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ANTHONY B – DER PLANT MANAGER

24.08.2006 - KESSELHAUS BERLIN   

Flyer Im August dieses Jahres wurde durch Revelation Concerts u.A. eine Tour mit Anthony B organisiert. Neben den ganz großen Festivals wie Summerjam und Chiemsee Reggae Summer und vielen kleineren, war das natürlich ein weiterer Höhepunkt für die Reggae Fangemeinde. Die Tour begann am 09.08. in der Hamburger Markthalle, ging dann weiter über Freiburg, München, Bremen und kam am 24.08. in das Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei. Den Schlusspunkt fand die Tour am 26.08. mit der Reggae Summer Night in Hamm. Das Tragische an der Sache, die Tour überschnitt sich mit dem unerwarteten Todesfall von Joseph Hill, dessen Tour ebenfalls von Revelation Concerts organisiert worden war.
Noch nicht einmal eine Woche war seit diesem schrecklichen 19. August vergangen. Die Gedanken daran waren schwer abzuschütteln, gerade wenn man die Kulturbrauerei betritt. Hier sollte der nächste Auftritt von Culture stattfinden, am Tag als Joseph Hill verstorben war. Wir hofften sehr, dass uns Anthony B wenigstens eine Zeit lang auf andere Gedanken bringen würde.
Eigentlich war noch vor der Show eine Session mit Anthony B geplant. Die Hoffnungen der Sounds wurden allerdings zu fortgeschrittener Stunde immer geringer. Die Bemühungen um ihn gingen fast den ganzen Tag lang. Der Anthony war aber für die Sounds nicht erreichbar. „Er läuft in der Stadt herum, ist mal hier und mal dort, und keiner weiß richtig wo.“, –  so zumindest die offizielle Variante...
Andere vermuteten wiederum, dass der Anthony nur an diesem Tage einfach keine Lust zur Aufnahme von Dubplates hatte. Schade um die verlorenen Stunden der Warterei, aber so ist das nun einmal. Immer flexibel und auf dem Sprung bereit sein. Nur mit viel Idealismus kommt man da zum Ziel.
Schon einige Male durften wir Anthony B erleben, das letzte Mal beim vorjährigen Summerjam.
Wer einmal seine Show gesehen hat kann nachvollziehen, dass wir bereits schon wieder an Entzugserscheinungen litten. Seitdem hatten wir auch schon wieder eine Reihe neuer Tunes gehört, die beim letzten Summerjam noch nicht dabei waren. Zur Vorfreude auf ein Konzert im kleineren Rahmen mischte sich also auch noch die Hoffnung auf neue Stücke. Einige sehr jugendliche und etwas neben sich stehende Fans, zollten mir Anerkennung. „Toll, dass du auch Reggae hörst!“, meinten die doch tatsächlich zu mir und wankten gehörig hin und her. Ich musste mir verkneifen, meine Gedanken laut auszuplaudern. Wenn ich das zu denen gesagt hätte, wäre da eher ein Schuh draus geworden. Immerhin höre ich schon so lange Reggae, da lagen die noch als „Quark“ im Schaufenster. Zur Geschichte des Reggae, dessen Hintergründe und die ganze Kultur drum herum, ist den jüngsten Fans leider meistens kaum was bekannt.
Mit etwas Verspätung begann dann schließlich die Show. Die Star Trail Band betrat die Bühne und Ras Droppa eröffnete den Abend und begrüßte die Fans. Ras Droppa übernahm sogar die Rolle des Vorsängers, was wir so auch noch nicht gesehen hatten. Big Respect – das klang richtig gut.

Ras Droppa Anthony B
Anthony B Anthony B

Aber Anthony B ließ nicht lange auf sich warten und enterte kurz darauf unter großem Jubel der Massive die Bühne. Ein tolles Outfit hatte sich da der Anthony wieder ausgedacht. Wer hat schon einen Plant Manager gesehen? Die Vorstellung vom Anthony kennen wir jetzt. Eine Hose im Military-Look, ein braunes Jackett mit angesetzten roten Kragen und Ärmeln, ein braun-weißer Turban und natürlich der obligatorische Stock. Auf dem Jackett befanden sich mehrere Ganjablätter und darunter die Aufschrift Plant Manager. Viele weiße Glitzersteine auf den Schulterstücken, der Brusttasche und dem linken Revers gaben dem Ganzen noch einen richtig edlen Touch.
Vor der Bühne war lobenswerter Weise kein Sicherheitsbereich eingerichtet. Das machte die Show noch zu einem besseren Erlebnis. Bei Reggaefans könnte man in der Regel auch auf Absperrungen verzichten (zumindest so lange wie nicht all zu viel Dancehall dabei ist). Allerdings war Vorsicht vor Anthonys Stock geboten, der manchmal mit seinen energiegeladenen Bewegungen bedenklich nahe kam. Aber Anthony B hatte natürlich ein perfektes Augenmaß und unser Aller Köpfe blieben intakt.

Anthony B Anthony B
Ras Droppa Anthony B

Das Programm hatte in jeder Richtung was zu bieten. Anthony hatte für jede Fangruppe etwas im Repertoire, da waren langsame Chants, Roots Reggae in allen Spielarten, Dancehall und sogar Ska vertreten. Bei dieser Vielfalt kann man es natürlich nicht Jedem Recht machen, aber das Verhältnis war für unseren Geschmack zumindest sehr gut ausgewogen. Tracks wie „Fire Pon Rome“ (Real Revolutionary), “Good Life” (That..s Life), “My Hope” (My Hope), “Good Cop & Bad Cop” (Street Knowledge), “World A Reggae Music” (Black Star), “Waan Back” (bekannt auch mit Seeeds Version Waterpumpee), “Powers Of Creation” (Powers Of Creation) und “Cold Feet” (Real Revolutionary), nur um mal einige Hits zu nennen, brachten die Fans in Stimmung. Besonders eingeschlagen hat dabei natürlich “World A Reggae Music”. Dieser Riddim ist auch unter Anderem bei Damian Marley mit seinem „Welcome To Jamrock“ zu hören und hat schon oft für wahre Begeisterungsstürme gesorgt. Viele Tunes wurden allerdings anders dargeboten, wie sie den meisten von der CD her bekannt sind. Anthony verstand es die Stücke abzuwandeln und teilweise zwei Tunes zu einem neuen zu verbinden. Mit dem abgewandelten „Cold Feet“ ehrte Anthony B eine Reihe von legendären Persönlichkeiten, wobei Culture (Joseph Hill) natürlich einen besonderen Platz einnahm – „.....Give it up for the great Culture. – Culture – Culture – Culture ............... Selassie call your name“. 

Anthony B Anthony B
Anthony B Anthony B

Irgendwann kam dann aber leider wie immer das viel zu frühe Ende. Das Publikum jubelte und klatschte noch sehr lange, aber der Anthony war ausgepowert und nicht mehr auf die Bühne zu bekommen. Irgendwo hat eben alles seine Grenzen. Nur sehr langsam löste sich die Massive auf, die immer noch auf Nachschlag hoffte. Als schließlich mit der Demontage des Bühnenaufbaus begonnen wurde, sah es aber auch der Letzte ein – The party is over.

Anthony B Anthony B

Copyright: Text & Fotos by Reggaestory

Mein besonderer Dank geht an Christoph von Revelation Concerts und an das Berliner Kesselhaus!

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