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ETHIOPIA AGAIN

Ein Reisebericht - Teil 5
19.09.2015 – Hossaina - Senkelle Sanctuary - Shashemene
(08.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia Again Heute werden wir der Straße 51 noch zirka 10 km weiter nach Süden folgen, bevor wir nach Südosten in Richtung Shashemene abbiegen. Im letzten Drittel der Fahrstrecke befindet sich südlich unserer Hauptroute das Senkelle Wildlife Sanctuary. Dort werden wir dem Swaynes Hartebeest nachstellen, bevor wir uns mit den Rastafaris in Shashemene näher befassen.
Der Morgen begrüßt uns heute mit einer schönen Aussicht vom Hotelfenster aus, die wir gestern Abend in der Dunkelheit noch nicht erahnen konnten. Auch das Wetter verspricht bis jetzt einen sonnigen Tag.

Lemma International - Hossaina - Ethiopia

Lemma International - Hossaina - Ethiopia

Bild 434 + 435: Ausblick vom Lemma International Hotel in Hossaina

Unser Frühstück gibt es heute im Nebengebäude über dem Hof. Man kann draußen oder drinnen sitzen. Morgens ist es aber recht frisch hier, so dass wir uns einen Innenplatz vorziehen. Außer einem Fernseher will uns heute noch niemand Gesellschaft leisten. Die Zahl der Gäste hält sich offenbar wieder in Grenzen.

Lemma International - Hossaina - Ethiopia Lemma International - Hossaina - Ethiopia

Bild 436 + 437: Lemma International Hotel Hossaina

Nach unserem Frühsport mit den Koffern durch das Treppenhaus, nehmen wir den Tagesplan in Angriff und rollen schließlich gegen 7:30 Uhr vom Hotelhof. Auf unserer heutigen Strecke durchfahren wir Gebiete der verschiedensten Volksgruppen. Man kann ganz deutlich an den Rundhütten erkennen, wenn man ein neues Gebiet erreicht. Viele Hütten sind hier mit den verschiedensten Malereien versehen, die sich alle paar Kilometer voneinander unterscheiden. Unmittelbar um Hossaina haben wir die qualitativ schönsten Malereien festgestellt. Doch ehe unser besprochener Haltepunkt umgesetzt wird, ist unser "Racing-Team" schon über´s Ziel hinausgeschossen. Wir erwischen später leider nur noch ein Einzelexemplar in der "dritten Wahl" am Randgebiet dieses Stils. ;-)

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Bild 438:  Rundhütte bei Hossaina 

In der Folge kommen aber noch unzählige andere Rundhütten, ... schöne und weniger schöne, aber mit immer wieder anderen Verzierungen. Nachfolgend eine kleine Auswahl.

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Bild 439: ... mal eine weniger schöne Hütte, die es natürlich leider auch gibt

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Ethiopia - Rundhütte

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Ethiopia - Rundhütte - Malerei

Bild 440 - 444: Bemalte Rundhütten zwischen Hossaina und Shashemene

Am liebsten möchte man ja alle paar Meter anhalten, aber das kann ganz schön in die Reisekasse oder in die zur Verteilung vorgesehenen Sachen gehen. Wir müssen bei der Einteilung aufpassen, denn wir haben noch ganz paar Kilometer und Tage vor uns.

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Bild 445: Bei jedem Halt gibt´s natürlich gleich ein Begrüßungs- oder Verabschiedungs- komitee, selbst wenn vorher niemand sichtbar war. Das geht unglaublich schnell. ;-)

Dann erreichen wir auch noch einen Stamm der sich auf Löwen spezialisiert hat. Da müssen wir natürlich auch anhalten, egal wie groß der Auflauf werden wird.

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütte

Bild 446 - 449: Rundhütte mit Löwe und quadratische Gemeinschaftsgebäude

Auch in dieser Siedlung hat jede Hütte seine individuelle Bemalung in den verschiedensten Farben. Die Leute sind freundlich und aufgeschlossen, merken sich aber ganz genau welche Rundhütte auf´s Korn genommen worden ist, wenn es irgendwann die ersten Geschenke gibt. Man vergisst garantiert niemand. ;-)

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütte - Malerei

Ethiopia Ethiopia

Ethiopia - Rundhütte

Ethiopia - Rundhütten

Bild 450 - 456: Dorfrundgang

Ethiopia - Verabschiedungskomitee

Bild 457: Ein Teil des Verabschiedungskomitees

Zirka 40 Minuten später erreichen wir das Senkelle Wildlife Sanctuary. Wie bei den meisten Tierschutzgebieten oder Nationalparks muss man sich anmelden und bekommt einen Ranger oder einheimischen Guide ins Auto gesetzt. Wir warten an ein paar einsamen mit Wellblech gedeckten Hütten im Busch, bis die Formalitäten erledigt sind und lassen uns dabei vom Treiben unzähliger Webervögel unterhalten.

Senkelle Wildlife Sanctuary - Webervögel

Senkelle Wildlife Sanctuary Senkelle Wildlife Sanctuary

Senkelle Wildlife Sanctuary

Bild 458 - 461: Senkelle Wildlife Sanctuary - Webervögel

Dann geht es durch das weitläufige mit Schirmakazien bestandene Grasland, das von einigen Sandpisten durchzogen wird. Wie wir erfahren darf hier nicht gesiedelt und auch keine Nutztiere geweidet werden. Offenbar ist das schwierig tatsächlich umzusetzen, denn wir sehen immer wieder Hirten mit ihren Tieren, die durch das Gelände ziehen.

Senkelle Wildlife Sanctuary

Senkelle Wildlife Sanctuary Senkelle Wildlife Sanctuary

Senkelle Wildlife Sanctuary

Senkelle Wildlife Sanctuary

Bild 462 - 466: Senkelle Wildlife Sanctuary

Nach einigen Kilometern Piste und der Entdeckung von verschiedenen Antilopen und Vögeln, treffen wir schließlich auf eine große Herde des Swaynes Hartebeest. Die nach dem britischen Offizier H. G. C. Swayne (1860–1940) benannte Antilope findet man nur noch hier und im Maze Nationalpark. Es gibt zwar noch eine Reihe andere Hartebeest´s in Afrika, aber eben nicht dieses.

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Ethiopia - Swaynes Hartebeest

Bild 467 - 475: Swaynes Hartebeest im Senkelle Wildlife Sanctuary

Mit etwas Geduld und Vorsicht kommt man ganz gut heran und kann die Tiere ausgiebig fotografieren. Nachdem wir die Attraktion des Parks zur Genüge gesichtet und auf´s Bild gebannt haben, können wir unseren Ranger wieder am Ticket-Office abgeben und unsere Tour fortsetzen.

Near Senkelle Wildlife Sanctuary

Near Senkelle Wildlife Sanctuary

Bild 476 + 475: Wir verlassen das Tierschutzgebiet in Richtung Shashemene

Bis Shashemene ist es jetzt nicht mehr weit und gegen 12:30 Uhr erreichen wir die Stadt. Bevor es an die Fortsetzung unseres Tagesprogramms geht, werden wir erst einmal unser Gepäck im Hotel deponieren.
Im Zentrum von Shashemene liegt das Haile Hotel. Bitte nicht verwechseln mit dem Haile Resort am südwestlich von hier gelegenen Lake Awasa. Es gibt Zimmer im Haupthaus und in einer Reihenhausanlage. Dazu einen sauberen Außenpool, eine Konferenzhalle, ein Fitnesscenter und verschiedene Wellnessbereiche. Wir werden natürlich keine Zeit für all diese Dinge haben, denn schließlich gibt es viel interessantere Dinge zu erkunden. Also stehen wir 15 Minuten später schon wieder neben dem Auto und sind bereit für die Ortserkundung.

Shashemene wurde im 19. Jahrhundert als Militärstützpunkt gegründet und gilt heute als Zentrum der Rastafari-Bewegung in Äthiopien. Jedes Jahr werden unter anderem zu Ehren von Haile Selassie und Bob Marley umfangreiche Festlichkeiten und Festivals durchgeführt.

Haile Selassie 124th Birthday Celebration - Shashemene Rift Valley Reggae Festival Shashemene

Bild 476: Veranstaltung der Twelve Tribes zu Haile Selassie´s 124. Geburtstag
Bild 477: Reggae In The Rift Valley Festival zu Ehren von Bob Marley´s 71 Geburtstag

Der Grundstein dafür wurde bereits während der italienischen Besatzungszeit gelegt, als sich am 25. August 1937 in New York die Ethiopian World Federation (EWF) gründete, auch wenn da noch niemand an eine Rastafari-Kommune gedacht hat. Mit dieser Organisation unterstützten Afro-Amerikaner das Land Äthiopien. Aus Dankbarkeit dafür schenkte Kaiser Haile Selassie 1948 dem EWF 2 km² Land in Shashemene aus seinem Privatbesitz. Das Land sollte für heimkehrwillige Afrikaner und auswanderungswillige Afro-Amerikaner zur Besiedlung genutzt werden. Unter "heimkehrwillige Afrikaner" sind keine ausgewanderten Afrikaner sondern die Nachkommen aus Afrika verschleppter Sklaven zu verstehen, die in aller Welt verstreut leben. Doch erst 1955 kamen aus Montserrat Herr James Piper und seine Frau Helen als erste Siedler nach Shashemene. Im Jahr 1961 schickte die jamaikanische Regierung eine offizielle Delegation, zu der auch Vertreter der Rastafari-Bewegung gehörten, nach Äthiopien, um mit Haile Selassie die Fragen einer Repatriierung von Afrikanern zu diskutieren. Zu den Vertretern der Rastafari gehörte auch der auf Kuba geborene und später von den Rastafaris hoch verehrte Mortimer St George "Kumi" Planno, der auch der Rasta-Lehrer von Bob Marley war. Der erste Rastafari siedelte im Juni 1964 mit Gladstone Robinson, der auch offizieller Delegierter der EWF war, nach Shashemene um. Die Einwanderung (bzw. Repatriierung) von Rastafaris aus Jamaika erreichte seinen Höhepunkt nach dem Besuch des Kaisers im Jahr 1966 in Jamaica. Nach Gladstone Robinson und seiner Frau wurde 1967 der aus Ägypten kommende Rastafari Papa Noel Dyer vom EWF eingesetzter Verwalter des Landes. Die Kommune wurde von Kaiser Haile Selassie großzügig unterstützt und bekam Traktoren und andere landwirtschaftliche Geräte. Selbst die Produkte der Siedler fanden teilweise am kaiserlichen Hof ihren Absatz. Dies führte natürlich auch zu Problemen mit der umgebenden äthiopischen Gesellschaft, die es auch noch heute immer wieder einmal gibt. Die Rastafaris in Shashemene und ganz Äthiopien sind nach wie vor überwiegend unverstandene Mitglieder der Bevölkerung des Landes.
Nach dem Sturz und Ermordung des Kaisers wurde das Land der EWF, sowie sämtliche Ausrüstung der Siedler, vom Derg Regime um Mengistu Haile Mariam beschlagnahmt. Anfangs wurde die Fläche im Jahr 1975 zwar nur auf 40 ha reduziert aber schon ein Jahr später konnte man selbst diesen Anspruch nicht mehr durchsetzen oder beweisen. In den Wirren des Umsturzes wurde die offizielle Zuweisung dieser verbliebenen Teilfläche offenbar nicht ordentlich dokumentiert, oder die neuen Machthaber hatten es sich schlicht anders überlegt. Viele Rastas verließen aus Angst das Land, während sich andere mit den neuen Machthabern an den Verhandlungstisch setzten und später die offizielle Rückgabe einer Teilfläche von 11 Hektar erreichten. Teilweise wird auch von 12 Hektar für 12 Pioniersfamilien berichtet, wobei jeweils 1 Hektar pro Familie zugeteilt worden sein soll. Wobei festzustellen ist, dass zu jenem Zeitpunkt die wenigsten davon noch vor Ort waren. Im Land wütete eine unbeschreibliche Razzia gegen alle Bevölkerungsteile, die dem Kaiser loyal gegenüber standen oder stehen. Man suchte krampfhaft nach Reichtümern die es aber nicht gab und zog dabei jegliche Geschenke oder Besitztümer ein, die irgendwie mit dem Kaiser in Verbindung gebracht werden konnten, egal wie sinnvoll und ehrenhaft sie auch gewesen sein mögen. Eine schreckliche Verhaftungs- und Hinrichtungswelle überzog das ehemalige Kaiserreich, die auch besonders die Elite von Äthiopien traf, wie es schon einmal zu Zeiten der italienischen Besetzung geschah. Nach erneutem Machtwechsel in Äthiopien wurde Mengistu Haile Mariam in Abwesenheit zuerst im Jahr 2007 zu lebenslanger Haft und ein Jahr später zum Tode verurteilt. Momentan lebt er bisher unbehelligt im Exil in Simbabwe. Neben den 211 Anklagepunkten, darunter Völkermord, Totschlag und Unterschlagung, soll er nach Zeugenaussagen auch den wehrlosen ehemaligen Kaiser in seiner Arrestunterkunft mit einem Kissen erstickt haben. Aber die Verehrung von Haile Selassie konnte er damit nicht ersticken, sie ist ungebrochen und wird besonders bei den Rastafaris als Bestandteil ihrer Religion gepflegt.

Einige Literaturempfehlungen zur Vertiefung des Themas:
- Der erste Rasta >>> Info
- Rastafari - Von Babylon nach Afrika >>> Info
- Rastafari - Eine universelle Philosophie im 3. Jahrtausend >>> Info
- Der letzte Kaiser von Afrika - Triumph und Tragödie des Haile Selassie >>> Info
- Arbeiten und Leben am Hof Haile Selassies I. >>> Info
- Riddim Magazin Nr. 3 - Shashemene Living - Rastas in Äthiopien >>> Ausverkauft

Rastafari - Von Babylon nach Afrika Der letzte Kaiser von Afrika Arbeiten und Leben am Hofe Haile Selassies I. Riddim Magazin Nr. 3

Bild 478 - 481: Covers aus den Literaturempfehlungen der obigen Zusammenstellung

Momentan ist ein umfangreiches über 500 Seiten starkes Buch mit dem Arbeitstitel "Heimkehr aus Babylon - Rastafari repatriieren nach Äthiopien" von Carsta Schnabel in Arbeit. Reggaestory.de bekam bereits die Möglichkeit der Einsicht in das künftige und sehr beeindruckende Inhaltsverzeichnis. Bis zur Veröffentlichung dieses Reiseberichtes war der Drucktermin des Buches leider noch nicht kalkulierbar. Sobald entsprechende Informationen freigegeben sind, werden wir dies unter den News verkünden, sowie diesen Bericht ergänzen.

Soweit zur groben Einführung für Shashemene, damit auch weniger mit der Materie vertraute Leser, einen kleinen Einblick bekommen und ein Mindestmaß an Verständnis entwickeln können.

Als nächsten Tagesordnungspunkt haben wir uns den Besuch von Bandy Payne, alias Ras Hailu a.ka. Hailu Tefari vorgenommen, ein Rastafari der von der karibischen Insel St. Vincent 1994 nach Äthiopien kam. Er hat schon im Alter von 10 Jahren eine besondere Kunst entwickelt, die weltweit bisher einmalig ist. Er gestaltet Bilder aus Bananenblättern, allein mit den unterschiedlichen Farben verschiedener Blattbereiche, die er sorgsam zusammenpuzzelt. Im Laufe der Zeit hat er sich einen hohen Bekanntheitsgrad erworben und ist schon zu verschiedenen Ausstellungen eingeladen worden. In seinem Haus betreibt er eine kleine Banana Art Gallery und bietet seine Kunstwerke zum Kauf an.

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Bild 482: Ras Hailu vor seinem Haus

Hinter einer hohen Wellblechwand, vor den Blicken der Vorbeigehenden verborgen, liegt das kleine Paradies von Ras Hailu. Wir klopfen an das scheppernde Tor und ein Jugendlicher lässt uns auf das Grundstück. Hinter der Wellblechwand kommt eine grüne Oase zum Vorschein die einem typischen Bauerngarten gleicht. Da sind zahlreiche Obst- und Gemüsesorten, Kräuter und anderes gemischt mit den unterschiedlichsten Blumen. Bienen und Schmetterlinge durchforsten das bunte Reich und Vögel zwitschern überall, während Ras Hailu vor der Tür seiner Werkstatt und Ausstellung entspannt auf uns wartet. Ein Schachbrett steht neben ihm und lauert auf interessierte Mitspieler. Links und rechts der Tür befindet sich ein Sockel mit Schilfmatten belegt, die für seine Reggae-Boys, den beiden auf Streicheleinheiten versessenen Hunden, gedacht sind. Nach der Begrüßung verweist Ras Hailu zuerst auf eine Schautafel, die mit verschiedenen Informationsblättern, Zeitungsartikeln und Genehmigungen bestückt ist. Hier kann man über Ras Hailu´s Leben wie in einem Buch nachlesen.

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Bild 483 - 488: Ras Hailu und verschiedene Informationen am Hauseingang

Schon ohne viele Worte kann man schnell erkennen, was für einen besonders ehrenwerten Mann wir vor uns haben. Ein Punkt seiner Grundphilosophie spiegelt sich auch im Schild an der Eingangstür wieder, wo er an Stelle einer Eintrittsgebühr um 1 USD Unterstützung bittet. "Mit vielen kleinen Beiträgen kann man mehr erreichen, als mit überzogenen Forderungen." erklärt er uns ruhig. Er ist nicht glücklich mit einigen selbst ernannten "Rastas" und Jugendlichen der Kommune, die nur darauf aus sind verschiedenen Leuten mit schlechten Geschäften das Geld aus der Tasche zu ziehen. "Das ist nicht gut für die Kommune!", sagt er bestimmt und schaut dabei seinen jugendlichen "Türöffner" erzieherisch an. Wie so oft bekommen wir auch hier den Eindruck, dass es besonders die Alten sind, die die wahre Seele von Rastafari in sich tragen und leben.

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Bild 489 - 492: Ras Hailu

Nach Ras Hailu´s "Wandzeitung" gewann er den "Shell Antilles Art Competition from the West Indies" in 1986, an dem 101 Kandidaten teilnahmen. Er stand weiterhin im Finale der Wettbewerbe "Benson and Hedges" 1988 auf Barbados und des IICA in 1989, wie man weiter lesen kann. Was sich genau dahinter verbirgt, können wir leider im Nachhinein nicht mehr ergründen. 1990 wurde er nach Großbritannien eingeladen um Workshops und Ausstellungen durchzuführen. Während seines viereinhalbjährigen Aufenthalts in England erwarb er am Green Hill College das Diplom in Kunst und Design. Seine Arbeiten fanden schon unter anderem den Geschmack ehemaliger Präsidenten wie Ronald Reagan (USA), Kenneth Kaunda (Zambia) und Jaime Lusinchi (Venezuela). Eine besondere Erfahrung war für ihn ein dreimonatiger Unterricht an der "Sandford International School" (früher Sandford English School) in Addis Ababa, im Jahr 1995. Nach den Aufzeichnungen der Schule war es wohl damals das erste Mal, das jemand den Grad "A" beim IGCSE in Kunst erreicht hat.

Aber gehen wir erst einmal hinein und schauen uns seine beeindruckende Ausstellung an. "Ihr könnt Millionen von Fotos machen wenn ihr wollt. Wenn ihr möchtet auch ein Foto mit mir unter der Dusche.", lacht Ras Hailu und zeigt auf einen Vorhang der einen Nachbarraum abschirmt.

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery - Haile Selassie Ras Hailu - Banana Art Gallery - Haile Selassie

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Bild 493 - 500: Ras Hailu und Exponate in seiner Banana Art Gallery

Neben seinen Kunstwerken aus Bananenblättern hat er wohl die umfangreichste Sammlung von Orden, Medaillen und anderen Ehrenzeichen aus der Kaiserzeit zusammengetragen, die wir jemals außerhalb der Museen von Addis Ababa gesehen haben. Darüber hinaus hat er auch einige Bücher, historische Fotos und anderes zu bieten. Was er auf seinen Sammlerzügen im Laufe der Zeit doppelt erobert hat, kann man durchaus auch käuflich erwerben. Bei Ras Hailu kann man sich auch sicher zu sein, einen fairen Preis zu bekommen. Handeln ist da gar nicht erst notwendig und wäre auch nicht angemessen.

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Ras Hailu - Banana Art Gallery

Bild 501 - 505: Sammlung Ras Hailu´s von Orden, Ehrenzeichen und anderes.

Auf die Frage, welches Bild sein Lieblingsbild sei, antwortet er natürlich wie jeder andere  Künstler auch antworten würde: "Ich liebe alle meine Bilder. Sie kommen von meinem Herzen." Erst danach fügt er hinzu, dass er besonders die Selassie-Kollektion liebe und das Bild vom Hurricane Janet, in dem er seine schrecklichen Erinnerungen daran verarbeitet. Es war 1955 als sich dieses Erlebnis in sein Bewusstsein eingegraben hat, als er mit seiner Familie in den Wirbelsturm geriet und ums Überleben kämpfte. Er liest in dem Bild wie in einem Buch und erzählt seine Geschichte dazu. Vermutlich wird er dieses Bild auch niemals verkaufen.

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery - Hurricane Janet 
Bild 506 + 507: Ras Hailu und Hurricane Janet

Zur Präsentation seiner Galerie gehören natürlich auch die Besichtigung seines Arbeitsplatzes, seiner aktuell in Arbeit befindlichen Kunstwerke und die Erklärung seiner Techniken. Es ist schon sehr erstaunlich wie man nur mit unterschiedlichen Blattschattierungen und Blattschichten einer einzigen Pflanze solche Bilder schaffen kann.

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Bild 508 - 513: In der Banana Art Gallery von Ras Hailu

Für seine Pinwand neben seinen Arbeitsplatz arrangiert Ras Hailu schließlich auch noch ein Besucherfoto zur Erinnerung. Da wird jeder unserer Finger von ihm passend zurechtgelegt, damit auch alles für ihn perfekt sitzt.

Shashemene - Ras Hailu - Banana Art Gallery

Bild 514: Ras Hailu - Das soll natürlich nicht an Frau Merkels ständiger Pose erinnern. ;-)

Ras Hailu erklärt die Symbolik, die auf Haile Selassie zurückgeht. Haile Selassie bedeutet soviel wie "Kraft der Dreieinigkeit" oder auch "Heilige Dreifaltigkeit". Der Kaiser hat dieses Dreieinigkeitszeichen in nahezu allen Situationen mit den Händen geformt, wobei nach Ras Hailu jeder Finger oder jede Seite der Symbolik seine bestimmte Zuordnung im Sinne der Trinität besitzt. Rastas benutzen es auch gerne um Einheit zu symbolisieren. Ob diese allgemein angenommene Deutung der Geste von Haile Selassie zutrifft, wird von einigen Historikern noch bestritten und anders gedeutet. Da gibt es wohl noch Diskussions- und Aufklärungsbedarf. Vielleicht sollte man ganz einfach die noch lebenden Familienangehörigen des Kaisers befragen, wie zum Beispiel Asfa-Wossen Asserate, der sogar in Deutschland lebt, nur um eine mögliche Adresse zu nennen. ;-)

Als zwischendurch ein Besucher die "Wellblechklingel" benutzt und um Einlass bittet, nimmt Ras Hailu zum Spaß sein Handy und drückt darauf als sei es eine Fernbedienung für das Tor. Ist es natürlich nicht. Seine Fernbedienung ist heute sein jugendlicher "Türöffner", der sich sofort auf den Weg macht. Als der neue Gast nach seiner Besichtigung wieder von dannen gezogen ist, setzen wir uns noch eine Weile vor das Haus und plaudern mit Ras Hailu über die verschiedensten Dinge. Inzwischen beginnt auch als Begleitmusik von Ras Hailu´s Erzählungen, der Regen auf´s Dach zu trommeln, dessen Ende wir so noch ganz gemütlich abwarten können.

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu

Ethiopia - Shashemene - Ras Hailu + Henok

Bild 515 - 523: Mit Ras Hailu im Gespräch vor seinem Haus.
Bild 518 - 520: Ras Hailu zitiert aus seinen Haile Selassie Büchern
Bild 523: Ras Hailu, Henok und seine Reggae Boys.

Ras Hailu erzählt von seinem Alltag, spricht zur äthiopischen Gesellschaft, den Umständen in Shashemene, über die frühere und heutige Stellung von Haile Selassie, Bob Marley und vieles mehr. Man könnte ihm stundenlang zuhören. Ras Hailu strahlt Frieden, Ruhe und Ausgeglichenheit aus, was auf seine Umgebung und Besucher einen positiven Einfluss ausübt.
Ras Hailu geht selten aus dem Haus. Er ist ständig mit seiner Kunst und dem Garten beschäftigt und kocht gerne seine täglichen Mahlzeiten. Dazwischen fordern seine beiden Hunde und eine Katze immer wieder ihre Streicheleinheiten von ihm ein. Aber auch die Hunde kümmern sich hin und wieder um die Katze, so lange es ihr nicht zu viel wird. Besonders wenn die "Reggae Boys" mit diesen Worten angesprochen werden, sind sie ganz verrückt auf die Katze. Aber alles nur aus Spaß. Die drei Spielgefährten vertragen sich vortrefflich (siehe Video).
Bevor er nach Shashemene gekommen ist, hat er viel Gitarre gespielt, nun spielt er nur noch Schach, sofern sich die Gelegenheit dazu bietet. Was seinen musikalischen Geschmack betrifft, möchte er sich nicht festlegen. "Eine Musikrichtung wäre dafür einfach zu wenig. Ich höre viele Richtungen, auch Klassik. Was Reggae betrifft steht natürlich Bob Marley an oberster Stelle.", sagt er dazu. Aus unserem für Geschenke mitgeführten CD-Fundus wählt er das Doppelalbum von "Wingless Angels" für sich aus.

Hier noch ein Video mit Ras Hailu und Ausschnitten unseres Besuches in seiner Banana Art Gallery.



Live Video: Im Gespräch mit Ras Hailu - Banana Art Gallery Shashemene

Verabschieden wir uns von Ras Hailu und schauen uns noch ein paar andere Dinge in Shashemene an. Ras Hailu gibt uns seinen "Türöffner" zur Begleitung mit und legt schon jetzt das angemessene Trinkgeld für ihn fest, damit sich dieser erst gar keine unangemessenen Forderungen zum Ende unserer Tour überlegen kann.
Unser nächster Haltepunkt ist gegenüber vom Black Lion Museum und dem Stützpunkt der Twelve Tribes. Die Jugendlichen die in dieser Gegend auf Geschäfte lauern, sind nicht bei jederman beliebt. Auch Ras Hailu hat keine gute Meinung zu deren Verhalten. Henok möchte erst gar nicht über die Straße gehen und meint wir sollen von hier fotografieren und dann schnell weiter fahren. Das machen wir natürlich nicht, da habe ich gar keine Berührungsängste. Erst einmal mit den Leuten ins Gespräch kommen und dann werden wir sehen. Das ist immer besser als wild drauf los knipsen. Kaum bin ich über die Straße, habe ich eine Menschentraube selbst ernannter junger "Rastas" an der Backe. Am besten erst einmal nach dem Chef fragen, den es natürlich auch in dieser Straßengang gibt. Der bekommt zur Begrüßung erst einmal ein Geschenk aus unserem CD-Fundus. Das wirkt. Eine Broschüre, die sich "Rastafari Lighthouse" nennt, kaufe ich ihm auch noch ab und schon stehe ich unter dem Schutz der Truppe und kann unbehelligt fotografieren was ich möchte. Henok traut dem Braten trotzdem nicht und bleibt lieber auf der anderen Straßenseite. Die Leute sind ihm einfach nicht geheuer. Das ist aber nicht neu für das Verhalten der übrigen äthiopischen Bevölkerung gegenüber Rastas oder Leuten die sich so geben.

Ethiopia - Shashemene - Black Lion Museum

Ethiopia - Shashemene - Black Lion Museum

Ethiopia - Shashemene - Black Lion Museum

Ethiopia - Shashemene

Ethiopia - Shashemene Ethiopia - Shashemene - Black Lion Museum

Ethiopia - Shashemene

Ethiopia - Shashemene

Ethiopia - Shashemene

Bild 524 - 532: Am Black Lion Museum und angrenzende Gebäude

Das Museum selbst besichtigen wir aber nicht. Nach den Ausführungen von Ras Hailu sollen wir uns lieber auf das Tabernakel von Shashemene konzentrieren, zumal unsere Zeit begrenzt ist, und der Eintritt kräftig überzogen sein soll, zumindest im Verhältnis zu dem was man geboten bekommt. Man spricht von ständig wechselnden Eintrittspreisen, die wohl 30 USD pro Person und mehr erreichen können. Offenbar ist das abhängig von der Tageslaune der Entscheidungsträger. Wir könnten es jetzt selbst ergründen, hatten uns aber schon vorab zum weiteren Ablauf entschieden und zeigen kein Interesse. Wir wollen gar nicht erst eine Verhandlung provozieren, dessen Ausgang wir sowieso nicht in Anspruch nehmen wollen. Das wäre nicht gut.

Ethiopia - Shashemene - Black Lion Museum

Bild 533: Black Lion Museum Shashemene

Links neben dem Black Lion Museum beginnt das Grundstück der Twelve Tribes of Israel von Shashemene. Das Objekt kann auch gegen eine Eintrittsgebühr besichtigt werden. Film und Foto ist aber verboten. Wir beschränken uns auf das unübersehbare Eingangstor.
Als Bob Marley Ende 1978 Shashemene besucht hat, soll er bei den Twelve Tribes übernachtet haben. Danach ist er zu dem zirka 17 km südlicher gelegenen Wondo Genet weiter gereist, um die heißen Quellen des Ortes zu besuchen und im ehemaligen Schlafzimmer von Haile Selassie, des 1964 von ihm gegründeten Wondo Genet Hotel (heute Wabe Shebelle Hotel) zu übernachten. Die ehemalige Residenz des Kaisers liegt in einem großen Landschaftspark mit unzähligen Pflanzen- und Tierarten. Nach der Kaiserzeit soll sich aber der Zustand des Hotels immer weiter verschlechtert haben und musste in zurückliegender Zeit zahlreiche Kritiken einstecken. Im Schlafzimmer von Haile Selassie, umgeben mit seinen originalen Möbeln, soll man aber immer noch übernachten können. Wir würden ja gerne diese Spur weiter verfolgen, aber unsere Reisepläne sehen für die diesjährige Tour etwas anders aus. 

Ethiopia - Shashemene - Headquarter Twelve Tribes

Ethiopia - Shashemene - Headquarter Twelve Tribes Ethiopia - Shashemene - Headquarter Twelve Tribes

Bild 534 - 536: Eingang zum Hauptquartier der Twelve Tribes of Israel in Shashemene.

Fahren wir ein Stück weiter und besuchen das Nyabinghi Tebernakel Centre von Shashemene (Spitzname "Binghi" a.k.a. "Teferean Church"). Unterwegs machen wir noch einen Fotostopp am Bolt House und der Erinnerungstafel zur Landschenkung von Haile Selassie an den EWF. Die aktuelle Tafel hat Ras Hailu gestaltet und gemalt, wie er uns kurz vorher erzählt hat.

Ethiopia - Shashemene - Bolt House

Ethiopia - Shashemene - Bolt House

Bild 537 + 538: Das Bolt House in Shashemene, benant nach dem jamaikanischen Läufer Usain Bolt - Ein von Des-I und Sister Joan betriebenes Restaurant.

Ethiopia - Shashemene

Ethiopia - Shashemene - Land Grant

Bild 539 + 540: Von Ras Hailu gestaltete Tafel zur Schenkung des Land Grant von Shashemene durch Haile Selassie - Vorsicht mit der Jahreszahl! Das Datum bezieht sich offenbar auf das offizielle Schreiben über die Landschenkung von 1948, welches dem EWF erst 1955 vorgelegt worden ist. Eine andere Möglichkeit wäre die Umrechnung von unserem zum äthiopischen Kalender was auch passen könnte, wenn man noch Tag und Monat zur Überprüfung heranziehen könnte.

Ethiopia - Shashemene

Ethiopia - Shashemene

Bild 541 + 542: Die Ziegen in der Zaunrolle.

Am Tabernakel von Shashemene angekommen, erwartet uns schon Ras Mweya. Wir hatten ihn bereits kurz vor dem Haus von Ras Hailu gesprochen, als wir dort abfuhren. Ras Mweya ist vor 21 Jahren von England nach Shashemene gekommen. Amharisch zu lernen hat er aber bis heute noch nicht geschafft, weil man sich in der Kommune überwiegend auf Englisch verständigt. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. ;-)
Vor dem Tabernakel hat man oft mit illegalen Geschäftemachern zu kämpfen. Es gibt anscheinend immer wieder "Führer" und "Kassierer", die für den Besuch des Tabernakels Eintritt kassieren. Dem vorzubeugen hat man bereits überall am Eingangsbereich Hinweise an die Mauern und Säulen geschrieben, dass man nicht bezahlen soll und der Eintritt frei sei. Zur Vertreibung dieser ungeliebten und aufdringlichen Typen, muss man sich hin und wieder auch mal mit einem Knüppel oder einer Dachlatte bewaffnen. Nicht wir, aber die Leute aus dem Tabernakel. ;-)

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel - Gate

Bild 543: Eingangstor zum Tabernakel von Shashemene.

Gleich hinter dem Tor steht eine große Tafel, auf der einige Verhaltensregeln für die Besucher festgehalten sind. Was die Sache mit dem "Rauchen" betrifft, beschränkt sich das Verbot wohl tatsächlich nur auf Zigaretten, denn im Inneren des Tabernakels ist schon manchmal die Sicht vor lauter Qualm getrübt, der natürlich nicht von ordinären Zigaretten kommt. ;-)

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Bild 544 + 545: Eingangsgebäude und Tafel mit Verhaltensregeln - Tabernakel Shashemene

Danach folgt eine Wiese mit lichtem Baumbestand. Das noch recht unfertig wirkende und grau ausschauende runde Tabernakel erhebt sich nach wenigen Metern vor uns. 

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Bild 546 - 550: Das Nyabinghi Tabernakel von Shashemene und Tafeln mit weiteren Regeln

Ein Stück rechts davon steht eine halb verfallene bzw. unfertige und von Unkraut überwucherte Bühne, von dessen Sockel zwei schön gemalte kaiserlicher Löwen und ein "One Love" grüßen. Dieser Platz hat sicher auch schon bessere Zeiten und hoffentlich auch die richtige Musik erlebt. Die bisherigen Baumaßnahmen im Tabernacle Centre sollen weitestgehend von gut situierten Rastas aus dem Ausland finanziert worden sein. Touris wie wir, tragen natürlich auch immer wieder einen kleinen Beitrag bei. Daran ist natürlich trotz freiem Eintritt kein Vorbeikommen, oder gerade besonders deswegen.

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Bild 551 - 554: Die Konzertbühne neben dem Tabernakel

Der Vollständigkeit halber muss noch angeführt werden, dass wir sämtliche hier gezeigte Fotos vom Grundstück des Tabernakels, erst nach der Predigt von Ras Mweya schießen durften. Das war die erste Regel, die wir beim Betreten des Geländes mit auf dem Weg bekommen haben. Die Bilder an dieser Stelle zeigen aber besser den tatsächlichen Ablauf unseres Besuchs.
Wir gehen nun rechts um das Tebernakel herum und erreichen ein mit vielen Bildern bemaltes Funktionsgebäude.

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Bild 555 - 557: Das Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel

Da gibt es natürlich wieder den Lion of Judah, Haile Selassie in verschiedenen Posen, Marcus Garvey, Bob Marley und sogar Menelik II. Reiterpose von Addis Ababa (vergleiche Bild 49-51 in Teil 1).

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernakel Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernakel

Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernakel

Bild 558 - 565: Bilder am Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel.

Im Inneren befindet sich ein großer Aufenthaltsraum mit unzähligen Bildern und Fotos mit allen üblichen Motiven aus der Welt der Rastafari. Dem angeschlossen ist eine Küche und andere Räume, die wir aber nicht betreten. Ras Mweya bittet uns Platz zu nehmen und will natürlich als erstes wissen woher wir kommen und was uns hier interessiert. Die erste Frage ist natürlich schnell geklärt und zu zweitens interessiert uns natürlich alles. Konkrete Fragen haben wir momentan nicht und lassen uns von Ras Mweya´s unendlicher Predigt gefangen nehmen. Die Predigt hat es in sich und beleuchtet fast die ganze Geschichte von Rastafari, Marcus Garvey über Haile Selassie bis nach Shashemene. Ras Mweya braucht natürlich nicht wirklich irgendwelche Fragen für seinen Vortrag.

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Bild 566 - 571: Im Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel mit seinen zahlreichen Bildern.

Ras Mweya ist Verfasser des Magazins "Rastafari Lighthouse", das uns bereits am Black Lion Museum in die Hände geraten ist. Neben der Arbeit an diesem Magazin malt Ras Mweya auch Bilder, von denen eines als "Spendenquittung" für Zuschüsse von Besuchern für ein neues Dach des Tabernakels, verkauft wird.
Zur Vorstellung von Ras Mweya und des "Rastafari Lighthouse" hier ein paar Auszüge.

Rastafari Lighthouse - Shashemene - Vol. 1 - Cover

Rastafari Lighthouse - Shashemene - Vol. 1 - Page 1

Rastafari Lighthouse - Shashemene - Vol. 1 - Page 2

Rastafari Lighthouse - Shashemene - Vol. 1 - Page 3
 
Bild 572 - 575: Auszüge aus "Rastafari Lighthouse - Shashemene , Vol. 1" mit Inhaltsverzeichnis und dem Lebenslauf von Ras Mweya.

Ob es inzwischen zu weiteren Ausgaben des Magazins gekommen ist, hat uns Ras Mweya trotz Anfrage bisher leider nicht mitgeteilt.

Nyahbinghi Tabernacle Refurbishment Project

Bild 576: Die auf stabilen Karton professionell gedruckte "Spendenquittung" im DIN A4 Format. Ein Nachdruck ist ausgeschlossen, da jedes Poster einen deutlich ausgeprägten Reliefstempel als Echtheitszertifikat besitzt. Das Bild dafür wurde von Ras Mweya gemalt.

Letztendlich kommt Ras Mweya sogar auf die Flüchtlingssituation und entsprechende Nachrichten über Deutschland zu sprechen, zumindest soweit es Afrikaner betrifft. Er regt sich mächtig über die Aussagen verschiedener Emigranten auf, die in Europa sagen "Afrika hat nichts zu bieten und es gibt keine Zukunft dort." "Wir haben in Afrika alles was man braucht. Man muss nur etwas tun dafür und kann nicht einfach wegrennen und wo anders nur die Hand aufhalten.", erregt er sich und schüttelt nachdenklich mit dem Kopf. Die ganze Problematik erfüllt ihn mit Unverständnis und ist ihm nahezu peinlich. Seine simple Schlussfolgerung: Es wird nicht aufhören. Es werden immer mehr Leute Afrika verlassen und somit in ihren eigenen Ländern nichts bewirken, so lange in Europa das Geld auf der Straße liegt oder für Nichts zu haben ist. Es ist immer wieder erstaunlich wie andere Afrikaner darüber denken, die im eigenen Land versuchen etwas zu erreichen. Dort wäre die Unterstützung bedeutend sinnvoller angebracht, zumal ein Euro in Afrika erheblich mehr bewirkt als ein Euro in Europa. Aussagen und Erkenntnisse wie diese sind kein Einzelfall sondern die landläufige Meinung. Wer Afrika wirklich bevölkerungsnah bereist und sich nicht nur vom deutschen Fernsehsessel aus oder nach medienwirksamen gegenseitigen "Parteibeharkungen" eine Meinung bildet, wird das ganz schnell erkennen. Mit manchen Afrikanern kann man sich vernünftiger zu diesem Thema unterhalten als hierzulande, egal von welchem Gesichtspunkt aus die Sache betrachtet wird. Aber solche Gespräche sind anstrengend und wir sind froh als Ras Mweya zum Thema Musik und Reggae wechselt, dabei die verschiedenen Trommeln vorführt und deren unterschiedliche Töne erklärt. Als wir irgendwann auf Bob Marley & The Wailers zu sprechen kommen und ich zufällig noch sämtliche Aufnahmen des letzten Berliner Bunny Wailers Konzert auf der Videokamera zeigen kann, beendet Ras Mweya seinen Vortrag und ist für lange Zeit beschäftigt und begeistert. Jetzt bekommen wir endlich die Fotogenehmigung und können uns "austoben".

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Bild 577 - 581: Ras Mweya schaut Videos an und weitere Deteils im Aufenthaltsraum.
Bild 581: Mortimer Planno links unten neben Haile Selassie.

Gehen wir wieder nach draußen und schauen uns nun auch das Tabernakel von innen an. Der große Innenraum ist auch hier mit zahlreichen Bildern und bemalten Transparenten ausgestattet. Zu gerne würden wir den Raum mit Menschen ausgefüllt sehen und einer richtigen Rasta Versammlung beiwohnen. Leider steht für heute nichts dergleichen auf dem Programm. Da sind wir leider zum falschen Tag in Shashemene.

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Bild 582 - 588: Ausschmückungen im Nyabinghi Tabernakel von Shashemene

Ähnlich wie bei den alten äthiopischen Rundkirchen, hat man beim Tabernakel von Shashemene ebenfalls einen äußeren Rundgang um den eigentlichen Versammlungsraum errichtet. Hier gibt es allerdings im Innenraum kein verschlossenes Allerheiligstes, das nur für die Priester zugänglich ist. Zentraler Punkt ist hier ein runder rot-gelb-grüner Altar mit dem Lion of Judah und Haile Selassie´s Trinitätszeichen. Verschiedene Darstellungen von Haile Selassie, Empress Menen, dem Lion of Judah und der Trinität sind in einer Rasta Kirche natürlich das zentrale Thema.
Der äußere Rundgang ist bisher noch nicht überdacht und befindet sich weitestgehend im Rohbau. Bisher hat man nur den großen Versammlungsraum provisorisch überdachen können. Noch sammelt man an Mitteln, um das Tabernakel nebst der besonders wichtigen Dachkonstruktion endlich fertigstellen zu können. Da gibt es noch viel zu tun für die Kommune.

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Bild 589 - 593: Ausschmückungen im Nyabhinghi Tabernakel von Shashemene.

Inzwischen mahnt uns Henok zur Eile und drängt auf einen baldigen Abschluss der Tabernakelbesichtigung. Wegen dem aus Zeitgründen ausgefallenen Lunch hängt ihm der Magen schon in den Kniekehlen, und das schlägt sich leider auf seine Stimmung nieder. ;-)
Uns macht das weniger aus. Bei derartigen Reisen verzichten wir nahezu regelmäßig auf das Mittagessen. Da tut uns ganz einfach die Zeit leid, die man besser verwenden kann.

Zum Abschluss zeigt uns Ras Mweya noch einen äthiopischen Wandkalender, den die Empress Menen Foundation finanziert hat. Wer sich mit den äthiopischen Daten, den Monatsnamen usw. auseinandersetzen möchte, ist das eine gute Grundlage. Darüber hinaus gibt es viele historische Fotos und Zitate aus dem Kebra Negast, von Haile Selassie und vieles andere mehr.
In Äthiopien beginnt das neue Jahr übrigens am 11. September (im Schaltjahr am 12. September). Das äthiopische Neujahrsfest heißt Enkutatash und steht für die Rückkehr der Königin von Saba von ihrem Besuch bei König Salomon. Bei ihrer Rückkehr überreichten die Landesältesten der Königin ein "Enkutatash", ein Kästchen mit Schmuck und Edelsteinen. Dementsprechend beginnt dieser Kalender in 2015 und endet in 2016. Der Kalender kann bei der Empress Menen Foundation erworben werden, sofern man nicht gerade zufällig im Tabernakel von Shashemene das letzte Exemplar ergattert. ;-)

Empress Menen Foundation Calendar

Empress Menen Foundation Calendar

Empress Menen Foundation Calendar

Bild 594 - 596: Auszug vom Jahreskalender der Empress Menen Foundation
Bild 594: Deckblatt
Bild 595 + 596: Unser Monat November mit den Überschneidungen zu Tikimt und Hidar.

Aber bereiten wir nun unsere Verabschiedung vor. Ras Mweya bringt ein Gästebuch in dem auch sorgsam alle geleisteten Spenden eingetragen werden. Hoffen wir, dass sich auch dieses Buch schnell füllt, und die Kommune ihr Tabernakel bald fertigstellen kann. Erstaunt stelle ich fest: "Was hier war sieben Jahre lang niemand mehr!?" Alles lacht. Ach ja, wieder einmal habe ich die äthiopische Zeit vergessen und vor kurzem war auch noch Neujahr. Es ist gut, nun den äthiopischen Kalender in der Tasche zu haben. Nach dieser letzten Amtshandlung bringen uns Ras Mweya und sein "Sicherheitsteam" noch zu unserem Auto, da wie schon eingangs erwähnt, sich vor dem Tabernakel oft recht unliebsame Typen herumtreiben. Aber weit und breit ist alles ruhig und keine Menschenseele zu sehen.

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Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernacle - Ras Mweya Ethiopia - Shashemene - Nyabinghi Tabernacle

Bild 597 - 599: Ras Mweya, Henok und ein Salut zum Abschied



Live Video: Nyabinghi Tabernacle Centre - Shashemene - Ein kurzer Rundgang

Fahren wir nun zurück zum Hotel, dass wir für unsere Begriffe schon viel zu früh und zwar gegen 17:00 Uhr erreichen. Henok und Tagan sind jetzt unsere Gäste und können endlich ihren Traum vom alltäglichen Nationalgericht Injera und allen weiteren landestypischen Leckereien in die Tat umsetzen.

Morgen werden wir zuerst die Zion Train Lodge von Shashemene besuchen und uns danach zirka 200 km in östliche Richtung begeben. Am Abend werden wir Goba, am Rande des Bale Mountains Nationalpark, erreichen und dort für zwei Nächte bleiben. Davor werden wir noch das Gaysay Grassland durchqueren und danach eine Wanderung in einem kleinen Teil des Bale Mountains Nationalpark unternehmen. Dort werden uns hoffentlich weitere endemische Tierarten wie das Mountain Nyala und der Menelik Bushbuck, sowie ein Stück ursprünglicher Wald von Äthiopien mit vielen Kosobäumen begegnen. Bis bald!

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim

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Äthiopische Flagge 2013