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LEE "SCRATCH" PERRY feat. MAD PROFESSOR & THE ROBOTIKS
The Roots of Dub Step Tour

09.02.2012 - Columbia Club Berlin

Tourposter Der Großmeister des Reggae und Dub tourt wieder durch Europa. Lee „Scratch“ Perry ist die Reggae Ikone überhaupt, die man nicht verpassen darf. Es gibt nicht viele lebende Legenden, aber eine davon ist ganz sicher Lee Perry. Dass er neben King Tubby als Dub Creator gilt, ist unstreitig. Selbst die Erfindung des Reggae wird eigentlich ihm zugeschrieben. Auch wenn Frederick „Toots“ Hibbert diesen Ruhm gerne auf seine Person beziehen möchte, geht es bei ihm wohl eher um die Wortschöpfung „Reggae“, was nicht zu verwechseln ist. Und nicht zuletzt ist der Reggae-Gott Bob Marley, neben vielen anderen namhaften Künstlern, in Lee´s Lehre gegangen. 
Was dieser Mann in über 50 Jahren im Musikgeschäft geleistet hat, ist schier unglaublich. Seine Produktionen sind kaum zu zählen. Da kann sich wohl niemand genau festlegen. Und was für musikalische Schätze ungehört geblieben sind, weil sein Black Ark Studio 1979 in Flammen aufging, kann niemand nur ansatzweise erahnen.
Mad Professor, der Lee Perry mit den Robotiks auf der neuen Tour begleitet, ist auch nicht gerade untätig gewesen. Mit weit über 130 Albumproduktionen, ist er einer der wichtigsten Produzenten in der gegenwärtigen Dub Generation. Mindestens 10 Alben davon entstanden in Zusammenarbeit mit Lee Perry.
Im März dieses Jahres wird Lee Perry seinen 76. Geburtstag feiern, was ihn aber immer noch nicht daran hindert, jedes Jahr mit neuem Material die Reggae-Welt zu überraschen oder sogar live auf der Bühne zu stehen.
Die gegenwärtige „The Roots of the Dub Step Tour“, die nach Mad Professor´s 2011-er gleichnamigen Album benannt worden ist, hat 24 Stationen.

Mad Professor Roots of Dub Step Tour

Was am 08. Februar in der Hamburger Fabrik begann, wird nach bisherigen Angaben erst am 08. März in Frankreich enden. Dazwischen ging und geht es über drei weitere deutsche Bühnen über Holland, Frankreich, Belgien und Italien bis nach Spanien. Um Lee Perry´s Fitness und Schaffenskraft müssen wir uns also noch keine Sorgen machen. Nicht ganz unschuldig daran dürfte Lee´s Frau und Jungbrunnen Mireille sein, die ihn überall hin begleitet und ständig umsorgt. Mireille wir danken dir!

Am 09. Februar nutzten wir die Gelegenheit Station 2 der Tour anzusteuern.

Hier ein paar Eindrücke aus dem Berliner C-Club.

Niemals möchte ich einen Lee Perry Auftritt verpassen, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. Da kann auch Frost und Schneegestöber nichts dagegen ausrichten. Ausgerechnet heute holt uns doch noch der Winter so richtig ein. Mit permanent fieser Beständigkeit schneit es schon den ganzen Tag. Keine tausend Meter auf der Autobahn liegt bereits der erste LKW auf dem Dach. Wir kommen gerade noch rechtzeitig vorbei. Auch auf der Gegenseite hat es gerumpelt und eine endlose Fahrzeugkolonne gleitet an uns vorüber. Das können wir auf unserer Seite überhaupt nicht gebrauchen, denn die Zeit ist heute leider sehr knapp. Je näher wir an Berlin herankommen, bessert sich zum Glück zusehends das Wetter und auch die Autobahn. Berlin ist offenbar weitestgehend vom Schneegestöber verschont geblieben. Trotzdem ist es inzwischen ein ganzes Stück nach 21:00 Uhr geworden, als wir am C-Club eintreffen. Nach draußen klingen schon gewaltige Bässe und Dub-Effekte. Die Vorband The Dynamics ist demnach sicher schon Geschichte.
Der C-Club ist mal wieder richtig voll. Zirka 700 Leute sind angereist, wie wir später erfahren, um Lee Perry zu sehen. Und sie stehen wie eine Wand. Es ist kaum ein Durchkommen bis zum Fotograben. Irgendwann gelingt es schließlich doch zum Glück, sonst hätte es diesen Bericht nicht geben können. Aber welches Mauerglied weiß das schon.
The Robotiks spielen gerade noch 3-4 „Roots of the Dub Step“ mit Mad Professor´s genialer Unterstützung. Sein Mischpult können wir nur irgendwo oben in den Massen erahnen. Dann wird auch schon Lee Perry angekündigt. Viel später hätten wir nicht kommen dürfen.

The Robotiks The Robotiks

The Robotiks The Robotiks

The Robotiks

The Robotiks The Robotiks

Während Lee Perry bereits hinter der Bühne die ersten Worte zu „Introducing Myself“ (von „Battle of Armagideon“) nuschelt, steigt vor der Bühne die Anspannung, welches schillernde Outfit er sich wohl dieses Mal ausgedacht hat. Dann ist es endlich so weit. Unter den strahlenden Augen und Jubel seiner Fans, schreitet Lee Perry majestätisch mit der Setlist in der Hand in Richtung Bühnenkante.

Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Heute trägt er eine braune Jacke, die damastartige Muster erkennen lässt und natürlich mit einer Reihe von ergänzenden Aufnähern bestückt ist, die Selassie und den Lion of Judah zeigen. Auf dem Kopf trägt er ein buntes „Space-Cap“, welches mit allerlei Zierrat beklebt und mit einem funkelnden Kristall bekrönt ist. Haare und Bart sind wieder im schrillen Rot eingefärbt. Jede Menge glitzernde Ketten, Ohrringe, Armbänder und an jedem Finger ein Ring (außer am Daumen), dürfen natürlich auch nicht fehlen. Auf seinem farbenfrohen rot-gelb farbigen Shirt, ist eine riesige Handgranate mit Flügeln abgebildet. Weiterhin trägt er so etwas wie eine schwarz glänzende Lederhose, deren Gürtel von einer Spiderman-Schnalle zusammengehalten wird. Ja und für die Erdung sorgen wie immer seine eigens angefertigten bunten Schuhe, die mit dem Space-Cap um die beste Verzierung wetteifern. Das ist natürlich noch nicht alles. Lee Perry Kenner wissen, dass auch sein Mikro stets ein wandelnder und funkelnder Juwelierladen ist, so dass man das Mikro selbst kaum noch erkennt. Als besonderen Clou hat er dieses Mal einen Rundspiegel mit daran befestigt, von dem das Scheinwerferlicht wie Laserlights in die Umgebung abstrahlt. Das führt dazu, dass man sich manchmal selbst im Rampenlicht wiederfindet, wenn man sich in Lees´ Spiegelstrahl befindet. Einen bunten Rollkoffer hat er dieses Mal nicht dabei, sondern nur eine schlichte braune Umhängetasche, die er dann irgendwo auf der Bühne verstaut. Ich glaube, es ist fast die Regel, dass Lee Perry irgendein Gepäckstück mit auf die Bühne bringt.

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Weiter geht es mit „Secret Laboratory“ (von „From the Secret Laboratory“), gefolgt von „Jungle Safari“ (von „Black Ark Experryments“) und „I Am A Godman“. Manchmal ist es etwas schwierig die Stücke gleich zu erkennen, zumal Lee ja öfter neue Abwandlungen einfließen lässt, die man vielleicht so noch nicht gehört hat. Mit „War Ina Babylon“ (u. A. von „Reggae Greats“ mit Max Romeo) passt dann aber alles. Die Band läuft zur Höchstform auf, und für den Wiedererkennungswert bei der Massive gibt es natürlich jetzt keinen Zweifel mehr.

Lee Perry Lee Perry

Columbia Club

Columbia Club

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Der Bassist hat inzwischen seine Schuhe abgelegt, was mir noch gar nicht aufgefallen war. Lee Perry zieht eben alle Aufmerksamkeit auf sich. Heute zeigt er sich sogar von einer sportlichen Seite und wirft sein Bein mehrfach in die Höhe, um dann mit seiner Hand nach dem Schuh zu greifen. Ob ich das mit 75 auch noch hinbekomme?
Von irgendwoher kommt ein brennender Spliff auf die Bühne geflogen, was ich auch erst merke als sich Lee Perry zielstrebig an einer der Boxen zu schaffen macht und das Kraut kurz seiner Bestimmung zuführt. Er bläst ein paar Wolken in den Bühnenhimmel und reicht das Tütchen an den Bassisten weiter.

Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Mit „Dub Those Crazy Baldheads“ (von „Mystic Warrior“) ist für mich der geniale Höhepunkt der Show erreicht. Mit Mad Professor zusammen ist dieses Stück kaum zu überbieten. Schade nur, das Mad Professor an seinem Mischpult in der Finsternis des Saales kaum irgendjemand zu Gesicht bekommt. Aber sein Wirken ist allgegenwärtig und nicht zu überhören. Mit „Have Some Mercy“ (von „Reggae Greats“ als „To Be A Lover“ mit George Faith) gleiten wir weiter auf dem Höhepunkt unter dem Jubel der Massen dahin.



Live Video: War Ina Babylon + Chase The Crazy Balsheady + ... + Papa Was A Rolling Stone

Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Als nächstes folgen unter Anderem „Police And Thieves“ (von „Reggae Greats“ mit Junior Murvin), „Come Go With Lee“ (von „Dubfire“), „Roast Fish & Cornbread“ (u. A. auf „Reggae Greats“) und „Bucky Skank“ (von „The Wonderman Years“). Irgendwo dazwischen oder danach gibt´s Lee Perry´s ersten Abgang, der mit dem Fingerzeig auf Lee´s Umhängetasche vom eigens mitgebrachten Moderator angewiesen wird. Ohne Zugabe gibt´s für Lee Perry natürlich noch keinen Feierabend. Mit „Papa Was A Rolling Stone“, keine Ahnung auf welchem seiner Alben das versteckt ist, geht es dann in die unwiderruflich letzte Runde.



Live Video: Curly Locks

„Curly Locks“ (von „Arkology“), ein Stück zum träumen, ist dann Lee´s wunderschönes Abschiedslied. „Schubidubidu …“, Lee winkt und entschwindet langsam mit seiner Umhängetasche von der Bildfläche.

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry

Lee „Scratch“ Perry feat. Mad Professor und The Robotiks haben uns nicht enttäuscht. Es hat sich wieder einmal total gelohnt. Ich habe schon so einige Lee Perry Shows gesehen, aber keine gleicht der anderen, sofern man nicht innerhalb einer Tour zweimal dabei ist. Was Lee Perry letztendlich in seine Show einbaut ist aufgrund seines riesigen Hitkataloges schwer vorhersehbar und hängt von seinen unterschiedlichen Partnern ab. Heute ging es logischer Weise viel in Richtung Mad Professor.
Ich freue mich schon jetzt auf das Programm im neuen Jahr, bei dem ich ganz sicher auch nicht fehlen werde.

Backstage dann wie immer das Gleiche. Niemand hat einen Stift oder eine Autogrammvorlage dabei. Kaum habe ich meinen Stift gezückt, um wieder einmal eine Auswahl meiner Lee Perry Alben abzeichnen zu lassen, wird er mir schon aus der Hand gerissen. Auch ein zweiter Stift wird völlig unverfroren und ohne Achtung diesmal gar dem Professor aus der Hand gezogen, als der noch dabei ist meine Albumcover abzuzeichnen. Aber irgendwann ist zum Glück der erste Trubel vorüber, die ersten Gäste sind befriedigt und verabschieden sich. Für Lee Perry haben wir ein paar Poster von früheren Aufnahmen mitgebracht, da er schon manchmal unsere Bilder lieber haben als unterzeichnen wollte. Er scheint verblüfft darüber zu sein, dass ihm jemand ein Geschenk mitgebracht hat und verstaut die Bilder dankend in seiner Umhängetasche.

Mad Professor Lee & Mad Professor

Lee Perry Lee Perry

Lee Perry Lee Perry

Dann geht es an die Albumcoversammlung. Professor und die anderen schauen zu. Wieder ist es eine ganze Menge, obwohl ich die schon im Laufe der Jahre aufgeteilt habe. Alles auf einmal wäre schwer machbar, zumal Mireille schon wieder auf den Aufbruch drängt. Lee nimmt sich aber Zeit und steckt die Cover immer wieder um. Irgendwie hat er sein System in welcher Reihenfolge er sein LSP vergibt. Das gemeinsame Album mit Bunny Lee erhält eine extra Behandlung. Bunny wird kurzerhand durchgestrichen. Ich muss noch Tage danach darüber schmunzeln. Gerne hätte ich gewusst was wohl der Anlass dafür war. Ob daran eine der Episoden Schuld ist, die im letzten RIDDIM Magazin 02/12 über Bunny Lee berichtet werden. Wir wissen es nicht.

Lee Perry Lee Perry & Mad Professor

Mireille, Lee Perry & Mad Professor

Lee Perry & Mad Profesor Lee Perry & Bunny Lee

Lee Perry

Als Lee dann endlich aufbricht, kommt er extra noch einmal zu uns und umarmt uns herzlich. Wir sind gerührt und geehrt. Das hat er bei niemand gemacht.

Bevor wir uns ebenfalls auf den Weg machen, wird auch noch einmal die Band aufgesucht. Die Musiker kommen meistens immer viel zu kurz. Oft sind es nur die Sänger die alle Aufmerksamkeit auf sich vereinen, und über die berichtet wird. Als wäre es verhext, gibt nun auch noch mein Blitzlicht den Geist auf, was meine Bandmitgliedervorstellung gewaltig ausbremst. Wir tauschen noch schnell die Kontakte aus und wollen das Weitere per E-Mail erledigen.

The Robotiks

The Robotiks The Robotiks

Leider kann ich bis zum heutigen Tage nun doch noch nichts zur Band berichten, weil die Band noch keine Zeit gefunden hat meine Fragen zu beantworten. Aber der Wille war und ist vorhanden.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Trinity Music, Revelation Concerts und natürlich an die Artists des Abends.

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