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Revelation ConcertsYAAM
MIDNITE

07.08.2014 - YAAM Berlin

Midnite
Man muss schon ein wenig verrückt sein, wenn man nur drei Tage nach der Rückkehr vom Reggae Jam, noch nicht genug hat und hunderte Kilometer zum nächsten Konzert fährt. Aber Deutschlands einziges Clubkonzert von Midnite zu besuchen, lockt doch ungemein. Die Zeitdauer eines Festivalauftrittes ist ja auch nur ein Bruchteil einer Einzelshow. Zudem ist Midnite dafür bekannt, gerne einmal über mehrere Stunden am Stück zu spielen - wenn man sie denn lässt. Bisher war die Band erst dreimal in Deutschland, 2010 und 2012 beim Summerjam und dieses Jahr beim Reggae Jam. Auch im europäischen Maßstab gesehen, war die Band nicht gerade häufig zu sehen.
Also ziehen wir wieder los, um dieses einzige Clubkonzert Deutschlands, ausgiebig zu genießen.
Midnite wurde 1989 von den Brüdern Vaughn und Ron Benjamin ins Leben gerufen und kommt aus St. Croix, von den Virgin Islands.
Vaughn und Ron wuchsen in St. Croix auf und sind die Söhne des legendären antiguanischen Musikers Ronnie Benjamin Senior. Auch Papa Benjamin ist noch musikalisch aktiv und hat mit „Life“, im September 2013, sein aktuelles Album veröffentlicht.
Ronnie Benjamin - Life
Als frühe musikalische Einflüsse, führt Vaughn, Künstler wie Bob Marley, Peter Tosh, Bunny Wailer, The Abyssinians und Bassist Errol Flabba Holt an. Drum und Bass spielten dabei eine herausragende Rolle. Manchmal reichte es Vaughn aus, nur einem dieser beiden Instrumente ausdauernd zu lauschen. Eine Basis, die man in ihrer heutigen Musik auch ausgiebig verfolgen kann. Die Band ist die Ikone des Conscious-Reggae mit tiefgründigen und innovativen Lyrics. Dabei spielen die Rastafari-Bewegung und ihre Beziehung zu Haile Selassie, eine maßgebliche Rolle. Neben dem Lead-Sänger Vaughn Benjamin mit der melancholischen und fesselnden Stimme, spielen sein Bruder Ron am Bass, Edmund Fieulleteau und Edwin Byron an der Gitarre, Christian Molina am Schlagzeug und Ras L am Keyboard. Ron und Vaughn sind dabei die treibende Kraft der Band. Während Vaughn das außergewöhnliche lyrische Talent mitbringt, sorgt Bruder Ron für die großartigen musikalischen Arrangements und Produktionen. Bis 1997, lange 8 Jahre, hat es dann aber noch gedauert, bevor ihr Debütalbum „Unpolished“ auf den Markt kam. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Band in Washington D. C.. Zwei Jahre später folgte mit „Ras Mek Peace“ ihr zweites Werk. Danach kehrte die Band wieder nach St. Croix zurück, um in ihrem nunmehr eigenen Studio „African Roots Lab“, weiter zu arbeiten. Im Laufe der nächsten Jahre brach dann wortwörtlich der Damm. Eine unglaubliche Fülle an Produktionen floss unaufhaltsam aus ihrem „Labor“, als wolle man die Jahre vor dem Debutalbum noch kräftig nachholen. So sind 5 veröffentlichte Alben im Jahr, kein Ereignis mit Seltenheitswert. Es scheint schier unmöglich zu sein, wie man ein derartiges Gesamtwerk überhaupt erschaffen kann. Wünschen wir uns, dass dieser Produktionsstrom lange nicht versiegt und jedes Hindernis kräftig fort gespült wird. Ihr erstes professionell produziertes Musikvideo, mit dem Song „Mongst I & I“, veröffentlichte die Band im September 2011. Nahezu eine Premiere im doppelten Sinne, denn dieser Titel sticht mit seinem sehr harmonischen und eingängigen Flow aus den bisherigen, äußerst tief rootsigen Produktionen heraus. Ein gutes Lockmittel für Neueinsteiger in die Welt von Midnite. Live ist es aber für Midnite trotzdem kein Problem, aus diesen Dreieinhalb-Minuten Stück ein episches Werk von 12 Minuten Länge zu zaubern.

Aber genug der Vorrede. Hier ein paar Eindrücke aus ihrer Show im Berliner YAAM.

Das YAAM ist gut gefüllt. Keine Spur von Müdigkeit nach den Sommerfestivals ist zu spüren. Das Management ist zufrieden. Auch der Vorverkauf ist gut gelaufen.
Ein großartiger und langer Abend steht uns bevor. Die Band hat doch tatsächlich gefragt, ob es denn hier ein Curfew gibt. Das ist doch wunderbar! Welche Band fragt schon danach? Midnite hat also vor, ein Konzert mit Überlänge zu präsentieren. Die geäußerte Hoffnung des Beleuchters, um 0:00 Uhr seine Arbeit beenden zu können, wird wohl nicht in Erfüllung gehen.
Da sich die Berliner Massive heute eher als gewohnt im YAAM versammelt hat, geht es auf der Bühne entsprechend eher zur Sache. Nahezu noch im akademischen Viertel zum angesetzten Konzertbeginn verbleibend, kommen die Musiker auf die Bühne und beginnen langsam die ersten wohligen Klanggebilde im Saal auszubreiten. Das Ganze beginnt ohne große Ankündigung oder übertriebene Begrüßung. Etwas anderes würde wahrscheinlich auch gar nicht zu der Musik der Band und ihrem bescheidenen Auftreten passen.



Live Video: Midnite - 1/12 - Jah In I



Live Video: Midnite - 2/12 - Earth Cycle Now A Rasta

Midnite - Ron Benjamin

Ron Benjamin

Midnite - Edmund Fieulleteau Mitnite - Vaughn Benjamin

Edmund Fieulleteau und Vaughn Benjamin

Nach den ersten drei Meditationsrunden ist schon weit über eine halbe Stunde vergangen. Mit zirka 12 Minuten Länge je Stück, lässt die Band bereits erahnen, was bei der Umsetzung ihrer Setlist, die nicht kürzer als bei anderen Künstlern ist, am Ende herauskommen wird.



Live Video: Midnite - 3/12 - Pagan Pay Gone



Live Video: Midnite - 4/12 - Force And Flames

Midnite - Edwin Byron Midnite - Edwin Byron

Edwin Byron

Midnite - Ras L

Ras L

Ein unbeschreiblicher Klanggenuss erfüllt das YAAM. Schwer und langsam durchdringen die Töne jede Zelle des Körpers. Einige haben die Augen geschlossen und bewegen sich wie in Trance. Oft enden die Stücke wie eine ganz langsam versiegende Quelle. Noch ein Tropfen ..., noch einer ......, noch einer ........., und noch einer ................ Die Fähigkeit der Band, die Stücke in die Länge zu ziehen, ist dabei besonders ausgeprägt. Nur niemand zu schnell aus den Träumen reißen.



Live Video: Midnite - 5/12 - Respect Dem Een



Live Video: Midnite - 6/12 - Love The Life You Live

Midnite - Vaughn Benjamin Midnite - Edmund Fieulleteau

Midnite - Christian Molina + Edwin Byron

Christian Molina und Edwin Byron

Midnite - Ron Benjamin Vaughn Benjamin

Midnite - Vaughn Benjamin

Auch der Start der Titel ist in der Regel sehr langsam und schwer erkennbar. Alles mehr oder weniger ein Lottospiel. Man kann ja nicht so lange warten bis der Titel erkennbar ist. Pull Ups sind auch eher die Ausnahme bei Midnite. Aber egal, man macht sowieso bei keinem Titel einen Fehler. Ärgerlicher wäre es, etwas zu verpassen. Für anständige Fotos ist die Bühnenbeleuchtung wieder einmal viel zu schlecht. Alles weitestgehend Glückssache. Also konzentrieren wir uns lieber auf die Videoaufnahmen, soweit es Nacken und Arme gut verkraften. So haben wir wenigstens die Musik im Kasten. Trotzdem schade, wegen der weitestgehend sehr dunklen Aufnahmen.



Live Video: Midnite - 7/12 - Propaganda



Live Video: Midnite - 8/12 - Mongst I & I

Midnite - Vaughn Benjamin Midnite - Ras L

Midnite - Vaughn Benjamin

Midnite - Ron Benjamin Midnite - Christian Molina

Irgendwer zündet immer wieder Räucherstäbchen an, und ein angenehmer Duft erfüllt den Saal. Eine gute Idee, das passt sehr gut in ein Midnite Konzert.
Inzwischen ist die Zeit schon weit vorangeschritten. Andere Bands hätten längst eine Pause eingelegt oder sich von der Massive eine Zugabe abringen lassen. Bei Midnite spielt das keine Rolle. Obwohl schon total durchgeweicht, spielen sie immer weiter.



Live Video: Midnite - 9/12 - Lianess



Live Video: Midnite - 10/12 - Due Reward

Midnite - Vaughn Benjamin + Christian Molina

Midnite - Edmund Fieulleteau Midnite - Edwin Byron

Midnite - Ron + Vaughn Benjamin

Ein Freund verabschiedet sich mit den Worten: „Beleuchtungstechnisch ist das heute wieder katastrophal! Ich gehe jetzt an die Bar.“ Obwohl mich keine 10 Pferde von der Bühne wegbekommen würden, hat er sicher ein wenig Recht. Sofern man nur meditieren und die Klänge genießen möchte, ist das Licht ja genau richtig, dann ist es aber auch egal wo man steht. Wer natürlich auch die Augen am Konzertgenuss beteiligen möchte ..., na ja, ich sage jetzt nix mehr dazu.



Live Video: Midnite - 11/12 - I Am A Bushman

Midnite - Christian Molina

Midnite - Vaughn Benjamin Midnite - Ron Benjamin

Midnite - Ron Benjamin

Dann steigt doch tatsächlich Vaughn Benjamin in den Sicherheitsgraben. Um den persönlichen Kontakt zur Massive aufzunehmen, hindert ihn dann aber seine Zurückhaltung. Er steht relativ regungslos auf seiner neuen Position und tritt bald darauf wieder den Rückzug an. Dafür ist Bruder Ron immer wieder in Aktion und bringt etwas Bewegung in die meditativen Züge der Band.
Hier mit über 15 Minuten „Roll Call Fi Lion“, das längste und letzte Stück des Abends.



Live Video: Midnite - 12/12 - Roll Call Fi Lion

Die Massive ist begeistert. Einfach nur fantastisch! Jetzt hat doch tatsächlich die Band über drei Stunden an einem Stück gespielt. Unglaublich. Der Jubel im Saal lässt lange nicht nach. Große Anerkennung für Midnite. Eine Zugabe kann man aber nach diesem Drei-Stunden-Marathon nicht mehr verlangen. So sind entsprechende Rufe auch kaum zu hören. Dafür ist jetzt die Massive dran, mit ihrem Beifall kein Ende zu finden und es Midnite mit der Länge gleich zu tun.

Besuchen wir die Band noch einmal kurz im Backstage. Jetzt ist etwas Geduld gefragt. Entsprechend der Konzertlänge, ist der Zeitbedarf der Künstler natürlich etwas umfangreicher, um wieder runter zu kommen und Gäste empfangen zu können. Jetzt ist Midnite erst einmal mit Meditation an der Reihe. Nur der rastlose Ron fällt wieder aus dem Rahmen. Als wir den Backstage betreten dürfen, ist Ron schon wieder irgendwo unterwegs und fehlt leider auf unseren Fotos. Schon beim Reggae Jam hatten wir großes Glück diesen Mann zu erwischen. Eben immer in Bewegung - wie auf der Bühne.

Vaughn Benjamin Vaughn Benjamin

Vaughn Benjamin Vaughn Benjamin

Unsere letzten Bilder, vor ein paar Tagen vom Reggae Jam, haben wir natürlich schon mit dabei. Vergessen sind wir auch noch nicht. Das ehrt uns sehr.

Lyle Henry

Lyle Henry, alias Iyli (?), begleitet die Band.

Ras L + Vaughn Benjamin

Mitnite without Ron

Von links: Edwin Byron, Ras L, Christian Molina, Vaughn Benjamin, Edmund Fieulleteau, Lyli

Hoffen wir, dass wir ein Stück der Atmosphäre dieses grandiosen Abends einfangen und an euch weitergeben konnten. Und wer noch nicht genug von Midnite hat, kann sich mit den Covers in der rechten Randspalte befassen. Hinter jedem Albumcover ist ein Link hinterlegt, wo ihr noch tiefer graben könnt. Da habt ihr Raum für wochenlange Beschäftigung.

Copyright: www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim

Mein Dank geht an Christoph von Revelation Concerts, das YAAM Team und natürlich ganz besonders an Midnite.

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