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TIKEN JAH FAKOLY - AFRICAN REVOLUTION

01.04.2011 - Kesselhaus Berlin

Tiken Jah Fakoly - Flyer Tiken Jah Fakoly, gehört neben Alpha Blondy, Lucky Dube und einigen anderen zu den besten Reggae Artists, die Afrika zu bieten hat. African Revolution heißt sein neuestes Werk, welches seit November 2010 zu haben ist. Dieses Album ist deutlich ruhiger als seine Vorgänger. Auch die Reggae Komponente ist ein Stück in den Hintergrund getreten. Seine Songs gehen eindeutig mehr in Richtung afrikanische Musik. Man erkennt sofort woher sie kommt. Perfekt inszeniert und dem Reggae beigemischt werden traditionelle Instrumente wie Kora, Ngoni oder Belafon, wodurch sich ein besonders beeindruckendes Klangbild ergibt.
Der Titelsong „African Revolution“, „Marley Foley“, „Sors De Ma Télé“ und „Il Faut Se Lever“ sind die herausragenden Titel des Albums, wenn man Tiken Jahs neuen Reggae Style erklären will.
Während in seiner alten Heimat, der Elfenbeinküste, der Bürgerkrieg tobt, und sich hoffentlich daraus eine demokratische Weiterentwicklung ergibt, kämpft Tiken Jah weltweit mit seiner Musik für ein besseres und vereintes Afrika. Es sah eigentlich nicht schlecht für die vom Bürgerkrieg zerrüttete Elfenbeinküste aus, als man im November 2010 demokratische Wahlen nach mehrmaliger Verschiebung abhielt. Den international anerkannten Wahlsieg von Alassane Ouattara wollte Amtsinhaber Laurent Gbagbo nicht anerkennen und ließ ihn vom Verfassungsgericht mit konstruierten Begründungen aberkennen. So ging der Bürgerkrieg in eine neue Runde und während Tiken Jah in Berlin eintrifft und das Kesselhaus für den Reggae zurück erobern will, hat Wahlsieger Alassane Ouattara den Präsidentenpalast mit dem darin verschanzten Laurent Gbagbo umstellt. Aber der will nicht weichen, obwohl inzwischen auch sein Chef der Streitkräfte, General Philippe Mangou, samt seiner Frau und 5 Kinder verschwunden sind. Die Chancen für ihn sind hoffungslos. Aber zurück zu Tiken Jah, der den Bürgerkriegswirren zu seiner eigenen Sicherheit entronnen ist und inzwischen seit 2003 ins Exil nach Mali gegangen ist.
Tiken Jah Fakoly, ist ein direkter Nachfahre von Fakoly Koumba Fakoly Daba. Dieser wiederum war der Heerführer von Sunjata Keita, der im 14. Jahrhundert ein Großreich im Gebiet des heutigen Mali und des Senegal kontrollierte. Tiken Jah Fakoly ist aber nur sein Künstlername, bürgerlich heißt er allerdings Doumbia Moussa Fakoly. Er wurde am 23.06.1968 in Odienné, einem Dorf im Nordwesten der Elfenbeinküste geboren. Seine ersten musikalischen Schritte begann er im Jahr 1991 mit einer Band namens „Les Djelys“. 1993 brachten sie ihr Debutwerk, eine Kassette mit 6 Liedern und dem Titel „Les Djelys“ heraus. 1994 folgte ein weitere Zusammenstellung mit 6 Stücken und dem Titel „Missiri“. Richtig bekannt wurde Tiken Jah Fakoly aber erst 1996 mit seinem Album „Mangercratie“. 1999 folgten mit „Course d´histoire“ und im Jahr 2000 mit „La Caméléon“ das zweite und dritte Album. Dazwischen, im Jahr 1998, hatte er in Paris seinen ersten Auftritt in Europa. Aber erst mit seinem 2002 veröffentlichten Album „Francafrique“ gelang Tiken Jah Fakoly sein internationaler Durchbruch. Wesentlicher Inhalt seiner Texte waren politische Kritiken an der Staatsführung diverser afrikanischer Staaten. Einige dieser Staaten verboten seine Lieder. In seiner Heimat war er seit dem immer häufiger Morddrohungen ausgesetzt und verlor bereits einige seiner engsten Freunde. Der Gang ins Exil war unvermeidlich und rettete ihm höchstwahrscheinlich das Leben. Inzwischen hat Tiken Jah drei weitere hervorragende Alben herausgebracht. „Coup De Gueule“ (Oktober 2004), „The African“ (September 2007) und im November 2010 sein aktuelles Album „African Revolution“.

Francafrique Coup De Gueule The African African Revolution

Bild 1: Album Cover „Francafrique “ - Februar 2002 (12 Tracks)
Bild 2: Album Cover „Coup De Gueule“ – Oktober 2004 (12 Tracks)
Bild 3: Album Cover “The African” – September 2007 (12 Tracks)
Bild 4: Album Cover: “African Revolution” - November 2010 (12 Tracks)

Kürzlich besuchte Tiken Jah, während seiner ausgedehnten „African Revolution Tour“, die sich mit den meisten Stationen in Frankreich abspielte und noch abspielen wird, auch Deutschland mit drei Stationen. Am 31.03.2011 ging es nach Köln in die Live Music Hall, am 01.04.2011 ins Berliner Kesselhaus der Kulturbrauerei und am 02.04.2011 in die Friedrich List Halle nach Reutlingen. Für uns war der Besuch der Berliner Kulturbrauerei das Naheliegende. Tiken Jah und die Rückeroberung des Kesselhauses für den Reggae, durften wir nicht verpassen. Seit dem Debakel um das verpatzte Sizzla Konzert am 26.11.2009, war es um das Kesselhaus sehr ruhig geworden, zumindest in Sachen guter internationaler Reggae. Warum auch immer.
Unterstützend wirkten dabei mit das NuzzCom Music Office, hauptverantwortlich für Promotion, Trinity Music als örtlicher Veranstalter und für das örtliche Tourmanagement F-Cat Productions.

Nun ein paar Eindrücke des Tages in Berlin.

Für 15:40 Uhr, eine Zeit die genau austaxiert schien, sind wir zu Tiken Jah ins Hotel eingeladen. Die Audienz beim Nachfahren des großen Heerführers soll 20 Minuten dauern. Überpünktlich sein ist unsere Devise, aber wir haben die Rechnung ohne den Berliner Stadtverkehr gemacht. Immerhin ist auch noch Freitag. Die Fahrt dauert sage und schreibe 40 Minuten länger, als der Routenplaner ausgerechnet hat. Unsere ganze Zeitreserve verrinnt im Berliner Zentrum und die Anspannung wächst spürbar. Zu unserem Pech fahren wir auch noch an dem unscheinbaren Hotel in Berlin Prenzlau vorbei. Wer setzt auch den Hotelnamen in der gleichen Farbe wie die Fassade an die Wand, und dann noch in einer Höhe, die man vom Auto aus nur sehr schwer sieht? Wir sind weit übers Ziel hinausgeschossen, als wir die ersten Passanten um Auskunft bitten. Junge Berliner, selbst Radfahrer kennen sich natürlich nicht einmal auf der eigenen Straße aus. Na Klasse! Die Erfahrung machen wir immer wieder, dass junge Berliner nur in U-Bahn Stationen rechnen können.
Zum Glück gibt es aber auch noch ältere Bewohner, die jedes Haus kennen, und wir erreichen doch noch fast auf den Punkt die richtige Stelle. Zu allem Übel erfasst uns beim Verlassen des Autos auch noch eine kräftige Windböe und erfasst ausgerechnet die Blätter mit den Telefonkontakten des persönlichen Managements von Tiken Jah. Im hohen Bogen fliegen sie davon und treiben durch die Straße. Ich überlasse es Marion und Madlen den Zetteln hinterher zu jagen. Ich muss jetzt erst einmal so schnell wie möglich in die Lobby des Hotels. Und tatsächlich, pünktlich auf die Minute kommt Tiken Jah aus dem Aufzug und sondiert die Situation. Aber dann ist doch alles ganz anders. Tiken Jah hat sich verspätet, zwar nicht für uns, aber für den vorher angesetzten Termin. So haben wir noch etwas Zeit und lassen die bisher vergeblich Wartenden vor. Alle Termine verschieben sich um mindestens 20 Minuten. Also ist es zum Glück doch nicht ganz so eng wie gedacht. Es tut gut ganz entspannt zuzusehen und Tiken Jah auf sich wirken zu lassen.
Als wir dann an der Reihe sind, wechseln wir erst einmal die Räumlichkeit. In der Lobby ist es zu ungemütlich und außerdem viel zu laut. Tiken Jah nimmt unseren Vorschlag gerne an, und wir gehen in den leeren Speisesaal des Hotels. Hier ist es bedeutend gemütlicher und Tiken Jah setzt sich an einen sonnigen Platz, damit wir ihn auch besser aufnehmen können.
„Meine Fragen sind nicht so schwierig.“, sage ich ihm schon einmal vorab, als er meine Notizen kurz ins Visier nimmt, während ich die Kamera vorbereite. Er lacht und scheint erleichtert. Unsere Vorgänger hatten ihn mächtig gelöchert und nahezu eine großpolitische Veranstaltung aus dem Interview gemacht. Ich beginne.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Reggaestory.de: Hallo Tiken Jah, schön dich hier in Berlin zu treffen! Ist das dein erstes Mal hier?
Tiken Jah: Nein das ist nicht mein erstes Mal hier. Ich denke es war vor zwei Jahren, da war ich in der gleichen Location, in der ich heute Abend auftreten werde. Ich denke das ist heute mein viertes Mal, dass ich hier in Berlin bin. Ich kam auch manchmal her um meine Alben zu promoten.
Reggaestory.de: Wie war dein Gig gestern in Köln?
Tiken Jah: Oh ja, großartig. Es war super. Wirklich großartig. Die Leute waren toll drauf und ich war sehr glücklich darüber.
Reggaestory.de:
Welche Länder besuchst du auf deiner jetzigen Tour?
Tiken Jah: Jetzt ist Deutschland an der Reihe und nächste Woche gehe ich nach London. Danach geht es zurück nach Frankreich. Im Anschluss mache ich eine Woche Pause, bevor es wiederum für ein paar Shows nach Frankreich geht. Bevor ich nach Deutschland kam, war ich in Kanada.
Reggaestory.de: Gegenwärtig lebst du in Mali. Was denkst du, wird Mali dein neues Heimatland für immer sein, oder wird der Tag für deine Rückkehr in die Elfenbeinküste kommen?
Tiken Jah: Nun ich denke Mali ist meine neue Heimat. Ich bin froh darüber. Ich komme zwar ursprünglich aus der Elfenbeinküste, aber meine Nationalität ist Afrikaner. Es ist egal ob ich in der Elfenbeinküste, Mali oder Ghana lebe. Es ist das Selbe für mich. Ich denke, Ghana ist ein Land mit guter politischer Stabilität, guter Demokratie und auch mit guter Sicherheit. Ich bin sehr froh darüber, in einem Land wie diesem zu leben. Ich denke, es wäre keine gute Idee zurück in die Elfenbeinküste zu gehen. Ich müsste die Klappe halten, immer allein zu Hause bleiben und ständig aufpassen, dass mir ja nichts passiert. Das kann ich nicht. Ich glaube nicht, dass ein Tag meiner Rückkehr in die Elfenbeinküste kommen wird. Es ist zu gefährlich dort. Auch viel zu gefährlich für mich. Ich denke ich werde im Mali bleiben.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Reggaestory.de: Was ist deine Meinung über die „Back To Africa Movement“ der jamaikanischen Rastas?
Tiken Jah: Nun ich denke, dass ist nicht so überraschend, nicht überraschend für Jedermann. Die jamaikanischen Leute kommen von Afrika. Und man kann sagen, die Rastafari Bewegung kommt auch von Afrika. Bob Marley sagte einmal in einem Interview:„Eines Tages kommen wir zurück nach Afrika!“ Diese Prophezeiung realisiert sich jetzt. Wir haben auch große Reggae Sänger wie Alpha Blondy, Lucky Dube und andere, wir haben eine Menge Reggaekünstler in Afrika. Die meisten von ihnen haben aber nicht das gleiche Glück wie ich, so bekannt in Deutschland oder Frankreich zu sein. Wir haben jetzt viele Reggae Sänger und Rastas in Afrika … (denkt nach). Die jamaikanischen Leute sagen wir kommen von Afrika … (Pause) … es ist keine Überraschung für mich, dass sie nun zurück wollen.
Reggaestory.de: Du bist kein Rasta. Ich habe gehört du bist Muslim. Hast du manchmal daran gedacht von Muslim zu Rasta zu wechseln, oder war das niemals eine Frage für dich?
Tiken Jah: Ich denke, ich kann Muslim und Rasta sein. Rastafari bedeutet für mich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu kämpfen. Wenn du dafür kämpfst bist du Rasta. Wir müssen nicht schwarz, wir müssen nicht weiß oder gelb zu sein, um für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu kämpfen. Du hast das in deinem Herzen. Dafür muss man nicht wechseln. Reggae Musik ist die Musik der Rastafari Bewegung und diese Musik kann auch die Musik für alle Religionen sein. Denn alle Religionen wollen Frieden und Liebe, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Ich denke ich bin Rasta und Muslim.

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Reggaestory.de: Wer ist dein Lieblings Reggae Künstler?
Tiken Jah: Weißt du, ich wurde sehr beeinflusst von Burning Spear. Ich hörte ihn oft, viele Stunden lang, manchmal 12 Stunden hintereinander. In seiner Musik erzählt er über die Geschichte, über die Geschichte von Afrika, die Geschichte der Welt. Diese Mission hat mich sehr interessiert. Denn man kann seine Wurzeln nicht verlassen. Ein Baum ohne Wurzeln stirbt. Wir Afrikaner mögen unsere Geschichte. Die Zukunft können wir nicht vorhersagen. Ja, Burning Spear hat mich besonders geprägt und Bob Marley natürlich auch. Denn Bob Marley ist der Prophet. Er ist der Führer und verbreitete den Reggae über die ganze Welt. Er ist wie ein Botschafter für uns.
Reggaestory.de: Was kannst du mir noch über dich selber erzählen, dein Haus und deine Familie? Bist du verheiratet, hast du Kinder …? Was machst du in deiner Freizeit? Erzähle mir einfach was du möchtest.
Tiken Jah: Ich habe zwei Kinder und war verheiratet. Nun bin ich geschieden, aber meine Kinder leben bei mir zu Hause. Wenn ich nicht unterwegs bin beschäftige ich mich mit meinen Tieren. Ich habe einige Tiere zu Hause. Keine gefährlichen, keine Löwen oder so … (lacht), nur ein paar kleine Tiere. Ich habe auch zu Hause mein Aufnahmestudio und darüber einen Reggae Club. Manchmal mache ich dort auch einige Shows und treffe mich gerne mit den Leuten, um mit ihnen zu reden.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Reggaestory.de: Was sind deine Wünsche oder Ziele für die Zukunft?
Tiken Jah: Meine Hoffnung ist, dass die afrikanischen Leute aufwachen. Niemand verändert Afrika für uns. Wir müssen zusammenkommen, wir müssen uns einig werden. Wir haben alle Dinge in Afrika, die wir brauchen. Und der Okzident braucht die fortgesetzte Entwicklung von Afrika. Wir brauchen ein vereintes Afrika. Die Natur gibt uns all die Dinge die wir haben. Die Sonne scheint und du bist glücklich. In den meisten Teilen von Afrika scheint jeden Tag die Sonne. Wir haben das Meer in den meisten Ländern, wir haben Platz zum Häuser Bauen, wir haben Platz für Landwirtschaft …. In Berlin ist es heutzutage sehr teuer eine Wohnung zu kaufen. Im Mali kannst du mit dem Geld ein großes Haus bauen. Das bedeutet Afrika ist die Zukunft. Afrika ist der Kontinent der Zukunft. Ich hoffe die afrikanischen Leute wachen auf. Wir brauchen Einigkeit. Dafür müssen wir zusammen kämpfen. Und ich denke wir werden gewinnen. Wir kennen die Ökonomie und Politik des Okzidents. Der Okzident braucht uns. Du kannst sagen, du möchtest mein Kakao, du möchtest mein Kaffee, du möchtest mein Gold, du möchtest meine Diamanten – okay wir haben dir etwas zu verkaufen, aber nur zu diesem Preis. In Mali, in Ghana, in Kenia oder irgendwo anders in Afrika, … es sollte überall gleich sein. Mein Traum und meine Hoffung ist, dass sich Afrika vereinigt. Dafür kämpfe ich jeden Tag mit meiner Musik.
Reggaestory.de: Letzte Frage. Möchtest du noch selber ein paar Worte zu den Lesern dieses Interviews oder den Leuten in Deutschland sagen?
Tiken Jah: Nun ich möchte ihnen sagen, sie müssen versuchen Afrika besser kennenzulernen. Afrika ist nicht nur das, was sie im Fernsehen sehen. Afrika ist ein Kontinent in der Entwicklung. Wir kommen aus der Sklaverei. Über 400 Jahre Sklaverei und dann Kolonialisierung für lange Zeit. Wir hatten bisher nur ungefähr 50 Jahre Zeit ein eigenes Land aufzubauen. Wir sind noch sehr jung. Wir brauchen noch ein klein wenig Zeit, um vielleicht zu werden wie Deutschland heute ist. Denn Deutschland hat in seiner Entwicklung und der Entstehung der Demokratie, vielleicht mehr als 100 Jahre Zeit gehabt, Amerika vielleicht sogar über 200 Jahre. Wir hatten bisher gerade einmal 50 Jahre. Wir brauchen Zeit zu lernen wie man eine Demokratie aufbauen kann. Ich bin hier um den Leuten zu erzählen, dass Afrikas Geschichte nicht erst mit der Sklaverei und der Kolonialisierung begann. Bevor die ersten fremden Leute der Industrienationen nach Afrika kamen, hatten wir unsere eigenen Zivilisationen, wir hatten Königreiche, wir hatten unsere Gesellschaft, wir hatten unsere Medizin, wir wussten was zu tun ist wenn man krank ist und viele andere Dinge. Als die neue Zivilisation kam, brachte sie großes Leid in unsere Zivilisation und zerstörte sie. Ich denke jedermann muss wissern, Afrika kommt wieder, Afrika ist im Entwicklungsprozess. Und unsere Rolle, unsere Mission in dieser Situation ist, die Leute wach zu rütteln und zu einen.
Reggaestory.de: Vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah fakoly

Tiken Jah bedankt sich und wir gehen zum lockeren Teil des Treffens über. Wir liegen gut in der Zeit. Dann für Tiken Jah überraschend und offensichtlich sehr erleichternd, eine Frage auf Französisch von Madlen: „Ist es für dich schwierig in Englisch zu reden?“ „Ja es ist sehr schwierig für mich. Ich versuche es aber immer. Manchmal habe ich leider nicht die Wahl. Ich muss es mehr anwenden.“, bekennt Tiken Jah. „Für mich ist es auch sehr schwierig, aber in Französisch zu reden.“, darauf Madlen. „Ja aber die Worte die du kennst, klingen gut.“, lobt Tiken Jah.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

„Oh, du hast alle meine Alben!“, freut sich Tiken Jah, als ich ihm die Cover vorlege und er sich daran macht unsere Signierwünsche zu erfüllen. Danach noch schnell ein paar persönliche Fotos, und unser Plan ist schließlich abgearbeitet.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Wir verabschieden uns und machen uns zufrieden auf den Weg in freudiger Erwartung auf das abendliche Konzert im Kesselhaus. Während Tiken Jah seinen nächsten Termin wahrnimmt, ein Interview mit der Vertreterin eines Radiosenders, winkt er uns noch einmal lachend durch die Scheibe, als wir vor dem Hotel vorbeigehen. Wir haben Tiken Jah als überaus freundlichen, sehr ruhigen und zuvorkommenden Menschen kennengelernt. Es war uns ein besonderes Erlebnis ihn persönlich treffen zu dürfen.

Schnitt – Es ist 21:00 Uhr – Show Time im Kesselhaus

Vor dem Eingang ist mächtiges Gedränge. Das Konzert scheint ein voller Erfolg zu werden. Auch drinnen ist es schon mächtig eng geworden. Der Easy Skankin Sound ist schon dabei den Kessel vorzuwärmen. Filou, den man auch vom Berlin Boom Orchestra her kennt, rockt die Massive.

Easy Skankin Sound Easy Skankin Sound

Bild 1 + 2: Filou vom Easy Skankin Sound

Wir haben großes Glück noch nach vorne zu kommen, so dicht stehen schon die Fans. Der Bühnenaufbau hinter dem Easy Skankin Sound ist recht gewaltig. Als dann später Tiken Jah angekündigt wird und die dazugehörige Band ihren Platz einnimmt, beginnt das Klangerlebnis der besonderen Art. Ich zähle neun Musiker auf der Bühne. Zwei Keyboarder, drei Bläser, ein Drummer, zwei Gitarristen und ein Mann an der Kora. Weiterhin zwei Backgroundsängerrinnen. Die Band spielt sich kurz mit einem Intro ein und schließlich beginnt Tiken Jah seine Show mit dem Hit „Francafrique“. Zwölf Leute auf der Bühne, was für ein Sound!

Tiken Jah Fakoly

Tiken Jah Fakoly



Offizielles Video: "Francafrique"

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly
Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Tiken Jah tritt wie immer im traditionellen afrikanischen Gewand auf. Auch die Farbe ist fast wie immer in Braun- und Beigetönen gehalten. Dazu hohe braune Wildlederschuhe mit rot-gelb-grünen Schnürsenkeln. Ich habe ihn noch nie ohne diese Schnürsenkel auf der Bühne gesehen. Mit einem roten Schweißband am Handgelenk zollt er Che Guevara Respekt. Als Markenzeichen und einfaches Schmuckstück darf auch sein silberner Afrikaanhänger nicht fehlen, den er in seine Dreads eingeflochten hat. Als weiteren Schmuck trägt er nur noch einen einfachen silbernen Ring, sowie eine dünne traditionelle rot-gelb-grüne Perlenkette, mit braunen ovalen Zwischenstücken, die aus Samen oder Holz bestehen.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Er setzt fort mit „Danga“ und „Viens Voir“, bevor er mit „Sors De Ma Télé“ seinen ersten Hit vom neuen Album „African Revolution“ präsentiert. Sein Koraspieler, der gleich mit drei dieser Instrumente angetreten ist, verleiht dem Ganzen eine besondere Note. Die Verbindung von Reggae mit der Kora ist ein kleiner Traum. Anders als auf dem Album tritt hier jedoch der Reggae nicht ganz so weit in den Hintergrund. Die Massive ist begeistert und fasziniert.

Tiken Jah Fakoly

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

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Kesselhaus

Weiter geht es mit „Ayebada“ und "L´Africain" von „The African“, bevor mit „Vieux Pére“ von „African Revolution“ ein etwas ruhiger Titel folgt. Aber dann geht es weiter Schlag auf Schlag mit Knallern der Extraklasse. „Alou Maye“ von „Coup De Gueule“ und der Titelsong „African Revolution“ vom aktuellen Album. Es folgen „Ouvrez Les Frontieres“ und „Soldier“ vom Album „The African“ – nicht viel weniger schön. Und immer ist das wunderschöne Spiel der Kora zu hören, die heute überall dabei ist und so auch ältere Titel im völlig neuen Glanz erstrahlen lässt.
Als nächstes gibt´s ein ausgedehntes Medley, welches nahezu alle weiteren Hits vom Album „Francafrique“ und „Quitte Le Pouvoir“ von „Coup De Gueule“ enthält. Ein tolles Programm.



Offizielles Video: "Le Pays Va Mal" von "Francafrique"

Dann geht Tiken Jah in den Akustik Teil der Show. Sein Gewand hat er abgelegt und es kommt ein dunkles T-Shirt mit seinem Namen und dem Titel des aktuellen Albums zum Vorschein. Er nimmt Platz auf einem Hocker und beginnt mit „Votez“, ein wunderschöner und ruhiger Titel, wiederum vom neuen Album „African Revolution“.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly
Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Man fühlt sich fast versetzt nach Kuba oder in die Domrep. Dieser Titel klingt so gar nicht nach Reggae oder Afrika. Die Fans sind begeistert. Tiken Jah muss immer wieder nach unten sehen und lacht sich in den Bart hinein. Er kann offenbar nicht so direkt seine Freude zeigen. Es bleibt noch weiter ein wenig ruhig mit „Je Dis Non“, bevor es mit „Plus Rien Ne M´Étonne“ wieder ein wenig rhythmischer wird.



Offizielles Video: "Je Dis Non" von "African Revolution"



Offizielles Video: "Plus Rien Ne M´Étonne" von "Coup De Gueule"

Dann kommen die Backgroundsängerinnen zu ihrem persönlichen Einsatz. Mit „Political War“ von „African Revolution“ gibt es ein wunderschönes und ruhiges Duett mit einer der beiden Sängerinnen, deren Namen ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen konnte. Asa, die auf dem Album diesen Part übernimmt, dürfte es sicher nicht sein. Die andere Sängerin brilliert danach mit einer Solo Tanzeinlage, nur leider viel zu kurz.
Dann kurze Pause und Beifall ohne Pause.
Jetzt geht es in die nächste Runde und dem Höhepunkt entgegen. Tiken Jah hat ein neues traditionelles Gewand angelegt. „Delivrance“ von „Francafrique“, „Les Martyrs“ von „Cours D´Historie“ und dann das unbeschreibliche „Il Faut Se Lever“ von „African Revolution“. Man muss es einfach live gehört haben. Auf dem Album ist dieser Track zwar auch einer der besten, aber was man hier zu hören bekommt ist um Längen besser. Kräftiger Reggae Sound wie selten gehört und dazu eingewoben das immer weiter vorwärts treibende Koraspiel. Der Titel möge nur nicht so schnell enden. Ich erwische mich beim Schließen der Augen, dass passiert mir äußerst selten. Aber ich bin nicht allein damit. 

Kesselhaus

Kesselhaus

Kesselhaus

Ich glaube behaupten zu können, dass dies nicht nur für mich das beste Stück des Abends ist. Dann leider das unvermeidliche Ende, was zu erwarten war nach einem Titel wie diesem.
Aber Tiken Jah kann nicht anders und muss noch einmal zurück auf die Bühne. Wir alle sind zu gut mit unserem Jubel. Es lässt einfach nicht nach.
Es gibt darauf noch zwei Zugaben bevor er dann endgültig hinter der Bühne verschwindet. Die Gitarristen kommen nach vorn und legen noch lachend ein gemeinsames Solo hin, bevor die Musik im Jubel untergeht und sich nachfolgend alle Beteiligten am Bühnenrand vor dem Publikum verneigen. Zwei Stunden mit Tiken Jah Fakoly sind zu Ende gegangen.

Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly
Tiken Jah Fakoly Tiken Jah Fakoly

Fazit: Der neue musikalische Style von Tiken Jah ist ein völlig anderer Genuss als früher und besser als je zuvor, inklusive der älteren Stücke. Es war die richtige Entscheidung von ihm, es so zu tun wie er es mit dem neuen Album getan hat. Allerdings war die Live Präsentation noch ein ganzes Stück besser als das Album. Ein kleiner Tick mehr kräftiger Reggae Sound. Man darf gespannt sein, wie es in der Zukunft weiter geht.
Und – hoffen wir, dass das Kesselhaus wieder öfter solch großen Reggae Artists und deren Fans die Möglichkeit gibt, gemeinsam und friedlich ihre Musik zu feiern.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Lucia Zimara von NuzzCom, Susann Treubrodt und Marita Fabiunke von Trinity, Guillaume Dupuis vom Künstlermanagement, Kati Takacs und Oliver Arnold von F-Cat und natürlich ganz besonders an Tiken Jah Fakoly.

Nachsatz: Am 11.04.2011 endet vorerst der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo, wurde in seiner Residenz von den „Republikanischen Truppen“ des Wahlsiegers Alassane Ouattara überwältigt und festgenommen. Weiterhin seine Familie und einige Kollaborateure. In Abidjan brach nach Beendigung des Militäreinsatzes ein Freudentaumel auf den Straßen aus. In den letzten Tagen hatte sich der größte Teil der Bevölkerung in ihren Wohnungen verbarrikadiert.

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