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CAPLETON & THE PROPHECY BAND

16.08.2013 - Bi Nuu Berlin

Capleton Poster
The Fireman in Berlin! Das war doch wieder einmal eine gute Nachricht, zumindest für die Reggae Fans. Andere wiederum werden innerlich aufgeschrien und befürchtet haben, dass Capleton brandschatzend durch die Hauptstadt zieht.

Nur knapp 4 Wochen Vorbereitungszeit lagen vor dem Konzert. Besonders bezüglich der Homophobie-Debatte hatte man sich ja neben einigen anderen Artists auch auf Capleton eingeschossen und in Vergangenheit landesweit versucht seine Auftritte zu verhindern. Und dies obwohl Capleton bereits 2007 den Reggae Compassionate Act unterzeichnet hatte.
In einem zusätzlichen Statement in 2010, räumte er für Fans und Kritiker erneut mit Missverständnissen auf, indem er betont: „I am rigidly and devoutly opposed to violence and hatred of any kind.“ Das ist ein klares Statement ohne Zweideutigkeiten. Es zeigt Capletons Standpunkt deutlich an: Gegen Babylon, gegen Gewalt, und gegen Hass – von welcher Seite er auch kommen möge. Leider interessierte dies die meisten der hiesigen Gegner recht wenig, und es wurden immer wieder neue Debatten vom Zaun getreten. Dieses Mal blieb es jedoch verdächtig ruhig. Abgesehen von ganz wenigen Plakatschmierereien von ewig Gestrigen und ein paar Warnanrufen beim Veranstalter, gab es bis zuletzt keinerlei Anti-Capleton Aktionen. „Böse Zungen“ behaupten sogar, es ist ruhig geblieben, weil das gegnerische Lager ihren prominenten Führer aus der Politik verloren hat. Immerhin hatte dieser mit seiner Partei plötzlich eigene Probleme und sah sich einer Pädophilie-Debatte ausgesetzt, die auf Standpunkte und Ereignisse früherer Jahre abzielt. Da fällt es äußerst schwer glaubhaft darzustellen, zurückliegende Sünden bei den Reggae Künstlern nicht ad acta legen zu wollen, aber die eigenen Sünden schon. Ein schwer zu lösender Widerspruch. Da ist es wirklich besser man hält sich zurück. Aber denken wir positiv. Vielleicht haben ja wirklich die Statements, Verträge und die zurückliegenden unproblematischen Auftritte der Künstler Wirkung gezeigt.

Zur Website von Capleton

Capleton alias „The Fireman“, bürgerlich Clifton George Bailey III, kam am 13.04.1967 in Islington, Saint Mary Parish von Jamaica, zur Welt. Seinen Spitznamen trägt er bereits seit Jugendjahren und hat damit später Reggaegeschichte geschrieben. Seine internationale Karriere begann im Jahr 1989, als ihn Stewart Brown, Inhaber eines in Toronto ansässigen Soundsystems namens African Star, mit nach Kanada nahm und ihn neben Ninjaman und Flourgon bei einer Show präsentierte. Am Anfang seiner Karriere dominierten Slackness und Gun Talks die Dancehall. Dies führte in den frühen 90ern zu Hits wie „Bumbo Red“, „Number One on the Look Good Chart“ oder „No Lotion Man“. Von derartigen Inhalten verabschiedete sich Capleton jedoch spätestens als er 1994 zu Rastafari konvertierte. In der darauf folgenden Zeit stand er gemeinsam mit Buju Banton und Sizzla an der Spitze des Conscious Dancehall. Mit seinem 1984er Album „Good So“ ging er den entscheidenden Schritt von Slackness zur Consciousness. Seine Predigten, die metaphorisches Feuer auf die Verderbtheit der Welt regnen lassen, trugen ihm bald den Titel „The Prophet“ ein. Inzwischen ist er mit unzähligen Hits und Albumveröffentlichungen ein Superstar des Reggae und Dancehall geworden, der weltweit mit seinen energiegeladenen Shows immer wieder ein besonderes Highlight ist.

Für den 16. August 2013 war es das Bi Nuu, ein Klub unter dem U-Bahnhof „Schlesisches Tor“, der dieses Konzerthighlight unter der Regie von Revelation Concerts und Topline Events für sich verbuchen konnte.

Das Bi Nuu, früher Kato, wurde nach dem 1982er und dritten Album der Berliner Band „Ideal“ benannt. Auch das offizielle Clublogo entspricht dem Schriftzug des Albumtitels, der ein Phantasiewort darstellt. Man muss sich also nicht den Kopf zerbrechen, was Bi Nuu eigentlich bedeutet. Der Club eröffnete im März 2012 im neuen Gewand seine Pforten, nachdem große Umbauarbeiten vorausgegangen waren. Wo sich früher vor allen Dingen die schwarze Szene im Kato getroffen hat, rocken nun im Bi Nuu Bands und Acts aller Genres. Ideal - Bi Nuu

Soweit zur Einleitung. Begeben wir uns nun in die Location, deren Eingang hinter Baugerüsten etwas schwer zu finden war und nehmen ein paar Eindrücke des Abends mit.

„No Flash!“, wünscht sich ausgerechnet The Fireman für die heutige Show. Am Einlass wird noch einmal extra darauf hingewiesen. Da hoffen wir mal auf gute Bühnenbeleuchtung, sonst wird´s vom King heute keine besonderen Bilder geben.
Drinnen ist bereits große Party angesagt, als würde Capleton der Massive schon richtig Feuer geben. Für das Warm-up sorgen heute die Jungs von City Lock und haben dafür nur die allerbesten Roots Reggae Hits ausgewählt. Und das Ganze gut gewürzt mit einer unheimlichen Anzahl von Dubplates. Da kommen sicher gut und gerne ein paar Tausender an Euronen zusammen, die zur Finanzierung dieser Schatzkiste nötig waren. In ihrer 11-jährigen Soundsystem Geschichte haben sich so einige Juwelen angesammelt.
Was heute hier abgeht, und vor allen Dingen schon vor dem Hauptact des Abends, haben wir lange nicht erlebt. Einfach unglaublich diese Partystimmung, die kaum zu übertreffen ist. Man hat den Eindruck als wären die Fans von einer erheblichen Anspannung der Ungewissheit befreit, die sicher jeden Besucher im Vorfeld belastet hat. Die Ankunft von King Shango, wie Capleton weiterhin genannt wird, kann endlich gebührend gefeiert werden. Es macht ob der guten Stimmung und der perfekten Musikauswahl von City Lock dieses Mal überhaupt nichts aus, auf den Beginn der Show zu warten.
Inzwischen ist der Saal weitestgehend ausgefüllt und zirka 600 Leute bitten um Audienz bei King Shango. Aber zuerst nimmt Capletons Prophecy Band allein Aufstellung und beginnt mit ein paar eigenen Nummern, präsentiert vom Gitarristen der Band.

The Prophecy Band The Prophecy Band

The Prophecy Band

The Prophecy Band

Bild 1 - 4: The Prophecy Band

Danach gibt es bei dem Einen oder Anderen ein klein wenig Verwirrung als Jah Thunder auf die Bühne stürmt. Immerhin war Jah Thunder gar nicht angekündigt und kann auch so manchmal für etwas Verwechslung sorgen, wenn man beide Künstler nicht genau kennt. Omar Oneil Bolt, wie Jah Thunder bürgerlich heißt, arbeitet schon seit vielen Jahren mit Capleton zusammen und steht oft vor ihm auf der Bühne. Jah Thunder ist Jahrgang 1977 und startete seine musikalische Laufbahn im Alter von 20 Jahren. Jah Thunder - Stronger Than Before

Seit dieser Zeit hat er eine Reihe von Singles und im Juni 2010 sein Album „Stronger Than Before“ als Downloadversion veröffentlicht.

Jah Thunder Jah Thunder

Jah Thunder

Jah Thunder

Jah Thunder Jah Thunder
Jah Thunder Jah Thunder

Bild 1 - 8: Jah Thunder

Dann ist es aber endlich so weit und Capleton erobert springend wie ein Gummiball die Bühne. Ohrenbetäubender Lärm der Massive unterstützt ihn dabei. Äußerst bemerkenswert und lobenswert ist, dass es trotz dieser weiter aufbrodelnden Stimmung zu keinerlei Gedränge oder Schubsereien kommt. The Fireman ist sofort mit „That Day Will Come“ bei der Sache und öffnet seinen dicken Hitkatalog.

Capleton Capleton

Capleton

Capleton Capleton



Live Video: Capleton – That Day Will Come

Sehr schade ist, dass trotz vorhandener guter Beleuchtungsanlage die Bühne überwiegend in Finsternis getaucht ist. Von der Band sieht man so gut wie gar nichts.
Zwischen den Titeln schreit sich Capleton immer wieder zu Ehren von Jah und Berlin fast die Seele aus dem Leib. Ein Wunder, dass man damit nicht die Stimme ruiniert.

Capleton Capleton

Capleton

Capleton Capleton

The Fireman bringt eine Mischung von Dancehall und Reggae auf die Bühne, zerredet aber leider viele der Stücke, so dass es selten zusammenhängende und vollständige Hits zu hören gibt. Trotzdem herrscht großartige Stimmung, die bei „Jah Jah City“ natürlich erst recht nicht nachlässt und die Massive weiterhin zum mitsingen anregt.

Capleton



Live Video: Capleton – Jah Jah City

Und wenn es schon kein Licht auf der Bühne gibt, verlangt wenigstens Capleton von der Massive „More fire inna Berlin“ und überall im Saal gehen bei „No Guns“ die Feuerzeuge an.

Capleton Capleton

Capleton



Live Video: Capleton – No Guns

Capleton



Live Video: Capleton – Stand Tall + … + …

Mit „Mama And Papa“ und „Mama“ schlägt Capleton dann ruhigere Töne an, aber im Publikum wird auch hier anfangs noch lautstark mitgesungen.



Live Video: Capleton – Mama And Papa + Mama

Danach ist das Feuer in seiner Show ein ganzes Stückchen kleiner geworden und flackert nur noch auf halber Höhe vor sich hin. Er kann die Stimmung der Massive nicht mehr so richtig halten. Besonders mitreißende Hits kommen aber auch nicht mehr, dafür leider wieder viele zerredete Dancehall Passagen.

Capleton

Als schließlich endlich wieder ein eingängiges Reggae Stück angespielt wird, verschwindet Capleton plötzlich von der Bühne und singt nur noch im Hintergrund ohne selbst sichtbar zu sein. Irgendwie kann niemand nachvollziehen was das nun soll. Irgendetwas hat ihn vielleicht verärgert. Keine Ahnung. Jedenfalls ist das nun das Ende. Eine Zugabe gibt es nicht. Der Massive ist auch der Jubel offenbar im Halse stecken geblieben, zumal die Band schon angefangen hat die Instrumente abzustöpseln. Was soll man da noch tun? So fehlt der Show leider ein richtig würdiger Abschluss und plätschert relativ geräuscharm aus.

The Prophecy Band

City Lock übernimmt wieder die Beschallung des Saales, hat aber offensichtlich den DJ ausgetauscht. Sie spielen jetzt eine völlig andere Richtung, die nicht mehr annähernd an die Partystimmung am Beginn des Abends heranreicht. Klingt nun eher wie Kehraus.

Wir begeben uns gemeinsam mit Jah Thunder, der zuvor am Eingang die maßgeblichen Interessenten zusammengeholt hat, in den Backstagebereich. Wir kommen in einen großzügig angelegten Raum im Keller unter dem Klub. Das ist sehr angenehm für alle Beteiligten. So können sich die Gäste gut verteilen und aus der Ferne die Lage beurteilen, wann King Shango bereit ist, das nächste Anliegen abzuarbeiten. Capleton ist wieder allerbester Laune. Eigentlich deutet gar nichts darauf hin, dass ihn irgendetwas verärgert haben könnte.

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Backstage zum Abschluss.

Capleton Jah Thunder
Capleton Capleton
Capleton Capleton
Riddim Nr. 17 aus 2005 Capleton

Bild 2: Jah Thunder
Bild 7: Riddim Nr. 17 aus 2005

Capleton Capleton
Capleton Capleton

Bild 1 - 4: Capleton beim Interview

Jah Thunder Jah Thunder

Bild 1 + 2: Jah Thunder



Live Video: Capleton – Jah Jah City – Jingle for reggaestory.de

Capleton

Capleton mit Frank von Topline Events - Im Hintergrund Jah Thunder

Copyright: www.reggaestory.de
Text, Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim

Mein besonderer Dank geht an Christoph von Revelation Concerts, Frank von Topline Events und natürlich an die Artists des Abends.

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