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CAMPERS HIFI FESTIVAL 2011
Openair für Beats & Bullis

09.07.2011 - Sacka

Campers HiFi Flyer 2011 „Party in der Bulli-Klinik“ lese ich so ganz unbedarft in der Tagespresse. Na ja, Autohäuser geben ja so öfters eine Party, und denke mir noch nichts dabei. Aber dann werde ich stutzig und lese doch noch weiter. Denn mitten in dem Artikel stößt mir das Wort „Reggae“ in die Augen. Es wird noch besser. Man will doch tatsächlich zwei Live Bands
auftreten lassen. „The Magic Touch“ und „Paprika Korps“ stehen mit auf dem Programm. Eingebettet ist das Ganze in ein 3-tägiges Festival mit dem Titel CAMPERS HIFI, wo sich natürlich alles um die kultigen VW-Busse, bekannt als Bullis, drehen soll.
Die Doktoren und Inhaber der Bulli-Klinik sind Jürgen Kalkschies und Stefan Grießbach. Inhaber Stefans 40. Geburtstag und 10 Jahre Bulli-Klinik, sind der Anlass, den lang gehegten Wunsch für ein eigenes kleines Festival, in die Tat umzusetzen. Moment einmal, Jürgen Kalkschies, da war doch was?! Und dann noch The Magic Touch, wo jetzt Alex Buck, ehemals Yellow Umbrella, spielt. Das sind mir zu viele der Zufälle. Ich nehme Kontakt auf. Und tatsächlich: „Ich bin es höchst selbst, Jürgen Kalkschies, Bassist von „Yellow Umbrella“ und früher auch mal bei „The Magic Touch“ …, kommt kurz darauf die Antwort. Da lebt und wirkt man so dicht nebeneinander und hat noch nichts voneinander mitbekommen. Die Bulli-Klinik liegt ja fast um die Ecke von mir. Schon ein wenig unglaublich.
Ganz klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen können. Und erst recht nicht, wenn schon einmal etwas vor der Haustür los ist. Der 09. Juli ist fest gebongt.

Hier ein paar Eindrücke vom Tage, die erst einmal ohne Reggae beginnen.

Den Dance am Vorabend mit DJ Grand Voyager und dem Big Bamboo Sound hatten wir noch nicht besucht. Heute steigen wir schon am Nachmittag in das Geschehen ein, um auch einen allgemeinen Überblick bei Tageslicht zu bekommen. Gegen 16:00 Uhr soll außerdem „The Cruise To Kingsbridge“ stattfinden, eine Ausfahrt nach Königsbrück mit einer Bulli-Parade. In „Kingsbridge“, wie man zum Spaß Königsbrück ins Englische umbenannt hat, soll ein witziges Programm mit Clown Tomtom stattfinden. Da wir selbst keinen Bulli haben, werden wir eben Mitfahrer und bekommen einen der Busse zugeteilt.

Campers HiFi 2011

Campers HiFi 2011

Bild 1 + 2: „The Cruise To Kingsbridge“ - Die ersten Bullis gehen an den Start

Aus der kurzen Strecke nach „Kingsbridge“ wird eine halbstündige Kreuzfahrt durch die umliegenden Dörfer und der schönen Natur. Unterwegs treffen wir „Luigi´s Eismobil“, ebenfalls einen Bulli-Liebhaber aus Dresden, der sich gleich mit einreiht und am Zielort des beschaulichen Marktes von „Kingsbridge“, seine köstlichen italienischen Eisspezialitäten an die Paradeteilnehmer verkauft. Der Mann redet nicht etwa vom Eis, sondern erzählt während des Verkaufs, mit heller Begeisterung von seinen anderen Bullis die er noch hat und umbauen will.

Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011
Campers HiFi 2011

Bild 1 - 3: Der Markt in "Kingsbridge" wird von der Bulli-Parade eingenommen

Mitten auf dem Markt steht der Bulli von Clown Tomtom, der noch nirgends zu sehen ist. Aber dann schallt ein lauter Wecker über den Markt und Tomtom schält sich müde aus seinem Wohn-Bulli. Die witzige Vorstellung ist natürlich ganz auf Bulli-Liebhaber ausgerichtet. Wir erleben die Geburt eines kleinen Bullis. Haha, das wäre nicht schlecht, wenn unser fahrbarer Untersatz mal das Zeitliche segnet. Zuerst wird erst einmal ein großer Topf benötigt. Es folgen ein paar Zutaten wie Keilriemenschnipsel, ein zerkleinerter Lüftungseinsatz, etwas Öl aus der Kanne, …, dann ein paar Spritzer aus der Scheibenwaschanlage von Papa Bulli zur Befruchtung und fertig ist die Mischung. Man nehme einen großen Maulschlüssel, rühre alles kräftig durch, warte auf den großen Knall, der mit viel Rauch daherkommt, und tatsächlich brummt dann im Topf ein kleiner Bulli, den Tomtom glücklich in die Runde zeigt. Alle Neugeborenen wollen natürlich trinken und Klein Bulli bekommt sofort die Spritkanne angelegt.

Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011

Bild 1 + 2: Clown Tomtom

Dann gibt es auch noch ein musikalisches Ständchen von Tomtom und Papa Bulli, mit allen Geräuschen und beweglichen Teilen, die ein Bulli so an sich hat.
Zum Ende der Show kommt Jürgen aus dem Bulli zum Vorschein, der den Papa Bulli als Instrument bedient hat.

Wieder zurück auf dem Festivalgelände ist man schon fleißig dabei die Bühne einzurichten. Natürlich völlig klar, dass diese wiederum aus Bullis zusammengebastelt worden ist. Auch die Begrenzung des kleinen Konzertplatzes besteht aus einer Wand von aneinandergereihten Bullis. Standesgemäß aus umgebauten Bullis heraus, wird für das leibliche Wohl am Platze gesorgt. Selbst die Turntables des Soundsystems sind auf dem Dach eines Bullis eingerichtet, und fertig ist der „Bulli-Sound“. Die Beschallung des Platzes gibt es nicht nur von vorn. Weitere Boxen hat man seitlich in der Bulliwand verstaut. Die Schiebetüren der Bullis machen es möglich. Alles zusammen ein tolles und noch nie dagewesenes Ambiente, was da die Veranstalter geschaffen haben.

Campers HiFi 2011

Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011
Campers HiFi 2011

Bild 1: Die Bulli-Bühne
Bild 4: Ausschnitt aus der Bulli-Mauer rings um den Konzertplatz

Nur regnen darf es nicht. Die Überdachung auf der Bühne kann gerade einmal den Drummer und zur Not noch zwei Gitarristen schützen. Bulli-Doktor Jürgen meint zum Rahmen des Festivals, dass er noch nie seine Interessen Reggae und Bullis zusammen auf einem Event haben konnte. Noch nie gab es bei einem Autotreffen die richtige Musik für ihn, und wenn es die richtige Musik gab, waren wieder keine Bullis dabei. Da liegt es natürlich sehr nahe, dass man als Bullidoktor, Reggaemusiker und sogar Mitinhaber der Bulliklinik, dies ganz einfach selber arrangieren und passend machen kann.
Seine ehemaligen Weggefährten von The Magic Touch, bei denen Jürgen auch schon einmal als Bassist gespielt hat und sogar ehemaliges Gründungsmitglied ist, sind mit ihren Vorbereitungen fertig. Auch die Jungs von Paprika Korps genießen bei einem Bierchen die Abendsonne.
Alex Buck, der nun bei The Magic Touch spielt, habe ich schon eine Weile bei Yellow Umbrella vermisst. „Gibt es einen Grund, warum du nicht mehr bei Yellow Umbrella bist?“, will ich von ihm wissen. „Nein, eigentlich nicht. Es waren sehr schöne Zeiten mit Yellow Umbrella. Aber deren musikalische Richtung ist schon festgelegt, und hier bei The Magic Touch, kann ich meine Ideen besser einbringen.“, bekennt Alex. „Ja, mir ist bisher immer aufgefallen, wenn der Thomas beim Konzert mit Yellow Umbrella einen Titel von dir angesagt hat, dass dieser immer mehr nach Reggae klang und sich vom überwiegenden Ska-Stil der Band deutlich abhob.“ Alex schmunzelt und gibt mir Recht. „Ja ich bin mehr für Reggae, aber nicht so sehr das Moderne. Mir liegen mehr die alten Sachen am Herzen.“

The Magic Touch wurde 2006 in Leipzig und Berlin als Nebenprojekt der Dresdner Band Yellow Umbrella und der Berliner Band Solitos gegründet. Magic Alex, Magic Jürgen, Magic Patria und Magic Sven waren die Akteure der ersten Stunde. In der heutigen Zusammensetzung spielt die Band seit 2009. Alex Buck als Leadsänger und Gitarrist, Sven Koop als Sänger und Drummer „BoomBoom“, Johannes Wehrle a.k.a. „Johnny Dingo“ am Keyboard, Jonas Hesse a.k.a. „Hessy James“ am Bass und Roger Nolda a.k.a. „Don Rockshah“ als Sänger und Percussionist. Am 17.09.2010 veröffentlichten sie ihr Debutalbum „Love & Hate & Politricks“ bei Grover Records. Ein Album, welches ganz nach der vorangegangenen Aussage von Alex Buck klingt. The Magic Touch spielt klassischen Reggae, Rocksteady, Ska und Soul im Style der 60-er und 70-ger Jahre.

The Magic Touch The Magic Touch

Bild 1: Album Cover „Love & Hate & Politricks“
Bild 2: The Magic Touch - von links: Jonas, Sven, Alex, Johannes und Roger

Ein Stück nach 21:00 Uhr ist es dann schließlich so weit. Die Band macht sich im Bulli-Umkleidewagen für die Bühne zurecht. Dann noch kurz ein etwas unterbelichtetes Gruppenbild in der Dunkelheit vor der Bühne, und im Anschluss geht es sofort auf dieselbe. The Magic Touch bringt ein bunt gemischtes Programm aus ihrem musikalischen Können. Alex müht sich immer wieder redlich ab, die Leute zu bitten vor die Bühne zu kommen. Sehr schwierig das Ganze. Leider sind von den erhofften 500 Konzertgästen nur ungefähr 100 eingetroffen. Wirklich sehr schade.

The Magic Touch

The Magic Touch The Magic Touch
The Magic Touch The Magic Touch
Campers HiFi 2011

The Magic Touch The Magic Touch
The Magic Touch

Campers HiFi 2011

The Magic Touch Campers HiFi 2011
The Magic Touch The Magic Touch

Wo ist eigentlich Jürgen? „Der kommt nicht daran vorbei, wenigstens ein Stück bei uns mitzuspielen!“, sagt Alex. Und alles ruft laut nach Jürgen. Aber Jürgen möchte offenbar nicht und schafft es immer wieder unsichtbar zu bleiben. „Der Jürgen ist so schüchtern.“, meint Alex, und erneut wird nach dem eben verklungenen Song nach Jürgen gerufen. Irgendwann ist es dann aber doch nicht mehr zu vermeiden, Jürgen muss den Bass umschnallen und sich unter das viel zu niedrige Bühnendach begeben. Es hält ihn aber nicht lange dort, und nach nur einem Titel übergibt er die Gitarre wieder an Hessy James.

The Magic Touch The Magic Touch

Zum Ende des sehr guten Programms sind dann auch alle Gäste wenigstens mit ihren Bänken nach vorne gerückt, und ein paar Tänzer haben sich auch noch eingefunden.

Hier noch zwei Videos zum Kennenlernen der Band:



Video: The Magic Touch –Teardrops



Video: Since You´ve Been Gone - The Magic Touch

Dann geht es weiter mit den Paprika Korps, einer Band aus Polen. Bereits am 13.04.1996 hatten sie ihren ersten Auftritt in ihrer Heimatstadt Opole. Erste Aufnahmen machte die Band schon ein Jahr darauf, und ihr Debutalbum „Another Step“ ("Kolejny krok") folgte im Juni 1999. Im Dezember 2000 spielten sie zum ersten Mal in Deutschland und damit überhaupt zum ersten Mal außerhalb Polens. Inzwischen ist die Band auch in und außerhalb von Europa unterwegs und hat seit 19.03.2010 mit „Metalchem“ das sechste Album herausgebracht. Auf ihrem dritten Album „Telewizor“, das im Jahr 2004 veröffentlicht worden ist, hat man auch die Bläser von Yellow Umbrella beteiligt. Seit 1999 tritt die Band mit folgender Besetzung auf: Piotr Maślanka (Keyboard, Gesang, Melodica), Łukasz Rusinek (Gitarre), Marcin Matlak (Gitarre, Gesang), Tomasz Krawczyk (Bass), Aleksander Żeliźniak (Schlagzeug) und Jakub Łukaszewski (Ton-Ingenieur). Paprika Korps verbindet Reggae mit Rock, Punk und einem gewaltigen Schuss Dub.

Kolejny krok Telewizor Metalchem

Bild 1: Debutalbum "Kolejny krok", 1999
Bild 2: Drittes Album "Telewizor", 2004
Bild 3: Aktuelles Album „Metalchem“, 2010

Gestern hat die Band in der Groove Station, im naheliegenden Dresden gespielt. So war der heutige Termin auch gut planbar. Die Jungs von Paprika Korps stehen schon eine ganze Weile auf der Bühne und experimentieren mit ihren Instrumenten herum. Alles hört sich noch nach Soundcheck an. Das geht dann irgendwann nahtlos und ohne richtige Begrüßung in das Konzert über. Paprika Korps ist deutlich lauter als The Magic Touch.

Paprika Korps Papika Korps
Paprika Korps Paprika Korps

Bild 1 - 4: Paprika Korps

Gnadenlos werden die Gitarren gequält und deren gewaltiger Sound bohrt sich durchs Gehirn, das man schon fast nach den Ohrstöpseln sucht. Für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu viel von Rock und Punk, aber trotzdem gut. Und wenn die Band dazwischen ihre Reggaeseite zeigt, die meistens gepaart mit sehr viel Dub daherkommt, ist das schon ein besonderes Klangerlebnis, wie man es selten zu Ohren bekommt.

Hier ein paar Videos zum Kennenlernen der Band:



Offizielles Video: Hi-Fi feat Maken – Paprika Korps



Offizielles Video: Overdub The Life-Line - Paprika Korps



Paprika Korps - Facts Of Life

Die Show endet dann irgendwann wie sie begonnen hat - grußlos. Die Band ist offenbar wegen der wenigen Leute nicht besonders motiviert. Allerdings hätten es wenigstens die Veranstalter verdient, die ebenfalls begeistert vor der Bühne stehen und trotz der geringen Fan-Beteiligung, sich über ihren ersten Festivalversuch freuen.

Dann steigt der Bulli-Sound ins Geschehen ein, und es gibt alte Reggae-Klassiker am laufenden Band.

Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011 Campers HiFi 2011

Für mich sieht Jürgen den Verlauf des Abends mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Alles hat gut geklappt, man hat den Reggae in die Bulliklinik geholt, das Programm war super, die Idee für den architektonischen Rahmen des Konzertplatzes war einzigartig und geregnet hat es auch nicht. Nur die Besucher haben gefehlt.
Jürgen ist ein wenig ratlos. „Wir haben so viel Werbung gemacht. In der regionalen Tagespresse waren wir auch mehrmals vertreten und Poster hat auch ein Profi geklebt.“
Offenbar war das nicht ausreichend. Ich für meinen Teil habe kein einziges Poster in den umliegenden Gemeinden und Städten gesehen. Da hat der Profikleber wohl ein wenig versagt. Und was die Jugend betrifft, die schaut auch eher selten in die Zeitung und surft lieber im Internet. Beim nächsten Mal sollte man zusätzlich die gängigen Musik- und Reggae-Foren, sowie die jeweiligen Eventkalender mit ausfüllen. Man könnte noch so Einiges tun.
„Wird es ein nächstes Mal geben?“, frage ich Jürgen. Der antwortet mit einer Gegenfrage. „War die Idee denn nicht gut? Bist du wieder dabei?“ Na selbstverständlich. Nur nicht den Mut verlieren. Auch andere Festivals haben mit zwei Bands und geringer Fanbeteiligung angefangen. Die Sache muss eben erst bekannter werden. „Komm, wir machen ein Abschlussfoto mit den Veranstaltern.“, schlage ich noch Jürgen vor. „Ach lass mal, so fotogen sind wir nicht. Fotografiere lieber die Turntables auf dem Bulli. Ist doch Wahnsinn, oder!?“ fügt er begeistert hinzu.
Jürgens Begeisterung macht Hoffnung auf ein weiteres Mal im nächsten Jahr.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Jürgen Kalkschies, Stefan Grießbach und alle ihre Helfer, die den Mut hatten und sich so viel Mühe für dieses Event gegeben haben. Weiterhin natürlich an The Magic Touch und Paprika Korps, die trotz Flaute vor der Bühne nicht verzagt haben.

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