Imprint Contact
Äthiopien Flagge Haile Selassie Wappen Kaiserliche Flagge Kaiserliche Flagge Kaiserliche Flagge Kaiserliche Flagge Äthiopische Flagge Äthiopische Flagge Äthiopische Flagge
ETHIOPIA AGAIN

Ein Reisebericht - Teil 1
15.09.2015 – Addis Ababa
(04.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)

Ethiopia Again Nach unseren bisherigen zwei Reisen nach Äthiopien, die wir auf dieser Seite bereits ausführlich dokumentiert haben, hat uns schon wieder das Fernweh gepackt und nach Äthiopien zurückgebracht. Wer dieses geschichtsträchtige und reich mit Naturschönheiten gesegnete Land einmal richtig kennengelernt hat, kommt einfach nicht mehr davon los.
Und da dieses interessante Land so riesig und vielseitig ist, kann man Wiederholungen selbst nach mehreren Reisen gut aus dem Wege gehen. Die eine oder andere Wiederholung würde aber auch nicht schaden, aber so lange es noch Neues zu entdecken gibt, hat das natürlich Vorrang.
Freunde oder Interessierte von Äthiopien sollten vor diesem Bericht, die 15 früheren Teile aus 2013 ("Ethiopia By Bus") und die zwei Teile aus 2014 ("Return To Addis") durcharbeiten. Dies ist besser zum allgemeinen Verständnis und zur Erlangung weiterer Hintergrundinformationen. Bisher besuchte und äußerst wichtige Sehenswürdigkeiten des Landes, werden allgemein nicht noch einmal angeführt bzw. erläutert. Also bitte nicht wundern über die getroffene Auswahl unserer Tagesziele in Addis Ababa und noch einmal in die alten Berichte sehen. Sicher werdet ihr dort fündig.
Dieses Mal bewegen wir uns von Addis Ababa aus ein Stück in Richtung Süden und ein wenig nach Osten in Richtung Somalia, soweit es sicherheitstechnisch vertretbar ist. Dabei wird die alte Weltkulturerbe-Stadt Harar der östlichste Punkt unserer Tour sein. Nach Süden werden wir vorerst nur bis Shashemene, dem Awash-Nationalpark (Awassa) und in die Bale Mountains vordringen. Den tieferen Süden in Richtung Kenia und Südsudan werden wir auf später verschieben müssen, denn die Abarbeitung der bisher ausgewählten Reiseziele in dem zuvor grob umrissenen Gebiet erfordert bereits 15 Tage. Wobei wir selbst in diesem Gebiet nicht alle wichtigen Punkte besucht haben. Aber das ist gut so, denn wenn wir später einmal weiter nach Süden vordringen sollten, gibt es wenigstens unterwegs noch genügend zu tun.
Tatkräftig unterstützt hat uns wieder unser lieber äthiopischer Freund Henok, mit dem wir Dank E-Mail und Internet unsere Reisepläne gut vorbereiten und nach unserer Heimkehr noch viele offene Fragen aufarbeiten konnten.

Doch kommen wir nun zu den aktuellen Ereignissen.

Wir fliegen am Vorabend des 15.09. in Frankfurt mit der Ethiopian Airlines um 22:05 Uhr ab und landen in Addis Ababa um 5:50 Uhr Ortszeit. Die Zeitverschiebung beträgt nur +1 Stunde. Dieses Mal klappt alles wie am Schnürchen und wir stehen schneller auf dem großen Parkplatz vor dem Flughafen als gedacht. Beim letzten Mal hatten wir mächtig lange in der Warteschlange der Passkontrolle geschmort, da immer wieder "wichtigere Leute" vorgezogen worden. Ein Glück, dass Henok nicht auf uns gehört hat und trotzdem pünktlich zur Stelle war. Mir scheint als wäre unsere Verabschiedung vom letzten Jahr erst gestern gewesen. Henok strahlt und begrüßt uns mit einem Strauß Rosen, der mit Goldflitter besprüht ist und macht sich sofort daran unser Gepäck im Auto zu verstauen. Auch im Hotel klappt alles bestens. Es ist das Hotel Caravan, etwas nördlich vom Flughafen und noch ein Stück südöstlich vom historischen Zentrum der Stadt gelegen. Wir dürfen tatsächlich schon gegen 7:00 Uhr am Morgen unser Zimmer beziehen.

Caravan Hotel Addis Ababa Caravan Hotel Map

Bild 001 + 002: Caravan Hotel Anschrift und Google Map >> für weitere Informationen und größere Kartenansicht einfach die Bilder anklicken

Sucht man das Hotel in hiesigen Reisekatalogen wird man leider nicht fündig. Wenn man denn überhaupt eines findet, kann man von "Glück" reden. Glück in Anführungszeichen deswegen, weil dann die Preise erheblich die Reisekasse auslichten und die Unterkunft nicht unbedingt dem angemessen ist. Addis besitzt viele gute und moderne Hotels, auch wenn die Lage nicht immer im Zentrum ist, spielt das überhaupt keine Rolle. Man kann sowie nicht alles zu Fuß in dieser riesigen Stadt besichtigen. Auch unser Hotel liegt etwas abseits, ist aber zu unserer vollen Zufriedenheit ausgestattet. Der Fensterblick ist uns egal, den brauchen wir hier sowieso nicht.
Wir müssen uns nur kurz sortieren, die Flugzeugnacht abduschen und die Funktionsweise des Safes herausbekommen und schon sitzen wir eine Stunde später wieder abfahrbereit im Auto.
Wir bleiben nur heute in Addis und besprechen noch einmal kurz was wir im Verlauf des Tages ansteuern werden. Auch wenn wir Addis in den letzten Jahren schon vier volle Tage unter die Lupe genommen haben, stehen auf unserer Liste immer noch genügend Punkte die abzuarbeiten sind. Auch heute werden wir den "Rest" noch nicht schaffen und werden sehen, was wir am Ende dieser Reise noch abhaken können.
Auf unserer Strecke liegen unter anderem ein paar interessante Kirchen, für die wir bisher noch keine Zeit hatten.
Erste Station ist die St. Mary Church, südlich des Nationalmuseums, an der Kreuzung von der King George VI Street und der Welete Yohanis Street.

St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 003: Eingang zum Gelände der St. Mary Church

Vor den Eingängen in einen Kirchenbezirk halten sich oft viele Bedürftige auf, die auf Almosen der Kirchenbesucher hoffen. Auffallend ist, dass dies grundsätzlich nur vor dem Kirchengrundstück passiert. Gaben im Innenbereich sind ausschließlich den Priestern und der Kirche vorbehalten. Für kleine Straßenhändler und Schuhputzer sind diese Tore oder auch die ganze Zufahrtsstraßen ebenfalls beliebte Plätze.
Gehen wir durch das Tor und schauen uns die Kirche näher an.

St. Mary Church - Addis Ababa St. Mary Church - Addis Ababa

St. Mary Church - Addis Ababa

St. Mary Church - Addis Ababa St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 004 - 008: St. Mary Church
Bild 008: Erzengel Gabriel - meistens mit drei Personen oder Kindern im Fegefeurer dargestellt, die von ihm erlöst werden.

St. Mary Church - Addis Ababa

St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 009 + 010: St. Mary Church

Nahezu bei jeder äthiopischen Kirche gibt es auch im Außenbereich unterschiedliche Schreine und Heiligenbilder die Treffpunkt der Gläubigen für Gebete sind. Nicht selten findet man auch zusätzliche kleine Kapellen, die ebenfalls bunt ausgeschmückt sind. Den Betenden reicht aber auch jede einfache Tür und jeder Zentimeter der Außenfassade. Man sieht das auch ganz deutlich an der Verfärbung von Mauerwerk oder Putz an jeder Kirche und könnte so ganz gut die durchschnittliche Größe der Äthiopier messen. ;-)

St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 011: St. Mary Church - Großer Schrein mit Maria und Jesus

Als wir in das Innere der Marienkirche treten, kommt plötzlich die Sonne hinter den Wolken hervor, und bricht mit blendenden Strahlen durch die Kuppelfenster in den Gebetsraum herein. Die Betenden treten mit ausgebreiteten Armen und noch oben gedrehten Handtellern durch die Sonnenstrahlen hindurch und murmeln ihre Gebete. Es ist eine wirklich beeindruckende Atmosphäre. Wir haben schon viele Kirchen in Äthiopien besucht, und immer wieder stellen wir von Neuem fest, dass es sich lohnt, jede einzelne von ihnen zu besuchen.

St. Mary Church - Addis Ababa St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 012 + 013: St. Mary Church

Leider ist das Schauspiel mit der nächsten Wolke schon wieder vorüber. Aber es lohnt sich zu warten, um das Aufleuchten dieser Strahlen noch einmal zu sehen.

St. Mary Church - Addis Ababa

Bild 014: Ein weiterer Zugang zum Grundstück der St. Mary Church

Und hier das Ganze noch einmal in ein paar bewegten Bildern.



Live Video: St. Mary Church - Addis Ababa

Fahren wir nun ein paar hundert Meter weiter nach Norden, bis zum Yekatit 12 Square (auch Sidist bzw. 6 Kilo genannt).
In dessen Mitte befindet sich das Märtyrer-Denkmal, welches an die Ermordung von zirka 30.000 Äthiopiern, darunter 500 Mönche, erinnert. Die geschah als Rache auf ein fehl geschlagenes Attentat, nach dem 19.02.1937 auf den italienischen Vizekönig und Gouverneur Rodolfo Graziani. Das 28 m hohe Monument wurde vom ehemaligen Präsidenten Jugoslawiens Josip Broz Tito gestiftet und von zwei jugoslawischen Architekten errichtet.

Sidist Kilo - Addis Ababa

Sidist Kilo - Addis Ababa Sidist Kilo - Addis Ababa

Sidist Kilo - Addis Ababa

Sidist Kilo - Addis Ababa Sidist Kilo - Addis Ababa

Bild 015 - 020: Sidist Kilo / Yekatit 12 Square

Auf der nordwestlichen Seite des Platzes befindet sich der Eingang zum Grundstück der Kirche St. Michael und Marcus / St. Mark Church oder auch die Kidus Markos Church. Es ist eine unscheinbare Kirche, die inzwischen mit einem modernen Putz ihrer Ehrwürdigkeit beraubt worden ist. Die Kirche ist vielleicht nicht besonders sehenswert, hat aber einen wichtigen historischen Hintergrund. Ursprünglich befand sich die Kirche in dem zum kaiserlichen Leul Genet Palast gehörigen großen Park (zum Palast siehe ausführlich in "Ethiopia By Bus" - Teil 15). Es war zu jener Zeit die Privatkirche von Kaiser Haile Selassie, die er vom Palast aus zu Fuß aufsuchen konnte. 1961 stiftete Haile Selassie den Palast der Addis Ababa University, die sich noch heute auf dem Gelände befindet. Den Palast selbst findet man heute auch unter dem Begriff "Ethnological Museum". Heute ist der Kirchenbezirk durch eine Mauer vom Gelände der Addis Ababa University abgetrennt.

St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

Bild 021 + 022: St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

Hinter dem nächsten Tor, auf dem großen Kirchenvorplatz, wartet ein gläserner Schrein mit den Bildnissen von Erzengel Michael und Saint Mark, jeder mit seiner eigenen Spendenschatulle.
Erzengel Michael wird in Äthiopien oft mit dem Teufel in der Hand und Saint Mark mit dem Löwen zu Füßen dargestellt.

Die Kirche ist momentan geschlossen, so dass wir leider keinen Blick in das Innere werfen können. Die meisten Kirchen besitzen mehrere, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtete Türen, die jeweils nur von bestimmten Personen durchschritten werden durften. So ist die Westtür für Frauen, die Nordtür für Männer und die Südtür für die Priester. An dieser Kirche war der Haupteingang den Frauen vorbehalten, während der Kaiser von hinten in die Kirche gekommen ist.

Bild 023: St. Michael and Marcus
St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

St. Michael and Marcus Church - Addis Ababa

Bild 024 - 027: Saint Michael and Marcus Church



Live Video: St. Michael and Marcus Church und Sidist Kilo

Sunday School Students Monthly Notice Board

Bild 028: Schaukasten der monatlichen Bekanntmachungen für die Studenten der Sonntagsschule, vor dem zweiten inneren Eingang zum Kirchengrundstück.

Wir bleiben noch ein wenig im Umfeld des Platzes von Sidist Kilo, denn auf der südwestlichen Seite befindet sich eine weitere geschichtsträchtige Bebauung. Es ist das ehemalige Haile Selassie I. und heutige Yekatit 12 Hospital. Hier gibt es noch einige original erhaltene Gebäude aus der Gründerzeit des Hospitals. Im Zeitraum ab 1922, noch vor seiner Kaiserkrönung, versuchte Ras Tafari in seiner Funktion als Regent Plenipotentiary, die medizinische Versorgung im Lande zu verbessern. Er ließ in diesem Zusammenhang zahlreiche Hospitäler in den wichtigsten Städten Äthiopiens errichten. Hier eine grobe Zusammenfassung der ersten Phase seiner fortschrittlichen Aktivitäten bis zur italienischen Okkupation.

Uns interessiert das Hospital natürlich aus geschichtlichen Gründen und wir fragen den Posten am Eingang, ob wir ein paar Aufnahmen auf dem Grundstück machen dürfen. Der Mann ist etwas unsicher, die Frage ist ihm offenbar neu, da hier wohl eher selten Touristen mit solch einem Ansinnen vorstellig werden. Aber kein Problem, ... zumindest vorerst.

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Bild 029 - 032: Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital
Bild 031 + 032: Gedenktafel mit folgender Bedeutung: "By the Heir to the Throne (Duke) of Ethiopian Government, TEFERI MEKONEN, to keep the people of the country healthy built this hospital and named Teferi Mekonen BET SAIDA in 1922 (1915Ethiopian Calendar)"

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Bild 033 - 036: Haile Selassie / Yekatit 12 Hospital

Wie man gut erkennen kann, ist man offensichtlich sehr bemüht die historische Bausubstanz zu pflegen und zu erhalten. Auch wenn nicht mehr jeder Springbrunnen geht (aber das kennen wir ja auch von Deutschland zur Genüge), ist der von uns besuchte Teil des Hospitals in gutem Zustand. Natürlich möchten wir unsere Genehmigung nicht überstrapazieren und das gesamte Gelände erkunden und gehen nach wenigen Minuten wieder in Richtung Ausgang.

Dort hat sich derweil ein Unwetter über unserem Sicherheitsposten zusammengebraut. Irgendein sich übergangen gefühlter Chef hat von der Sache Wind bekommen und macht nun Theater. Henok muss vermitteln und beschwichtigen.

Wir gehen wieder über den Sidist Kilo zurück, laufen die Algeria Street in Richtung Norden und kommen an einem Nebentor des großen Parks vom Leul Genet Palast vorbei. Wir wollen noch einmal zum Haupteingang des jetzigen Universitätsgeländes und in den gegenüber liegenden Karl Marx Park. Beim letzten Mal hatte unsere Zeit nur für ein paar hastige "Fernschüsse" gereicht.

Bild 037: Nebentor zum Park des ehemaligen Leul Genet Palastes / Ethnological Museum
Nebentor zum Leul Genet Palast - Addis Ababa

Tor zur Addis Ababa University

Bild 038: Haupttor zur Addis Ababa University und des Ethnological Museum / Ehemaliger Leul Genet Palast

Karl Marx Park - Addis Ababa

Bild 039: Karl Marx Park auf der anderen Straßenseite, im Hintergrund das Goethe Institut.

Der Karl Marx Park, mit vielen riesigen Bäumen, Grünanlagen und Formgehölzen, wurde 1984, in Zusammenarbeit mit der ehemaligen DDR angelegt. Die Skulptur wurde von Jo Jastram geschaffen. Hier kann man abseits des Straßentrubels ein ruhiges Plätzchen und einen Imbiss finden.

Karl Marx Park - Addis Ababa Karl Marx Park - Addis Ababa

Karl Marx Denkmal

Bild 040 - 042: Karl Marx Denkmal
Bild 042: "Zum 10. Jahrestag der ethiopischen Revolution, gegeben von der Deutschen Demokratischen Republik Deutschland - 12. September 1984" (bzw. 02.01.1977 oder 2. Maskarem 1977 nach dem äthiopischen Kalender)


Anders als Mengistu Haile Mariam, Staatsoberhaupt Äthiopiens von 1977-91, der Äthiopien zum Sozialismus führen wollte, und nach seinem Sturz außer Landes floh, geht es Karl Marx noch ganz gut.

Karl Marx Park - Addis Ababa

Bild 043: Karl Marx Park

Gehen wir wieder zurück und schauen uns dabei noch einmal das schöne alte Tor zum Park des ehemaligen Leul Genet Palastes an.

Gate Leul Genet Palace / Addis Ababa University

Gate Leul Genet Palace / Addis Ababa University

Bild 044 + 045: Haupttor zum Park des Leul Genet Palast / Addis Ababa University

Addis Ababa Wandzeitung

Bild 046: "Wandzeitung" am Yekatit 12 Square / Sidist Kilo

Yekatit 12 Square - Gate to St. Mark

Bild 047: Wir sind wieder zurück am Sidist Kilo / Äußeres Eingangstor zur St. Mark Church

Wir fahren nun die Weatherall Street vom Sidist Kilo in Richtung Westen und kommen an der Kreuzung zur Botswana Street an einer blauen Moschee vorbei.

Moschee an der Botswana Street

Bild 048: Moschee an der Botswana Street

Auch ein schönes Bauwerk, aber Moscheen stehen heute nicht mit im Programm. Wir wenden uns nun nach Süden und fahren zum Menelik II. Square. Der Platz befindet sich unmittelbar vor der St. George Cathedral (Krönungskirche Haile Selassie I.). Die Kathedrale selbst ist aber heute nicht unser Ziel. Ausführlich berichtet haben wir dazu in "Ethiopia By Bus" (Teil 15). Wir wollen uns das Reiterstandbild von Menelik II. ansehen, welches in der Mitte des Menelik II. Square errichtet worden ist.

Menelik II

Menelik II Menelik II

Bild 049 - 051: Reiterstandbild von Menelik II. auf dem Menelik II. Square
Bild 049: Im Hintergrund die City Hall

Das Monument wurde auf Bestellung von Königin Zewditu (Tochter von Menelik II.), vom deutschen Architekt Hartle Spengler in Bronze gegossen. Das Monument würdigt den Kampf von Kaiser Menelik II. gegen die kolonialistischen Bestrebungen Italiens und seine siegreiche Schlacht gegen die Italiener in Adua (Adwa) am 1. März 1896. Die Statue zeigt Menelik in seiner Krönungstracht auf seinem Pferd Abba Dagnew mit zwei Speeren in der Hand. Als die Statue 1930 in Addis Ababa eintraf und man noch dabei war den Aufstellort festzulegen, starb leider Königin Zewditu völlig unverhofft. So war es schließlich Kronprinz Haile Selassie, der am Vorabend seiner Krönung zum Kaiser das Denkmal feierlich einweihte. Während der italienischen Besatzungszeit von 1936-41, wurde die Statue entfernt und versteckt. Seit der Vertreibung der Italiener steht sie nun wieder an ihrem Platz.

Wir wollen von hier gleich zur City Hall laufen. Sie ist neben der Africa Hall das zweite moderne Prestige-Objekt von Kaiser Haile Selassie. Er sagte unter anderem dazu: "It is possible to construct grand buildings here in Ethiopia too, by erecting a couple of high-profile structures. It is not their complexity or size that matter, but the maximum possible use of home-produced materials, in order to shake our wealthy middle class (which keeps its money under the mattress) from the inactivity that also binds it in the field of construction, and stimulate it to invest its assets also in building to make this ‘great village’ a city and a true great capital."

City Hall - Addis Ababa

Bild 050: City Hall

Das Gebäude wurde von 1961-1964 errichtet und enthält neben den großen Sitzungssälen, ein Theater, ein Restaurant, 4 Bars, eine Bibliothek, eine Panoramaterrasse und anderes.
Aber wir haben schon wieder vergessen wie argwöhnisch sämtliche Hinterlassenschaften der äthiopischen Kaiserzeit im ganzen Lande bewacht werden. Während ich mit der Kamera in der Hand noch einen günstigen Fotostandort suche, springt schon wieder ein Wachposten mit der MPi hinter den Büschen hervor. Seine Gesten sind nicht falsch zu verstehen. Also schlagen wir uns die Besichtigung des Objektes aus dem Kopf und verkrümeln uns so weit es nötig ist, bis uns der Soldat nicht mehr sehen kann.

City Hall - Addis Ababa City Hall - Addis Ababa

Bild 051 + 052: Der 42 m hohe Turm der City Hall
 
Also immer erst die Kamera ins Spiel bringen, wenn der beste Standort schon gefunden ist. Eigentlich weiß man das ja, ... aber hier hatte ich damit nun wirklich nicht gerechnet.

Fahren wir weiter zu unserem nächsten Besichtigungspunkt. Es ist die armenisch-apostolische Kirche St. George an der Adwa Street. Zwischen Äthiopien und Armenien bestanden schon seit dem ersten Jahrhundert nach Christus Handelsbeziehungen. Die Armenier haben eine sehr alte Präsenz in Äthiopien. Eine der ersten aufgezeichneten diplomatischen äthiopischen Missionen nach Europa wurde zum Beispiel von "Matthew dem Armenier" im 16. Jahrhundert geführt. Im Auftrag der Kaiserin Eleni führte ihn die Reise nach Portugal und Rom, um dort um Hilfe gegen die muslimischen Überfälle auf Äthiopien zu bitten.

Armenian Church - St. George - Addis Ababa Armenian Church - St. George - Addis Ababa

Armenian Church - St. George - Addis Ababa

Bild 053 - 055: Die armenisch-apostolische Kirche St. George

Die Armenian Apostolic Holy Orthodox St. George Church, so der vollständige Name wurde 1935 fertig gestellt und an Stelle einer alten Kapelle errichtet, die dort seit 1923 gestanden haben soll. Die Geschichte besagt, dass Erzbischof Asanian aus Konstantinopel (Istanbul) den ersten Stein im Jahr 1928 für die neue Kirche gesetzt haben soll. Weiterhin soll Ras Tafari, seine Frau Menen Asfaw und der Eschege von Äthiopien bei der Gründungsfeier zugegen gewesen sein. Der Kirchenname St. George hat aber nichts mit dem ansonsten in Äthiopien allgegenwärtigen Drachentöter St. Geogre zu tun. Es ist lediglich der Name vom Vater des armenischen Kirchenstifters Mouradian, in dessen Erinnerung die Kirche errichtet worden ist.

Neben der historischen Geschichte, gibt es auch noch eine andere interessante Begebenheit. Nach dem Völkermord von über 1,5 Millionen Armeniern der 1915 im Osmanischen Reich begann, kam eine Gruppe von 40 armenischen Waisenkindern (Geschichte der "Arba Lijoch") nach Äthiopien. Der damalige Kronprinz Ras Tafari und spätere Kaiser Haile Selassie I. nahm sich ihrer an. Er hatte sie während des Besuchs eines armenischen Klosters in Jerusalem kennengelernt. Mit Erlaubnis des armenischen Patriarchats von Jerusalem konnte Ras Tafari die Kinder 1924 nach Addis Ababa holen und ließ ihnen unter anderem Musikunterricht erteilen. Zusammen mit ihrem Bandleader Kevork Nalbandian, wurden sie das erste offizielle Musikorchester der Nation.

Bild 056: Gedenkstein zum Genozid der Armenier im Kirchenhof
Armenian Church St. George - Addis Ababa

Kevork Nalbandian komponierte auch die Musik für "Marsh Teferi, Ethiopia Hoy" (Text von Yoftehé Negusé), was später zur kaiserlichen Nationalhymne von 1930-1974 wurde. The Arba Lijoch führten das Stück zum ersten Mal bei der Krönung von Haile Selassie am 02.11.1930 auf.
Im Jahr 1935 lebten zirka 2.800 Armenier in Äthiopien, deren Zahl nach dem Sturz des Kaisers aber stark abnahm.

Armenian Church St. George - Addis Ababa

Bild 057: Bepflanzung im Kirchenhof

Knapp 300 m nördlich von hier, fährt man geradeaus in die Tenagnework Street ein. Unmittelbar bevor die Adwa Street eine Linkskurve beschreibt und über das Flüsschen Bantyketu führt. Ein paar Meter weiter befindet sich rechts eine Brunnenanlage und gleich danach eine steile Treppe mit einer anschließenden alten Straße aus der Kaiserzeit mit großem Kopfsteinpflaster. Diese stellt eine Fußgängerverbindung zwischen der Tenagnework Street und der Welete Johanis Street dar. Die Treppenanlage, genannt "Sebba Dereja", was 70 Schritte bedeutet, ließ Haile Selassie I. erbauen, um den Palastbezirk mit der historischen Altstadt "Piazza" zu verbinden. Heute ist sie an den frühen Morgenstunden, besonders am Wochenende, eine gut besuchte "Fitness-Anlage".

Alte kaiserliche Treppe - Addis Ababa

Alte kaiserliche Treppe - Addis Ababa

Bild 058 + 059: Die alte Treppe als Bestandteil der kaiserlichen Straße zwischen Welete Yohanis Street und des Ras Makonnen Brunnen.

Vor der Treppe, befand sich einst eine natürliche Quelle die heute in eine Brunnenanlage geleitet wird. Es ist der Ras Makonnen Brunnen. Haile Selassie hat die Brunnenanlage 1944 zu Ehren seines Vaters Makonnen Wolde Mikael und seiner Dienste für Äthiopien errichten lassen. Ras Makonnen hat sich als General unter anderem besondere Verdienste in der siegreichen Schlacht gegen die Italiener bei Adua (Adwa) erworben. Er war auch Gouverneur von Harar, wo er auch bestattet ist.

Ras Makonnen Spring - Addis Ababa

Bild 060: Der Ras Makonnen Brunnen

Zu Kaisers Zeiten konnte hier noch sauberes Trinkwasser geholt werden. Das Wasser sieht zwar heute auch noch ganz gut aus, getrunken werden sollte es dennoch nicht mehr. Dafür ist es heute ein beliebter Treffpunkt und Waschplatz für die unterschiedlichsten Bedürfnisse.

Ras Makonnen Spring - Addis Ababa

Ras Makonnen Spring - Addis Ababa Ras Makonnen Spring - Addis Ababa

Bild 061 - 063: Der Ras Makonnen Brunnen

Gegenüber der Quelle, auf der anderen Straßenseite, befand sich ursprünglich eine kleine Terrasse mit Blick über das angrenzende Flusstal und auf die ein Stück weiter östlich liegende alte Ras Makonnen Brücke. Heute ist der Platz leider verwildert und total verschmutzt. Teilweise wird sogar Müll den Abhang hinunter gekippt, wohl in der Hoffnung, dass ihn der Fluss schon mitnehmen wird.

Ras Makonnen Bridge

Bild 061: Die alte Ras Makonnen Brücke

Verschiedene Hochwasser haben schon große Teile des Flussufers abgetragen und man ist gerade dabei die Böschung mit einer stabilen Mauer zu befestigen. Nach der Fertigstellung werden einige Teile des historischen Brückenmauerwerks dann nicht mehr sichtbar sein. Der repräsentative Charakter des Brunnen- und Brückenumfeldes scheint aber schon länger verloren gegangen zu sein.

Nun legen wir aber eine Pause ein und sind wieder einmal bei Henoks Familie zum Essen eingeladen. Es schmeckt wieder vorzüglich, und wir müssen uns nach geraumer Zeit regelrecht hochreißen, damit sich nicht Faulheit bei uns breit macht und das Besichtigungsprogramm in Vergessenheit gerät.

Meseret & Johanna Henok & Johanna

Bild 062 + 063: Zu Gast bei Henoks Familie

Ein starker und selbst gerösteter äthiopischer Kaffee, gegen den unser "deutscher" Kaffee wie Muckefuck schmeckt,  bringt uns aber wieder in Schwung und wir können unsere Tour fortsetzen.

Zuerst schauen wir uns noch einmal die alte Pflasterstraße von oben an, da wir sowieso noch in der Nähe sind und dort wieder vorbeikommen (vergleiche Bild 058+059).

Alte Treppe - Addis Ababa

Alte Treppe - Addis Ababa

Old street - Addis Ababa

Old street - Addis Ababa

Bild 064 - 067: "Sebba Dereja" - Alte Treppenanlage und Pflasterstraße aus der Zeit von Haile Selassie, von der Welete Johanis Street aus gesehen.

Begeben wir uns nun ein Stück bergauf in Richtung Mount Entoto. Wir folgen schließlich der Intoto Street bis an den ruhigeren Stadtrand und besichtigen dort die Shiro Meda Holy Trinity Church (Shiromeda Silasie Bete Kirstian). Ja, es gibt noch so einige Kirchen in unserem Programm. ;-)

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Bild 068 - 072: Shiro Meda Holy Trinity Church oder Shiromeda Silasie Bete Kirstian

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Shiro Meda Holy Trinity Church - Addis Ababa

Bild 073 + 074: Shiro Meda Holy Trinity Church

Unsere Kirchentour von Addis Ababa ist damit natürlich noch längst nicht abgeschlossen. Addis hat so unglaublich viele interessante Kirchen, und wird uns wohl noch einige Zeit beschäftigen, um die "weißen Flecke" auf der Landkarte etwas schrumpfen lassen zu können.

Von hier aus genau auf der anderen Seite des historischen Stadtzentrums in Richtung Süden, im Stadtteil Kirkos, nehmen wir nun die St. Kirkos Church aufs Korn. Zwischendurch halten wir aber zur Abwechslung noch an ein paar Marktbuden an, um andere Interessen zu befriedigen.
Die Kidus Kirkos oder St. Kirkos Church liegt genau gegenüber des großen Kirkos Shopping Centers in einem von vielen Bäumen bewachsenen Areal. An der Einfriedung entlang befinden sich einige Marktbuden.
Während sich Henok um eine offizielle Foto- und Videogenehmigung bemüht, warten wir am Eingangsbereich, schauen dem Markttreiben zu und lassen die vor Ort erklingende Kirchenmusik auf uns wirken. In der Nähe der Kirchen gibt es immer kleine Shops, wo man für wenige Birr, die schönste Kirchenmusik mit den Gesängen der Priester auf Kassette, CD oder Video-CD bekommen kann.

St. Kirkos Church - Kidus Kirkos - Addis Ababa

St. Kirkos Church - Kidus Kirkos - Addis Ababa

St. Kirkos Church - Kidus Kirkos - Addis Ababa

Bild 075 - 077: St. Kirkos Church - Kidus Kirkos

Henok kommt kopfschüttelnd zurück. Es wird keine Genehmigung erteilt, weder für Foto noch für Video. So bleibt also nur der Torblick für uns übrig. Manchmal kann es eben auch falsch sein zu warten. Aber egal, dann eben keine offizielle Spende in das Kirchensäckel, es gibt ja noch soooo viele andere interessante Kirchen.
Also fahren wir ohne uns noch länger aufzuhalten zu unserem letzten Tagesordnungspunkt. Es geht noch ein Stück weiter nach Süden, bis zum südlichsten Punkt der Gabon Street. Wir sind nun fast auf einer Linie mit dem Bole International Airport, der sich noch ein Stück weiter östlich befindet. Hier steht die Kidus Yared oder St. Yared Church.

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

Bild 078 + 079: St. Yared Church - Kidus Yared

Der heilige Yared kommt aus Axum, und lebte vom 25.04.505 bis zum 20.05.571. Es ist recht erstaunlich wie genau man diese Daten kennt. Yared gilt als Begründer der äthiopischen Kirchenmusik. In der Malerei ist er recht leicht zu erkennen. In der einen Hand trägt er ein Sistrum und in der anderen einen Gebetsstock. In der Regel ist auch noch eine Kirchentrommel dargestellt.
Ausgerechnet bei einer Kirche die dem Vater der Kirchenmusik geweiht ist, müssen wir anders als sonst, gespenstische Ruhe feststellen. Das hätten wir nun gar nicht erwartet. Absolute Stille, nur wenige Besucher, keine Händler, keine Bittsteller, ... fast gar niemand. Man hat fast den Eindruck, als wäre die Kirche außer Betrieb gegangen.

Bild 080: Der heilige Yared (auch Jared)
St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

Bild 081 - 084: St. Yared Church - Kidus Yared
Bild 082 + 083: Abuna Aregawi der mit Hilfe einer von Gott gesandten Schlange auf einen Tafelberg (Amba) gelangt, um dort im 6. Jahrhundert das Kloster Debre Damo zu erbauen.

St. Yared Church - Kidus Yared - Addis Ababa

Bild 085:  Eines der Zugangstore zum Gelände der St. Yared Church

Soweit ein paar Eindrücke vom Programm unseres ersten Tages. Inzwischen ist es 17:00 Uhr geworden, als wir den Rückweg zum Hotel antreten. Morgen um 8:00 Uhr starten wir dann mit neuem Tatendrang in Richtung Süden und werden zuerst Addis Alem besuchen, ein Ort, der fast zu Kaiser Meneliks Zeiten zur neuen Hauptstadt des äthiopischen Kaiserreiches geworden wäre.

Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim

Zurück

Äthiopische Flagge 2013