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The Heptones Iriepathie Anthony Red Rose House of Riddim Hawkeye D-Flame Gappy Ranks Jampara Linval Thompson Pressure Frankie Paul Sister Nancy U-Brown Etana Ranking Joe Ray Darwin Mono & Nikitaman Richie Stephens Benji Goldi Super Beagle Cornadoor Skarra Mucci Sista Gracy Sara Lugo Soca Twins Teacha Dee
REGGAE JAM - BERSENBRÜCK

FESTIVALERINNERUNGEN

Reggae Jam 2011 Best Festival
17. Jahre Reggae Jam in Bersenbrück und gleichzeitig Ganjamans 10-jähriges Bühnenjubiläum als Moderator des Festivals, galt es gebührend zu feiern. Bernd Lagemann, a.k.a. Sheriff und Betreiber des Sounds „Sheriffs Soundpatrol“, hat alles daran gesetzt, den guten Ruf des Festivals weiter zu festigen. Die Leser der Riddim voteten das Reggae Jam im letzten Leserpoll mit 36,5 % der Stimmen auf Platz 1 zum "Besten Festival" 2010. Bereits in den Jahren 2005-2007 sicherte sich das Festival Platz 2 und die Jahre 2008+2009 mit Abstand zu den anderen Festivals Platz 1. Wir dürfen gespannt sein, ob das Reggae Jam zum vierten Mal in Folge auf die Spitze des Treppchens kommt.
Das wie jedes Jahr, vielversprechende und mit viel Liebe zum Genre aufgestellte Lineup sorgte schon im Vorfeld für Begeisterung. Auch der vorab im Netz kursierende Reggae Jam Artist Mix 2011, war schon eine lang anhaltende Ohrenweide (1h + 36min) für sich und sorgte bezüglich des nicht verratenen „Very Special Guest“ für jede Menge Spannung und Spekulationen. Ein paar Absagen im Vorfeld von Everton Blender, Marcia Griffiths, Ken Boothe, Queen Ifrica, Tony Rebel, Terror Fabulous und zuletzt noch Sanchez, konnten dem Lineup nicht wirklich etwas anhaben. Es wurde immer angemessener Ersatz gefunden. Keiner der Ausfälle war den Festivalorganisatoren anzulasten. Während es bei Ken Boothe und Marcia Griffith um nachvertragliche und zusätzliche Gagenforderungen ging, wurde bei Everton Blender vom Management die gesamte August-Tour gecanceled. Bei Terror Fabulous hat es an gesundheitlichen Gründen gelegen. Queen Ifrica und Tony Rebel hatten terminliche Probleme, und Sanchez durfte ganze einfach das Land nicht verlassen. Aber all dies war schon vorher bekannt. Einziger Wermutstropfen war die unverhoffte Absage von Ky-Mani Marley, der einen Tag vor seinem Auftritt alle seine in Bersenbrück vorbestellten Hotelzimmer wieder frei gab. Er hatte sich leider bei einer Live-Show in Rimini am Knie verletzt und musste zur Behandlung ins Krankenhaus.

Aber genug des Vorgeplänkels und auf zum Reggae Jam 2011.

Nachfolgend nun ein paar Festivalerinnerungen die ich textlich aber etwas knapp halten werde, da der Einbau von detaillierten Hintergrundinformationen zu jedem Artist ein endloses Projekt ergeben würde. Bitte nutzt also zur Vertiefung die im Text angebotenen Links.

Running Order

Donnerstag – 04.08.2011

Als wir am frühen Nachmittag in Bersenbrück eintreffen, ist noch reichlich Platz auf dem Campinggelände. Es befindet sich überwiegend zwischen dem Flüsschen Hase und der Neuenkirchener Straße. Links und rechts des Hastruper Weges stehen uns zwei Stoppelfelder als Baustelle zur Auswahl. Das Südfeld war im letzten Jahr unsere Heimat, war aber dieses Jahr mit Mais bepflanzt und scheint uns nicht so sehr geeignet. Die markierten Fahrspuren sehen schon aus wie eine Wüstenpiste, so locker ist der Untergrund. Wir schwimmen regelrecht übers Gelände, überqueren den Hastruper Weg in Richtung des anderen Stoppelfeldes, schneiden dabei gleich einmal dem Sheriff die Vorfahrt, der es zum Glück gar nicht so merkt, und suchen uns dort ein Plätzchen. Hier sieht es etwas besser mit der Festigkeit aus. Auch unsere extralangen aus Bewehrungsstahl gebogenen Heringe bewähren sich perfekt. Dem Einsinken der Zeltstangen haben wir ebenfalls durch Last verteilende Konservendosen abgeholfen. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben uns zu dieser Ausrüstungsergänzung bewogen. Die im Internet vorprognostizierten Regenschauer treten zum Glück nicht ein. So können wir trockenen Hauptes unsere Baumaßnahmen vollenden und dann entspannt vor dem Zelt warten, bis unser Bier aufgetaut ist. Kann ganz schön lange dauern wenn man Durst hat, und überall lauern aggressive Wespen auf ihre Chance. Was ist mit denen dieses Jahr nur los?
Später geht es zu ersten Streifzügen übers Gelände. Im Dancehallzelt soll es heute Abend schon richtig zur Sache gehen. Vor der Opener-Party mit den Soca-Twins, soll es die Uraufführung des Reggae Jam Films 2010 geben. Sein Titel lautet „Backstage“. Zum Kauf kann er jedoch noch nicht angeboten werden, da es vorher noch eine Fernsehdokumentation geben wird, die erst abgewartet werden muss. An den Verpflegungsständen auf dem Campinggelände kann man sich heute bereits sättigen. Die ersten jamaikanischen Artists sind auch schon im Gelände unterwegs. Prezident Brown ganz „undercover“ mit dunkler Sonnenbrille, entgeht Dank eines nebenstehenden und unverkennbaren Frankie Paul, nicht unserer Identifizierung. Geht ja gut los! Darauf sind wir noch gar nicht eingestellt und haben nicht einmal einen Stift oder ein Blatt Papier dabei.

Frankie Paul Prezident Brown

Mit dem Startschuss im Dancehallzelt wird es noch ein Weilchen dauern, so ist noch ein wenig Zeit für eine ausgedehnte Schlemmerei.
Dann entspanntes Kino auf einer Großbildleinwand mit „Backstage“. Die Besucher sitzen auf den Bodenplanken und verfolgen den Film zum vorjährigen Festival, der meines Erachtens noch besser gelungen ist, als der von 2009. Neben vielen Konzertausschnitten, die gerne auch etwas länger hätten sein können, kommen auch die vielen Helfer hinter den Kulissen zu Wort. Noch vor Ende des Films wird leider die Leinwand unter Beifall und Pfiffen beiseite geräumt, um das musikalische Programm starten zu können. Beifall für das gelungene Filmwerk und Pfiffe von denen, die gerne noch mehr hätten sehen wollen.

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011

Aber das musikalische Programm im Dancehallzelt ist ja noch lang und die Stunden bis zum Morgengrauen gezählt. Sheriff bedankt sich für den gemeinsamen Filmgenuss und eröffnet die Party. Neben der Bühne verfolgen Suga Roy, Super Beagle und einige andere Artists der Folgetage das Programm. Als erster besonders auffallender Live-Act des Abends präsentiert sich Teacha Dee, der aus Jamaica kommt und sich nicht ohne Grund „Teacha“ nennt.

Teacha Dee Teacha Dee

Denn er ist nicht nur Reggae-Sänger sondern auch tatsächlich Lehrer. Seit 11 Jahren unterrichtet er in Montego Bay die Fächer Physik, Chemie, Geologie, Mathe und Computer. Teacha Dee, der bürgerlich Damian Darrel Warren heißt, wurde am 21.09.1980 in Westmoreland geboren. Musikalisch bekannt wurde er mit seiner 2006-er Single „Smoke And Fly“ und dem 2007-er „Smuggling Weed“. Inzwischen sind so viele Singles erschienen, dass es an der Zeit für ein eigenes Album wäre. Seit Juni 2010 bekennt sich Teacha Dee zu Rasta und lässt seine Dreads sprießen, die ihm unter uns gesagt, auch besser stehen als die vorherige Kurzhaarfrisur. Teacha Dee ist leider nur mit drei Songs auf der Bühne, „Smoke & Fly“, „Beat Babylon“ und dem Remix von „Billionaire“ von Bruno Mars. Ehe ich mich versehe und überhaupt richtig zum fotografieren komme, ist die Show schon wieder vorüber.



Festivalvideo - Teacha Dee

Teacha Dee Booking: bookteachadee@gmail.com

Teacha Dee & Soca Twins

Teacha Dee und die Soca Twins

Suga Roy macht sich derweil Gedanken darüber, ob dies die Bühne für seinen Auftritt am Sonntag sei. Er befürchtet tatsächlich, dass hier im Dancehallzelt das Festival stattfindet. Aber ich kann ihn beruhigen und erzähle ihm von den zwei Bühnen im Klosterpark. „Welcher Tag ist eigentlich der beste und wichtigste vom Festival?“, möchte er weiterhin wissen. „Alle Tage sind super!“, kann man darauf nur antworten. Mal abgesehen von der Länge des Programms, als nur ein Kriterium, welches für Sonnabend sprechen würde, kann ich keine Wertung abgeben. Suga Roy würde sich zwar vermutlich mächtig freuen, wenn Sonntag der beste Tag wäre, aber beim „Best Festival“ 2008-2010 sind solche Überlegungen wirklich nicht nötig.

Suga Roy & Super Beagle

Suga Roy Super Beagle

Bild 1: Suga Roy und Super Beagle

Bei den Soca Twins kommt dann das Zelt zum Kochen. Die beiden Berliner Franky Fire und Boone Chatta haben den Soca im Blut wie kein anderes Soundsystem in hellhäutigen Gefilden. Selbst in Trinidad & Tobago, der karibischen Heimat des Soca, haben sie schon ihre internationale Konkurrenzfähigkeit bewiesen und sich eine Spitzenposition erarbeitet. Sie machen ihrem Ruf alle Ehre und treiben mit ihrer Show die Stimmung auf die Spitze. Handtücher fliegen, Tänzer und Tänzerinnen sind in Extase mit teils filmreifen und wirklich sehenswerten Vorstellungen, und eine Luft steht im Zelt wie zum Schneiden. Ein Stück T&T in BB.

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Soca Twins

Inzwischen ist ja eigentlich der Freitag schon weit vorangeschritten, und meine Gedanken an das bevorstehende Abendprogramm rufen mich zurück in Richtung Zelt und Luftmatratze. Ein paar Stunden Schlaf sollte man schon noch versuchen, bevor die Sonne aufgeht. Die Chancen stehen gut. Auf dem Gelände ist es weitgehend ruhig und andauernder Nieselregen sorgt für Ungemütlichkeit im Freien.

Freitag – 05.08.2011

5:30 Uhr dann der Schock im Morgengrauen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich stehe nahezu im Zelt. Total übersteuerter Lärm bricht los, der nichts mehr mit Musik und schon gar nichts mit Reggae oder Dancehall zu tun hat, und reißt mich aus dem Schlaf. Keine 5 Zelte weiter haben welche die Autotüren aufgerissen und setzen doch tatsächlich mit Techno Gedröns den Acker unter Strom. Hinzu kommt noch, dass deren Party Pavillon vielleicht 10 Meter weg von deren Auto steht. Also dreht man die Boxen natürlich noch etwas weiter auf. Wissen die überhaupt wo die sind? Warum nur haben wir immer wieder das Glück, genau die Stelle mit den Chaoten zu treffen. Ansonsten ist es nämlich im gesamten Gelände ruhig. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Einziger Trost - Als die späten Heimkehrer endlich müde geworden sind und ihren Lärm abstellen, sind alle anderen wach und drehen jetzt ihren Sound auf. Das Wetter hat sich wieder beruhigt und die aufgehende Sonne trocknet schnell unser Zelt. Die Anreise ist weiterhin im vollen Gange, und Platz auf dem Acker ist immer noch genügend vorhanden. Da das Bühnenprogramm erst am Abend beginnt, ist auch heute noch ausreichend Zeit für die Anreise. Wir haben viel Zeit für ausgedehnte Spaziergänge übers Campinggelände und eine erste Inspektion des Festivalplatzes. Wie im letzten Jahr gibt es wieder zwei Bühnen, die unmittelbar nebeneinander stehen. So wird es zwischen den Auftritten wieder kaum eine Pause geben, und nur so ist das gewaltige Lineup auch zu bewältigen. Wer keinen der Artists verpassen möchte, kann das hier voll ausleben, da sich keine der Bühnen dem Blickfeld entzieht, egal für welchen Standort man sich entscheidet. Überall wird noch fleißig an den Aufbauten und der Technik geschraubt. Mit Ausnahme der Bühnenkonstruktion, ist wohl der Platz im Klosterpark überwiegend erst ab Freitagmittag für die weiteren Arbeiten freigegeben.

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011

Während die Neuankömmlinge und Festivalorganisatoren noch bei der Arbeit schwitzen, ist bei den früher Angekommenen Entspannung auf dem Campinggelände und im Flüsschen Hase angesagt.

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011

Da wird getrommelt was das Zeug hält, ein Bierchen vor dem Zelt gezischt, in der Hase gebadet, oder einfach nur in der Sonne gelegen und das Treiben beobachtet. Beliebter Treffpunkt ist das Areal rings um „Da Sandwichmaker“. Hier bekommt man gute karibische Küche, kann das jamaikanische Original „Red Stripe“ ausprobieren, und die beste Musik am Platze genießen. Jetzt ist auch die beste Gelegenheit hier das Kochbuch „Moa Fire – Nahrung für die Seele“ von Steffen Prase, a.k.a. „Da Sandwichmaker“, zu erwerben.



Ich zitiere ganz einfach mal den Hans Söllner, der den passenden Kommentar zu dem Buch hat: „Sollte der eine oder andere von euch einmal nicht wissen, was es zum Mittag- oder Abendessen geben soll, dann würde ich mich freuen, wenn ich ihm mit diesem Kochbuch auf eine Idee bringen kann, schnell, einfach und fleischlos etwas auf den Tisch zu stellen. Steffen Prase, ein guter Freund von mir, der mich schon seit Jahren immer wieder mal auf meinen Touren begleitet, um für mich zu kochen, hat ein Kochbuch heraus gebracht, das ich euch wärmstens empfehlen kann. Wunderschöne Fotos, gute Musik und gutes Essen. Für den Rest müsst ihr selbst sorgen. Mit einem Dankeschön an Steffen und all die Leute, die bei ihm mitgemacht haben.“

Da Sandwichmaker Da Sandwichmaker
Da Sandwichmaker Da Sandwichmaker
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011

Bild 1 - 6: Da Sandwichmaker

Steffen, der natürlich als erster sein gelungenes Buch signieren muss, folgt gleich Ephraim Juda, der sich gerade auch hier aufhält. „Ja, so hat man immer wieder neue Ziele, die es zu verwirklichen gilt.“, meint Ephraim zu meiner Absicht, von allen Beteiligten eine Signierung ins Buch zu bekommen.

Da Sandwichmaker Ephraim Juda

Bild 1: Da Sandwichmaker                               Bild 2: Ephraim Juda mit "Moa Fire" 

Unweit davon befindet sich die Brücke über die Hase, wo jede Menge Gasflaschen lagern und auf einer schwimmenden Insel gerade die Technik für eine Feuershow installiert wird. „Macht mal ein wenig Platz! Gleich wird es warm!“, warnt einer der Installateure die Schaulustigen an der Böschung und startet seinen „Soundcheck“. Gewaltige Feuerstöße schießen nach allen Seiten in die Luft, je nach dem in welche Richtung die Brenner ausgerichtet sind. Ja es wird wirklich warm, sogar auf der Brücke kann man es noch spüren.

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011

Langsam rücken der Abend und die Eröffnung des Festivalgeländes im Klostergarten heran.

Dieses Jahr ist LionTeeth die erste Band auf der Bühne. Sie stammt aus Bersenbrück und Umgebung und ist schon zum fünften Mal mit dabei. Mit Dub, Reggae und Roots beschreiben sie ihre musikalischen Vorlieben. Von Jahr zur Jahr wird diese Band immer besser, so der einmütige Tenor von Moderation und Publikum. Als Unterstützung ist Abdelali „Abdul“ Mourid an den Percussions dabei. Er hat schon bei vielen Artists mitgewirkt und wird noch täglich bei der House of Riddim Band zu sehen sein. Besonders stolz ist Abdul auf seine Mitwirkung in der ersten nordafrikanischen Reggae-Band „African Roots“ aus Marokko.

Lion Teeth Lion Teeth
Lion Teeth Abdelali Mourid

Bild 1 - 3: Lion Teeth
Bild 4: Abdelali Mourid mit seiner Tochter

Nächster Act ist Bantaba, eine Roots-Reggae Band aus Dortmund. Seit 13.08.2010 ist ihr Debutalbum „From The Ground Up“ auf dem Markt. Eine Scheibe die durchgängig dem Roots-Reggae treu bleibt und lobenswerter Weise keinerlei Experimente hören lässt. Im letzten Riddim-Leser-Poll belegte die Band Platz 5 in der Rubrik „Bester Nationaler Newcomer“.

Bantaba

Bild 1: Bantaba

Dann geht es weiter mit Hawkeye und der House of Riddim Band. Hawkeye heißt bürgerlich Christopher Smith, wurde 1971 geboren und kommt aus Jamaica. 1988 nahm er seinen ersten Song „Patois“ auf, aber sein Debutalbum „Bubble & Wine“ kam erst am 10.08.2002 heraus. Obwohl Hawkeye als Vertreter des Dancehall gesehen wird, kann man vom ihm auch viele andere Sachen hören, die auch in Richtung Roots-Reggae gehen. So lässt er es sich auch nicht nehmen, ein Mädel aus dem Publikum zu holen, um ihr auf einer der Boxen im Fotograben ein Liebeslied zu singen. „Ist sie nicht wunderschön!“, ruft Hawkeye und sie freut sich. Gut ausgesucht hat er sie sich, denn sie passt perfekt zu seinem eigenen rot-schwarzen Outfit. Zum Schluss gibt es noch eine liebevolle Umarmung und alle jubeln.

Hawkeye Hawkeye
Hawkeye

Hawkeye Hawkeye

Jetzt wieder etwas Werbung für „Moa Fire – Nahrung für die Seele“, denn Sara Lugo, die ebenfalls ein Rezept zum Buch beigesteuert hat, kommt mir gerade entgegen. Die Gelegenheit für die nächste Widmung in Steffens Kochbuch. Sara wird noch mehrfach auf dem Festival zu sehen sein und gleich mit Protoje zusammen einen Kurzauftritt haben.

Moa Fire Sara Lugo

Sara Lugo mit "Moa Fire"

Dann geht es auch gleich weiter mit dem Programmpunkt Protoje, Don Corleon und Pressure. Als Backing Band sehen wir die Dub Akom Band aus Frankreich. Protoje, der bürgerlich Oje Ollivierre heißt, benennt sein Geburtsjahr nur mit „in den 80-ern“, wünscht sich aber schon in den 60-ern geboren zu sein. Sein aktuelles Album heißt „7 Years Itch“ und ist seit Januar 2011 als MP3 Version zu haben. Produziert hat sein Cousin Donovan „Don Corleon“ Bennett. Mit auf dem gut gelungenen Album vertreten sind Ky-Mani Marley, Jah9 und Gentleman. Hier auf der Bühne unterstützen ihn Sara Lugo und später Don Corleon. Protoje und Don Corleon kommen beide aus Jamaica. Ihr musikalischer Weg begann ebenfalls gemeinsam, als sie im Jahr 2000 den Sound „Vendetta“ gründeten. Don Corleon ist einer der wichtigsten Musikproduzenten von Jamaica, mit dem schon viele der bekanntesten Artists zusammengearbeitet haben. Da er aber auch schon für verschiedene Sounds Dubplates eingesungen hat, ist er auch als Sänger heute hier zu erleben.

Protoje Protoje
Protoje & Sara Lugo

Protoje Protojie

Dann kündigen Ganjaman und sein Co-Moderator Vido Jelashe, der etwas heiser und angeschlagen klingt, den nächsten Artist an.
Pressure, der bürgerlich Delyno Brown heißt, wurde am 05.08.1981 auf den Virgin Islands geboren. Im Alter von 9 Jahren begann er Trompete zu spielen und wurde bereits zwei Jahre später Mitglied im „Rising Star Youth Orchestra“. Sein Debutalbum „The Pressure Is On“ ist seit 2005 als CD zu haben. Sein drittes Album „Coming Back For You“, ist am 21. Dezember 2009 bei Rymshot Productions erschienen. Reggae, Roots und Soul gibt er als Musikrichtung auf seinem Myspace-Profil an. Produziert wird er inzwischen ebenfalls von Don Corleon, der ihn ein ganzes Stück in der Bekanntheitsskala nach oben gebracht hat. Wirklich schöner melodischer Reggae, den die Dub Akom Band gemeinsam mit Pressure hier der Massive bietet. Manche Stimmlagen von Pressure erinnern mich auch ein wenig Jah Mason.

Pressure

Pressure Pressure

Bevor es zum Linksschwenk an die andere Bühne geht, gilt es erst einmal ein paar Statements der eben gesehenen Artists einzusammeln, so lange sie in erreichbarer Nähe sind.

Anthony Red Rose Hawkeye
Don Corleon & Anthony Red Rose Suga Roy & Conrad Crystal
Don Corleon Protoje & Sara Lugo

Bild 1: Anthony Red Rose
Bild 2: Hawkeye
Bild 3: Anthony Red Rose und Don Corleon
Bild 4: Suga Roy & Conrad Crystal
Bild 5: Don Corleon
Bild 6: Sara Lugo und Protoje

Nächster Programmpunkt ist U Brown und Prezident Brown, mit der House of Riddim Band. Huford Brown, a.k.a. U Brown, wurde am 08.06.1956 in Kingston, Jamaica geboren. Als großen Lehrer und Einfluss auf seine musikalische Laufbahn gibt er U Roy an, was man auch deutlich aus seiner Musik heraushört. Bereits mit 12 Jahren bekam er die Gelegenheit als DJ im Sound „Silver Bullet“ mitzuwirken. Er bekam dort viel Zuspruch und Lob für seine Leistung, was ihm einen großen Schub und Zuversicht für seine weitere Entwicklung gab. Inzwischen hat es U Brown seit 1976 auf ungefähr 20 Alben und Compilations gebracht.

U Brown U Brown
U Brown U Brown

Weiter geht es mit Prezident Brown, der eigentlich Fitzroy Albert Cotterell heißt, am 25.07.1965 geboren wurde und ebenfalls aus Jamaica kommt. Seine musikalische Laufbahn begann er mit 14 Jahren, als DJ beim King Stereo Mix Sound. Als Professor Frisky, Junior Ranking und Slim Brown wurde er ursprünglich bekannt. Den größten Einfluss sieht Prezident Brown bei Jack Ruby, bei dem er auch 1988 seine erste Single „Dancehall Doctor“ aufnahm und auch den Beinamen Prezident bekam. Seine Discography, umfasst seit 1995 bis 2007 bereits 14 Alben. Sein bisher letztes Werk, „Common Prosperity“, ist seit 17.10.2009 erhältlich und beim Label „Tomorrow's Children“ erschienen. Es tut wirklich gut, wieder einmal ein paar seiner Hits live zu erleben.

Prezudent Brown

Prezident Brown Prezident Brown

Bild 1 - 3: Prezident Brown und House of Riddim

Ohne Pause geht es weiter mit Konshens, der zur jüngeren Generation der jamaikanischen Dancehall-Artists gehört. Garfield Delano Spence, alias Konshens, wurde am 11.01.1985 im Up-Park Camp, St. Andrew, geboren. Seinen ersten Hit landete er außerhalb Jamaicas, mit der Single “Pon Di Corner”, in Japan. Hier noch zusammen mit seinem Bruder Delus, unter dem Namen „Sojah“. Mit „Sons Of Jah“ folgte ein Jahr später sein Debütalbum. Trotzdem ist das Ganze nicht so richtig meine Richtung und Zeit für eine Pause.

Konshens

Konshens Konshens
Konshens

Inzwischen steht auch der Pressetermin für Prezident Brown und U Brown fest, der mir wichtiger ist.
Zuvor sollte noch ein Termin mit Pressure sein, der sich aber nicht als besonders zuverlässig erwies. Erst hat er den Termin zweimal verschoben und ihn schließlich ganz platzen lassen. Erstmal geht er zur Dubplate-Session und danach kommt er uns gelangweilt entgegen, wechselt kurz ein paar Worte mit U Brown, schließt sich uns aber nicht an. Der Presseraum ist auf der anderen Seite des Festivalgeländes. Also hindurch durch das Gedränge und nur niemand verlieren. Hier heißt es Aufpassen wie auf dem orientalischen Basar, denn man hat sich schnell aus den Augen verloren, wenn man abgelenkt wird. Aber Martina vom Orga-Team des Reggae Jam, hat die Sache voll im Griff und führt die Leute routiniert zum Ziel.

Prezident Brown U Brown
Prezident Brown U Brown

Bild 1 + 3: Prezident Brown
Bild 2 + 4: U Brown

Wieder zurück im Backstage ruft auf einmal Super Beagle: „Hallo, komm her und mach ein neues Bild. Denn heute ist ein neuer Tag!“ Das hatte ich auch noch nicht, dass ein Artist selber die Initiative ergreift. Vielleicht gibt es so jeden Tag ein neues Super Beagle Bild. Sein Auftritt ist erst am Sonntag.

Super Beagle Super Beagle

Bild 1 + 2: Super Beagle

Bryan Art haben wir derweil völlig verpasst. Diesem Sänger, der wiederum aus Jamaica kommt, wird eine Stimme wie die eines Beres Hammond nachgesagt. Erst im März vorigen Jahres kam sein Debutalbum „20ten“ heraus. Wir trösten uns damit, dass sein erster Auftritt in Deutschland sicher nicht der letzte sein wird.

Weiter geht es mit Luciano und Iriepathie. Zu Luciano muss man sicher nichts mehr sagen, dies wäre „Holz in den Wald getragen“. Nur verpassen darf man ihn nicht als einen der unbestrittenen Höhepunkte des Festivals. Der eine oder andere wird sich lediglich vielleicht wundern, warum Luciano gemeinsam mit Iriepathie auftritt. Die Brüder Syrix und Professa, die hinter Iriepathie stehen, haben kürzlich ihr 10-jähriges Jubiläum gefeiert und zählen in Österreich zu den bekanntesten Reggae Acts. Nebenbei betreiben sie auch noch das Label „Irievibrations-Records“, bei dem auch Lucianos 2011-er Album „RUB-A-DUB MARKET“ erschienen ist. Und nun sind sie gemeinsam unterwegs mit der „Rub-A-Dub Market Tour 2011“.

Iriepathie Iriepathie
Iriepathie

Bild 1 - 3: Iriepathie und Irievibrations Band

Die österreichische Irievibrations Band liefert einen tollen Sound ab, der perfekt Luciano auf den Leib geschneidert ist. Klingt gravierend besser als bei Iriepathies eigene Nummern. Dann etwas Aufregung im Fotograben. Ein weiblicher Fan hat sich dort offenbar unbemerkt eingeschlichen und versucht die Bühne zu entern. Julian versucht sie noch aufzuhalten, aber es ist zu spät. Schon tänzelt sie um Luciano herum und fotografiert sich dabei. Luciano lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, und wechselt nach einer Weile einfach die Bühnenseite. Der „Special Guest“ wird inzwischen sanft von der Bühnencrew auf den rechten Weg zurückgebracht. Mit „Stay Away“ auf Seeed´s Waterpumpee Riddim, setzt Luciano den Höhepunkt seiner Show, springt in den Fotograben, überklettert die Sicherheitsabsperrung und stürmt in die jubelnde Menge. Es folgt eine kurze Pause mit Ganjaman: „Wollt ihr noch mehr Luciano!?“ Was für eine Frage! Dann geht es sofort weiter unter Anderem mit „Legalize It“ auf den Spuren von Peter Tosh und mit „Dreadlocks can't live in a tenement yard“ (Tenement Yard) zu Jacob Miller. Leider wird das Letztere nur noch angespielt. Luciano wie immer große Klasse und großes Lob für die Backing Band.
Vido kann seine Co-Moderator Funktion kaum noch ausüben. Er krächzt sichtbar gequält ins Mikro. Seine Stimme ist inzwischen so gut wie hinüber. Er sollte sich dringend schonen. Sehr schade zwar, aber was will man machen.

Luciano Luciano
Luciano Luciano
Luciano

Luciano Luciano
Luciano

Bild 1 - 8: Luciano

Nun wieder Linksschwenk zur Nachbarbühne. Chezidek ist der nächste Star des Abends. Desbert Johnson, alias Chezidek, wurde am 20.06.1973 in St. Ann´s Bay, Jamaica geboren. Sein Debutalbum „Harvest Time“ wurde am 16.07.2002 bei VP Records veröffentlicht. Bisher hat Chezidek 9 Alben herausgebracht und mit „Judgement Time“ seit 21.04.2010 sein bisher letztes Werk am Start. Begleitet wird Chezidek heute von der Dub Akom Band, die wohl dieses Jahr als zweite Hausband des Festivals fungiert. Etwas Entlastung tut der House of Riddim Band sicher auch gut. Chezidek heute mit offenen Haaren, dunkler Sonnenbrille und Schal, überzeugt die Massive völlig. Sein erster Number One Hit „Leave The Trees“ darf dabei natürlich nicht fehlen. „Inna Di Road“, „Bun Di Ganja“ und viele andere Songs sorgen für Begeisterung. Bei „Call Pon Dem“ gibt es sogar völlig ungewohnte energische und kräftige Stimmeinlagen von ihm zu hören.

Chezidek Chezidek
Chezidek Chezidek

Bild 1 - 4: Chezidek

Dann zum letzten Rechtsschwenk des Tages. Der bis kurz vorher noch geheim gehaltene „Special Guest“, wird den ersten Festivaltag ausklingen lassen. Zwar wurde er hier schon im Laufe des Tages verraten und der Überraschungseffekt somit etwas abgeschwächt, aber eine kleine Sensation bleibt es trotzdem. Viel wurde im Vorfeld des Festivals darüber diskutiert und das Für und Wider abgewogen.
Da wurden die Tourpläne sämtlicher Artists gefilzt, der Reggae Jam Artist Mix 2011 akribisch und mehrfach durchgehört, Wünsche befürwortet oder niedergemacht, aber sämtliche nebulösen Umschreibungen der Show die zu erwarten sei, zielten tatsächlich in Richtung Dancehall und Ele. Einige hatten da schon im Vorfeld die richtige Vermutung. Schon erstaunlich wie man einen derartigen Auftritt fast bis zum Beginn geheim halten kann. Elephant Man tritt mit Soundsystem auf, welches auf einem höher gestellten Tisch positioniert ist. Eine Reihe Wasserflaschen die darauf angetreten sind, lassen nichts Gutes ahnen. Elephant Man mit gewohnt bunter Haarpracht, tritt nahezu komplett im gelben Outfit auf. Selbst Armbanduhr und Turnschuhe haben die passende Farbe. Seine kurze Hose, oder das was davon noch übrig ist, wird eingeklemmt von einem überhängenden Bauch und dem Hochpunkt seines Hinterteiles. Die Hosenbeine sind auf der Innenseite aufgeschlitzt bis in den Schritt, was aus der Hose schon eher einen Rock macht. Erstaunlich wie das Teil überhaupt noch die Show des „Energy God“ überlebt. Ele rast von einer Seite der Bühne zur anderen oder springt in den Fotograben und peitscht die Massen mit seinem kreisenden Handtuch auf. Dazwischen wird immer wieder eine Wasserflasche leer geschleudert, zum Leidwesen der Fotografen, die immer weniger werden, um ihre Technik nicht zu gefährden. Obwohl sich die Massive in bester Stimmung präsentiert, ist es leider nicht so warm, dass man das Wasser wirklich zur Abkühlung brauchen könnte. Die angenässten Sachen kühlen noch mehr, wie es der kühle Morgen sowieso schon tut. Als die letzte Flasche verschüttet ist, wird leider schon wieder eine neue Batterie auf dem Soundsystem Tisch aufgestellt. Also bleiben wir lieber am Rande und genießen die Show aus der Ferne.

Elephant Man

Elephant Man Elephant Man
Elephant Man

Elephant Man

Elephant Man Elephant Man
Elephant Man Elephant Man

Elephant Man

Etwas schade an der Sache ist, dass Ele viele seiner Hits wie „Gully Creepa“, „Nuh Linga“, „Nuh Lef Dem Gone“ (Vipe Out Riddim) und Andere oft nur an- und nicht ausspielt. Der Show tut es zwar keinen Abbruch, aber die besten Sachen sollte man schon etwas länger präsentieren. Ele entdeckt die Fans im Baum und brüllt: „People in the tree – shake the tree!“ Und sie schütteln was das Zeug hält. Laser durchdringen ab und zu die Finsternis und geben der Show noch Einen drauf. Zwei Jungs werden zum Mitmachen auf die Bühne geholt, können Ele aber nicht das Wasser reichen. Wer von uns könnte das schon? Fazit zum Ende: Nicht unbedingt durchweg meine Musikrichtung, aber Show und Stimmung waren kaum zu toppen. Da kommt man auch als Rootser nicht vorbei.

Inzwischen ist es ein ganzes Stück nach 3:00 Uhr geworden, als wir uns auf den Heimweg machen.
Ele, der sich wohl unabsichtlich im Backstage verlaufen hat und versucht in einen Container zu kommen, wird natürlich sofort von den Anwesenden in eine Foto-Session verwickelt. Ele macht zwar bereitwillig mit, aber ihm so weit auf die Pelle zu rücken, dass die Linse schon Körperkontakt bekommt, wie es einer der Fotografen eines namhaften Magazins praktiziert, geht dann doch ein Stück zu weit. Aber Ele zuckt nicht einmal und macht sich nichts daraus. Kurz danach verschwindet er wieder im Backstage.

Elephant Man Elephant Man
Elephant Man

Elephant Man

Morgen bzw. heute erwartet uns ein 14-stündiges Bühnenprogramm. Es ist Zeit zu gehen. Hoffentlich können wir etwas schlafen. Bisher ist alles ruhig auf dem Zeltplatz.

Sonnabend – 06.08.2011

Die wenigen Stunden bis zum Morgen sind doch tatsächlich ruhig geblieben. Selbst im Techno Lager ist alles still. So können wir uns einiger maßen ausgeruht auf einen langen Tag und eine lange Nacht vorbereiten. Das Wetter sieht heute nicht so toll wie gestern aus. Alles ist grau, aber die Stimmung auf dem Platze schon wieder bestens.

Reggae Jam 2011

Heute geht es schon gegen 13:00 Uhr zum Festivalgelände. Für diese Zeit ist Ganjaman & Friends angekündigt. Mit dabei werden Cornadoor, Benji, Goldi, Uwe Banton und Jennifer Washington sein. Ganjaman hatte schon im vorigen Jahr mit seiner Frühstücksshow bewiesen, dass man auch am zweiten Festivaltag schon um 13:00 Uhr den Platz voll bekommt.

Reggae Jam 2011

Ganjaman Roughhouse

Bild 2: Ganjaman                                             Bild 3: Roughhouse

Auch dieses Mal ist es so. Der Platz vor den Bühnen ist voll besetzt, als würde gleich der Headliner des Tages auftreten. Heute heißt es zwar nicht Frühstücksshow, aber ein Frühstück gibt es trotzdem wieder. Während Ganjaman die Show eröffnet und die „Feueralarm Band … oder was auch immer“ begrüßt. Werden auf der Nachbarbühne schon kräftig die Brote geschmiert und im Anschluss mit Tabletts über den Platz gereicht. Ganjamans Bemerkung zur Feueralarm Band „… oder was auch immer“, ist nicht unbegründet. Schon seit einiger Zeit sind die Mitglieder der Feueralarm Band verstreut bei der Far East Band, The Evolution und sich selbst zu sehen. Neuerdings hat sich jetzt auch noch Roughhouse als Bassist in die Feueralarm Band eingereiht.

Jennifer Washington Reggae Jam 2011
Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011

Ganjaman bekommt zu seinem 10-jährigen Bühnenjubiläum beim Reggae Jam als Moderator, ein bunt beschriftetes weißes Tuch auf die Bühne gereicht. Die nachfolgende Show könnte nicht abwechslungsreicher sein. Ganjamans Freunde geben sich sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Hier natürlich das Mikro, und das öfter als angekündigt. Neben den angekündigten Artists stehen noch weitere im Programm wie Junior Banton, Ephraim Juda und Andere. Zwischendurch bekommt auch Birte Timm von „Help Jamaica e.V.“ die Gelegenheit auf das Projekt des Vereins aufmerksam zu machen. Durch das Reggae Jam wird der Verein unterstützt und eine Sammelaktion durchgeführt.

Reggae Jam 2011

Ganjaman Uwe Banton
Ganjaman & Uwe Banton Ganjaman & Alex
Ganjaman Ganjaman
Ganjaman & Uwe Banton Ganjaman & Uwe Banton

Ganjaman und Uwe Banton

Ganjaman richtet während seiner Show einige einleuchtende Appelle an das Publikum, die ihm das mit viel Beifall danken. Selbst unsere Ordnungshüter bleiben nicht unerwähnt. „Seid nett zur Polizei, denn sie tun nur ihren Job!“, mahnt er an. Es würde den Rahmen sprengen, um hier alles wieder zu geben, aber dieser eine Punkt könnte wirklich sehr den Reggae-Fans dienen, wenn sich alle daran halten. Ganjamans musikalische Präsentation seiner Freunde hätte noch einige Reserven, aber vom Bühnenmanagement kommt schon das unmissverständliche Zeichen mit dem Schnitt am Hals. Was die noch nicht wissen ist, dass Ganjaman die Order vom Sheriff hat, ein wenig zu überziehen, da inzwischen die Nachricht von Ky-Mani Marleys Unfall hereingekommen ist. Das arme, nichtsahnende Bühnenmanagement kommt ins Schwitzen, da sich Ganjaman nicht so schnell von der Bühne ordern lässt. Letztlich gibt er aber doch nach, um deren Nerven zu schonen.

Ganjaman Benji
Cornadoor & Jennifer Washington Ephraim Juda & Ganjaman

Bild 1: Ganjaman
Bild 2: Benji
Bild 3: Ganjaman, Cornadoor, Jennifer Washington
Bild 4: Ganjaman und Ephraim Juda

Dann der erste Bühnenschwenk des Tages. Skarra Mucci als Soundsystem-Show steht auf dem Programm. Skarra Mucci, auch früher bekannt als „Lyric Millionaire“, ist in Jamaica geboren und in Europa als Dancehall-Artist bekannt. Er ist einer der vielseitigsten Sänger, der zwischen den verschiedensten Musikrichtungen wie Soul, Gospel, Reggae, Dancehall, Rap und R&B wechseln kann. Hunderte Singles hat Skarra Mucci bereits veröffentlicht, aber erst 2007 kam sein Debutalbum „Rise & Shine“ heraus. Sein bisher aktuellstes Album „912“ ist am 01.03.2010 auf den Mark gekommen. Beste Single ist aber für meinen Geschmack nach wie vor das rootsige „Bonx It Pon Me“ vom 01.08.2003, zusammen mit den Ganglords aus der Schweiz. Der heute auf der Bühne mitsingende Sound-Boy, wie heißt er doch gleich, passt in seiner legeren Anzugsordnung nicht so recht zu Skarra Muccis edlen Outfit.

Skarra Mucci

Skarra Mucci Skarra Mucci
Skarra Mucci Skarra Mucci

Bild 1 - 5: Skarra Mucci

Dann verbleiben wir ohne Rechtsschwenk vor derselben Bühne. Ray Darwin und die House of Riddim Band stehen als nächstes auf dem Programm. Ray Darwin wurde ziemlich spät dem Lineup hinzugefügt und sein Auftritt wurde erst ein paar Tage vorher bekannt als die Running-Order veröffentlicht worden ist. Seit Jahren verfolgt mich schon sein erster großer Hit „People´s Choice“ aus dem Jahr 2006, der mein erster Profilsong bei Myspace war und nach wie vor an erster Stelle dort eingebrannt ist. Ray Darwin ist in Buff Bay, Jamaica, geboren, lebte schon einmal 25 Jahre in New York und seit 2002 auch in Deutschland. Zu seinem Geburtsjahr möchte er sich nicht äußern. Er selbst begründet das so: „My birth date is may 23rd 19…. I am not a number, and i intensionally go against being summed up by a number ... or associated to an age group … sorry ..!“ Ja kein Problem, also sagen wir einmal Ray Darwin ist heute 36+x Jahre alt. Seit 01.01.2011 gibt es nun endlich Ray Darwins Debutalbum „People´s Choice“, erschienen bei Joe Fraser Records. Leider ist die Freude über seinen Auftritt, an dem auch Sara Lugo mit teilnimmt, viel zu kurz.
Der Titel „Good For You“ mit Sara Lugo, ist auch Bestandteil seines Albums. Ray Darwin muss zeitig die Bühne verlassen, obwohl sein größter Hit „People´s Choice“, der ihn erst richtig bekannt gemacht hat, noch gar nicht an der Reihe war.

Ray Darwin

Reggae Jam 2011 Ray Darwin & Sara Lugo
Abdelali Mourid Ray Darwin & Sara Lugo

Bild 1, 3 + 5: Ray Darwin
Bild 3 + 5: Sara Lugo
Bild 4: Abdelali Mourid

„Was war los? Warum hast du nicht „People´s Choice“ gebracht. Das ist doch das beste Stück?“, will ich von ihm nach der Show wissen. Ray freut sich über die Anerkennung. „Ja schade, aber die Zeit war zu knapp. Ich bekam auf einmal das Zeichen, dass ich aufhören soll.“ Wirklich schade. Ist denn schon wieder Verzug im Programm, obwohl Ky-Mani ausfällt und Ganjaman sogar erst überziehen sollte?

Ray Darwin Ray Darwin

Bild 1 + 2: Ray Darwin

Immer noch auf derselben Bühne geht es gleich mit D-Flame weiter. Als Backing Band wiederum House of Riddim. Mit D-Flame ist wieder einmal ein deutscher Künstler am Start. Seine Mischung aus Rap, HipHop, Soul, R&B und Reggae passt aber nicht zu meiner Interessenlage. So wird mein Bühnenaufenthalt nur kurz und die erste Verschnaufpause ist angesagt.

D-Flame

D-Flame

Die nutzen wir gleich als weitere Werbepause für „Moa Fire – Nahrung für die Seele“, denn nun hat Ganjaman endlich etwas Zeit, seinen Beitrag im Kochbuch mit einer Widmung zu ergänzen. Viele wünschen sich bereits einen zweiten Teil zu dieser Ausgabe. Auch Ganjaman erzählt uns, wie er versucht hat, Steffen dafür zu begeistern. (Kurze Zeit nach dem Festival erfahre ich von Steffen, dass die erste Auflage des Buches erfolgreich vergriffen ist. Die zweite Auflage wird es aber schon im Oktober dieses Jahres geben. Und das Beste: „Über einen zweiten Teil denke ich gerade nach. Ist aber noch nicht spruchreif!“, sagt Steffen. Hoffen wir, dass seine Überlegungen mit grünem Licht für Teil 2 enden.)

Ganjaman Moa Fire

Ganjaman mit "Moa Fire"

Backstage dann Foto-Session mit Super Beagle Teil 3. Morgen folgt ganz sicher auch noch Teil 4. Immerhin ist er dann auf der Bühne mit seiner Show an der Reihe.
Auf „Moa Fire – Nahrung für die Seele“, müssen wir auch schon wieder zurückkommen. Gerade hat Uwe Banton etwas Zeit, der ebenfalls einen Beitrag für das Buch geliefert hat, sich darin zu verewigen.

Super Beagle Super Beagle
Uwe Banton Uwe Banton

Bild 1 + 2: Super Beagle
Bild 3 + 4: Uwe Banton und "Moa Fire"

Dann wird es aber Zeit zur nächsten Überraschung in Richtung Bühne zu gehen. No-Maddz feat. Joseph „Blue“ Grant stehen auf dem Programm, die wie Ray Darwin erst ein paar Tage vor dem Festival angekündigt worden sind. Mit Joseph „Blue“ Grant a.k.a „Still Cool“, steht der nächste Jamaicaner auf der Bühne. Joseph Valentine Grant, wie er bürgerlich heißt, wurde am 07. Oktober 1954 geboren. Der Beginn seiner musikalischen Laufbahn liegt schon über 40 Jahre zurück, als er unter dem Namen „Youth Mojo“, als Toaster für Leonard Chin bekannt wurde. Seit 1974 spielte er dann Steel Pan bei diversen Bands. Mit seiner 1977 gegründeten Band „Still Cool“, hatte er seinen ersten No.1-Hit „To Be Poor Is A Crime Still Cool“. 1989 startete er seine Solokarriere als Joseph „Blue“ Grant und arbeitete an der Seite von britischen Künstlern und Musikern. Seine erste Promotion-Tour in Deutschland war gemeinsam mit Jamaica Papa Curvin, auf dessen „X-mas Reggae Tour 1992“. Zwei Jahre danach begann er von Deutschland aus zu arbeiten und gründete die Firma „Music & Culture“, um mit ihr den originalen Reggae in Deutschland und Europa zu fördern und zu verbreiten. Seit 02.05.2009 hat er mit „Can´t Stop This Music“ sein aktuellstes Album auf dem Markt. Während Joseph Blue Grant mit eingängigem Roots Reggae unter Einbindung einer Steel Pan überzeugt, wird es mit den dann auftretenden No-Maddz etwas unklar oder schwer definierbar.

Joseph Blue Grant Joseph Blue Grant

Bild 1 + 2: Joseph "Blue" Grant

Sheldon Shepherd, Everaldo "Evie" Creary, Chris "Birdie" Gordon und O'neil Peart gründeten sich im Jahr 2000 als Dub Poetry Gruppe und haben bis heute schon einige Auszeichnungen auf ihrem Konto. Am 27.03.2010 brachten sie ihr Debutalbum „The Trod“ heraus. Im Dezember 2010 wurden No-Maddz in Jamaica als die „Most Entertaining Performer of the Year“ ausgezeichnet. Ja und das sind sie wirklich, aber mehr in Richtung Theater und Bühnendarstellung. Selbst beim Eintritt auf ihre offizielle Website ist das „Titelbild“ nicht wirklich ein Bild, auch keine Montage, sondern wirklich ein Film, dessen Darstellung für den Stil der Band spricht – Theaterinszenierung eben. Ihre Werbefilme für Puma kann man sich auch immer wieder reinziehen. Echt witzig.



Puma Werbefilm mit No-Maddz - „Blam! Blam!“



Puma Werbefilm mit No-Maddz - „Recording“

Mehr Videos von der Band gibt es auf deren Video-Kanal bei „You Tube“.

Musikalisch kann man sie wohl nur schwer in irgendeine Schublade stecken. Nicht umsonst haben sie unter „Genre“ auf ihrem Facebook-Profil auch „NoMaddz Music“ stehen. Genauso könnte dort „PoO PuKu PoO“ stehen. Momentan dreht sich wohl sowieso alles nur um diese in 2011 erschienene Single „Rize Above Profanity“ („PoO PuKu PoO“). Auch heute gibt´s „PoO PuKu PoO“ als alles vereinnahmende Textzeile, nahezu ohne Luft zu holen. Die Show der schlanken Jungs, die aussehen, als kämen sie aus vergangenen Zeiten, kommt aber auf alle Fälle gut an. Auch wenn es kein Reggae sondern „NoMaddz Music“ ist.

No-Maddz

No-Maddz No-Maddz
No-Maddz No-Maddz
No-Maddz No-Maddz
No-Maddz No-Maddz
No-Maddz

Bild 1 - 10: No-Maddz

Dann wieder Linksschwenk zur Nachbarbühne. Mit Ophlin Russell-Myers alias Sister Nancy, die am 02.01.1962 in Kingston, Jamaica geboren wurde, steht etwas Dancehall auf dem Programm. Mit am Start ist wieder die House of Riddim Band. Sister Nancy ist als erster weiblicher Dancehall DJ bekannt geworden und hat sich mit Hits wie „One Two“, „Money Can´t Buy Me Love“ oder „Bam Bam“ einen Namen gemacht. 1982 brachte sie ihr Debutalbum „One Two“ heraus. Ihr zweites und bisher letztes Album „Sister Nancy Meets Fireproof“ von 2007, liegt leider schon ein paar Jahre zurück.
Sister Nancy in ihrem blauen Kleid, mit großen gelben Blumen, bringt allerhand Gewicht auf die Bühne, und dies nicht nur musikalisch. Beim anschließenden Fototermin muss ich mich schon ein wenig in den Vordergrund begeben, damit ich nicht ganz so mickrig gegenüber Sister Nancy auf dem Bild daherkomme.

Sister Nancy Sister Nancy
Sister Nancy

Sister Nancy Sister Nancy
Sister Nancy Sister Nancy

Bild 1 - 7: Sister Nancy

Kurz danach geht es weiter mit Jahcoustix und der Yard Vibes Crew. Der Münchener Dominik Haas, wie Jahcoustix bürgerlich heißt, ist einer der besten einheimischen Roots Reggae Vertreter. Seit 03.09.2010 ist sein neues Album „Crossroads“ erhältlich. Nach seinem Debutalbum „Souljahstix“ aus dem Jahr 2003, ist somit das fünfte Album dieses charismatischen Sängers erschienen. Jahcoustix enttäuscht seine Fans nicht und muss sich nicht groß anstrengen, die Bersenbrücker Massive auf seine Seite zu ziehen. Es gibt Roots Reggae vom Feinsten und die Yard Vibes Crew liefert den perfekten Sound dazu ab. „Das ist Musik! Eigentlich brauche ich heute nichts mehr!“, sagt einer der Fotografen zum Ende der Show begeistert zu mir.

Jahcoustix Jahcoustix
Jahcoustix Jahcoustix

Bild 1 - 4: Jahcoustix

Leider treffen wir Jahcoustix später nicht noch einmal und müssen unsere nächste Werbeansage für „Moa Fire – Nahrung für die Seele“, auf ein anderes Mal vertagen. Denn auch Jahcoustix ist in dem Buch mit Bildern, Text und Musik vertreten.
Ja und was ist eigentlich mit Anthony Red Rose? Dessen Bühnenshow haben wir glatt völlig vergessen oder verpasst. Waren wir denn vorhin so lange bei Sister Nancy?

Der nächste Linksschwenk bringt uns zu Gappy Ranks. Jacob Lee Williams ist der Sohn eines jamaikanischen Vaters und einer Mutter aus der Dominikanischen Republik. Geboren und aufgewachsen ist er in Harlesden, im Nordwesten von London. Harlesden ist für seine lebhafte karibische Kultur bekannt und wird ganz inoffiziell „Reggae-Hauptstadt von London“ genannt. Gappy Ranks hat sich R&B, Rap und Reggae auf die Fahne geschrieben, ist aber überwiegend als Dancehall Musiker bekannt. Seine aktuellen Alben sind „Put The Stereo On“ vom 24.08.2010 und „Thanks And Praise“ vom Juni dieses Jahres. Wobei das Erstere sein Debutalbum ist.

Gappy Ranks Gappy Ranks
Gappy Ranks Gappy Ranks
Reggae Jam 2011

Bild 1 - 4: Gappy Ranks

Hier beim Reggae Jam brilliert er aber auch mit klassischem Roots Reggae. Besonders eindrucksvoll ist „Heaven In Your Eyes“, seine Version von Bob Marleys „Soul Rebel“. Weiterhin echt super sind Tunes wie „Longtime“ und „I Was There“. Gappy Ranks setzt sich für die Hilfe der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis vom 11.03.2011 in Japan ein. Mit seinem Hit „I Was There“ verarbeitet er seine Erlebnisse von der Katastrophe dort. Nur zwei Stunden vor dem Beginn dieser Tragödie kam Gappy Ranks in Japan an und wollte eine Tour mit 6 Konzerten durchführen. Fast die gesamte Tour fiel buchstäblich ins Wasser oder lag in Trümmern, was aber auf Grund der Ereignisse das geringste Problem war. „Helft den Leuten in Japan!!“, so immer wieder seine Aufforderung an die Fans.



Offizielles Video: „I Was There“

Nach Gappy Ranks geht es sofort mit Romain Virgo weiter. Bühne und Backing Band bleiben uns erhalten. Mit Romain Virgo ist der nächste Jamaicaner am Start. Bereits als 17-jähriger gewann er im Jahr 2007 den Digicel Rising Stars Talentwettbewerb, das karibische Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“. Mit seinem Hit „Can´t Sleep“ hat er die Charts gestürmt und sich international bekannt gemacht. Aber auch mit Stücken wie „Who Feels It Knows It“ (feat. Etana), „Love Doctor“ oder „Dark Skin Girl“ kann er sich sehen und hören lassen. „Can´t Sleep“ wird ganz sicher keine Eintagsfliege bleiben. Sein Debutalbum „Romain Virgo“ kam am 04.06.2010 heraus.

Romain Virgo Romain Virgo
Romain Virgo Romain Virgo
Romain Virgo

Romain Virgo Romain Virgo

Bild 1 - 7: Romain Virgo

Nach Romain Virgo geht es zurück zur rechten Bühne. Die neue „Feueralarm Zusammenstellung“ präsentiert dort Assassin. Mit dem Jamaikaner Assassin a.k.a Agent Sasco, ist wieder ein reiner Dancehall-Deejay der neuen Zeit am Start, der sich auch HipHop und Rap auf die Fahne geschrieben hat. Alles überhaupt nicht mein Ding. Da kann mich auch die heutige Show nicht eines Besseren belehren. Also wieder einmal etwas Zeit für eine kurze Verschnaufpause. Das Wetter ist auch nicht mehr so toll und es wird feucht von oben.

Assassin Assassin

Bild 1 + 2: Assassin

Inzwischen machen wir wieder einmal eine Werbepause für „Moa Fire – Nahrung für die Seele“. Mono & Nikitaman zeichnen ihren Buchbeitrag ab. Auch wenn sie nur selten meinen musikalischen Nerv treffen, müssen sie natürlich ebenfalls mit ran. Es gibt noch viel zu tun. Die Liste der Artists im Kochbuch ist lang. Mal sehen, wann ich mein Ziel erreicht habe.

Mono Nikitaman

Mono & Nikitaman mit "Moa Fire"

Dann wird es aber Zeit, sich wieder vor die Bühne zu begeben. Ranking Joe, der von der House of Riddim Band begleitet wird, ist einer der absoluten Höhepunkte des Abends. Ranking Joe wurde am 01.07.1959 in Kingston, Jamaica, geboren und heißt bürgerlich Joseph Jackson. Seit Mitte der 70-er Jahre begann seine musikalische Laufbahn, bei der er stark von U-Roy inspiriert worden ist. Sein erster Künstlername war Little Joe. Als er dann später sogar mit U-Roy zusammen ein eigenes Soundsystem gründete, nannte er sich Ranking Joe. Inzwischen gehen über 15 Alben auf sein Konto und aus dem „Little“ Joe ist ein „Big“ Ranking Joe geworden. Eine echte Legende mit grandioser Stimme. Besonders kennzeichnend sind seine genialen Dub-Kreationen. Seine letzten beiden Alben sind „World In Trouble“ (2005) und „World In Dub“ (2006).

Ranking Joe Ranking Joe
Reggae Jam 2011

Ranking Joe Ranking Joe

Ranking Joe

Es ist nahezu unglaublich was Ranking Joe mit seiner Stimme anstellt. Da rollt das „R“ endlos zwischen den Worten und immer wieder lautstarke Fülllaute wie „bow“, „au“, „jeeeh“ und andere, keine Ahnung wie ich das richtig schreiben soll, aber wer ihn schon einmal gehört hat weiß was ich meine. „And now Dubplate-Style, …,Rub-A-Dub-Style …, Ska.“, Ranking Joe sagt immer zwischendurch die Richtung an. Von mir aus könnte das stundenlang so weiter gehen, aber die Wolken mögen bitte aufhören zu tröpfeln. Immer wieder gibt es leichten Regen zwischendurch.



Offizielles Video: „I Love Jah“

Jetzt wieder alles zur rechten Bühne und weiter geht es mit Richie Spice, mit der Nässe von oben leider auch. Richell Bonner alias Richie Spice, wurde am 08.09.1971 in Kingston, Jamaica, geboren. Sein Debut-Album „Living Ain´t Easy“ wurde 1999 veröffentlicht und kam im Jahr 2000 noch einmal unter dem Namen „Universal“, unter Beifügung von 4 weiteren Tracks auf den Markt. Seit dem hat sich die Liste seiner Hits mächtig entwickelt. Mit dem Album „Book Of Job“ hat er seit März dieses Jahres das 6. Album veröffentlicht, wenn man veränderte Neuauflagen und Compilations vernachlässigt.
Richie Spice tritt mit eigener Band auf und hat noch zwei Tänzerinnen. Der zurückhaltende Richie Spice, der oft geradezu bewegungs- und emotionslos sein Programm abspult, kommt mir heute geradezu aufgeweckt vor. Ein Hit nach dem anderen, natürlich inklusive „Di Plane Land“, sorgt für ausgelassene Feierstimmung beim Publikum. Mittendrin wird bengalisches Feuer abgefackelt, auf den Schultern oder unter riesigen Schirmen im Regen getanzt. Richie Spice lacht und ist ebenfalls sichtlich zufrieden mit seinem Auftritt.

Richie Spice Richie Spice
Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Richie Spice Richie Spice

Richie Spice

Und weiter geht es nebenan mit Frankie Paul und der House of Riddim Band. Paul Blake alias Frankie Paul, kam am 19.10.1965 in Kingsten, Jamaica, blind zur Welt. Bereits mit 3 Jahren begann er zu singen, und im Alter von 8 Jahren konnte glücklicher Weise ein Teil seines Augenlichts wieder hergestellt werden. 1976 traf Frankie Paul an der Schule mit Stevie Wonder zusammen, was er als einen der größten Momente in seinem Leben ansieht. 1980 konnte Frankie Paul seine ersten Studioaufnahmen realisieren. Mit „Pass The Tu-Sheng-Peng“, gelang ihm 1984 der Durchbruch in Jamaica. Inzwischen hat Frankie Paul zirka 50 Alben auf den Markt gebracht.

Frankie Paul

Frankie Paul Frankie Paul

Bild 1 - 3: Frankie Paul

Als nächstes versuchen wir, erst einmal Richie Spice einen Besuch abzustatten. Es scheint schwierig zu werden, da wohl der geplante Pressetermin schon vorüber ist und nicht ganz im Sinne von Richie Spice oder dessen Managerin gelaufen ist. Aber wegen ein paar Fotos und einem kurzen Statement ist er dann doch noch zu sprechen und taut regelrecht auf, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Obwohl wir schon fast alle Albumcover im Original zum signieren dabei haben, will uns doch tatsächlich Richies geschäftstüchtige Managerin das neueste Album zum Verkauf anbieten, packt es dann aber doch nicht aus, weil ich nicht gleich die Geldbörse zücke.

Richie Spice Richie Spice

Richie Spice

Ranking Joe erwischen wir auch noch, was uns eine besondere Freude ist. Eher konnten wir ja nicht von der Bühne weg, die immer Vorrang bei uns hat, sofern ein für uns wichtiger Artist auftritt. Auch Ranking Joe ist gut drauf und lässt sich gerne stören.

Ranking Joe Ranking Joe

Ranking Joe

Teile von No-Maddz und deren Band stehen auch noch auf dem Platze. Ob es denn wohl möglich ist ein Gruppenfoto zu arrangieren? „Ja natürlich! Wenn du 10 Minuten Zeit hast bekomme ich alle Bandmitglieder zusammen.“, sagt einer von ihnen und macht sich sofort auf den Weg um die Sache umzusetzen. Alles klappt. Er macht die Ansage und alles marschiert auf sein Kommando in Richtung eines Vorbereitungszeltes. „Nein das ist nicht gut, wir nehmen ein anderes.“ Alles wieder zurück im Gänsemarsch. So witzig und theatralisch die Band auf der Bühne wirkt, geht das Backstage weiter. Es macht Spaß mit den Jungs zusammen zu treffen. Jaakko vom Orga-Team mahnt zur Eile. Draußen wartet schon der Bus, der die Band zum Hotel bringen soll. Für eine Autogrammrunde ist dann leider keine Zeit mehr, aber die Bilder sind wenigstens im Kasten. Also dann auf ein nächstes Mal, mit hoffentlich etwas mehr Zeit.

No-Maddz

No-Maddz

Inzwischen stehen Mono & Nikitaman auf der Bühne. Wir schauen ein wenig aus der Ferne zu. Wir haben sie erst kürzlich beim Summerjam erlebt und darüber berichtet und müssen das Ganze nicht unbedingt noch einmal ansehen. Auch der immer weiter zunehmende Regen treibt uns schließlich in die Flucht. Insgesamt wird es aber auf dem Platz nicht wirklich leerer. Inzwischen fängt es bei mir auch schon an im Hals zu kratzen. Bei einem heißen Tee, geschützt unter einem großen Schirm, hören wir das Konzert durch das Prasseln des Regens hindurch nur noch am Rande. Es wird merklich kühler, eigentlich schon richtig kalt.

Es wird nicht mehr besser. Haben wir ein Glück im Unglück, dass Ky-Mani Marley nicht kommen kann. Sonst müssten wir heute auf alle Fälle noch einmal vor die Bühne. Aber mit der Musik von General Degree, der wiederum von der House of Riddim Band begleitet wird, kann man uns nicht mehr in den Regen locken. Da warten wir doch lieber auf eine spätere Gelegenheit. Noch bevor der General seine Show abgeschlossen hat, machen wir uns abgekühlt und mit klammen Sachen auf den Weg in Richtung Zeltplatz.
Der längste und ereignisreichste Tag des Festivals ist zu Ende gegangen. Jedenfalls erst einmal für uns. Das Dancehallzelt lassen wir unbesucht links liegen. Schließlich wollen wir einigermaßen fit in die letzte Festivalrunde des Sonntags starten.

Sonntag – 07.08.2011

Das Wetter sieht wieder etwas besser aus. Ab und zu dringt die Sonne durch das Einheitsgrau des Himmels und schafft es sogar unser Zelt wieder abzutrocknen. Wer spät ins Bett kommt, hat einen kurzen Vormittag, und so müssen wir bald wieder los in Richtung Klostergarten.
Erster Act des Tages ist Ephraim Juda. Er ist Berliner und heißt bürgerlich David Buchholz. Musikalisch aufgewachsen ist er in der Schülerband „Roots Rebellions“ und sang später bei der „40 Fiyah Band“. Mit der Letzteren sammelte er bereits durch ein ausgiebiges Tourprogramm in den Jahren 2007 und 2008 die nötige Bühnenerfahrung. Dann legte er für sein Debütalbum eine zweijährige kreative Pause ein. Im Juni letzten Jahres war es dann so weit und sein Debutalbum „Coming Home“ wurde veröffentlicht. Seitdem steht er wieder auf der Bühne und ist gut gebucht. Begleitet wird Ephraim Juda von seiner eigenen Band und Backgroundsängerin Micky Rose.

Ephraim Juda Ephraim Juda
Ephraim Juda Ephraim Juda
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Bild 1 - 4: Ephraim Juda
Bild 4 - 7: Sammeln für Help Jamaica

Die nächste Show gehören Sista Gracy und der Yardy Crew. Marcia Klöver, geboren als Marcia Braham am 11.07.1965 in Jamaica, lebt seit 1985 in Deutschland. Ihr Mann, Diedel Klöver ist Bassist und musikalischer Kopf der Yardy Crew. 2005 hat Sista Gracy beim „1. German Reggae Grammy“, gleichberechtigt neben Zoe und Lilian Gold einen Award in der Kategorie „Reggae Queens“ gewonnen. Ihr letztes Album „Yardy“, bei dem Diedel Klöver auch eine maßgebliche Rolle gespielt hat, ist von 2007. Sista Gracy verteidigt erfolgreich ihren Titel einer nunmehr deutschen Reggae Queen, und die Yardy Crew brilliert mit perfektem Sound. Es fehlt nur noch Dr. Ring Ding als Special Guest für den Knaller „Shining Star“ den er gemeinsam mit Sista Gracy auf Yardy präsentiert. Aber man kann eben nicht Alles haben.

Sista Gracy Sista Gracy
Diedel Klöver Sista Gracy
Sista Gracy Sista Gracy

Bild 1 - 6: Sista Gracy & Yardy Crew
Bild 3: Diedel Klöver

Weiter geht es mit Algebra und der House of Riddim Band. Wieder ein Künstler aus Jamaica und dieses Mal ein Vertreter des Christian Reggae und Gospel. So ist auch „Jesus Christus“ sein bester Freund auf seinem Myspace-Profil. Mit „Two Woman A Mi Yard“ machte er 1994 seine erste Aufnahme. Am 20. Mai 1999 wurde Algebra sterbenskrank. „Gott hat mich geheilt.“, so Algebra, und er ließ sich an seinem Geburtstag, am 30. Mai 1999 taufen. Seit dieser Zeit ist er ein Vertreter des Gospel Reggae, der auch als Christian Reggae bekannt ist. Algebra hat zu dieser Zeit den spirituellen Namen „Isaiah“ angenommen. Unter diesem Namen hat er auch sein Debutalbum „Christian Cowboy“ veröffentlicht. Gut angezogen ist der Mann. Schaut euch nur mal seine Schuhe an.

Reggae Jam 2011 Algebra
Reggae Jam 2011 Algebra
Algebra Algebra

Algebra a.k.a. Isaiah

Nun geht es wieder zurück zur rechten Bühne. Martin Zobel ist an der Reihe. Roots Reggae aus Deutschland, genauer gesagt aus Bayern, ist angesagt. Seine musikalische Laufbahn begann im Jahr 2004 im Vorprogramm der bayerischen Liedermacher Band „Weisswurscht is“. Im selben Jahr brachte er auch sein Debutalbum „Jah Music“ heraus. 2006 gründete er die „Soulrise Band“, die mit veränderter Besetzung auch an seinem aktuellen Album „One Future“ beteiligt ist. Seit 30.04.2010 ist das Album erhältlich. Weitere Infos gibt es hier.

Jennifer Washington Jennifer Washington
Martin Zobel

Martin Zobel Reggae Jam 2011 bei M. Zobel
Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Martin Zobel Jennifer Washington

Bild 3, 4 + 8: Martin Zobel
Bild 1, 2 + 9: Jennifer Washington

Dann wieder Linksschwenk zu Utan Green und der House of Riddim Band. Utan Green ist in Waterhouse, einem Armutsviertel in Kingston aufgewachsen. In seiner musikalischen Entwicklung wurde er von Künstlern wie Bob Marley und Jacob Miller beeinflusst. In einer Gruppe namens „The Invaders“, die aus Utan und seinen beiden Geschwistern bestand, begann Utans musikalische Laufbahn. Don Carlos von Black Uhuru produzierte die ersten Tunes der Invaders. Die Band löste sich aber später auf und Utan Green begann 1979 mit dem „Destiny Outernational“ Soundsystem aufzutreten und solo zu arbeiten. Sein aktuellstes Werk ist das Doppelalbum „Most Wanted“ + „In Love With Music“, welches in diesem Jahr erschienen ist. Utan Green betritt die Bühne in der schönsten Festtagskleidung. Sein Outfit ist geprägt von den Farben Schwarz und Weiß. Ein silbrig glänzendes weißes Jacket, schwarze Weste, weißes Hemd mit Krawatte, schwarze Hose und als Krönung ein weißer Hut mit schwarzem Band. Sieht wirklich edel aus. Besonders überzeugend ist Utan Green mit Stücken wie „Heading To The Top“ auf dem „Roots Tonic Alead“ Riddim und Bob Marleys „Heathen“.

Utan Green Utan Green
Utan Green

Reggae Jam 2011 Utan Green

Utan Green

Die Show ist gerade zu Ende, und es beginnt zu regnen. Die stärksten Schauer warten wir ab in einem Pavillon hinter der Bühne, in dem auch Utan Green erst einmal warten muss. Das trifft sich gut. So können wir ganz in Ruhe unsere Autogrammsammlung erweitern.

Utan Green Utan Green

Utan Green

Der nächste Auftritt auf der rechten Bühne rückt heran. Jampara feat. Batalion & Burundi Drummers sind an der Reihe. Jampara kommt aus Burundi und lebt auch in Holland. 1988 ging Jampara nach Jamaica und traf Aston „Familyman“ Barrett. Jampara machte zwei Alben mit den Wailers, das erste hieß „Tolerance“ und wurde 1990 veröffentlicht. 1993 gründete Jampara die Band Batalion gemeinsam mit dem Bassisten Robby Skipper, die letztlich aus fünf Mitgliedern bestand. Ihr erster Auftritt war gemeinsam mit Burning Spear in Amsterdam im Jahr 1995. Ihr erstes gemeinsames Album „Free Like A Bird“, nahmen sie 1999 in Jamaica auf. Im selben Jahr nahm Jampara auch noch mit den Wailers sein zweites Album „Beyond the Sun“ auf. Seit dem Jahr 2000 verbindet Jampara den Reggae mit seinen Wurzeln aus Burundi. Und so sorgen die Burundi Drummers für eine einmalige Kombination im Reggae und einem einmaligen Bühnenerlebnis. Als sie ihre Trommelwirbel auf den riesigen Instrumenten beginnen, kommt sogar die Sonne wieder heraus. Jampara mit Batalion und den Burundi Drummers sind ein echtes Highlight des Tages.

Jampara & Burundi Drummers

Jampara & Burundi Drummers Jampara & Burundi Drummers
Jampara & Burundi Drummers Jampara & Burundi Drummers
Jampara & Burundi Drummers Jampara & Burundi Drummers
Jampara & Burundi Drummers

Jampara & Burundi Drummers Jampara & Burundi Drummers

Bil 1 - 10: Jampara feat. Batalion & Burundi Drummers

Als nächstes wäre eigentlich Etana an der Reihe, da wird aber vorläufig nichts draus. Zum Glück wird sie aber nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und nicht zu einem weiteren Ausfall. Es geht vorerst weiter mit Super Beagle, der es somit zum vierten Mal in die Story schafft und zum ersten Mal in Deutschland ist. Super Beagle ist einer der wenigen Artists, der wirklich jeden Tag auf dem Festival zu sehen ist und sich nichts entgehen lässt. Sein bester Freund und persönliches Highlight des Festivals ist Frankie Paul, der auch schon am Donnerstag am Dancehallzelt zu sehen war. Super Beagle ist schon lange im Geschäft, aber Informationen über ihn sind recht rar. Da gibt es wirklich Handlungsbedarf.
Super Beagles Stimme klingt schon ein wenig mitgenommen. Das wechselhafte Wetter macht den Artists mächtig zu schaffen. Er ist nicht der Einzige, der mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Er lässt sich aber nichts anmerken und meistert seine Show mit Bravour. Sein Outfit hat er heute voll auf grün und weiß ausgelegt. Als er so richtig warmgelaufen ist, beginnt er sich ein paar seiner Kleidungsstücke zu entledigen und bringt die Mädels zum Kreischen. Sein grün gestreiftes Jacket fliegt in den Fotograben und mir direkt vor die Füße, seine Mütze landet irgendwo zwischen der Technik auf der Bühne. Sein Unterhemd …, nein nein, es geht natürlich nicht weiter, obwohl das einige Mädels gern hätten. Super Beagle liefert eine super Show ab und macht seinem Namen alle Ehre, und die House of Riddim Band steht ihm tatkräftig zur Seite. Einfach unglaublich was diese Band auf diesem Festival wieder leistet. All die vielen unterschiedlichen Riddims der verschiedenen Artists zu beherrschen und vorher einzustudieren, ist ein gewaltiges Arbeitspensum.

Super Beagle Super Beagle
Super Beagle

Super Beagle Super Beagle

Bild 1 - 5: Super Beagle

Die House of Riddim Band hat noch keine Pause und spielt auf derselben Bühne weiter für Suga Roy & Conrad Crystal. Wieder zwei Künstler aus Jamaica, die die Reggae Welt so richtig aufmischen. Im Jahr 2002 haben sich die Beiden zusammengetan. DJ und Produzent Suga Roy, geboren am 17.10.1971, als Leroy Moore, war dabei die treibende Kraft. Conrad Crystal´s 1986-er Veröffentlichung „True Love“ war dabei der Auslöser und Beweggrund für Suga Roy eine Zusammenarbeit anzustreben.

Conrad Crystal Suga Roy

Bild 1: Conrad Crystal                                      Bild 2: Suga Roy

Sänger Conrad Crystal, geboren am 22.05.1965, als Conrad Constantine Hunter, ist der melodiöse Gesangspart des Duos, obwohl die Namensgebung der Beiden eine andere Rollenzuweisung vermuten lässt. Suga Roy bringt als DJ die kräftige und energische Stimme ein und macht nicht den süßen Gesangspart, wie sein Name vermuten lässt. Nahezu alles was die beiden zusammen anfassten wurde ein Hit. Das Album „Suga Roy & Conrad Crystal and the Great Reggae Icons” von 2009, wurde einer der größten Reggae Erfolge. Ihr aktuelles Werk „Universal Tribute To Gregory Isaacs” vom 28.06.2011, dürfte ein weiterer einschlagender Erfolg werden.
„Education Wise“ (Handcart Bwoy Riddim) vom 2008-er „Highest Grade“ Album und „Night Nurse” sind die Höhepunkte der Show, die eigentlich insgesamt so energiegeladen ist, wie keine vorher.
Immer wieder springt Suga Roy in den Fotograben und peitscht die Massive auf ungeahnte Höhen. Ein Afrikaner ist völlig aus dem Häuschen, klammert sich an Suga Roy und schreit: „Ich liebe dich!“ Suga Roy ist das sichtlich unangenehm und kämpft um Befreiung aus dieser Umklammerung. Bei „Night Nurse“ klettert er über das Geländer und stürmt weit ins Publikum hinein. Aber auch Conrad lässt sich nicht lumpen und steigt immer wieder zur Unterstützung von Suga Roy in den Graben. Mann, ist das eine Stimmung!

Suga Roy Suga Roy
Suga Roy & Conrad Crystal

Suga Roy der absolute Stimmungsmacher

Suga Roy Suga Roy

Der "Liebes-Anschlag"

Reggae Jam 2011 Reggae Jam 2011
Conrad Crystal Suga Roy & Conrad Crystal

Suga Roy & Conrad Crystal

Suga Roy & Conrad Crystal

Weiter geht es zur rechten Bühne. Mit „The Heptones“, oder besser gesagt mit Leroy Sibbles und Barry Llewellyn stehen zwei Gründungsmitglieder der Urbesetzung dieser legendären Band auf der Bühne. Ihr gemeinsamer musikalischer Weg begann im Jahr 1965, als sie sich mit Earl Morgan zu den „The Hep Ones“ zusammenschlossen. Im Laufe der Zeit wurden das Gesangstrio, als „The Heptones“, eine der bedeutendsten Gruppen des Rocksteady aus Jamaica. Die Liste ihrer Veröffentlichungen ist lang und mit verschiedenen Versionen einzelner Alben schwer überschaubar. Hinzu kommt, dass die verfügbaren Verzeichnisse sich alle vom Inhalt her unterscheiden. Da müsste sich mal jemand opfern und gemeinsam mit der Band eine verlässliche Discography erstellen.
Viele altbekannte Sachen bekommen wir zu hören, wie „Pass The Kutchie“ (Full Up Riddim) oder Abyssinians „Satta Massagana“ und andere. Wie oft haben wir eigentlich schon „Pass The Kutchie“ auf diesem Festival gehört und wer war nun wirklich der Erste mit diesem Stück? Während der Show wird wieder einmal die Bühne geentert, allerdings hat der Fan vorher gefragt und Barry Llewellyn hat zustimmend genickt. Der Mann, der als Reggae Festival Original nahezu allgemein bekannt ist, macht keine schlechte Figur auf der Bühne und tanzt ausgelassen neben Barry. Leroy scheint das aber weniger zu gefallen. Stress gibt es aber deswegen keinen, und das Bühnenmanagement wartet den richtigen Zeitpunkt ab, um den Mann freundlich und unauffällig von der Bühne führen zu können. Echt gut, wie die das immer wieder ohne Hektik und ohne Aggressivität meistern.

Heptones

Leroy Sibbles Barry Llewellyn
Barry Llewellyn Barry Llewellyn
Barry Llewellyn Heptones
Heptones

The Heptones The Heptones

Bild 1 - 10: The Heptones
Bild 2: Leroy Sibbles
Bild 3: Barry Llewellyn
Bild 10: Der Besucher

Nach der Show werden wir von den Heptones in ihr Zelt eingeladen, was wir natürlich dankend annehmen. So müssen wir nicht erst einen Pressetermin abwarten, und verpassen nicht all zu viel auf der Bühne.

Heptones & Vido

Barry Llewellyn The Heptones

Bild 1: The Heptones und Vido Jelashe
Bild 2: Barry Llewellyn
Bild 3: The Heptones und Peter

Als wir zurückkommen ist Etana schon mitten in ihrer Show. Der Fotograben ist kaum zu erreichen, so viele VIPs haben sich jetzt dort eingefunden. Etana, geboren am 22.05.1983 als Shauna McKenzie, veröffentlichte im Sommer 2006 ihre Debut-Single „Wrong Address“ und ist seitdem Jamaicas hoffnungsvollster weiblicher Vertreter des Roots Reggae. Im Juni 2008 veröffentlichte sie ihr Debutalbum „The Strong One“. Ihr aktuelles und zweites Album „Free Expressions“, kam am 11. Februar 2011 heraus.
Der Künstlername Etana, was auf Swahili „Die Starke“ bedeutet, wirkt sich inzwischen offenbar auch optisch aus. So wie sich ihre Karriere im Aufwärtstrend befindet, dürfte sich auch die Anzeige auf der Waage verändern. Ihr langes rotes Kleid, mit eng darüber geschnürter Bluse, betont ihre Erscheinung noch dahingehend. Etana zieht mit kräftiger und souliger Stimme die Massen in ihren Bann und bringt neben einigen ihrer Hits wie „August Town“ und andere auch ein paar Bob Marley Klassiker wie den „Redemption Song“ und „Is This Love“. Begleitet wird sie von der Dub Akom Band, die mit ihrem Sound nahezu über sich hinauswächst. Bei Bob Marleys „Is This Love“, könnte man denken, die Wailers stehen höchst selbst auf der Bühne. Etwas störend oder unpassend empfinde ich die Garderobe des Backgroundsängers, der sich im Superman T-Shirt präsentiert.

Etana Etana
Etana

Etana Etana
Etana Utan Green, Super Beagle, Algebra

Bild 1 - 5: Etana
Bild 6: Etana und Abdelali Mourid
Bild 7: Super Beagle, Utan Green und Algebra

Im Anschluss geht es auf der rechten Bühne mit der Reggae Legende Linval Thompson weiter. Linval Thompson wurde am 12.10.1954 in Kingston, Jamaica, geboren. Seine Debut-Single „No Other Woman“kam 1974 heraus. 1976 veröffentlichte er sein Debut-Album „Don´t Cut Off Your Dreadlocks“. Linval Thompson ist nach wie vor als Sänger und Produzent aktiv. Die Liste der von ihm produzierten Künstler und die seiner eigenen Veröffentlichungen sind lang. Als Backing Band steht „The Handcart“ auf der Bühne. Linval und die Band sind perfekt aufeinander abgestimmt. Man könnte denken, die Band ist ein Instrument auf dem nur Linval spielt. Mit seine Bewegungsabläufen dirigiert er nahezu den gesamten Sound der Band, der äußerst gewaltig daher kommt. „Pull Up“, ohne es wirklich zu sagen ist Linvals Lieblingselement. Bei ihm klingt es jedoch anders, der Abbruch hört sich immer musikalisch perfekt an, als müsste es so sein.

Linval Thompson

Linval Thompson Linval Thompson
Linval Thompson Linval Thompson

Linval Thompson & The Handcart

„Cool Down Your Temper“, „Jah Jah Is The Conqueror“, „Long Long Dreadlocks“ und viele andere Stücke aus seinem Schaffen,, sorgen für Glückseeligkeit bei den Fans. Linval singt mehrmals „Summerjam Summerjam Style …“ und Unruhe macht sich im Publikum breit. Dann dreht sich Linval um und sieht nahezu versteinert den großen Schriftzug vom Reggae Jam auf der Bühne und singt ab sofort „Reggae Jam Style“. Kann ja mal passieren. Absoluter Höhepunkt ist sein Superhit „Don´t Cut Off Your Dreadlocks“, wobei „I Love Marihuana“ zum Ende der Show ein weiterer Hammer der Extraklasse ist. Die Musik von „The Handcart“ kommt hier besonders gut zur Geltung. Bassist Laurent „Al“ Albertini, der sowieso schon der größte Mann auf der Bühne ist, steigt immer wieder auf das Drummer Podest und überragt die Szene wie ein Leuchtturm.
Als die Show vorüber ist bin ich im Nachhinein froh, dass Linval Thompson nicht schon voriges Jahr bei „Inna De Yard“ dabei war. So konnte er heute wenigstens das volle Programm bieten. Sein Auftritt dürfte heute durch nichts mehr zu toppen sein. Das war einer der absoluten Glanzpunkte des Festivals.

Linval Thompson Linval Thompson
Linval Thompson

Linval Thompson Linval Thompson
Reggae Jam 2011

Linval Thompson & The Handcart

Bei Linval Thompson im Zelt haben sich nach seinem Auftritt so einige Artists versammelt. Ranking Joe, Sister Nancy, Ray Darwin und einige andere wollen dem Mann die Ehre erweisen. Ray Darwin überrascht uns auf einmal mit klarem Deutsch und sagt zum Foto: „Da kann ich ja gleich Werbung für Guinness machen.“, und hält die Bierflasche lachend in die Kamera.

Reggae Jam 2011 Linval Thompson
Linval Thompson Ray Darwin

Bild 1: Laurent „Al“ Albertini, Ray Darwin, Sister Nancy und Ranking Joe
Bild 2: Linval Thompson
Bild 3: Linval Thompson
Bild 4: Ray Darwin

Vorletzter Act des Festivals ist Morgan Heritage bzw. Peter und Roy „Gramps“ Morgan von Morgan Heritage. Ursprünglich als Morgan Heritage angekündigt, wurde es dann aber doch nur Morgan Heritage´s Peetah & Gramps.
Heute überzeugen mich die Beiden überhaupt nicht, zumal dieses Mal überwiegend jeder für sich allein auftritt. Sie sollten es besser bei Morgan Heritage belassen. Während Gramps zwar den einen oder anderen Solotitel noch ganz gut anbringen kann, sind es bei Peetah nur die Morgan Heritage Klassiker, die punkten können, aber viel zu kurz kommen und nur angespielt werden. Dann muss auch noch Gramps erklären, welcher Artist mit welchem Style in der Regel verbunden wird, um danach mit einem Ausflug zum Dancehall das Gegenteil zu beweisen. Das muss echt nicht sein. Schuster bleib bei deinen Leisten, sage ich da nur. Vielleicht wollte er damit auch nur eine Brücke für seinen Sohn bauen, den er dann der Massive vorstellt. Gramps Stimme hat er leider nicht geerbt, schade. Irgendwie passt das alles so gar nicht mehr zu den früheren Auftritten von Morgan Heritage.

Reggae Jam 2011

So richtig überzeugt ist hier wohl Keiner?

Gramps Gramps
Peetah Peetah
Gramps & Son Gramps & Son and Peetah

Bild 1 + 2: Gramps Morgan
Bild 3 + 4: Peetah (Peter) Morgan
Bild 5: Gramps & Son

Den Schlusspunkt des Festivals gibt es mit Richie Stephens und Gentlemans neuer „The Evolution“ Band. Richie Stephens, wurde 05.12.1966 als Richard Frederick Freeman Stephenson III, in Savanna-la-Mar, Jamaica, geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er in den frühen 90-ern bei „Soul II Soul“. Später wurde er mit der Veröffentlichung verschiedener Dancehall Singles bekannt. Sein bisher aktuellstes Album trägt den Titel „Reggae Evolution“ und wurde im letzten Jahr veröffentlicht. Das passt doch perfekt zu seiner Backing Band. Zum Schluss seines Auftritts gibt´s mit Tamika & Mamadee eine Überraschung, die viel eher hätte kommen können. Noch bevor die beiden so richtig zum Einsatz kommen ist das Festival nämlich wieder einmal zu Ende.

Richie Stephens Richie Stephens
Tamika & Mamadee Reggae Jam 2011

Bild 1 + 2: Richie Stephens
Bild 3: Tamika & Mamadee

Aber alles hat eben einmal ein Ende, und die Zeit ist schon weit fortgeschritten. Sheriff kommt auf die Bühne und bedankt sich für den friedlichen Ablauf des Festivals. Es gab keinerlei negative Vorfälle. Nur vor Beginn des Festivals gab es einen Unfall auf dem Zeltplatz mit einem Gaskocher, wobei es einige Verletzte gab. Man hat sich aber um alles gekümmert und selbst für die Rückführung des Autos gesorgt, da der Fahrer verletzt ist und nicht mehr fahren kann. Birte Timm, Gründungsmitglied von Help Jamaica, kommt ebenfalls auf die Bühne und bedankt sich beim Sheriff für dessen Unterstützung mit einem kleinen Geschenk. (Die Kollekte ergab insgesamt 5.100 EUR und Sheriff legte im Anschluss noch einmal 5.000 EUR drauf. Was für ein Ergebnis, über 10.000 EUR beim Reggae Jam 2011!! Das soll ein anderes Festival erst einmal nachmachen.)

Reggae Jam 2011 Birte & Sheriff
Birte & Sheriff

Dann folgt die lange Dankesrede mit Vorstellung der vielen Leute, die bei der Organisation und Durchführung des Festivals mitgewirkt haben. Die passen natürlich gar nicht alle auf die Bühne und sind auch nicht alle anwesend. „Bestimmt habe ich wieder viele Leute vergessen.“, entschuldigt sich Sheriff, bevor er zum Abschluss auf die Schultern genommen und gefeiert wird.

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Wieder ist ein fantastisches Festival zu Ende gegangen. Vielen Dank Sheriff und deinem Team! Bevor wir das Gelände verlassen, müssen wir die Ereignisse des Tages aber noch ein wenig abklingen lassen. Kaum haben wir es uns bei einem Kaffee gemütlich gemacht, öffnen sich wieder die Schleusen des Himmels. Es bricht heraus mit ganzer Kraft, als hätte man sich bis jetzt zurückgehalten und nur ab und zu den Überdruck abgelassen. Sheriff, wie hast du das nur angestellt?

Das Dancehallzelt ist heute zum Glück geschlosen. Man hat sich etwas gedacht dabei. So wird es morgen wenigstens nicht so viel übernächtigte Camper geben und die Abreise ein wenig sicherer verlaufen.

Montag – 08.08.2011

Schön ruhig ist der Morgen und ausgeschlafen sind wir auch. Das Gelände lichtet sich zusehends, und auf den freien Flächen ist kaum Müll zu entdecken. Das tut richtig gut. Hier braucht man keine große Technik um den Restmüll von den Flächen zu saugen. Nur ab und zu ziehen ein paar Mädels eine Tonne über den Acker um ein paar Reste einzusammeln. Am zentralen Sammelplatz mit den Containern ist derweil Hochbetrieb. „Jungs da und Mädchen dort!“, dirigiert ein Posten die ankommenden Mülllieferungen. Selbst hier ist noch alles positiv geregelt. Die Jungs müssen nämlich ihre Müllsäcke in die bereits verschlossenen Container hoch werfen und die Mädels können die unteren Schichten in den noch geöffneten Containern einstapeln.

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Reggae Jam 2011

Der Himmel sieht furchtbar aus und lässt weiteren Regen erwarten. Das Zelt ist bis jetzt nur ein wenig abgetrocknet. Wir können aber nicht mehr warten und packen alles so schnell wie möglich in den Kofferraum. Klappe zu, Türen zu und es prasselt erneut ohne Gnade aus vollen Rohren.

Kurz bevor wir abfahren sehe ich noch einmal Teacha Dee auf dem Zeltplatz, wie er gerade mit seinem Freund Adrian die Ausrüstung zusammenpackt. „Alles total nass. So schlimm war das noch nie.“, schimpft Adrian. Ich frage Teacha Dee nach seiner Business Card, falls ich noch paar Fragen für mein Review habe. „Er hat keine. Die Business Card bin ich!“, wirft Adrian ein, und wir tauschen die Kontakte aus. Bei der Gelegenheit wird das letzte Festivalfoto geschossen. Teacha Dee präsentiert sein Festival Shirt. „I Was A Star At Europe´s No. 1 Reggae Festival“, ist darauf zu lesen. Eine echt super Idee die da der Sheriff gehabt hat. So hat jeder Artist eine bleibende Erinnerung und macht gleichzeitig Werbung für das Festival.

Reggae Jam 2011 Teacha Dee

Bild 1 + 2: Teacha Dee

Wir machen uns nun endgültig auf die Heimreise und werden am Ortsausgang von Bersenbrück noch einmal ausgebremst. Da kommt doch tatsächlich die Kelle heraus. Wie sagte doch gleich Ganjaman auf dem Festival? „Seid nett zur Polizei!“ Wir beherzigen das selbstverständlich. „Haben sie Alkohol getrunken oder Kontakt zu Drogen gehabt?“ Natürlich nicht. Hochinteressant sind meine antiquarischen Fleppen. Die würde er mir ja gerne abnehmen und blättert neugierig darin herum. So lange es keine Umtauschpflicht gibt, halte ich mir die noch in Ehren. „Kamen hier nicht früher irgendwo die Stempel rein?“, fragt der Polizist interessiert. Leider kann ich damit nicht dienen, weil ich nie einen bekommen habe. Eine Azubine steht schmunzelnd daneben. Dann noch ein kleiner Plausch über unsere Fahrstrecke und wir werden wohlwollend entlassen. „Echt nett die Leute vom Reggae Festival!“ So zumindest meine Hoffnung über den zurückgelassenen Eindruck.

Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal!

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

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