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 Revelation Concerts Trinity Music
BERES HAMMOND & THE HARMONY HOUSE BAND
"Cant´t Stop A Man" Tour 2012

11.08.2012 - Columbia Club Berlin

Beres Hammond Tourposter
Beres Hammond war nach langer Enthaltung wieder einmal in deutschen Landen zu sehen. Sage und schreibe 9 Jahre ist es her, dass ich ihn beim Summerjam 2003 gesehen habe. Seine 2006er Tour zu besuchen, war mir leider nicht vergönnt. Aber auch das liegt ja schon 6 Jahre zurück. 2006 waren es immerhin noch sechs deutsche Locations die sich daran beteiligt haben, dieses Jahr leider nur zwei, zuzüglich des terminlich davor liegenden Ruhr Reggae Summer. Also nichts wie hin, hieß es da, auch wenn die Eindrücke vom kurz vorher stattgefundenen Reggae Jam noch gar nicht verarbeitet waren.

Hugh Beresford Hammond, kurz Beres Hammond, wurde am 28 August 1955, in Annotto Bay, Jamaica, geboren. Er war das neunte von 10 Kindern. Schon in seiner Kindheit sang Beres alles mit was ihm irgendwie zu Ohren kam. Künstler wie Ken Boothe, Peter Tosh, die Heptones und besonders Alton Ellis nahmen schon frühzeitig Einfluss auf seine musikalische Entwicklung. Nach Abschluss der High-School nahm Beres an einer Talentshow in Kingston teil und gewann eine Studioaufnahme. Es wurde seine erste Aufnahme mit dem Titel „Wanderer“, eine Coverversion von Alton Ellis, die aber nicht veröffentlicht wurde. Die Aufmerksamkeit für den jungen Sänger mit der unverwechselbaren Stimme war aber geweckt. Er wurde von Sonny Bradshaw in die Band „Sonny Bradshaw Seven“ geworben, was ihn aber im Nachhinein nicht befriedigte. Das Hauptbetätigungsfeld der Band waren Auftritte in den Touristenhotels der Insel. Die leider überwiegend desinteressierten Hotelgäste bildeten keine Basis für ihn. Die nächste Station für Beres waren die „Tuesday´s Children“, die er aber 1975 als künftiger Leadsänger für „Zap Pow“ wieder verließ. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden die Alben „Now“ und „Revolution“. Der noch heute legendäre „Last War“ Riddim stammt aus jener Zeit und wurde bereits von vielen Artists neu aufgelegt. Besonders eingeschlagen haben damit Alborosie mit seiner Version „Rastafari Anthem“ und Collie Budzz mit „Come Around“. Dass Beres Hammond dahinter steckt, ist nicht jedermann bekannt, da er landläufig oder weitestgehend als Vertreter von Lovers Rock und Schmuseballaden gilt. Parallel zu seiner Arbeit mit Zap Pow bastelte aber Beres bereits an seiner Solokarriere, die er 1976 mit seinem Debutalbum „Soul Reggae“ eröffnete. Produzent war sein damaliger Mentor Willie Lindo, mit dem er auch noch heute zusammenarbeitet. Obwohl er mit dem Album sehr erfolgreich war, und auch über die Grenzen hinaus in den USA und Kanada bekannt wurde, war das finanzielle Ergebnis bescheiden.
Um 1980 verliess Beres die Band Zap Pow und zog sich enttäuscht aus dem gesamten Geschäft zurück. Auch die Gründung der Gesangstruppe „Tuesday's Children“ brachte trotz zahlreicher Auftritte nicht den erhofften finanziellen Erfolg.

Zap Pow - Now Beres Hammond - Soul Reggae Beres Hammond - Just A Man Beres Hammond - Let´s Make A Song

Bild 1: Zap Pow – Now – 1976 (1992 als “Jungle Beat” und 2002 neu aufgelegt)
Bild 2: Beres Hammond – Soul Reggae – 1976
Bild 3: Beres Hammond – Just A Man – 1979 (2010 neu aufgelegt)
Bild 4: Beres Hammond – Let´s Make A Song – 1981

1985 gründete er deshalb mit „Harmony House Records“ sein eigenes Label und landete in den Folgejahren Hit auf Hit. Aber bereits 1987 wurde Beres Opfer eines bewaffneten Überfalls in seinem eigenen Haus, was ihn dazu veranlasste das Land zu verlassen. Drei Jahre lang lebte er bei Verwandten in New York. Auch dort setzte sich sein Erfolg fort. Er veröffentlichte das Album „Have A Nice Weekend“ und landete mit dem Song „How We Can Ease The Pain“ seinen ersten Hit in den USA. Bei einem Kurzbesuch in Jamaica nahm er seinen Hit „Putting Up A Resistance“ auf, bevor er 1990 endgültig in seine Heimat zurückkehrte. Er schloss einen Vertrag mit „Penthouse Records“. Dort produzierte er mit Donovan Germain seinen bis dahin erfolgreichsten Hit „Tempted To Touch“. Acht Jahre lang gab es von Beres ununterbrochen neues Material, bevor er ab 1998 für drei Jahre eine kreative Pause einlegte. Im Jahr 2001 meldete er sich dann mit seinem Album „Music Is Life“ eindrucksvoll zurück. Mit diesem Album errang er sogar eine Grammy Nominierung.
Beres hat inzwischen weit mehr als 20 Studioalben auf den Markt gebracht. Sein 2008er Album „A Moment In Time“ ist die bisher letzte Veröffentlichung von neuem Material.

Beres Hammond - Have A Nice Weekend Beres Hammond - Reggae Max Beres Hammond - Collectors Series Beres Hammond - Music Is Life

Bild 1: Beres Hammond – Have A Nice Weekend – 1988
Bild 2: Beres Hammond – Jet Star Reggae Max – 1996
Bild 3: Beres Hammond – Collectors Series – 1998
Bild 4: Beres Hammond – Music Is Life - 2001

Beres Hammond - Can´t Stop A Man Beres Hammond - Love Has No Boundaries Beres Hammond - A Moment In Time Our Favorite Beres Hammond Songs

Bild 1: Beres Hammond – Can´t Stop A Man – 2003
Bild 2: Beres Hammond – Love Has No Boundaries – 2004
Bild 3: Beres Hammond – A Moment In Time – 2008
Bild 4: Various Artists – Beres Hammond Tribute – Our Favorite Beres Hammond Songs - 2011

In den letzten Jahren hat man Beres schon dreimal für tot erklärt. Drogen, Herzinfarkt oder Krebs mussten dafür schon herhalten. Alles natürlich frei erfunden, so Beres. Da gibt es irgendjemand da draußen, der ihm seine Karriere neidet und ihm schaden will. Aber allen Neidern zum trotz gibt´s am 13.11.2012 endlich ein neues Album – sogar ein Doppelalbum. Das wird aber auch Zeit. Immerhin heißt es, dass Beres Material für mindestens 10 Alben schon fertig hat.

Beres Hammond - One Love One Life Beres Hammond - One Love One Life

Bild 1 + 2: Beres Hammond – One Love, One Life – Neu ab 13.11.2012

Doch genug der Vorrede. Schauen wir einmal im Berliner C-Club vorbei und lassen ein paar Impressionen Revue passieren.

Für das Tourmanagement von Beres ist Revelation Concerts zuständig, und der Veranstalter im C-Club ist natürlich Trinity Music.
Auf Grund früherer Erfahrungen finden wir uns zeitiger als sonst ein. Ausgerechnet heute ist der Andrang aber so gering, dass man die Türen erst viel später und sogar nach dem offiziellen Einlass aufschließt. Aus unerklärlichen Gründen mehren sich die Fans nur recht langsam, und die Wartezeit auf Beres zieht und zieht sich. Sind das vielleicht die Nachwehen der Festivalsaison, sind etwa alle schon übersättigt und ausgepowert? Beres Hammond sollte doch eigentlich trotzdem genug Publikum ziehen, denn es liegt ja immerhin 6 Jahre zurück, als er das letzte Mal in Berlin war. Wer nur drinnen wartet merkt aber nicht, wie sich der Biergarten im Außenbereich nach und nach bis auf den letzten Platz gefüllt hat. Als die Harmony House Band gegen 22:30 Uhr die Aufwärmphase startet, ist der Saal dann schließlich doch noch ganz akzeptabel gefüllt, und die Fans aus dem Biergarten drängen nach innen.

Harmony House Band Harmony House Band
Harmony House Band Harmony House Band
Harmony House Band

Die Instrumentalphase der Band erhöht die Vorfreude auf Beres erheblich. Erst wenn man die vielen angespielten Riddims hört, fällt einem wieder ein, welch gewaltigen Hit-Pool Beres Hammond zu bieten hat. Schnell sind die Fans in der rechten Stimmung. Als dann Beres nach zirka 15 Minuten Warm Up auf die Bühne kommt, ist der Jubel trotzdem etwas verhalten. Trotz der unverwechselbaren Stimme scheint etwas nicht zu stimmen. Beres trägt keinen Vollbart mehr, sieht schlanker und ein paar Jahre älter als sonst aus und hat so seinen Widererkennungswert ein ganzes Stück eingeschränkt. Völlig klar aber auch, dass sich ein Mann verändert, den man so viele Jahre nicht gesehen hat. Diejenigen, die beim Begrüßungsjubel fehlen, zweifeln wohl noch ein wenig und warten auf den „echten“ Beres.

Beres Hammond

bei Beres Hammond Beres Hammond
Beres Hammond & Harmony House Band

Harmony House Band Beres Hammond
Beres Hammond Beres Hammond
Beres Hammond



Live Video: Beres Hammond & Harmony House Band - Konzertauschnitte Teil 1

Der wiederum singt, springt und stampft dass nur so die Bühnenbretter knallen. Da bleibt nichts mehr in den Ritzen liegen. Was seine Vorgänger noch nicht geschafft haben, Beres kitzelt ganz sicher den letzten Staub heraus. Band und Backgroundsinger sorgen mit 10 Leuten für ein entsprechendes Klangbild. Das sind Guitar, Bass, Drums, 2x Keyboard, Percussion, 1 Bläser und 3 Backgroundsinger.

Beres Hammond & Harmony House Band Beres Hammond
Beres Hammond & Harmony House Band

Beres Hammond Beres Hammond
Harmony House Band Beres Hammond
Harmony House Band

Harmony House Band Harmony House Band



Live Video: Beres Hammond & Harmony House Band - Konzertausschnitte Teil 2
"Putting Up A Resistance" und mehr

Beres tritt heute ganz in blau auf, mit Ausnahme eines braunen Base Cap. Hat man ihn überhaupt schon einmal ohne Base Cap oder einer anderen Kopfbedeckung gesehen? Mir fällt kein Bild dazu ein. Zwischen den Titeln lässt Beres fast nie eine Pause. Fließend geht es überwiegend von einem Stück zum nächsten. Man kommt ja kaum zum Luftholen. Er muss sich auch nicht ständig feiern lassen oder die Massive zum Dialog oder mitmachen auffordern, wie ein Burning Spear beim diesjährigen Summerjam. Das funktioniert bei Beres von ganz allein.

Beres Hammond & Harmony House Band

bei Harmony House Band Beres Hammond
Harmony House Band bei Harmony House Band
Harmony House Band Harmony House Band
Harmony House Band Harmony House Band



Live Video: Beres Hammond & Harmony House Band - Konzertausschnitte Teil 3
"Feel Good", "Rockaway" und vieles mehr.

Zwischendurch gibt es ein paar vereinzelte Eindringlinge in den Sicherheitsbereich, die aber im Endeffekt keine Probleme bereiten. Nach der gegenseitigen Begrüßung mit Beres, ziehen sich die Fans zufrieden wieder zurück. Ausgerechnet eine energische Dame überfordert aber den Sicherheitsdienst, der schließlich Hilfe holen muss. Die Dame will den Sicherheitsbereich einfach nicht verlassen, zeigt aggressive Züge und zettelt eine Rangelei an, als sie gebeten wird zu gehen. In Abwesenheit des Sicherheitsmannes ist sie dann aber schlau genug, um sich doch noch zu verkrümeln.

Beres Hammond & Harmony House Band

Beres arbeitet weiter auf der Bühne an der „längsten Single der Welt“. Will der denn nicht einmal Luft holen zwischen den Stücken? Kein Wunder, dass er so schlank ist. Die „Pausen“ im gesamten Konzert kann man an einer Hand abzählen. Zwischendurch spielt er auch noch kurz Percussion, was man vielleicht auch noch als Pause à la Beres gelten lassen könnte.

Beres Hammond & Harmony House Band

Beres Hammond & Harmony House Band Beres Hammond & Harmony House Band

Zum Schluss der Show gibt´s für alle noch ein lang anhaltendes Standbild. Beres und alle Musiker verharren reglos für eine geraume Weile. So kommt ganz sicher jedermann, der es möchte, zu einem garantiert nicht verwackelten Foto.

Beres Hammond & Harmony House Band

Beres Hammond Beres Hammond



Live Video: Beres Hammond & Harmony House Band - Konzertauschnitt Teil 4 - Schluss

Fazit: Eine äußerst beeindruckende Show, die für die lange Wartezeit mehr als ausreichend entschädigt hat. Beres kraftvoll, ausdauernd und mit unerschöpflicher Energie geladen. Das dürfte alle Sorgen und Gerüchte um seine Gesundheit zerstreut haben.

Hier noch ein paar Backstage-Impressionen nach der Show.

Beres ist sehr ausgeglichen und überaus freundlich. Immer wieder bedankt er sich bei seinen Gästen für lobende Kommentare, deren Kommen und Unterstützung. Ohne Fotosession geht das Ganze natürlich nicht ab. Bereitwillig ist Beres bei der Sache und lacht ausgiebig in jede Kamera. Nur seine langjährige Managerin Mervis Walsh passt auf, damit sie ja nicht zufällig aufs Bild gebannt wird. Auf gar keinen Fall möchte sie fotografiert werden. Eigentlich schade. Immerhin hat sie maßgeblichen Anteil an der Arbeit von Harmony House Production, ist fast von Anfang an dabei und für Beres eine unentbehrliche Mitarbeiterin und Freundin geworden. Die Welt da draußen sollte sie einmal kennenlernen. Aber da kann man nichts machen, der Wunsch nach einem Bild von Mervis mit Beres bleibt leider unerfüllt.

Beres Hammond Backstage Beres Hammond Backstage

Beres Hammond Backstage Beres Hammond Backstage

Beres Hammond Backstage Beres Hammond Backstage
Beres Hammond Backstage Beres Hammond Backstage
Beres Hammond Backstage

Beres Hammond Backstage Beres Hammond Backstage

Bild 1 - 11: Beres Hammond Backstage
Bild 10: Beres und Mighty (Timeless Sound) mit überraschend "kurzen" Haaren
Bild 11: Beres und Joseph Blue Grant alias Still Cool

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Christoph Tewes von Revelation Concerts, Trinity Music und natürlich an die Artists des Abends.

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