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THE CONGOS & PURA VIDA & HOLLIE COOK
27.07.2019 - WASSERMUSIK - BLACK ATLANTIC - HKW BERLIN

Wassermusik - Black Atlantic Revisted - HKW Berlin Flyer
Im Rahmen des diesjährigen Wassermusik Festivals "Black Atlantic - Revisted", im "Haus der Kulturen der Welt" von Berlin (kurz HKW oder im Volksmund "Schwangere Auster"), traten einige Künstler auf, die auch für Reggae-Liebhaber von besonderem Interesse waren. So haben auch wir uns wieder einmal auf den Weg gemacht, diese außergewöhnliche und unter Denkmalschutz stehende Location zu besuchen. Neben Hollie Cook waren es natürlich die Congos & Pura Vida, die uns am letzten Tag des Festivals nach Berlin zogen. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne dem am selben Tage statt findenden CSD gemacht. Die im Internet ausgewiesene Marschroute nebst Kundgebungsgelände war längst nicht alles.
Rein vorsorglich hatte man über diese Bereiche hinaus, weiträumig die Straßen abgesperrt, was unsere gewohnte Fahrtroute mit betraf und so trotz unserer Vorrecherche im Internet für etwas Verwirrung sorgte. Wer nur nach Kopf und Karte und ohne Navi fährt, kann da ganz schnell im Nirgendwo landen. Letztendlich hat uns aber dennoch unser Richtungsgefühl an den gewünschten und einzig freien Parkplatz geführt, den wir Dank des freundlichen Vorparkers gleich mit Parkschein übernehmen konnten. Aus allen Richtungen dröhnte Musik, die uns fast in die falsche Richtung hat laufen lassen. Vorbei an zahlreichen bunt gekleideten und überschminkten CSD Teilnehmern, bei denen man Schwierigkeiten hat sie irgendeinem Geschlecht zuzuordnen, legen wir die letzten Meter zu Fuß zurück. Mürrische Polizisten in Gruppen überall. Wassermusik - Black Atlantic Revisted - HKW Berlin Flyer - Backside

Man traut sich kaum an denen vorbeizulaufen, da sie so auf dem Fußweg und der Straße postiert sind, dass man denkt dort geht´s nicht weiter. Nur widerwillig beantworten sie meine Frage nach dem richtigen Weg und wissen selbst nicht wo sie sich befinden, aber da sind wir zum Glück schon fast am Ziel und müssen uns förmlich durch die uniformierten Freunde und Helfer drängeln. Die gehen einfach nicht zur Seite.

Wassermusik Festival 2019 - Programm

Doch kommen wir nun zum Event selbst. Zu Name und Inhalt der Veranstaltungsreihe schreibt Detlef Diederichsen (Kurator im HKW / Bereichsleiter für Musik, Tanz und Theater) in der Festivalbroschüre wie folgt:
1993 veröffentlichte Paul Gilroy das Buch "The Black Atlantic - Modernity and Double Consciousness". Er beschreibt darin eine afrodiasporische "Gegenkultur der Moderne", die laut Klappentext "nicht spezifisch afrikanisch, amerikanisch, karibisch oder europäisch ist, sondern all dies zusammen". Musik spielt hier eine herausragende Rolle. 2004 setzte sich das HKW zum ersten Mal mit dem Black Atlantic auseinander. Rund 15 Jahre später (und 25 Jahre nach der Veröffentlichung) nimmt die Wassermusik Gilroys Thesen erneut auf - mit Fokus auf dem atlantischen Süden: Künstler*innen aus Brasilien (Gilberto Gil, Milton Nascimento), Kolumbien (Louis Towers), Südafrika (B.C.U.C.), Kap Verde (Mario Lucio & Simentera) und transatlantische Musikprojekte wie die Maravillas de Mali oder Angélique Kidjos Celia-Cruz-Programm illustrieren ihre Relevanz über die nördliche Halbkugel hinaus. Das Filmprogramm schärft das Bild mit Spiel- und Dokumentarfilmen über Capoeira, die "Afrobeats of Cuba" und den antikolonialen Kampf des Dichters und Wissenschaftlers Amilcar Cabral. Dazu kommt die vom Goethe-Institut initiierte Konferenz "Echoes of the South Atlantic" mit Keynotes von Achille Mbembe und Paul Gilroy persönlich.
Der Inhalt des heutigen Tages mit einer Legende wie den Congos und damit einer der wichtigsten Punkte des Festivals, findet sich darin zwar nicht wieder, aber das es ihn gibt, ist die Hauptsache. Und wie sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss!

Haus der Kulturen der Welt - Berlin

Soweit zur Einleitung. Steigen wir nun live in das Festival ein. Bei schönem Wetter soll das Konzert auf der Dachterrasse und nicht in einem der Konzertsäle stattfinden. Das ist sehr gut, denn heute haben wir bestes Wetter. So kann sich das Publikum gut verteilen, ganz entspannt nebenbei an den Getränkeständen bedienen oder sich am Merchandise umsehen. Das Bühnengeschehen kann ohne Gedränge aus jeder gewünschten Entfernung eingesehen werden.

Für 19:00 Uhr ist Hollie Cook angekündigt. Sie kommt damit erst zum zweiten Mal nach Berlin. Das erste Mal war sie im Cassiopiea in 2015 und trat dort mit General Roots als Backing Band auf. Wir hatten darüber ausführlich berichtet. Zweiter Programmpunkt waren damals die Skints. Ja und einer davon steht heute mit auf der Bühne und unterstützt Hollie Cook als Soundsystem. Es ist Joshua "Josh" Waters Rudge, der bei den Skints als Sänger und Gitarrist mit seiner markanten Stimme bei jederman Erinnerungen weckt. Da bekommt man glatt wieder Lust auf die Skints. Hollie Cook - Vessel Of Love - Album 2018

Josh Waters Rudge

Josh Waters Rudge

Auch wenn sein T-Shirt von Dodgers nichts mit seinem Namen zu tun hat, weckt es doch gewisse Assoziationen in dieser Richtung. Zumindest kann ich mich dadurch gleich viel schneller an diesen erinnern. Und wenn wir schon einmal ein Bandmitglied der Skints in der Mache haben, müssen wir natürlich auch an deren aktuelles Album "Swimming Lessons" erinnern, welches erst am 10. Mai erschienen ist.
Nachdem sich Josh eine Zeit lang im Vorspiel mit seiner Technik vertraut gemacht hat, kann schließlich Hollie Cook auf die Bühne gerufen werden.
Als die britische Sängerin schließlich erscheint, sind wir ein wenig überrascht. Auf der Straße hätten wir sie wahrscheinlich nicht erkannt. Es ist nichts mehr zu sehen von ihrer einstigen Lockenfülle. Stattdessen hat sich offenbar jemand viel Arbeit gemacht und die Haare zu kleinen Gnubbeln verarbeitet, die mich irgendwie an Lockenwickler erinnern. Man sagt ja immer "eine schöne Frau entstellt nichts", aber irgendwie muss ich mir den Spruch in diesem Fall wohl noch einmal überdenken. ;-)

Hollie Cook & Josh Waters

Hollie Cook Hollie Cook

Hollie Cook



Live Video: Hollie Cook - 1/3 - Desdemona (Vom Album "Twice")

Die inzwischen 9 Jahre lang auf Solopfaden wandelnde Sängerin, hat schon drei Studioalben, sowie ein Dub und ein Live Album vorgelegt und beeindruckt mit einer ganz eigenen Version von Reggae, die sie als Tropical-Pop bezeichnet und in Fortsetzung der Tradition des britischen Lovers Rock sieht. Ihr aktuelles 2018er Album "Vessel Of Love", ist wie seine Vorgänger bei den Fans sehr gut angekommen und hat es bei den Global Reggae Charts im März und April 2018 immerhin bis auf Platz 6 der  TOP 20 - Album Charts geschafft. Ich glaube das sagt genug.

Hollie Cook - HKW Berlin

Hollie Cook - HKW Berlin

Hollie Cook - HKW Berlin Josh Waters Rudge - HKW Berlin

Hollie Cook & Josh Waters Rudge - HKW Berlin



Live Video: Hollie Cook - 2/3 - Survive + Turn It Around (Beide vom Album "Vessel Of Love")

Auch wenn ihr vorjähriges Album "Vessel Of Love" verständlicher Weise ein wenig den Vorzug in der Show genießt, wirkt das keineswegs so, als müsse man unbedingt einige Songs promoten und live austesten. Auch ihr neues Album ist durchweg einfach nur schön und entspannt anzuhören, ... mal ganz einfach ausgedrückt ohne in für die Allgemeinheit unverständliches Fachchinesisch abzudriften. Das Programm ist ausgewogen und stößt mit vielen eingängigen Songs auf ein Echo in der Massive. Und wer sich noch nicht näher mit Hollie Cook befasst hat und heute dennoch vor Ort ist, wird sich bestimmt über das eine oder andere Album näher informieren. Schade nur, dass am Merchandise weder von Hollie Cook noch von den Congos oder von Pura Vida irgendeine Scheibe erhältlich ist.

Hollie Cook - HKW Berlin

Hollie Cook - HKW Berlin



Live Video: Hollie Cook - 3/3 - Angel Fire + Stay Alive (Beide vom Album "Vessel Of LOve")

Mehr zu Hollie Cook inklusive weiterer Videos, sowie ihrer Biografie, die wir an dieser Stelle nicht noch einmal aufwärmen möchten, findet ihr im Concert Review vom 04.04.2015 auf dieser Seite.
Zeit ein warmes Bier zu holen, ... um die nachfolgende Umbaupause etwas zu überbrücken. ;-)

Der nächste Act wird von Puraman und seinen Mannen bestritten, die sich Pura Vida nennen. Bregt "Braitthe" De Boever, alias Puraman, Multiinstrumentalist und Produzent, ist der Gründer der Band und dem dahinter stehendem Lost Ark Studio. Das Ergebnis ist konsequenter Roots Reggae und Dub, im Stil der 70er Jahre, teilweise beeinflusst von Blues, Ska und Soul. 2010 ruft Puraman zusammen mit seinem Bruder Maarten "Rosa" De Boever das Label "Lost Ark Music" ins Leben. Nachfolgende Veröffentlichungen mit den Congos, Lee Perry oder Jah9 suchen seinesgleichen. The Congos & Pura Vida - Album 2018

Puraman

Pura Vida - Xanjah Pura Vida - Boris "Bobo" Perck

Pura Vida - Puraman Pura Vida - Puraman

Pura Vida - Xanjah

Wer den Sound von Lee Perry´s "Black Ark" kennt und sich dann diverse Aufnahmen von Pura Vida anhört, wird sofort erkennen, warum Puraman sein Studio "Lost Ark" genannt hat. Es ist einfach unglaublich wie es Puraman und Pura Vida schaffen, diesen Sound nachzuempfinden. Dies natürlich auch bei vielen ihrer eigenen Aufnahmen und nicht nur bei denen mit Congo Ashanti Roy, den gesamten Congos und natürlich mit Lee Perry. Seit Lee "Scratch" Perry das Lost Ark Studio betreten hat, nennen Pura Vida ihr Studio nunmehr "Last Ark". "The ark that was lost is found, since Perry was in the studio.", sagen sie dazu. Wer die Geschichte mit Lee Perry kennt, weiß dass sein Black Ark Studio in Jamaica schon 1979 abgebrannt ist und darüber hinaus vermutet wird, er habe selbst das Feuer gelegt.

Nach der Eröffnung von Pura Vida und zwei Songs die von Puraman präsentiert werden, ist schließlich die Zeit der Congos gekommen, die zum "Congoman" einer nach dem anderen auf die Bühne kommen.

The Congos & Pura Vida - HKW Berlin

Ashanti Roy Kenroy Fyffe

The Congos

Cedric Myton Watty Burnett



Live Video: The Congos & Pura Vida - 1/7 - Congoman

Das neueste Album der Congos ist vom vorigen Jahr, heißt "Morning Star" und ist eine Zusammenarbeit mit Pura Vida. Ganz klar, dass es dann auch auf Lost Ark Music veröffentlicht worden ist. Das Cover wurde, wie von vielen Pura Vida Alben gewohnt, von Puraman gemalt, der neben seinen musikalischen Talenten auch noch ein guter Maler ist. Das Album ist mit 10 Songs bestückt, in denen sowohl die Congos als auch Puraman zu Wort kommen. Bemerkenswert ist immer wieder wie gut sich die Stimme von Puraman in das Gesamtkonzept einfügt, so dass man es manchmal gar nicht merkt, wer eigentlich singt.

Ashanti Roy

Kenroy Fyffe

Puraman Cedric Myton

The Congos



Live Video: The Congos & Pura Vida - 2/7 - Ten Million Chariots

Das Cover von "Morning Star" stand auch Pate für das diesjährige Tourposter. Sehr schade, dass darauf keines der hiesigen Reggae Festivals zu finden ist. Wir finden Pura Vida wird hierzulande ein wenig vernachlässigt, was umso unverständlicher ist, weil die Band von Belgien kommt und die Congos nebst Lee Perry und vielen anderen im Last Ark Studio nahezu jährlich ein- und ausgehen. Wenigstens hat es dieses Jahr nach dem  Ostroda Reggae Festival in Polen geklappt. Schöne T-Shirts übrigens, die das Festival ausgereicht hat. Zu sehen bei Cedric Myton und Xanjah dem Drummer.

The Congos & Pura Vida - Tour 2019

Puraman

Kenroy Fyffe

Cedric Myton

Puraman Ashanti Roy

The Congos & Pura Vida - HKW Berlin



Live Video: The Congos & Pura Vida - 3/7 - Teach Dem

Die Tage dazwischen und um die Tour herum, hat man fleißig im Last Ark Studio gearbeitet und bereits einige neue Songs im Kasten, die nach aktueller Planung von Lost Ark Music in nächster Zeit auf einer neuen gemeinsamen Platte von The Congos & Pura Vida veröffentlicht werden sollen. Darüber hinaus wird es in 2020 wieder eine Neuauflage der Tour mit den Congos geben. Also liebe Veranstalter, dies ist die Gelegenheit schon jetzt euer Interesse anzumelden! Ganz besonders freut uns auch, dass mit dem unermüdlichen Altmeister Lee "Scratch" Perry ebenfalls ein neues Album in der Planung ist. Wenn alles klappt und Lee Perry weiterhin bei guter Verfassung bleibt, er wird nächstes Jahr immerhin schon 84 Jahre, werden Pura Vida auch mit ihm auf Tour gehen. Am Ende dieses Jahres steht auch noch ein Projekt mit der brasilianischen Sängerin Alessandra de Queiroz im Kalender der Band.

Ashanti Roy

Watty Burnett

Ashanti Roy & Puraman

Cedric Myton Cedric Myton

Ashanti Roy & Puraman



Live Video: The Congos & Pura Vida - 4/7 - Open The Gate + La La Bam Bam

Wie eben gehört, kommt heute jeder auch einzeln zu Wort, auch mit Soloaufnahmen wie Watty Burnett mit seiner Single "Open The Gate", die er schon 1977 mit Lee Perry bei Black Ark veröffentlicht hatte. Selbstverständlich dürfen auch Stücke nicht fehlen, die zusammen mit Pura Vida entstanden sind. Das sind zum Beispiel Songs wie "Teach Dem" von "Morning Star" oder "We Nah Give Up" vom ersten gemeinsamen und gleichnamigen Album aus dem Jahr 2011. Cedric Myton und Ashanti Roy mit den ansonsten meistgehörten Solos sowieso. Insgesamt ein schöner Mix aus der Schatulle von den Congos und Pura Vida, der wenn es nach den Fans gehen würde, noch erheblich ausgebaut werden könnte. Aber wer so lange wie die Congos in ihrer Bandgeschichte schon auf der Bühne stehen, kann eben nicht alle Wünsche in einer Show erfüllen.

Cedric Myton

The Congos & Pura Vida

Kenroy Fyffe Kenroy Fyffe

Ashanti Roy & Puraman



Live Video: The Congos & Pura Vida - 5/7 - Ark Of The Covenant

Die Wurzeln der Congos sind auf eine Idee von Lee "Scratch" Perry zurückzuführen. Dieser wollte nämlich in 1975 ein Roots Reggae Album aufnehmen, auf dem gleichzeitig Falsett-, Tenor- und Baritonstimmen zu hören sind. Mit Cedric "Congo" Myton und Roydel "Ashanti" Johnson a.k.a. Ashanti Roy, die zuvor bei der 1967 gegründeten Rocksteady Gruppe "The Tartans" und anderen mit ihrem Harmonie-Gesang im Einsatz waren, hatte er schon einmal Falsett und Tenor gefunden. Watty "King" Burnett, der schon längere Zeit in Lee Perry´s "Black Ark Studio" war, machte schließlich das Trio mit seinem Bariton komplett. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Congos.
1977 produzierten sie schließlich unter der Regie von Lee Perry und dem Einsatz von erlesenen Musikern wie Sly Dunbar, Geoffrey Chung, Robert Johnson, Boris Gardiner, Ernest Ranglin, Winston Wright, Keith Stewart und anderen, das legendäre Debutalbum "Heart Of The Congos". Es wurde ein Meisterstück und gilt als eine der besten Roots Reggae Produktionen von Lee Perry, mit dem unverwechselbaren Sound seines Black Ark Studios. Diesen Sound hat sich auch Pura Vida mit ihrem Lost oder Last Ark Studio auf die Fahne geschrieben, was logischer Weise auch die beständige Zusammenarbeit mit Lee Perry und den Congos erklärt.

Ashanti Roy & Puraman

Watty Burnett & Puraman

Watty Burnett & Puraman

Kenroy Fyffe

Aber setzen wir die bekannte Biografie der Congos an dieser Stelle erst einmal fort.
Ursprünglich sollte das Album bei Island Records veröffentlicht werden, wo auch schon Lee Perry´s Produktionen mit Max Romeo ("War Ina Babylon" - 1976) und Junior Murvin ("Police & Thieves" - 1977) zum Erfolg wurden. Leider hatte Lee Perry gerade ein paar Auseinandersetzungen mit "Island Records", was ihn veranlasste "Heart Of The Congos" auf seinem eigenen Black Ark Label zu veröffentlichen. In der Folge blieben die Verkaufszahlen weit unter den Erwartungen zurück, was wiederum zum Streit zwischen der Band und Lee Perry führte. Sie verließen das Black Ark Studio, gingen eigene Wege und veröffentlichten unter anderem 1980 das Album noch einmal beim englischen Label "Go-Feet Records". Bald darauf löste sich die Band leider auf, nachdem Watty Burnett zuerst die Gruppe verließ und Roydel Johnson als Ashanti Roy eine Solokarriere verfolgte. Cedric trat noch einige Jahre unter dem Namen Cedric Myton & The Congos mit den verschiedensten Musikern in Erscheinung und nahm weiterhin Songs auf.

Watty Burnett

Watty Burnett Puraman

Kenroy Fyffe

1996 kam es schließlich zur Wiedervereinigung der Band. Seitdem haben sie eine Reihe von weiteren Alben aufgenommen und gehen nach wie vor auf Tour. Unter anderem arbeiteten sie auch gemeinsam mit Don Carlos an Groundations 2002er beeindruckenden Album "Hebron Gate" mit. Im Jahr 2006 veröffentlichte das britische Label "Blood & Fire" das Doppelalbum "The Congos & Friends - Fisherman Style" mit einer Remixed-Version des Klassikers "Fisherman" von "Heart Of The Congos", sowie Versionen von Legenden wie Horace Andy, Big Youth, Dillinger, Prince Jazzbo, Luciano, Freddie McGregor, Gregory Isaacs, Max Romeo, Mykal Rose, Dean Fraser, Sugar Minott, U-Roy und anderen. Mit dabei auch wieder Musiker der ersten Stunde wie Geoffrey Chung, Robert Johnson, Winston Wright und natürlich Lee Perry. Die Berliner Soundtüftler von "Rhythm & Sound" (See Mi Yah) hatten ebenfalls ihre Finger mit im Spiel und waren für Mixing und Mastering verantwortlich.
2006 war auch das Jahr als die Congos zu ihrer vierten Stimme kamen. Kenroy "Talash" Fyffe kam von Cornel Campbell & The Eternals zu den Congos und macht seitdem das Trio zum Quartett. Er ist der Vater von Janice Fyffe a.k.a. Lady G.
Weiterhin besonders herausragend ist das 2009er Album "Back In The Black Ark". Trotz seines Titels und der Mitwirkung von Lee Perry, wurde das Album aber in Cedric Myton´s Studio in Portmore und im Mixing Lab Studio von Kingston aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war ja das originale Kingstoner Black Ark Studio auch längst abgebrannt.
Und so kommen wir schließlich bei Pura Vida an, die mit den Congos im Jahr 2011 das beeindruckende Album "We Nah Give Up",  in ihrem "Lost Ark Studio" aufgenommen haben. Und ganz nebenbei hat Ashanti Roy noch einige Soloprojekte mit Pura Vida am Start, wie das 2012er "Hard Road" und das 2014er "Step By Step". 2018 folgte schließlich der zweite Longplayer von The Congos & Pura Vida mit dem Titel "Morning Star". Und wie weiter oben schon angekündigt, ist die dritte gemeinsame Scheibe schon in Arbeit.

Ashanti Roy

Kenroy Fyffe

Ashanti Roy, Watty Burnett, Puraman

Ashanti Roy, Watty Burnett, Puraman

Ashanti Roy, Watty Burnett, Puraman



Live Video: The Congos & Pura Vida - 6/7 - Lost Sheep

Mit "Lost Sheep" vom 2006er "Swinging Bridge" Album, nähern wir uns schon dem Ende der heutigen Show. Ein geniales Stück und außerordentlich perfekt von Pura Vida eingespielt, spannt den Bogen weiter in Richtung "Fisherman", der selbstverständlich bei keinem Auftritt der Congos fehlen darf und sicher neue und nachwachsende Fans abfischen dürfte. 42 Jahre ist nun dieser Song schon alt und begeistert nach wie vor die Fans rund um den rot-gelb-grünen Planeten. Mit den Pull-ups sollte man aber trotzdem nicht übertreiben. Einmal ist natürlich gut und wäre auch ausreichend. Dann lieber die Zeit für weitere Songs nutzen, ... und die gibt es zur Genüge. ;-)

Kenroy Fyffe & Boris Perck

Ashanti Roy

Cedric Myton

Watty Burnett



Live Video: The Congos & Pura Vida - 7/7 - Fisherman + Rivers Of Babylon + Swinging Bridge

Leider ist nun schon die Setlist inklusive Zugaben abgearbeitet und Künstler wie die Congos sollte man in ihrem Alter ja auch nicht überstrapazieren. Trotzdem gibt das Publikum natürlich keine Ruhe und zollt der Band lang anhaltenden Respekt. Das wäre eigentlich die Gelegenheit noch ein paar Songs von Pura Vida nachzuschieben, damit sie nicht nur als Backing Band wahrgenommen werden. Da fallen mir geniale Songs wie "Life Can Be Hard" von "Morning Star", "Jah Make Yah" von "Red Hot" oder natürlich "Jah Nah Sleep" von "Seasons Of Life" ein. Ein striktes Curfew vom Veranstalter wird ja hoffentlich nicht vorgegeben sein. Immerhin ist vom CSD auch noch genug Lärm zu vernehmen.
Aber das hätte sich dann mit dem nachfolgenden Filmstart des 2007er "Made in Jamaica" überschnitten, was man vermutlich vermeiden wollte.

Made In Jamaica - Movie Made In Jamaica - Movie

Made in Jamaica - Film - USA / Frankreich 2007 - Zwei verschiedene DVD-Cover

Wir haben allerdings noch eine Verabredung mit den Congos & Pura Vida im Backstage, in dem nach und nach alle Künstler eintrudeln. Auf dem Weg dorthin ist natürlich der eine oder andere ungeplante Fotostopp angesagt.

Watty Burnett & Cedric Myton

Watty Burnett & Cedric Myton

The Congos & Pura Vida - Setlist - HKW Berlin 2019 Cedric Myton

Die Setlist des Abends weicht ein wenig vom tatsächlichen Verlauf ab. Also nicht wundern, die Reihenfolge der Videos im Review ist korrekt. Wir haben nur nicht alles aufgenommen.

Im Backstage müssen wir noch ein wenig warten, bis die Band für uns Zeit hat. Allerdings haben wir die Rechnung ohne den übereifrigen Moderator der Show gemacht, der uns trotz der Einladung der Band aus dem Backstage wirft. Er hat auch keine Lust die Sache zu überprüfen und verbietet schon im Voraus die mit der Band geplanten Fotos. "Im Backstage sind generell keine Fotos erlaubt. Da könnt ihr sonstwo mit der Band hingehen aber hier geht das nicht. Es sei denn ihr habt eine Genehmigung von der Pressestelle des Hauses.", so seine Ansage. Na so etwas, da haben wir aber schon viele verbotene Fotos von früheren Veranstaltungen. ;-) Also warten wir erst einmal draußen. Wer beantragt schon eine zweite Genehmigung wenn er schon die von den Künstlern und vom Label hat? Das wäre ja "Gürtel mit Hosenträgern"! Aber was will man da schon machen. Also schauen wir während wir warten den Film an, der auch im Foyer vor dem Backstage läuft. Allerdings haben wir von dort die Situation nicht mehr im Blick und Xanjah der Tourmanager kann auch nicht allein alle Künstler zusammenhalten und schon gar nicht zu einem Fototermin nach draußen bringen. Irgendwann ist zum Glück unsere Terminbremse aus dem Backstage verschwunden und Xanjah bringt uns wieder nach drinnen. Leider kann er Ashanti Roy und Puraman trotz aller Mühen nicht mehr finden. Sie sind inzwischen ins Hotel gegangen. Also nicht wundern wenn zwei der Hauptdarsteller auf dem Foto fehlen.

The Congos & Pura Vida

The Congos & Pura Vida

Hoffen wir, dass beim nächsten Mal alle Künstler auf dem Bild sind und nicht wieder irgendjemand dazwischen funkt. ;-)

Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal auf dieser Seite.

Copyright: www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim

Mein Dank geht an Maarten De Boever, Tourmanager Xan "Xanjah" Albrecht und natürlich ganz besonders an die Künstler des Abends.

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