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REGGAE JAM BERSENBRÜCK - 30.07.-01.08.2010

FESTIVALERINNERUNGEN

Reggae Jam 2010
Das Reggae Jam in Bersenbrück hat dieses Jahr erfolgreich seinen 16. Geburtstag gefeiert. Für drei Tage wehte der Geist von Bob Marley und Roots Reggae durch das beschauliche und gut gepflegte 8000-Seelen-Städtchen Bersenbrück. Die schönen überwiegend roten Klinkerfassaden der schmucken Einfamilienhäuschen und die Vorliebe der Einwohner für akkurat beschnittene Ziergehölze wurden für einige Zeit zur Nebensache.
Das Begängnis auf den Straßen durch anreisende Festivalbesucher, die Ereignisse auf dem Campinggelände und natürlich das Festival selbst, wurde auch von den Einheimischen mit großem Interesse verfolgt.
Bernd Lagemann, der besser als Sheriff und Betreiber des Sounds Sheriffs Soundpatrol bekannt ist, hat dieses Festival aus der Taufe gehoben. Was vor 16 Jahren ganz klein mit zwei Bands bei einem Schützenfest begann, hat sich im Schatten der großen Festivals emporgearbeitet und ist inzwischen das beliebteste Festival in Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus geworden. Die Leser der Riddim voteten in den Jahren 2005-2007 das Reggae Jam auf Platz 2 und die letzten 2 Jahre mit Abstand auf Platz 1, obwohl das Festival bedeutend weniger Besucher fasst als z. B. das Summerjam und der Chiemsee Reggae Summer. Und das ist der Punkt. Obwohl das Reggae Jam sich schon hätte vergrößern können, will Sheriff dem Standort treu bleiben und keine Vergrößerung vornehmen. Das Festivalgelände im Klosterpark ist mit zirka 10.000-12.000 Besuchern voll ausgelastet, und inzwischen ist eine Limitierung der Tickets erforderlich geworden. Die zweite Ursache ist der musikalische Charakter des Festivals. Das Reggae Jam hat sich fast 100%-ig dem Roots Reggae und Consciousness verschrieben und ist damit das Roots Festival überhaupt. Das hat wiederum zur Folge, dass man dort pure Entspannung genießen kann. Alle sind friedlich und gut drauf, kein Stress und kein Gedrängel trotz des kleinen Festivalgeländes. Das Festival könnte glatt als riesiges Familientreffen durchgehen. Die Zahl der Außenseiter ist eher gering.
Auch auf dem Campinggelände wird versucht, anreisende Partygäste die eigentlich nicht wirklich zum Festival wollen, fernzuhalten. Camping ist deshalb nur mit Festivalbändchen erlaubt. Auch das Müllproblem wird durch Einführung von Müllpfand und Kennungsmarke erheblich eingedämmt.

Aber genug des Vorgeplänkels und auf zum Reggae Jam 2010.

Nachfolgend nun ein paar Festivalerinnerungen die ich textlich aber etwas knapp halten werde, da der Einbau von detaillierten Hintergrundinformationen zu jedem Artist ein endloses Projekt ergeben würde. Bitte nutzt also zur Vertiefung die im Text angebotenen Links.

Donnerstag – 29.07.2010

Die Campingausrüstung vom letzten Festival ist noch gar nicht richtig aufgeräumt. Das angekündigte und unglaubliche Line-up des Reggae Jam hat uns förmlich gezwungen, dieses Festival ebenfalls noch anzusteuern. Eine verpatzte und ins Wasser gefallene Urlaubsreise, hat die Entscheidung dafür frei gemacht.
Wir sind mächtig gespannt, ob all die Vorankündigen wirklich eintreten. Das Staraufgebot ist gewaltig und ganz nach unserem Geschmack. Die Running Order ließ zwar mächtig lange auf sich warten, was uns doch ein wenig verunsicherte, aber kurz vor Festivalbeginn war es dann soweit. Es sind fast alle versprochenen Künstler aufgestellt und mit Tarrus Riley ist sogar noch ein erhebliches Pfund dazu gekommen.
Als wir am frühen Nachmittag in Bersenbrück eintreffen, ist kaum zu merken, dass hier am nächsten Tag ein großes Festival starten soll. Nur wenige Camper sind momentan mit ihrem Gepäck auf den Straßen unterwegs. Aber die Ruhe täuscht. Im Rhythmus der eintreffenden öffentlichen Verkehrsmittel füllen sich zeitweise die Straßen. Einige Anwohner sitzen in Grüppchen auf den Balkonen um das Treiben zu verfolgen. Wir suchen das Büro der CULTTOUR agentur, das sich um die Organisation des Festivals kümmert, um erst einmal unsere Bändchen abzuholen. Dann geht es weiter zum Campinggelände, welches sich überwiegend zwischen dem Flüsschen Hase und der Neuenkirchener Straße befindet. Auch im Bereich des Bersenbrücker Gymnasiums, südlich des Hase, gibt es noch Zeltplätze. Der Aufbau unseres Zeltes hat jetzt erst einmal Vorrang. Erheblich erleichtert wird die Sache dadurch, dass man hier sein Auto neben dem Zelt stehenlassen kann. Anders als z. B. beim Summerjam, entfällt für die Besucher die kräftezehrende Schlepperei der Ausrüstung. Wir benutzen die Zufahrt über die Neuenkirchener Straße. Links und rechts des Hastruper Weges stehen uns zwei Stoppelfelder als Campinggrund zur Auswahl. Wir nehmen das Südfeld, da uns dieses ein wenig grüner erscheint. Wir sind überrascht. Es gibt noch riesige Freiflächen und die Sorge um einen geeigneten Zeltstandort ist hier überflüssig. Mit Markierungsband gekennzeichnete und abgetrennte Fahrspuren umgeben und durchtrennen das Gelände. Nur ein paar wenige kleine Mülltonnen stehen neben den Fahrspuren. Hoffentlich funktioniert die Sache mit dem Müllpfand, sonst wird es eng mit den kleinen 60-Liter-Tonnen. Die Toiletten erscheinen uns auch zahlenmäßig etwas zu gering aufgestellt. Das Wetter sieht etwas unbeständig aus und wir müssen uns mit dem Zeltaufbau beeilen. Schon kurz vorher hat uns auf der Autobahn ein kräftiger Wolkenbruch heimgesucht. Der Untergrund ist sehr weich. Das Stangengerüst unseres Zeltes versinkt beim Spannen des Überzeltes im Acker. Auch die Heringe sind überwiegend nur Alibi. Sturm möchte nicht aufkommen. Beim nächsten Mal müssen wir mit ein paar extralangen Heringen und Lastverteiler unter den Stangen vorsorgen. Da man hier nichts schleppen muss, kann man ja die Ausrüstung noch aufstocken. Pünktlich zur Zelteinweihung gibt es dann tatsächlich noch eine Dusche von oben, die aber zum Glück nicht lange anhält. So haben wir noch Zeit das Umfeld zu erkunden. Aus jeder Ecke hören wir nur guten Reggae. Das ist wirklich auffallend. Keine Spur von unpassender Musik wie anderenorts. Partycamper mit anderen Musikvorlieben gibt es offenbar bisher tatsächlich nicht. Nach und nach füllt sich der Acker mit Zelten, aber am Abend gibt es immer noch genügend freie Flächen, besonders auf dem Nordfeld und im nördlichen Bereich des Südfeldes.
Mit einem Gemisch aus Reggae und brummenden Notstromaggregaten im Ohr, geht es in die erste Nacht.

Freitag – 30.07.2010

Die Anreise ist weiterhin im vollen Gange. Platz ist aber immer noch genügend. Da das Festival erst am Abend beginnt, ist auch heute noch ausreichend Zeit für die Anreise. Wir tun es heute den Einheimischen gleich und verfolgen entspannt das weitere Geschehen. Viel Zeit für ausgedehnte Spaziergänge übers Campinggelände und eine erste Inspektion des Festivalplatzes.

Camping - Stoppelfeld Süd Camping - Stoppelfeld Süd Camping - Stoppelfeld Nord Camping - Stoppelfeld Nord Camping - Stoppelfeld Nord Camping - Stoppelfeld Nord Camping - Stoppelfeld Nord

Camping - Schulbereich - Westufer Camping - Schulbereich - Westufer Camping - Schulbereich - Westufer Camping - Schulbereich - Westufer Stoppelfeld Süd - Bierdosenzopf

Festivalbesucher Erfrischung im Fluss Erfrischung im Fluss

Die Größe des Platzes überrascht uns dann doch ein wenig. Hier sollen wirklich 12.000 Leute draufpassen? Das kann man sich kaum vorstellen. Zwei Bühnen stehen unmittelbar nebeneinander. So wird es zwischen den Auftritten keine Pausen geben. Während auf der einen Bühne das Programm läuft, kann währenddessen auf der anderen Bühne umgebaut werden. Eine gute Idee. So muss auch kein Besucher etwas verpassen, da man stets beide Bühnen im Auge behalten kann und sich nichts überschneidet.
Überall wird noch fleißig gewerkelt und aufgebaut. Die letzten Sicherheitssperren werden gesetzt, Kabel werden vergraben und die Bühnentechnik installiert. Das Gelände ist bespickt mit unzähligen Transportkisten, und es kommen immer mehr dazu.

Festivalgelände vor der Eröffnung

Festivalgelände vor der Eröffnung Festivalgelände vor der Eröffnung Der umgesiedelte YAAM Transporter

Auch die Händler stecken noch mittendrin im Aufbau ihrer Stände. Selbst am späten Nachmittag und kurz vor Einlass der ersten Besucher, kämpft der eine oder andere Händler noch mit der Einordnung seiner Waren. Die Bühnentechnik ist inzwischen fertig und Cornadoor mit dem Soundcheck beschäftigt.
Etwas später ist es dann endlich soweit und das Festivalgelände öffnet seine Tore.
Instant Vibes, ein neunköpfiges Team aus Bayern, ist die erste Band auf der Hauptbühne. Gegründet haben sie sich im Jahr 2007 und konnten in diesem Jahr sogar den Endausscheid des „German Reggae Band Contest“ für sich entscheiden. Ihr heutiger Auftritt auf der Hauptbühne ist der erste Preis für diesen Sieg.
Wir lassen es langsam angehen, verfolgen den Auftritt weitestgehend aus der Ferne und informieren uns erst einmal zum weiteren Programmablauf. Es gibt tatsächlich ein paar Änderungen. Ausgefallen ist zum Glück keiner der Artists, nur der zeitliche Ablauf hat sich etwas verschoben. Fantan Mojah, der ursprünglich als Headliner die letzte Show des ersten Abends geben sollte, wurde auf 20:00 Uhr vorverlegt. Ursache war ein kurzfristiges Booking für einen Auftritt in Trinidad. Da er eher weg muss, um noch seinen Flug in Luxemburg zu erreichen, war diese Umstellung nötig geworden.

Es geht los! Instant Vibes Instant Vibes

Cornadoor ist als Nächster an der Reihe. Cornadoor stammt aus Bielefeld, wurde am 13. September 1981 geboren und ist ein Newcomer der letzten Jahre. Seine Bühnenpremiere hatte er 2008 beim Summerjam und hier in Bersenbrück. Dieses Jahr ist er auf nahezu allen hiesigen Festivals zu erleben. Seit Juli ist auch sein Debutalbum „Without Restrictions“ auf dem Markt. Höhepunkt seiner Show ist für mich nach wie vor der Tune „This One“ – ein richtiger Ohrwurm. Da Cornadoor erst am Anfang seiner Karriere steht, wird er hoffentlich die Massive mit noch viel Material dieser Art überraschen.

Backgroundsinger bei Cornadoor Cornadoor Flyer - Without Restrictions Cornadoor Cornadoor

Dann wieder Bühnenschwenk. Von oben müsste man das einmal sehen. Die Massive bewegt sich wieder langsam in Richtung Hauptbühne. Schön ruhig und ohne Drängelei. Das geht nur hier in Bersenbrück mit den Roots Fans. Zareb und die House of Riddim Band  schließen nahtlos an. Zareb der bürgerlich Ranford Mc Curdy heißt und früher als Mr. Flash auftrat, ist schon fast fester Programmbestandteil bei Fantan Mojah geworden. Seit seinem gelungenen Debutalbum „Authentic Love“, welches mit der Unterstützung von Pow Pow Productions entstanden ist, hat sich Zareb einen wichtigen Meilenstein gesetzt.

Zareb Zareb

Als dann Fantan Mojah, für die Massive noch unsichtbar, zu einem langsam gesäuselten Intro ansetzt und dann schließlich voller Energie mit seinem Rucksack auf die Bühne stürmt, schnellt die Stimmung abrupt in die Höhe. Fantan Mojah hat das Festival sofort voll im Griff. Egal ob nachgemachtes Löwengebrüll, das Zeigen der Löwenpranke oder nur das Mitsingen von Fantan verlangt wird, das Echo ist ihm immer gewiss. Fantan Mojah, der bürgerlich Owen Moncrieffe heißt, wurde am 05.08.1976 geboren und stammt genau wie Zareb aus Jamaika. Seit Fantans 2005-er Debütalbum „Hail The King“ im Modern-Roots Sektor einschlug wie eine Bombe, ist er stetig auf Erfolgskurs. Als Live Act ist er stets ein Garant für eine ausgezeichnete Performance und einer jubelnden Massive. Nackte Haut wird heute Abend nicht gezeigt. Sein Bauch bleibt dieses Mal gut verhüllt bis er die Bühne wieder verlässt. Es soll ja ganz bestimmt auch nicht zur Regelmäßigkeit werden.

Fantan Mojah Fantan Mojah Fantan Mojah Fantan Mojah Bei Fantan Mojah

Bei Fantan Mojah Fantan MojahFantan Mojah und Zareb

Hinter der Bühne ist inzwischen auch schon Lutan Fyah eingetroffen. Endlich klappt es, dass wir uns einmal wiedertreffen können. Es liegt schon ein paar Jahre zurück, als wir uns kennengelernt haben. Ich habe ihm auch ein paar Bilder vom diesjährigen Summerjam mitgebracht. Lutan lacht und freut sich gewaltig, als er die Bilder mit den offenen Dreads sieht. „Das sind die ersten Bilder, die ich davon sehe!“, ist er regelrecht begeistert und schreibt mir seine Adresse auf. Dann entdeckt mich Fantan, der mich auch schon vor der Bühne ausgemacht hatte und will zu meinem Erstaunen als erstes wissen: „Where is your daughter?“ Er ist nahezu entrüstet, weil ich heute allein hier stehe. Ja leider hat es mit dem Urlaub nicht geklappt, aber wenigstens kann ich mit einem Foto vom letzten Treffen dienen. Schnell noch ein Autogramm als „entschädigendes“ Mitbringsel, ein paar eilige Fotos und dann geht es wieder vor die Bühne. Immerhin gibt es so gut wie keine Pausen und Red Dragon hat schon mit seiner Vorstellung begonnen.

Lutan Fyah and Peter Lutan Fyah and Fantan Mojah Lutan Fyah and Fantan Mojah Fantan Mojah and Peter

Red Dragon der bürgerlich Leroy May heißt, ist der Bruder von Flourgon, der noch für Sonntag auf dem Programm steht. Bekannt ist Red Dragon als Dancehall DJ und kommt ebenfalls aus Jamaika. Einen Link zu Red Dragon kann ich nicht anbieten. Man findet kaum ausführliche Informationen über ihn, mal abgesehen von seiner Discography und dem Album „Bun Them“.
Das wäre mal eine Idee für ein ausführliches Interview. Wer hat nur ein paar Infos zu diesem Mann? Red Dragon als Soundsystemshow nach einem Fantan Mojah, war natürlich nicht gewollt und etwas wie ein Rückwärtsgang im Stimmungsbarometer der Massive.

Red Dragon Red Dragon Bei Red Dragon Bei Red Dragon

Mit dem nachfolgenden Lutan Fyah aus Jamaika und der Dub Akom Band aus Frankreich, geht es wieder zurück zum Modern Roots Reggae. Anthony Martin, wie Lutan bürgerlich heißt, ist Jahrgang 1975. Vor vielleicht etwa 6 Jahren gehörte er noch zu den weniger bekannten Artists. Inzwischen hat er ein gewaltiges Repertoire an Hits im Petto und ist aus keiner Plattensammlung mehr wegzudenken. Er steht nun unbestritten mit an der Spitze der besten Roots Reggae Artists. Seine beeindruckende und unverwechselbare Stimme kommt mal äußerst kräftig und dann wieder sehr melodisch daher. Die Riddims dafür sind gut ausgewählt – er hat ja auch genug gevoiced. Das geht an keinem spurlos vorbei. Die Massive ist wieder auf dem Höhepunkt angelangt. Für mich ist er ganz klar das zweite Highlight des Abends.

Bei Lutan Fyah

Lutan Fyah Lutan Fyah Lutan Fyah

Bei Lutan Fyah

Lutan Fyah and Faby Lutan Fyah

Und nun bitte wieder einen Linksschwenk zur „House of Riddim Stage“, wie die Hauptbühne während des Festivals immer wieder bezeichnet wird. „Die am härtesten arbeitende Reggae Band“, wie sie Ganjaman nennt, tritt nun gemeinsam mit Pad Anthony auf. Ja wenn man eine der meist gefragten Backing Bands ist, bleibt das nicht aus. „The Original Jammys Singer“ Pad Anthony, heißt bürgerlich Hartley Anthony Wallace und kommt aus Jamaika. „Forever Mine“, „Conference Table“ und viele andere Stücke, sind ganz nach dem Geschmack der Massive.

Pad Anthony Pad Anthony

Dieser etwas ruhigere Programmteil des Abends wird dann von einem kraftvoll agierenden Jah Mason auf der Spezialbühne abgelöst. Als Backing Band ist wie bei Lutan Fyah wieder die Dub Akom Band aus Frankreich am Start. Die Massive schwenkt langsam zurück zur rechten Bühne. André Johnson alias Jah Mason, kam um das Jahr 1973 in Jamaika auf die Welt. 1991 brachte er seine erste Single mit „Selassie I Call We“ heraus. Das erste Album „Keep Your Joy“ folgte 2002. International bekannt wurde er allerdings erst um das Jahr 2004 herum. Seit dieser Zeit ist sein musikalisches Schaffen enorm, und er kann auf einen respektablen Fundus an Hits für seine Show zurück greifen. Mindestens 17 Alben sind es inzwischen geworden. Auch Jah Mason hat seine Massive voll in Griff. Als er dann zum Ende der Show seinen Nummer-1-Hit „Princess Gone“ anstimmt, lässt er sich feiern und die Massive übernimmt mit tausendfachem Chor. Dieses Mal ist es auch nicht das letzte Stück, und es gibt sogar noch ein paar weitere Tunes. Bei den letzten beiden Konzerten, die ich dieses Jahr gesehen habe, war „Princess Gone“ nämlich immer das Finale.

Jah Mason

Jah Mason Jah Mason Jah Mason Jah Mason

Dann geht es wieder zurück zur Hauptbühne. Die House of Riddim Band ist erneut am Start und präsentiert dieses Mal Elijah Prophet. Devon St. Patrick Hoggart alias Elijah Prophet, wurde am 19. Oktober 1973 in Westmoreland auf Jamaika geboren. Beim Start seiner musikalischen Kariere waren ihm Garnett Silk und Utan Green als Mentoren behilflich. 1991 machte er seine ersten Bühnenerfahrungen. Aber erst 5 Jahre später begann seine richtige musikalische Laufbahn und die ersten Hits wie „I Can See Them“, „War A Gwaan“ und „Burn Down The Walls Of Babylon“ kamen auf dem Markt. Doch erst im Jahr 2006 kam sein sehr gelungenes Debutalbum „King Of Kings" mit Hilfe von Pow Pow Production  heraus. „One And All“, „Back For Good“, „Small World“, „King Of Kings“, „Put People First“ und andere Hits sind darauf zu hören. Eine schöne Zusammenstellung vieler fantastischer Riddims.

Elijah Prophet Elijah Prophet Elijah Prophet Elijah Prophet and Peter

Auf der Spezialbühne geht es dann nahtlos weiter mit Louie Culture. Lewin Brown alias Louie Culture wurde 1968 in Jamaika geboren. Seine ersten Aufnahmen machte er 1986 in King Tubbys Studio, aber erst 1994 gelang ihm mit „Gangalee“ der Durchbruch. Wir haben großes Glück ihn heute hier zu sehen. Eine Schießerei zweier Gunman in Priestman's River von Portland in Jamaika, im Frühjahr dieses Jahres, hätte ihn durchaus das Leben kosten können. Zum Glück wurde er aber nur am rechten Arm verwundet. Es bleibt zu hoffen, dass sich derartige Ereignisse nicht wiederholen und Louie Culture noch lange weiter an seinem Hitkatalog basteln kann.

Louie Culture Louie Culture Louie Culture Louie Culture and SheriffLouie Culture and Peter Louie Culture and Ashraf

Zum Abschluss des Abends, gibt es dann Dr. Ring Ding auf der „House of Riddim Stage“, allerdings nicht mit House of Riddim sondern mit The Sharp Axe Band (http://www.myspace.com/sharpaxeband). Dr. Ring Ding a.k.a. Prof. Richie Senior, bürgerlich Richard Alexander Jung, kommt aus Münster in Deutschland und wurde am 02.06.1970 geboren. Neben Reggae liegt sein Schwerpunkt bei Ska und Dub. Immerhin hat er seine musikalische Bühnenlaufbahn 1987 auch in einer deutschen Ska Band namens El Bosso & die Ping Pongs, als Spieler der Posaune, begonnen. Dort begann sich seine Liebe zur jamaikanischen Musik zu entwickeln.
Sein größter Hit dürfte aber nach wie vor „Doctor´s Darling“ sein, der hier natürlich auch nicht fehlen darf. „Daran werde ich wohl nicht vorbeikommen!“, sagte er mir einmal, als ich ihn vor einer seiner Shows fragte, ob er den Tune auch spielt. Der Riddim dazu stammt aus der Soundschmiede von Seeed und wurde bereits von vielen namhaften Artists wie Michael Rose, Luciano, Capleton, Anthony B und anderen gevoiced. Man kann sich kaum entscheiden, welcher Tune der bessere ist. Der Riddim allein ist bereits ein Highlight. Es sollte jedermann die One-Riddim-Compilation mit dem Namen „Doctor´s Darling“ aus der Reihe „Riddim Driven“ in seiner Sammlung haben. Dr. Ring Ding ist für Spaß zu haben und so ist auch seine Devise des Abends: „Wir wollen doch etwas Spaß zusammen haben!“ Und das natürlich bis der Arzt der kommt. „Call Di Doctor!“

Dr. Ring Ding

Dr. Ring Ding and Sharp Axe Band Dr. Ring Ding and Sharp Axe Band

Inzwischen ist es 3:00 Uhr am frühen Morgen geworden und wir begeben uns langsam in Richtung Zelt. Als wir über die Brücke des Hastruper Weges kommen, empfangen uns neue Klänge. Neben den diversen Zelt- und Ständepartys ist natürlich das Dancehallzelt vorrangiges Anlaufziel. Angekündigt sind Sounds wie Soundquake, Silly Walks, Sentinel, Barney Millah, Warriorsound, Sheriff`s Soundpatrol, Outernational Sounds, Blessed Love  und Universal Strugglaz. Wer wann seinen Part hat wissen wir leider nicht. Einen entsprechenden Flyer haben wir auch nicht gesehen. Vielleicht gibt´s den ja auch nur am Zelt. Da wir zu Beginn der heutigen Bühnenshows aber wieder fit sein wollen, werden wir lieber versuchen, eine Mütze Schlaf zu fassen. Immerhin steht uns ein sage und schreibe 14 Stunden-Bühnenprogramm bevor, das es in sich hat.
Leider gestaltet sich die Nachtruhe als ein schier unmögliches Unterfangen. Ein Stück neben unserem Zelt hat sich doch noch eine Partyklique etabliert, die die völlig falsche Musik und auch noch übermäßig laut spielt. Inzwischen ist es schon lange hell geworden aber die Jungs geben immer noch nicht auf. Dann auf einmal Totenstille. Entweder hat der Player den Geist aufgegeben oder der Alk zeigt bei denen endlich seine Wirkung.

Sonnabend – 31.07.2010

Nach vielleicht ein bis zwei Stunden Schlaf, schäle ich mich wie gerädert aus dem Zelt. An anderen Stellen des Feldes kommt auch wieder Bewegung in die Zelte und ein Player nach dem anderen nimmt erneut seine Arbeit auf. Jetzt allerdings mit der richtigen Musik und nicht so laut. Unsere Ruhepause ist aber trotzdem Geschichte.
Heute geht es schon gegen 13:00 Uhr zum Festivalgelände. Für diese Zeit ist Ganjaman´s  Frühstücksshow angekündigt. Mit dabei wird Uwe Banton sein. „Ganjaman und Helfer servieren wie versprochen Frühstück vom Feinsten!“, so steht es auf der Rückseite des Running Order Flyers.

Frühstücksshow

Wie soll das nur funktionieren? Da wird doch sicher nur ein Gag herauskommen, vermuten wir. Die Massen sind jedenfalls gespannt und strömen in großer Anzahl in Richtung Festivalgelände. Hintergrund ist ein Versprechen von Ganjaman aus dem letzten Jahr, als er hier als erster auftreten musste. „Wenn ich 2010 wieder um diese Zeit auftreten soll, dann gibt es aber Frühstück für Alle!“, so in etwa sinngemäß die Geschichte dazu. Ob es damals schon wirklich ernst gemeint war, mag dahingestellt sein. Tatsache ist, dass es nun tatsächlich eingetreten und der Programmpunkt ein wirklich geschickter Schachzug ist. Die Wirkung sehen wir, als wir auf dem Gelände eintreffen. Es ist einfach unglaublich. Der Platz im Klosterpark ist proppevoll, als würde gleich der Headliner des Tages auf die Bühne kommen. Das gab es noch nie. Ein voller Platz beim ersten Act des Tages. Und tatsächlich - auf beiden Bühnen stehen Tische, und es werden fleißig Brote geschmiert. Das Versprechen wird wortwörtlich umgesetzt. Immer wieder neue Tabletts werden gefüllt und durch die Massive nach hinten gereicht. Kaffee wird auch noch dazu ausgeschenkt.

Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman

Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman

Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman Frühstücksshow mit Uwe Banton und Ganjaman

„Vielleicht kommen wir ja ins Guinness Buch der Rekorde als weltgrößtes gemeinsames Frühstück!“, freut sich Ganjaman über den gelungenen Auftakt des zweiten Festivaltages. Er bedankt sich bei allen, die dieses Frühstück ermöglichten und eine Zutat beigetragen haben. Die Massive ist hervorragend drauf und Ganjaman beginnt mit „Nur einmal“ seinen musikalischen Part. Und wer spielt als Backing Band? Wer schon – die House of Riddim Band! Währenddessen geht es mit der Frühstücksversorgung von beiden Bühnen weiter. Der beste „Frühschoppen“, den ich je erlebt habe.
Später dann kommen Uwe Banton und seine Backgroundsängerin Oge noch dazu. Die House of Riddim Band wird aber immer noch nicht entlastet und die Butterbrotschmierer ebenfalls nicht. Die Tabletts wandern weiter im Reggaetakt hin und her, bis hoffentlich auch der Letzte eine Kostprobe nehmen konnte.

Frühstücksshow mit Uwe Banton und Oge Uwe Banton und House of Riddim Frühstücksshow

Frühstücksshow mit Uwe Banton, Oge und House of Riddim

Frühstücksshow mit Uwe Banton, Oge, Ganjaman und House of Riddim

Frühstücksshow Frühstücksshow mit Uwe Banton, Oge, Ganjaman und House of Riddim

Dann machen wir erst einmal Pause von den Bühnen. Kimoe, der aus Berlin kommt, erleben wir nur aus der Ferne. Wir möchten auch noch einmal in Ruhe durchs Gelände und über den Basar streifen. Da muss man eben irgendwo Abstriche machen. Auch Christian Massive von den Bahamas müssen wir verpassen, da uns auf einmal auf dem Basar die Artists von Inna de Yard Allstars fast in die Arme laufen. Den Moment darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Ruhig und gelassen schlendern sie in Richtung Backstage. Earl Chinna Smith sehen wir zuerst, dann Kiddus I, Cedric Myton Congo und auch Clinton Fearon. Das ist ja wie im Reggae Artist Schlaraffenland. So viele Größen konzentriert auf einem Fleck! Wen spricht man denn nun als Ersten an? Kaum jemand nimmt Notiz von ihnen – einfach unglaublich. Im Backstagebereich angekommen ist erst einmal deren Verpflegung angesagt. Earl steht an der Saftpresse und lässt sich geschnittene Früchte zureichen, die er dann zu Saft verarbeitet. Eine lange Prozedur – viel Saft für Alle. Wir ziehen uns bei einem kühlen Bierchen etwas zurück und warten bis es vielleicht ein entspanntes Minütchen bei Inna de Yard gibt. Die Zeit reicht dann aber nur noch für Cedric, mit dem wir ganz entspannt im angrenzenden Freibadbereich ein paar Worte wechseln und unsere Alben signieren lassen können. Dann fährt die Gruppe leider erst einmal ins Hotel. Gegen 20:00 Uhr wollen sie aber wieder da sein. Also bis dahin erst einmal auf einen neuen Versuch. Ihr Auftritt ist ja erst für 23:30 Uhr geplant. Völlig unerwartet kommen dann auch noch zwei alte Bekannte um die Ecke geschlendert. Es ist Andrew Murphy und Roughhouse. Ein Auftritt ist nicht geplant. „Nein, wir sind nur so hier.“, geben sie auf meine Frage zurück. Aber immerhin, wenn etwas ausfallen würde, könnte man sicher auf sie zurückgreifen. Sie sind allerdings nicht die einzigen Artists ohne Auftritt auf dem Festival. Sista Gracy, Anthony Locks, D Flame und viele andere Künstler lassen sich das Festival ebenfalls nicht entgehen.

Cedric Myton Congo and Peter Andrew Murphy, Roughhouse and Marion

Jetzt geht es zurück zur Bühne. Schon wieder bearbeitet die House of Riddim Band ihre Instrumente und gibt für Papa Michigan die Backing Band. Anthony Fairclough alias Papa Michigan, kommt aus Jamaika und wurde mit dem Duo Papa Michigan & General Smiley in der Dancehall bekannt. Sie arbeiteten bis Mitte der 80-er Jahre zusammen und konnten viele Hits für sich verbuchen. Inzwischen ist Papa Michigan solo unterwegs und nennt das Jahr 2009 als sein bisher erfolgreichstes, welches er mit einer ausgedehnten internationalen Tournee für sein neues Soloalbums „Love Iz“ ausfüllte. Seine erste Single daraus war „Barack Obama“. Daneben arbeitet Papa Michigan aber auch noch als Produzent und Verleger.

Papa Michigan and House of Riddim Papa Michigan and House of Riddim Papa Michigan and House of Riddim

Dann geht es mit Smiley auf der rechten Bühne weiter. Auch wenn Smiley unmittelbar hinter Michigan auf der Running Order steht, ist das nicht der angeblich niemals lachende alte Dancehallpartner von Michigan, sondern ein Artist aus Holland. Tavis Nedd alias Smiley, wurde 1980 auf der südkaribischen Insel Aruba geboren, die zu den ABC Inseln gehört und ein Teil der drei gleichberechtigten Königreichsteile der Niederlande darstellt. In den europäischen Teil der Niederlande kam er erst im Jahr 2000 und arbeitete dort drei Jahre lang mit der Reggaeband „Out Of Many“ zusammen. Seit 2007 ist er auch in Deutschland bekannt geworden, als er seinen ersten Auftritt auf der Berliner Popkomm und im YAAM hatte. 2008 nahm er mit Junior Kelly „Dem A Wonder“ auf, womit er nun auch international bekannt geworden sein dürfte. Das Stück darf natürlich hier in Bersenbrück auch nicht fehlen.

Smiley

Smiley Smiley Smiley Smiley

Smiley

Smiley

Und nun wieder Bühnenschwenk zu House of Riddim und Super Black. Super Black ist wiederum ein Artist aus Jamaika. Viel mehr kann man über seine Biographie leider nicht erfahren. Selbst seine eigene Website schweigt sich dazu aus. Der Auftritt ist aber ganz gut und passt ins Konzept. Nur sehr viel Einprägsames und Mitreißendes kommt bisher nicht bei mir an. So nutzen wir schon einmal die Zeit um mit Bushman ins Gespräch zu kommen, der gleich im Anschluss seinen Auftritt haben wird.

Super Black Super Black

Bushman ist mit seiner Frau angereist, die gleichzeitig das Management für ihn macht. Sie packt gleich ein paar schöne Poster zum signieren aus. Als Zugabe bekommen wir auch noch sein letztes Album „Get It In Your Mind“ aus dem Jahre 2008 geschenkt. Unser letztes persönliches Treffen liegt schon mächtig lange zurück. Seine Dreads sind inzwischen erheblich länger geworden. Bushman ist überrascht, als er die alten Bilder vom Chemnitzer Splash 2003 sieht. Es macht immer wieder Spaß, wenn man paar alte Sachen hervorkramen kann.

Bushman Bushman - Get It In Your Mind Bushman Bushman and his wife

Wie bringen wir nur die kostbaren Poster heil durch den Tag? Ein paar Pappkartons aus der Küche helfen. Wir basteln eine extra stabile Mappe und die Bilder sind erst einmal in Sicherheit. Dwight Duncan, alias Bushman, wurde 1973 in St. Thomas, Jamaika, geboren und begann bereits während der Schulzeit seine musikalische Laufbahn. Wie bei so vielen anderen Artists, war Schulchor, Schulband, Kirchenchor usw., das frühe Fundament seiner nachfolgenden Karriere. Den größten Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatten laut Bushman Artists wie Bob Marley, Dennis Brown und Luciano. Wobei Lucinao den größten Einfluss hatte. Das hat sich offenbar sogar auf seine Stimme ausgewirkt, die oft Luciano wie zum Verwechseln ähnlich klingt. Aber manchmal kann er auch wie Peter Tosh klingen und kämpft wie er um die Legalisierung von Ganja. Die Fortsetzung dieses Kampfes hat inzwischen auf der Bühne mit einem kalten angedeuteten Joint begonnen. Peters „Legalize It“ und sein „Cannabis“ dürfen da natürlich nicht im Programm fehlen. Nach der Frühstücksshow erreicht Bushman als erster Artist des Tages das begeisterte Anfangslevel der Massive, welches ganz sicher mit dem nachfolgenden Line-up überwiegend gehalten werden wird.

Bushman Bushman Bushman Bushman Bushman

Bushman Bei Bushman

Danach schwenkt die Massive wieder schön gelassen in Richtunge House of Riddim Stage. Lukie D ist nun an der Reihe. Lukie D, der bürgerlich Michael Kennedy heißt, wurde 1972 in Kingston, Jamaika, geboren. Seine musikalische Karriere begann als Dancehall-Singer bei verschiedenen lokalen Soundsystems. 1995 kam sein Debutalbum „Centre Of Attraction" heraus, mit seinem ersten gleichnamigen Hit. Inzwischen sind schon einige Alben mit wachsendem Erfolg nachgerückt und Lukie D ist zu einer der einprägsamsten Singstimmen von Jamaika geworden. Spätestens seit dem Sommerhit „Just As I Am“ (Album: „Love Again“ von 2009) mit der Gruppe L.U.S.T., dürfte er sich in die letzten Herzen eingesungen haben.
Lukie D macht seinem Ruf alle Ehre und treibt die Massive zu einem weiteren Stimmungshoch. Ob Dancehall oder Reggae, Lukie D schafft es alle zu begeistern. Immer wieder schaut er prüfend zu den auf der Bühne stehenden Boxen, bis das Sicherheitspersonal ahnt was er vor hat. Also schnell die Boxen festhalten und Lukie D setzt noch Einen drauf und peitscht von oben die Stimmung weiter in die Höhe. „Missing You“, einer seiner dargebotenen Hits, gilt nach dem Ende seiner Show auch umgekehrt für ihn. Komm bald wieder Lukie D.

Lukie D Lukie D Bei Lukie D

Lukie D

Lukie D Lukie D Flourgon, Lukie D and Peter Lukie D and Marion

Weiter geht´s mit Tippa Irie und der Far East Band auf der rechten Bühne. Anthony Henry alias Tippa Irie, wurde 1965 in London geboren und ist seit über 25 Jahren ein alter Hase in der britischen Reggae- und Dancehallszene. Zurzeit arbeitet er mit der hiesigen Far East Band zusammen, die hauptsächlich als Gentlemans Backing Band bekannt geworden ist. Ein neues Album ist bereits in Arbeit. Gegenwärtig und auch hier auf dem Festival gibt es aber eine neue Bandaufstellung. Far East sieht für mich mehr nach Berliner Feueralarm aus.

Tippa Irie & The Far East Band Tippa Irie & The Far East Band Tippa Irie & The Far East Band

Tippa Irie & The Far East Band Tippa Irie & The Far East Band

Wir schauen uns noch einmal nach den Artists von Inna De Yard um, da inzwischen die Zeit heran ist, wo sie wieder hier sein wollten. Und tatsächlich entdecken wir schon einmal Kiddus I auf dem Basar, der geduldig wartet bis ich meine wohl verpackten Albumcover zum signieren aus dem Rucksack herausgepult habe. Bei der Masse an Artists findet man eben nicht so schnell die richtige Vorlage.

Kiddus I and Peter Album Cover - Graduation in Zion 1978-1980Kiddus I Kiddus I and Marion

Earl und die Anderen können wir aber nirgends entdecken und kommen gerade zurecht, als Ras Iqulah mit Giddeon Force als Backing Band sein Programm startet. Ras Iqulah kommt aus Jamaika. Iqulah und das eigene Label Mozziah wurden 1985 ins Leben gerufen. Kurz danach brachte er mit seiner Band Giddeon Force das Debutalbum „Rasta Philosophie“ heraus. Iqulah bekannt als der Reggae Botschafter, sieht seine Mission darin, Liebe und Einigkeit an alle vier Enden der Welt zu bringen. Iqulah steht für Integrity, Quality, Unity and Love for Africa as Home. Seine größte Erfüllung sieht er bisher in seinem Auftritt in Äthiopien, auf dem Maskal Square von Addis Abeba, vor zirka 80.000 Menschen. Ras Iqulah zelebriert seine Musik wie in Trance, bestückt mit einem großen silbernen äthiopischen Kreuz und der Rastafahne in den Händen. Die hier von Giddeon Force dargebotene Musik ist kaum zu fassen. Schwerer Roots vom Feinsten, der süchtig macht. Ich bin hin- und hergerissen, möchte fliehen vor der extremen Lautstärke der Boxen und kann es aber nicht. Ras Iqulahs charismatische und nahezu besessene Bühnenshow und die alles durchdringende Musik von Giddeon Force lassen mich nicht los.

Iqulah & Giddeon Force Iqulah & Giddeon Force Iqulah & Giddeon Force Iqulah & Giddeon Force Iqulah & Giddeon Force

Iqulah & Giddeon Force Iqulah & Giddeon Force Ras Iqulah and Rod of Iron Ras Iqulah and Marion

Die Highlights des Tages bzw. der Nacht gehen mit Morgan Heritage bzw. mit Peter und Roy „Gramps“ Morgan von Morgan Heritage weiter. Peetah und Riese Gramps stehen hinter der Bühne und warten auf ihren Einsatz. Als es soweit ist, stürmen noch zusätzlich zwei Leute der Crew über die Bühne und riegeln den Fotograben beidseitig der Bühne ab. Gramps und Peetah wollen offenbar keine Kameras vor der Nase haben. Der Sinn der Maßnahme ist aber eher nicht zu erkennen. Immerhin ist auch für die Massive jede Art von Aufnahmegerät oder Kamera erlaubt. Die Beiden sehen sich deshalb einer ungebrochenen Kameraflut gegenüber, nur dass sie knapp zwei Meter weiter weg ist. Wir sehen eine Weile dem Programm aus der Ferne zu. Alle Gäste verfolgen mit Begeisterung die Show. Dann plötzlich läuft Tarrus Riley mit übergezogener Kapuze zwischen uns hindurch und verschwindet in Richtung Buffet oder Basarausgang. Schade, er ist verschwunden und nirgends mehr zu entdecken. Das hätte jetzt ganz gut gepasst. Irgendwann sehen dann Peetah und Gramps die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens ein und ziehen ihre Body Guards zurück. Der Fotograben wird wieder frei gegeben.
Morgan Heritage, wie wir sie heute mit Peetah, Gramps, Una, Mr. Mojo und Lukes kennen, haben mit Denroy Morgan ihren musikalischen und leiblichen Vater. Das sind aber nicht die einzigen Kinder der Morgan Family. Denroy hat es bis auf die stattliche Zahl 30 geschafft, wie bisher bekannt ist. Der Start als Band liegt im Zeitraum 1990-1992, wobei Denroys musikalisches Schaffen schon viel weiter zurück liegt. 1994 kam dann mit „Miracle“ die erste Familienscheibe auf den Markt. Bis heute hat Morgan Heritage einen Hitkatalog geschaffen, der sich sehen lassen kann. Hinzu kommen vortreffliche Compilations mit anderen Artists und ihren jüngeren Geschwistern von LMS. Viele davon sind zu finden auf der Albumreihe „Morgan Heritage And Friends“.
Peetah, ist die Hauptsingstimme von Morgan Heritage, aber mit Gramps, dessen Stimme mich immer wieder ein wenig an Peter Tosh erinnert, ergibt sich erst die richtig perfekte Mischung. Man merkt gar nicht, dass die anderen Bandmitglieder fehlen. Peetah lässt aber keinen Zweifel daran, wer Morgan Heritage wirklich ist und zählt mehrmals alle Bandmitglieder für die Massive auf. Trotzdem ist mit den zwei markanten Stimmen von Peetah und Gramps, kaum ein Unterschied gegenüber der Originalbesetzung zu hören.

Peter Morgan (Morgan Heritage)

Peetah & Gramps Gramps

Den nächsten Bühnenwechsel lassen wir erst einmal ausfallen. Tanto Metro & Devonte aus Jamaika, mögen uns verzeihen, aber sie gehören mit ihrem Dancehall-Style nicht so sehr zu unserem bevorzugten Beuteschema. Es ist aber gut, dass dieser Programmpunkt nun folgt. So können wir eine Bühnenpause einlegen und verpassen andere, für uns wichtige Leute nicht. Wir starten lieber noch einen Versuch die Artists von Inna De Yard zu treffen. Und wir dürfen. Earl bittet uns in das Zelt der Truppe. Alle sind nun komplett beisammen. Am Nachmittag noch in lockerer und bunter schön anzusehender Freizeitkleidung, haben nun alle einen Jogging Anzug von Adidas an. Wir sind froh, dass wir wenigstens schon Cedric und Kiddus vorher getroffen haben, um jetzt hier nicht all zu lange stören zu müssen. Earl klimpert ein wenig auf seiner Gitarre herum und die restlichen Musiker sitzen still und meditierend um einen runden Tisch herum. Diese Atmosphäre löst ganz automatisch gesteigerte Zurückhaltung aus. Man möchte am liebsten nur flüstern. Jeder Artist ist dann aber sehr entgegenkommend und freundlich, wenn er denn einmal angesprochen ist. Für ein Gruppenfoto sind sie aber nicht zu begeistern und vom Tisch wegzubekommen. „Du kannst uns alle fotografieren wie wir hier sitzen.“, meint Cedric dazu und schwenkt majestätisch seinen Arm über die Runde. Ein ordentliches Bild ergibt sich daraus zwar nicht, aber wir sind schon so hoch geehrt und zufrieden, dass wir überhaupt in das Zelt eingeladen worden sind.

Album Cover - Live In France Earl Chinna Smith bei Inna De Yard Allstars Clinton Fearon and Peter Album Cover - Mi Deh Yah Meditation bei Inna De Yard Allstars Kiddus I & Earl Chinna Smith bei Inna De Yard Allstars

Inzwischen wird auch gerade der offizielle Interviewtermin mit Morgan Heritage abgestimmt. Das passt natürlich perfekt und wir können uns gleich mit daran beteiligen. Gramps und Peetah sind sehr verschieden. Während Peetah aufmerksam, freundlich und aufgeschlossen ist, scheint Gramps sich lieber in Zurückhaltung und Verschlossenheit zu üben. Es hat für mich den Eindruck, als wären solche Termine nicht gerade seine Welt. Immer wieder wendet er sich sofort ab, nachdem eine Frage beantwortet oder ein Bild gemacht worden ist. Zwischendurch angelt er nach meinem Backstagepass und liest die Aufschrift noch einmal laut vor, obwohl ich mich schon eingangs vorgestellt hatte. Zum Glück sind unsere Anliegen eher geringfügig und nicht so kompliziert. Die Mauer, die Gramps vor sich aufbaut, immer wieder von neuem zu durchbrechen, wäre auch auf Dauer eher nicht so angenehm.

Interview mit Gramps and Peter Morgan

Peter Morgan Gramps, Marion and Peter Gramps and Peter

Dann geht´s zum nächsten Highlight. Inna De Yard Allstars sind schon auf der Bühne. Die typischen Klänge der Rastamusik mit den diversen Drums sind weithin zu vernehmen. Inna De Yard Allstars vereinigt eine Reihe von großen Roots Reggae Künstlern aus den 70-er Jahren und neue Talente aus der jamaikanischen Reggae-Szene, die gemeinsam in teils unterschiedlicher Besetzung auf Tour gehen. Sie präsentieren ursprünglichen Reggae wie er in den Yards von Jamaika entstand. Die Idee dazu stammt vom Reggae-Label Makasound, die auch die Akustik Album-Reihe „Inna De Yard“ ins Leben gerufen haben. Auch zur Tour gibt es bereits ein diesjähriges Album „Inna de Yard - Live In France“, welches zusätzlich noch eine DVD enthält. Man muss das Teil ganz einfach haben.
Ein beeindruckendes Klangerlebnis. Immer wieder kommt ein neuer Artist nach vorne und leistet seinen Part. Matthew McAnuff mit „Be Careful“, Kiddus I mit „No Salvation“ und seinem Klassiker „Graduation In Zion“ (im Film „Rockers“ zu sehen) und natürlich Cedric Myton Congo unter Anderem mit dem Megahit „Fisherman“. Earl Chinna Smith, Clinton Fearon und Derajah agieren von ihrem Platz aus. Die Massive ist endlos begeistert. „Ihr seid geil Jungs!!“, schreit ein jugendlicher Fan völlig entzückt zu den Koryphäen auf der Bühne hinauf und reißt die Arme in die Höhe. Das Konzert könnte endlos weiter gehen. The Viceroys, Linval Thompson und Junior Murvin, die auch noch zum Konzept gehören, sind hier leider nicht dabei. Endlos schade, dass dann auch noch die Zeit zu knapp wird. Das Programm ist etwas kürzer als angedacht. Eine Zugabe kann es leider nicht geben. Ganjaman erklärt der Massive, dass der Programmablauf schon ein Stück in Verzug ist. Das absolute Ende um 3:00 Uhr darf nicht überschritten werden.

Inna De Yard Allstars

Clinton Fearon bei Inna De Yard Allstars Inna De Yard Allstars Kiddus I bei Inna De Yard Allstars Kiddus I bei Inna De Yard Allstars Inna De Yard Allstars Earl Chinna Smith Clinton Fearon and Earl Chinna Smith bei Inna De Yard Allstars

Cedric Myton Congo bei Inna De Yard Allstars Cedric Myton Congo bei Inna De Yard AllstarsCedric Myton Congo bei Inna De Yard Allstars

Viel Zeit zum Trauern gibt es allerdings nicht. Auf der linken Bühne ist Tarrus Riley angesagt, der erst in den letzten Wochen dem Line-up des Reggae Jam hinzugefügt worden ist. Die perfekte Ergänzung. Die Eindrücke des Tages sind kaum noch zu verarbeiten. Man fällt von einem Glücksgefühl in das nächste.
Omar Riley, wie Tarrus richtig heißt, kommt aus Jamaika und ist der Sohn des Sängers Jimmy Riley. Geboren wurde er allerdings 1979 in den USA. Für seine musikalische Entwicklung ist überwiegend Dean Fraser zu danken, der heute auch mit seinem Saxophone am Start ist und die Show gemeinsam mit der Black Soil Band eröffnet. Im Jahr 2004 brachte Tarrus sein Debutalbum „Challenges“ heraus. 2006 folgte „Parables“ und im Jahr 2009 das hoch gelobte Album „Contagious“. Hits wie „She´s Royal“, „Living The Life Of A Gun“, „Love´s Cantagious” oder auch „Stop Watch“, sind die größten Renner seines bisherigen Schaffens, die jeden Reggae Fan vom Hocker reißen. Und so ist auch seine Show. Die Massive ist hin und weg. Zum Ende der Show gibt es aber leider einige Probleme. Die Stimme von Tarrus ist kaum noch zu hören. Obwohl die Technik auf der Bühne mehrmals nicht zu verkennende Zeichen aus der Massive und aus dem Fotograben bekommt, können sie das Problem nicht abstellen. Leider gibt es auch hier wegen des bisher eingetretenen Zeitverzuges keine Zugabe.

Tarrus Riley

Dean Frazer bei Tarrus Riley Tarrus Riley Tarrus Riley

Mit dem letzten Act des „Tages“ geht es wieder zurück zu den Wurzeln des Reggae. Immerhin wird zu Toots & The Maytals 68-er Song „Do The Reggae“ überwiegend die Meinung vertreten, dass dies die Geburt des Begriffs „Reggae“ gewesen sei. Andere wiederum sehen in den Maytals sogar die Erfinder des Reggaes überhaupt, wovon auch Toots selbst überzeugt ist. Die Band kommt aus Jamaika und gründete sich im Jahre 1962, damals noch unter dem Namen „The Vikings. Toots´ Discography hat es bis heute auf über 55 Scheiben geschafft und der Mann ist immer noch voller Energie für neue Veröffentlichungen. Auch auf der Bühne zeigt er keine Müdigkeit und rockt die Fans ohne Ende, die trotz des langen Programms auch noch nichts an Vitalität eingebüßt haben. Die Musik macht´s eben möglich. Zwischendurch dann etwas Troubel, der nicht durchschaubar ist. Der Bühnenmanager lässt den Backstagezugang und den Fotograben sperren. Irgendwo hat es offenbar Ärger gegeben. Mitbekommen haben wir aber nichts, was konkret vorgefallen ist. Der Sicherheitsdienst erkennt jedenfalls nun keine Pässe mehr an, außer die der Artists.
„Pomps And Pride“, „Take Me Home – Country Roads“ und „54-46 Was My Number“ sind die Hits, die sich der Massive am meisten eingeprägt haben dürften. Und weil es so viel Spaß macht, gibt´s auch hier „One Times“, „Two Times“, „Three Times“, … „Ten Times“ und gar „Eleven Times“. Die Massive grölt mit und verzählt sich natürlich bei der letzten Ansage. Irgendeiner tritt eben immer daneben. Toots lacht. Als er dann beginnt, die auf der Bühne für die Artists bereit gestellten Wasserflaschen einzusammeln, ist klar, jetzt ist das Ende der Show gekommen. Einige Flaschen wirft er in die Massive und eine leert er zur Abkühlung über die nahestehenden Fans aus.

Toots & The Maytals Toots & The Maytals Toots & The Maytals Toots & The Maytals

Nach der Show möchten wir noch einmal kurz zu Toots. Mit seinem Management hatten wir das bereits abgestimmt. Trotzdem ist es nicht leicht dies umzusetzen. Als wir schließlich zu ihm dürfen, ist Toots mit seiner persönlichen Assistentin Donna Wellington und einem weiteren Besucher allein im Zelt. Die Band ist nicht mehr da. Toots freut sich über die mitgebrachten Bilder und bittet uns, sie ihm noch einmal zu schicken. Mein Signierstift gefällt ihm dafür aber gar nicht. „Give me another pen!“, ruft er Donna zu sich, die noch etwas unschlüssig schaut. Toots möchte einen richtig dicken Stift, der nicht viele Worte auf dem Foto zulässt. Dick und fett prangt jetzt „from Toots“ auf den Bildern und für ein neues Erinnerungsfoto wird wieder wie gewohnt die undurchdringliche Sonnenbrille aufgesetzt.

Toots, Marion and Peter

Was haben wir denn nun heute alles gesehen und was war das absolute Highlight? Es ist ja kaum zu fassen. Ohne Running Order fällt einem auf die Schnelle gar nicht jeder Artist ein. 14 Stunden Bühnenprogramm, von dem man über 50 % der Artists als persönliche Highlights verbuchen kann – da fällt es schwer eine gerechte Entscheidung zu treffen. Ich kann es nicht.

Wir pilgern wieder in Richtung Stoppelfeld und wollen noch einmal einen Blick ins Dancehall-Zelt werfen. Davor ist eine Sicherheitsschleuse installiert und die Festivalbändchen werden kontrolliert. Zumindest wird es versucht, soweit es mit den Taschenlampen und in dem Gedränge umsetzbar ist. Aber so muss das sein. Auch das ist ein Beitrag dafür ungebetene Partygäste fernzuhalten. Die Klimascheide am Eingang des Zeltes hält uns dann aber ab weiter ins Innere vorzudringen. Auch Vido steht noch unschlüssig im Eingangsbereich. Aber es ist sowieso kaum an ein Durchkommen zu denken. So ersparen wir uns die schwüle Hitze des riesigen Zeltes und suchen lieber unser eigenes auf. Mit ein paar Hieben aus der „Bottle of Rum“ und einigen Gedenkminuten vor dem Zelt, lasse ich den Tag Revue passieren. Sofort schlafen geht jetzt sowieso nicht.

Sonntag – 01.08.2010

Der Rum hat tatsächlich seine Wirkung getan. Von dem nächtlichen und frühmorgendlichen Lärm bin ich dieses Mal verschont geblieben. Erst kurz vor 10 starte ich nahezu ausgeschlafen in den Morgen. Da bleibt gar nicht mehr viel Zeit bis zum Start der Festivalendrunde.

Dancehall Zelt

Nähe Dancehall Zelt Nähe Dancehall Zelt Nähe Dancehall Zelt

Heute geht es mit 12:00 Uhr auch noch eine Stunde eher los als gestern. Das Ende des Bühnenprogramms ist für 23:00 Uhr angesetzt.
Wir sind nicht ganz pünktlich auf dem Gelände, aber immer noch zeitig genug, um einen Eindruck von LionTeeth zu bekommen. LionTeeth stammt aus Bersenbrück und Umgebung und ist schon zum vierten Mal mit dabei.

Lion Teeth

Lion Teeth Bei Lion Teeth

Wir lassen es langsam angehen, wie die meisten anderen Festivalbesucher auch. Den massiven Andrang wie bei Ganjamans gestriger Frühstücksshow gibt es heute noch nicht. Aber das wird noch kommen, denn es stehen mit Nature, U-Roy, John Holt, Steel Pulse und Anderen wieder einige Highlights auf dem Programm. Änderungen sind keine vorgesehen.

Nach LionTeeth steht Vido Jelashe aus Berlin auf dem Programm. Vido Jelashe oder Norman Mbutuma, heißt bürgerlich Vuyani Mbutuma und wurde 1967 in Kapstadt / Südafrika geboren. Seine musikalische Laufbahn begann im Jahr 1986 bei Reggaebands wie Reggae Regulars und The Black Sufferers. 1992 hat Vido erfolgreich in Kapstadt ein Jazz-Studium absolviert und wirkte als Sänger bei den Heavy Fantastics mit. 1993 kam er dann auf Veranlassung der deutschen Reggaeband Livin´ Spirits nach Deutschland, machte gemeinsame Aufnahmen und tourte mit ihnen durch Europa. Seit 1996 ist er in Berlin und arbeitet an anderen Projekten. Spätestens seit seinem Tune „Babylon A Take Control“ auf dem Superior Riddim von Pow Pow Productions, dürfte er größere Bekanntheit erlangt haben. Heute ist er gemeinsam mit dem Berliner Barney Millah als Soundsystemshow angetreten. Vido hat mit Teba Shumba, der ebenfalls aus Kapstadt kommt, noch einen Gastsänger mitgebracht. Bekannt geworden dürfte Teba Shumba hierzulande erstmals mit dem African Dope Soundsystem geworden sein, aus dem auch Vidos Cousin Black Dillinger hervorgegangen ist. Sehr leicht haben es die Beiden nicht. Die Massive ist noch träge und weit im Gelände verstreut. Man kann es sich jetzt noch leisten mit einem Bierchen auf der Wiese zu sitzen und ganz entspannt das Programm zu verfolgen.

Vido Jelashe

Vido Jelashe, Barney Millah and Teba Shumba Vido Jelashe bei Vido Jelashe

Ganjaman, Barney Millah and Vido Jelashe Ganjaman, Barney Millah and Vido Jelashe

Vor dem nächsten Auftritt dann von Ganjaman die Bitte: „Kommt doch ein wenig nach vorn, damit es etwas kuscheliger wird. Der nächste Artist kommt von weit her und ist extra von den Bahamas für euch angereist!“ Gemeint ist Landlord, den ich persönlich zumindest noch nicht kenne. Orlando Miller, alias Landlord, ist mir mit seiner auffälligen Bartfrisur schon gestern unter den Leuten aufgefallen und hat auf mich eher den Eindruck eines Dancehallers gemacht. Was aber nun hier geboten wird, ist das ganze Gegenteil. Eine echt positive Überraschung. Schöner sanfter und melodischer Reggae, der vielleicht dem einen oder anderen schon etwas zu soft klingen dürfte. Mit meiner Vermutung lag ich also völlig daneben. Landlord möge mir verzeihen. Ganjaman legt die entsprechenden Riddims auf und Nashan Johnson von Christian Massive ist als Backgroundsängerin eingesetzt. Schade, dass sie nicht weiter vorn steht, sie geht optisch ein wenig unter. Dafür glänzt sie gesanglich umso mehr. Es ist eine Freude ihr zuzusehen, wie sie in ihrem Gesang voll aufgeht. Abdelali "Abdul" Mourid (Percussion bei House of Riddim) sitzt ebenfalls begeistert im Fotograben. „Die sind gut Mann!“, nickt er mehrfach anerkennend. „Do you feel the music?“, fragt Landlord in die Massive und die rückt immer weiter zusammen und zollt Respekt. Wirklich durchgängig schöne Musik für Jedermann. Kent Johnson (Christian Massive) ist während der gesamten Show mit der Kamera unterwegs um Landlord und seine Frau Nashan bei ihrem Auftritt im Bild festzuhalten. Zwischendurch hat er dann auch noch einen Gastauftritt bei Landlord. So kommen wir doch noch zu einem Eindruck von Christian Massive, den wir gestern verpasst hatten. „Wollt ihr noch mehr Landlord?!“, fragt Ganjaman am Ende der Show. Ja wir wollen, und es geht noch ein Weilchen weiter.

Landlord

bei Landlord Landlord bei Landlord Christian Massive bei Landlord Nashan bei Landlord Christian Massive bei Landlord Landlord and Ganjaman

Ich gratuliere Landlord und Nashan nach der Show für den gelungenen Auftritt. „Warum stehst du nicht weiter vorn?“, möchte ich von Nashan wissen. Sie zuckt mit den Schultern, schaut Landlord schüchtern und lächelnd von der Seite an und sagt: „Das ist seine Entscheidung.“ „Das wäre aber besser für die Show.“, ergänze ich. Nashan freut sich und Kent gibt mir Recht. Letztendlich nickt auch Landlord zustimmend und alle freuen sich gemeinsam. Landlord möchte mir noch sein Album mit auf den Weg geben, kann aber trotz ausgiebiger Suche keines mehr in seiner Reisetasche entdecken. Alle sind leider schon verteilt. „Ich habe noch ein paar im Hotel und werde für dich eines dem Sheriff geben.“, verspricht er mir. Dafür gibt mir aber Kent das Album „Di Hook“ von Christian Massive mit auf dem Weg.

Christian Massive (Nashan & Kent Johnson), Landlord and Peter Christian Massive - Di Hook

Weiter geht es auf der House of Riddim Stage mit Nature. Andre Ellis, alias Nature, kommt aus Jamaika, wurde am 13.09.1984 geboren und ist damit ein noch junger aufgehender Stern am Reggae Firmament. Nach Ras Shiloh, Jamelody und Anderen ein weiterer Star in dem die Stimme von Garnett Silk weiter lebt. Bereits im Alter von 9 Jahren entdeckte Nature sein Gesangstalent und trat das erste Mal öffentlich auf. Aber erst im Jahr 2002 erkannte er seine Berufung für Reggae und arbeitet sich seit dem kontinuierlich nach oben. Nature überzeugt die Massive völlig. Er versteht es perfekt, wie man sich in Szene setzen kann. Nahezu besessen und fast an der Grenze zu Weinkrämpfen, singt und spielt Nature seine Tunes dem Publikum vor. Selbst wenn er mit der Massive spricht, wird dies in seinem eigenen Gesangstil vorgetragen. „Kann ich etwas Wasser trinken?“, singt er von der Bühne setzt die Flasche an, und macht selbst dies zum Teil seiner Show. Nature hat ganz sicher eine vielversprechende Zukunft vor sich. Mit seinem Tune „Falling In Love Again“, auf Pow Pows „Respond“ Riddim, werden ihn die meisten schon einmal gehört haben. Ich bin gespannt auf seine kommenden Alben. Zum Ende seines Programms stellt Nature die einzelnen Bandmitglieder von House of Riddim vor und setzt dies perfekt in Szene. Am Keyboard spielt er sogar selbst ein paar Töne mit. Es hat den Anschein, als würde er dazu seine Dreadlocks benutzen – oder ist es der Ellenbogen? So genau ist das nicht zu erkennen. Die Hände nimmt er jedenfalls nicht dazu.

Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim bei Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim

Nature and House of Riddim

Nature and House of Riddim Nature and House of Riddim

Dann geht es auf der rechten Bühne mit Horace Martin und der Horace Martin Band weiter. Horace Martin kommt aus Jamaika und ist seit über 30 Jahren auf dem Roots Reggae Sektor im Geschäft. Ganz in weiß kommt er auf die Bühne. Seinen Gürtel mit der silbernen Schnalle, die mit weißen Glitzersteinen und einem großen „H“ versehen ist, hat er nicht zugemacht. Während der Show macht ihm das öfter Probleme, aber er will es offenbar so, denn er schließt den Gürtel trotzdem nicht. Obwohl Horace einen relativ ernsten Eindruck macht und eher nicht zum Lachen kommt, ist er auch zu einigen Späßen aufgelegt und lässt in seiner Choreographie keine Langeweile aufkommen. „You love pictures!? Take me!!“, ruft er zu Eljer in den Fotograben und wirft sich auf einer der Boxen in die richtige Pose. Wie erwartet brilliert Horace Martin mit einem sehr schönen rootsigen Programm. Auch die Band hat den perfekten Sound drauf und spielt alle Töne die man zu dieser Musik so hören will. Im Hintergrund der Bühne steht Indifrica, ein Artist aus French Guyana der zurzeit in Rotterdam lebt, und schwenkt voller Begeisterung seine Rasta-Fahne. Ich muss mir unbedingt zu Horace Martin noch paar Alben besorgen.

Horace Martin and Horace Martin Band Horace Martin and Horace Martin Band Ras Tula - Horace Martin Band Horace Martin and Horace Martin BandHorace Martin and Horace Martin Band Horace Martin and Horace Martin Bandbei Horace Martin and Horace Martin Band

Horace Martin and Horace Martin Band Horace Martin and Horace Martin Band

Nächster Act ist Flourgon auf der House of Riddim Stage. Michael May, wie Flourgon bürgerlich heißt, ist der Bruder von Red Dragon, der schon am Freitag auf der Bühne stand. Flourgons Programm geht mehr in Richtung Dancehall was uns wieder eine Bühnenpause ermöglicht. Ein paar teilweise rootsige Nummern sind zwar auch dabei, aber das überzeugt meinen Geschmack noch nicht so richtig. Ich nutze lieber die Zeit, um Horace Martin und seiner Band einen Besuch abzustatten und etwas übers Festivalgelände zu schlendern.

Horace Martin and Peter Ras Tula and Indifrica - Members of Horace Martin Band Festivalgelände

Festivalgelände

Festivalgelände Festivalgelände Das nächste Reggae Event kommt ganz bestimmt! Waren aus Äthiopien

Dabei treffe ich auch Sista Gracy, die mit ihrer Familie das Festival verfolgt. Sie hat beim 1. German Reggae Grammy 2005, gleichberechtigt neben Zoe und Lilian Gold einen Award in der Kategorie „Reggae Queens“ gewonnen. Ihr letztes Album „Yardy“ ist von 2007. Neben vielen gutem Material, ist für mich der Tune „Shining Star“ mit Dr. Ring Ding, der Knaller des Albums. Wann es ein neues Album geben wird kann sie momentan leider noch nicht sagen.

Sista Gracy Sista Gracy Sista Gracy and Peter Sista Gracy - Yardy

Inzwischen geht es schon mit Mad Cobra und der Berliner Feueralarm Band auf der rechten Bühne weiter. Die böse oder tollwütige Schlange namens Cobra heißt im wahren Leben Ewart Everton Brown und wurde am 31.03.1968 in Jamaika geboren. Die Cobra speit im Dancehall Style in die etwas locker stehende und überwiegend skeptisch dreinblickende Massive und hat für alle zur Warnung den Totenkopf mit den gekreuzten Knochen auf der Brust, anfangs sogar noch eine Totenkopfmaske übers Gesicht gezogen. Ich bin nicht der richtige Mann, um mich über seine Musik äußern zu können. Die Mehrheit der Besucher offenbar auch nicht, da sich die Begeisterung in Grenzen hält. Aber die Schlange ist schlau, merkt das und spielt zwischendurch sogar ein Stück von Bob Marley, um das überwiegend auf Roots eingestellte Publikum doch noch auf seine Seite ziehen zu können.

bei Mad Cobra

Mad Cobra bei Mad Cobra Mad Cobra bei Mad Cobra Mad Cobra

Mit Admiral Tibet und man ahnt es schon, der House of Riddim Band, geht es in die nächste Runde, und es gibt wieder mehr positive Lyrics. Die House of Riddim Band hat damit ihren zwölften und letzten Auftritt. Es ist schon unglaublich, was die Band hier geleistet hat und bei den verschiedensten Artists umsetzen musste. Es wird vielleicht nicht ganz einfach gewesen sein, all die unterschiedlichen Riddims und Styles einzuüben. Es klang bisher alles perfekt. Es gibt offenbar nichts, was die Band nicht beherrscht.
Kenneth Allen, alias Admiral Tibet wurde 1960 in Jamaika geboren und machte 1985 seine ersten Aufnahmen bei Produzent Sherman Clacher. Sein Debutalbum „Come Into The Light“ wurde von King Jammy produziert und 1987 veröffentlicht. Das bisher letzte Album mit dem Titel „Running From Reality“, ist aus dem Jahr 2006. Admiral Tibets Auftritt wird wieder besser von der Massive angenommen und die Lücken vor der Bühne füllen sich zusehends. Das Stimmungsbarometer klettert nach oben. Abdul an den Percussion wird eine Zeit lang von Sheriff begleitet, und dann kommt auch noch einmal Lukie D auf die Bühne um Admiral Tibet tatkräftig zu unterstützen. So schnell sieht man sich wieder.

Admiral Tibet and House of Riddim

Sheriff und Abdul bei Admiral Tibet and House of Riddim Admiral Tibet Admiral Tibet and Lukie D bei Admiral Tibet bei Admiral Tibet bei Admiral Tibet ..., Admiral Tibet, ..., Sheriff, ... Admiral Tibet Admiral Tibet and Peter Admiral Tibet - Fire Fire Burning

Mit U-Roy gibt´s dann auf der rechten Bühne wieder ein absolutes Higlight für Augen und Ohren. Ewart Beckfort, alias U-Roy, wurde am 21.09.1942 in Jamaika geboren und gilt als der „Father Of Deejaying“. Seine Karriere als DJ begann er bereits im Jahr 1961 und ist damit schon knapp 50 Jahre im Geschäft und eine wahre lebende Legende. Seit 1969 begann U-Roy auch eigene Aufnahmen zu machen. Inzwischen sind 17 Alben auf dem Markt und eine Vielzahl von Compilations.
U-Roy zeigt der Massive von Bersenbrück, dass er immer noch nicht zum alten Eisen gehört und bringt all die Hits, die man von ihm hören möchte. Einfach nur große Klasse! Besonders herausragend sind Stücke wie „OK Fred“, „Soul Rebel“ und viele Andere in diesem Style. Auch mit seinem edlen Outfit zeigt er wieder einmal Spitzenklasse. Er trägt eine Kombination aus weißer Stoffhose mit akkurater Bügelfalte und einem hellblauen Jackett. Dazu einen weißen Hut und hellblaue Schuhe die seinesgleichen suchen. Wenn U-Roy nicht öfter sein Taschentuch bemühen müsste, könnte man glatt denken, dass der Auftritt für ihn überhaupt keine Anstrengung bedeutet. Seine Garderobe bleibt bis zum Ende makellos.

U-Roy U-Roy U-Roy

U-Roy U-Roy U-Roy U-Roy and Marion

Dann wieder alle Mann nach links zur anderen Bühne und der nächsten Legende. John Holt wird angekündigt. Zum ersten Mal in Deutschland und in Europa überhaupt, so die Ansage. Auch für uns ist es das erste Mal, dass wir ihn live zu Gesicht bekommen. John Holt wurde am 11.07.1947 auf Jamaika geboren und begann bereits im Alter von 12 Jahren sich als Sänger und Songschreiber zu profilieren. 1963 nahm er seine erste Single „I Cried A Tear“ für Leslie Kong auf. Richtig bekannt wurde John Holt aber erst in seiner Zeit als Leadsänger bei den Paragons, von 1965-1970. Danach begann er seine Solokarriere und wurde Anfang der 70-er einer der größten Reggae Stars von Jamaika. Sein Hit „Stick By Me“ war die am meisten verkaufte Scheibe von 1972 in Jamaika. Inzwischen hat seine Discography eine stattliche Länge erreicht, bei der man kaum noch einen genauen Überblick behalten kann. Viele seiner Hits wurden von anderen Sängern gecovert und keiner ahnt wo das eigentlich wirklich herkommt. Welcher Blondie Fan weiß z. B. schon, dass „The Tide Is High“ eigentlich von John Holt und den Paragons stammt, wo schon die jüngeren Atomic Kitten Fans nicht einmal die Vorreiterin Blondie kennen.
John Holt präsentiert langsameren und sehr melodischen Reggae und wird deshalb auch als Vorreiter des Lovers-Rock gehandelt, der auch in den 70-er Jahren in England entstand. „Help Me Make It Through The Night“, „I´d Love You To Want Me“ und „Homely Girl”, um nur einige seiner Stücke zu nennen, verführen zum träumen und schunkeln in der Massive. „The Tide Is High“ und „Stick By Me“ dürfen natürlich auch nicht fehlen. Zwischendurch fragt John Holt sogar das Publikum, was er denn singen soll. So etwas gibt es selten. Viele der Fans, besonders die erfahrenen Semester, sind überaus begeistert von seinem Auftritt. Richtig punkten bei allen, tut er aber mit seinem 1983-er Hit „Police In Helicopter“, mit dem er auch heute wieder richtig aktuell und erneut bekannt geworden ist. Die im Jahr 2007 neu zusammengestellte One-Riddim-Scheibe „Police In Helicopter Rhythm“, mit diversen Interpreten, ist dazu die richtige Verlängerung.

John Holt John Holt John Holt bei John Holt John Holt John Holt bei John Holt

bei John Holt Album Cover - Police In Helicopter Rhythm

Bevor es in die Endrunde geht, versuchen wir noch einen Backstagetermin bei John Holt zu bekommen. So richtig lustig wird es, als ich ein altes Albumcover zum signieren hervorziehe, wo John Holt noch mit ganz kurzen Haaren zu sehen ist. Sofort machen sich alle anderen Bandmitglieder darüber her und machen ihre Späße. Wir freuen uns, John Holt einmal kurz persönlich kennengelernt zu haben.

John Holt John Holt John Holt and Peter John Holt - Album Cover

Dann setzt Steel Pulse zum Endspiel des Festivals an. Viel verpasst haben wir nicht. Es war zum Glück eine kurze Pause. Ein seltenes Ereignis auf dem Festival. Steel Pulse kommt aus Großbritannien und gründete sich 1975 in Handsworth Wood bei Birmingham. Mit David „Dread“ Hinds und Selwyn „Bumbo“ Brown sind auch noch zwei Gründungsmitglieder mit am Start, von denen besonders David Dread mit seinen gewaltigen Dreads das Antlitz der Band prägt. 1978 kam ihr Debütalbum „Handsworth Revolution“ heraus, das wohl den bis heute eingängigsten und bekanntesten gleichnamigen Titel enthält. Eine Erfolgsstory begann und wurde im Folgejahr mit dem zweiten Album „Tribute To The Martyrs“ fortgesetzt. Steel Pulse entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Reggaebands in England. Inzwischen gibt es über 20 Alben und Compilations auf dem Markt. Dieses Jahr kann Steel Pulse bereits ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Das Reggae Jam geht nun leider zur Neige und Steel Pulse überspielt sogar zur Freude der Fans das „Curfew“, was heute Abend immerhin auch nicht den Zusatz „Strictly“ hat.

Steel Pulse Steel Pulse bei Steel Pulse bei Steel Pulse Steel Pulse Steel Pulse bei Steel Pulse

Steel Pulse Steel Pulse

Aber alles hat einmal ein Ende. Sheriff kommt auf die Bühne und bedankt sich für den friedlichen Ablauf des Festivals. Weiterhin ist ihm in diesem Zusammenhang besonders wichtig, der Opfer der diesjährigen Loveparade zu gedenken. „Habt ihr noch etwas Zeit? Denn ich möchte euch noch ein paar Leute vorstellen.“, fährt er später fort. Sheriff möchte allen danken, die bei der Organisation und Durchführung des Festivals mitgewirkt haben. „Ich habe mir dieses Jahr extra eine Liste gemacht, damit ich nicht wie voriges Jahr hier herum stammele.“, zeigt Sheriff ein vollgeschriebenes Blatt Papier. Es folgt eine lange Dankesrede. Soweit die Leute schon von ihrer Arbeit abkömmlich sind, ruft er einen nach dem anderen auf die Bühne und stellt sie vor. Manche zieren sich und möchten nicht ins Rampenlicht. Die lange Aufzählung sämtlicher Leute und Tätigkeiten macht vielen erst deutlich, was in so einem Event für Arbeit steckt. Besonders gelobt wird auch der Mann vom Bersenbrücker Ordnungsamt. Sheriff und er haben sich gegenseitig wohl besonders ins Herz geschlossen und beschenken sich mit Pfefferkuchenherzen, die die Aufschrift „I Love You“ tragen. „Jeder Artist hat von uns auch so ein Herz bekommen, um ihnen zu zeigen, dass wir sie und ihre Musik lieben.“, erzählt Sheriff. „Und das letzte Herz ist für euch.“ Er wirft das Herz weit in die Massive hinein und es entschwindet in der Dunkelheit der hinteren Reihen.

Sheriffs Dank Sheriffs Dank Sheriffs Dank

Sheriffs Dank Sheriffs Dank Sheriffs Dank und umgekehrt

Und das letzte Herz ist für euch!!

Ein fantastisches Festival ist zu Ende gegangen. Vielen Dank Sheriff und deinem Team!

Bevor wir das Gelände verlassen, müssen sich die Ereignisse des Tages aber noch ein wenig setzen. Steel Pulse hält sich auch noch im Backstagebereich auf und posiert gerne für ein paar Schnappschüsse. Unsere letzten Fotovorlagen bekommen ihr Signum und dann heißt es Abschied nehmen.

Steel Pulse David Hinds and Ashraf David Hinds and Peter David Hinds and Marion Selwyn Brown and Peter Selwyn Brown

Am Dancehallzelt ist heute zum Glück Ruhe. Man hat sich etwas gedacht dabei. So wird es morgen wenigstens nicht so viel übernächtigte Camper geben und die Abreise ein wenig sicherer verlaufen. Umfangreiche Kontrollen auf den Straßen sind schon einmal angekündigt. Soweit wir es in der Finsternis erkennen können, fehlen schon jetzt eine ganze Reihe von Zelten.

Montag – 02.08.2010

Schön ruhig ist der Morgen und ausgeschlafen sind wir auch. Das Gelände lichtet sich zusehends und der Müll auf den freien Flächen hält sich tatsächlich in Grenzen. Der Müllpfand zeigt erfreulicher Weise seine Wirkung. Da fahren Autos behangen mit Müllsäcken an den Außenspiegeln in Richtung Annahmestelle. Andere wiederum sitzen auf der Motorhaube, halten die Säcke persönlich fest und machen einen Gaudi daraus. Das arme Auto – nur nicht nachahmen! Die Leergutsammler haben auch schon Hochkonjunktur. Hier sind sie allerdings nicht ganz so erfolgreich, wegen der vielen Autos, deren Besitzer ihre Pfandflaschen natürlich wieder mitnehmen.
Das Fernsehteam ist auch schon wieder auf den Beinen, steht mit D Flame an den Müllcontainern und verfolgt das Prozedere. Ich bin schon gespannt auf die Festivaldokumentation die dabei herauskommen wird. Musikalisch wird das ganz sicher der Knaller. Es können ja kaum die falschen Bands auf dem Film sein, weil die ja hier gar nicht vertreten waren.

Zeltplatz Südfeld. Abbauen, einpacken und aufräumen. Zeltplatz Südfeld. Es sieht sauberer aus als auf anderen Festivals! Zeltplatz Südfeld Zeltplatz Südfeld Zeltplatz Nordfeld Zeltplatz Nordfeld Zeltplatz Nordfeld. Der Müllpfand zeigt Wirkung! Zeltplatz Nordfeld. Zur Müllannahme. Zeltplatz Nordfeld. Zur Müllannahme. Zeltplatz Nordfeld. Zur Müllannahme. Zeltplatz Nordfeld. Zur Müllannahme. Zeltplatz Nordfeld. Zur Müllannahme. Das Filmteam ist auch wieder unterwegs. Zeltplatz Südfeld. Zeltplatz Südfeld. Zeltplatz Südfeld.

Wir machen uns nun endgültig auf die Heimreise und unsere nächste Urlaubsreise planen wir ganz sicher so, dass sie sich nicht mit dem Reggae Jam überschneidet. Wenn es so bleibt, wie es ist, kommen wir mit Sicherheit wieder her.  

Copyright:
Text und Fotos by Reggaestory

Zur kompletten Fotogalerie.

Wer sich für die genannten Alben oder andere interessiert: Fragt nach bei Irie Records!

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