Imprint Contact
 irie-records-werbung
srfwerbung
yaam-werbung2

REGGAE IN INDONESIEN – AUGUST 2009

MBAH SURIP UND DAS APACHE IN KUTA - BALI

Mbah Surip Weit entfernt von jeglicher Reggaemusik und allen Rastafarians, wie wir glauben, kommen wir am 03. August in Bali an. Die Abfertigung der Einreiseformalitäten an den wenig besetzten Kontrollschaltern, auf dem Flughafen in Denpasar, zieht sich mächtig in die Länge. Auf breiter Front hängen Monitore von der Decke herunter, die uns schon mal das Regionalfernsehen etwas näher bringen.
Noch etwas ungläubig sehe ich aus der Ferne ständig einen Rasta auf den Bildschirmen gute Laune verbreiten. Etwas näher gekommen, dann tatsächlich die Erkenntnis – hier wird auch Reggae gespielt und mit Mbah Surip hat man sogar einen einheimischen Musiker der Zunft, der äußerst populär zu sein scheint.

Noch ehe wir uns in den nächsten Tagen besser darüber informieren können, erreicht uns schon die Nachricht von seinem Tode. Noch am Morgen nach unserer Ankunft, gegen 10:30 Uhr, ist Mbah Surip an einer Herzattacke, im Hospital Pusdikkes in Ost Jakarta, verstorben.
Indonesien trauert nun um einen Künstler, der erst vor kurzem große Popularität erreichte und sogar Präsident Susilo Bambang Yudyhono zu einer Beileidsbekundung veranlasste, wenn vielleicht auch wahrscheinlich mit Blick auf dessen eigene Popularität. Yudhoyono, oft auch SBY genannt, führte aus, dass Mbah Surip schon immer ein Künstler gewesen und in der Kunst einen eigenen, indonesischen Weg gegangen sei.

Die Popularität von Mbah Surip zeigt auch, wie stark die Jugend Indonesiens im Internet vertreten ist, obwohl nur wenige Haushalte über eine Internetverbindung verfügen.
Im Internetportal-Twitter wurde das Thema Michael Jackson für einige Stunden durch Mbah Surip verdrängt.

Wer war Mbah Surip?

Mbah Surip Mbah Surip

Mbah Surip

Mbah Surip ist sein Künstlername. Mbah ist auf Java eine Anrede für Großeltern oder ältere Menschen und Surip war der Spitzname des Künstlers. Auf der Bühne sang er sehr locker, hatte viel Kontakt mit dem Publikum, viel (indonesischen) Humor und bewies auch große Ausdauer. So sang er bei einem Auftritt 60 Stunden lang, womit sein Name als indonesischer Rekordhalter in das MURI (Indonesisches Rekordmuseum) gelangte. In einem späteren Interview sagte er dazu: “I love singing and I don’t mind doing it nonstop. Once I sang for 60 hours with only a little sleep, but I’m happy.”Was man allerdings zunächst wohl eher nicht vermutet. Der Mann hat einen akademischen Hintergrund. Sein richtiger Name ist Drs. Ir. Urip Achmad Rijanto Soekotjo, MBA (Master of Arts). Er wurde am 05. Mai 1949 in Mojokerto, Ost Java geboren und hatte sich als Witwer (seit 26 Jahren) um 4 Kinder und 4 Enkelkinder allein zu kümmern.
Er war im Studium sehr engagiert und erreichte zunächst den Titel eines Chemieingenieurs, später einen Master-Abschluss und arbeitete nach seinem Abschluss für einige Jahre in den USA, Kanada und Jordanien als Sachverständiger für Ölbohrungen, sowie in Diamanten- und Goldminen.

Nach seiner Rückkehr nach Jakarta war er in verschiedenen Künstlergruppen, wie eguh Karya, Aquila, Bulungan, und Taman Ismail Marzuki aktiv. Sein erstes Album „Ijo Royo-royo“ veröffentlichte er schon im Jahr 1997, darauf folgten weiter Alben, wie „Indonesia“ (1998), Reformasi (1998), „Tak Gendong“ (2003) und „Barang Baru“. Der Song „Tak Gendong“ (Trage mich auf deinem Rücken) erreichte allerdings erst Mitte 2009 seine wirklich überragende Popularität und spielte bisher ca. 4,5 Millarden Rupiah ein (ca. 300.000 Euro).

Mbah Surip - Tak Gendong

Der Text und die Melodie sind zwar recht einfach (Indonesier singen gern mit), jedoch verbirgt sich hinter diesem doch eine tiefere Bedeutung.

Der Text des Nr. 1-Hits:

Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Enak donk, mantep donk (es ist doch bequem, es ist doch stabil)
Daripada kamu naik pesawat kedinginan (wenn du mit dem Flugzeug fliegst, frierst du)
Mendingan tak gendong to (es wäre besser, wenn ich dich auf meinem Rücken trage)
Enak to, mantep to (es ist doch bequem, es ist doch stabil)
Ayo.. Kemana (Komm….wohin?)
Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Enak tau (weißt du, es ist doch bequem)
Reff: Where are you going?
Ok I’m
Where are you going?
Ok my darling
Ha…Ha…....
Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Tak gendong kemana-mana (Ich trage dich auf meinen Rücken überall)
Enak donk, mantep donk (es ist doch bequem, es ist doch stabil)
Daripada kamu naik taxi kesasar (wenn du mit dem Taxi fährst, wirst du dich verfahren)
Mendingan tak gendong to (es wäre besser, wenn ich dich auf meinem Rücken trage)
Enak to, mantep to (es ist doch bequem, es ist doch stabil)
Ayo.. Kemana (Komm….wohin?)

Hier ist das Video dazu.


Mbah Surip schrieb seinen späten und unvermuteten Nr. 1-Hit bereits im Jahr 1983, als er in den USA arbeitete. Der Text hat, wenn er auch simpel erscheint, eine philosophische Bedeutung. Seine Aussage ist, laut Mbah Surip, dass Menschen im Leben gute, wie auch schlechte Dinge erlernen, dass jedoch beides zum Leben gehört. In einen Bus, könnten böse und gute, reiche und arme Menschen einsteigen, dem Bus selbst sei dies relativ egal. Er schrieb viele leichte und eingängliche Songs, jedoch nie ohne Hintergrundgedanken. Die meisten beschäftigen sich mit alltäglichen Probleme wie Armut und eigene Unzulänglichkeiten aber auch, wie im Lied „Enak Keeanak“ (= bequem, sehr bequem) über die Solidarität unter Künstlern (zum Beispiel durch gemeinsames Essen und geschnorrte Zigaretten). Obwohl er nun sehr populär wurde und gut verdiente, blieb er doch relativ bescheiden und machte sich eher über den unverhofften Reichtum lustig. Reporten erzählte er beispielsweise, dass er sich einen Helikopter zulegen wolle, da er in den USA oft gefragt worden sei, welcher indonesische Promi einen Privat-Helikopter besitze. Er wolle daher der erste indonesische Promi mit einem Helikopter sein. Da er den Reporter daraufhin fragte, ob der nicht wüsste, wer zurzeit einen gebrauchten Helikopter zu verkaufen hätte, sollte deutlich machen, dass diese Aussage wenig ernst gemeint war. Er verriet dem Reporter auch weitere Investitionspläne, so wolle er 1 Milliarde Kilo Kaffee und Zucker kaufen, da man seiner Meinung nach länger lebt, wenn man wenig schläft und viel Kaffee trinkt.
Leider hat sein vielfacher Kaffeegenuss, den er auch tatsächlich zelebrierte, ihn nicht wirklich weiter gebracht. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Karriere und tragischer Weise vor dem Hochzeitstermin seiner dritten Tochter Resia Tri Kresnawati, musste Mbah Surip als nur 60-jähriger diese Welt verlassen. Die Beerdigung erfolgte bereits in der nachfolgenden Nacht um 23:10 Uhr, nachdem man die vorverlegte Hochzeitszeremonie seiner Tochter abgehalten hatte, die ursprünglich für den 16. August geplant war.
Überall auf der Insel verfolgt uns „Tak Gendong“ - am Strand, in den Ortschaften und selbst auf den Spitzen der Vulkane. Überall wird dieser Titel mit viel Spaß gesungen. Es genügt der Schlüsselreiz „rot-gelb-grün“ auf einem T-Shirt, oder ein Bild von Bob Marley und schon bricht Fröhlichkeit aus und „Tak Gendong“ wird angestimmt. Reggae in Indonesion ist natürlich nicht so wie wir ihn von Jamaica und anderenorts her kennen. Da ist man in Indonesien schon noch ein paar Jahrzehnte zurück, zumindest gegenüber der aktuellen Szene. Vorwiegend wird auch Wert auf die lustige Seite gelegt, wie man bei Mbah Surip sehen kann. Bei internationalen Hits beschränkt man sich überwiegend auf ältere Sachen und dort in der Regel auf „Sunshine-Reggae“. Aber immerhin ist das ein Anfang und spätestens mit der Popularität von Mbah Surip, dürfte die Neugier auf die internationale Reggaeszene weiter gewachsen sein.
Auch im stark von Touristen frequentieren Kuta, am Südende von Bali, ist der Reggaefan nicht allein. Bob Marley findet man in vielen Geschäften. Wer Freund von Malereien ist, sollte dazu die entsprechenden Galerien aufsuchen. Fast in jeder Galerie wird man fündig. Da gibt es Bob Marley in allen Schattierungen – bunt oder schwarz-weiß, ernsthafte Bilder oder Karikaturen, von der Miniausführung bis zum riesigen Wandbild. Sollte ein Reggaefan auch Surfer sein, ist das auch kein Problem – die kleinen Souvenirsurfbretter mit Bob Marley gibt es auch in der richtigen Größe. Auch die für einen Balibesuch unerlässlichen Sarongs (traditionelles Wickeltuch – für die meisten Tempelbesuche Pflicht), kann man mit allen möglichen Rasta- oder Bob Marley Motiven ganz billig erwerben (siehe z. B. hier).

Bob Marleybilder in Kuta - Bali Bob Marleybilder in Kuta - Bali

Bob Marleybilder in Kuta - Bali Rasta Shop in Kuta Bali

Es gibt sogar ein paar Rasta-Shops, wo sich der balinesische Fan mit diversen Fanartikeln versorgen kann. Auf der Legian Straße in Kuta existiert mit dem Apache auch ein Lokal für den Reggaeliebhaber. Täglich gegen 22:00 Uhr ist dort Live-Musik angesagt. Wissen muss man dabei, dass dieses Lokal zwei verschiedene Bereiche hat. Der in Straßennähe befindliche Lokalteil spielt auch andere Musik. Also nicht vergraulen lassen und nach der Reggae-Bar im Hinterhof fragen, wo es auch noch einen kleinen Shop gibt.

Apache Straßenfront mit Durchgang zum Hof Apache Straßenfront

Apache Personal Bar im Apache

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali - Shop im Hinterhof

Den Gast erwartet dort eine schön ausgestaltete Themenkneipe. Bob Marley wo man geht und steht. Selbst der Weg zur Toilette bleibt nicht verschont. Auch das Personal ist so dekoriert, dass jedermann weiß – hier gibt..s Reggae! Eintritt ist frei, aber dafür ist das Bier hier etwas teurer als anderswo. Leider ist es viel zu dunkel um die interessante Ausstattung der Location richtig ansehen zu können.

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Apache Reggae Bar in Kuta Bali Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Wir kommen uns vor wie in einer Oase, hier gibt es tatsächlich richtig gute Reggaemusik. Wenn die gespielte Musik auch schon Jahrzehnte auf den Buckel hat, was den Reggaefan ja nicht unbedingt stören dürfte, ist es trotzdem ein willkommener Genuss und eine gute Abwechslung zu den anderen recht lauten Lokalen mit teilweiser unangenehmer Musik der westlichen Hemisphäre. Dann doch lieber strikt einheimische Musik hören oder ab in den Hinterhof des Apache. Die Legian-Straße kann am Abend recht unangenehm laut werden, besonders im Bereich der im Jahr 2002 verübten Bombenanschläge.

Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Apache Reggae Bar in Kuta Bali - Personal Apache Reggae Bar in Kuta Bali - Personal

Im Apache fühlt man sich allerdings geborgen und bekommt vom übrigen nächtlichen Rummel der Legian-Straße nichts mit. Heutiger Gast des Abends ist Joni Agung & Double T. Wir sehen dann tatsächlich Dreadlocks auf balinesisch. Musikalisch hat die Band einen unerwartet guten Klang. Gespielt wird Bob Marley, UB 40, Jimmy Cliff und andere Sachen aus früheren Zeiten. Konsequent nichts Neues und kaum eigene Sachen.

Apache Reggae Bar in Kuta Bali - DJ Apache Reggae Bar in Kuta Bali

Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar

Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar

Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar

Joni Agung & Double T in der Apache Reggae Bar

Auch nach der Show wird mit der Musik aus der Konserve, diese Linie konsequent fortgesetzt.

Werbeflyer für das nächste Event Werbeflyer für das nächste Event

Visitenkarde des Apache

Trotzdem ist hoch anzurechnen, dass man überhaupt einen Ort wie diesen dort finden kann, in einem Land, welches stark von Traditionen geprägt ist, der größte muslimische Staat der Welt ist (wobei Bali überwiegend hinduistisch ist), eher kaum Afrikaner anzutreffen sind und Drogenbesitz mit der Todesstrafe enden kann. Ganz erstaunlich, dass man da trotzdem vielerorts das Hanfblatt in den üblichen Reggaemotiven wieder findet. Für viele Insulaner ist leider „rot-gelb-grün“ in erster Linie nur gleichbedeutend für Bob Marley und Marihuana, wie wir immer wieder in Gesprächen erfahren müssen. Das es aber weit mehr ist, muss sich erst noch entwickeln. Obwohl man den Eindruck nicht ganz loswird, dass man bestimmte Dinge nur für die Touristen kreiert hat, dürfte der Reggae spätestens mit Mbah Surip tatsächlich Einzug in die indonesischen Ohren gefunden haben. R.I.P. Mbah Surip und vielen Dank, dass du für Reggae in Indonesien etwas mehr Interesse geweckt hast! Hoffen wir, dass die Reggae-Begeisterung in Bali weiterhin anhält und die Szene weiteren Zulauf bekommt.

Unter nachfolgenden Links gibt es zwei Videos aus dem Apache, die ein paar Eindrücke aus der Szene vermitteln: Link1 und Link2 

Im Jahr 2006 gab es bereits in Kuta von Bali ein großes Reggae-Festival mit internationaler Beteiligung (siehe hier). Leider findet man keine Informationen, ob es danach noch eine Fortsetzung gab oder geben wird.

Hier noch ein Link zu einem Video mit vielversprechenden balinesischen Reggae

By Reggaestory

Mein besonderer Dank für die Erlaubnis zur Einbindung der Bilder von Mbah Surip, geht an www.kapanlagi.com und www.jakartadailyphoto.com. Weiterhin danke ich Marc und dessen Partnerin von www.blog.indonesia-portal.de, für deren freundliche Genehmigung zur Verwendung von Beitragsteilen zu Mbah Surip und der deutschen Textübersetzung von „Tak Gendong“.

Zurück
 
summerjamwerbung