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ANTHONY B – The Real Revolutionary Tour 2010

24.08.2010 – YAAM Berlin

Anthony B
Anthony B war wieder als Revolutionär in deutschen Landen unterwegs. Ich kann mich gar nicht entsinnen, ob die Tour in früheren Jahren hier schon einmal anders als „The Real Revolutionary“ hieß. Im Jahr 2006 war der Berliner Termin sogar exakt am selben Tag. Ursprünglich angesetzt waren für Deutschland 5 Termine. Bei der Anzahl ist es auch geblieben, aber der Termin in Stuttgart musste leider ausfallen. Ursache waren großräumige Absperrungen wegen einer Großdemonstration. Dies allerdings nicht wegen Anthony B, was auch völlig abwegig wäre, sondern wegen dem umstrittenen Verkehrs- und Städtebauprojekt „Stuttgart 21“

Anthony B Anthony B Anthony B Anthony B
Bild 1: Tourposter Germany 2010,  Bild 2: Flyer 2009,  Bild 3: Flyer 2008,  Bild 4: Flyer 2006

Völlig unverständlich, dass man nicht bereit war, für die Fahrzeuge der Künstler und der technischen Anlage eine Durchfahrtsgenehmigung zu erteilen. So blieb der Veranstaltungsort „Die Röhre“ leider unerreichbar für die Artists. Ein für den 31.08. angesetzter Nachholtermin musste auch wieder abgesetzt werden, da Anthony B für diesen Tag bereits Verpflichtungen in Skandinavien eingegangen war. Zusätzlich zu den Aufdrucken der Tourposter gab es aber am 27.08. noch einen Auftritt beim Chiemsse Reggae Summer, dessen Veranstalter aber auch nicht zu beneiden waren. Dort gab es dafür Probleme mit dem als Headliner angesetzten Sizzla. Es gab zwar überhaupt nicht die geringste politische Notwendigkeit das Konzert abzusetzen, aber man fürchtete Randale von gewaltbereiten Gruppen und um die Sicherheit der Besucher. "Gruppierungen aus dem linksradikalen Spektrum gefährden mit der Anmeldung mehrerer Demonstrationen in unmittelbarer Nähe des Festivalgeländes die Sicherheit der Veranstaltung.", äußerte sich der Veranstalter unter Anderem.
Weitere Informationen, die ich an dieser Stelle nicht kommentieren möchte, gibt es u. A. hier. Da kommen unangenehme Erinnerungen vom vorjährigen Berliner Debakel hoch. Wann hat das nur endlich einmal ein Ende?
Aber zurück zu Anthony B und nach Berlin, wo es zum Glück keinerlei Probleme gab. Die hier eingetretene Verlegung vom ursprünglich angesetzten Columbia-Club ins YAAM, hatte ganz harmlose Gründe. Man war im Columbia-Club mit einigen planmäßigen Renovierungsarbeiten nur nicht rechtzeitig fertig geworden. Für diesen Gig gilt es Revelation Concerts und Trinity Music zu danken.

Keith Blair, alias Anthony B, wurde am 31.03.1976 auf Jamaika geboren. Es wäre müßig weiterhin aus seiner Biographie vorzutragen. Seit 1996 Anthony B-s Debütalbum „Real Revolutionary“ in der Reggaewelt wie eine Bombe einschlug sind 14 Jahre vergangen und Anthony B gehört inzwischen zur absoluten Spitze des Genres. Wer dennoch etwas Nachholebedarf hat, sollte sich auf seiner offiziellen neuen Website ein wenig umsehen. Seit dem wegweisenden „Real Revolutionary“ hat Anthony 20 Alben und tausende Singles veröffentlicht. Darüber hinaus ist er auf hunderten Alben anderer Künstler oder Compilations mit vertreten. Sein aktuelles Album „Rise Up“, welches bedeutend besser als sein Vorläufer „Life Over Death“ ist, wurde schon im vorigen Jahr bei Greensleeves veröffentlicht. Für „Rootser“ ist es ganz sicher das bessere Album. Eine neue Veröffentlichung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Anthony B Anthony B Anthony B - Rise Up

Da wir im vorigen Jahr, total geblendet von der Bühnenbeleuchtung des Summerjam, nicht viel von Anthony B sehen konnten, stand es außer Frage für uns, ihn auf seiner diesjährigen Tour wieder zu besuchen.

Hier ein paar Eindrücke des Abends aus dem Berliner YAAM.

Rechtzeitig wie immer machen wir uns auf den Weg. Kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn mischt sich ein ungewohnter Takt in die Reggae-Klänge unseres Players. Mir wird es warm, aber nicht ums Herz. Die übernächste Abfahrt geht es wieder runter, da die Polterei auf dem Dach nicht verstummt. Da haben wir den Salat. Der obere Gummi der Frontscheibe hat sich gelöst und will unbedingt seinen musikalischen Beitrag leisten. Dann plötzlich riecht es auch noch mächtig brenzlig. Eine der hinteren Bremsen ist offenbar festgefahren und auf der Felge könnte man Spiegeleier braten. Vielen Dank lieber Fenstergummi! Ohne dich wäre sicher noch Schlimmeres auf den nächsten Kilometern passiert. Was tun? Auto tauschen oder Werkstatt? Anthony B darf auf keinen Fall für uns ausfallen. Unsere Werkstatt ist nur eine Abfahrt zurück. Wir versuchen unser Glück, obwohl schon Feierabend ist. Es ist tatsächlich noch jemand da, der bereit für Überstunden ist und unser Auto sofort verarztet. Wir sind erleichtert. Es soll nur eine halbe Stunde dauern. Die Bremsklötzer müssen gewechselt werden und das gleich sicherheitshalber bei beiden Hinterrädern. Unfassbar – ein dreijähriges Auto! Als wir schließlich wieder in die richtige Richtung weiterfahren können, haben wir insgesamt eine Stunde eingebüßt. Gut, dass wir rechtzeitig losgefahren sind, sonst wär´s das für heute gewesen.

Als wir kurz nach 21:00 Uhr auf dem Außengelände des YAAM eintreffen, bietet sich uns ein ungewohntes Bild. So viel Betrieb um diese Zeit haben wir noch nie gesehen. Anthony B macht es offenbar möglich. Auch drinnen ist schon allerhand Betrieb. Sehe ich richtig? Auf der Bühne steht Gunjah Deluxe* ohne Haare? Wie kam es denn nur dazu? Von Anthony B und seiner Band ist zum Glück noch nirgends etwas zu sehen. So haben wir noch genügend Zeit uns auf den Abend einzustimmen.
Es dauert noch bis 22:30 Uhr ehe die Band auf die Bühne kommt. Es ist nicht die Star Trail Band mit Ras Droppa, die man sonst in der Regel mit Anthony B zusammen sehen kann. Heute ist es die Roots Harmonics Band aus Dänemark. An der Gitarre ist Bandleader und Manager Adil Nadri, am Bass Neville Moulton, an den Drums der fröhliche Edwin Marie und am Keyboard Thomas Leholt zu erleben.
Die Band spielt sich erst einmal ein paar Stücke ein, bevor vielleicht nach ca. 15 Minuten „Equal Rights And Justice“ aus dem Hintergrund der Bühne ertönt. Als dann Anthony B auf die Bühne kommt ist das „Chaos“ perfekt. Eine derartige Begrüßung habe ich noch nicht bei Anthony B erlebt. Es ist fast zu viel des Guten. Die Massive springt und jubelt vor der Absperrung und ist fast genauso groß wie Anthony B auf der Bühne. Die Absperrung rückt nach vorn und neigt sich bedenklich aus der Vertikalen. Und das beim ersten Titel, der noch nicht einmal der Höhepunkt und eher langsamer Natur ist. 

Anthony B

Anthony B YAAM

Anthony B tritt heute wieder einmal ohne seinen gewohnten Stock auf. Jacke und Hose sind im hellen beige gehalten. Darunter trägt er ein glitzerndes T-Shirt mit einem großen Tigerkopf darauf. Der obligatorische Turban besteht heute aus einem braunen Tuch. Außer seiner Armbanduhr kann man bei Anthony B keinen Schmuck entdecken. Das ist fast immer so. Und wenn, dann gibt es maximal einen schlichten Armreif oder eine einfach gehaltene Halskette. 

Anthony B Anthony B

Weiter geht es mit dem Knaller „World A Reggae Music“. Um mich herum tobt es. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten, geschweige denn ein ordentliches Bild schießen. Handtücher klatschen mir vors Gesicht und die Linse meiner Kamera. Auf dem Rücken wird es nass. Hochgehaltene schwenkende Becher und Flaschen kotzen sich über mich aus. Anthony B legt auf dem selben Riddim noch weitere Tunes nach. Ein Stimmungshoch, wie lange nicht erlebt, durchflutet das YAAM. Besonders auffallend ist eine afrikanische Clique, die es aber trotzdem noch schafft sich in all dem Trubel mehrfach einen Joint zu drehen.
Mit Anthony B gibt’s keine Bad Lyrics. Love and Peace, Equal Rights and Justice, No more War, Love urself, Free Buju und natürlich Legalize It sind kennzeichnend für sein Programm. Es gibt keinen Abbruch in der Stimmung.

Anthony B Anthony B
Anthony B Anthony B

“Life Over Death”, …, “Waan Back” – jetzt wird es Anthony B auch zu warm, und er beginnt seine Jacke abzulegen. In jedem Tune bedient Anthony B die Roots und die Dancehall Massive gleichermaßen. Wer seinen Bühnenstyle kennt, wird wissen, dass es in jedem Stück eine Dancehallphase gibt. So wird es keiner „Seite“ überdrüssig, und es ergibt sich die perfekte Mischung.

Anthony B Anthony B YAAM

„Reggae Gone Pon Top“ und andere Sachen folgen. Dann „… U Are Warrior …“, wenn das so richtig ist? Den Titel kenne ich noch nicht. Wieder Klasse! Anthony B ist völlig durch. Dem Tigerkopf tropfen die Zähne. Anthony verlässt die Bühne und kommt im frischen blauen Shirt mit der weißen Aufschrift „Afreeca“ zurück. Aber auch das neue Shirt hat Anthonys Körpereinsatz auf der Bühne nichts entgegen zu setzen und dunkelt zusehends nach. Da helfen auch keine ruhigeren Stücke wie „Raid Di Barn“ mit Publikumsbeteiligung. „Yagga yagga yoh … yaggediyaggediyaggediyooh …..“ und alle geben ihr Bestes zurück. 

Anthony B Anthony B
Anthony B Anthony B

Die afrikanische Clique hat inzwischen aufgegeben. Einer von den … Joints war wohl „schlecht“ gewesen. Mir soll´s recht sein. Ich bin von den Handtüchern schon genügend durchmassiert und neu frisiert. Anthony fühlt sich auch bemüßigt den Dancehall ins rechte Licht zu rücken. Zuviel wird darüber hergezogen. „Dancehall is a jamaican beat!“, beton er in erster Linie. Und da hat er Recht. Nicht alles ist Gewalt, obwohl Dancehall überwiegend dazu missbraucht wird, Bad Lyrics unter die Leute zu bringen. „This ist the dancehall segment“ macht Anthony B im Programm weiter. „Tease Her“ und andere Tunes folgen.

Anthony B bei Anthony B
Anthony B Anthony B
Anthony B

Anthony B

Dann kommt auch noch die Polizei – ich meine natürlich den Tune „Police“ und die Massive grölt aus vollem Halse zurück. Mit „Striving“ wird es dann richtig schön melodisch und kuschelig. Die Massive schunkelt und Anthony B schüttelt die Hände die er erreichen kann. Der Titel dürfte nicht enden. Für alle die das ebenso sehen, sei die One Riddim CD „Rub-A-Dub“ aus der Serie “Riddim Driven“ empfohlen. Auf dem selben Riddim leitet dann Anthony B noch zu „It´s Only One Spliff“ über. Immer wieder mischt Anthony B Riddims und Tunes zu neuen Variationen, die bisher so nicht auf den offiziellen Alben zu hören sind.

Anthony B Anthony B
Anthony B

Ganz am Ende gibt es mit „Crazy Life“, jedoch in der Variante „Love Urself“, einen wunderschön gesungenen Abschluss. Liebe dich selbst und glaube an dich, nur so kannst du was bewirken und andere lieben. Er steigt auf die Boxen, damit er auch den hintersten Reihen zuwinken kann, bevor er wieder völlig durchgeweicht die Bühne verlässt. Die Band spielt noch etwas nach und beendet diese grandiose Hymne mehr als würdig. Edwin Marie setzt mit einem freudigen Lachen, welches ihn fast die ganze Show nicht verlassen hat, den Schlusspunkt an den Drums. Die Massive ist begeistert und zufrieden. Inzwischen ist es 0:30 Uhr geworden. Ein zweistündiges perfektes Konzert ist zu Ende gegangen.

YAAM

Backstage ist Anthony B wie gewohnt sehr aufmerksam. Die Wartenden müssen ihn in der Regel gar nicht erst ansprechen. Bei Anthony B läuft das umgekehrt. Er oder ein Mitglied seines Teams stellen von selbst den Kontakt zu den Gästen her. Respekt! Mit viel Geduld und in aller Ruhe werden alle Anliegen abgearbeitet. 

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Anthony B Adil Nadri und Neville Moulton von der Roots Harmonics Band

Bild 4: Adil Nadri und Neville Moulton von der Roots Harmonics Band

Heute hat ihn die Show aber doch etwas mitgenommen. „Ich bin ein wenig krank.“, bekennt er mit etwas angerauter Stimme. Gute Besserung Anthony und viel Erfolg auf der weiteren Tour! Immerhin liegen auch noch einige Termine vor ihm.

Copyright: Text und Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Lena und das YAAM Team, Susa von Trinity Music, Tourmanager Christoph von Revelation Concerts und natürlich Anthony B und die Roots Harmonics Band mit deren Manager Adil Nadri.

Wer eines der genannten Alben benötigt, sollte sich auf die Suche bei Irie Records begeben bzw. dort anfragen.

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