomitee und fällte zu Beginn ihrer Regierung die bekannte Landenteignungserklärung der Fürsten und traf die Entscheidung zahlreiche hohe Beamte und Familienmitglieder des Kaisers Haile Selassie I. zu töten. Der Thronsaal ist dekoriert mit wertvollen Stuckarbeiten an Wänden und Decke. Er hat seinen Namen von dem großen goldenen Thron in der Mitte. Dieser ist umrahmt von Säulen und einem Baldachin mit der Krone des Herrscherhauses. Die Säulensockel und ein tiefblauer Teppich auf dem der Thron steht, tragen den Davidstern, dem Symbol der Salomonischen Dynastie. Im Thron House befindet sich auch die Hauptausstellung des Unity Park Museums über Geschichte und Kultur des Landes.

Wir gehen weiter an einer Mauer entlang in Richtung Meneliks Palastanlagen. An der Mauer sind Mosaikarbeiten zu sehen, die verschiedene Persönlichkeiten der älteren und jüngeren Geschichte darstellen, ganz egal ob sie vielleicht von der einen oder anderen Bevölkerungsgruppe geliebt oder gehasst werden. Da war man nach allen Richtungen offen und ist der Geschichte gegenüber neutral geblieben, was sehr positiv ist.

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Bild 37 - 39: Mauer mit Mosaikarbeiten, die führende Persönlichkeiten der äthiopischen Geschichte darstellen.
Von links nach rechts: Kaiser Menelik II., Iyasu V. (Enkel von Menelik II. und ungekrönter Kaiser), Kaiserin Zauditu oder Zewditu (älteste Tochter von Menelik II.), Kaiser Haile Selassie I., Staatsoberhaupt Mengistu Haile Mariam, Präsident Meles Zenawi und Ministerpräsident Hailemariam Desalegn Bosche.

Schließlich kommen wir zu Meneliks Palastanlagen, zu denen bisher nur von jenem Teil mit dem Wachturm ein altes Schwarzweißfoto zu finden war. Wir hatten schon befürchtet, dass dieser hölzerne Palastteil über die Jahrzehnte zusammengestürzt sein könnte. Heute glänzt alles, als wäre es gerade erst gebaut worden. Man kann natürlich kaum erkennen, was original und was rekonstruiert ist. Nach den Angaben unseres Begleiters soll aber so gut wie alles original und nur frisch aufgearbeitet sein.

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Bild 40: Südlicher Teil des Palastkomplexes von Menelik II. - Leider können noch nicht alle Objekte umfassend erklärt werden, aber wir werden wiederkommen und das nachholen.

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Ethiopia - Addis Ababa - Unity Park

Ethipia - Addis Ababa - Unity Park - Menelik II. Palace

Bild 41 - 43: Palastkomplex von Menlik II mit dem Wachturm
Bild 43: Foto: Unity Park
Im Palastkomplex hatte das Kaiserpaar jeweils getrennte Schlafbereiche. Wie man uns versicherte, waren es es traditionelle und religiöse Gründe, dass der Kaiser nur zum Zwecke der Zeugung eines Nachkommen bei der Kaiserin liegen durfte.
Weiterhin finden wir in dem Komplex unter anderem einen Gebetsraum von Menelik II., Büros von Menelik und seiner Frau Taytu Betul, ein Zimmer für den Ministerrat und einen kleinen Bankettsaal, ein Wartezimmer für den Kriegsminister und Haile Selassie´s Arbeits- und letztes Aufenthaltszimmer. Der markanteste Bereich ist der Wachturm des Kaisers mit seinen Verbindungsgängen zu den anderen Palastbereichen. In diesem Palastkomplex wurde auch auf Veranlassung von Menelik II. das erste Telefon Äthiopiens in Betrieb genommen. Den Originalanschluss kann man noch sehen.

Etwas bedrückend ist der Besuch von Haile Selassie´s Gefangenenzimmer, in das er nach seinem Sturz einquartiert wurde, und wo der letzte Kaiser von Afrika und somit die salomonische Dynastie, durch die Hand von Mengistu Haile Mariam ein Ende gefunden haben soll.
Zu diesem Zeitpunkt bricht auch ein gewaltiger Regenguss über uns herein, der unseren Aufenthalt an dieser Stelle verlängert. Bisher ist dieses Zimmer noch nicht aufgearbeitet und in seinem Zustand zu Haile Selassies letzten Tagen hergerichtet. Möbel und andere Utensilien liegen wild übereinander getürmt in dem Raum und harren noch ihrer endgültigen Parkposition. Ob dieses Zimmer auch noch sein ursprüngliches Aussehen zurückbekommt, können wir heute nicht in Erfahrung bringen. Zur vollständigen Geschichte gehört es aber dazu. Wir sind schon jetzt gespannt auf unseren nächsten Besuch.
Nun müssen alle Reiseführer umfangreich ergänzt werden, und vor allen Dingen zuvor viel Recherche zu den Objekten betrieben werden. Bisher wurde alles so geheim gehalten, dass selbst die eigene Bevölkerung vergessen hat, was sich auf dem Gibbi alles verbirgt und was die Geschichtsbücher dazu schreiben.
Der Regen hört und hört nicht auf und unser Begleiter schickt eine Angestellte in das Unwetter hinaus um ein paar Schirme für uns zu holen. Wir sind auch am Ende unseres Rundganges angekommen und müssen nur noch zum Eingang des Gibbi zurück und unsere beschlagnahmten Kameras und Handys abholen. Eine Körperkontrolle muss auch wieder sein. Wir haben natürlich keinen Thron oder ähnliche Dinge eingesteckt. ;-)
Unsere freundliche Begleitung hält sogar noch nach unserem Auto Ausschau und winkt es zum Kontrollpunkt, damit wir nicht allzu weit durch den Regen waten müssen, denn die Schirme müssen wir ja nun wieder abgeben.

Dennoch haben wir bei dem Guss total durchnässte Hosen und Schuhe bekommen. Addis sieht aus, als würde der Weltuntergang kurz bevor stehen. Mit unserem weiteren Tagesprogramm wird heute also nichts mehr. So haben wir ausreichend Zeit, dieses soeben genossene Privileg der Gibbi-Besichtigung, ohne weitere Eindrücke in aller Ruhe zu verdauen.
Muluye hat inzwischen ein paar Bündel Kleingeld besorgt, welches wir bei der Reise in den Süden als "Fotogeld" (Trinkgeld) benötigen. Die bandagierten Banknoten, die extra von der Bank kommen, sind aber kaum ihre Bezeichnung wert. Sie sind teilweise so schlecht, bestehen zu einem großen Anteil nur noch aus zusammengeklebten und kaum erkennbaren Fragmenten, dass sie erfahrungsgemäß nicht einmal ein Bettler haben möchte. Also heißt es nun vorsichtig die Stapel zu sortieren und Muluye mit den unakzeptablen Scheinen demnächst noch einmal in die Spur zu schicken.

Den Tag schließen wir mit der sogenannten "Friday Jazz Night" im Außenbereich des Hotels ab. Von Jazz hören wir allerdings kaum etwas, eher eine Reise quer durch den musikalischen Gemüsegarten. Rainers Erwartungen bezüglich Jazz werden leider nicht erfüllt. Dennoch ist es eine gute Unterhaltung, und zum Abschluss des Konzerts gibt es sogar etwas Reggae für uns. Gerade will ich meine Kamera scharf machen, aber leider gibt es keinen Nachschlag in der Richtung.

Wir sehen uns morgen wieder an dieser Stelle, wenn wir uns auf den Weg nach Shashemene begeben werden, bevor es übermorgen weiter in den Süden geht.

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim, außer Bild 34-43 Muluye Tsegaw @ Zagol Ethiopia Tours und Unity Park
Text und Videos: Peter Joachim

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